Schlagwort: Steve Jobs

  • Steve Jobs (6): Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

    Steve Jobs (5) – Die Macintosh-Piraten

    Der schwierige Start des Apple Macintosh

    Mit dem Macintosh hatte Steve Jobs einen neuen Meilenstein der Computer-Entwicklung gesetzt. Doch Apple musste zunächst eine lange Durststrecke überwinden, um den kommerziellen Durchbruch zu schaffen. Das lag auch daran, dass das erste Mac-Modell mit 128 Kilobyte Hauptspeicher deutlich zu knapp ausgestattet war. Apple-Fellow Alan Kay beschrieb den Mac damals als einen „Honda mit einem Ein-Gallonen-Tank“. Außerdem fehlten damals noch die Anwendungen wie Aldus Pagemaker oder Peripheriegeräte wie der Laserdrucker, mit denen man später die Stärken der Mac-GUI im Desktop Publishing nutzen konnte.

    Im April 1985 eskalierte der Konflikt. In einem zweitägigen Marathon-Meeting verlangte Sculley, Jobs den Posten des Apple Vice President und General Managers der Macintosh-Abteilung zu entziehen.

    John Sculley sieht rückblickend diese Krise so: „Es war wirklich nicht die Schuld von Steve Jobs. Es ging nur um Moores Gesetz. Das Mooresche Gesetz ist ein sehr vorhersehbares, beständiges Gesetz, das besagt, dass sich alle etwa 12 bis 18 Monate die Anzahl der Transistoren verdoppelt. Und damit verdoppelt sich die Leistung eines Computers. Und die Realität war, dass der Macintosh Office einfach nicht leistungsfähig genug war. Das hatte nichts mit Apple zu tun. Es hatte mit dem Stand zu tun, in dem sich die Mikroprozessor-Technologie befand. Der Mac konnte einfach nicht sehr viel tun. Er wurde als Spielzeug bezeichnet. Er wurde auf dem Markt lächerlich gemacht.

    Steve Jobs sei zu ihm gekommen und habe gesagte: „Ich möchte den Preis des Macintosh senken und ich möchte die Werbung verlagern, einen großen Teil davon weg vom Apple II hin zum Mac.“

    Sculleys Antwort lautete: „Steve. Es wird keinen Unterschied machen. Der Grund, warum sich der Mac nicht verkauft, hat nichts mit dem Preis oder mit der Werbung zu tun. Wenn du das tust, riskieren wir, die Firma in die Verlustzone zu stürzen“. Jobs war völlig anderer Meinung als Sculley. Der Ehemalige Pepsi-Manager sagte: „Nun, ich werde zum Vorstand gehen“ und worauf er antwortete: „Ich glaube nicht, dass Du das tun wirst.“

    Hier hatte Jobs aber Sculley unterschätzt. „Und so gingen wir zum Vorstand. Und jeder von uns präsentierte seinen Fall vor dem Vorstand. Sie trafen sich mit jedem von uns einzeln. Und dann beauftragten sie den stellvertretenden Vorsitzenden, den dritten Mitbegründer von Apple, Mike Markkula, loszugehen und die Frage zu untersuchen und mit verschiedenen Führungskräften und Ingenieuren zu sprechen.“ Nach gut einer Woche kam Markkula zurück zum Vorstand und sagte: „Ich stimme John zu. Ich stimme nicht mit Steve überein.“

    John Sculley erzählt, wie es zum Bruch mit Steve Jobs kam und welchen großen Fehler er sich selbst nicht verzeihen kann

    Steve Jobs verliert den Showdown und verlässt Apple

    'Der Fall des Wunderkindes' auf dem Titel von Newsweek
    ‚Der Fall des Wunderkindes‘ auf dem Titel von Newsweek

    Ende Mai 1985 verlor Jobs seine Verantwortlichkeiten und wurde auf den Chairman-Posten abgeschoben. Im September 1985 verließ der Apple-Mitbegründer mit einer Handvoll Leute das Unternehmen, um NeXT Computer zu begründen. „Ich bin erst 30 Jahre alt und möchte noch etwas leisten und erreichen“, schrieb Jobs zum Abschied an Mike Markkula.

    Die Reaktionen der Apple-Beschäftigten auf den De-facto-Rauswurf offenbarten beide Seiten des Steve Jobs: Andy Hertzfeld, einer der Väter des Macintosh, trauerte Jobs offen hinterher, obwohl auch er von ihm mit rüden Methoden angetrieben worden war: „Apple hat damals seine Seele verloren“, sagte der Software-Entwickler, der nach dem Weggang von Jobs Apple verließ und zuletzt mit dem Design von Google+ Schlagzeilen machte. Larry Tesler, der von Xerox zu Apple gekommen war, sprach aber auch die dunkle Seite des Mitbegründers offen an: „Jeder war an irgendeinem Punkt von Steve Jobs terrorisiert worden. So waren manche erleichtert, dass der Terrorist gegangen war.“

    Bei der Entwicklung des Macintosh hatte sich Jobs um jedes noch so winzige Detail gekümmert und war seinen Mitarbeiten mit seiner Kompromisslosigkeit immer wieder auf die Nerven gegangen. Dem Pixar-Management ließ er hingegen große Freiheiten. Doch dieser Spielraum zahlte sich zunächst nicht aus. Das eigentliche Kernprodukt, der Pixar Image Computer zur Animation von Filmsequenzen, verkaufte sich nur schleppend. Dafür sammelten die Kurzfilme des genialen Pixar-Angestellten John Lasseter auf Filmfestivals einen Preis nach dem anderen ein, obwohl die Streifen eigentlich nur als Demos für die Leistungsfähigkeit der Pixar-Hardware gedacht waren. Deshalb fokussierte sich Pixar Anfang der neunziger Jahre auf die Filme selbst, nicht mehr auf die Hardware.

    Steve Jobs wird mit „Toy Story“ zum Milliardär

    Der Durchbruch gelang Lasseters Mannschaft mit dem computeranimierten Zeichentrickfilm „Toy Story“, den Pixar für Disney produziert hatte. Mit einem Produktionsetat von 30 Millionen Dollar spielte der Film über 360 Millionen an den Kinokassen und in der Zweitvermarktung ein. Kurz nach dem Start von „Toy Story“ am 29. November 1995 ging Pixar an die Börse.

    Steve Jobs, der inzwischen sein Vermögen aus der ersten Apple-Ära durch die ständigen Zuwendungen an NeXT und Pixar fast aufgebraucht hatte, wurde dadurch zum Milliardär. „Andere haben einfach den Istzustand hingenommen“, sagte George Lucas nach dem Tod von Jobs. „Das Magische bei Steve war, dass er bei allem, was er berührt hat, das wahre Potenzial erkannte und bei seiner Vision keine Kompromisse einging.“

    Weiterlesen: Teil 7 – Auf zu neuen Ufern mit NeXT

  • Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

    Steve Jobs (6): Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

    NeXT-Logo
    NeXT-Logo

    Steve Jobs’ neue Computerfirma NeXT war anders als das Filmstudio Pixar komplett auf den Chef ausgerichtet. Hier sollte der Computer entstehen, den Jobs bei Apple nicht bauen durfte. Als die Geldvorräte knapp wurden und immer noch kein Produkt in Sicht war, schwatzte er dem Multimillionär Ross Perot 20 Millionen Dollar ab, um eine hypermoderne Fabrik für die Produktion des NeXT bauen zu lassen.

    Den legendären Designer Paul Rand, der zuvor den IBM-Schriftzug entworfen hatte, beauftragte Jobs mit der Gestaltung des NeXT-Logos, der deutsche Designer Hartmut Esslinger schuf das legendäre schwarze Würfel-Gehäuse. Und Steve Jobs kümmerte sich um Details, die seinen Mitarbeitern kaum zu vermitteln waren. So verlangte er, dass die Schrauben im Rechner eine teure Beschichtung erhielten und der mattschwarze Lack auch auf der Innenseite des Gehäuses aufgetragen wurde, obwohl der Anwender dies nie zu sehen bekommen würde. „Er kannte keine Kompromisse“, sagt Esslinger. Wer einen NeXT-Cube ausprobierte, war in der Regel begeistert.

    Tim Berners-Lee's NeXT cube at CERN
    NeXT-Cube von Tim Berners-Lee am CERN

    Doch die 6500 Dollar, die der NeXT-Würfel kostete, waren den meisten Interessenten zu viel. Außerdem gab es für die leistungsfähige Workstation damals noch kaum Software, sodass insgesamt nur rund 50 000 Systeme abgesetzt wurden. Deshalb fand Jobs für die teure Hardware – ähnlich wie beim ersten Macintosh – nur wenig Käufer. Immerhin war unter den europäischen NeXT-Anwendern der britische Wissenschaftler Tim Berners-Lee, der auf einem schwarzen NeXT-Cube am Forschungszentrum CERN in Genf das Konzept des World Wide Web und den ersten Browser entwickelte.

    In dieser Zeit lernte Archibald Horlitz, Chef des größten deutschen Apple-Händlers Gravis, Steve Jobs kennen. Horlitz hatte von dem neuen Projekt gehört und klopfte bei einer Kalifornien-Reise spontan bei NeXT an, um sich vom Chef persönlich das System vorführen zu lassen. „Steve Jobs hatte mehrere Facetten. Wenn er etwas wollte, konnte er einer der charmantesten Menschen der Welt sein“, erinnert sich Horlitz. „Ich habe von einem Kollegen bei NeXT gehört, wie dort typische Einstellungsgespräche abliefen. Er nahm die Leute im wahrsten Sinne des Wortes in den Arm und lief mit ihnen ein, zwei Stunden über den Stanford-Campus. Wenn sie dann zurückkamen, waren sie erleuchtet und konnten sich nichts Schöneres vorstellen, als für ihn zu arbeiten.“

    Jobs konnte so eine Reihe von großen Talenten wie Avie Tevanian oder Scott Forstall an sich binden. Doch eine wirtschaftliche Besserung für NeXT war nicht in Sicht. Das Unternehmen verbrannte bedenklich viel Geld – und bei Jobs gingen (noch vor dem Pixar-Börsengang) langsam die finanziellen Reserven zu Neige. 1993 zog er bei NeXT die Notbremse, entließ viele Mitarbeiter und stellte die Hardware-Produktion ein. NeXT fokussierte sich jetzt allein auf die Software-Entwicklung. Und wie bei einem Treppenwitz der Geschichte kam Steve Jobs mit dieser strategischen Entscheidung wieder bei seinem alten Unternehmen Apple ins Spiel.

    NeXT rettet Apple

    Apple befand sich Mitte der neunziger Jahre in einem denkbar schlechten Zustand. John Sculley hatte zwar Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre einige Erfolge in der Publishing-Industrie feiern können. Produkte wie die PowerBook-Familie kurbelten eine Zeitlang den Umsatz an. Doch an die Absatzzahlen der Hersteller von IBM-kompatiblen PCs mit dem Betriebssystem DOS von Microsoft kam Apple mit dem Macintosh nicht heran. Zum Start des Macs hatte Bill Gates 1984 den Apple-Rechner noch öffentlich als innovative PC-Plattform gelobt. Doch hinter dem Rücken von Steve Jobs machte sich der Microsoft-Gründer daran, die Konzepte des Macintosh für sein Windows-System auszuplündern. Jobs bekam Wind davon und stellte Gates wütend zur Rede: „Du zockst uns ab. Ich habe dir vertraut und jetzt beklaust du uns!“ Der Microsoft-Chef blieb ganz cool: „Ich glaube, das kann man auch anders sehen, Steve. Ich glaube, man könnte eher sagen, dass wir beide diesen reichen Nachbarn namens Xerox hatten und ich in sein Haus eingebrochen bin, weil ich seinen Fernseher klauen wollte, um dann feststellen zu müssen, dass du mir zuvorgekommen bist.“

    Nach dem Weggang von Jobs konnte auch Sculley nicht verhindern, dass Microsoft sein Windows-System ständig fortentwickelte und dabei Details der grafischen Bedienoberfläche des Macs übernahm. Apple war erpressbar, denn wichtige Anwendungsprogramme für den Mac kamen von Microsoft. Nachdem Bill Gates damit gedroht hatte, die Entwicklung von Microsoft Office für den Mac einzustellen, wenn Apple gegen Windows vorgehen werde, lizenzierte der Apple-CEO 1986 bestimmte Elemente der Mac-GUI an den Konkurrenten aus Redmond. Doch dann musste Sculley hilflos zusehen, wie die Microsoft-Truppe die Grenzen der Vereinbarung mit jeder neuen Windows-Version schamlos zu ihren Gunsten verschob.

    Michael Spindler
    Michael Spindler

    Auch eine 1988 von Apple angestrengte Klage konnte den Softwaregiganten nicht mehr stoppen. Das Gericht entschied 1992, dass Apple die grafische Bedienoberfläche oder die Idee des virtuellen Schreibtisches über das Urheberrecht nicht wie bei einem Patent schützen lassen könne. 1994 scheiterte Apple letztlich auch beim U.S. Supreme Court mit dem Versuch, Windows gerichtlich stoppen zu lassen. Sinkende Einnahmen und Schwierigkeiten in der Entwicklungsabteilung verschärften bei Apple die Krisenstimmung.

    Im Juni 1993 riss dem Apple-Verwaltungsrat der Geduldsfaden. Das Board ersetzte Sculley durch den deutschstämmigen Manager Michael Spindler, der beim Vertrieb in Europa Punkte gesammelt hatte. „The Diesel“ war ein effektiver Manager, doch ihm fehlte jegliche Inspiration. Er konnte Apple nicht aus der Krise führen. Ihm gelang es nicht einmal, das Unternehmen an Interessenten wie IBM, Sun Microsystems oder Philips zu verkaufen. Nach anderthalb Jahren wurde Spindler durch den Sanierungsexperten Gil Amelio als CEO abgelöst. Amelio musste 1996 – ein Jahr nach dem erfolgreichen Start von Windows 95 – vor allem die Frage nach dem künftigen Betriebssystem beantworten, da das Apple-interne Copland-Projekt grandios gescheitert war.

    Jean-Louis Gassée
    Jean-Louis Gassée

    Zur Auswahl standen BeOS des ehemaligen Apple-Managers Jean-Louis Gassée und Steve Jobs’ System NeXTStep. Um die Entscheidung zwischen Be und NeXT, die Steve Jobs für sich entscheiden konnte, ranken sich inzwischen unzählige Mythen, die heute nur noch schwer zu entwirren sind. Be verlor jedenfalls den Wettlauf. Apple zahlte im Februar 1997 knapp 430 Millionen Dollar für NeXT und das Know-how der Firma.

    Screenshot NeXTStep
    Screenshot NeXTStep

    Bill Gates hatte für den Richtungswechsel bei Apple nur Hohn und Spott übrig. „Glauben Sie wirklich, dass Steve Jobs etwas in der Hand hat?“, fragte Gates den noch amtierenden Apple-CEO Amelio. „Ich kenne seine Technologie, das ist nichts weiter als ein aufgewärmtes UNIX, und ihr werdet es nie schaffen, das auf euren Rechnern laufen zu lassen. (…) Wofür kaufen Sie diesen Müll?“ Gates nahm NeXTStep als Konkurrenzsystem nicht ernst. Er ahnte aber bereits, dass es nicht nur um ein neues Betriebssystem ging, sondern um einen Coup, der Steve Jobs wieder bei Apple an die Macht bringen sollte. Tatsächlich wurde Amelio fünf Monate später vom Board of Directors gefeuert und Jobs übernahm im September 1997 die Position eines „Interim-CEOs“. Apple stand damals 90 Tage vor dem Konkurs.

    Weiterlesen: Teil 8 – Der Neustart von Apple

  • Steve Jobs (8): Der Neustart von Apple

    Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

     

    Hilfe vom Erzfeind

    "Bill, thank you" - Steve Jobs on the cover of Time Magazine
    „Bill, thank you“ – Steve Jobs auf dem Cover des Time Magazines

    Die von Steve Jobs eingeleitete Wende hatte radikale Auswirkungen. Er räumte im Apple-Management brutal auf, reduzierte die Produktpalette dramatisch, killte das ambitionierte Newton-Projekt von John Sculley, kündigte die Vereinbarungen mit den Herstellern von Macintosh-Clones und holte ausgerechnet seinen Widersacher Bill Gates als Retter an Bord. Auf der MacWorld Expo in Boston 1997 verkündete der Microsoft-Chef auf einer riesigen Video-Leinwand, dass der weltgrößte Software-Konzern Apple-Aktien im Wert von 150 Millionen Dollar kaufen und die Entwicklung des Office-Pakets für den Mac fortsetzen werde. Die Apple-Fangemeinde war entsetzt und buhte Jobs und Gates lautstark aus. Doch Jobs blieb bei seinem Kurs: „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Microsoft verlieren muss, damit Apple gewinnen kann.“ In den Reihen der Apple-Mitarbeiter entfernte Jobs nun diejenigen, die er für Versager und Abzocker hielt, die das Unternehmen an den Rand der Pleite gebracht hatten. Aber nicht alle traf der Zorn des iCEO: „Es gab viele, die mir glaubwürdig versicherten, dass sie (in Anspielung auf das alte Apple-Logo) in sechs Farben bluten“, sagte der Apple-Chef 13 Jahre später rückblickend auf der Konferenz AllThingsD. Zu den frustrierten und unentdeckten Genies in der Apple-Belegschaft gehörte damals der junge Designer Jony Ive. „Er hatte die Nase voll davon, dass die Firma sich vor allem mit Profitmaximierung beschäftigte anstatt mit Produktdesign“,

    schreibt Walter Isaacson in der autorisierten Steve-Jobs-Biografie. Der damals 30 Jahre alte Brite sagte: „Ich erinnere mich sehr genau daran, wie Steve verkündete, dass unser Ziel nicht allein darin bestehe, Geld zu verdienen, sondern darin, tolle Produkte herzustellen“. Ive arbeitete bereits seit 1992 bei Apple, war von den Apple-Bossen Sculley, Spindler und Amelio aber ignoriert worden.

    Weniger ist mehr

    Mit Ive zogen Ideen des deutschen Industriedesigners Dieter Rams bei Apple ein, der maßgeblich die Formensprache beim Elektrogerätehersteller Braun entwickelt hatte. „Weniger ist mehr“ – der Grundsatz von Rams wurde nun auch zum gestalterischen Credo von Jony Ive und Steve Jobs. Ive verwandelte mit dem ersten iMac G3 die typische beigefarbene PC-Kiste in ein halbdurchsichtiges, bonbonförmiges Lifestyle-Bekenntnis. Mit den PowerBooks aus Titan und Aluminium huldigte Ive seinem Vorbild Rams, der bereits 1963 für den legendären Weltempfänger T1000 ein ähnlich aussehendes Alugehäuse entworfen hatte. Und im ersten iPhone fand sich im Jahr 2007 eine in Software gegossene Kopie des Taschenrechners ET44, den Rams 20 Jahre zuvor für Braun gestaltet hatte.

    Bildergalerie: Design-Vorbild Braun

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    Steve Jobs fasste die geistige Grundlage für das neue Design-Grundgesetz bei Apple 1998 so zusammen: „Einfach kann schwerer als komplex sein: Man muss hart arbeiten, um das eigene Denken so sauber zu bekommen, damit man es einfach machen kann. Aber schließlich lohnt es sich, weil man Berge versetzen kann, wenn man erst mal dahin gelangt.“ Und es ging ihm nicht um billige Mode-Effekte. „Mode ist, was jetzt schön erscheint und später hässlich aussieht“, sagte Jobs seiner leiblichen Schwester Mona. „Kunst kann zunächst hässlich aussehen, wird später aber schön.“

    Doch nicht nur äußerlich sahen die Apple-Rechner nun anders aus. Auch die Software der Macs erhielt ein neues Fundament. Im September 2000 kam die erste öffentliche Betaversion des neuen Betriebssystems Mac OS X heraus, das auf der NeXTStep-Software beruhte. Über den Unix-Kern stülpten die Apple-Designer die neue Bedienoberfläche Aqua. Sie war dem Design des iMac G3 nachempfunden und von transparenten Menüs, hellen Nadelstreif-Mustern und riesigen Icons geprägt. Das Mac OS X wurde in den vergangenen elf Jahren immer wieder verbessert und ausgebaut und liegt nun in der Version 10.7 „Lion“ vor. Aus Mac OS X wurde auch das Mobilsystem iOS für iPhone, iPod touch und iPad abgeleitet. Mit einem neuen Betriebssystem alleine hätte Apple vermutlich die Wende nicht geschafft. Es fehlte eine Suite von Multimedia-Programmen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Dabei griff Steve Jobs auf Hilfe aus Deutschland zurück und übernahm im April 2000 das kleine Karlsruher Software-Unternehmen Astarte. Die Truppe um Freddie Geier sorgte auch dafür, dass Apple ohne größeren Schaden aus einer Sammelklage enttäuschter OS-9Kunden herauskam, die einen funktionierenden DVD-Player vermissten. Noch Jahre später berichteten Mitglieder aus dem Astarte-Team, wie faszinierend und anstrengend zugleich die Zusammenarbeit mit Jobs war. „Er kannte jedes Detail. Und fast jedes Mal, wenn er mal wieder unsere Vorschläge auseinandergenommen und eigene Ideen präsentiert hatte, dachte ich, verdammt, darauf hätte ich auch kommen können“, sagt Geier.

    Die iPod-Revolution

    Mit der Gründung und Rettung von Apple und dem Macintosh alleine hätte sich Steve Jobs schon einen prominenten Platz in der Computer-Geschichte verdient. Doch seine wegweisenden Entwicklungen reichten weit über die Welt der Personal Computer hinaus. Mitte Oktober 2001 erhielt ein ausgesuchter Kreis von Technikjournalisten in den USA eine Einladung zu einem Event auf dem Firmen-Campus in Cupertino, auf dem ein „wegweisendes Digitalgerät“ vorgestellt werden sollte. „Hinweis: Es ist kein Mac.“ Jobs hatte gerufen, um den ersten iPod vorzustellen, an dem er mit seinem Team über ein Jahr lang gearbeitet hatte. Sechs Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befanden sich die Menschen in den USA noch in einem Schockzustand.

    Kein Wunder, dass die Präsentation des ersten iPod damals in der Öffentlichkeit zunächst kaum Beachtung fand. Nur wenige hatten damals die Vorstellungskraft, dass ein Gerät, etwas kleiner als eine Zigarettenschachtel mit einer eingebauten Festplatte, einem Klickrad und der dazugehörigen iTunes-Software, die gesamte Musikindustrie auf den Kopf stellen könnte. Als der iPod einige Zeit später auch mit Windows-Rechnern zusammenarbeitete, sah man die weißen Apple-Kopfhörer immer häufiger in der Öffentlichkeit.

    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek
    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek

    Jobs ging es aber nicht allein um ein portables Gerät, auf das man seine Musiksammlung für unterwegs überspielen konnte. Dem Musikliebhaber und Bob-Dylan-Fan war klar, dass illegale Filesharing-Dienste wie Napster und Kazaa die Musikindustrie zugrunde richteten – insbesondere weil es kaum legale Alternativen zum bequemen Download der Songs gab. Daher pilgerte er zu Stars wie Bono von U2 und sprach bei den Verantwortlichen der Musikindustrie wie Paul Vidich, dem Chef von AOL Time Warner, vor. Sie sollten ihm die Lizenzen für den digitalen Musikvertrieb geben und ein möglichst einfaches Preismodell („99 Cent pro Song“) ermöglichen.

    Nach langem Zögern gaben die Plattenbosse nach. Viele Manager in der Musik- und Filmindustrie haben bis heute nicht verstanden, dass Jobs der Retter und nicht der Totengräber der Branche war – auch wenn die Erlöse via iTunes nicht alle Verluste aus dem verloren gegangenen Schallplatten-, CDoder DVD-Geschäft kompensieren konnten. Mit dem iPod und iTunes veränderte Steve Jobs die Gesetze der Musikindustrie und von Hollywood für immer und baute die Erlösbasis für Apple signifikant aus. Besonders freute ihn, dass er noch zu seinen Lebzeiten den juristischen Konflikt mit dem Musiklabel Apple Records lösen und die von ihm so geliebten Beatles in den iTunes-Katalog aufnehmen konnte.

    The Beatles in iTunes
    The Beatles in iTunes

    Weiterlesen: Teil 9 – Megaerfolg mit iPhone

  • Steve Jobs (9) – Megaerfolg mit dem iPhone

    Steve Jobs (8): Der Neustart von Apple

    Geheimprojekt „Purple 2“

    Noch gravierendere Folgen für Apple und die Branche sollte das nächste Großprojekt haben, das unter dem Decknamen „Purple 2“ entwickelt wurde. Schon kurz nach der Präsentation des ersten iPods beschäftigte sich die Apple-Führungsspitze konkret mit der Frage, ob Apple ein (Mobil-)Telefon bauen sollte. In einer geheimen Kommandoaktion wurde eine Entwicklertruppe aufgebaut, die auch im Unternehmen weitgehend unbekannt war.

    Im Rahmen von ebenso geheimen Arbeiten an einem Vorgänger des iPad hatten die Ingenieure in Cupertino ein erhebliches Wissen über Touchscreen-Technik aufgebaut, das sich auch auf einen kleineren Bildschirm übertragen ließ. Außerdem war mit dem ARM11-Chip endlich ein Mikroprozessor auf dem Markt, der einem Mobiltelefon die nötige Power für aufwendige Smartphone-Anwendungen spendieren konnte. Ab 2005 nahm das von Jony Ive designte Apple-Smartphone immer konkretere Züge an.

    Auf der MacWorld Expo im Januar 2007 konnte Steve Jobs groß auftrumpfen: „Heute stellen wir Ihnen drei revolutionäre Produkte vor: Das erste ist ein Breitbild-iPod mit Touchscreen. Das zweite ist ein umwälzendes Handy. Und das dritte ist ein neues Internet-Kommunikationsgerät, das einen echten Durchbruch bedeutet.“ Jobs wiederholte diese Aufzählung so oft, bis dem letzten Besucher im Moscone Center dämmerte, was er meinte; „Das sind nicht drei separate Geräte, sondern nur ein einziges. Wir nennen es iPhone.“

    Die alten Erzrivalen von Microsoft versuchten, den Vorstoß von Apple ins Lächerliche zu ziehen. „Es ist das teuerste Handy der Welt“, bellte Microsoft-CEO Steve Ballmer in einem TV-Interview. „Und die Geschäftskunden werden es ablehnen, weil es keine Tastatur hat.“

    Ballmer sollte sich gewaltig irren. Bis zum Ende des ersten Geschäftsquartals 2012 (Ende Dezember 2011) verkaufte Apple 183 Millionen Smartphones.

    Sales figures Apple iPhone
    Sales figures Apple iPhone

    Atombombe gegen die iPhone-Diebe

    Mit dem iPhone kann nur Google dank seines Mobilsystem Android mithalten. Steve Jobs war bis zu seinem Lebensende fest davon überzeugt, dass der Erfolg von Android nur durch einen Verrat des langjährigen Google-Chefs Eric Schmidt möglich war. Zwischen 2006 und 2009 saß Schmidt im Apple-Verwaltungsrat und hatte dort die Entwicklung des iPad und des iPhone mitbekommen. Seine Verpflichtungen gegenüber Apple hinderten ihn nicht daran, bei Google die Entwicklung eines konkurrierenden Systems voranzutreiben. Erst als der Interessenskonflikt unübersehbar war, trat Schmidt von seinem Sitz im Apple-Board zurück.

    So sahen Smartphones vor dem iPhone aus
    So sahen Smartphones vor dem iPhone aus

    Als im Januar 2010 das taiwanische Unternehmen HTC ein neues Android-Smartphone präsentierte, das viele Features des iPhones beherrschte, bekam Jobs einen Tobsuchtsanfall: „Unsere Klageschrift legt dar, dass Google verdammt noch mal das iPhone geklaut und uns im großen Stil abgezockt hat. Das ist ein schwerer Diebstahl. Ich werde meinen letzten Atemzug und jeden Penny von unseren 40 Milliarden Dollar (Rücklagen) auf der Bank dafür verwenden, um dieses Unrecht richtigzustellen“, sagte Jobs dem Buchautor Isaacson. „Ich werde Android zerstören, denn es ist ein geklautes Produkt. Ich bin bereit, dafür einen thermonuklearen Krieg anzufangen. Sie schlottern vor Angst, weil sie wissen, dass sie schuldig sind.“

    Tatsächlich streiten Apple und viele Android-OEMs wie Samsung und HTC sich seit Monaten vor Gericht. Doch trotz einiger Punktgewinne hat Apple den Siegeslauf von Android bislang nicht stoppen können. Jobs konnte sich mit der Tatsache trösten, dass zwei Drittel der Gewinne der gesamten Smartphone-Branche in den Büchern von Apple stehen und die anderen Hersteller bis auf Samsung wirtschaftlich nicht wirklich auf einen grünen Zweig kommen.

    Weiterlesen: Teil 10 – Der Kampf gegen den Krebs und das Vermächtnis von Steve Jobs

  • Steve Jobs (10) – Der Kampf gegen den Krebs

    Steve Jobs (9) – Megaerfolg mit iPod und iPad

    Zur Präsentation des ersten iPhones im Januar 2007 hatte Steve Jobs die ersten Stationen seiner persönlichen Leidensgeschichte schon hinter sich gebracht. Im Oktober 2003 erfuhr er von seiner Krebserkrankung, die er zunächst fast neuen Monate lang ohne die Methoden der klassischen Schulmedizin bekämpfen wollte. Ende Juli 2004 unterzog er sich aber doch einer Operation, bei der ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt wurde.

    Während Jobs dann im Sommer 2007 zum Verkaufsstart des ersten iPhones wieder ziemlich fit aussah, trat er ein Jahr später zur Entwicklerkonferenz WWDC 2008 deutlich abgemagert auf. Anfang 2009 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und unterzog sich einer Lebertransplantation. Er kehrte dann noch zwei Mal auf die Bühne zurück, um das erste iPad und das iPad 2 zu präsentieren.

    Es muss ein Triumph für Jobs gewesen sein, dass es Apple unter seiner Führung gelang, die digitale Schiefertafel als neue Gerätekategorie am Markt zu etablieren. Sein alter Widersacher Bill Gates hatte auf Messen wie der CES in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Tablet-Computer präsentiert, die aber so kompliziert zu bedienen, teuer und fehlerhaft waren, dass sich kaum Käufer dafür fanden. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt kämpfte Steve Jobs vor dem Stadtrat von Cupertino für eine Baugenehmigung des futuristischen neuen Apple Campus 2, der vom britischen Stararchitekten Norman Foster entworfen wird.

    Apple Campus 2 - © Apple Inc. - Foster + Partners
    Apple Campus 2

     

     

     

     

     

     

     

    Das Vermächtnis

    Mit dem gigantischen kreisrunden Gebäude wird in den kommenden Jahren ein Monument entstehen, wie es das Silicon Valley noch nicht gesehen hat. Doch Steve Jobs ging es nicht nur darum, sein Vermächtnis in Glas, Stahl und Beton für die kommenden Generationen sichtbar zu machen. Das wichtigste „Produkt“, an dem er die vergangenen Jahre gearbeitet hat, ist Apple selbst. Für Freddie Geier, der für Apple in Kalifornien arbeitete und knapp zwei Jahre lang die Geschäfte von Apple Deutschland und Zentraleuropa leitete, war Steve Jobs eine „unendliche Inspirationsquelle, ein Visionär und Genie“. „Er war der Stil-Gott, der Dinge schöner und einfacher machen und Produkten eine Emotion mit auf den Weg geben konnte“. Der Perfektionismus von Jobs sei stets den Produkten zugute gekommen. Er habe es geschafft, unter dem Motto „Think different“ neue Wege einzuschlagen und die Präsentation der geheim gehaltenen Entwicklungen meisterlich zu zelebrieren.

    Jobs war selbst klar, dass es im Unternehmen niemanden gibt, der all diese Aufgaben im Alleingang übernehmen kann. Deshalb stellte er in den vergangenen Jahren ein Managementteam zusammen und verteilte die schwere Last der Nachfolge auf mehrere Schultern: Apple-CEO Tim Cook ist verantwortlich, dass das Unternehmen logistisch funktioniert und Geld verdient.

    Auf der Trauerfeier für Steve Jobs auf dem Apple-Campus in Cupertino strahlte Cook die Souveränität und Autorität aus, die jetzt viele Apple-Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre von ihm erwarten. Jobs habe ihm gesagt, die Apple-Beschäftigten sollten sich künftig nicht fragen, was Steve wohl getan hätte, sagte Tim Cook. „Macht einfach das Richtige.“ Er habe bei Disney gesehen, wie die Firma nach dem Tod des Gründers Walt Disney in die Krise geraten sei. „Alle haben da gesessen und ihre Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken und zu beraten, was Walt tun würde.“

    Die Seele von Apple wird künftig vermutlich vor allem von Jony Ive repräsentiert werden. Der Chef-Designer soll dafür garantieren, dass Apple weiterhin Produkte auf den Markt bringt, die alleine wegen ihres eleganten Aussehens begehrenswert sind. Inzwischen haben sich auch Gerüchte verflüchtigt, der Brite habe Heimweh nach Großbritannien – auch weil er dort seine Zwillingssöhne besser aufgehoben sähe. Sein souveräner Auftritt auf der Trauerfeier, mit dem er sich wohl selbst ein wenig von seinem Übervater Steve Jobs befreite, hat nicht nur die Leute auf dem Campus bewegt.

    Jony Ive wird auch zugetraut, das hohe Niveau des Apple-Designs ohne Wutattacken und ätzende Kritik an den Mitarbeitern zu bewahren.

    Eine Schlüsselrolle im Führungsteam von Apple wird auch der Software-Experte Scott Forstall einnehmen. Steve Jobs holte ihn schon 1992 von der Stanford University zu NeXT. 1997 folgte Forstall seinem Chef mit zu Apple. Inzwischen ist er für die iOS-Plattform zuständig. „Scott ist ähnlich wie Steve ein begnadetes Genie. Auch er ist in jedes Detail verliebt“, sagt ein ehemaliger Apple-Manager. Doch wie Jobs sei auch Forstall im Umgang oft schwierig und pflege eine katastrophale Kommunikationskultur.

    Businessweek Cover
    Businessweek Cover

    Die Bloomberg Businessweek nannte Forstall den „Zauberlehrling“ und zitierte den ehemaligen Apple-Softwareentwickler Mike Lee: „Ich habe Scott mal als Apples Chef-Arschloch bezeichnet. Ich habe das nicht als Kritik gemeint, sondern als Kompliment.“ In diesem Spannungsfeld wird wiederum Tim Cook die Aufgabe zufallen, die Temperamentsausbrüche von Forstall abzumildern und den jüngeren Vorstandskollegen manchmal zur Räson zu rufen.

    Bei der Feinjustage der Aufgaben in der Führungsetage können Cook, Ive, Forstall, aber auch Marketingchef Phil Schiller oder Eddy Cue, der für die iCloud-Produktfamilie bei Apple zuständig ist, auf Hilfe zählen: Ende 2008 warb der schwerkranke Steve Jobs den Management-Professor Joel M. Podolny, Dekan der elitären Yale School of Management, ab, um bei Apple eine hausinterne Universität zu gründen. „Steve sorgte sich um sein Vermächtnis. Die Idee war, das Besondere zu nehmen, was Apple auszeichnet, und ein Forum zu schaffen, das diese DNA an künftige Generationen von Apple-Angestellten vermitteln kann“, sagte ein Mitarbeiter der „Los Angeles Times“. Podolny hatte immerhin knapp drei Jahre Zeit, um Steve Jobs aus unmittelbarer Nähe zu erleben.

    Ob und wie es ihm gelingen wird, die Erfolgsformel des Steve Jobs an die künftigen Manager-Generationen von Apple zu übertragen, wird sich noch herausstellen. „Es gibt eine Menge großartiger Firmen“, schrieb Podolny zum Abschied an seine Yale-Studenten. „Ich kann mir aber kein Unternehmen vorstellen, das eine so unglaubliche persönliche Bedeutung für mich gehabt hat wie Apple.“ Steve Jobs hat seinen Nachfolgern mit auf den Weg gegeben, sich auf ihr eigenes Gespür zu verlassen und nicht auf die Marktforschung. Er zitierte Henry Ford, der gesagt haben soll: „Hätte ich meine Kunden gefragt, was sie haben wollen, hätten sie mir geantwortet: ‚Ein schnelleres Pferd!’“ Die Leute wüssten gar nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt. „Unsere Aufgabe ist es, Dinge zu lesen, die noch gar nicht geschrieben sind.“

  • Apple und Xerox PARC

    Der Besuch von Steve Jobs im Forschungszentrum Xeorx PARC und seine Folgen

    Nicht nur im inzwischen beigelegten Patentstreit zwischen Apple und Samsung behaupteten Kritiker, Apple-Mitbegründer Steve Jobs habe es in der Vergangenheit mit dem Schutz des geistigen Eigentums nicht all zu ernst genommen und sich immer wieder großzügig bei anderen Firmen und Erfindern bedient. So habe Apple bei der Entwicklung des Macintosh Ideen kopiert, die zuvor im Forschungslabor Xerox PARC ausgebrütet worden waren. Legende oder Wahrheit?

    (zuletzt aktualisiert: 8. März 2019)

    Der Eingang zum Xerox PARC in den achtziger Jahrenq
    Der Eingang zum Xerox PARC in den achtziger Jahren

    Die Geschichte von Xerox PARC

    Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein kurzer Blick in die Geschichte von Xerox PARC. Das legendäre kalifornische Forschungslabor wurde im Sommer 1970 von Xerox gegründet. Xerox war damals bereits ein sehr etablierter Player im High-Tech-Geschäft. In den USA steht der Name “Xerox” für das Fotokopieren, so wie in unseren Breiten “Tempo” für ein Papiertaschentuch oder “Tesa” für einen Klebefilm. Schließlich hatte die Xerox Corp. bereits 1950 als erstes Unternehmen der Welt die von dem amerikanischen Physiker und Juristen Chester F. Carlson erfundene “Xerographie” in ein funktionierendes Produkt umgesetzt. Carlson erhielt bereits 1937 das Patent auf ein Verfahren, das er „Elektrophotographie“ nannte. Am 22. Oktober 1938 folgte die Premiere in der Praxis: Mit Hilfe einer mit Schwefel beschichtete Metallplatte und einer Lampe übertrug Chester den Schriftzug „10.-22.-38 Astoria“ auf ein Wachspapier.

    Die erste Fotokopie
    Die erste Fotokopie

    Ende der 60er Jahre sah das Xerox-Management die Gefahr, dass japanische Firmen den technologischen Vorsprung von Xerox einholen könnten. Das hing auch damit zusammen, dass wichtige Patente von Xerox ausliefen. Außerdem befürchtete die Xerox-Spitze, dass mit den kommenden Computer-Generationen das “papierlose Büro” entstehen könne, in dem Xerox keinen Platz mehr hat. Vor diesem Hintergrund wurde das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) in Kalifornien gegründet.

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    Eine der bekanntesten Forscher am PARC war Alan Kay. Er kam 1970 zu dem Xerox-Forschungsteam. „Was wird ihre wichtigste Errungenschaft hier sein?“, wurde er während des Einstellungsgesprächs gefragt. Seine Antwort: „Der Personal Computer.“ „Was ist das?“, lautete die Gegenfrage. Kay klappte sein Notizbuch auf und skizzierte seine Vision: „Ein Rechner dieser Größe, mit einem Bildschirm, einer Tastatur und genug Power, um ihre Post zu speichern und ihre Musik, Bilder und Bücher.“ Kay stieß mit diesem Zukunftsentwurf bei Xerox zwar auf Unverständnis, konnte aber dennoch im PARC an seiner Vision eines Dynabooks arbeiten.

    The Spirit of Xerox PARC – Clip from „Triumph of the Nerds“

    Die Wissenschaftler und Ingenieure am PARC waren nicht durch Alltagszwänge eingeengt: John Warnock, ehemaliger Forscher bei Xerox PARC und später einer der beiden Gründer von Adobe Systems, erinnert sich in der TV-Doku „Triumph of the Nerds“: „Die Atmosphäre hier war wie elektrisiert, es herrschte totale intellektuelle Freiheit. Es gab keinen ‚gesunden Menschenverstand‘, fast jede Idee wurde als Herausforderung angesehen und wurde regelmäßig hinterfragt.“ Auch Larry Tessler, der später bei Apple den Macintosh und den Newton PDA mit entwickelte, genoss in den 70er Jahren die Freiheiten im PARC: „Das Management sagte: Geht los und erschafft die neue Welt, wir verstehen sie nicht. Hier waren Leute mit vielen Ideen und einem enormen Talent versammelt, jung und energiegeladen.“ Das Problem war nur, dass sich später die Unternehmensführung an der Ostküste der USA nur wenig für die Forschungsergebnisse aus dem PARC interessierte, wenn sie nicht im engeren Sinne mit Fotokopierern zu tun hatten.

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  • John Sculley

    John Sculley auf dem Cover seiner Autobiografie 'Odyssey'
    John Sculley auf dem Cover seiner Autobiografie ‚Odyssey‘

    Die Chance, die Welt zu verändern

    Ein Satz wird John Sculley bis an sein Lebensende verfolgen: “Möchten Sie wirklich den Rest Ihres Lebens damit verbringen, Zuckerwasser zu verkaufen oder wollen Sie die Chance ergreifen, die Welt zu verändern?” („Do you want to spend the rest of your life selling sugared water or do you want a chance to change the world?“) Mit dieser Provokation versuchte Apple-Gründer Steve Jobs den erfolgreichen Pepsi-Manager Sculley im März 1983 davon zu überzeugen, seine Karriere-Laufbahn bei PepsiCo an der Ostküste zu beenden und sich auf das große Abenteuer Apple Computer einzulassen. Jobs hatte seit Wochen John Sculley zusammen mit seinem Mentor Mike Markkula bearbeitet: Sculley sollte bei Apple die Rolle des Chief Executive Officers (CEO) einnehmen und das Management leiten. Der arrogante Satz des jungen Apple-Mitbegründers vom gezuckerten Wasser muss bei dem Ost-Küsten-Mann tatsächlich einen Meinungswechsel verursacht haben. In seiner Autobiographie „Odyssey – Pepsi to Apple“ schreibt Sculley zumindest, dass ihn diese Worte noch tagelang verfolgt hätten.

    Es war, als ob jemand ausgeholt und mir einen harten Schlag in die Magengrube versetzt hätte. Da machte ich mir Sorgen, meine Karriere bei Pepsi aufzugeben, auf mein Altersruhegeld und meine Zusatzvergütungen zu verzichten, meine Loyalität gegenüber (Pepsi-CEO Donald M.) Kendall zu verletzen und fürchtete, mich nicht in Kalifornien einleben zu können – alles ganz pragmatische Überlegungen für einen Mann in den mittleren Jahren. Ich konfrontierte mich auf einmal mit der Feststellung, dass mein ganzes Leben an einem Kreuzweg angekommen war. Die Frage war unglaublich schwer zu beantworten – ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Mir fehlten die Worte.

    John Sculley

    Goldener Handschlag zum Antritt

    Die Bedenken von Sculley wurden letztlich auch durch ein üppiges Kompensationspaket aus dem Weg geräumt. Apple bot dem neuen CEO einen Jahresgehalt von einer Million Dollar – fünfzig Prozent als Grundgehalt, fünfzig Prozent als Tantieme. Dazu kam eine weitere Million Dollar als „Startgeld“ zu Beginn und eine Million als Entschädigungssumme, wenn die Zusammenarbeit nicht funktionieren sollte. Apple erklärte sich außerdem bereit, die Differenz zwischen dem Verkauf von Sculleys Haus an der Ostküste und dem Kauf eines vergleichbaren Hauses in Kalifornien zu tragen, „was das Unternehmen am Ende noch eine Million Dollar kosten sollte“, wie Sculley in seinem Buch vorrechnet. Dazu kamen noch Optionen auf 350.000 Apple-Aktien. Mit diesem goldenen Begrüßungs-Handschlag trat Sculley im Mai 1983 bei Apple an.

    Apple II
    Apple II

    Apple war zu diesem Zeitpunkt dem Stadium eines Garagen-Startups längst entwachsen. Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hatte 1977 den legendären Apple II entwickelt, von dem im ersten Jahr nur 600 Exemplare abgesetzt wurden. Doch spätestens mit der Premiere der Tabellenkalkulation VisiCalc (1979) entwickelte sich der Apple II zu einem Bestseller in der damals noch sehr kleinen und jungen PC-Branche.

    1981 verkaufte Apple 210.000 Geräte und verdrängte Konkurrenzprodukte wie den Commodore PET oder den TRS-80 von Radio-Shack auf die hinteren Plätze. Als John Sculley 1983 bei Apple anfing, hing das Unternehmen noch immer an den Umsätzen, die der Apple II in die Kasse spülte, obwohl das Gerät technologisch nicht mehr taufrisch war. Es wurden höchste Zeit, dem One-Trick-Pony Apple einen weiteren Trick beizubringen, zumal immer häufiger der 1981 auf den Markt gebrachte IBM-PC Apple die Show stahl.

    Marktanteile der 8-Bit-Computer (1980-1984)
    Marktanteile der 8-Bit-Computer (1980-1984)

    Apple tat sich aber schwer damit, einen erfolgreichen Nachfolger des Apple II am Markt zu etablieren. Im Mai 1980 wurde der Apple III vorgestellt, der sich jedoch aus mehreren Gründen zum teuren Flop entwickelte. Dazu gehörten der hohe Preis und die in der Praxis unvollständige Kompatibilität zum beliebten Apple II und dessen bereits recht großer Softwarebibliothek. Außerdem plagten den Apple III waren technische Probleme, wie etwa häufige Abstürze durch Überhitzung und die Tendenz der Chips, aus ihren (billigen) Sockeln zu rutschen.

    Die schwierige Suche nach einem Apple-II-Nachfolger

    Nicht viel mehr kommerziellen Erfolg hatte das Unternehmen mit dem Apple Lisa, die vier Monate vor dem Amtsantritt von Sculley der Öffentlichkeit vorgestellt worden war. Technologisch markierte „The Lisa“ einen Meilenstein: Der Rechner verfügte über eine Maus sowie über ein Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche, in der die Apple-Ingenieure Grundkonzepte aus dem legendären Forschungszentrum Xerox PARC in ein brauchbares Produkt umgesetzt hatten. Doch mit einem Preis von rund 10.000 US-Dollar verkaufte sich der Rechner äußerst schlecht.

    Somit ruhten alle Hoffnungen auf dem Apple Macintosh. Das Macintosh-Projekt war 1979 vom damaligen Apple-Boss Michael Scott („Scotty“) und Apple-Chairman Mike Markkula bei Jef Raskin in Auftrag gegeben worden, der ursprünglich einen Volkscomputer für 500 bis 1.000 Dollar – noch ohne eine grafische Bedieneroberfläche (GUI) – geplant hatte. Raskin verlor das Projekt aber 1981 an Steve Jobs, dem zuvor die Zuständigkeit für das kränkelnde Lisa-Projekt entzogen worden war.

    Nach dem legendären Besuch von Steve Jobs und seinen Mitarbeitern im Forschungszentrum Xerox PARC war allen Projektbeteiligten klar, dass der Mac wie der Alto von Xerox eine Maus und eine GUI haben musste – nur viel besser als bei den „reichen Nachbarn“ von Xerox. Auch an dieser Stelle sei betont, dass die Apple-Crew nicht einfach das Know-how der Forscher im Xerox PARC ausgeplündert hat. Vielmehr beruhte der Wissenstransfer auf einer Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen, für die Xerox mit Apple-Aktien noch vor dem Börsengang reichlich belohnt wurde.

    Mit den zusätzlichen Anforderungen, die Steve Jobs nun an den Mac stellte, rückte das Preisziel von 1.000 Dollar in weite Ferne. So entschied der Apple-Gründer im Mac die ersten 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerke von Sony zu verbauen, was den Preis um 50 Dollar erhöhte. Schließlich landete das Mac-Team bei einer Preismarke von knapp 2.000 Dollar. Die Preisfindung für den Mac führte zum ersten fundamentalen Konflikt zwischen John Sculley und Steve Jobs. Der neue Apple-CEO bestand darauf, den Mac für 2.495 Dollar auf den Markt zu bringen – Jobs wollte mit 1.995 Dollar unter der 2.000-Dollar-Marke bleiben. Das Macintosh-Team fühlte sich vor den Kopf gestoßen, wie man im Bericht von Andy Hertzfeld eindrucksvoll nachlesen kann. Die Entwickler sahen keinen Sinn darin, den Mac für ein großes Marketing-Budget zu teuer zu machen. Sie hätten den Mac für Leute wie sie selbst entwickelt und der von Sculley geforderte Preis sei ein Verrat an ihren Grundsätzen. Im ersten Machtkampf zwischen Sculley und Jobs setzte sich der neue CEO gegen den Apple-Gründer durch.

    Mit einem legendären TV-Spot wurde der Apple Macintosh vorgestellt
    Mit einem legendären TV-Spot wurde der Apple Macintosh vorgestellt

    Bis zur grandiosen Premiere des Apple Macintosh im Januar 1984 mit dem berühmtesten Werbespot aller Zeiten (“1984?) gelang es den beiden jedoch, die internen Konflikte nicht nach außen dringen zu lassen. Steve Jobs und John Sculley wurden in den Medien weiterhin als das „Dynamic Duo“ des Silicon Valleys gefeiert – obwohl das Verhältnis zwischen ihnen durch den Konflikt um den Macintosh-Preis einen tiefen Riss erlitten hatte.

    Der erste Riss zwischen Sculley und Jobs

    Als ‘Apple's Dynamic Duo‘ gefeiert: Steve Jobs und John Sculley auf dem Cover der BusinessWeek
    Als ‘Apple’s Dynamic Duo‘ gefeiert: Steve Jobs und John Sculley auf dem Cover der BusinessWeek

    In den Berichten über Apple im Frühjahr 1984 kann man davon aber nichts lesen: Steve Jobs war das Wunderkind mit einem untrüglichen Gespür für innovative Technologien. John Sculley nahm die Rolle des großen Marketing-Gurus ein, der hart daran arbeitete, seinen überragenden Erfolg der „Pepsi Challenge“ im Kampf gegen den Branchenprimus Coca-Cola auf die IT-Industrie zu übertragen.

    Zu einer leichten Entspannung zwischen Jobs und Sculley trug die Tatsache bei, dass sich der Apple Macintosh in den ersten Wochen blendend verkaufte. Doch nachdem sich der Rummel um die Macintosh-Premiere gelegt hatte, sackten die Verkaufszahlen schnell ein.

    Für Steve Jobs stand im Herbst 1984 der Schuldige fest: John Sculley und sein Drängen nach einer hohen Marge, die den Mac aber letztlich bei einem großen Publikum unverkäuflich machen. Noch 25 Jahre nach der Markteinführung des Macintosh kochte der Apple-Gründer vor Wut: „Es war der Hauptgrund, warum der Macintosh-Verkauf nachließ und Microsoft den Markt erobern konnte“, sagte Jobs.

    Sculley nannte in einem Interview mit Robert X. Cringley in der TV-Doku „Triumph of the Nerds“ 1994 für den anfänglichen Misserfolg des Macs aber ganz andere Gründe – Probleme, die Steve Jobs laut Sculley einfach nicht wahrnehmen wollte:

    (Der Mac) konnte nicht sehr viel. Wir hatten Mac Paint und Mac Write. Das waren unsere einzigen Anwendungen. Und der Markt bekam das mit. Und Ende des Jahres (1984) sagte viele: „Nun, der IBM-PC ist vielleicht nicht so einfach zu bedienen und nicht so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht letztlich, was wir ihn erledigen lassen wollen: Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und Datenbanken.“ Vor diesem Hintergrund sanken Ende 1984 die Absatzzahlen des Macs und er wurde im folgenden Jahr zum Problem.

    Im Dezember 1984 erwirtschafte das Unternehmen mit dem in die Jahre gekommenen Apple II rund 70 Prozent der Umsätze, obwohl der Mac längst die Rolle der „Cash Cow“ hätte übernehmen sollen. Ein TV-Beitrag der PBS-Magazin-Sendung „MacNeil-Lehrer NewsHour“ vom 5. April 1985 beweist, dass Apple diese Probleme im Frühjahr 1985 auch nicht mehr unterm Deckel halten konnte.

    PBS-Korrespondentin Elizabeth Brackett arbeitete in dem Beitrag klar heraus, dass der Mac eigentlich der bessere und begehrenswertere Computer war, mit dem allerdings gewöhnliche Geschäftsleute damals allerdings noch wenig anfangen konnten. Die PBS-Journalistin konnte damals noch nicht ahnen, wie heftig hinter den Kulissen der Machtkampf zwischen Steve Jobs mit John Sculley tobte: Mit Unterstützung von Apple-Investor Mike Markkula und dem Apple Board entzog Sculley dem Apple-Mitbegründer Jobs Ende März 1985 die Leitung der Macintosh-Gruppe.

    Der Showdown

    In die Ecke gedrängt unternahm Jobs im Mai 1985 noch einmal den Versuch, das Board of Directors umzustimmen und Sculley zu entlassen. Zusammen mit einigen Getreuen aus dem Mac-Team wollte Jobs seinen Ziehvater Markkula von einem Umstrukturierungsplan überzeugen. Mit diesem Plan hätte Apple Jobs die Führungs-Verantwortung übertragen oder ihm zumindest die operative Leitung des Produktbereichs gelassen. Doch Markkula zeigte sich wenig beeindruckt: “Ich sagte, ich würde seinen Plan nicht unterstützen und damit basta”, erinnert sich Markkula laut Isaacson. “Sculley war der Boss. Sie waren wütend und furchtbar emotional und probten den Aufstand. Aber so läuft das eben nicht.”

    Jobs konnte nicht fassen, was mit der von ihm gegründeten Firma geschah. Von seiner anfänglichen Begeisterung für Sculley war nichts übrig geblieben. Er hielt den Ostküstenmann inzwischen für einen Volltrottel, der nur auf seinen persönlichen Profit bedacht sei. Seinem Biografen Isaacson sagte Jobs:

    Das Board hielt mich für nicht fähig, ein Unternehmen zu leiten und deshalb traf es diese Entscheidung. Aber sie begingen einen Fehler. Sie hätten gesondert darüber entscheiden sollen, was sie mit mir machen und was sie mit Sculley machen. Sie hätten Sculley feuern sollen, auch wenn sie meinten, ich sei noch nicht so weit, Apple zu leiten.

    Steve Jobs

    Am 17. September 1985 zog Steve Jobs die Konsequenz und trat von allen Ämtern bei Apple zurück und verließ mit einigen Anhängern das Unternehmen. Mit den Erlösen aus dem Verkauf seiner Apple-Aktien gründete er ein neues Unternehmen (NeXT). Außerdem kaufte er George Lucas, der sich damals in einem kostspieligen Scheidungskrieg befand, seine Trickfilm-Abteilung ab, aus der dann Pixar wurde.

    Steve Jobs verlässt Apple

    Sculley rechtfertigte sein damaliges Verhalten in der Auseinandersetzung mit Steve Jobs in einem Interview mit der BBC (Januar 2012):

    Ich denke, Steve und ich hatten eine tolle Beziehung, wenn alles gut lief. Er interessierte sich wirklich für Consumer Marketing, weil er davon überzeugt war, dass es bei der Zukunft der Personal-Computing-Branche darum ging, wie man Computer vermarktet – genau so wie bei Consumer-Produkten großer Marken wie Pepsi und Coke.

    Ich wurde zu Apple geholt, nicht weil ich etwas über Computer wusste – wie man sie baut -, sondern weil das Unternehmen den Apple II kommerziell am Leben halten musste. Der Apple II stand am Ende seines Lebenszyklus‘. Er musste für weitere drei Jahre genügend Cash generieren, so dass Steve den Macintosh bauen und erfolgreich starten konnte. Während dieser Zeit sind Steve und ich sehr gut miteinander klar gekommen.

    Als der Macintosh Office im Jahr 1985 eingeführt wurde und scheiterte, war Steve todtraurig. Er war deprimiert, und er und ich hatten eine große Meinungsverschiedenheit, als er den Preis des Macintosh niedriger festlegen wollte. Ich wollte mich auf den Apple II konzentrieren, weil wir eine Aktiengesellschaft waren.

    Wir mussten die Gewinne des Apple II haben und konnten es uns nicht leisten, den Preis des Macintosh zu senken, weil wir die Gewinne vom Apple II benötigten, um gute Zahlen vorzulegen und uns nicht nur mit den Problemen des Macs zu beschäftigen. Das führte letztlich zu den Meinungsverschiedenheiten und dem Showdown zwischen mir und Steve. Als die Board-Mitglieder sich schließlich mit der Frage beschäftigten, beschlossen sie, dass meine Position diejenige war, die sie unterstützen wollten.

    Entgegen den düsteren Prognosen von Steve Jobs liefen die Geschäfte bei Apple nach seinem Weggang 1986/87 aber wieder besser. Vielleicht hatte John Sculley in dieser Phase auch einfach nur Glück. 1985 fehlten dem Mac noch die Anwendungen, die im IBM-Werbespot für den PC die Charlie-Chaplin-Figur Karton für Karton durchs Bild schleppte. Daher bemühten sich Guy Kawasaki und andere “Software Evangelists” von Apple die Entwickler in anderen Softwarefirmen davon zu überzeugen, Programme für den Mac zu schreiben. Das mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene ROM des Mac machte diese Aufgabe nicht einfach. Ein Jahr nach dem ersten Macintosh der “Fat Mac” mit 512 Kilobyte raus kam, war der enge Flaschenhals jedoch beseitigt.

    Moores Gesetz hilft Sculley aus der Patsche

    Selbst Sculley räumt ein, dass ihm eine allgemeine Entwicklung zugute gekommen ist und er nicht viel unternehmen musste, um das Macintosh-Geschäft anzukurbeln:

    Ironischerweise sorgte Moores Gesetz dafür. Es ging also nicht um die Frage, ob Steve oder ich recht hatte. Computer waren 1985 einfach noch nicht stark genug für anspruchsvolle Grafik-Leistungen, die man benötigte, um Laserdrucker anzusteuern. Und ironischerweise dauerte es nur 18 Monate, bis die Computer leistungsfähig genug waren, dass wir die Mac Office in Desktop Publishing umbenennen konnte. Es wurde sehr erfolgreich.

    Es war nicht meine Idee, es war alles der Kram von Steve, aber er war nur eineinhalb Jahre zu früh.

    John Sculley

    Zum Erfolg im zweiten Anlauf trug auch der glückliche Umstand bei, dass sich rund um den Mac die Grundlagen für das Desktop Publishing (DTP) entwickelten, mit dem Gutenbergs Erfindung (Satz und Druck) zum ersten Mal seit über 500 Jahren tiefgreifend revolutioniert wurde.

    Aldus PageMaker
    Aldus PageMaker (1087)

    Das Software-Unternehmen Aldus brachte im Juli 1985 das Programm PageMaker auf den Markt. In Verbindung mit der Seiten-Beschreibungssprache PostScript von Adobe konnten Broschüren, Magazine, Bücher oder Kataloge am Bildschirm entworfen und auf einem Laserdrucker wie dem Apple LaserWriter oder mit Hilfe eines PostScript-fähigen Belichters von Linotype gedruckt werden. DTP war die „Killer-Anwendung“, die der Macintosh so dringend benötigte.

    1987 verkaufte Apple eine Millionen Macs und spielte plötzlich wieder in der IBM-Klasse mit, obwohl die Marktanteile der Konkurrenz nie wieder erreicht wurden. Über die Hälfte der gut 2.000 Dollar, die der Mac damals kostete, landeten als Gewinn bei Apple. Sculley und seine Kollegen im Apple-Vorstand glaubten, dass die User immer und ewig bereit seien, für bessere Technik auch viel mehr Geld zu zahlen.

    Technologisch konnte Apple noch in dieser Phase der Sculley-Ära von der Substanz zehren, die beim Weggang von Jobs im Unternehmen vorhanden war. Der französische Ingenieur Jean Louis Gassée, der von Jobs die Führung der Macintosh-Abteilung übernommen hatte, führte mit dem Mac Plus den ersten Macintosh ein, der wirklich erweiterbar war. Als Arbeitstier in den Grafikabteilungen und Redaktionen bewährte sich auch der Macintosh II, in dem der schnellere 68020-Chip von Motorola steckte und der deutlich mehr Speicher als der 68000 ansteuern konnte. Dicke Profite strich Apple auch mit dem aufgebohrten Würfelcomputer Macintosh SE ein, der immerhin 3.700 Dollar kostete (1.000 Dollar mehr als der Mac Plus).

    Holprig verlief in der Ära Sculley der Einstieg von Apple ins Mobile Computing. Der erste Apple-Laptop, der Macintosh Portable, erreichte zwar mit seinen Bleisäure-Akkus (ohne Memory-Effekt) eine auch für heutige Verhältnisse beachtliche Laufzeit von bis zu 10 Stunden. Doch der Name „Portable“ passte nicht so richtig, denn das Gerät war 7,2 Kilogramm schwer. Mit einem Preis von 6.500 Dollar blieb der Macintosh Portable wie Blei in den Regalen liegen. Erst mit dem PowerBook (1991) gelang Apple ein Absatzerfolg im Notebook-Markt.

    In den späten achtziger Jahren lag der Marktanteil von Apple noch bei 16 Prozent. Das war zwar weit von den Verhältnissen Ende der siebziger Jahre entfernt. Doch da damals die Rendite stimmte, waren die Aktionäre und der Verwaltungsrat von Apple mit Sculleys Arbeit zufrieden. Nach Ansicht von Steve Jobs wurden in dieser Phase aber entscheidende Fehler begangen, für die letztlich Sculley verantwortlich gewesen sei: „Sculley machte Apple kaputt, indem er schlechte Leute einstellte und auf falsche Werte setzte“, klagte er später. „Sie wollten Geld machen – hauptsächlich für sich selbst und auch für Apple -, statt tolle Produkte herzustellen.“

    Das Streben nach Profit zulasten ging nach Jobs‘ Einschätzung zulasten eines wachsenden Marktanteils. „Macintosh verlor gegenüber Microsoft an Boden, weil Sculley sich nicht davon abbringen ließ, so viel Gewinn abzuschöpfen, wie er nur konnte, statt das Produkt zu verbessern und bezahlbar zu machen.“

    John Sculley: Technischer Volltrottel oder genialer Jung-Erfinder?

    Selbst wenn man die Ära Sculley bei Apple kritisch sieht: Das harsche Urteil von Steve Jobs war natürlich durch den Quasi-Hinauswurf 1985 überschattet und zeichnet kein differenziertes Bild von Sculley. Ob Sculley damals tatsächlich wirklich nur der ahnungslose Technik-Laie war oder ob er doch über technisches Gespür verfügte oder gar in der Lage war, Visionen zu entwerfen, kann man rückblickend nur schwer einschätzen. In seiner 1987 erschienen Autobiografie „Odyssey“ behauptet Sculley fast beiläufig, er habe als Kind nicht nur Radiogeräte zerlegt und elektrische Türöffner konstruiert, sondern Bahnbrechendes geleistet:

    1954, als ich vierzehn Jahre als war, führte meine Elektronikbegeisterung dazu, dass ich eine Farbfernsehröhre erfand. Mein Vater half mir, einen Patentanwalt zu finden, aber Dr. Lawrence von den Lawrence-Livermore-Laboratorien, der Erfinder des Zyklotron-Teilchenbeschleunigers, war einige Wochen schneller gewesen als ich. Sein Patent, das später Sony erwarb, legte die Grundlage für Sonys erfolgreiche „Triniton“-Farbfernsehröhre.

    John Sculley
    Patent von Ernest O. Lawrence für das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre (1951/54)
    Patent von Ernest O. Lawrence für das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre (1951/54)

    Schaut man in die Technik-Geschichtsbücher, kann man lesen, dass Ernest O. Lawrence bereits 1951 das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre entwickelt hatte. Das U.S. Patent 2,692,532 „Cathode Ray Focusing Apparatus“ wurde von Lawrence am 4. April 1951 eingereicht und am 26. Oktober 1954. Selbst wenn Sculley tatsächlich schon als Schüler eine geniale Idee gehabt haben sollte – seine Schilderung der Details kann nicht als glaubwürdig angesehen werden.

    Sculley betont aber immer wieder selbst, dass Mike Markkula und Steve Jobs ihn nicht wegen seiner technologischen Visionen zu Apple geholt haben. In einem Interview mit dem „Playboy“ im September 1987 sagte er: „Zwischen ‚High Fizz‘ (Fizz=Brause) und ‚High-Tech‘ ist es ein weiter Weg.“ Er habe seine Ausbildung zunächst nicht einmal auf wirtschaftliche Themen ausgerichtet. „Ich fing als Architektur-Student an und habe dann in einem Sommer das Thema ‚Marketing‘ entdeckt, als ich in der Industrie-Design-Firma arbeitete.“ Sculley schloss dann an der Wharton School der Business School der University of Pennsylvania, mit einem MBA ab. In seiner Zeit bei Procter & Gamble habe er zu der Zeit an der Verpackung der Zahnpasta Crest gearbeitet, als das Unternehmen die Erlaubnis bekam, das Gütesiegel der American Dental Association zu verwenden. „Wir haben ihre Worte direkt auf die Tube gedruckt.“

    Bei Pepsi stieg Sculley 1970 zum Vize-Präsidenten auf und beschäftigte sich mit Themen wie der Gestaltung der Pepsi-Flaschen und der Einführung von Verpackungen, in denen 12 oder 24 Pepsi-Dosen Platz fanden. Nach Einsätzen im Ausland wurde Sculley 1977 zum Pepsi-Präsidenten befördert. Sein größter Erfolg war dann die Einführung der „Pepsi-Challenge“, eine Werbekampagne, der der in Straßenumfragen Passanten aufgefordert wurden, bei einer Blind-Verkostung zu sagen, welche Cola am besten schmeckt – und bei der natürlich Pepsi die Nase vorn hatte.

    Seinen ersten Personal Computer – eine Apple II – hat sich Sculley nach eigenen Angaben 1980 gekauft. „Ich kann mich daran erinnern, den Computer geöffnet und ins Innere geschaut zu haben. Ich sagte: ‚Da ist ja nichts drin‘. Ich konnte es einfach nicht glauben.“ In dem von Steve Wozniak entworfenen Apple II gab es aber keine Röhren mehr, die Sculley als Radio-Bastler wohl erwartet hatte.

    Zwei Jahre später wurde Sculley von einem Headhunter kontaktiert, der im Auftrag von Apple nach einem CEO für das kalifornische Start-Unternehmen suchte. Der Rest der Geschichte ist bereits erzählt: Mit der Vision, die Welt zu verändern, lockte Steve Jobs den Pepsi-Manager 1983 nach Cupertino. Zwei Jahre später trennte sich das „Dynamic Duo“ einem lauten Knall.

    Der Durchmarsch der Sculley-Gang

    Nach dem Weggang von Jobs ersetzte Sculley im Apple-Management systematisch Experten mit einem technischen Hintergrund durch Marketing-Leute. So stieg 1987 Allan Z. Loren, der von einem Versicherungsunternehmen zu Apple gekommen war, zum Leiter der Computer-System-Abteilung auf. In diesem Jahr sagte Sculley in dem Playboy-Interview auch voraus, dass in einem Zeitraum von 20 Jahren die Sowjetunion eine bemannte Mission zum Mars erfolgreich abschließen können und der Wert der börsennotierten  Unternehmen in Japan höher sei als in den USA.

    Sculley wollte nicht nur als Marketing-Mann in die Chroniken der Technologie-Geschichte eingehen, sondern als ein Visionär des 21. Jahrhunderts. Der Apple-CEO beauftragte damals den späteren Netscape-Designer Hugh Dubberly und die Künstlerin Doris Mitsch mit der aufwändigen Produktion des Videos „Knowledge Navigator“, in dem die Vision eines vernetzten Tablet-Computers, visualisiert wird, der Persönlicher Digitaler Assistent, Kommunikationszentrale und vernetzte Wissensmaschine in einem ist. Das Team, zu dem auch Mike Liebhold, Michael Markman und Mitarbeiter der Kenwood Group, einer externen Produktionsfirma gehörten, wurde von Bud Colligan geleitet, der bei Apple für das Marketing im Bereich „Higher Education“ zuständig war. Das Video wurde im Oktober 1987 erstmals öffentlich ausgeführt. In dem Film spielt im im Jahr 2009. Der „Knowledge Navigator“ dient einem Berkeley-Professor als „Persönlich Digitaler Assistent“ bei seiner Arbeit.

    Parallel zur Videoproduktion beschrieb Sculley in seiner Autobiografie die Vision eines „Macintosh der Zukunft“. Der „Knowledge Navigator“ könnte eine „wunderbare Phantasiemaschine“ sein, „ein Entdecker neuer Welten, ein ebenso wunderbares Werkzeug wie die Druckerpresse“.

    Der einzelne könnte es einsetzen, um durch Bibliotheken, Museen, Datenbanken und Regierungsdokumente zu „fahren“. Dieses Werkzeug würde das Individuum nicht nur an die Schwelle dieser großen Reichtümer geleiten, wie das heute hochentwickelte Computer können, es würde ihn tief in die Geheimnisse hineinziehen, indem es die Informationen interpretiert und so in Wissen verwandelt.

    John Sculley

    Die Vision des Knowledge Navigators

    Sculley wurde der Entwicklung des Konzeptes vom „Knowledge Navigator“ maßgeblich vom Apple Fellow Alan Kay beeinflusst.

    Dynabook-Konzept von Alan Kay (August 1972)
    Dynabook-Konzept von Alan Kay (August 1972)

    Der Informatiker gilt als Pionier des objektorientierten Programmierens, das er an der University of Utah in den späten 60er Jahren im Rahmen eines APRA-Projektes konzipierte. Am Forschungszentrum Xerox PARC entwickelte Kay zusammen mit Dan Ingalls, Adele Goldberg und anderen in den siebziger Jahren die objektorientierte Programmiersprache Entwicklungsumgebung Smalltalk. Am Xerox PARC entwarf Kay außerdem das konzeptionelle Computer-System Dynabook, das letztlich den modernen Tablet-Computern wie dem iPad ähnelt.

    Kay trat 1986 an Sculley heran und forderte größere Forschungsanstrengungen bei Apple ein, weil es keine Institution gebe, von der Apple Konzepte für einen Personal Computer der nächsten Generation übernehmen könne: „Beim nächsten Mal werden wir kein Xerox haben.“ Jede innovative Technologie – egal wie einfach oder komplex – benötige 15 bis 20 Jahre, um sich von einem Konzept zu einer kommerziellen Anwendung zu entwickeln. Daher wurde es Zeit, für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei Apple ein Konzept in den Raum zu stellen.

    Die Quintessenz der jahrelangen Untersuchung von Alan wurde im Jahre 1987 in einem Konzept umgesetzt, das wir als Knowledge Navigator bezeichneten. Moore’s Law hatte ja schon vorausgesagt, dass die (ständig wachsende) Rechenleistung in den kommenden zwanzig Jahren in der Lage wäre, dreidimensionale Geometrien in Echtzeit zu manipulieren. Der Knowledge Navigator sagte eine Welt der interaktiven Multimedia-Kommunikation voraus, in der Rechenleistung als gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand allgenwärtig ist. Auf Wissens-Anwendungen werde dann durch intelligente Agenten zugegriffen, die über Netzwerke mit riesigen Mengen an digitalisierten Informationen verbunden sind.

    Dem Knowledge Navigator sollten eine Reihe neuartiger Schlüsseltechnologien zugrunde liegen:

    1. Fortschrittliche Kommunikationstechnologie, die weltweit Rechner und Datenbanken miteinander verbindet und den Anwendern breitere Informationspfade zur Verfügung stellt.
    2. Echtzeit-Animationen in 3D, die es erlauben, komplexe Modelle zu visualisieren.
    3. Verbesserte Datenbank-Technologien als Schlüssel zu umfassenden Informationssystemen.
    4. Hypermedia, die Verbindung von Text, Grafiken, Ton und bewegten Bildern, die den zukünftigen Computer-Anwendern intuitiv den Weg durch riesige Informationssammlungen weist.
    5. Spracheingabe, da die Tastatur als Eingabeinstrument nicht flexibel genug ist
    6. Maschinelle Übersetzung von fremdsprachigen Quellen in die Muttersprache des Anwenders.
    7. Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Die künstliche Intelligenz erlaubt die Verwendung von Agenten, die sowohl persönliche Vorlieben der Anwender erkennen als auch Strategien vorschlagen und damit zur Steigerung der Produktivität beitragen.

    Das Video „Knowledge Navigator“ wurde für einen Auftritt von John Sculley auf Educom im Oktober 1987 produziert, der wichtigsten Hochschul-Konferenz für wissenschaftliche Datenverarbeitung. „John Sculley sollte der Hauptredner auf der Educom sein. Für uns stand einiges auf dem Spiel, um dort eine ‚Vision‘ von Apple zu zeigen“, erinnert sich Bud Colligan. Nach seiner Erinnerung wurde das Video im Spätsommer 1987 innerhalb von nur sechs Wochen entworfen und produziert. „Wenn wenig Zeit zu Verfügung steht, bringt das manchmal tatsächlich ein Projekt auf den Punkt, hält das Skript straff und kappt die Länge.“

    Hier ist ein weiteres Video, das aus dem gleichen Projekt entstand. Darin diskutieren Alan Kay, Steve Wozniak, Diane Ravitch (Director, Encyclopaedia Britannica) und andere die Auswirkungen des „Knowledge Navigator“-Konzeptes auf Bereiche wie Lernen, Computing und die Geschäftswelt.

    Der Knowledge Navigator sollte aber nicht nur ein abstraktes Konzept bleiben, sondern sich auch in einem konkreten Produkt – einem Personal Digital Assistant (PDA) niederschlagen. Dabei hatte Apple-Chef John Sculley nicht die Geduld, „15 bis 20 Jahre“ zu warten, bis sich aus einem abstrakten Konzept ein funktionierendes Produkt entwickelt, wie Apple-Fellow Alan Kay postuliert hatte.

    Vom Knowledge Navigator zum Apple Newton

    Bei der Suche nach einem talentierten Ingenieur und Manager, der das PDA-Projekt vorantreiben sollte, wurde Sculley in der Entwicklung-Abteilung von Apple auf Steve Sakoman aufmerksam. Der ehemalige HP-Angestellte war noch von Steve Jobs 1984 bei Apple eingestellt worden, um an einer Laptop-Version des Macintosh mitzuentwickeln. Nachdem Jobs das Unternehmen verlassen hatte, waren auch die Laptop-Pläne auf Eis gelegt worden. Sakoman arbeitete stattdessen in führender Position an der Entwicklung des Mac Plus, Mac SE und Mac II mit. Mit seiner Aufgabe war Sakoman aber nicht zufrieden. Immer wieder versuchte er die Apple-Spitze davon zu überzeugen, einen mobilen Rechner mit Handschriften-Erkennung zu entwickeln. Um seinen Traum zu verwirklichen, stand er kurz davor, Apple zusammen mit Jean Louis Gassée zu verlassen, um ein eigenen Unternehmen zu gründen. Als Investor stand schon der Gründer von Lotus, Mitch Kapor, bereit. Doch dazu kam es nicht – vermutlich auch, weil Apple die Abtrünnigen verklagt hätten. Um Sokoman bei Laune zu halten, schlug Gassée ein „skunk works project“, also ein kleines, geheimes Unternehmensprojekt, vor. Sokoman griff die Idee begeistert auf und nannte das Projekt Newton nach dem legendären Naturforscher Sir Isaac Newton, der auch auf dem ersten Apple-Logo zu sehen war. Zusammen mit einem Tam von Ingenieuren, zu denen auch der Entwickler des Finder, Steve Capps, gehörte, zog sich Sakoman in ein Bürogebäude in der Bubb Road in Cipertino zurück, in dem einst Steve Jobs die Entwickler-Truppe des ersten Apple Macintosh bis zur Erschöpfung angetrieben hatte.

    Es sollte dem Newton-Team nicht gelingen, in den kommenden drei Jahren einen funktionierenden Prototypen des Apple Newton zu entwickeln, obwohl Gassée dafür sorgte, dass das Projekt genügend Mittel zur Verfügung hatte. Insbesondere die angestrebte Handschriftenerkennung bereitete große Probleme. Als der deutsche Apple-Manager Michael Spindler 1990 die Position des Geschäftsführers (COO) hinter John Sculley übernahm, versiegte der Finanzstrom. Gassée und Sakoman verließen Apple, um Be Inc. zu gründen – hinterließen aber immerhin halbwegs brauchbare Spezifikationen und Preiskalkulationen. Apple-Manager Larry Tesler, der 1980 vom Forschungsinstitut Xerox PARC zu Apple gekommen war, musste nun beurteilen, ob nun der Newton zu Ende entwickelt und auf den Markt gebracht werden soll oder ob das Apple-interne Konkurrenzprojekt „Pocket Crystal“ zum Zuge kommen sollte, an dem Apple-Legenden wie Andy Hertzfeld, Marc Porat und Bill Atkinson gearbeitet hatten. Tesler entschied sich für das Newton-Konzept.

    Die drei Freunde Atkinson, Porat und Hertzfeld gründeten im Mai 1990 die Firma General Magic und entwickelten auf der Basis von „Pocket Crystal“ das Mobil-OS Magic Cap und ein Konzept von virtuellen Agenten, die auf der Basis der Programmiersprache Telescript durch das Netz streifen und Inhalte recherchieren oder Aufgaben erledigen. Das Unternehmen ging im Februar 1995 an die Börse – konnte allerdings nie wirklich erfolgreiche Produkte am Markt platzieren. Das geistige Eigentum der Firma landete 1998 vor allem bei Microsoft. Am 17. September 2002 stellte General Magic den Betrieb ein. Viele Patente des gescheiterten Unternehmens wurden von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen ersteigert.

    Zurück zu den Aktivitäten bei Apple im Jahr 1990: Nach der Vorauswahl von Tesler setzte Apple-Chef Sculley dem Newton-Team eine Frist, um den Status eines Forschungsprojektes zu beenden. Am 2. April 1992 sollte der Apple Newton für 1.500 Dollar auf den Markt kommen, lautete die Ansage von Sculley. Diese Vorgaben führten auch dazu, dass ein von Tesler favorisiertes größeres (und teueres) Newton-Modell („Senior“) verworfen.

    Prototyp des Apple Newton
    Prototyp des Apple Newton

    Den von Sculley gesetzten Zeitrahmen konnte das Newton-Team natürlich nicht einhalten. Immerhin wagte sich der Apple-CEO Im Mai 1992 mit einem kaum funktionierenden Prototyp des Gerätes auf auf die Consumer Electronics Show in Chicago, der von der Presse euphorisch begrüßt wurde.

    Gut ein Jahr später, am 3. August 1993 war es dann soweit: Apple stellte auf der MacWorld Expo in Boston das Apple Newton MessagePad Das erste MessagePad der Baureihe basierte auf einem mit 20 MHz getakteten ARM-Prozessor 610 und hatte 4 MByte ROM und 640 KByte RAM-Speicher sowie einen monochromen Touch-LCD mit 336 × 240 Pixeln. Das originale MessagePad wurde in deutscher oder englischer Version ausgeliefert und kam im Dezember 1993 auch in Deutschland auf den Markt.

    Ein Schwachpunkt der ersten Newton-Modelle war die vom russischen Unternehmen ParaGraph entwickelte Handschriftenerkennung CalliGrapher.

    Pech für Apple und den Newton, dass der Calligrapher in der ersten Version unzureichend funktionierte und sich die Schreibfehler zum Newton-Image verdichteten. Von diesem Image kam der Stiftrechner auch dann nicht los, als die Schrifterkennung und die Erwartungen der Nutzer kompatibel wurden. Ab der Newton-Systemversion 2.0 war die von Apple entwickelte Rosetta-Engine an Bord, die Einzelbuchstaben erkennen konnte — Calligrapher dagegen konnte nur Schreibschrift; da die deutsche Schreibausbildung weniger standardisiert ist als die amerikanische, wurde dadurch die Schrifterkennen zusätzlich erschwert. Zudem setzen Calligrapher und Rosetta auf ein Wörterbuch auf: Was nicht drin ist, wird nicht (oder nur schlecht) erkannt.

    (Detlef Borchers: Apples Newton: Der Schwerkraft getrotzt, doch der Zeit voraus)

    Das Newton-Desaster

    Für Apple-Chef Sculley und sein „Baby“ Newton drehte sich der Wind, als sich Leute wie der Cartoonist Garry Trudeau über die offensichtliche Schwachstelle des Apple-PDA mokierten. Der Doonesbury-Comic wirkte sich für das Image des Newton verheerend aus, obwohl Garry Trudeau sich eigentlich mehr über die Geeks lustig machen wollte, die Gadgets wie den Newton für unverzichtbar halten, als über das Gerät selbst.

    Garry Trudeau macht sich im Doonesbury-Comic über den Apple Newton lustig
    Garry Trudeau macht sich im Doonesbury-Comic über den Apple Newton lustig

    Noch bevor das Newton-Desaster  offenbar wurde, neigten sich die Tage von John Sculley bei Apple ihrem Ende entgegen. In der Welt der Personal Computer bauten IBM, Microsoft und PC-Hersteller wie Compaq ihren Vorsprung am Markt gegenüber dem Mac immer weiter aus. Und Wunder-Projekte wie der Newton oder die Spielekonsole Pipin zündeten nicht. Eine von Sculley ausgehandelte Vereinbarung mit Microsoft sorgte zwar dafür, dass der Softwaregigant weiterhin sein Office-Paket für den macintosh produzierte. Doch Apple erkaufte diesen Achtungserfolg sehr teuer, denn Microsoft ließ sich dafür quasi einen Freibrief für die Weiterentwicklung für Windows ausstellen, der Apple später in große Nöte bringen sollte. Mit den von Sculley zugesagten Rechten in der Hand, konnten Bill Gates und seine Juristen eine breit angelegte Ideenklau-Klage von Apple locker abwehren.

    Sculley schien spätestens 1992 den Spaß verloren zu haben, an der Spitze von Apple zu stehen. Er tummelte sich lieber im Umfeld der Washingtoner Politik als mit seinen Ingenieuren über innovative Produkte zu sprechen. Auch in der Entwicklung eines neuen Betriebssystems für den Macintosh kam Apple in dieser Zeit nicht voran. Und die Kunden waren von der unübersichtlichen Produktpalette von Apple heillos überfordert.

    John Sculley tritt zurück

    Nachdem Sculley monatelang vergeblich versucht hatte, einen großen IT-Konzern zum Einstieg bei Apple zu bewegen, gab er im Sommer 1993 auf. Am 18. Juni trat John Sculley zunächst als CEO zurück und übernahm den „Grüßgott-August“-Posten des Apple Chairman. Zu seinem Nachfolger wurde Michael Spindler berufen, der dann Apple noch tiefer in den Schlamassel reiten sollte. Nachdem Apple am 14. Oktober 1993 miserable Zahlen für das 4. Geschäftsquartal mit einem 97-prozentigen Gewinn-Rückgang verkünden musste, gab Sculley auch die Position des Chairman auf und verließ Apple für immer.

    Der Abgang wurde durch eine Abfindungszahlung in Höhe von einer Millionen Dollar versüßt. Außerdem erhielt Sculley noch einen mit 750.000 Dollar dotierten Beratervertrag. Apple kaufte ihm weiterhin seine 4-Millionen-Dollar-Villa in Woodside und seinen Learjet für zwei Millionen sowie Aktienoptionen im Wert von 2,4 Millionen Dollar ab. Kaum hatte Sculley das 10-Millionen-Dollar-Paket in den Händen, übernahm er bei Spectrum Information Technologies die Position des CEO und Chairman. Zu diesem Zeitpunkt leitete jedoch die amerikanische Börsenaufsicht SEC ein Verfahren gegen Spectrum wegen betrügerischer Bilanzierung ein, so dass Sculley sich bald wieder einen neuen Job suchen musste.

    Zusammen mit seinen Brüdern Arthur und David gründete John Sculley dann die Investment- und Beratungsfirma Sculley Brothers LLC und beteiligte sich später an verschiedenen Internet-Unternehmen und Start-ups.

    John Sculley
    John Sculley

    Im Februar 2011 bedauerte John Sculley im Schweizer Fernsehen, dass er dazu beigetragen hatte, dass Steve Jobs 1985 Apple den Rücken kehrte: „Steve ist unbestritten der beste Firmenchef, den es zu meinen Lebzeiten gab. Ihn rauszudrängen, war ein großer Fehler. Ich glaube nicht, dass Steve mir je verzeihen wird. Und ich denke, er wird nie wieder mit mir sprechen.“

    Tatsächlich fiel zwischen Jobs und Sculley nie wieder ein Wort. Der Apple-Gründer starb am 5. Oktober 2011, ohne noch einmal mit Sculley gesprochen zu haben.

    In einem BBC-Interview auf der Consumer Electronics Show 2012 in Las Vegas, wo er als Berater des Unternehmens Audax Health auftrat, betonte Sculley aber nochmals, er sei für den Niedergang von Apple Anfang der neunziger Jahre nicht verantwortlich gewesen:

    Als ich Apple verließ, hatte das Unternehmen zwei Milliarden Dollar Barreserven. Apple war eine der profitabelsten Computerfirmen in der Welt – nicht nur PC-Unternehmen. Apple war die Nummer eins beim Computer-Verkauf. Dass ich Steve (Jobs) gefeuert habe, ist ein Mythos, der falsch ist. Und der Mythos, dass ich Apple zerstört habe, stimmt ebenfalls nicht. Nachdem ich gegangen bin und bevor Steve wieder zurückgekommen ist, sind viele Dinge (bei Apple) passiert.

    John Sculley

    Quellen:

    John Sculley und John A. Byrne: Meine Karriere bei PepsiCo und Apple, ECON Taschenbuch Verlag, 2. Aufl. Düsseldorf, Wien 1991. (Dt. Ausgabe der Autobiografie Odyssey – Pepsi to Apple)

    Walter Isaacson: Steve Jobs, C.Bertelsmann Verlag, München 2011.

    Detlef Borchers: Apples Newton: Der Schwerkraft getrotzt, doch der Zeit voraus (Abgerufen: 20. Januar 2012, 20:20 UTC)

    Seite „Knowledge Navigator“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. November 2010, 19:05 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Knowledge_Navigator&oldid=81700331 (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:20 UTC)

    Artikel BBC Ex-Apple boss Sculley sets record straight on Jobs (Abgerufen: 21. Januar 2012, 16:35 UTC)

    Artikel Forbes.com For a Preview of the iPad3, Watch This 23-Year-Old Apple Video (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:10 UTC)

    Artikel: Apple – Erfolg und Misserfolg im Spiegel ausgewählter Produkte  (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:10 UTC)

    Leander Kahney: John Sculley On Steve Jobs, The Full Interview Transcript (Abgerufen: 29. Januar 2012, 20:05 UTC)

  • Apple erinnert an das Lebenswerk von Steve Jobs

    Apple-CEO Tim Cook spricht auf dem Apple-Campus in Cupertino über Steve Jobs

    Apple hat sich 20. Oktober 2011 mit Live-Musik von Coldplay und Norah Jones von seinem Mitgründer Steve Jobs verabschiedet. Tausende Mitarbeiter versammelten sich zu der firmeninternen Trauerfeier auf dem Gelände des Hauptquartiers im kalifornischen Cupertino. Neben dem neuen Konzernchef Tim Cook sprachen auch der amerikanische Ex-Vizepräsident und Apple-Verwaltungsratsmitglied Al Gore sowie Chefdesigner Jony Ive.

    Norah Jones sang das Lied «Forever Young» von Bob Dylan. Jobs war seit seiner Jugend ein großer Bob-Dylan-Fan gewesen. Von Coldplay gab es demnach bekannte Hits wie «Fix You» und «Yellow». Apple veröffentlichte ein Foto, das Cook bei strahlendem kalifornischen Sonnenschein auf der Bühne vor einer großen Menschenmenge vor dem Apple-Hauptquartier in Cupertino zeigt. Auch die weltweiten Apple-Stores blieben für mehrere Stunden geschlossen und wurden mit Vorhängen verhüllt, wie es sonst nur vor wichtigen Produktstarts üblich ist.

    Steve Jobs war am 5. Oktober an den Folgen seiner langwierigen Krebserkrankung gestorben.

    Aufzeichnung der Gedenkfeier „Celebrating Steve“ bei YouTube:

  • Die besten Zitate von Steve Jobs

    Steve Jobs hat nicht nur Apple geformt, sondern auch maßgebliche Innovationen in der Musik- und Filmindustrie vorangetrieben. Am 5. Oktober 2011 ist er nach langer, schwerer Krankheit gestorben. In Erinnerung an Steve Jobs die markantesten Zitate des genialen und charismatischen Unternehmensführers.

    Steve Jobs

    It’s better to be a pirate than join the navy.

    — Steve Jobs trieb die Macintosh-Entwickler Anfang der 80er Jahre mit allen Mitteln an.

    „There have only been two milestone products in our industry – the Apple 2 in 1977 and the IBM PC in 1981. Today…one year after LISA we are introducing the third industry milestone product…Macintosh. Many of us have been working on Macintosh for over two years now and it has turned out insanely great. You’ve just seen some pictures of Macintosh now I’d like to show you Macintosh in person.“

    — Steve Jobs zum Launch des Apple Macintosh am 24. Januar 1984.
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  • Die Entwicklung der Apple-Aktie unter Steve Jobs

    Als Steve Jobs 1996 wieder zu Apple zurückkehrte, stand das Unternehmen wenige Wochen vor der Pleite. Der Aktienkurs war am Boden. Der erste iMac hauchte der Firma und damit auch dem Börsenkurs neues Leben ein. Der sagenhafte Aufstieg der Aktie begann aber erst 2007 mit dem ersten iPhone.

    Hier die Entwicklung der Apple-Aktie unter Steve Jobs als Grafik: