Kategorie: Apple

  • 40 Jahre Apple Macintosh – Wie der Mac die Welt veränderte

    40 Jahre Apple Macintosh – Wie der Mac die Welt veränderte

    Es ist das Super-Bowl-Finale am 22. Januar 1984, knapp hundert Millionen Menschen schauen zu. Das Spiel selbst verläuft weniger spannend – bereits zur Halbzeit liegen die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins mit 21:3 in Führung. Für Furore sorgt viel mehr ein außergewöhnlicher Werbespot, der im dritten Viertel ausgestrahlt wird. In dem 60 Sekunden langen Clip von Star-Regisseur Ridley Scott kündigt Apple den ersten Macintosh an. Doch es geht nicht einfach nur um einen neuen Computer. Die Botschaft lautet: Der Mac wird die Welt davor bewahren, dass die düstere Vision aus George Orwells Roman „1984“ im namensgebenden Jahr Wirklichkeit wird: „Big Brother“ IBM wird mit seinen grauen PCs nicht die IT-Welt beherrschen.

    „1984“ – Der legendäre TV-Spot für den ersten Apple Macintosh

    Obwohl Apple selbst ihn nur ein einziges Mal ausstrahlte, schrieb der Clip Geschichte. Nachrichtensendungen wiederholten ihn mehrfach, um über den Publicity-Coup zu berichten. Die Zeitschriften Advertising Age und TV Guide kürten „1984“ später zum besten Werbespot aller Zeiten.

    Die Premiere des Apple Macintosh sollte zwei Tage später, am 24. Januar 1984, bei der jährlichen Aktionärsversammlung von Apple im Flint Center Auditorium des De Anza Community College stattfinden. Nach dem Werbespot und den zahlreichen Presseberichten sollte dies den Höhepunkt der Einführungskampagne darstellen. Steve Jobs plante, zukünftige Produkteinführungen als epochale Momente inszenieren zu lassen: eine feierliche Enthüllung vor einem großen Publikum, bestehend aus loyalen Bewunderern und aufgeheizten Journalisten.

    Andy Hertzfeld, ein freundlicher Software-Ingenieur aus dem Macintosh-Team, hatte es zuvor in nur zwei Tagen geschafft, eine Software zu entwickeln, mit der der Computer den Spruch „Die Stunde des Siegers“ abspielen konnte. Jobs war mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden und entschied sich stattdessen für eine Aufnahme, berichtet der Steve-Jobs-Biograf Walter Isaacson.

    Jobs war jedoch begeistert von dem Sprachgenerator des ersten Apple Macintosh. Damit konnte geschriebener Text in gesprochene Sprache mit einem charmanten elektronischen Akzent umgewandelt werden. Er beschloss, ihn für die Demo zu verwenden. Steve Hayden, der Texter des „1984“-Spots, wurde beauftragt, den Text zu schreiben. Mac-Entwickler Steve Capps entwickelte eine Möglichkeit, das Wort „Macintosh“ in riesiger Schriftgröße über den Bildschirm laufen zu lassen, und Susan Kare, die die Schriften und Icons des Mac-Betriebssystems gestaltet hatte, entwarf ein Begrüßungsbild.

    Die Premiere des Apple Macintosh am 24. Januar 1984

    Bei der Probe am Vorabend des großen Tages gab es jedoch einige Probleme. Jobs war mit der Bildschirmanimation nicht zufrieden und verlangte ständig Verbesserungen. Auch das Bühnenlicht gefiel ihm nicht, und er hetzte Apple-CEO John Sculley kreuz und quer durch den Saal, damit er den Effekt aus verschiedenen Perspektiven betrachten und seine Meinung dazu abgeben konnte. Sculley, der zuvor bei PepsiCo gearbeitet hatte und sich nie Gedanken über Bühnenlicht gemacht hatte, äußerte sich unsicher wie ein Patient beim Augenarzt, der entscheiden soll, welche Linse besser ist. Die Probe dauerte fünf Stunden bis tief in die Nacht. „Irgendwann hatte ich Zweifel, ob wir es bis zur Veranstaltung am nächsten Morgen schaffen würden“, sagte Sculley.

    Doch dann war es soweit: Das Flint Center in Cupertino war bis auf den letzten seiner 2600 Plätze besetzt. Steve Jobs trat ans Mikrofon, um als Chairman die Aktionärsversammlung offiziell zu eröffnen. Er begann mit einem 20 Jahre alten Gedicht von Bob Dylan: „The Times They Are A-Changin’“.

    Steve Jobs trägt die zweite Strophe von „The Times They Are A-Changin’“ auf der Apple-Hauptversammlung vor

    Come writers and critics
    Who prophesize with your pen
    And keep your eyes wide
    The chance won’t come again
    And don’t speak too soon
    For the wheel’s still in spin
    And there’s no tellin‘ who
    That it’s namin‘
    For the loser now
    Will be later to win
    For the times they are a-changin‘

    Kommt, Autoren und Kritiker
    die ihr mit euren Stiften prophezeit
    und behaltet eure Augen weit offen
    Die Gelegenheit wird sich nicht noch einmal bieten
    Und sprecht nicht zu früh,
    denn das Glücksrad dreht sich noch
    Und man kann nicht vorhersagen,
    auf welchen Namen es zeigen wird
    Denn wer jetzt der Verlierer ist,
    der wird später gewinnen

    Lieblingsfeind IBM

    Mit diesem Vortrag des Dylan-Songs wollte der damals 28 Jahre alte Studienabbrecher Steve Jobs nicht nur der US-Protestbewegung huldigen, sondern auch deutlich machen, dass der Kampf um die Vorherrschaft im Markt der Personal Computer aus seiner Sicht noch nicht entschieden war. Zusammen mit seinem Kumpel Steve Wozniak hatte Jobs bereits Jahre zuvor IBM das Fürchten gelehrt. Während die Anzug-Träger bei IBM der Meinung waren, dass Computer so teuer wie ein Luxusauto sein müssen, zeigten die beiden ab 1975 mit dem Apple I, dass im Prinzip jeder Mensch einen Computer besitzen und benutzen kann. Der erste Rechner Apple hatte mit knapp 200 verkauften Bausätzen noch die Dimensionen eines Hobby-Projektes. Der Nachfolger Apple II war dagegen schon ein großer Erfolg.

    Wozniak hatte eine Maschine entwickelt, mit der die Mitbewerber nicht mithalten konnten: Der Apple II bot mit acht Slots reichlich Platz für Erweiterungen und konnte hochauflösende Grafik darstellen. Aus der kleinen Firma in der Garage der Eltern von Steve Jobs entwickelte sich ein erfolgreiches Unternehmen. Die Verkaufszahlen stiegen rapide: von 2500 Stück im Jahr 1977 auf 210.000 im Jahr 1981. Doch Jobs war unruhig. Der Apple II konnte nicht ewig so erfolgreich bleiben, und er wusste nur allzu gut, dass das Gerät immer als Wozniaks Meisterstück angesehen werden würde, egal, wie viel er selbst für das Produktdesign getan hatte. Er brauchte sein eigenes Gerät, das eine Delle in das Universum schlagen würde. Und die Zeit drängte, denn plötzlich war IBM wieder im Spiel. Aufgerüttelt durch den Erfolg des Apple II hatte „Big Blue“ 1981 den ersten IBM PC auf den Markt gebracht. Schnell übertrafen die IBM-Verkaufszahlen die des Apple II.

    Der erste Versuch, einen erfolgreichen Nachfolger für den Apple II auf den Markt zu bringen, geriet 1980 zum teuren Flop. Der Apple III konnte die Käufer nicht überzeugen, da er zu teuer war und nicht mit dem populären Vorgänger Apple II kompatibel war. Doch das Unternehmen hatte noch zwei weitere Asse im Ärmel: das Projekt Lisa und das Projekt Macintosh. Die Entwicklung des Lisa begann bereits 1978. Lisa sollte rund 2000 Dollar kosten und mit einem 16-Bit-Prozessor ausgestattet sein. Mit diesen verbesserten Eigenschaften wollte Apple einen großen Schritt nach vorne machen und sich von dem blinkenden Cursor auf schwarzen Bildschirmen verabschieden. Lisa sollte eine Benutzeroberfläche mit Fenstern haben, mit Menüs und schöner Schrift.

    Die Ideen aus dem Xerox PARC

    Um von den Pionieren der grafischen Benutzeroberflächenentwicklung zu lernen, mussten Steve Jobs und seine Mitarbeiter nur 20 Minuten mit dem Auto zum legendären Forschungszentrum Xerox Palo Alto Research Center (PARC) fahren. Der Apple-Ingenieur Jef Raskin, der Anfang 1979 mit dem Macintosh-Projekt betraut wurde, stand regelmäßig in Kontakt mit den PARC-Forschern. Mit der Hilfe von Bill Atkinson konnte schließlich auch Steve Jobs dazu überredet werden, das PARC zu besuchen.

    Die drei Technologien, die Jobs dort sah, waren revolutionär. Noch 17 Jahre später erinnerte sich Jobs genau daran: „Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: Die grafische Benutzeroberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Es hatte noch viele Schwächen. Was wir sahen, war unvollständig. Sie hatten eine ganze Reihe Sachen falsch gemacht. Aber zu der Zeit wussten wir das nicht. Aber dennoch: Sie hatten den Keim der Idee geschaffen, und sie hatten es sehr gut gemacht. Und innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden.“

    Steve Jobs erzählt in der TV-Doku „Triumph Of The Nerds“ (1996), was er im Xerox PARC zu sehen bekam und was ihn damals so fasziniert hat

    Jobs beschloss danach, die Strategie von Apple zu überdenken und sich vollständig auf das „Graphical User Interface“ (GUI), die grafische Benutzeroberfläche, zu konzentrieren, die er im PARC gesehen hatte. Larry Tesler, der damals als PARC-Angestellter an der Demo teilnahm, war von den Besuchern fasziniert: „Nach einer Stunde verstanden sie die Technologie unserer Demos und was sie bedeuteten besser als jeder Xerox-Manager nach all den Jahren, in denen wir sie ihnen gezeigt hatten.“ Tesler wechselte dann 1980 zu Apple.

    Um die Besuche im Xerox PARC im Dezember 1979 rankt sich die Legende, Jobs habe die wichtigsten Ideen für das GUI beim Xerox PARC einfach nur geklaut. Mit diesem Argument hatte sich Microsoft-Chef Bill Gates stets gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, das Konzept von Microsoft Windows sei von Apple gestohlen worden. Nach den Erinnerungen von Mac-Entwickler Andy Hertzfeld lautete die Antwort von Gates auf den Vorwurf des Diebstahls so: „Nun, Steve, ich glaube, es gibt mehr als eine Möglichkeit, das zu sehen. Ich glaube, es ist eher so, dass wir beide diesen reichen Nachbarn namens Xerox hatten und ich in sein Haus eingebrochen bin, um den Fernseher zu stehlen nur um herauszufinden, dass du ihn bereits geklaut hattest.“

    Jobs erkannte auf jeden Fall das Potenzial der Entwicklungen aus dem PARC sofort. Er wollte die Technik unbedingt bei der Entwicklung des Apple Lisa einbringen. Doch der Apple-Verwaltungsrat traute ihm nicht zu, das Lisa-Projekt zum Erfolg zu führen. Daher schnappte sich der wilde Firmenmitbegründer das Macintosh-Projekt von Jef Raskin, das als Nachfolger für den Apple II als „Volks-Computer“ in Arbeit war. Raskin hatte geplant, den Macintosh mit einem möglichst preiswerten Prozessor, dem Motorola 6809, und einem extrem eng bemessenen Hauptspeicher von 64 Kilobyte auszustatten, um ihn nicht teurer als 1000 Dollar werden zu lassen. Doch um die Ideen von Xerox zu veredeln und zum Laufen zu bringen, reichte diese Hardware nicht aus.

    Andy Hertzfeld, der den Systemkern des Mac (und später das Benutzer-Interface von Google+) entwickelt hat, und seine Kollegen mussten in diesen Monaten immer wieder unter den Wutattacken von Jobs leiden.

    Andy Hertzfeld (2011) – Bild: Christoph Dernbach

    Das Team wurde aber auch positiv angespornt: „Steve war sehr verärgert, dass der Mac zunächst so lange zum Booten brauchte“, berichtete Hertzfeld Jahre später. So versuchte er den Software-Entwickler Larry Kenyon zu motivieren. Er erzählte ihm:

    „Weißt du, ich habe darüber nachgedacht. Wie viele Leute werden den Macintosh benutzen? Eine Million? Nein, mehr als das. Ich wette, in ein paar Jahren werden fünf Millionen Menschen mindestens einmal täglich ihre Macintosh-Rechner hochfahren. Nun, sagen wir, du kannst die Bootzeit um 10 Sekunden verkürzen. Multipliziert man das mit fünf Millionen Benutzern und das sind 50 Millionen Sekunden, jeden Tag. Über ein Jahr hinweg sind das wahrscheinlich Dutzende von Leben. Wenn Du den Mac also zehn Sekunden schneller starten lassen kannst, hast Du ein Dutzend Leben gerettet. Das ist es wirklich wert, findest du nicht auch?“

    Kenyon machte sich noch einmal an die Arbeit und verkürzte den Bootvorgang um weitere drei Sekunden. So löste das „Macintosh-Team“ ein Problem nach dem anderen.

    Apple bot den ersten Macintosh 1984 zum Preis von 2495 US-Dollar an – inflationsbereinigt entspricht das heute (Januar 2024) mehr als 7500 US-Dollar. Der Mac war der erste Rechner mit einer grafischen Desktop-Oberfläche, den sich auch Privatanwender leisten konnten. Statt des schwachen 6809 haben die Entwickler den Motorola 68000 verbaut, der mit 8 MHz getaktet war und auf 128 Kilobyte Arbeitsspeicher zugreifen konnte. Der Prozessor trug seinen Namen, weil er aus 68 000 Transistoren bestand. Zum Vergleich: Apples A16-Chip, der im iPhone 15 steckt, besteht aus 16 Milliarden Transistoren.

    Ein 3,5-Zoll-Floppylaufwerk von Sony mit 400 Kilobyte Speicherplatz und ein kleiner 9-Zoll-Bildschirm vervollständigten den Macintosh. Wie der Vorgänger Lisa war auch er mit einer grafischen Bedienoberfläche und einer Maus ausgestattet, sodass die Anwender sich nicht mit Kommandozeileneingaben herumquälen mussten. „Für die User war die Bedienung des Macintosh revolutionär: Mit einer Maus den Cursor/Zeiger bedienen, Menüfenster verschieben und Menüleisten anklicken. Ein Computer, der intuitiv bedienbar war, das gab es bisher noch nicht. Plug and Play: Einschalten und loslegen war die Devise“, sagt Michael Mikolajczak, Kurator im Heinz Nixdorf MuseumsForum und Experte für die Geschichte der Personal Computer..

    Steve Jobs und Apple-CEO John Sculley haben lange über den Verkaufspreis des ersten Apple Macintosh gestritten. Marketing-Mann Sculley wollte die Markteinführung durch eine große Marketing-Kampagne begleiten. Und diese Kosten sollten seiner Ansicht nach auf den Verkaufspreis umgeschlagen werden, wodurch sich der erste Mac um 500 Dollar verteuerte.

    Jobs leistete wütenden Widerstand. „Das zerstört alles, wofür wir stehen«, sagte er. »Ich will hier eine Revolution machen, nicht Profit um jeden Preis!“ Sculley stellte ihn vor die Wahl – entweder ein Verkaufspreis von 1995 Dollar oder die große Werbekampagne, aber nicht beides. „Es wird euch nicht gefallen«, erzählte er Hertzfeld und den anderen Ingenieuren, „aber Sculley besteht darauf, dass wir für den Mac 2495 Dollar nehmen anstatt 1995«. Die Ingenieure waren entsetzt. Andy Hertzfeld erklärte, sie hätten den Mac für Leute wie ihresgleichen entwickelt und ihn derart zu verteuern, sei ein „Verrat“ an ihren Grundsätzen. Also versprach ihnen Jobs: „Keine Sorge, er kommt damit nicht durch, dafür sorge ich!“ Aber am Ende siegte Sculley doch. Der Mac kostete mehr als Jobs es wollte.

    Der Apple Macintosh stieß bei vielen Enthusiasten auf Begeisterung, als er endlich erhältlich war. Doch nach der anfänglichen Euphorie sanken die Verkaufszahlen drastisch in der zweiten Jahreshälfte 1984. Isaacson, der Biograf von Steve Jobs, erklärt, dass dahinter ein ernsthaftes Problem steckte. Der Macintosh war zwar ein beeindruckendes Gerät, aber gleichzeitig langsam und leistungsschwach. Selbst die ansprechende Benutzeroberfläche konnte darüber nicht hinwegtäuschen. Sie wirkte wie ein fröhliches Spielzimmer im Gegensatz zu den tristen, dunklen Bildschirmen mit giftgrünen blinkenden Zeichen und nüchternen Befehlszeilen.

    Die grafische Bedienoberfläche war jedoch das größte Manko des ersten Macs. Ein einzelnes Zeichen in einem textbasierten System benötigte weniger als ein Byte im Code, während der Macintosh 20- bis 30-mal mehr Speicherplatz benötigte, um einen Buchstaben pixelgenau in verschiedenen eleganten Schriftarten darzustellen. Beim Apple Lisa spielte dies keine große Rolle, da er mit über 1000 KByte RAM ausgestattet war. Der Macintosh hingegen musste mit nur 128 KByte auskommen.

    Ein weiteres Problem war das Fehlen einer internen Festplatte. Als Joanna Hoffman aus dem Mac-Team sich für dieses Speichermedium einsetzte, bezeichnete Jobs sie als „Xerox-Fanatikerin“. Stattdessen verfügte der Macintosh nur über ein Diskettenlaufwerk. Das ständige Wechseln der Disketten führte zu einer Art Tennisarm, wenn man Daten kopieren wollte. Zudem hatte der Macintosh keinen Ventilator, da Steve Jobs dies nicht wollte. Er fand, dass Lüfter die Stille eines Computers stören. Dies führte jedoch häufig zu Ausfällen von Bauteilen und verlieh dem Macintosh den Spitznamen „der beige Toaster“.

    Dazu kam die Herausforderung, dass für den Mac noch kein breites Software-Angebot verfügbar war. In einem TV-Interview erinnerte sich der damalige Apple-Chef John Sculley später: „Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.“

    „Der Mac konnte einfach nicht viel“

    Der mit 128 Kilobyte viel zu eng bemessene Hauptspeicher machte diese Aufgabe aber nicht einfach. Erst als ein Jahr später der „Fat Mac“ mit 512 Kilobyte DRAM auf den Markt kam, war der Flaschenhals beseitigt. Er war der erste Macintosh, mit dem man vernünftig arbeiten konnte.

    Steve Jobs sah andere Ursachen für den schleppenden Absatz. In einem Interview sagte er: „Ende 1984 geriet die Branche in eine Rezession. Die Verkäufe begannen ernsthaft zu schrumpfen. Und John (Sculley) wusste nicht, was er tun sollte. Er hatte keinen blassen Schimmer.“ An der Spitze von Apple habe es ein Führungsvakuum gegeben. Dadurch hätten sich die Abstimmungsprobleme zwischen den verschiedenen Abteilungen verschärft. „Es gab keine Führung“.

    Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat sich im dem Streit zwischen Jobs und Sculley später auf die Seite des ehemaligen PepsiCo-Managers geschlagen. „Als Steve den Macintosh vorstellte, war er noch jung, wollte zu schnell vorankommen und war nicht in der Lage, ein wirklich gutes, erfolgreiches Produkt zu entwickeln“, sagte „Woz“ in einem Interview mit dem Silicon-Valley-Portal „The Verge“ im Juli 2013. „Der Macintosh hätte ein ganz anderes Produkt sein sollen, kein mausgesteuerter GUI-Rechner, wie er es war, und mit dem Lisa hätte er einfach fünf Jahre warten sollen, dann wäre er fertig gewesen.“

    HNF-Experte Michael Mikolajczak sieht vor allem im Preis den Grund dafür, sich in dieser Phase IBM-kompatible PCs gegen den Mac durchgesetzt haben: „Diese Rechner waren wesentlich günstiger als Apple-Produkte. Außerdem war IBM ein Weltunternehmen und dementsprechend wurden die Produkte als seriös betrachtet. Als IBM 1981 ihren ersten PC präsentierten, übernahmen sie direkt die Marktmacht und drängten die «Hippiefirma» Apple zurück. Viele Unternehmen folgten dem technischen Design des IBM-Rechners. Diese setzten sich nach und nach als Standard durch. Die «Bürowelt» war äußerst zufrieden mit IBM- oder IBM kompatiblen Computern und ihren Programmen wie Word und Word Perfect.“ 

    Der Mac ohne Steve Jobs

    Steve Jobs, der im Sommer 1985 im Streit um die Ursachen der Absatzkrise von Sculley und dem Apple-Vorstand aus dem Unternehmen gedrängt worden war, musste die ersten kleinen Erfolge des Macintosh am Markt von außen beobachten, obwohl er selbst die Schritte zum Überleben des Macs noch eingeleitet hatte. Der Apple-Mitbegründer hatte dafür gesorgt, dass sein Unterhemen 1985 in das damals noch wenig bekannte Startup Adobe investierte. „Die Leute dort wollten eigentlich ein Hardware-Unternehmen werden“, sagte Jobs elf Jahre später in einem Interview. „Sie wollten Drucker und das ganze Zeug herstellen.“ Er habe aber Adobe-Gründer John Warnock überreden können, ein Softwareunternehmen zu werden. „Innerhalb von zwei oder drei Wochen haben wir dann unser internes Projekt abgebrochen“, erinnerte sich Jobs. „Ein paar Leute wollten mich deswegen umbringen, aber wir haben es geschafft.“

    Aus der Kooperation entstand der erste LaserWriter. Der Laserdrucker-Controller wurde bei Apple entwickelt, die Postscript-Software kam von Adobe, die eigentliche Drucker-Einheit von Canon. „Niemand bei Apple wollte ihn haben, außer ein paar von uns in der Mac-Gruppe“, sagte Jobs. „Alle dachten, ein Drucker für 7000 Dollar sei verrückt. Was sie nicht verstanden, war, dass man ihn mit dem Netzwerk AppleTalk gemeinsam nutzen konnte.“

    Als Steve Jobs Apple verließ, war das Unternehmen der umsatzstärkste Druckerhersteller der Welt. Die Ära des Desktop-Publishings begann. Softwarefirmen wie Aldus schrieben erste Programme wie PageMaker für die Erfolgskombination Macintosh und LaserWriter. Dieser Trend verstärkte sich, als Anfang 1986 der Macintosh Plus mit 128 Kilobyte ROM auf den Markt kam. Die Speicherchips waren nun nicht mehr fest auf der Platine verlötet, sondern gesockelt. So konnte man das Gerät auf bis zu vier Megabyte RAM aufrüsten.

    1986: Der Macintosh Plus begründete zusammen mit dem LaserWriter die erste Generation des Desktop-Publishing (DTP). (Bild: By Rama. – Own work, CC BY-SA 2.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2734819

    Der Mac Plus hatte sogar Cursor-Tasten, die Steve Jobs beim ersten Mac noch entschieden abgelehnt hatte. Er wollte die Anwender zwingen, die Maus als Eingabeinstrument zu akzeptieren.

    Teures Performance-Wunder Macintosh II

    Mit dem Macintosh II brachte Apple 1987 den ersten Mac auf den Markt, der modular aufgebaut war. Für 5200 Dollar erhielten die Kunden ein System mit einer 20 Megabyte großen Festplatte, sechs NuBus-Slots und SCSI. Mithilfe der von Texas Instruments entwickelten NuBus-Technik ließ sich der Mac II intern und über SCSI auch extern erweitern. An einen Port konnten die Besitzer bis zu sieben externe SCSI-Geräte – etwa eine Festplatte oder ein CD-ROM-Laufwerk – anschließen. Angetrieben wurde der Mac II von einem 68020-Prozessor, der mit 16 MHz getaktet war. Grafiker und DTP-Spezialisten jubelten über den Performance-Gewinn. Ein komplett ausgebautes System mit Farbgrafikkarte, Speichererweiterungen und sonstigem Zubehör verschlang bis zu 10 000 Dollar.

    Parallel zum großen Mac II veröffentlichte Apple im März 1987 den Macintosh SE, den ersten kompakten Mac mit einer eingebauten Festplatte (20 Megabyte). Der vorhandene Erweiterungsslot ließ sich nicht von den Anwendern, sondern nur von Servicetechnikern bestücken, weil man sich an der Bildschirmröhre leicht einen Hochspannungsschlag holen konnte. Der Mac SE diente einer ganzen Generation von Grafikern und Publishern als solides Arbeitspferd.

    Weitaus exklusiver als der SE war der Macintosh IIfx, der im Frühjahr 1990 mit System 6.0.5 in die Läden kam – mit einem Preisschild von 9870 Dollar. In dem Rechner steckte der Motorola-Prozessor 68030, der von dem mathematischen Coprozessor Motorola 68882 unterstützt wurde. Dieses hochgezüchtete Rennpferd, das mit 40 MHz getaktet war, blieb aber für viele unerschwinglich.

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  • Steve Wozniak: Der Vater des Personal Computers

    Steve Wozniak: Der Vater des Personal Computers

    Die Erfolgsgeschichte von Apple wird vor allem Steve Jobs zugeschrieben. Er hatte die Vision, wie Computer das Leben der Menschheit verändern kann – und nicht nur für ein paar Nerds im Silicon Valley. Sein technischer Sachverstand war aber begrenzt. Ohne seinen genialen Freund Steve Wozinak hätte es die ersten beiden Computer von Apple, den Apple I und den Apple II, nicht gegeben.

    Steve Wozinak kann sich fast auf den Tag genau erinnern, wann für ihn die neue Ära begann: „Es passierte im März 1975 beim allerersten Treffen einer merkwürdigen, schrulligen Truppe von Leuten, die sich Homebrew Computer Club nannte.“ Die Teilnehmer der Runde träumten alle davon, dass Computertechnologie für die Allgemeinheit erreichbar sein sollte. Menschen sollten es sich leisten können, einen eigenen Computer zu besitzen und damit zu arbeiten oder zu spielen.

    Homebrew Computer Club

    Zu dieser Zeit gab es noch keine Personal Computer. Über die großen Rechenanlagen von IBM oder Digital Equipment- die damals noch schrankhohe und unbezahlbare Technikmonster waren, verfügten nur Unternehmen, Universitäten und das Militär. Im Homebrew Computer Club im kalifornischen Menlo Park redeten sich die Hobbybastler und Elektronikenthusiasten aber die Köpfe heiß, wie man Computer für die Menschen erschwinglich machen kann.

    Wozniak, der am 11. August 1950 in Sunnyvale, Kalifornien, geboren wurde, wuchs mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug auf. Sein Vater war Ingenieur bei der Luftfahrt- und Rüstungsfirma Lockheed. Auch als Teenager lötete „Woz“, wie er von allen Freunden genannt wurde, gerne an Schaltkreisen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese mysteriösen, unzugänglichen Maschinen zu gelangen, die von einigen Firmen verwendet werden: Computer.

    Wozniak war besessen von diesen Geräten und ihrer Funktionsweise. Eines Tages erzählte das junge Wunderkind seinem Vater, dass er in Zukunft gerne einen Computer zu Hause haben würde. Als sein Vater ihm sagte, dass der Computer wahrscheinlich genauso viel kosten würde wie das Haus, antwortete Steve kurz: „In diesem Fall ziehe ich in eine Mietwohnung.“

    Auf der High School lernte Steve Wozniak den fast fünf Jahre jüngeren Steve Jobs über einen gemeinsamen Freund, Bill Fernandez, kennen, der seine Begeisterung für Computer teilte. Woz war vier Klassen über Jobs. Aber trotz des Altersunterschieds fanden sie schnell gemeinsame Interessen – von den „elektronischen Sachen“ bis hin zum Spaß an ulkigen Scherzen („Pranks“). Die Freundschaft riss auch nicht ab, als Woz bereits aufs College ging und Steve Jobs immer noch in der High School war.

    „Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich“, sagte Jobs einmal. Wozniak brachte ihm auch die Songs von Bob Dylan nahe, gemeinsam jagten sie Live-Mitschnitten seiner Auftritte nach. Und sie verabschiedeten eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später seinem Biografen Walter Isaacson.

    Steve Jobs und Steve Wozniak als Telefon-Hacker
    Steve Jobs und Steve Wozniak als Telefon-Hacker

    Das erste technische Projekt, das Jobs und Wozniak gemeinsam umsetzten, war eigentlich kriminell. Die beiden Freunde hatten im Magazin Esquire einen Artikel gelesen, in dem beschrieben wurde, wie „Phone Pheaks“ das Telefonsystem der USA so manipulierten, dass sie kostenlos Telefonate führen konnten. In dem Artikel stand, dass alle Steuer-Frequenzen für das Netz von AT&T in einem öffentlich zugänglichen Handbuch aufgeführt waren. Während der Telekom-Riese sich daran machte, die Exemplare schleunigst aus den Bibliotheken zu entfernen, schlichen sich die Freunde an einem Sonntag in eine geschlossene Bücherei und sicherten sich die Informationen. Wozniak war der erste, dem es gelang, eine digitale „Blue Box“ zu bauen.

    Steve Wozniak telefoniert mit einer "Blue Box"
    Steve Wozniak telefoniert mit einer „Blue Box“

    Schon beim „Blue Box Hack“ zeichnete sich die Aufgaben-Aufteilung ab, die später auch bei Apple galt: Steve Jobs war der weitsichtige Geschäftsmann, Woz der geniale Tüftler – Jobs und Wozniak nutzten das Gerät zunächst nur zum Spaß, um selbst kostenlose Ferngespräche zu führen. Einmal riefen sie aus einer Telefonzelle den Vatikan an, Wozniak gab sich als US-Außenminister Henry Kissinger aus und verlangte, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchenoberhaupt wurden sie nicht durchgestellt – doch die Box funktionierte.

    Die von Steve Wozniak konstruierte Blue Box

    Jobs hatte die Idee, damit Geld zu verdienen. Die Teile kosteten rund 40 Dollar, Jobs setzte den Preis bei 150 Dollar an. Sie machten rund 100 Stück und wurden das meiste davon los.

    Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer. Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.

    Steve Jobs über die Blue Box

    Nach den Worten von Steve Jobs hätte es Apple ohne die Erfahrungen mit der „Blue Box“ nicht gegeben. Schließlich habe man schon bewiesen, wie man mit einfachen Mitteln selbst große Konzerne austricksen kann.

    Steve Wozniak war einer der Entwickler des HP-35, des weltweit ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechners (1972).
    Foto: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=146664

    Im Januar 1973 trat Wozniak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schaltkreisen zu arbeiten, die für Rechenmaschinen und Taschenrechner verwendet wurden. Bei HP gehörte Wozniak zu dem Entwicklerteam des HP-35, des weltweit ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechners (1972).

    Bei HP dominierten damals noch die Ingenieure das Geschehen – und in diesem Umfeld fühlte sich Wozniak glücklich. Allerdings verfolgte er in seiner Freizeit auch Technik-Projekte, die er bei HP nicht umsetzen konnte. Dazu gehörte auch das Programmieren von Computerspielen .

    Mit einem von Steve Jobs vermittelten Gig für Atari sicherte sich Steve Wozniak einen Platz in der Geschichte der Computerspiele, denn in nur vier Tagen programmierte Woz die Spielelektronik für das legendäre Game „Breakout“. Bis heute ist nicht klar, ob Steve Jobs seinen Freund bei dem Job übers Ohr gehauen hat. Wozniak schreibt in seiner Autobiografie „iWoz“, er haben von Jobs die Hälfte der 700 Dollar erhalten, die Jobs nach eigenen Angaben dafür bekommen hatte. „Später erfuhr ich, dass er doch etwas mehr für die Arbeit bekommen hatte, als er mir damals gesagt hatte – etwa ein paar Tausend Dollar -, aber wir waren Kids, wissen Sie. Er bekam einen bestimmten Geldbetrag, und mir sagte er, er hätte einen anderen bekommen. Er war nicht ehrlich mit mir, und ich war verletzt. Aber ich machte daraus keine große Sache.“ Soweit Woz in seinem Buch.

    In der autorisierten Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson schildert Steve Jobs die Episode ganz anders: „Ich habe ihm die Hälfte des Geldes gegeben, die ich bekommen habe“, sagte er Isaacson. Das sei immer so gewesen.

    Geld und ökonomischer Erfolg spielte im Universum von Steve Wozniak eine untergeordnete Rolle: „Ich wollte immer nur Ingenieur sein“, sagte er. Das Design des ersten brauchbaren Personal Computer, des Apple I, wollte er ursprünglich für andere Computer-Bastler offenlegen. Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen und fertige Geräte zu verkaufen.

    Der von Steve Wozniak entworfene Apple II
    Foto: Narnars0 – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32247697

    Sein Meisterstück lieferte Wozniak mit dem Apple II ab. Der neue Rechner sollte kein Bastel-Projekt wie der Apple I sein, der ja noch ohne ein Gehäuse ausgeliefert wurde. Jobs ließ ein Plastikgehäuse entwerfen und kümmerte sich um entsprechende Produktionskapazitäten. Er sorgte auch dafür, dass die notwendigen Investitionsmittel zu Verfügung standen, indem er Investoren wie Mike Markkula und Arthur Rock mit ins Boot holte.

    Woz war fest entschlossen, den Apple II zu bauen, musste zuvor aber noch sein Verhältnis zu seinem geliebten Arbeitgeber HP klären. Apple-Investor Markkula konnte sich nämlich nicht vorstellen, dass Wozniak den neuen Rechner nur in seiner Freizeit entwickeln kann. „Du musst HP verlassen“, lautete seine Ansage an Woz. Nach einigen Hin und her entschied sich Wozniak dann doch, HP den Rücken zu kehren.

    Steve Wozniak und Steve Jobs (1977) – Foto: Handout Apple

    Der Apple II sollte einfach in der Bedienung und kostengünstig in der Herstellung sein. Woz verwendete dafür einfachste massengefertigte Logikchips statt teurer Spezialchips. Beim Design der Platine erwies sich Woz als Genie, denn ihm gelang, viele Chips einzusparen. Der Apple II konnte Farben und Grafiken darstellen, zudem war er mit seinen acht Steckplätzen einfach und vielseitig erweiterbar. 1978 entwarf Wozniak die gesamte Elektronik für ein Diskettenlaufwerk. Die Mechanik wurde extern zugekauft. Zusammen mit Randy Wigginton schrieb er das Betriebssystem Apple DOS.

    Zusätzlich zum Hardwareentwurf programmierte Wozniak die meiste Software, die auf den frühen Apple-Computern lief. Sein sehr eigenwilliger Programmierstil sorgte für ungewöhnlich schnelle und speicherplatzsparende Programme, machte aber zugleich die Wartung durch andere Programmierer fast unmöglich.

    Die Tabellenkalkulation Visicalc verhalt dem Apple II im Businessmarkt zum Durchbruch

    Der Apple II erwies sich für Apple als riesiger kommerzieller Erfolg. Diese Rechner war nicht nur für Hobbyisten gedacht, sondern richtete sich auch an Geschäftsleute, die mit der von Dan Bricklin und Bob Frankston entwickelten Tabellenkalkulationssoftware Visicalc ungeheuere Produktivitätsgewinne realisieren konnten. Der Apple II sorgte dafür, dass Apple Computer zu einer weltweit bekannten Marke wurde. Der Börsengang von Apple im Jahr 1980 machte Wozniak und Jobs zu Millionären.

    Die Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Steve Wozniak dauerte aber nicht mehr lange: Im Februar 1981 verunglückte Hobby-Pilot Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Auch seine Verlobte war an Bord. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen. Nach diesem Erlebnis nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organisierte zwei Festivals mit Musik und Technologie. 1983 kehrte er noch einmal zurück – nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden. An der Entwicklung des Apple Macintosh war Woz schon nicht mehr beteiligt. Und auch die dramatische Geschichte vom Rauswurf von Steve Jobs im Jahr 1985 und seiner Rückkehr im Jahr 1999 bekam Woz nur noch als externer Beobachter mit, obwohl er formal bis heute ein Angestellter von Apple ist und auch ein symbolisches Gehalt bezieht.

    Seitdem jettet Wozniak als Legende aus den Anfangszeiten der PC-Branche durch wie Welt für Auftritte, wie zum Beispiel 2014 auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Er spendete viel, tanzte eher ungelenk durch die TV-Show „Dancing with the Stars“ im US-Fernsehen und tauchte als er selbst in der Serie „Big Bang Theory“ auf. Ins aktive Tech-Geschäft kehrte Wozniak noch einmal 2009 als Chef-Wissenschaftler der Speicherfirma Fusion-io zurück, die dann aber vom Konkurrenten SanDisk übernommen wurde.

    Steve Wozniak spricht am 12.09.2017 in Cupertino zur Vorstellung des neuen iPhone X mit Journalisten.
    Foto: Christoph Dernbach

    Woz ist auch immer wieder auf wichtigen Produktvorstellungen von Apple als Ehrengast zu sehen, obwohl er auch immer wieder kritisch auf Produktentwicklungen bei Apple reagiert oder Produkte der Konkurrenz lobt.

    Auf einer seiner Vortragsreisen wurde Wozniak am 9. November 2023 in Mexiko-Stadt wegen eines „kleinen, aber echten Schlaganfalls“ ins Krankenhaus eingeliefert. Er sollte dort auf einer Wirtschaftskonferenz sprechen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus sagte er laut ABC News, dass er „nach Hause fliegt“.

    Der 73-jährige Wozniak erzählte ABC, dass er am Morgen an seinem Computer saß, als er Schwindelgefühle bekam. Er sollte auf dem World Business Forum in Mexiko-Stadt sprechen, einer zweitägigen Veranstaltung, die als wichtigstes Management-Event der Welt angekündigt war. Andere angekündigte Redner waren Carly Fiorina, die ehemalige CEO von Hewlett-Packard, und Muhammad Yunus, ein Pionier der Mikrofinanzierung, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Wozniak war als Abschlussredner der Konferenz am 10.11.23 vorgesehen.

  • Wie Apple sich nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat

    Wie Apple sich nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat

    Am 5. Oktober 2011 hatte Steve Jobs den Kampf gegen sein Krebsleiden verloren. Er wurde nur 56 Jahren alt. Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist die Philosophie von Apple untrennbar mit den Vorstellungen des charismatischen Mitbegründers verbunden. Doch wie würde sich Apple nach dem Tod von Steve Jobs entwickeln? Viele Apple-Fans, aber auch professionelle Beobachter und Geschäftspartner, sahen schwarz für die Zukunft von Apple. Doch in den Monaten vor seinem Tod hatte Steve Jobs mit wichtigen Personalentscheidungen selbst dafür gesorgt, dass Apple nicht nur irgendwie weitermachen, sondern sich zu neuen Höhen aufschwingen konnte.

    Nachfolger Tim Cook

    Die wichtigste Entscheidung, die Steve Jobs wenige Wochen vor seinem Tod getroffen hat, betraf seine eigene Nachfolge. Er übergab das Ruder an Tim Cook, obwohl der Spitzenmanager für das operative Geschäft bislang nicht als charismatische Führungspersönlichkeit aufgefallen war. Seine Berufung als Apple-CEO am 24. August 2011 hatte viele Beobachter verwundert. Cook war zwar – neben Designchef Jony Ive – wohl Jobs‘ wichtigster Vertrauter gewesen. Doch „Tim“, wie ihn alle bei Apple nennen, hatte sich als Logistik- und Produktionsexperte einen Namen gemacht. Er ließ nicht im Ansatz das Charisma erkennen, mit dem Jobs regelmäßig die Massen in seinen Bann gezogen hatte.

    Zu den Skeptikern gehörte damals Larry Ellison, der mit dem Apple-Mitbegründer jahrelang eng befreundet war. Der Chef des Softwareriesen Oracle glaubte, dass Apple ohne Steve Jobs dem Untergang geweiht sei. In einem TV-Interview zog er eine Parallele zum Jahr 1985, als der Apple-Aufsichtsrat Steve Jobs aus der Firma gedrängt hatte. In den folgenden zwölf Jahren wurde Apple so runtergewirtschaftet, dass das Unternehmen 1997 kurz vor der Pleite stand und Jobs als Retter zurückgeholt wurde. „Wir haben Apple ohne Steve Jobs gesehen. Wir haben Apple mit Steve Jobs gesehen. Jetzt werden wir Apple ohne Steve Jobs sehen“, sagte Ellison. „Steve Jobs ist unersetzlich.“

    Doch es kam nach dem Tod von Jobs ganz anders, als Ellison es befürchtet hatte. Apple verkauft so viele Geräte und Dienstleistungen wie noch nie. Im August 2018 ging der iPhone-Hersteller als erster US-Konzern in die Finanzgeschichte ein, der eine Billionen-Dollar-Bewertung an der Börse schaffte. Dieses Jahr waren es bereits 2,5 Billionen.

    Börsenwert Apple Inc. von 2011 bis 2021

    Neben dem Börsenboom hat nach Experten-Einschätzung vor allem die hohe Kundenloyalität zum Aufstieg beigetragen. „Wenn ein neuer Nutzer anfängt, ein Apple-Smartphone zu benutzen, bleibt er in der Regel bei einem Apple-Smartphone“, sagt Jeriel Ong, ein Aktienanalyst der Deutschen Bank.

    Und die Rally ist noch nicht zu Ende. Seit Oktober 2011 hat sich der Aktienkurs splitbereinigt von rund 13 Dollar auf ein Allzeithoch von knapp 150 Dollar gesteigert. Außerdem verwöhnt Cook die Aktionäre regelmäßig mit Dividenden, die Jobs stets abgelehnt hatte. Cook gelang es, mit dem iPhone ständig neue Käufergruppen zu erobern. Außerdem baute er das Angebot von Zusatzgeräten wie der Computer-Uhr Apple Watch oder den AirPods-Ohrhörern aus und platzierte Abo-Dienste wie iCloud und Apple TV+ am Markt. Außerdem gelang es ihm, höhere Preise für seine Produkte zu verlangen, so dass inzwischen ein Großteil der Gewinne der gesamten Branche bei Apple landen.

    Ein großer Präsentator auf der Bühne ist Tim Cook aber auch bis heute nicht. Trotzdem hat er inzwischen eigene Akzente gesetzt, die ihn von seinem Vorgänger deutlich absetzen. Ein Beispiel dafür ist das Thema Umwelt. Steve Jobs lieferte sich 2008 mit Vertretern von Greenpeace noch hitzige Wortgefechte, als die Umweltschützer ihn aufforderten, in den Apple-Produkten auf bromierte Flammschutzmittel zu verzichten. Diese sind unter Umständen giftig, in der Umwelt schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an.

    Unter der Regie von Cook verzichtete Apple nicht nur auf die umstrittenen Flammschutzmittel, sondern auch auf alle anderen Umweltgifte in der Produktion. Außerdem stellte er den Konzern komplett auf erneuerbare Energie um. Dieses ambitionierte Projekt soll nun auch auf die komplette Lieferkette ausgedehnt werden. Diese Veränderung wurde auch von Greenpeace registriert. „Seit Tim Cook die Leitung von Apple übernommen hat, hat er den Umweltschutz zu einem wichtigen Bestandteil der Identität des Unternehmens gemacht“, erklärte die Organisation 2017 bei der Veröffentlichung eines Reports zu Umweltstandards bei Elektronikherstellern.

    In der Politik setzt sich Cook offen für die Rechte von Minderheiten und Personen mit LGBTQ+-Hintergrund ein – er ist selbst ein schwuler Mann. Zudem legt er bei Apple Wert auf die Verfolgung einer Datenschutzstrategie, selbst wenn die zuletzt Risse bekommen hatte.

    Doch was ist mit den Innovationen, die Steve Jobs Apple brachte? Den Mac, das iPhone, das iPad? Hat der Konzern noch so viel Kraft, die Branche umzukrempeln? Die Apple Watch, das erste wirklich neue Produkt unter Cook, hat sich am Markt durchgesetzt, hängt aber am Tropf des iPhone. Bei den Macs ist man zu ARM gewechselt und hat sie wieder richtig flott gemacht. Am Apple Car“ bastelt der Konzern ebenso noch wie an einer Augmented-Reality-Brille. Solche AR-Technik hält Cook für etwas, was unsere Welt verändern könnte, doch müsste sie dazu endlich fertig werden.

    Jobs‘ wichtigster Partner bei Apple, Jony Ive, hat sich zu seinem Todestag mit einem rührenden Brief im Wall Street Journal zurückgemeldet. Am meisten vermisse er die Art, wie Steve Jobs gedacht habe, er sei ständig auf alles neugierig gewesen, habe auch gewusst, wie wichtig gemeinsames Schweigen und Zuhören ist. „Nachdem er gestorben war, ging ich in den Garten. Ich erinnere mich an den Klang der Verriegelung der Holztür, als ich sie sanft geschlossen habe.“ Jobs habe sich immer, wenn er nicht denken konnte, beschwert: „So wie ich mich über meine Knie beschwere.“

    Tim Cook meldete sich zum 10. Todestag von Steve Jobs auf Twitter zu Wort und zitierte dort Steve Jobs: „Menschen mit Leidenschaft können die Welt zum Besseren verändern.“ Und dann schrieb Cook: „Kaum zu glauben, dass es 10 Jahre her ist. Wir feiern Dich heute und immer.“

    https://rumble.com/v595lsc-apple-celebrates-steve-jobs.html
  • Celebrating Steve Jobs (1955-2011)

    Celebrating Steve Jobs (1955-2011)

    Apple-Mitbegründer Steve Jobs starb am 5. Oktober 2011 im Alter von 56 Jahren. Zwei Monate zuvor war er als CEO zurückgetreten und hatte Tim Cook zu seinem Nachfolger ernannt. Cook meldete sich zum 10. Todestag auf Twitter zu Wort:

    https://twitter.com/tim_cook/status/1445358107157221379
    Tweet von Tim Cook zum 10. Todestag von Steve Jobs

    Tim Cook erinnert an Steve Jobs

    Außerdem schrieb Cook eine E-Mail an die Apple-Belegschaft zum 10. Todestag von Steve Jobs:

    Team,

    Heute ist der 10. Jahrestag von Steves Todestag. Dies ist ein Moment, um sein Leben zu feiern und über das außergewöhnliche Erbe nachzudenken, das er hinterlassen hat.

    Steve glaubte, dass „Menschen mit Leidenschaft die Welt zum Besseren verändern können“. Das ist die Philosophie, die ihn zur Gründung von Apple inspirierte. Und sie lebt heute in uns weiter.

    Steve war so vielseitig: brillant, witzig und weise, ein Ehemann, ein Vater, ein Freund und natürlich ein Visionär. Er forderte uns auf, die Welt nicht so zu sehen, wie sie war, sondern so, wie sie sein könnte. Und er hat so vielen Menschen, mich eingeschlossen, geholfen, das gleiche Potenzial in sich selbst zu sehen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke.

    In diesem Jahr werden wir wie in jedem anderen Jahr daran erinnert, welch tiefgreifenden Einfluss unsere Produkte auf die Welt haben. Ich schätze mich glücklich, dass wir unsere Tage damit verbringen, innovative Werkzeuge zu entwickeln, die Menschen miteinander verbinden, sie zum Umdenken inspirieren und sie befähigen, ihren eigenen Beitrag zum Universum zu leisten. Das ist eines der vielen Geschenke, die Steve uns allen gemacht hat.

    Ich wünschte, Steve wäre hier, um zu sehen, wie sein Geist in all eurer erstaunlichen Arbeit weiterlebt. Aber vor allem wünschte ich, er könnte sehen, was Sie als nächstes tun. Steve sagte einmal, dass seine stolzesten Errungenschaften die sind, die noch vor ihm liegen. Er verbrachte jeden Tag damit, sich eine Zukunft vorzustellen, die niemand sonst sehen konnte, und arbeitete unermüdlich daran, seine Vision zum Leben zu erwecken.

    Steve war eine einzigartige Persönlichkeit, aber er hat uns allen beigebracht, wie man aufsteigt. Ich vermisse ihn, und ich werde ihn immer in Ehren halten.

    Tim

    Apple-Chef Tim Cook und Designchef Jony Ive auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2019.
    Foto: Christoph Dernbach

    Auch Jony Ive, der viele Jahre an der Seite von Steve Jobs als Chef-Designer gearbeitet hat, meldete sich in „Wall Street Journal“ zu Wort:

    Ich habe kaum über Steves Tod nachgedacht.

    Meine Erinnerungen an diesen brutalen, herzzerreißenden Tag vor 10 Jahren sind verstreut und zufällig. Ich kann mich nicht daran erinnern, zu seinem Haus gefahren zu sein. Ich erinnere mich an einen dunstigen Oktoberhimmel und an zu enge Schuhe. Ich erinnere mich, dass Tim und ich danach lange Zeit still im Garten zusammensaßen.

    Seit ich Steves Trauerrede gehalten habe, habe ich nicht mehr öffentlich über unsere Freundschaft, unsere Abenteuer oder unsere Zusammenarbeit gesprochen. Ich habe nie die Flut von Titelblättern, Nachrufen oder die bizarren Falschdarstellungen gelesen, die in die Folklore eingegangen sind.

    Laurene und ich stehen uns nahe. Unsere Familien sind sich seit fast 30 Jahren nahe. Wir haben Todesfälle miterlebt und Geburten gefeiert. Wir sprechen ständig miteinander, oft über Steve, aber selten über meine Arbeit mit ihm. Meistens sprechen wir über die Zukunft und ihre außergewöhnliche und inspirierende Arbeit mit dem Emerson Collective.

    „Ich liebte es, wie [Steve] die Welt sah. Die Art, wie er dachte, war zutiefst schön.“

    Wenn ihre brillanten und wissbegierigen Kinder mich nach ihrem Vater fragen, kann ich mir einfach nicht helfen. Ich kann stundenlang über den bemerkenswerten Mann sprechen, den ich so sehr geliebt habe.

    Wir arbeiteten fast 15 Jahre lang zusammen. An den meisten Tagen aßen wir zusammen zu Mittag und verbrachten unsere Nachmittage in der heiligen Stätte des Designstudios. Das waren einige der glücklichsten, kreativsten und fröhlichsten Zeiten meines Lebens.

    Ich liebte es, wie er die Welt sah. Die Art, wie er dachte, war zutiefst schön.

    Er war ohne Zweifel der wissbegierigste Mensch, den ich je getroffen habe. Seine unersättliche Neugier war weder durch sein Wissen oder seine Erfahrung eingeschränkt oder abgelenkt, noch war sie beiläufig oder passiv. Sie war wild, energisch und rastlos. Seine Neugierde wurde mit Absicht und Strenge ausgeübt.

    Viele von uns haben eine angeborene Veranlagung, neugierig zu sein. Ich glaube, dass nach einer traditionellen Ausbildung oder bei der Arbeit in einem Umfeld mit vielen Menschen die Neugier eine Entscheidung ist, die Absicht und Disziplin erfordert.

    In größeren Gruppen konzentrieren sich unsere Gespräche auf das Greifbare, das Messbare. Es ist bequemer, einfacher und gesellschaftsfähiger, über Bekanntes zu sprechen. Neugierig zu sein und zaghafte Ideen zu erforschen war für Steve viel wichtiger als gesellschaftsfähig zu sein.

    Unsere Neugierde verlangt, dass wir lernen. Und für Steve war der Wunsch zu lernen viel wichtiger als der Wunsch, Recht zu haben.

    Unsere Neugierde verband uns. Sie bildete die Grundlage für unsere freudige und produktive Zusammenarbeit. Ich glaube, sie milderte auch unsere Angst, etwas erschreckend Neues zu tun.

    Steve beschäftigte sich mit der Art und Qualität seines eigenen Denkens. Er erwartete so viel von sich selbst und arbeitete hart daran, mit einer seltenen Vitalität, Eleganz und Disziplin zu denken. Seine Strenge und Hartnäckigkeit legten die Messlatte schwindelerregend hoch. Wenn er nicht zufriedenstellend denken konnte, beklagte er sich auf dieselbe Weise, wie ich mich über meine Knie beschwere.

    Als aus den Gedanken Ideen wurden, wie zaghaft und zerbrechlich sie auch sein mochten, erkannte er, dass dies geheiligter Boden war. Er hatte ein tiefes Verständnis und eine große Ehrfurcht vor dem kreativen Prozess. Er verstand, dass dem Schaffen ein seltener Respekt entgegengebracht werden sollte – nicht nur, wenn die Ideen gut oder die Umstände günstig waren.

    Ideen sind zerbrechlich. Wenn man sie auflösen würde, wären sie keine Ideen, sondern Produkte. Man muss sich sehr anstrengen, um sich nicht von den Problemen einer neuen Idee auffressen zu lassen. Probleme sind leicht zu formulieren und zu verstehen, und sie nehmen den Sauerstoff weg. Steve konzentrierte sich auf die eigentlichen Ideen, wie unvollständig und unwahrscheinlich sie auch sein mögen.

    Ich hatte gedacht, dass mich die Erinnerung an meinen besten Freund und kreativen Partner und an seine außergewöhnliche Vision jetzt trösten würde.

    Aber natürlich nicht. Zehn Jahre später gelingt es ihm, sich einem einfachen Platz in meiner Erinnerung zu entziehen. Mein Verständnis von ihm weigert sich, gemütlich oder still zu bleiben. Es wächst und entwickelt sich.

    Vielleicht ist es ein Kommentar zu dem täglichen Getöse der Meinungen und der hässlichen Eile zu urteilen, aber jetzt vermisse ich vor allem seine einzigartige und schöne Klarheit. Über seine Ideen und Visionen hinaus vermisse ich seine Einsicht, die Ordnung in das Chaos brachte.

    Das hat nichts mit seiner legendären Fähigkeit zu kommunizieren zu tun, sondern mit seiner Besessenheit von Einfachheit, Wahrheit und Reinheit.

    „[Steve] glaubte wirklich, dass wir unsere Liebe für die Menschheit zum Ausdruck bringen, indem wir etwas Nützliches, Ermächtigendes und Schönes schaffen.“

    Letztendlich glaube ich, dass dies auf die grundlegende Motivation hinweist, die ihn antrieb. Ihm ging es nicht um Geld oder Macht, sondern darum, seine Liebe und Wertschätzung für unsere Spezies greifbar zu machen.

    Er glaubte wirklich daran, dass wir unsere Liebe zur Menschheit dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir etwas Nützliches, Ermächtigendes und Schönes schaffen.

    Als Steve Apple in den achtziger Jahren verließ, nannte er sein neues Unternehmen NeXT. Er war sehr gut bei der Namensgebung.

    Nach fast 30 Jahren verließ ich Apple, angetrieben von meiner Neugier zu lernen und neue Wege zu entdecken, einen nützlichen Beitrag zu leisten. Es ist Steves starke Motivation, die den Namen meines nächsten Abenteuers, LoveFrom, geprägt hat.

    Ich habe das absurde Glück, dass ich immer noch mit meinen lieben Freunden bei Apple zusammenarbeite, aber ich habe auch das große Glück, dass ich mit einigen neuen Freunden etwas erforschen und erschaffen kann.

    Laurene und ich arbeiten endlich zusammen. In Wahrheit arbeiten wir schon seit Jahrzehnten zusammen.

    Steves letzte Worte an mich waren, dass er unsere gemeinsamen Gespräche vermissen würde. Ich saß auf dem Boden neben seinem Bett, mit dem Rücken an der Wand.

    Nachdem er gestorben war, ging ich in den Garten hinaus. Ich erinnere mich an das Geräusch des Riegels an der Holztür, als ich sie vorsichtig zuzog.

    Im Garten saß ich und dachte darüber nach, wie sehr das Reden oft dem Zuhören und Denken im Weg steht. Vielleicht ist das der Grund, warum wir so viel Zeit miteinander verbracht haben, ohne zu reden.

    Ich vermisse Steve sehr, und ich werde es immer vermissen, nicht mit ihm zu reden.

  • Wie japanische Kunst Steve Jobs beeinflusste

    Wie japanische Kunst Steve Jobs beeinflusste

    Wenn es um Technik ging, hatte Apple-Mitbegründer Steve Jobs eine klare Vision: Sie musste einfach, minimalistisch und elegant sein. Dieser Sinn für Ästhetik entwickelte sich schon früh und wurde stark von japanischer Kunst beeinflusst – insbesondere von den modernen Holzschnitten (Shin-Hanga), von Kawase Hasui.

    Jobs kam bereits als Teenager zum ersten Mal mit Kawases Arbeiten in Berührung. Er besuchte damals oft das Haus der Familie seines engen Freundes Bill Fernandez, der später der erste Vollzeitmitarbeiter von Apple werden sollte. In dem Haus der Familie Fernandez hingen eine Reihe von Shin-Hanga-Drucken an den Wänden. Er war besonders von den drei Werken von Kawase im Wohnzimmer angetan.

    „Er mochte Hasui über alles“, sagte Bambi Fernandez, Bills Mutter, dem japanischen TV-Sender NHK. „Er stand vor ihnen und schaute sie fast jedes Mal an, wenn er vorbeikam. Es war so offensichtlich, dass er sich zu ihnen hingezogen fühlte.“

    „Senju-Wasserfall, Akame“ Kawase Hasui (1951)

    Sein Favorit, sagt sie, war „Senju waterfall, Akame“, das einen Baum darstellt, der vor einem Wasserfall hängt. Kawase wählte für den Druck einen minimalistischen Stil und verzichtete auf komplizierte Details zugunsten einer bescheidenen Dynamik. So spielen sich die bunten Blätter des Baumes nicht auf der Wasseroberfläche wider. Bill Fernandez glaubt, dass diese zurückhaltende Ästhetik eine Quelle großer Inspiration für Jobs war.

    „Man kann seine Liebe zur Einfachheit und Eleganz in seinem ganzen Leben sehen, wie in den Produkten, die er bei Apple entwickelte“, sagte Fernandez dem Sender NHK.

    Die Shin-Hanga-Bewegung begann im frühen 20. Jahrhundert als ein inländischer Versuch, die Ukiyo-e-Tradition des Holzschnitts und der Malerei wiederzubeleben. Aber erst in Übersee erfuhren diese Werke, die meist japanische Landschaften und Szenen aus dem Leben der Menschen darstellen, große Popularität. Kawase wird als einer der drei Großen des Genres angesehen, zusammen mit Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige.

    Watanabe Shoichiro, ein bedeutender Shin-Hanga-Verleger, sagte, was den Stil auszeichnet, ist die Subtilität der Farben und Details. Dies erfordert exquisite technische Fähigkeiten, und deshalb dauert die Herstellung der Werke viel länger. Die Herstellung von Shin-Hanga-Gemälden kann fünfmal so lange dauern wie die von Ukiyo-e. Watanabe glaubt, dass es das ist, was Jobs zu diesem Stil hingezogen hat.

    „Ich denke, Shin-Hanga spricht Menschen wie Steve Jobs an, Menschen, die versuchen, mit Spitzentechnologie innovativ zu sein“, sagte Watanabe. „Sie sehen das Blut, den Schweiß und die Tränen hinter jedem Bild. Ich denke, Steve schätzte Shin-Hanga.“

    Shin-Hanga-Sammlung von Steve Jobs

    Steve Jobs wurde ein Shin-Hanga-Sammler und kaufte 25 Kawase-Grafiken im Laufe von zwei Jahrzehnten. Dabei folgte er aber nicht dem Mainstream-Geschmack: „Es gibt bestimmte Aspekte des Shin-Hanga, die bei Ausländern beliebt sind, wie verschneite Szenen, Torii-Tore, Schreine und Frauen mit Regenschirmen“, sagte Nishiyama Junko, eine Kuratorin am Chiba City Museum of Art. „Aber Steve Jobs sammelte keine solchen Stücke. Er mochte Hasui. Und Hasui mochte vor allem stille Dinge. Es scheint, dass diese beiden Männer genau den gleichen ästhetischen Geschmack hatten.“

    Matsuoka Haruo, ein Kunsthändler in der Galerie Kabutoya in Tokios noblem Ginza-Viertel, half Jobs beim Kauf von Shin-Hanga-Drucken. Jobs besuchte die Galerie zum ersten Mal im März 1983, als er noch Ende 20 war, bekleidet mit einem T-Shirt und Jeans. Er bat Matsuoka, ihn über Shin-Hanga zu unterrichten, da er unbedingt mit dem Sammeln beginnen wollte

    Steve Jobs‘ ästhetischer Sinn

    Matsuoka sagte, dass Jobs jedes Stück sorgfältig untersucht hat, sich aber schnell entschied, welches er kaufen wollte.

    „Jobs schien eine Vorliebe für einfache, anspruchsvolle Werke zu haben“, sagte er. „Er wusste genau, was er wollte. Normalerweise treffen Kunden ihre Entscheidungen nach Rücksprache mit dem Personal, aber bei Jobs war es das Gegenteil.“

    Bei dieser Schnellschuss-Methode kaufte Jobs normalerweise nur Bilder, die im Hinterzimmer der Galerie vorrätig waren. Die Mitarbeiter brachten ihm die verfügbaren Bilder und er suchte sich aus der Auswahl das aus, was ihm gefiel. Aber Matsuoka erinnert sich an einen Tag, an dem er in der Galerie auftauchte und nach einem ganz bestimmten Werk fragte: Kasawes „Roter Sonnenuntergang“.

    „Roter Sonnenuntergang“, Kawase Hasui (1937)

    Der „Rote Sonnenuntergang“ wurde 1937, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, fertiggestellt und zeigt die Silhouetten von Soldaten auf Pferden, die sich auffällig von einem roten Himmel abheben. Es markiert einen scharfen Bruch mit Kawases üblichem Stil. Matsuoka sagt, Jobs habe nicht erklärt, warum er das Bild haben wollte. Die Galerie hatte es nicht und musste es für ihn finden.

    Das letzte Mal, dass Matsuoka von Jobs hörte, war im Herbst 2003. Zu diesem Zeitpunkt hatte Matsuoka die Ginza-Galerie verlassen und sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht. Eines Tages erhielt er eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter seiner Galerie. „Hi, Haru, hier ist Steve Jobs.“ Über zwei Jahrzehnte hinweg kaufte Jobs mindestens 43 Shin-Hanga-Stücke über Matsuoka; 25 davon waren Werke von Kawase.

    Jobs starb 2011 im Alter von 56 Jahren. Seine Tochter, Lisa Brennan-Jobs, erzählt in ihren Memoiren „Small Fry“ von den letzten Tagen ihres Vaters. Sie beschreibt das Zimmer, in dem ihr Vater im Bett lag:

    „Es gab gerahmte Drucke von Hasui von Dämmerung und Sonnenuntergang an den Tempeln. An der Wand neben ihm erstreckte sich ein rosa Lichtfleck.“

    Quellen:

    The beginning of Steve Jobs‘ lifelong love of shin-hanga“ von Saeki Kentaro (NHK)

    The Secret Passion of Steve Jobs – NHK WORLD-JAPAN

  • Tim Cook – Der disziplinierte Apple-CEO mit politischen Ambitionen

    Tim Cook – Der disziplinierte Apple-CEO mit politischen Ambitionen

    Der Alltag beginnt für Apple-Chef Tim Cook mit einer strengen Routine: Schon gegen 3:45 Uhr klingelt der Wecker. Nach einem ersten Kaffee liest und beantwortet er dann E-Mails, die in der Nacht aufgelaufen sind. „Eine Stunde später gehe ich ins Fitnessstudio und bleibe dort bis 6 Uhr. Dann dusche ich und gehe gegen 6.30 Uhr an die Arbeit“, sagt Cook in einem Interview.

    "Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich diesen Teil des Tages besser kontrollieren kann. Und nur in der Früh schaffe ich es, zum Sport zu gehen. Morgens habe ich die meiste Energie, außerdem genieße ich die Stille, bevor der Tag anbricht."
    Tim Cook zum FOCUS-Magazin

    Tim Cook ist nicht nur selbst-diszipliniert, sondern hat auch Apple Disziplin beigebracht. Mitte der 90er Jahre war Apple berühmt-berüchtigt dafür, die Nachfrage nach bestimmten Produkten massiv zu unter- oder überschätzen. So häuften sich entweder teuere Lagerbestände von unverkäuflichen Geräten an oder Apple konnte begehrte Produkte wie die ersten PowerMacs nicht liefern und verärgerte damit seine Kundschaft.

    Apple-Mitbegründer Steve Jobs erkannte nach seiner Rückkehr zu Apple 1997 sehr schnell, dass das operative Geschäft auf ein solides Fundament gesetzt werden musste. 1998 fragte er Tim Cook, der damals beim PC-Klone-Hersteller Compaq arbeitete, ob er nicht bei Apple aufräumen könne.

    In einer Rede vor Absolventen der Auburn University 2010 erinnerte sich Cook an diesen Moment: „Jede rein rationale Betrachtung der Kosten und Nutzen fiel zugunsten von Compaq aus, und die Leute, die mich kannten, rieten mir am besten, bei Compaq zu bleiben. (…) An diesem Tag Anfang 1998 hörte ich auf meine Intuition, nicht die linke Seite meines Gehirns oder gar die Leute, die mich am besten kannten. (…) Schon nach fünf Minuten in meinem ersten Bewerbungsgespräch mit Steve, war ich bereit. Vorsicht und Logik in den Wind zu schlagen und zu Apple zu kommen. Meine Intuition wusste bereits, dass der Einstieg bei Apple eine einmalige Gelegenheit war, für das kreative Genie zu arbeiten und Teil des Führungsteams zu sein, das ein großes amerikanisches Unternehmen wiederbeleben sollte.“

    In seiner ersten Position bei Apple war Tim Cook als Senior Vice President of Operations für die weltweite Produktion verantwortlich. Damals wurde er mit den Worten zitiert: „Du willst es irgendwie so machen, als wärst du in der Milchwirtschaft. Wenn es über sein Frischedatum hinausgeht, hast Du ein Problem“.

    Tim Cook räumt auf

    Cook schloss Fabriken und Lager von Apple und ersetzte sie durch Lohnfertiger, vor allem in Asien. Dies führte zu einer Reduzierung der Lagerbestände des Unternehmens von Monaten auf Tage.

    Arbeiter an einer iPhone-Montagestraße beim Zulieferer Pegatron (2018) – Bild: Apple

    Seine Abteilung investierte in langfristige Geschäfte und finanzierte beispielsweise Vorabinvestitionen in Flash-Speicher ab 2005, um eine stabile Versorgung mit diesen Bauteilen zu gewährleisten, die dann massenhaft für den iPod Nano, das iPhone und das iPad benötigt wurden. Die von Cook eingeleiteten Maßnahmen waren mit dafür verantwortlich, bei Apple die Kosten unter Kontrolle zu halten. Zusammen mit den Produkt-Ideen von Steve Jobs und Apple-Designer Jony Ive trug Cook maßgeblich ddazu bei, dass bei Apple ab 2007 riesige Gewinne erzielt werden konnten.

    Im Januar 2007 wurde Cook zum Leiter des operativen Geschäfts befördert und übernahm 2009 vertretungsweise den Posten des Chief Executive Officers, als Konzern-Chef Jobs erstmals wegen seiner gesundheitlichen Probleme beurlaubt war. Im Januar 2011 genehmigte das Apple Board of Directors eine weitere medizinische Beurlaubung, die von Jobs beantragt worden war. Während dieser Zeit war Cook für die täglichen Abläufe von Apple verantwortlich, während Jobs noch die strategisch wichtigen Entscheidungen traf. Die Ära Steve Jobs endete am 24. August 2011 mit seinem Rücktritt und Tim Cook wurde offiziell CEO. Sechs Wochen später erlag Steve Jobs seinem Krebsleiden.

    Als Apple-Chef setzte Tim Cook den von Steve Jobs eingeleiteten Erfolg des Konzerns beeindruckend fort. Zumindest Umsatz und Gewinn stiegen unablässig. Damit stieg auch der Wert den Unternehmens immer weiter an. Cook gelang es aber nicht, die Abhängigkeit vom iPhone-Umsatz maßgeblich zu reduzieren. Zwar brachte Apple unter seiner Regentschaft auch neue Produktkategorien wie die Apple Watch, die AirPods und den HomePod auf den Markt und erhöhte auch die Service-Umsätze. Doch diese Umsätze hängen fast alle unmittelbar am iPhon.

    Mit dem Einbrechen des Geschäfts in China und einer leichten Flaute beim iPhone-Absatz drehte sich auch der Trend bei Apple. Im Weihnachtsquartal 2018 sanken Umsatz und Gewinn, die Aktie brach kräftig ein – um sich dann allerdings auch wieder zu erholen.

    Noch als Steve Jobs lebte, haben sich immer wieder Beobachter gefragt, ob Tim Cook tatsächlich in der Lage ist, Apple erfolgreich in die Zukunft zu führen. Definiert man Erfolg rein nach den Businesszahlen, kann sich seine Bilanz sehen lassen, auch wenn Umsatz und Gewinn Ende 2018 nachgaben und der Aktienkurs deutlich fiel.

    Umsatz und Gewinn von Apple in der Ära Tim Cook
    Kurs der Apple-Aktie seit August 2011

    Als der Kurs der Apple-Aktie in den elf Monaten nach der Vorstellung des iPhone 5 im September 2012 fast halbierte, sahen Beobachter wie der Journalist und Buchautor Nils Jacobsen das Ende von Apple nahen. In seinem Buch „Das Apple-Imperium“ schrieb er 2013 vom „Aufstieg und Fall des wertvollsten Unternehmens der Welt“.

    Allerdings war die Nachrichten vom Ableben des iPhone-Konzerns verfrüht, denn Umsatz und Gewinn sprudelten umfangreicher denn je und die Apple-Aktie verdreifachte sich im Zeitraum bis zum April 2015 auf über 170 Dollar – um dann aber auch wieder eine schwächere Performance zu zeigen. In einer Neuauflage des seines Buches „Das Apple-Imperium 2.0: Die neuen Herausforderungen des wertvollsten Konzerns der Welt“ malte Jacobsen allerdings das Bild erneut mit dunklen Farben:

    Was ich durch die Brille des Wirtschaftsjournalisten bei Beendigung des Manuskripts im Sommer 2016 sehe, ist ein Unternehmen, das auf seinem Zenit angekommen ist – ein Blickwinkel, den die Wall Street offenbar teilt, die Apple bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 mit einem so krassen Bewertungsabschlag versieht wie einen trägen Old-Economy-Konzern. Anleger haben offenbar begonnen einzupreisen, dass Apples Erfolgsserie schon bald auslaufen könnte. Gleichzeitig sehe ich ein Unternehmen, das verbissen darum kämpft, oben zu bleiben, ein Unternehmen, das sich immer öfter der Kunstgriffe des financial engineering bedient, um mit den größten Barreserven der Wirtschaftsgeschichte seine Vormachtstellung zu verteidigen. Ein Unternehmen, das angefangen hat, ziemlich ungeniert bei vermeintlichen Jubelmeldungen zu tricksen.
    Nils Jacobsen in „Das Apple-Imperium 2.0“ (Nov. 2016)

    Von einem Zenit war Apple unter Tim Cook im Sommer und Herbst 2016 allerdings noch weit entfernt. Anfang August 2018 überschritt der Konzern als erstes börsennotiertes Unternehmen der Welt die Schwelle von einer Billion Dollar. Der vorläufige Höhepunkt der beispiellosen Börsenralley wurde im Herbst 2018 erreicht. Am 3. Oktober 2018 lag der Kurs beim Allzeithoch von 233,47 Dollar. Eine schwache Smartphone-Konjunktur weltweit und massive Absatzschwierigkeiten ließen den Kurs dann aber auch wieder einbrechen.

    Selbst nach dem Absturz der Apple-Aktie in den ersten Wochen des Jahres 2019 können die Investoren zufrieden sein: Zum Amtsantritt von Tim Cook als Apple-CEO am 24.8.2011 stand das AAPL-Papier bei 53,4 Dollar. Anfang März 2019 kostete eine Apple-Aktie mehr als drei Mal so viel (174,9 Dollar).

    (Update November 2021:

    Apple hat nach einem weiteren steilen Anstieg Ende Oktober 2020 einen Aktienspitt von 4:1 vorgenommen. Für eine Apple-Aktie bekam man 4, deren Wert nur noch ein Viertel war. Splittbereinigt lag der Kurs der Apple-Aktie am 24. August 2011, dem Tag der Amtsübernahme von Tim Cook als CEO bei 13,44 Dollar. Zehn Jahre später bekamen die Investoren 149,62 Dollar. Der Kurs hat sich also mehr als verzehnfacht. Das bisherige Allzeithoch wurde wenige Wochen nach dem zehnjährigen CEO-Jubiläum am 7. Septemmber mit 156,69 Dollar erzielt. Am 17. November 2021 lag der Kurs bei glatt 151 Dollar.)

    Obwohl die Zahlen der Tim-Cook-Ära sich sehen lassen können, verstummt die Kritik nicht. Ihm wird immer wieder vorgehalten, dass es nach der Einführung von iPhone (2007) und iPad (2010) kein neues Produkt von Apple gab, das global im großen Stil abräumen konnte.

    Apple plagen zwei große Probleme: China und das iPhone. China mag ein kurzfristiges Problem sein, aber der iPhone-Upgrade-Zyklus verlängert sich immer wieder. Die Wahrheit ist vor allem: Unter Tim Cook hat Apple kein neues großes Produkt entwickelt. Das iPad wurde noch unter Steve Jobs entwickelt.
    Fondsmanager John Petrides von Point View Wealth Management am 17. Januar 2019 gegenüber Yahoo Finance.

    Petrides lässt außen vor, dass das Unternehmen unter Tim Cook aus dem Stand heraus mit der Apple Watch zum erfolgreichsten Smartwatch-Anbieter der Welt geworden ist. Nur Fitbit und Samsung können ein wenig mithalten:

    Die Apple Watch: Marktführer unter den Computeruhren – Quelle: Statista

    Die Abhängigkeit vom iPhone konnte aber auch die Apple Watch nicht beseitigen, zumal andere Projekte wie der vernetzte Lautsprecher HomePod nicht an die Absatzerfolge der Konkurrenten Amazon und Google heranreichen konnte.

    Wir führt Tim Cook das Unternehmen? In dem rund 180 Personen umfassenden Top-Management von Apple berichten 18 direkt an ihn. Das betrifft die unter anderem Bereiche Hardware, Software, Dienstleistungen, Chips, künstliche Intelligenz, Marketing und Finanzen. Außerdem gibt es einen Vorstandsassistenten, der Cook direkt zuarbeitet. Die Anzahl der direkt unterstellten Manager ist bei Cook höher als bei CEOs anderer Top-Tech-Unternehmen, darunter Facebook, Amazon und Uber.

    Das Organisations-Chart der Apple-Führung – Quelle: The Information

    Cooks Vorgänger Steve Jobs war als legendärer Kontrollfreak bekannt, der sich auch mit winzigen Details beschäftigt und meinungsstark in das Produkt-Design eingemischt hat. Cook setzt dagegen auf Konsens und neigt dazu, sich eng mit seinen Top-Managern abzustimmen. Als ehemaliger Betriebs- und Supply-Chain-Guru für Apple vermeidet er die Einmischung in Produktentscheidungen, wie es Steve Jobs tat, berichtet „The Information“.

    „Was heute anders ist, ist, dass Tim viel mehr delegiert“, sagte David Yoffie, ein Professor an der Harvard Business School, der Apple ausgiebig studiert hat, „The Information“. „Apple ist heute eine traditionellere Art von Organisation, im Vergleich zu dem, was sie unter Steve war.“

    Ein Vorteil von Cooks Ansatz ist, dass die Beziehungen zwischen den Senior Vice Presidents des Unternehmens weniger politisch instabil sind als in der Ära von Steve Jobs. „Bei Konflikten erwartet Tim Cook von seinen Managern, dass sie ihre Differenzen beilegen. Steve Jobs hatte sich häufig für eine Seite entschieden und sah Vorteile darin, seine Führungskräfte gegeneinander auszuspielen.“

    Der Nachteil dieses Führungsstils ist jedoch, dass Tim Cook sich in der Öffentlichkeit nicht mehr der Wucht als die maßgebliche Stimme von Apple zu Wort melden kann, wie es Steve Jobs vermochte. So war Jobs auch in der Lage, mit wenigen Sätzen in einer Pressekonferenz das „Antennagate“ zu beenden, das andere Firmen vielleicht in den Abgrund gerissen hätte. Zu Erinnerung: Beim iPhone 4 aus dem 2010 beschwerten sich etlich Kunden über Probleme beim Empfang. Steve Jobs erklärte kurzerhand, die Nutzer sollten das Handy halt einfach richtig halten. Mit einer Entschuldigung, einem Software-Update und eine kostenlose Schutzhülle für alle Besitzer des iPhone 4 wurde das Problem abgeräumt.

    Die Strahlkraft von Jobs wirkte auch nach außen: Als er im April 2010 in seinen „Gedanken zu Flash“ die Technologie von Adobe vernichtend kritisierte, war Flash von einem Tag auf den anderen dem Untergang geweiht.

    Cook fehlt dagegen der Instinkt in Produkt- und Marketingfragen, der bei Jobs für einen CEO ungewöhnlich ausgeprägt war. Die US-Journalistin Yukari Iwatani Kane, die lange jahre für das „Wall Street Journal“ über Apple berichtet hat, fasst das so zusammen:

    Tim war der Zahlentyp, er war der Prozessexperte. Auch wenn Steve der Visionär hinter all diesen großartigen Produkten wie dem iPhone und dem iPod war, so ist es doch Tim zu verdanken, dass jeder, der eines haben will, eines bekommen kann. Apple definierte Großartigkeit als Veränderung der Geschichte, besser als andere Unternehmen zu sein und als moralisch rechtschaffen zu sein. Und genau dazu hatten die Leute Fragen. Die Fragen für Tim betrafen die Kultur von Apple, seine Werte und seine Vision, und das sind alles Dinge, die man nicht mit Zahlen belegen kann.

    Tim Cook entwickelte ein ausgeprägtes Gefühl für politische Fragen, die Jobs weitgehend egal waren. Um diesen Punkt besser verstehen zu können, lohnt ein Blick in seine Biografie:

    Tim Cook ist ein Kind der Babyboomer-Generation. Er wurde am 1. November 1960 in Mobile (US-Bundesstaat Alabama) geboren. Er wuchs im benachbarten Robertsdale auf. Sein Vater war Vorarbeiter in einer Werft und seine Mutter Angestellte in einer Apotheke. Er ist der zweite von drei Söhnen. Die Cooks waren kleine Leute in einer erzkonservativen Umgebung, die damals noch von Rassendiskriminierung und Skepsis gegenüber einem liberalen Lebensstil geprägt war.

    Als Cook im Jahr 2011 das Erbe des Apple-Gründers Steve Jobs antrat, war es ein offenes Geheimnis, dass er schwul ist. Er marschierte in San Franciscos LGBT-Parade mit und rangierte seit Jahren ganz oben in der „Power 50“-Liste der US-Schwulenzeitschrift „Out“. In seiner Jugend konnte sich Cook zu seiner sexuellen Orientierung kaum offen äußern.

    Auf die Frage des Nachrichtenmagazins FOCUS, ob er in seiner Kindheit in den Südstaaten viel Diskriminierung im Alltag erlebt habe, sagte Cook:

    Damals war die Lage ziemlich brenzlig. Durch die Civil Rights und die Aufhebung der Rassentrennung 1964 verschwanden ja nicht automatisch die Vorurteile. Dann die Attentate auf Dr. King und Bobby Kennedy: Gerade der Alltagsrassismus, diese kleinen Unterschiede, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe anders behandelt werden, das alles war wirklich schwer zu ertragen, herzzerreißend. Diese Alltagsdiskriminierung gibt es natürlich auch, wenn Menschen wegen ihrer Sexualität oder des Geschlechts diskriminiert werden. Oder in anderen Fällen. Tag für Tag. Weltweit. Die Liste ist verdammt lang.

    Tim Cook im FOCUS (28.12.2018)

    Vor diesem Hintergrund wirk es auch nicht aufgesetzt, wenn Tim Cook für sich reklamiert, soziale und politische Herausforderungen offensiv zu adressieren. Sein Vorgänger Steve Jobs reagierte im Sommer 2010 noch sehr unbeholfen auf Berichte, wonach sich zehn junge Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn in Südchina selbst getötet hatten, indem sie vom Dach der Fabrikhalle gesprungen sind. Jobs beschrieb den Tod der Arbeiters zwar als „beunruhigend“, bestand aber darauf, dass die Fabrik „keine Ausbeuterbetrieb“ sei. „Es ist eine schwierige Situation“, sagte er auf der Konferenz All Things Digital. Jobs verteidigte dann die Bedingungen in der Fabrik. „Wenn man sich diesen Ort anschaut – und es ist eine Fabrik – aber, meine Güte, es gibt dort Restaurants und Kinos, Krankenhäuser und Schwimmbäder. Für eine Fabrik ist es ziemlich schön“, sagte er.

    Cook wollte sich damit nicht abfinden. Unter seiner Führung müssen die Zulieferbetriebe weltweit in detaillierten Berichten belegen, wie es um die Arbeitsbedingungen beschaffen ist, ob Minderjährige eingesetzt werden, ob Obergrenzen für Tages- und Wochenarbeitszeit eingehalten werden. Die Fortschritte, die erzielt werden, dokumentiert Apple in einem jährlichen Bericht .

    Cook kapierte auch schnell, dass es der Marke Apple nur schadet, wenn man Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace keine Auskunft zu den Umweltschutzmaßnahmen gibt oder sich sogar Wortgefechte mit den Aktivisten liefert. Das erste iPhone (2007) wurde von Greenpeace noch scharf kritisiert. Das Smartphone von Apple enthalte Chemikalien und Materialien, die für die Umwelt gefährlich sind, erklärte Greenpeace damals. Ein unabhängiger Labortest an 18 internen und externen Komponenten des iPhone zeige, dass die Hälfte der Proben bromierte Verbindungen enthielt.

    Schon zum Ende der Ära Steve Jobs verbesserte sich das Verhältnis zu Greenpeace, weil Apple nicht nur den Einsatz von umweltschädlichen Komponenten systematisch reduzierte. Unter Tim Cook wurde der grüne Kurs von Apple konsequent fortgesetzt. Nach seiner Vorgabe wurde auch die Stromversorgung der eigenen Einrichtungen und Zulieferbetriebe kontinuierlich auf erneuerbare Energie umgestellt. Als Investoren ihn deswegen auf der Apple-Aktionärsversammlung zur Rede stellte und von ihm verlangen, sich vorrangig um die Profitabilität des Unternehmen zu kümmern, verteidigte er seinen Kurs vehement. „Wenn Sie wollen, dass ich die Dinge nur zur Verbesserung des ROI (Return on investment) mache, sollten Sie aus diesem Aktienbestand aussteigen“, sagte er einem Investor.

    Die Ergebnisse des „grünen Kurses“ von Cook wurden auch von Greenpeace registriert: Die Organisation vergab Anfang 2017 bei einer Bewertung der wichtigsten US-Technologieriesen dem iPhone-Hersteller die besten Noten für den Einsatz erneuerbarer Energien. Mit 83 Prozent genutztem Strom aus regenerativen Quellen belege Apple dabei das dritte Jahr in Folge den Spitzenplatz in der Rangliste, teilte die Umweltschutz-Organisation im Januar 2017 mit. Amazon setze dagegen mit seinen Webservices AWS immer noch in weiten teilen auf Kohle- und Atomstrom, hieß es im Greenpeace-Report „Grüner Klicken„.

    Neben dem Umweltschutz reklamiert Cook ein weiteres politisches Thema vehement für sich: den Datenschutz.

    Nach dem NSA-Skandal, der von dem US-Whistleblower Edward Snowden aufgedeckt wurde, sah sich Apple gezwungen, hart Stellung zu beziehen. In einem TV-Interview mit Charlie Rose versprach er den Nutzern im September 2014, möglichst wenig Informationen über sie zu speichern. „Wenn wir einen neuen Dienst entwerfen, versuchen wir, keine Daten zu sammeln“, sagte Cook. Apple mache sein Geld mit dem Verkauf von Geräten. „Unser Geschäft beruht nicht darauf, Informationen über Sie zu haben. Sie sind nicht unser Produkt“, sagte Cook an die Adresse der Kunden.

    Zugleich platzierte Cook in dem Gespräch einen Seitenhieb gegen Rivalen wie Google, ohne diese beim Namen zu nennen. Nutzer sollten sich immer fragen, wie ein Unternehmen sein Geld verdiene. „Folgen Sie der Spur des Geldes. Und wenn sie das Geld vor allem machen, indem sie Brocken persönlicher Daten sammeln, denke ich, dass Sie (die Nutzer) ein Recht haben, besorgt zu sein.“

    Cook bekräftigte bei dieser Gelegenheit, Gerüchte über Hintertüren für Geheimdienste bei Apple seien unwahr. „Wir würden das nie zulassen. Die müssten uns dafür schon in einem Karton aus dem Gebäude bringen.“ Apple horte keine «Schatztruhe» von Daten für die NSA und andere Geheimdienste. So seien die Kurznachrichten im Chatdienst iMessage verschlüsselt, und der Konzern habe dazu keinen Zugang. Auch wenn die Regierung sie lesen wollte, könne Apple sie nicht aushändigen, sagte Cook.

    Im Jahr 2016 wurde Cooks Haltung auf eine schwere Probe gestellt. Er weigerte sich nach einem Anschlag in San Bernadino, das iPhone des Terrorschützen für das FBI zu entsperren. Das Justizministerium warf dem Apple-CEO damals vor, die Weigerung beruhe nicht auf rechtlichen Argumenten, sondern sei Teil einer Marketingstrategie. Der Konflikt wurde damals dadurch gelöst, dass das FBI das iPhone 5C des getöteten Terroristen bei einem Sicherheitsdienstleister aus Israel entsperren lassen konnte.

    Auch zwei Jahre später verteidigte Cook seine Weigerung. Er stehe nach wie vor zu seiner Entscheidung, sagte Cook dem FOCUS. „Allerdings hätte ich niemals erwartet, in eine solche eine Situation zu kommen – schließlich ist es die Ausgabe des Staates, für die Rechte seiner Bürger einzutreten. Das haben wir dann getan.“

    Nach dem Datenschutzskandal rund um Cambridge Analytica grenzte sich Cook immer stärker von den großen Internet-Konzernen ab, vor allem von Facebook. Eine detaillierte Nutzerdatensammlung wie von Facebook „sollte nicht existieren“ sagte Cook und rief nach einer Regulierung.  Als die US-Journalistin Kara Swisher in einem MSNBC-Interview fragte, was er an Stelle von Mark Zuckerberg (zur Wiederherstellung der Privatsphäre) mach würde, antwortete Cook trocken: „Ich wäre nicht in seiner Lage.“

    Im März 2018 versprach der Apple-CEO, dass sein Unternehmen die Privatsphäre der Nutzer als Menschenrecht ansehe und dieses als bürgerliche Freiheit betrachte. Diese Position vertrat Cook im Oktober 2018 auch noch einmal prominent auf einer Tagung der Europäischen Datenschutzbeauftragten in Brüssel. Der Apple-CEO warnte deutlichen Worten vor einem wachsenden „datengetrieben-industriellen Komplex“ gewarnt.

    Bei einem anderen politischen Thema macht sich Tim Cook – zumindest in Europa – wenig Freunde – nämlich der Frage, wie eine faire und rechtmäßige Besteuerung der riesigen Gewinne von Apple außerhalb der USA erfolgen soll. Ende August 2016 setzte die EU-Kommission mit einem gewaltigen Steuerbescheid von potenziell mehr als 13 Milliarden Euro für Apple ein Ausrufezeichen. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte Tim Cook: „Wenn mein Steuersatz auf 0,005 Prozent sinken würde, hätte ich das Gefühl, dass ich einen zweiten Blick auf meine Steuerrechnung werfen sollte.“

    Das umstrittene Steuerkonstrukt war bereits in der 1. Ära von Steve Jobs, also noch vor seinem Rauswurf bei Apple 1985, entstanden: Apple ließ einen erheblichen Teil des weltweiten Geschäfts über Tochterunternehmen in Irland laufen. Eine der Töchter war dafür zuständig, Geräte aus Asien zum Verkauf in Europa umzuschlagen. Außerdem übernahmen irische Apple-Firmen einen Teil der Entwicklungskosten. Dafür bekamen sie Rechte an intellektuellem Eigentum übertragen und entsprechend wurde dorthin auch ein Teil der Gewinne abgeführt. Eines der irischen Tochterunternehmen verwaltete bereits besteuerte Konzerngewinne. Das Konstrukt führte dazu, dass bestimmte Gewinne nirgendwo versteuert wurden, weder in den USA noch in Europa.

    Cook war nicht der Architekt dieser Konstruktion, verteidigte sie aber vehement. Die Kritik Vestagers, Apple habe in Irland im Jahr 2014 eine Körperschaftssteuer von nur 0,005 Prozent bezahlt, bezeichnete er als „politischen Dreck“. „Ich weiß nicht, wo sie diese Zahl herhaben», sagte Cook. Apple habe in dem Jahr 400 Millionen Dollar Steuern in dem Land bezahlt. „Wir glauben, dass wir damit der größte Steuerzahler in Irland in diesem Jahr waren.“

    Nach einer umfassenden Steuerreform durch US-Präsident Donald Trump ließ Cook den Großteil seiner gewaltigen Geldreserven von mehr als 250 Milliarden Dollar ins Heimatland bringen. In diesem Zusammenhang zahlte Apple auch Steuern von 38 Milliarden Dollar – aber nicht an den Fiskus in Europa, sondern die US-amerikanischen Finanzbehörden. Um die Steuerzahlung in Europa wird aber weiter gestritten. Die EU-Kommission betonte, der Schritt ändere nichts an der Forderung, Apple solle mindestens 13 Milliarden Euro Steuern in Irland nachzahlen.

    Supply-Chain-Guru, Umweltfreund, Datenschützer, Steuerfuchs. Tim Cook hat viele Facetten. Welchen Platz er aber irgendwann im Buch der Geschichte von Apple einnehmen wird, kann man noch nicht absehen. Das wird auch stark davon abhängen, ob es ihm gelingen wird, ein Produkt einzuführen, das halbwegs an den Erfolg des iPhone anknüpfen kann. Ob das die von ihm immer wieder angedeutete AR-Brille sein wird? Und wenn ja, ob das wirklich mal ein ganz großes Ding werden wird? Wir werden es sehen.

    Umsatz von Apple von 2004 – 2022 – Quelle: Statista

    Quellen:

    THE INFORMATION: The People With Power at Apple (28.02.2019)

    TIME: Apple CEO Tim Cook Is Increasingly Flexing His Muscles

    BILD: Tim Cook – Warum ich mich den Deutschen so nah fühle

    Cult of Mac: Who Is Apple’s New CEO Tim Cook? [Bio]

    3News – Apple’s softer side emerges under Cook

    NBCNEWS.COM: Apple’s Tim Cook Is First Fortune 500 to Come Out as Gay

    Wikipedia contributors. Tim Cook [Internet]. Wikipedia, The Free Encyclopedia; 2019 Feb 28, 15:45 UTC [cited 2019 Mar 4]. Available from: https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Tim_Cook&oldid=885523681.

    SPIEGEL ONLINE: Coming-out des Apple-ChefsTim Cook bricht das letzte Tabu (31.10.2014 )

  • 1984 – Der berühmte Super-Bowl-Werbespot

    Die TV-Werbung von Apple im Vorfeld des Marktstarts des Apple Macintosh während des Super Bowl XVIII der amerikanischen Football-Liga NFL am 2. Januar 1984 hat Medien- und Computergeschichte geschrieben. Der von Regisseur Ridley Scott produzierte Spot „1984“ für den ersten Apple Macintosh Werbung wurde zum besten Werbespot aller Zeiten (Advertising Age). gewählt.

    Apple-Spot „1984“ für den ersten Apple Macintosh

    Zu Beginn des dritten Quarter gelang den in Führung liegenden Los Angeles Raiders ein Touchdown gegen die Washington Redskins. Statt dass die Szene noch einmal in der Wiederholung gezeigt wurde, wurden die Fernsehbildschirme im ganzen Land zwei Sekunden lang schwarz. Dann tauchten beängstigende Schwarz-Weiß-Bilder von marschierenden Drohnen auf, begleitet von unheimlicher Musik.

    Eine rebellische junge Frau im strahlend weißen Tank-Top, auf dem die Umrisse des Apple Macintosh zu sehen war, tritt in dieser spannungsgeladenen Situation als die Befreierin auf: Sie schleudert auf der Flucht vor der Orwell’schen Gedankenpolizei einen Vorschlaghammer gegen einen Großbildschirm, auf dem gerade eine Propagandarede des Big Brother läuft.

    My friends, each of you is a single cell in the great body of the State. And today, that great body has purged itself of parasites. We have triumphed over the unprincipled dissemination of facts. The thugs and wreckers have been cast out. And the poisonous weeds of disinformation have been consigned to the dustbin of history. Let each and every cell rejoice! For today we celebrate the first, glorious anniversary of the Information Purification Directive! We have created, for the first time in all history, a garden of pure ideology, where each worker may bloom secure from the pests of contradictory and confusing truths. Our Unification of Thought is a more powerful weapon than any fleet or army on Earth! We are one people. With one will. One resolve. One cause. Our enemies shall talk themselves to death. And we will bury them with their own confusion! We shall prevail!“

    Die Rede der Figur des „Big Brother“ in dem Werbespot „1984“ von Apple

    Mehr als 96 Millionen Zuschauer sahen am 22. Januar 1984 den Werbespot, der mit nichts je Dagewesenem vergleichbar war. Als die Drohnen am Ende entsetzt zusehen, wie ihr Big Brother in Rauch aufging, verkündet eine ruhige Stimme: „Am 24. Januar wird Apple Computer den Macintosh vorstellen. Und Sie werden begreifen, warum 1984 nicht wie 1984 sein wird.“

    Todd Leopold von CNN konnte sich 22 Jahre später noch genau die Ausstrahlung des Spots erinnern: „Das war eines dieser Ereignisse, zu denen man sich hingezogen fühlt, bevor man es überhaupt bemerkt“, schreib er 2006. „Nach und nach bemerkten wir eine dröhnende Stimme unter einem ausgegrauten Bild, einer attraktiven Läuferin in weißem Tank-Top und roten Shorts mit einem Vorschlaghammer, Reihen von kahlen, roboter-ähnlichen Männern, einen riesigen Fernsehbildschirm mit einem wütenden Mann.“ Leopold fragte sich damals: „Ist dies ein neuer Film von Orwells ‚1984‘? Aber was hat es mit der Läuferin auf sich?“

    Niemals werde je ein Spot „1984“ in seiner Wirkung übertreffen, meinte Leopold: „Es war unerwartet, schockierend, einzigartig, unverwechselbar inmitten der üblichen Bier- und Auto-Anzeigen, die während des Super Bowl jener Tage in den Werbepausen erschienen. „

    Obwohl der Spot rückblickend untrennbar mit der Premiere des Apple Macintosh im Jahr 1984 verbunden ist, bestand anfangs diese Verbindung gar nicht. Bereits Ende 1982 hatte die Apple-Werbeagentur Chiat/Day für das „Wall Street Journal“ eine Kampagne mit dem Apple II entwickelt, die George Orwells totalitäre Zukunftsvisionen in Gegensatz zur Apple-Philosophie stellen sollte.

    „Sechs Monate bevor wir überhaupt vom Mac wussten, hatten wir diese neue Anzeige gestaltet, die lautete: „Warum 1984 nicht wie 1984 sein wird“, sagte Lee Clow, Creative Director bei Chiat/Day. „Die Anzeige erklärte die Philosophie und den Zweck von Apple: dass Menschen – und nicht nur Regierungen oder große Unternehmen – Technologie betreiben sollten. Wenn Computer nicht unser Leben übernehmen sollen, müssen sie zugänglich sein.“

    Die Anzeige wurde nie gedruckt, sondern abgelegt, nur um im Frühjahr 1983 von Steve Hayden, dem Texter der Agentur, und Brent Thomas, dem Art Director, entstaubt zu werden. Sie suchten nach einem Aufhänger, um eine mutige Aussage über den unglaublichen neuen Macintosh zu machen. Mit umfangreichen Überarbeitungen hat das Chiat/Day-Team ein Storyboard für den 1984er Werbespot zusammengestellt, den sie für die Dreharbeiten vorschlugen.

    Der erste Mini-Film zeigte die athletische junge Frau, die von behelmten Sturmtruppen verfolgt wurde, noch mit einem Baseballschläger. Dieser wurde später durch einen Vorschlaghammer ersetzt, mit dem die Heldin dramatisch den Bildschirm zerschmettern und damit für einen Lichtblitz und einen erfrischenden Strom frischer Luft sorgen würde.

    Lee Clow, Kreativ-Chef der Agentur, beschreibt den Kontext des Spots so:

    „Es beginnt an einem Ort, der die Zukunft repräsentiert, mit Menschen, die zu einem zentralen Saal marschieren. Unsere Idee war, dass der Big Brother die Kontrolle der Technologie durch wenige repräsentiert. Viele Leute meinte, dass mit dem Big Brother IBM gemeint ist – zum Teil wegen der bläuliche Farbgebung, aber auch wegen der Wettbewerbssituation, in der sich Apple sich befand. Das war wirklich nicht die Absicht. Aber wahrscheinlich hat es auch auf dieser Ebene funktioniert.“

    Steve-Jobs-Biograf Walter Isaacson schreibt: „Das Konzept fing den revolutionären Geist des neuen Computerzeitalters ein. Besonders junge Leute aus der alternativen Szene hatten Computer lange als etwas betrachtet, das von autoritären Regierungen und Firmenimperien als Gleichschaltungsinstrument benutzt werden konnte. Seit Ende der siebziger Jahre sah man in ihnen allerdings auch ein Werkzeug zur individuellen Emanzipation. Der Werbespot erhob den Macintosh zum Kämpfer für die gute Sache – eine coole, rebellische Firma, die sich als Einzige dem großen, bösen Unternehmensimperium in den Weg stellte, das im Begriff war, die Herrschaft über die Welt zu übernehmen und die totale Gedankenkontrolle auszuüben.

    Das gefiel Jobs. Damit konnte er sich identifizieren. Er sah sich selbst gern als Rebellen und vertrat nach außen hin die Werte, für die der wilde Haufen aus Hackern und »Piraten« stand, den er für das Mac-Team angeworben hatte. Über ihrem Gebäude flatterte die Piratenflagge. Auch wenn er die Kommune in Oregon verlassen und eine Firma gegründet hatte, wollte er immer noch lieber der Gegenkultur zugeordnet werden als dem Unternehmertum. (…) Mit Ridley Scott als Regisseur, der gerade mit Blade Runner einen Riesenerfolg gefeiert hatte, konnte Jobs das aufkommende Cyberpunk-Ethos für sich und seine Firma reklamieren. Dank dieses Werbespots ließ sich Apple mit den Rebellen und Hackern, den Andersdenkenden identifizieren – und Jobs gleich mit.“

    Als die Agentur Chiat/Day Ridley Scott vorschlug, einen Spot für Apple zu drehen, dachte er, es ginge um die Beatles. „Sie sagten: ‚Nein, nein, nein. Apple ist dieser Typ namens Steve Jobs.‘ Ich sagte: ‚Wer zum Teufel ist Steve Jobs?‘ Sie sagten: ‚Es wird wahrscheinlich etwas (für Dich) sein.’“ Scott las das Drehbuch und dachte: „Mein Gott. Sie sagen nicht, was es ist, sie zeigen nicht, was es ist. Sie sagen nicht einmal, was es tut. Das war Werbung als Kunstform. Sie war verheerend effektiv.“

    Für den Spot standen Mittel zur Verfügung, die damals nicht üblich waren. Regisseur Scott verfügte über ein Produktionsetat von 900.000 Dollar (Quelle: Owen Linzmayer, Apple Confidential 2.0, San Francisco, 2014, S. 110)

    Allerdings fand sich in der Firmen-Führung von Apple kaum jemand, der die Begeisterung der Apple Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak für den teilen konnte. Erst in langen Gesprächen konnte Jobs den damaligen Apple-CEO John Sculley davon überzeugen, die Mittel für die Produktion freizugeben.

    Der Spot wurde im September 1983 in den Londoner Shepperton Studios gedreht. Scott hatte eine Besetzung von 200 Personen für eine Woche verpflichtet. Um die Rolle der verzweifelten, glatzköpfigen Arbeiter zu spielen, rekrutierte er authentische britische Skinheads und bezahlte den Komparsen 125 Dollar pro Tag, um sich die Haare zu rasieren.

    Eine geeignete Heldin zu finden, erwies sich als schwierigere Aufgabe. Viele der professionellen Modemodels und Schauspielerinnen hatten Schwierigkeiten, die geforderte Drehbewegung auszuführen, um den knapp drei Kilogramm schweren Vorschlaghammer präzise zu werfen, wie im Drehbuch gefordert. Beim Casting der Kandidatinnen im Hyde Park wäre laut Linzmayer fast eine ältere Dame getötet worden, als ein Wurf mächtig schief ging.

    Anya Major als Helding im Apple-Spot „1984“

    Wie der Zufall es wollte, war ein Model, die britische Sportlerin Anya Major, auch eine erfahrene Diskuswerferin. Sie wurde angeheuert, um die weibliche Hauptrolle zu spielen, weil sie gut aussah und in der Lage war, den Wurf fehlerfrei auszuführen,

    Die Legende besagt, der Spot sei nur einmal während des Super Bowl XVIII ausgestrahlt worden. Das stimmt nicht ganz. Zuerst bekam das Sales-Team von Apple den Spot am 23. Oktober 1983 zu Gesicht. Laut Linzmayer brachen die rund 750 Apple-Verkäufer in Jubelstürme aus. Vor einem etwas größeren Publikum wurde der Spot am 31. Dezember 1983 in Twin Falls (US-Bundesstaat Idaho) während der letzten Werbepause vor Mitternacht von Tom Frank auf KMVT vor öffentlichem Publikum uraufgeführt. Die TV-Station KMVT wurde häufiger von Werbetreibenden für Testläufe verwendet.

    Das Board of Directors von Apple konnte sich bei einem Treffen im Dezember allerdings gar nicht für den Spot begeistern. In dem Aufsichtsrat saßen damals Apple-Urgestein Mike Markkula, Teledyne-Gründer Henry E. Singleton, der Risikokapitalgeber Arthur Rock, Peter O. Crisp von Rockefeller’s Ventrock Associates und Philip S. Schlein, damaliger Chef der Kaufhauskette Macy’s California. Insbesondere Markkula und Schlein zeigten sich entsetzt. „Kein einziges Board-Mitglied mochte es“, erinnerte sich Sculley.

    Lee Clow, der Kreativ-Chef der Werbeagentur Chiat/Day, erinnert sich daran, wie weit die Vorstellungen von Jobs und dem Aufsichtsrat auseinander lagen:

    „Steve hatte mich vor eine große Herausforderung gestellt. Ich muss den Macintosh vorstellen. Es muss dramatisch werden. Es muss berühmt werden. Es muss anders sein. Wir hatten ein Meeting, bei dem wir eine ganze Reihe von Überlegungen präsentierten, die in die Einführung von Macintosh einflossen. Er dachte, es (der 1984-Spot) sei mutig, er dachte, es sei großartig. Es gab aber den Vorstand, der dachte, es sei wirklich dumm und unverantwortlich. Und es gab einen Moment, in dem das Board versuchte, den Stecker für alle Mittel zu ziehen und den Spot nicht laufen zu lassen.“

    Zwar verlangte das Aufsichtsgremium nicht explizit, die Ausstrahlung zu unterbinden, doch Sculley interpretierte die entsetzte Reaktion des Boards als Stopp-Befehl: So forderte er die Werbeagentur Chiat/Day auf, den gebuchten Werbeplatz während des Super Bowl zurückzugeben.

    Ursprünglich war geplant, die volle 60-Sekunden-Version und später eine gekürzte 30-Sekunden-Variante laufen zu lassen. Agentur-Chef Jay Chiat missachtete diese Anweisung allerdings und gab nur den 30-Sekunden-Werbeplatz zum Wiederverkauf frei.

    Jobs sucht ein diesen Tagen den Schulterschluss mit Steve Wozniak, obwohl dieser Apple-intern der Fraktion angehörte, der dem neuen Apple Macintosh eher skeptisch gegenüber stand und forderte, dass die Firma das Brot-und-Butter-Geschäft mit dem von ihm entworfenen Apple II nicht vernachlässigen sollte. Jobs zeigte Woz den Spot auf einer Videokassette und erzählte ihm, dass der Aufsichtsrat ihn eigentlich nicht öffentlich zeigen wolle. Woz fragt, wie viel die Ausstrahlung während des Super Bowl kosten würde und erklärte sich dann bereit, die Hälfte der 800.000 Dollar aus eigener Tasche zu bezahlen, wenn Jobs die andere Hälfte übernehmen würde. Dazu sollte es aber nicht kommen. Die Apple-Manager William V. Campell (Vice President of Marketing) und E. Floyd Kvamme (Executive Vice President of Marketing and Sales) setzten sich über die Bedenken des Boards hinweg und gaben die Ausstrahlung im TV frei.

    Am 22. Januar 1984 wurde „1984“ im dritten Viertel des Super Bowl XVIII ausgestrahlt und erreichte auf diesem Weg schätzungsweise 96 Millionen TV-Zuschauer. Danach griffen zahlreiche Fernsehstationen den außergewöhnlichen Spot auf. Allein in den USA wurde der Spot danach auf den drei nationalen TV-Senderketten sowie fast 50 lokalen TV-Stationen gezeigt, so dass sich Apple über kostenlose Werbung erfreuen konnte, die sonst Millionen gekostet hätte.

    20 Jahre nach dem Super Bowl XVIII veröffentlichte Apple ein Remake des Werbespots, bei dem der jugendlichen Heldin ein iPod digital an den Hosenbund geheftet wurde.

    Apple Macintosh original ad remastered 1984 ’20th Anniversary‘ (2004)

    Quellen:
    Walter Isaacson. „Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers.“, C.Bertelsmann Verlag, München, 2011.

    Owen Linzmayer. „Apple Confidential 2.0: The Definitive History of the World’s Most Colorful Company: The Real Story of Apple Computer, Inc. „, No Starch Press; San Francisco, 2004.

    Ted Friedman. Apple’s “1984” – Electric Dreams Chapter Five: Apple’s “1984”

    Todd Leopold: Why 2006 isn’t like ‚1984‘

    Curtsmedia: The 1984 Apple Commercial – The Making of a legend
    via Internet-Archive

  • Apple-History-FAQ: Die Apple-Geschichte in Fragen und Antworten

    Wer sind die Gründer von Apple?

    Apple wurde am 1. April 1976 von Steve Jobs, Steve Wozniak und Ron Wayne gegründet. Wayne zog sich bereits bereits elf Tage später aus der Garagenfirma wieder zurück, weil er das finanzielle Risiko scheute.

    • 1976: Der dritte Apple-Gründer Ronald Wayne
      Der dritte Apple-Gründer Ronald Wayne

    Wie wurde Apple bekannt?

    Apple hat mehrfach in der Computer- und Elektronik-Geschichte wichtige Meilensteine gesetzt. Der von Steve Wozniak erfundene Apple II (1977) war der erste kommerziell erfolgreiche Personal Computer. Mit dem Apple Macintosh (1984) brachte Apple die grafische Bedienungsoberfläche für Computer auf den Massenmarkt. Mit dem Macintosh wurde Desktop Publishing populär. Der iMac (1998) setzte als All-in-One-Computer im Designerlook einen Meilenstein. Der iPod (2001) und der iTunes Music Store revolutionierten den Musikmarkt. Der größte Erfolge von Apple ist das iPhone, das 2007 seine Premiere erlebte. Das iPad (2010) ist der erfolgreichste tablet Computer. Und mit der Apple Watch (2014) hat Apple die erfolgreichste Computeruhr im Programm.

    Die Meilensteine von Apple, vom Apple II bis zur Apple Watch

    Woher kommt die Firma Apple?

    Cupertino, Kalifornien, Vereinigte Staaten. Der eigentliche Gründungsort, die Garage der Eltern von Steve Jobs, gehört inzwischen zur Gemeinde Los Altos (damals noch Sunnyvale): 2066 CristDrive, 94024 Los Altos, Kalifornien, USA. Offizielle Firmen-Adresse ist heute das neue Apple-Hauptquartier: Apple-Campus, Cupertino, CA 95014, USA.

    Apple Campus 2 - © Apple Inc. - Foster + Partners
    Apple Campus 2

    Das Besucherzentrum des neuen Apple-Campus hat folgende Adresse: 10600 North Tantau Avenue. Cupertino, CA 95014, USA. Der erste Apple-Campus, der von Apple weiterhin genutzt wird liegt an der One Infinite Loop Cupertino, CA 95014, USA.

    Wann gab es den ersten Mac?

    Der erste Apple Macintosh 128k wurde am 24. Januar 1984 von Apple-Mitbegründer Steve Jobs vorgestellt. Der Werbespot „1984“ für den Mac wurde beim Super Bowl XVIII aufgeführt.

    Warum ist das Logo von Apple ein Apfel? Wer hat das Apple Logo erfunden?

    Das heute bekannte Logo einer Apfelsilhouette mit Biss wurde 1977 vom Designer Rob Janoff entworfen. Das Design enthält ein subtiles Wortspiel: „beißen“ heißt im Englischen „to bite“, was wiederum klingt wie Byte, eine Maßeinheit der Computertechnik.

    Das erste Apple-Logo hatte noch Mitbegründer Ron Wayne entworfen. Es war eine Art Kupferstich und man sah Newton unter dem Apfelbaum sitzend, die Grafik dazu entwickelte Ron Wayne, einer der drei Gründer von Apple. Der damalige Slogan lautete: „Newton… A Mind Forever Voyaging Through Strange Seas of Thought … Alone.” Doch der Entwurf zu dem Logo wurde bald verworfen, denn auch Steve Jobs empfand den Entwurf veraltet und nicht zeitgemäß.
    (Siehe auch: Die Geschichte vom Apple Logo)

    Wie heißt das Betriebssystem von Apple?

    Aktuelles Logo macOS (2019)

    Das System heißt macOS. Anfang hatte das Betriebsystem des Apple Macintosh gar keinen eigenen Namen. Vor 1997 hieß es nur „System“ oder „Macintosh System Software“. Ab 1997 bekam die Software einen Markennamen (Mac OS) und ein Logo.

    Mac OS (ab 1997)

    Die Versionen, die 1998 aus NeXTStep entwickelte wurden, hießen Mac OS X, gefolgt von einem Raubtiernamen.

    Mac OS X 10.0 Cheetah
    • Mac OS X 10.1 („Puma“)
    • Mac OS X 10.2 („Jaguar“)
    • Mac OS X Panther 10.3
    • Mac OS X Tiger 10.4
    • Mac OS X Leopard 10.5
    • Mac OS X Snow Leopard 10.6
    • Mac OS X Lion 10.7
    • OS X Mountain Lion 10.8

    Das 2013 vorgestellte OS X Mountain Lion 10.8 kam ohne das Wort Mac aus. Ein Jahr später schwenkte Apple von Raubtiernamen auf Landschaften in Kalifornien um.

    • OS X Mavericks 10.9
    • OS X Yosemite 10.10
    • OS X El Capitan 10.11
    • macOS Sierra 10.12
    • macOS High Sierra 10.13
    • macOS Mojave 10.14

    Seit macOS Sierra 10.12 (2016) trägt das Macintosh-Betriebssystem auch wieder as Wort Mac im Namen, in der offiziellen Schreibweise macOS.

    Wann kam Steve Jobs zu Apple zurück?

    Gil Amelio und Steve Jobs (1997)

    Am 20. Dezember 1996 kündigte der damalige Apple-CEO Gil Amelio an, dass Apple auf der Suche nach einem neuen Betriebssystem sich für NeXT entschieden hat und deshalb die Firma von Steve Jobs kauft. Jobs kehrte im Januar 1997 zunächst als „Teilzeitberater“ zurück, verdrängte aber bereits im September 1997 Amelio von der Firmenspitze, zunächst als „Interimschef“ oder „iCEO“. Jobs hatte 1985 selbst einen internen Machtkampf mit dem damaligen Apple-Chef John Sculley verloren und das Unternehmen verlassen. 1986 gründete Jobs mit der Firma NeXT Computer ein weiteres Computerunternehmen. Parallel zur NeXT-Gründung investierte Jobs 1986 zehn Millionen Dollar, um das Computertrickfilm-Studio  Pixar aus der Lucasfilm-Grafikabteilung von George Lucas herauszukaufen. Jobs wurde vor allem durch Pixar (im Rahmen der Übernahme durch Disney) zum Milliardär.

    Wem gehört die Firma Apple?

    Apple ist ein an der Börse notiertes Unternehmen. Die Firma gehört den Aktionären. Die größten institutionellen Investoren sind (Stand Februar 2019):

    Top-Investoren Anteil
    Vanguard Group, Inc. (The) 7 %
    Blackrock Inc. 6 %
    Berkshire Hathaway, Inc 5 %
    State Street Corporation 4 %
    FMR, LLC 2 %
    Northern Trust Corporation 1 %
    Geode Capital Management, LLC 1 %
    Norges Bank Investment Management 1 %
    Invesco Ltd. 1 %
    Bank Of New York Mellon Corporation 1 %
    Top-Investmentfonds Anteil
    Vanguard Total Stock Market Index Fund 2 %
    Vanguard 500 Index Fund 2 %
    SPDR S&P 500 ETF Trust 1 %
    Vanguard Institutional Index Fund-Institutional Index Fund 1 %
    Invesco ETF Tr-Invesco QQQ Tr, Series 1 ETF 1 %
    Fidelity 500 Index Fund 1 %
    iShares Core S&P 500 ETF 1 %
    Vanguard Growth Index Fund 1 %
    Select Sector SPDR Fund-Technology 0 %

    (Quelle: Yahoo Finance)

  • Die Geschichte der Computermaus – Von Douglas C. Engelbart zum Apple Macintosh

    Die Geschichte der Computermaus – Von Douglas C. Engelbart zum Apple Macintosh

    Vom Labor auf den Schreibtisch
    (Aktualisiert Dezember 2018)

    Maus-Entwurf aus Holz von Doug Engelbart
    Maus-Entwurf aus Holz von Doug Engelbart

    Mit dem Apple Macintosh wurde auch die erste Computermaus entwickelt, die in Massen produziert werden konnte. Der Designentscheidung gingen heftig geführte Kontroversen voraus.

    Wo wurde die Computermaus erfunden? Bei Apple? Nein. Im Forschungszentrum Xerox PARC? Stimmt auch nicht, auch wenn dies häufig behauptet wird. Den Ruhm als Erfinder der Computermaus kann der legendäre kalifornische Wissenschaftler und Tüftler Dr. Douglas C. Engelbart für sich beanspruchen. In den 60er Jahren beschäftigte sich der ehemalige Navy-Radartechniker am Stanford Research Institute (SRI) in Menlo Park mit dem Entwurf eines Gerätes, das die physische Interaktion zwischen einem Menschen und einem Röhrenbildschirm erlaubt.

    1962 veröffentlichte Engelbart ein Papier unter dem Titel „Augmenting the Human Intellect: A conceptual framework“ (Erweiterung des menschlichen Intellekts: Ein Grundkonzept). In diesem Paper bezeichnet er dieses Gerät als „Zeiger“.

    Bill English, Chefingenieur von Engelbarts Augmentation Research Center (ARC) am SRI, baute dann 1964 den ersten Maus-Prototyp. Diese Originalmaus, die in einem Holzgehäuse untergebracht war, enthielt ein Rad, das die Bewegung des Gerätes in Cursorbewegungen auf dem Bildschirm umsetzte.

    Angesichts der einzelnen roten Taste oben auf dem Gerät und dem an der Rückseite herausführendem Kabel fand ein Mitarbeiter in Engelbarts Labor, dass das Gerät das Aussehen einer Maus habe. Der Name blieb hängen. Am 21. Juni 1967 reichte Engelbart eine Patentanmeldung für einen „X-Y-Positionszeiger für ein Bildschirmsystem“ ein.

    Eine Replika der ersten Computermaus von Douglas C. Engelbart im Computermuseum in Mountain View (Kalifornien).  Foto: Christoph Dernbach

    In einer legendären Demo hat die Maus am 9. Dezember 1968 ihren ersten öffentlichen Auftritt. In der oft als »Mutter aller Demos« bezeichneten Veranstaltung lieferten Engelbart und 17 seiner SRI-Forschungskollegen eine 90-minütige Live-Präsentation auf der „Fall Joint Conference“ in San Francisco.

    Mutter aller Demos durch Dough Engelbart (1968)
    Mutter aller Demos durch Dough Engelbart (1968)

    Das Team zeigte auch Hypertext, Objektadressierung, dynamische Datenverknüpfungen und die Zusammenarbeit zweier Anwender am Bildschirm, die per Audio und Video über ein Netzwerk miteinander kommunizieren. Diese Demo ist auch deswegen so berühmt, weil die Videoaufzeichnung noch heute verfügbar ist:

    Die legendäre Demo der ersten Computermaus von Douglas Engelbart aus dem Jahr 1968

    Im Rahmen dieses akademischen Projekts führte Engelbart der Forschungsgemeinde 1968 in San Francisco erstmals den Einsatz einer Maus vor, die auf einem Bildschirm einen schwarzen Punkt bewegte. “In unserer Vision gingen wir davon aus, dass die Menschen zur Lösung von Problemen computergestützte Arbeitsstationen einsetzen werden. Diese Stationen setzten voraus, dass man mit Hilfe eines Geräts einen Cursor und damit die Informationen auf dem Bildschirm ansteuern konnte. Wir probierten (im Auftrag der NASA) verschiedene Geräte aus, darunter einen Lichtgriffel und auch Joysticks”, sagte Engelbart 30 Jahre später in einem Interview. “Es stellte sich schnell heraus, dass die Maus besser als alle anderen Geräte funktionierte.”

    Die Rollkugel-Steuerung RKS 100-86 von Telefunken. Die Rollkugel-Steuerung diente dazu, einen Zeiger auf dem Bildschirm eines Großrechners in der Flugsicherung zu steuern. Foto: Computermuseum der Fakultät Informatik, Universität Stuttgart

    Fast in Vergessenheit geraten ist, dass in dieser Zeit auch in Deutschland an dem Konzept einer Computermaus gearbeitet wurde. Für die Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) in Frankfurt entwickelte eine Abteilung des Elektro-Pioniers Telefunken in Konstanz ein System, in dem ein Zeiger benötigt wurde. Eine „Rollkugelsteuerung“ sollte den Fluglotsen ermöglichen, auf einem großen Radar-Bildschirm Darstellungen von Flugzeugpositionen zu markieren. Einige Wochen vor der Demo in San Francisco stellte Telefunken sein Konzept vor.

    Engelbart hatte die Idee also nicht allein. Doch im Gegensatz zu den Deutschen ließ sich sein Arbeitgeber SRI die Erfindung 1970 als «X-Y-Positionsanzeigesteuerung für die Bewegung per Hand über eine beliebige Oberfläche zur Verschiebung eines Positionsanzeigers auf dem Bildschirm» unter der Nummer 3,541,541 als Patent eintragen.

    Telefunken hatte damals zwar auch versucht, sich die Entwicklung der Rollkugelsteuerung mit einem Patent schützen zu lassen, scheiterte damals allerdings an der Ignoranz des Deutschen Patentamtes: „Wir wollten unsere Erfindung tatsächlich anmelden und haben dies auch versucht“, erinnerte sich Telefunken-Entwickler Rainer Mallebrein in einem Interview. „Das Patentamt meldete uns damals jedoch zurück, dass – so hieß es damals wörtlich – die Erfindungshöhe zu gering sei. Gemeint ist damit, dass der technische Fortschritt, nur bezogen auf die Mechanik, nicht groß genug war.“

    Das Originalpatent für die erste Computermaus, ausgestellt am 17.11.1970 Foto: US-Patentamt

    Einen Erfolg im Massenmarkt konnten damals aber weder Telefunken noch das Team in Kalifornien feiern. Engelbarts Auftraggeber Nasa konnte mit der ersten Maus nicht viel anfangen, auch weil bald deutlich wurde, dass seine Maus in der Schwerelosigkeit nicht angewandt werden konnte. Und Telefunken baute die „Rollkugelsteuerung“ zwar in seinen Großrechner TR440 ein, doch diese Computerschränke bekam kaum jemand zu Gesicht. Die Großrechner kosteten bis zu 15 Millionen D-Mark und wurden in geringen Stückzahlen von der Bundesanstalt für Flugsicherung und anderen Behörden verwendet.

    Die Maus des Xerox Alto im Computer Museum in Mountain View.
    Foto Christoph Dernbach

    Es dauerte dann fast weitere zehn Jahre, bis sich im Silicon Valley wieder ein Forschungsteam ernsthaft mit der Maus als Bestandteil einer grafisch orientierten Benutzeroberfläche eines Computers beschäftigte. Die Forscher des Xerox PARC schlossen an ihren Computer Alto eine Maus an, mit der man Befehle auf dem Rechner ausführen, Texte markieren und Dateien öffnen konnte. Diese Xerox-Maus bekam Steve Jobs im November 1979 (siehe auch hier) zu Gesicht.

    Im Gegensatz zur oft erzählten Legende hat sich der Apple-Gründer nicht einfach bei den Ideen bedient, die im Xerox Parc entwickelt wurden. Den beiden Besuchen gingen Verhandlungen mit der Xerox-Zentrale an der Ostküste voraus. Xerox ließ sich den Einblick in die Forschungsarbeit im Parc teuer bezahlen und durfte sich noch vor dem Börsengang von Apple zum Vorzugspreis bei den Unternehmensanteilen bedienen.

    Jobs war von dem Konzept begeistert, sah aber auch die Probleme im Detail. Die Xerox-Maus kostete in der Herstellung allein 400 Dollar, fiel durchschnittlich nach einer Woche aus und konnte nur von Fachleuten repariert werden. “Steve Jobs kam zu uns und sagte: ‘Ich will eine Maus für 10 Dollar, die niemals ausfällt und die in Massen produziert kann, weil die Maus das wichtigste Interface des Computers der Zukunft werden wird”, erinnert sich Jim Sachs, der bei einer externen Firma die Apple-Maus entwarf, der damals zunächst am Verstand des Vegetariers Jobs gezweifelt hatte, denn ein Maus als wichtigstes Eingabeinstrument eines Computers war eigentlich unvorstellbar. “Wir dachten zunächst, vielleicht sollte er seine Ernährungsweise doch mit etwas Fleisch anreichern. Aber solange er uns 25 Dollar die Stunde bezahlte, hätten wir ihm auch einen solarbetriebenen Toaster gebaut.”

    Die Entwickler bei Hovey-Kelley ersetzten die elektrischen Bürstenkontakte der Xerox-Maus durch optomechanische Kontakte, die über mit Federn angedrückte Rollen die Bewegung der Mauskugel registrieren. An den Rollen befestigten sie Lochscheiben, die bei einer Bewegung Lichtwechsel auslösen. Diese Wechsel werden von Photozellen erfasst und in entsprechende elektrische Signale umgewandelt. Die Entwickler probierten für die ersten Modelle jede denkbare Kugelvariante aus. Ein Team-Mitglied ging in den nächsten Supermarkt und beschaffte sich Deo-Roller, um die Kugeln in die Maus-Prototypen einzubauen. Letztlich entschieden sich die Verantwortlichen für eine aufgeraute Stahlkugel, die in die Maus des Apple Lisa eingebaut wurde.

    Apple Lisa
  • Es begann mit “Annie” – Erste Entwürfe für den Volkscomputer „Macintosh“

    Bis zum Tag der offiziellen Vorstellung des Apple Macintosh am 24. Januar 1984 war es ein langer Weg gewesen. Fünf Jahre zuvor, im Frühling 1979 machte sich Apple-Chairman Mike Markkula Gedanken darüber, ob sein Unternehmen nicht einen 500-Dollar-Computer auf den Markt bringen sollte. Markkula beauftragte Jef Raskin mit dem geheimen “Annie”-Projekt.

    Jef Raskin
    Jef Raskin

    Raskin war für die Publikationen bei Apple, insbesondere Handbücher, verantwortlich und sollte eigentlich sich stärker um die Entwickler kümmern, die Anwendungen für den Apple II schreiben. “Ich sagte Markkula, dass ‘Annie’ ein klasse Projekt ist, dass man für 500 Dollar aber nicht viel machen kann”, erinnert sich Raskin später. “Gleichwohl steckte in dem Projekt etwas, von dem ich seit einiger Zeit geträumt habe, was ich Macintosh genannt habe. Im Kern ging es darum, etwas komplett aus der menschlichen Perspektive heraus zu entwickeln.”

    Im Herbst 1979 schrieb Raskin seinen Artikel “Computers by the Millions“, in dem er seine Vision eines Rechners für die Massen entwarf. Markkula bestand darauf, den Bericht als vertraulichen internen Report zu behandeln. Der Aufsatz wurde erst 1982 im SIGPC Newsletter, Vol. 5, No. 2, veröffentlicht.

    Raskin wählte einen völlig neuen Ansatz, denn bislang definierte stets das “technisch Machbare” das Design eines Computers. Der studierte Informatiker, der bei seiner Anstellung sein Diplom vor den Apple-Gründern verheimlichte (weil die Steve Wozniak und Steve Jobs Akademikern extrem misstrauisch begegneten), wollte einen Computer für den normalen Menschen auf der Straße bauen – und dieser durfte natürlich auch nicht unerschwinglich sein.

    Raskins Ausdruck von der “Person in the Street” wurde bei Apple zum geflügelten Wort, das mit PITS abgekürzt wurde. Der erste Entwurf von Raskin sah einen geschlossenen Computer inklusive Monitor, Tastatur und Drucker vor, der ohne externe Kabel auskommen sollte – und das alles für 500 Dollar. Dafür sollte der Macintosh aber nur mit einem winzigen 5-Zoll-Display, einer Billig-CPU (6809) und einem extrem eng bemessenen Hauptspeicher von 64 Kilobyte ausgestattet sein.

    Steve Jobs and Jef Raskin
    Steve Jobs and Jef Raskin

    Steve Jobs hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht besonders um das Macintosh-Projekt gekümmert – und Raskin versuchte in einer dunklen Vorahnung auch alles, um den Apple-Mitbegründer außen vor zu halten. Im Sommer 1980 bahnte sich jedoch gerade ein massiver Konflikt zwischen Jobs und Apple-President Mike Scott an, denn Scott wollte Jobs aus der konkreten Entwicklungsarbeit an dem neuen Lisa heraus drängen. Mit seinem launischen und zeitweise sehr aggressiven Führungsstil hatte Jobs viele Entwickler vor den Kopf gestoßen. Außerdem traute Scott ihm keine größere Management-Rolle zu und wollte ihn auf die weniger wichtige Rolle eines Firmensprechers und Promoters im Vorfeld des Apple-Börsenganges am 12. Dezember 1980 festlegen.

    Jef Raskin verließ Apple im Jahr 1982 und gründete die Firma Information Appliance, Inc., um sein Original-Konzept aus dem Macintosh-Projekt umzusetzen. Das Unternehmen brachte die “SwyftCard” auf den Markt, eine Firmware-Karte für den Apple II. Auf der Karte befand sich ein Programm-Paket, das auch auf Disk als SwyftWare angeboten wurde. Information Appliance offerierte später mit dem Swyft einen Laptop-Computer, der aber nur mäßigen kommerziellen Erfolg hatte. Raskin lizenzierte das Swyft-Design an Canon, die auf dieser Basis 1987 den Canon Cat baute.

    JJef Raskin mit einem Modell des Canon Cat

    Trotz der großen Aufmerksamkeit, die das innovative Interface des Canon cat erregte, blieb auch diesem Produkt der Durchbruch versagt. Raskin machte für diesen Fehlschlag auch Steve Jobs verantwortlich, der als Chef von NeXT Computer Canon zur Aufgabe des Cat-Projektes bewogen habe. Cat sei aber auch internen Rivalitäten bei Canon zum Opfer gefallen..

    In seinem Buch “The Humane Interface” beschrieb Raskin später seine Vision einer Computer-Schnittstelle für den Menschen, die sich an den humanen Bedürfnissen – und nicht an der Technik orientiert.

    Jef Raskin starb am 26. Februar 2005 im Alter von 61 Jahren.