In einem Promotion-Video von Apple erzählen die „Macher“ des Macintosh (Burrell Smith, Andy Hertzfeld, George Crow, Bill Atkinson, Mike Murray), was den ersten Mac ausgezeichnet hat.
Im zweiten Teil des Videos treten Software-Hersteller auf, die damals die ersten Programme für den Mac angeboten haben. Zu den Testimonials gehört auch ein Auftritt von Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, der in dem Film den Mac in den höchsten Tönen lobt. Weiterhin kann man prominente Softwarepioniere wie Mitchell Kapor (Lotus) und schließlich Apple-Mitbegründer Steve Jobs sehen:
Mit dem Börsengang von Apple Computer im Dezember 1980 wurde Steve Jobs zum Multimillionär – doch er besaß nicht genügend Aktien, um Apple Computer insgesamt und damit auch seine eigene Aufgabe innerhalb von Apple bestimmen zu können. Anfang 1981 stand er zumindest ohne Verantwortung für ein bestimmtes Projekt da. Zum Leidwesen von Jef Raskin stürzte sich Jobs auf das Macintosh-Projekt, das zu diesem Zeitpunkt im Apple-Verwaltungssrat (Board) noch nicht so richtig ernst genommen wurde.
Doch Steve Jobs wusste, was er wollte: Er hatte bei Xerox PARC die grafische Benutzeroberfläche des Xerox Alto gesehen. Statt grüner Buchstaben auf dunklem Hintergrund sah man weiße Dokumenten-Fenster mit schwarzer Schrift – wie bei einem Blatt Papier. Verschiedene Schriftarten konnten ausgewählt werden. Die Grafikkarte steuerte auf dem Bildschirm frei einzelne Pixel an. Mit Hilfe einer Maus konnte ein Zeiger auf dem Bildschirm bewegt werden, um Texte zu markieren oder Befehle auszuführen. Dateien wurden durch Symbole auf einem virtuellen Schreibtisch repräsentiert.
Den Alto konnte man nicht kaufen. Allein der Hauptspeicher dieses Experimental-Computers hätte zu diesem Zeitpunk rund 7000 Dollar gekostet. Jobs wollte einen Computer noch besser als der Alto – und auch besser als Apples Lisa. Die neue Wundermaschine sollte aber nur einen Bruchteil von Lisa kosten, für den man inklusive externer Festplatte rund 12 000 Dollar zahlen musste. (mehr …)
Mit dem Macintosh wollte das Apple-Management die absolute Vorherrschaft von IBM verhindern. Dabei unterschätzten alle Bill Gates und Microsoft.
John Sculley
Die Marketingstrategie von Apple-Chef John Sculley zur Markteinführung des Macintosh war klar. Der ehemalige Pepsi-Manager, den Steve Jobs zu Apple geholt hatte, wollte einen Zweikampf zwischen IBM und Apple inszenieren, Schwarz vs. Weiß, mit Apple in der Rolle des Underdog. “Dutzende andere Computerfirmen stellten (in dieser Zeit) ihre Produkte vor, und ich befürchtete, dass wir in der Menge untergehen könnten”, schrieb Sculley später in seinem Buch “Odyssey”. „Wenn es uns gelingen würde, ein Zwei-Pferde-Rennen zwischen uns und IBM herzustellen, dann könnten wir die Leute überzeugen, dass wirklich nur zwei Computerfirmen im Markt im Wettbewerb stehen.”
Im Kampf gegen kleinere Konkurrenten wie Atari, Commodore, Sinclair und Amstrad ging die Apple-Strategie auch voll auf. Völlig unterschätzt hatten Sculley, aber auch Steve Jobs, dass Microsoft, ein Verbündeter der ersten Stunde, sich mit Hilfe von Apple zur dominierenden Kraft der PC-Industrie entwickeln und sogar IBM in den Schatten stellen würde.
Bill Gates und Paul Allen (1981)
Bill Gates und Paul Allen hatten Microsoft 1975 als kleine Softwarefirma in Albuquerque (New Mexico) gegründet und zusammen mit anderen Mitarbeitern die Programmiersprache BASIC für den legendären Rechner MITS Altair entwickelt. Durch glückliche Umstände ergatterte Microsoft 1980 den Auftrag von IBM, für den ersten IBM-PC nicht nur BASIC, sondern auch das Betriebssystem zu liefern. Der damals führende Betriebssystemhersteller Digital Research (CP/M) wollte sich in der Verhandlungsphase nicht auf seitenlange Knebelverträge von IBM einlassen – und verlor so diesen gigantischen Deal.
Der Apple Macintosh war nicht von Beginn an ein Erfolg. Die Hardware war für die Anforderungen einer grafischen Benutzeroberfläche nicht gerade üppig ausgelegt. Insbesondere der Hauptspeicher war knapp bemessen. Und es gab damals noch keine Festplatte für den Mac. Außerdem mangelte es noch an geeigneter Software.
Dem Mac fehlten die Anwendungen, die im IBM-Werbespot für den PC die Charlie-Chaplin-Figur Karton für Karton durchs Bild schleppte. Daher bemühten sich Guy Kawasaki und andere “Software Evangelists” von Apple die Entwickler in anderen Softwarefirmen davon zu überzeugen, Programme für den Mac zu schreiben. Das mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene ROM des Mac machte diese Aufgabe nicht einfach. Erst als ein Jahr nach dem ersten Macintosh der “Fat Mac” mit 512 Kilobyte raus kam, war der enge Flaschenhals beseitigt.
Das Problem spitzte sich zu, als Anfang 1985 sich in der Lagern die Macs türmten, die im Weihnachtsgeschäft 1984 keine Käufer gefunden hatten. Apple musste den ersten Quartalsverlust in der Unternehmensgeschichte veröffentlichen und ein Fünftel der Belegschaft entlassen. In einem Marathon-Meeting am 10. und 11. April 1985 verlangte Apple-CEO John Sculley, Steve Jobs den Posten eines Apple Vicepresident und General Managers der Macintosh-Abteilung zu entziehen. (mehr …)
Die beiden Apple-Gründer stammten aus kleinen Verhältnissen und bekamen den geschäftlichen Erfolg nicht in den Schoß gelegt. Um die ersten Modelle des Apple I im Jahr 1976 zu ermöglichen, verkauften Steve Jobs und Steve Wozniak fast buchstäblich ihr letztes Hemd. Jobs setzte seinen VW Bus ein, für den er immerhin noch 1.500 Dollar bekam. „Woz“ trennte sich von seinem geliebten programmierbaren Taschenrechner Hewlett-Packard 65 und legte 250 Dollar in die Firmenkasse.
Das Fundament für den geschäftlichen Erfolg legten 1977 der Venture Capitalist Arthur Rock sowie der Ex-Intel-Manager Mike Markkula, der 92.000 Dollar in Apple investierte und einen Bankkredit in Höhe von 250.000 Dollar absicherte. Das Investment sollte sich lohnen. Bevor Apple 1980 an die Börse ging, gehörte Markkula ein Drittel der Firma.
Mit dem Börsengang am 12. Dezember 1980 wurden Jobs und Wozniak Multimillionäre, denn Apple Computer wurde nun mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Jobs besaß 7,5 Millionen Aktien (217 Mio. Dollar), „Woz“ wurden vier Millionen Aktien (116 Mio. Dollar) zugeteilt. Markkulas Anteil von sieben Millionen Aktien waren 203 Millionen schwer.
„Mit 23 Jahren besaß ich schon über eine Million Dollar und über zehn Millionen Dollar als ich 24 war und über 100 Millionen Dollar als ich 25 Jahre alt war“, sagte Jobs 1996 in einem Interview mit Robert Cringley („Triumph of the Nerds„). „Und es war nicht so wichtig, weil ich es niemals wegen des Geldes getan habe.“
I was worth about over a million dollars when I was twenty-three and over ten million dollars when I was twenty-four, and over a hundred million dollars when I was twenty-five and ehm it wasn’t that important ehm because I never did it for the money.
Trotz Hype um hippe Handys und trendige Musikspieler bleibt Hersteller Apple im Kern ein traditioneller Computerbauer. Das wohl bekannteste Modell der Firma feiert in Deutschland nun runden Geburtstag.
Moira Gunn plauderte mit Apple-Mitbegründer Steve Wozniak auf dem Intel Developer Forum 2008 in San Francisco über seinen Karriere als Ingenieur, die ersten Jahre bei Apple Computer und sein Verhältnis zu Steve Jobs.
Wenn es nach Steve Wozniak gegangen wäre, wäre er ein Leben lang Ingenieur bei Hewlett-Packard geblieben.
Stattdessen ermutigte Steve Jobs seinen Freund „Woz“, die sicheren Grenzen von HP zu verlassen und sich in ein neues Unternehmen zu wagen – Apple -, wo die beiden daran arbeiten würden, den Apple II Personal Computer in jeden Haushalt, jede Schule und jedes Unternehmen zu bringen.
Nach einigem Zögern verließ Wozniak HP und wurde – und ist es immer noch – „Mitarbeiter Nr. 1“ bei Apple. In seiner Partnerschaft mit Jobs blieb Wozniak der Ingenieur, und Jobs verkaufte, was Wozniak erfand.
„Oft wird man das, was man im Leben sein will, und ich wollte Ingenieur werden“, sagte Wozniak zum Abschluss des Intel Developer Forums 2008.
„Ich wollte nie ein Unternehmen leiten. Ich wollte mir keine Sorgen um Geld machen. Ich wollte nicht in der Managementkette aufsteigen“, sagte Wozniak. „Ich wollte mein Leben lang Ingenieur sein und bei Hewlett-Packard bleiben. Steve [Jobs] hatte den Traum, einer der großen Menschen zu sein, die Unternehmen gründen und Produkte herstellen, die die Welt verändern, und zu den Menschen zu gehören, die wie Shakespeare und Einstein berühmt werden. Er wollte zu dieser Gruppe gehören. Jedes Mal, wenn ich etwas Großartiges entwarf, sagte er, als wir noch sehr jung waren: ‚Lass es uns verkaufen‘.“
Die Geschichte von Jobs, Wozniak und dem unglaublichen Aufstieg von Apple und dem PC-Markt ist schon oft erzählt worden, aber Wozniak setzte sich am letzten Tag des IDF mit Moira Gunn von National Public Radio’s „Tech Nation“ zusammen, um seinen persönlichen Beitrag zur Technologie und zum weltweiten PC-Markt nachzuzeichnen.
In dem 45-minütigen Interview erzählte Wozniak von seinen Bemühungen, immer komplexere Maschinen zu bauen, von der Zeit als Teenager bis zu der Zeit, als er das College verließ, um als Ingenieur bei HP zu arbeiten und dann zusammen mit Jobs Apple zu gründen.
Auf dem Weg dorthin nutzte Wozniak das, was er aus den frühen Computerhandbüchern gelernt hatte, um seine eigenen Designs zu entwickeln. Geldmangel und seine Schüchternheit halfen ihm dabei, komplizierte Probleme beim Bau der ersten PCs der Welt zu durchschauen.
„Ich hatte eine ganz andere Herangehensweise an die Dinge, und ich war größtenteils Autodidakt“, sagte Wozniak. „Normalerweise zeigte ich den Leuten meine Schaltkreise und meinen Code, und das war anfangs ein bisschen anders. Sobald sie es verstanden hatten, war es so kompakt, dass es leicht zu verstehen war und sie es zu schätzen wussten.“
Als er anfing, an seinen eigenen Computern zu arbeiten, sagte Wozniak, dass er sehr an der Art von Mikroprozessoren interessiert war, die Intel zu entwickeln begonnen hatte. Dieser Prozessor hatte weniger Pins, was einen geringeren Verdrahtungsaufwand bedeutete. Das Problem war, dass er damals sehr teuer war, aber Jobs veranlasste Intel, Apple ein paar Muster zu schicken, um damit in seinen PCs zu experimentieren.
Auch wenn Wozniaks Rolle bei der Entwicklung des Apple II unbestreitbar ist, sagte er den Zuhörern, dass es das Diskettenlaufwerk und die Entwicklung des Tabellenkalkulationsprogramms VisiCalc – die „erste Killer-App“ – waren, die den PC wirklich aus den Laboren heraus und in die Hände von Kleinunternehmern brachten.
Wozniak schreibt Jobs zu, dass er Apple einen Vorsprung vor vielen anderen PC-Anbietern verschafft hat, die es heute gibt. Er beschrieb Jobs‘ Rolle so, dass er Spitzentechnologien wie den iPod und das iPhone vorantrieb und gleichzeitig Produkte, die nicht funktionierten, aussortierte. „Steve hat nur einen Kopf, wenn es um die Kontrolle von Produkten geht, und ich glaube, das macht sie so gut“, sagte Wozniak.
Auch wenn Wozniak heute nur noch eine begrenzte Rolle bei Apple spielt, ist er immer noch innovativ und tüftelt an verschiedenen Geräten. Wenn es um größere Themen geht, sagt Wozniak, dass er sich für die Art von Silizium-Photonik interessiert, die Intel in den letzten Jahren entwickelt hat, und dass er sich auch dafür interessiert, wie die Rechenleistung die Grafik der heutigen PCs verändert hat.
Trotz seines besonderen Zugangs sagte Wozniak, dass er immer noch in der Schlange für sein erstes und dann für sein zweites iPhone wartete. Es ist immer ein lustiger Moment, wenn er seine Mitarbeiternummer herausgibt, um in den Apple Stores Rabatte zu bekommen, sagte er. Aber sein Platz in der Apple-Hierarchie ist genau dort, wo er bleiben möchte, und seine Rolle als erster Ingenieur des Unternehmens ist ihm sicher.
„Ich war vom ersten Tag an ganz unten im Apple-Organigramm“, sagte er.
Am 15. August 1998 startete in den USA der Verkauf des Original iMac in Bondi blue. Mit dem iMac riskierte Steve Jobs quasi den Neustart von Apple Computer, wenngleich man seinem Vorgänger Gil Amelio zugute halten muss, dass die Anfänge der iMac-Entwicklung noch in seine Ära fallen. Mit dem imc verabschiedete sich Apple auch von einer unübersichtlichen Vielzahl von Modellen und Markennamen wie „Performa“.
Ich zeige hier die wichtigsten Werbespots, die in den USA für den iMac geschaltet wurden.
Der Knowledge Navigator ist ein fiktiver Computer, den der damalige Apple-CEO John Sculley 1987 erstmals in seinem Buch Odyssey beschrieb. Er war Sculleys Vision des persönlichen Computers für das 21. Jahrhundert.
Ein Blick in die Zukunft: Das Konzept-Video „The Knowledge Navigator“
Es war aber eher ein Zufall, dass das Video „The Knowledge Navigator“ gedreht wurde. Nach den Schilderungen von Bud Colligan, der von 1985 bis 1988 der „Director of Higher Education Marketing“ bei Apple war, stand Apple nämlich in der Verlegenheit, auf der Educom, der wichtigsten Hochschulkonferenz für akademische Computer, im Oktober 1987 eine Innovation präsentieren zu müssen.
„John Sculley war als Hauptredner auf der Educom vorgesehen, und es stand für uns viel auf dem Spiel, eine „Vision“ zu zeigen, wohin Apple gehen würde. Ich traf mich mit John, um mich auf die Rede vorzubereiten und Ideen zu besprechen, was wir tun könnten. Wir planten, eine Reihe von Live-Demonstrationen von Beispielen für Hypertext, Multimedia und interaktives Lernen einzubauen und Professoren und Forscher verschiedener Hochschulen für die Vorführungen zu gewinnen.“
Sculley wollte nicht nur als Marketing-Mann in die Chroniken der Technologie-Geschichte eingehen, sondern als ein Visionär des 21. Jahrhunderts. Diesem Zweck diente auch sein Buch „Odyssey: Pepsi to Apple“. Im letzten Kapitel beschrieb Sculley in die Vision eines „Knowledge Navigators“ und hatte sogar eine grobe Skizze davon, mit zwei Joysticks auf einem Bildschirm, die man halten würde, um durch Wissensbibliotheken zu „fahren“.
„Ich besprach das Konzept des Knowledge Navigator aus Johns Buch mit (dem späteren Netscape-Designer) Hugh Dubberly und (der Künstlerin) Doris Mitsch von Apple Creative Services“, erinnert sich Colligan weiter. „Wir trafen uns anschließend erneut mit John, um seine Gedanken zu besprechen. Michael Markman stieß zu unserem Team, um Johns Keynote-Rede zu schreiben. Zusammen mit Mike Liebhold von der Advanced Technology Group von Apple diskutierten wir, wie wir ein Vision Video für ein Beispiel des Knowledge Navigators im Hochschulbereich erstellen könnten. Hugh und Doris schrieben das Drehbuch.“
In dem Video „Knowledge Navigator“ wird die Vision eines vernetzten Tablet-Computers, umgesetzt, der Persönlicher Digitaler Assistent, Kommunikationszentrale und vernetzte Wissensmaschine in einem ist. Das Team, zu dem auch Mike Liebhold, Michael Markman und Mitarbeiter der Kenwood Group, einer externen Produktionsfirma gehörten, wurde von Bud Colligan geleitet. Der Film spielt im Jahr 2011. Der „Knowledge Navigator“ dient einem Berkeley-Professor als „Persönlich Digitaler Assistent“ bei seiner Arbeit.
22 Jahre vor der Vorstellung des ersten iPads sagte das Konzeptvideo „The Knowledge Navigator“ bereits eine Art Super iPad voraus.
Parallel zur Videoproduktion beschrieb Sculley in seiner Autobiografie die Vision eines „Macintosh der Zukunft“. Der „Knowledge Navigator“ könnte eine „wunderbare Phantasiemaschine“ sein, „ein Entdecker neuer Welten, ein ebenso wunderbares Werkzeug wie die Druckerpresse“.
Der einzelne könnte es einsetzen, um durch Bibliotheken, Museen, Datenbanken und Regierungsdokumente zu „fahren“. Dieses Werkzeug würde das Individuum nicht nur an die Schwelle dieser großen Reichtümer geleiten, wie das heute hochentwickelte Computer können, es würde ihn tief in die Geheimnisse hineinziehen, indem es die Informationen interpretiert und so in Wissen verwandelt.
Sculley wurde der Entwicklung des Konzeptes vom „Knowledge Navigator“ maßgeblich vom Apple Fellow Alan Kay beeinflusst.
Dynabook-Konzept von Alan Kay (August 1972)
Der Informatiker gilt als Pionier des objektorientierten Programmierens, das er an der University of Utah in den späten 60er Jahren im Rahmen eines APRA-Projektes konzipierte. Am Forschungszentrum Xerox PARC entwickelte Kay zusammen mit Dan Ingalls, Adele Goldberg und anderen in den siebziger Jahren die objektorientierte Programmiersprache Entwicklungsumgebung Smalltalk. Am Xerox PARC entwarf Kay außerdem das konzeptionelle Computer-System Dynabook, das letztlich den modernen Tablet-Computern wie dem iPad ähnelt.
Kay trat 1986 an Sculley heran und forderte größere Forschungsanstrengungen bei Apple ein, weil es keine Institution gebe, von der Apple Konzepte für einen Personal Computer der nächsten Generation übernehmen könne: „Beim nächsten Mal werden wir kein Xerox haben.“ Jede innovative Technologie – egal wie einfach oder komplex – benötige 15 bis 20 Jahre, um sich von einem Konzept zu einer kommerziellen Anwendung zu entwickeln. Daher wurde es Zeit, für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei Apple ein Konzept in den Raum zu stellen.
Die Quintessenz der jahrelangen Untersuchung von Alan wurde im Jahre 1987 in einem Konzept umgesetzt, das wir als Knowledge Navigator bezeichneten. Moore’s Law hatte ja schon vorausgesagt, dass die (ständig wachsende) Rechenleistung in den kommenden zwanzig Jahren in der Lage wäre, dreidimensionale Geometrien in Echtzeit zu manipulieren. Der Knowledge Navigator sagte eine Welt der interaktiven Multimedia-Kommunikation voraus, in der Rechenleistung als gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand allgenwärtig ist. Auf Wissens-Anwendungen werde dann durch intelligente Agenten zugegriffen, die über Netzwerke mit riesigen Mengen an digitalisierten Informationen verbunden sind.
Dem Knowledge Navigator sollten eine Reihe neuartiger Schlüsseltechnologien zugrunde liegen:
Fortschrittliche Kommunikationstechnologie, die weltweit Rechner und Datenbanken miteinander verbindet und den Anwendern breitere Informationspfade zur Verfügung stellt.
Echtzeit-Animationen in 3D, die es erlauben, komplexe Modelle zu visualisieren.
Verbesserte Datenbank-Technologien als Schlüssel zu umfassenden Informationssystemen.
Hypermedia, die Verbindung von Text, Grafiken, Ton und bewegten Bildern, die den zukünftigen Computer-Anwendern intuitiv den Weg durch riesige Informationssammlungen weist.
Spracheingabe, da die Tastatur als Eingabeinstrument nicht flexibel genug ist
Maschinelle Übersetzung von fremdsprachigen Quellen in die Muttersprache des Anwenders.
Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Die künstliche Intelligenz erlaubt die Verwendung von Agenten, die sowohl persönliche Vorlieben der Anwender erkennen als auch Strategien vorschlagen und damit zur Steigerung der Produktivität beitragen.
Das Video „Knowledge Navigator“ wurde zunächst auf der Educom im Oktober 1987 gezeigt. Doch über den Kreis der Konferenzbesucher hinaus erregte das Video kaum Aufmerksamkeit, auch weil die klassischen Medien dort nicht vertreten waren. Das Stück sollte aber noch einmal eine zweite Chance bekommen. Für die Messe Macworld Expo im Januar 1988 war Jean Louis Gassee, Senior Vice President of Product bei Apple, als Hauptredner vorgesehen und sollte die neue Produktstrategie von Apple vorstellen. Etwa zwei Wochen vor der Macworld Ende Dezember teilte Gassee seinem Boss Scuelley mit, dass er nicht in der Lage sei, über die neue Produktstrategie von Apple zu sprechen. Colligan erinnert sich: „John rief mich an und fragte, ob wir die Educom-Keynote auf der Macworld wiederholen könnten, mit ein paar Änderungen für ein allgemeineres Publikum. Ich rief alle Demonstranten noch einmal an und sie stimmten alle zu, nach Kalifornien zu kommen und wir optimierten die Demos, so dass sie weniger akademisch waren. Und natürlich haben wir zum Abschluss den Knowledge Navigator gezeigt. (Wir nutzten die Pause, um die Bildschirmsimulationen zu verbessern, und zwar über das hinaus, was wir in dem ursprünglich engen Zeitplan liefern konnten).“
Auf der Macworld sah dann eine breite Öffentlichkeit, einschließlich der Mainstream- und Tech-Medien, den Knowledge Navigator zum ersten Mal. Die Ressonanz war großartig. Das Video wurde als Apples neue Vision aufgenommen. Colligan: „John begann daraufhin, KN in Mitarbeiterversammlungen, gegenüber der Presse usw. zu verwenden. Einige Monate später war er auf der Titelseite des Fortune-Magazins abgebildet, wo er das Balsaholzmodell des KN in der Hand hielt, das wir für den Videodreh verwendet hatten. Seitdem ist der Mythos um den Knowledge Navigator unaufhaltsam gewachsen! Zu den falschen Legenden gehören: dass er von George Lucas produziert wurde und dass er mit dem Cray-Supercomputer von Apple hergestellt wurde.“
Hier ist ein weiteres Video, das aus dem gleichen Projekt entstand. Darin diskutieren Alan Kay, Steve Wozniak, Diane Ravitch (Director, Encyclopaedia Britannica) und andere die Auswirkungen des „Knowledge Navigator“-Konzeptes auf Bereiche wie Lernen, Computing und die Geschäftswelt.
Der Knowledge Navigator sollte aber nicht nur ein abstraktes Konzept bleiben, sondern sich auch in einem konkreten Produkt – einem Personal Digital Assistant (PDA) niederschlagen. Dabei hatte Apple-Chef John Sculley nicht die Geduld, „15 bis 20 Jahre“ zu warten, bis sich aus einem abstrakten Konzept ein funktionierendes Produkt entwickelt, wie Apple-Fellow Alan Kay postuliert hatte. Der Apple Newton, mit dem Sculley einige Konzepte des Knowledge Navigator aufgreifen wollte, erzielte zwar ein große Aufmerksamkeit, scheiterte jedoch als noch nicht ausgereiftes Produkt am Markt.
Quellen:
John Sculley und John A. Byrne: Meine Karriere bei PepsiCo und Apple, ECON Taschenbuch Verlag, 2. Aufl. Düsseldorf, Wien 1991. (Dt. Ausgabe der Autobiografie Odyssey – Pepsi to Apple)
Walter Isaacson: Steve Jobs, C.Bertelsmann Verlag, München 2011.