Autor: Christoph

  • Die Geschichte der Computermaus – Von Douglas C. Engelbart zum Apple Macintosh

    Die Geschichte der Computermaus – Von Douglas C. Engelbart zum Apple Macintosh

    Vom Labor auf den Schreibtisch
    (Aktualisiert Dezember 2018)

    Maus-Entwurf aus Holz von Doug Engelbart
    Maus-Entwurf aus Holz von Doug Engelbart

    Mit dem Apple Macintosh wurde auch die erste Computermaus entwickelt, die in Massen produziert werden konnte. Der Designentscheidung gingen heftig geführte Kontroversen voraus.

    Wo wurde die Computermaus erfunden? Bei Apple? Nein. Im Forschungszentrum Xerox PARC? Stimmt auch nicht, auch wenn dies häufig behauptet wird. Den Ruhm als Erfinder der Computermaus kann der legendäre kalifornische Wissenschaftler und Tüftler Dr. Douglas C. Engelbart für sich beanspruchen. In den 60er Jahren beschäftigte sich der ehemalige Navy-Radartechniker am Stanford Research Institute (SRI) in Menlo Park mit dem Entwurf eines Gerätes, das die physische Interaktion zwischen einem Menschen und einem Röhrenbildschirm erlaubt.

    1962 veröffentlichte Engelbart ein Papier unter dem Titel „Augmenting the Human Intellect: A conceptual framework“ (Erweiterung des menschlichen Intellekts: Ein Grundkonzept). In diesem Paper bezeichnet er dieses Gerät als „Zeiger“.

    Bill English, Chefingenieur von Engelbarts Augmentation Research Center (ARC) am SRI, baute dann 1964 den ersten Maus-Prototyp. Diese Originalmaus, die in einem Holzgehäuse untergebracht war, enthielt ein Rad, das die Bewegung des Gerätes in Cursorbewegungen auf dem Bildschirm umsetzte.

    Angesichts der einzelnen roten Taste oben auf dem Gerät und dem an der Rückseite herausführendem Kabel fand ein Mitarbeiter in Engelbarts Labor, dass das Gerät das Aussehen einer Maus habe. Der Name blieb hängen. Am 21. Juni 1967 reichte Engelbart eine Patentanmeldung für einen „X-Y-Positionszeiger für ein Bildschirmsystem“ ein.

    Eine Replika der ersten Computermaus von Douglas C. Engelbart im Computermuseum in Mountain View (Kalifornien).  Foto: Christoph Dernbach

    In einer legendären Demo hat die Maus am 9. Dezember 1968 ihren ersten öffentlichen Auftritt. In der oft als »Mutter aller Demos« bezeichneten Veranstaltung lieferten Engelbart und 17 seiner SRI-Forschungskollegen eine 90-minütige Live-Präsentation auf der „Fall Joint Conference“ in San Francisco.

    Mutter aller Demos durch Dough Engelbart (1968)
    Mutter aller Demos durch Dough Engelbart (1968)

    Das Team zeigte auch Hypertext, Objektadressierung, dynamische Datenverknüpfungen und die Zusammenarbeit zweier Anwender am Bildschirm, die per Audio und Video über ein Netzwerk miteinander kommunizieren. Diese Demo ist auch deswegen so berühmt, weil die Videoaufzeichnung noch heute verfügbar ist:

    Die legendäre Demo der ersten Computermaus von Douglas Engelbart aus dem Jahr 1968

    Im Rahmen dieses akademischen Projekts führte Engelbart der Forschungsgemeinde 1968 in San Francisco erstmals den Einsatz einer Maus vor, die auf einem Bildschirm einen schwarzen Punkt bewegte. “In unserer Vision gingen wir davon aus, dass die Menschen zur Lösung von Problemen computergestützte Arbeitsstationen einsetzen werden. Diese Stationen setzten voraus, dass man mit Hilfe eines Geräts einen Cursor und damit die Informationen auf dem Bildschirm ansteuern konnte. Wir probierten (im Auftrag der NASA) verschiedene Geräte aus, darunter einen Lichtgriffel und auch Joysticks”, sagte Engelbart 30 Jahre später in einem Interview. “Es stellte sich schnell heraus, dass die Maus besser als alle anderen Geräte funktionierte.”

    Die Rollkugel-Steuerung RKS 100-86 von Telefunken. Die Rollkugel-Steuerung diente dazu, einen Zeiger auf dem Bildschirm eines Großrechners in der Flugsicherung zu steuern. Foto: Computermuseum der Fakultät Informatik, Universität Stuttgart

    Fast in Vergessenheit geraten ist, dass in dieser Zeit auch in Deutschland an dem Konzept einer Computermaus gearbeitet wurde. Für die Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) in Frankfurt entwickelte eine Abteilung des Elektro-Pioniers Telefunken in Konstanz ein System, in dem ein Zeiger benötigt wurde. Eine „Rollkugelsteuerung“ sollte den Fluglotsen ermöglichen, auf einem großen Radar-Bildschirm Darstellungen von Flugzeugpositionen zu markieren. Einige Wochen vor der Demo in San Francisco stellte Telefunken sein Konzept vor.

    Engelbart hatte die Idee also nicht allein. Doch im Gegensatz zu den Deutschen ließ sich sein Arbeitgeber SRI die Erfindung 1970 als «X-Y-Positionsanzeigesteuerung für die Bewegung per Hand über eine beliebige Oberfläche zur Verschiebung eines Positionsanzeigers auf dem Bildschirm» unter der Nummer 3,541,541 als Patent eintragen.

    Telefunken hatte damals zwar auch versucht, sich die Entwicklung der Rollkugelsteuerung mit einem Patent schützen zu lassen, scheiterte damals allerdings an der Ignoranz des Deutschen Patentamtes: „Wir wollten unsere Erfindung tatsächlich anmelden und haben dies auch versucht“, erinnerte sich Telefunken-Entwickler Rainer Mallebrein in einem Interview. „Das Patentamt meldete uns damals jedoch zurück, dass – so hieß es damals wörtlich – die Erfindungshöhe zu gering sei. Gemeint ist damit, dass der technische Fortschritt, nur bezogen auf die Mechanik, nicht groß genug war.“

    Das Originalpatent für die erste Computermaus, ausgestellt am 17.11.1970 Foto: US-Patentamt

    Einen Erfolg im Massenmarkt konnten damals aber weder Telefunken noch das Team in Kalifornien feiern. Engelbarts Auftraggeber Nasa konnte mit der ersten Maus nicht viel anfangen, auch weil bald deutlich wurde, dass seine Maus in der Schwerelosigkeit nicht angewandt werden konnte. Und Telefunken baute die „Rollkugelsteuerung“ zwar in seinen Großrechner TR440 ein, doch diese Computerschränke bekam kaum jemand zu Gesicht. Die Großrechner kosteten bis zu 15 Millionen D-Mark und wurden in geringen Stückzahlen von der Bundesanstalt für Flugsicherung und anderen Behörden verwendet.

    Die Maus des Xerox Alto im Computer Museum in Mountain View.
    Foto Christoph Dernbach

    Es dauerte dann fast weitere zehn Jahre, bis sich im Silicon Valley wieder ein Forschungsteam ernsthaft mit der Maus als Bestandteil einer grafisch orientierten Benutzeroberfläche eines Computers beschäftigte. Die Forscher des Xerox PARC schlossen an ihren Computer Alto eine Maus an, mit der man Befehle auf dem Rechner ausführen, Texte markieren und Dateien öffnen konnte. Diese Xerox-Maus bekam Steve Jobs im November 1979 (siehe auch hier) zu Gesicht.

    Im Gegensatz zur oft erzählten Legende hat sich der Apple-Gründer nicht einfach bei den Ideen bedient, die im Xerox Parc entwickelt wurden. Den beiden Besuchen gingen Verhandlungen mit der Xerox-Zentrale an der Ostküste voraus. Xerox ließ sich den Einblick in die Forschungsarbeit im Parc teuer bezahlen und durfte sich noch vor dem Börsengang von Apple zum Vorzugspreis bei den Unternehmensanteilen bedienen.

    Jobs war von dem Konzept begeistert, sah aber auch die Probleme im Detail. Die Xerox-Maus kostete in der Herstellung allein 400 Dollar, fiel durchschnittlich nach einer Woche aus und konnte nur von Fachleuten repariert werden. “Steve Jobs kam zu uns und sagte: ‘Ich will eine Maus für 10 Dollar, die niemals ausfällt und die in Massen produziert kann, weil die Maus das wichtigste Interface des Computers der Zukunft werden wird”, erinnert sich Jim Sachs, der bei einer externen Firma die Apple-Maus entwarf, der damals zunächst am Verstand des Vegetariers Jobs gezweifelt hatte, denn ein Maus als wichtigstes Eingabeinstrument eines Computers war eigentlich unvorstellbar. “Wir dachten zunächst, vielleicht sollte er seine Ernährungsweise doch mit etwas Fleisch anreichern. Aber solange er uns 25 Dollar die Stunde bezahlte, hätten wir ihm auch einen solarbetriebenen Toaster gebaut.”

    Die Entwickler bei Hovey-Kelley ersetzten die elektrischen Bürstenkontakte der Xerox-Maus durch optomechanische Kontakte, die über mit Federn angedrückte Rollen die Bewegung der Mauskugel registrieren. An den Rollen befestigten sie Lochscheiben, die bei einer Bewegung Lichtwechsel auslösen. Diese Wechsel werden von Photozellen erfasst und in entsprechende elektrische Signale umgewandelt. Die Entwickler probierten für die ersten Modelle jede denkbare Kugelvariante aus. Ein Team-Mitglied ging in den nächsten Supermarkt und beschaffte sich Deo-Roller, um die Kugeln in die Maus-Prototypen einzubauen. Letztlich entschieden sich die Verantwortlichen für eine aufgeraute Stahlkugel, die in die Maus des Apple Lisa eingebaut wurde.

    Apple Lisa
  • Die Geschichte des iPod

    Die Geschichte des iPod

    Anfang der 2000-er Jahre war die Musikindustrie verzweifelt. Die CD-Verkäufe waren im Sinkflug. Im Internet grassierte die Musik-Piraterie mit immer neuen Tauschbörsen. Und eigene Abo-Dienste der Musikverlage im Netz fanden kaum Nutzer wegen komplizierter Bedienung und umständlicher Kopierschutz-Auflagen. Da schlug die Stunde von Apple: Steve Jobs erkannte zum einen, dass die bislang verfügbaren MP3-Player nicht gut zu bedienen waren und nur vergleichsweise wenig Songs speichern konnten. Außerdem gab es keine brauchbare legale Alternative zu den illegalen Download-Angeboten wie Napster. Daher sah das Konzept von Jobs mit dem iPod nicht nur einen Player vor, sondern ein gesamtes Öko-System inklusive Online-Shop.

    iPod 1G
    Der erste iPod (2001)

    Es war ironischerweise ausgerechnet der kleine Marktanteil von Apple, mit dem Steve Jobs die misstrauische Musik-Branche köderte. Schließlich begann damals erst der Siegeszug von Apples iPod-Playern und die Macs machten gerade einmal fünf Prozent des PC-Geschäfts aus: „Wir erklärten, dass der Schaden ziemlich begrenzt wäre, wenn der Store floppt“, erinnerte sich Jobs in seiner Biografie. Er hatte sich zunächst dagegen gewehrt, den iTunes-Store auch Windows-Nutzern zugänglich zu machen – am Ende ebnete der Schritt auf die PC-Plattform den Weg zu Apples Dominanz im Musikmarkt.

    Der Schlüssel war Jobs‘ Meisterleistung, die zerstrittenen großen Musikkonzerne unter ein Dach zu bringen. Kaum jemand hielt das für möglich, der Erfolg schockierte unter anderem Microsoft-Gründer Bill Gates. Die Musik-Manager lernten bei den Verhandlungen den „guten“ und auch den „bösen“ Steve kennen. „Ihnen geht wohl der Arsch auf Grundeis, was?“, fuhr der notorisch raubeinige Apple-Gründer die Industrie-Kapitäne gleich beim ersten Treffen an. Später scheute er dagegen keine Mühe, um die Manager zu umgarnen.

    Jobs war überzeugt, dass das beste Mittel gegen Raubkopien eine einfache und günstige legale Alternative sein musste. Er setzte durch, dass die Songs quer durch die Bank 99 Cent kosteten und auch einzeln heruntergeladen werden durften. Diese Entscheidungen gaben auf Jahre den Ton für die Entwicklung des Musikgeschäfts an. Als Apple schließlich dem Drängen der Musik-Industrie nachgab und flexiblere Preise zwischen 69 Cent und 1,29 Dollar bzw. Euro zuließ, konnte Jobs als Gegenleistung das Ende des Kopierschutzes aushandeln.

    Hier die Entwicklung des iPod in chronologischer Reihenfolge:

    2001
    Jon Rubinstein stellte im Februar 2001 Steve Jobs eine erste, nur 1,8 Zoll messende Festplatte und die Idee eines iPod vor. Steve Jobs antwortete ihm: „Go for it!“. Rubinstein stellte ein Team zusammen, um den iPod zu entwerfen. Dazu gehörten die Hardware-Ingenieure Tony Fadell und Michael Dhuey sowie den Hardware-Designer Jonathan Ive.

    Die ersten Prototypen sahen bewusst völlig anders aus als das ins Auge gefasste Design, um Leaks zu unterbinden.

    Der Player wurde in weniger als einem Jahr entwickelt und am 23. Oktober 2001 als Mac-kompatibles Gerät mit einer 5 Gigabyte-Festplatte vorgestellt („1,000 songs in your pocket.“)

    Präsentation des ersten iPods

    Dass der iPod so einen durchschlagenden Erfolg haben würde, zeichnete sich damals noch nicht ab. Das lag auch daran, dass die Menschen in den USA nur wenige Wochen nach den verheerenden 9/11-Anschlägen schockiert waren, was sich auch auf das Konsumklima auswirkte. Zum anderen sahen etliche Beobachter im iPod nur einen weiteren MP3-Player, einen von vielen. Den Unterschied sollte aber das Bedienungskonzept inklusive der dazugehörigen Software machen. Diese war zunächst nur für den Mac erhältlich, fand ihren Weg aber schnell in die Windows-Welt. In einem gemeinsamen Interview mit Microsoft-Mitbegründer Bill Gates bezeichnete Steve Jobs im Jahr 2007 auf der Konferenz D5 die iTunes-App für Windows als ein „Glas mit Eis-Wasser für jemanden, der in der Hölle schmort“ und hatte damit die Lacher auf seiner Seite:

    Die zum iPod gehörende iTunes-Software basiert weitgehend auf der kommerziellen MP3-Applikation SoundJam MP, die vom Software-Verlag Casady & Greene entwickelt wurde. Letztendlich übernahm Apple die Entwickler mitsamt der Software. Die erste Version von iTunes im Januar 2001 war daher SoundJam MP sehr ähnlich.

    2002
    Am 21. März 2002 wurde ein zweites Modell mit einer Zehn-Gigabyte-Festplatte eingeführt. Am 17. Juli 2002 wurde die zweite Generation der iPods angekündigt. Diese wurden mit einer zehn oder 20 Gigabyte großen Festplatte, einem berührungssensitiven Scrollrad und einer Fernbedienung im Kopfhörerkabel ausgerüstet.

    Die 2. iPod-Generation wurde als getrennte Versionen für Mac und Windows ausgeliefert. Das Gehäuse wurde flacher gestaltet sowie das mechanische Scrollrad durch ein berührungsempfindliches ohne bewegliche Teile ersetzt. Da iTunes für Windows noch nicht existierte, war dem Windows-iPod die MusicMatch Jukebox zum Synchronisieren beigelegt.

    2003
    Die dritte Generation wurde am 28. April 2003 vorgestellt. Diese Generation sollte mit neuem Design, berührungsempfindlichen Tasten, Dock Connector (statt FireWire-Buchse), USB-Anschluss und mit einer Verkleinerung der Akkuladung von 10 auf 8 Stunden Laufzeit auf den Markt kommen, und zwar mit je einer 10, 15 oder 30 Gigabyte großen Festplatte. Ab dem 8. September 2003 waren die iPods der dritten Generation mit 20 und 40 Gigabyte großen Festplatten erhältlich. Im September 2003 wurde der millionste iPod verkauft.

    2004
    Im Januar 2004 wurde der iPod mini angekündigt. Bei diesem Gerät waren Touch Wheel und Tasten erstmals unter einer Oberfläche, dem so genannten Click Wheel, vereint und er war in den Farben Silber, Blau, Grün, Pink und Gold erhältlich. Die Nachfrage nach dem iPod mini war so groß, dass am 17. Februar bereits über 100.000 Vorbestellungen eingegangen waren. Am 20. Februar 2004 begann schließlich die Auslieferung in Amerika, wohingegen der Start für Europa am 25. März auf Juli 2004 verschoben wurde. Am 24. Juli startete man auch in Europa mit dem Verkauf des iPod mini.
    Am 19. Juli 2004 war die vierte Generation des iPod als 20 und 40 GB-Modelle erhältlich. Dabei besaßen diese nun wie der iPod mini ein Click Wheel und die Spieldauer wurde laut Hersteller von acht auf zwölf Stunden erhöht.
    Die ersten Vorbestellungen des iPod photo und des limitierten iPod U2 wurden am 26. Oktober 2004 entgegengenommen. Ersterer hatte erstmals ein Farbdisplay, eine verbesserte Akkudauer von 15 beziehungsweise 5 Stunden bei Musik- respektive Diashow-Wiedergabe. Die U2 Special Edition besaß eine schwarze Front mit einem roten Click Wheel und eine Gravur der Unterschriften der vier Bandmitglieder von U2 auf der Rückseite. Außerdem bekamen Käufer einen Rabatt auf „The Complete U2“ im iTunes Music Store.

    2005
    Am 11. Januar 2005 wurden zwei Modelle des iPod shuffle mit 512 Megabyte bzw. 1024 Megabyte Speicherplatz auf Flash-Speicher-Basis vorgestellt. Sie hatten jeweils 18 Stunden Akkulaufzeit, kein Display und gaben alle eingespeicherten Lieder zufällig wieder.
    Am 23. Februar 2005 erschienen Updates des iPod mini (mit 4 bzw. 6 GB erhältlich, Akkulaufzeit jetzt 18 Stunden), des iPod der 4. Generation (nur mit 20 Gigabyte erhältlich) und des iPod Photo (nun mit 30 bzw. 60 Gigabyte erhältlich). Außerdem wurden für alle Modelle die Preise gesenkt.
    Der iPod Photo war seit dem 28 Juni 2005 nicht mehr erhältlich. Stattdessen wurde der iPod nun mit einem Farbdisplay und Kapazitäten von 20 bzw. 60 GB angeboten. Auch der iPod U2 Special Edition bekam nun ein Farbdisplay. Die Preise für iPod, iPod U2 Special Edition und iPod shuffle 1 GB wurden gesenkt.
    Software-Update zur Unterstützung von Podcasts erschien im Juli (zusammen mit iTunes 4.9, aber nur für iPods der vierten Generation und iPod mini).

    Apple Music Special Event 2005 – Die Präsentation des iPod nano

    Der iPod nano mit 2 und 4 GB Flash-Speicher wurden am 7. September 2005 vorgestellt. iTunes war nun in der Version 5 verfügbar. Die Produktion des iPod mini wurde eingestellt.

    Apple Event San Jose 2005 – Die Präsentation des iPod Video

    Apple präsentierte am 12. Oktober 2005 die fünfte Generation des iPods, der nun erstmals Videos abspielen konnte. Er war in 30 GB und 60 GB und ebenso wie der iPod nano in zwei Farben erhältlich. Der iPod U2 Special Edition wurde nun nicht mehr hergestellt. iTunes war in der Version 6 mit neuer Videofunktion und Videostore erhältlich, in dem (zumindest im amerikanischen ITMS) nun auch Fernsehserien, Musikvideos sowie erfolgreiche Pixar-Kurzfilme zum Verkauf angeboten werden.

    2006
    Apple präsentierte am 10. Januar 2006 das Zubehör iPod Radio Remote für iPod video und nano. Gleichzeitig war eine neue Firmware-Version erschienen, welche die Unterstützung der Fernbedienung gewährleistete und einige Fehler korrigierte.
    Am 7. Februar 2006 reduzierte Apple die Preise der iPod-shuffle-Reihe und führte den iPod nano mit 1 GB ein.
    Am 6. Juni 2006 präsentiert der Hersteller den neuen iPod U2 Special Edition mit 30 GB. Zusätzlich zu den Besonderheiten der ersten Version erhielt der Käufer nun einen Gutschein für 30 Minuten „exklusives U2-Videomaterial“ aus dem iTunes Store.
    Apple präsentierte am 12. September 2006 die zweite Generation des iPod nano, aktualisierte den iPod der fünften Generation und der iPod shuffle bekam ein komplett neues Design. Den iPod gab es nun in einer 30 und einer 80 GB-Version und das Display war nun deutlich heller. Außerdem gab es im neuen iTunes Store nun auch Spiele für den iPod zu kaufen. Den iPod nano gab es nun mit 2, 4 oder 8 GB Speicherkapazität und einem Aluminiumgehäuse in den Farben Silber, Schwarz, Blau, Pink und Grün. Der iPod shuffle war kleiner als die Vorgängergeneration, besaß ein silberfarbenes Aluminiumgehäuse, hatte einen integrierten Clip, mit dem er an der Kleidung befestigt werden konnte, und war nur noch mit 1 GB Speicherkapazität erhältlich.
    Am 13. Oktober stellte Bono von U2 den iPod nano (PRODUCT) RED™ in rot mit 4 GB Speicher vor. Von jedem Verkauf spendete Apple 10 US-$ an die HIV/AIDS-Hilfestiftung Global Funds zur Hilfe in Afrika.
    Die Verschmelzung von Nike mit dem iPod nano begann am 1. November 2006: Das Nike+Paket beinhaltete einen Sensor und einen Adapter für den iPod nano.
    Am 3. November bot Apple den iPod nano (PRODUCT) RED™ nun auch in einer 8 GB-Version an.

    2007
    Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs auf der Macworld das iPhone vor und am 30. Januar bot Apple den iPod shuffle in fünf Farben an: neu waren Pink, Orange, Grün und Blau.
    Am 5. September wurde die komplette iPod-Linie erneuert: Der iPod shuffle war nun als (PRODUCT) RED™ erhältlich, der iPod nano konnte nun Videos abspielen, der iPod wurde zum iPod classic und der iPod touch wurde vorgestellt.

    Apple Music Event 2007 – Die Präsentation des iPod touch

    Das iPhone wurde am 9. November erstmals in Deutschland verkauft, nachdem es in den USA schon seit dem 28. Juni verfügbar war.

    2008:

    Seit dem 21. Januar 2008 ist der iPod nano auch in der Farbe Pink erhältlich. Am 5. Februar 2008 wurde der iPod touch zusätzlich mit 32-GB-Speicher und das iPhone mit 16-GB-Speicher angeboten. Am 19. Februar wurde der iPod shuffle im Preis gesenkt und erhielt eine neue 2-GB-Version. Am 9. September 2008 stellte Apple die vierte Generation des iPod nano, die zweite Generation des iPod touch sowie neue Farbvarianten des iPod shuffle vor. Seit diesem Zeitpunkt gab es den iPod classic in der 120-GB-Version.

    2009:

    Am 11. März 2009 wurde der iPod shuffle der dritten Generation vorgestellt. Er verfügt über eine Speicherkapazität von 2 oder 4 GB, lässt sich ausschließlich über die mitgelieferte Kopfhörerfernbedienung steuern und ist in den Farben Schwarz, Silber, Grün, Hellblau und Pink erhältlich, außerdem gibt es eine Special Edition in Edelstahl. Am 9. September 2009 stellte Apple auf einem Special Event mit dem Titel „It’s only rock and roll, but we like it“ die nächste Generation des iPod nano, des iPod classic und eine Überarbeitung des iPod touch sowie des Programms iTunes 9.0 vor.

    2010:

    Am 1. September 2010 stellte Apple eine neue Generation des iPod nano ohne Kamera und Videofunktion – allerdings mit Multitouch – vor. Des Weiteren wurde der iPod touch in der vierten Generation vorgestellt. Dieser ist dünner und hat zwei Kameras an Vorder- und Rückseite für Videoaufnahmen in HD (720p). Weiterhin ist die Nutzung von FaceTime möglich, das Apple bereits beim iPhone 4 vorgestellt hatte. Er hat ein Gyroskop und Retina-Display, allerdings keinen Blitz. Der iPod shuffle erhielt ein schlankeres Design sowie die bei der vorhergehenden Generation von vielen Kunden vermissten Tasten zurück. Außerdem werden nun Playlists und VoiceOver unterstützt. Weiterhin wurde iTunes in der Version 10 vorgestellt.

    2011:
    Apple stellte am 4. Oktober 2011 eine aktualisierte Version des iPod touch vor, der technisch mit der Vorgängergeneration identisch ist. Er ist nun auch in Weiß erhältlich und wird mit iOS 5 ausgeliefert. Gleichzeitig zeigte man den iPod nano 6G, der durch ein Upgrade eine neue Benutzeroberfläche, neue Uhrendesigns und mehr Fitnessfunktionen besitzt, bei denen sich die letzten erfassten Aktivitäten in Kategorien anzeigen lassen.

    2012:
    Apple stellte am 14. September 2012 eine aktualisierte Version des iPod touch, sowie des iPod nano vor. Der iPod touch hat ein 4?-Retina-Display erhalten, und den A5 Prozessor, der schon im iPhone 4S verwendet worden war. Zum Anderen ist er im Vergleich zu seinem Vorgänger dünner geworden und wird mit iOS 6 ausgeliefert. Der iPod touch ist jetzt in mehreren Farben verfügbar. Der iPod nano hat ein größeres Display erhalten und ähnelt leicht dem iPod touch, läuft jedoch nicht mit iOS.

    Am 9. September 2014 wurde der Verkauf des iPod classic eingestellt.

    Im Juli 2017 wurde der Verkauf des iPod shuffle und iPod nano eingestellt. Damit ist der iPod touch der letzte noch von Apple produzierte iPod.

    Unter Verwendung der Artikel
    Apple iPod. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. Juni 2008, 12:37 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Apple_iPod&oldid=47200961 (Abgerufen: 14. Juni 2008, 20:10 UTC)
    IPod. (2008, June 14). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 20:24, June 14, 2008, from http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=IPod&oldid=219332121
    iTunes. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Juni 2008, 09:32 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=ITunes&oldid=47121153 (Abgerufen: 14. Juni 2008, 20:23 UTC)
    „IPod“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. April 2018, 18:31 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=IPod&oldid=176989786 (Abgerufen: 1. Mai 2018, 16:46 UTC)

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  • Es begann mit “Annie” – Erste Entwürfe für den Volkscomputer „Macintosh“

    Bis zum Tag der offiziellen Vorstellung des Apple Macintosh am 24. Januar 1984 war es ein langer Weg gewesen. Fünf Jahre zuvor, im Frühling 1979 machte sich Apple-Chairman Mike Markkula Gedanken darüber, ob sein Unternehmen nicht einen 500-Dollar-Computer auf den Markt bringen sollte. Markkula beauftragte Jef Raskin mit dem geheimen “Annie”-Projekt.

    Jef Raskin
    Jef Raskin

    Raskin war für die Publikationen bei Apple, insbesondere Handbücher, verantwortlich und sollte eigentlich sich stärker um die Entwickler kümmern, die Anwendungen für den Apple II schreiben. “Ich sagte Markkula, dass ‘Annie’ ein klasse Projekt ist, dass man für 500 Dollar aber nicht viel machen kann”, erinnert sich Raskin später. “Gleichwohl steckte in dem Projekt etwas, von dem ich seit einiger Zeit geträumt habe, was ich Macintosh genannt habe. Im Kern ging es darum, etwas komplett aus der menschlichen Perspektive heraus zu entwickeln.”

    Im Herbst 1979 schrieb Raskin seinen Artikel “Computers by the Millions“, in dem er seine Vision eines Rechners für die Massen entwarf. Markkula bestand darauf, den Bericht als vertraulichen internen Report zu behandeln. Der Aufsatz wurde erst 1982 im SIGPC Newsletter, Vol. 5, No. 2, veröffentlicht.

    Raskin wählte einen völlig neuen Ansatz, denn bislang definierte stets das “technisch Machbare” das Design eines Computers. Der studierte Informatiker, der bei seiner Anstellung sein Diplom vor den Apple-Gründern verheimlichte (weil die Steve Wozniak und Steve Jobs Akademikern extrem misstrauisch begegneten), wollte einen Computer für den normalen Menschen auf der Straße bauen – und dieser durfte natürlich auch nicht unerschwinglich sein.

    Raskins Ausdruck von der “Person in the Street” wurde bei Apple zum geflügelten Wort, das mit PITS abgekürzt wurde. Der erste Entwurf von Raskin sah einen geschlossenen Computer inklusive Monitor, Tastatur und Drucker vor, der ohne externe Kabel auskommen sollte – und das alles für 500 Dollar. Dafür sollte der Macintosh aber nur mit einem winzigen 5-Zoll-Display, einer Billig-CPU (6809) und einem extrem eng bemessenen Hauptspeicher von 64 Kilobyte ausgestattet sein.

    Steve Jobs and Jef Raskin
    Steve Jobs and Jef Raskin

    Steve Jobs hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht besonders um das Macintosh-Projekt gekümmert – und Raskin versuchte in einer dunklen Vorahnung auch alles, um den Apple-Mitbegründer außen vor zu halten. Im Sommer 1980 bahnte sich jedoch gerade ein massiver Konflikt zwischen Jobs und Apple-President Mike Scott an, denn Scott wollte Jobs aus der konkreten Entwicklungsarbeit an dem neuen Lisa heraus drängen. Mit seinem launischen und zeitweise sehr aggressiven Führungsstil hatte Jobs viele Entwickler vor den Kopf gestoßen. Außerdem traute Scott ihm keine größere Management-Rolle zu und wollte ihn auf die weniger wichtige Rolle eines Firmensprechers und Promoters im Vorfeld des Apple-Börsenganges am 12. Dezember 1980 festlegen.

    Jef Raskin verließ Apple im Jahr 1982 und gründete die Firma Information Appliance, Inc., um sein Original-Konzept aus dem Macintosh-Projekt umzusetzen. Das Unternehmen brachte die “SwyftCard” auf den Markt, eine Firmware-Karte für den Apple II. Auf der Karte befand sich ein Programm-Paket, das auch auf Disk als SwyftWare angeboten wurde. Information Appliance offerierte später mit dem Swyft einen Laptop-Computer, der aber nur mäßigen kommerziellen Erfolg hatte. Raskin lizenzierte das Swyft-Design an Canon, die auf dieser Basis 1987 den Canon Cat baute.

    JJef Raskin mit einem Modell des Canon Cat

    Trotz der großen Aufmerksamkeit, die das innovative Interface des Canon cat erregte, blieb auch diesem Produkt der Durchbruch versagt. Raskin machte für diesen Fehlschlag auch Steve Jobs verantwortlich, der als Chef von NeXT Computer Canon zur Aufgabe des Cat-Projektes bewogen habe. Cat sei aber auch internen Rivalitäten bei Canon zum Opfer gefallen..

    In seinem Buch “The Humane Interface” beschrieb Raskin später seine Vision einer Computer-Schnittstelle für den Menschen, die sich an den humanen Bedürfnissen – und nicht an der Technik orientiert.

    Jef Raskin starb am 26. Februar 2005 im Alter von 61 Jahren.

  • Apple Lisa: Legendäre Computerneuheit und gigantischer Flop

    Apple Lisa: Legendäre Computerneuheit und gigantischer Flop

    Apple Lisa (1983) gilt als der erste relevante Computer für den Massenmarkt, der über eine grafische Bedienoberfläche verfügte. Noch vor dem Macintosh versuchte Apple mit Lisa, das revolutionäre GUI-Konzept aus dem legendären Forschungszentrum Xerox PARC umzusetzen. Und obwohl Apple im Vergleich zum Xerox Alto, der nur in niedrigen Stückzahlen verkauft wurde, vieles richtig gemacht hat, geriet auch Apple Lisa zu einem Flop, der fast das damals noch sehr junge Unternehmen Apple Computer Inc. in den Abgrund gerissen hätte.

    1983: Apple Lisa
    1983: Apple Lisa

    Manchmal fällt der dritte Schritt viel schwerer als die beiden ersten. So erging es zumindest Anfang der 80er Jahre dem damals noch sehr jungen Start-up Apple Computer. Den ersten halbwegs brauchbaren Heimcomputer, den Apple I, hatte Mitbegründer Steve Wozniak schon 1976 entwickelt.

    Mit dem Apple II wurde das Unternehmen dann aus dem Stand aus der Garage der Eltern von Steve Jobs heraus auch kommerziell erfolgreich. Die Verkaufszahlen stiegen rasant: von 2500 Geräten im Jahr 1977 auf 210 000 im Jahr 1981. Einen Nachfolger für den ersten Megaerfolg von Apple zu finden, erwies sich jedoch als große Herausforderung. Erst am 19. Januar 1983, vor 35 Jahren, konnte Steve Jobs den Rechner Lisa ankündigen. Lisa sollte den Erfolg des Apple II fortschreiben. Doch es kam dann ganz anders.

    Zunächst hatte Steve Jobs auf die Entwicklung eines Apple III gesetzt, der sich vom Vorgängermodell Apple II gar nicht so sehr unterscheiden sollte. 80 statt 40 Zeichen pro Bildschirmzeile, mehr Speicher, kleinere Verbesserungen im Detail, aber kein großer Wurf. Es zeichnete sich dann schnell ab, dass dieser mit Tastatureingaben gesteuerte Computer die PC-Revolution nicht wirklich vorantreiben konnte.

    Der Meinungsumschwung bei Steve Jobs wurde vor allem durch mehrere Besuche 1979 im legendären kalifornischen Forschungszentrum Xerox PARC im benachbarten Palo Alto ausgelöst: „Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: die grafische Bedienoberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was mir je in meinem Leben unter die Augen gekommen ist“, sagte Jobs 1995 in einem TV-Interview.

    Im Xerox PARC hatte Jobs quasi die Erleuchtung gesehen. Nun wollte er auch bei Apple einen Computer bauen, der kinderleicht mit einer Maus zu bedienen war. Den Eintritt in das Forschungszentrum hatte sich Apple durch einen Aktiendeal erkauft: Xerox durfte noch vor dem Börsengang von Apple 100 000 Aktien des Start-up-Unternehmens für den Schnäppchenpreis von einer Millionen Dollar kaufen. Den Xerox-Managern dämmerte allerdings erst zehn Jahre später, dass sie Apple das geistige Eigentum ihrer Forscher im PARC für ein Taschengeld auf dem Silbertablett serviert hatten. Eine Schadenersatzklage gegen Apple hatte dann aber vor Gericht keinen Erfolg.

    Nach dem PARC-Besuch arbeiteten Jobs und viele der Lisa-Ingenieure, darunter Bill Atkinson, daran, die Ideen der Benutzeroberfläche von PARC in die Lisa zu integrieren. Atkinson entwickelte die QuickDraw-Grafikbibliothek für die Lisa und arbeitete zusammen mit Larry Tesler, der PARC verließ, um zu Apple zu wechseln, an der Entwicklung der Benutzeroberfläche der Lisa. Tesler schuf eine objektorientierte Variante von Pascal, „Clascal“ genannt, die für die Lisa-Toolkit-Programmierschnittstellen verwendet wurde. Später wurde Clascal durch die Zusammenarbeit mit dem Pascal-Schöpfer Niklaus Wirth zum offiziellen Object Pascal weiterentwickelt.

    Durch eine Umstrukturierung des Unternehmens im Jahr 1982 hatte Jobs jedoch keinen direkten Einfluss mehr auf das Lisa-Projekt, das anschließend von John Couch geleitet wurde.

    Führungskräfte in der Lisa-Entwicklungsgruppe. Von links nach rechts: Wayne Rosing (Hardware, später die gesamte Lisa-Entwicklung), Larry Tesler (Anwendungssoftware und Bibliotheken, Entwurf der Benutzeroberfläche und Tests), Bruce Daniels (Software, Systemarchitektur). Foto von John Blaustein. Scan von Seite 97 des Personal Computing Magazine, März 1983, Computer History Museum #102661078.

    Einige Jahre lang konkurrierten die Lisa- und Macintosh-Teams intern miteinander, obwohl es auch eine Zusammenarbeit gab. Bill Atkinsons QuickDraw-Grafiken wurden Teil des Macintosh, und Atkinson trug somit zu beiden Projekten bei. Der Software-Manager der Lisa, Bruce Daniels, verließ das Lisa-Projekt, um eine Zeit lang am Macintosh zu arbeiten, was die Ausrichtung des Macs auf die grafische Benutzeroberfläche der Lisa stark beeinflusste. Larry Teslers Arbeit an den objektorientierten Lisa-Toolkit-Anwendungsframeworks sollte sich später zu den MacApp-Frameworks weiterentwickeln, die Object Pascal verwendeten. Owen Densmore, der bei Xerox tätig war, arbeitete sowohl beim Lisa als auch beim Macintosh an der Drucktechnik.

    Apple unternahm mit Lisa den ersten Versuch, die grafische Bedienoberfläche auf dem Massenmarkt einzuführen. In Anzeigen wurde der Rechner als «Maserati für Ihr Gehirn» beworben.

    „Lisa war der erste kommerziell vertriebene Computer, der über eine Maus und die für uns heute selbstverständliche Benutzeroberfläche mit Fenstern und Symbolen verfügte“, sagt Andreas Stolte von Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. „Zuvor mussten die Nutzer komplizierte Befehlszeilen eintippen, um den Computer auf Trab zu halten. So vereinfachte der nach Jobs Tochter benannte Computer die Bedienung enorm.“

    Apple wollte die Kunden mit sieben Büro- und Grafikprogrammen und dem damals beachtlichen Arbeitsspeicher von einem Megabyte für Lisa gewinnen. Allerdings war der Preis viel zu hoch, um die vielen Interessenten in Scharen tatsächlich zum Kauf zu bewegen. In den USA kostete das Standardmodell der Lisa mit 68000er von Motorola (5 MHz!), 1 MByte RAM und zwei FileWare-Floppies (5 1/4 Zoll) mindestens 10.000 US-Dollar. knapp 10 000 Dollar, in Deutschland waren das rund 30 000 DM. Nicht einmal 30 000 Stück wurden verkauft.

    Aber nicht nur der hohe Preis behinderte den Erfolg der Lisa, es gab auch noch andere erhebliche Probleme. Das ausgeklügelte Betriebssystem der Lisa, das die gleichzeitige Ausführung mehrerer Programme („Multitasking“) ermöglichte, war selbst für den 68000er-Prozessor zu leistungshungrig und lief daher nur schleppend. Die Lisa wurde mit einer Reihe von Anwendungen, einschließlich Textverarbeitung und Diagrammen, ausgeliefert, was Drittentwickler davon abhielt, ihre eigene Software für das System zu schreiben. Die ursprüngliche Lisa wurde mit einem Diskettenlaufwerk („Twiggy“) ausgeliefert, das sich als unzuverlässig erwies.

    Im April 1985 zog Apple die Reißleine und stoppte die Produktion. Unverkäufliche 2 700 Exemplare wurden heimlich auf einer Müllkippe in Utah vergraben. Das Prinzip der grafischen Bedienoberfläche landete aber nicht auf dem Müll der Computer-Geschichte, sondern setzte sich auf breiter Fläche durch. Im Januar 1984 brachte Apple dann den ersten Macintosh auf den Markt, der nicht so teuer wie Lisa war und sich nach einer schwierigen Startphase dann besser verkaufte. Im November 1985 lieferte Microsoft eine erste Version von Windows ebenfalls mit grafischer Benutzeroberfläche aus.

    Die ersten kommerziellen Erfolge der Ära nach dem Apple II erlebte Steve Jobs aber nicht mehr in dem von ihm mitbegründeten Unternehmen. Im September 1985 wurde er in einem regelrechten Showdown mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley vom Aufsichtsrat dazu gedrängt, die Firma zu verlassen. Erst im Dezember 1996 kehrte Steve Jobs dann als Retter wieder zu Apple zurück, nachdem sich das Unternehmen zuvor durch eine Serie von Fehlentscheidungen in eine Nische manövriert hatte.

    Trotz des Misserfolgs der Lisa auf dem Markt nimmt sie in der Geschichte der grafischen Benutzeroberfläche und der PCs im Allgemeinen einen wichtigen Platz ein, da sie der erste GUI-basierte Computer war, der von einem PC-Hersteller vermarktet wurde. Obwohl der Xerox Star 8010 1981 vor der Lisa auf den Markt kam, konkurrierte der Star mit anderen Workstations von Apollo und Sun. Vielleicht noch wichtiger ist, dass der Apple Macintosh ohne die Lisa und die von PARC inspirierte grafische Benutzeroberfläche nicht auf der grafischen Benutzeroberfläche basiert hätte. Beide Computer teilten Schlüsseltechnologien wie die Maus und die QuickDraw-Grafikbibliothek. Die Lisa war ein wichtiges Sprungbrett zum Macintosh und ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der grafischen Benutzeroberflächen und der Personal Computer im Allgemeinen.

    Quellen:

    (1) Eigene Recherchen

    (2) Wikipedia-Autoren: Apple Lisa. In Wikipedia, The Free Encyclopedia. abgerufen am 20. Januar 2023, https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Apple_Lisa&oldid=1134712080

    (3) Andy Hertzfeld: https://www.folklore.org/StoryView.py?project=Macintosh&story=Bicycle.txt

    (4) Roderick Perkins, Dan Smith Keller und Frank Ludolph: „Inventing the Lisa User Interface“, Interactions 4, Nr. 1 (Januar 1, 1997): 40–53, https://doi.org/10.1145/242388.242405. 

    (5) David Craig: The Legacy of the Apple Lisa Personal Computer: An Outsider’s View https://www.callapple.org/modern-apple-computing/the-legacy-of-the-apple-lisa-personal-computer-an-outsiders-view/

    (6) John Scull und Hansen Hsu: „The Killer App That Saved the Macintosh“, IEEE Annals of the History of Computing 41, no. 3 (July 2019): 42–52, https://doi.org/10.1109/MAHC.2019.2918094

    (7) Hansen Hsu: THE LISA: APPLE’S MOST INFLUENTIAL FAILURE; https://computerhistory.org/blog/the-lisa-apples-most-influential-failure/

    (8) Owen Linzmayer: Apple Confidential 2.0: The Definitive History of the World’s Most Colorful Company, Rev. 2nd ed. (San Francisco, CA: No Starch Press, 2004), 79-80.

  • Die Geschichte von Apple: Die Achterbahnfahrt von der Garage im Silicon Valley zum wertvollsten Konzern der Welt

    Die Geschichte von Apple: Die Achterbahnfahrt von der Garage im Silicon Valley zum wertvollsten Konzern der Welt

    Apple hat in seiner Geschichte Höhen und Tiefen erlebt: Kurz vor der Rückkehr von Steve Jobs 1997 stand das Unternehmen sogar kurz vor der Pleite. In der zweiten Ära wurde Apple dann nicht nur gerettet, sondern erklomm den globalen Börsengipfel. Der derzeitige Apple-Chef Tim Cook konnte diese Stellung sogar ausbauen, musste aber auch Rückschläge hinnehmen. Die Achterbahnfahrt für Apple ist lange noch nicht zu Ende.

    Eine Zufallsbegegnung hat den Lauf der Computergeschichte entscheidend geprägt: Über Bill Fernandez, einen gemeinsamen Freund, lernten sich 1971 der 15 Jahre alte Highschool-Schüler Steve Jobs und der fünf Jahre ältere College-Student Steve Wozniak kennen. Die beiden „Steves“ konnten sich für Elektronik begeistern, liebten derbe Späße und wurden so trotz des Altersunterschieds enge Freunde.

    Steve Jobs und Steve Wozniak (1976)
    Steve Jobs und Steve Wozniak (1976)

    Wozniak, den alle nur „Woz“ nannten, war ein Einzelgänger und leidenschaftlicher Tüftler, der als technisches Genie unter den vielen anderen jungen Computer-Bastlern im Silicon Valley herausragte. Jobs fehlte dieses Talent, er hatte aber schon als junger Mann – im Gegensatz zu Woz – eine konkrete Vorstellung davon, wie man mit Technologie die Welt verändern und auch Geld verdienen kann.

    Eine erste prägende Erfahrung, wie man mit neuer Technologie alte Strukturen überlisten kann, machten die beiden Steves beim „Blueboxing“. In einem „Esquire“-Artikel las Woz, wie Hacker und Phreaker eine Methode gefunden hatten, kostenlos Ferngespräche zu führen. Held des Artikels war der Hacker „Captain Crunch“. Er hatte mit Hilfe einer Plastikpfeife aus einer Cornflakes-Packung herausgefunden, wie man mit bestimmten Tönen die Systeme des Telefongiganten AT&T manipulieren konnte, um kostenlose Telefonate zu ermöglichen. Die beiden Steves waren elektrisiert.

    Wozniak and Jobs Blue Box, ca. 1972.
    Blue Box von Wozniak und Jobs (1972)

    Woz konstruierte aus billigen Elektronik-Teilen und einem kleinen Lautsprecher ein vollgestopftes Kästchen, mit dem man die Tonfolgen viel präziser und eleganter erzeugen konnte als mit der Spielzeug-Pfeife. „Mit einer Blue-Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer“, erinnerte sich Steve Jobs später. „Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.“

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  • Apple History TV: Steve Jobs präsentiert das iPad (2010)

    Das erste iPad wurde von Steve Jobs am 27. Januar 2010 in San Francisco präsentiert: In der Keynote zur „MacWorld Expo“ zeigte er zunächst eine Folie, mit einem iPhone und einen Laptop, zwischen denen ein Fragezeichen stand. „Die Frage lautet, ist hier noch Platz für etwas in der Mitte?“, rief er. Dieses „Etwas“ müsse alle Funktionen für Internet-Browser, E-Mail, Fotos, Video, Musik, Spiele und eBooks beherrschen. Jobs nutzte die Gelegenheit, das „Netbook«-Konzept“ madig zu machen. „Netbooks können nichts besser!“, sagte er. Sie seien einfach nur billige Laptops. Die eingeladenen Gäste und Mitarbeiter jubelten. „Aber wir haben etwas, das besser ist. Wir nennen es das iPad.“

    Um die lässige Natur des iPad zu unterstreichen, rief Jobs eine Internetseite mit einem bequemen Lederstuhl und einem Beistelltisch auf (seinem Geschmack wurde dabei durchaus Rechnung getragen: Es handelte sich um einen Stuhl von Le Corbusier und einen Tisch von Eero Saarinen). „Es ist wesentlich intimer als ein Laptop“, begeisterte er sich. Er fuhr fort, zur Internetseite derNew York Times zu surfen, eine E-Mail an Scott Forstall und Phil Schiller zu schicken (»Wow, wir stellen gerade das iPad vor.«), durch ein Fotoalbum zu blättern, einen Kalender zu benutzen, den Eiffelturm über Google Maps heranzuzoomen, ein paar Videoclips zu zeigen (Star Trek und Oben von Pixar), das iBook-Regal vorzuführen und einen Song abzuspielen (»Like a Rolling Stone« von Bob Dylan, den er auch bei der Markteinführung des iPhone gespielt hatte). „Ist das nicht einfach fantastisch?“, fragte er.

    Mit seinem letzten Gleiten hob Jobs eines der Themen seines Lebens hervor, das vom iPad verkörpert wurde: ein Bild, das ein Straßenschild an der Kreuzung von „Technology Street“ und „Liberal Arts Street“ zeigte. „Der Grund, weshalb Apple Produkte wie das iPad erschaffen kann, ist, dass wir immer versucht haben, uns an der Schnittstelle von Technologie und freien Künsten zu positionieren«, schloss er. Das iPad war die digitale Reinkarnation des Whole Earth Catalog, des Orts, an dem sich Kreativität und nützliche Werkzeuge fürs Leben begegneten.

    Quellen:
    Youtube
    Walter IsaacsonSteve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers. Aus dem Englischen übertragen von Antoinette Gittinger, Oliver Grasmück, Dagmar Mallet, Elfi Martin, Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. 1. Auflage. C. Bertelsmann Verlag, München 2011, ISBN 978-3-570-10124-7.

  • Erste öffentliche Präsentation des Apple Macintosh durch Steve Jobs

    Steve Jobs präsentiert den Mac bei der BGS (30. Januar 1984)
    teve Jobs präsentiert den Mac bei der BGS (30. Januar 1984)

    Sechs Tage nach der ersten Präsentation des Apple Macintosh am 24. Januar 1984 vor einem geschlossenen Zuhörerkreis auf der Apple-Aktionärsversammlung im De Anza College Campus stellte Steve Jobs den Mac einer breiteren Öffentlichkeit an der US-Ostküste vor: Vor der Boston Computer Society wählte Jobs das gleiche Skript der Präsentation. In etlichen Details wich er aber von der ersten Mac-Demo ab. In Kalifornien saßen Apple-Mitarbeiter und die Investoren im Publikum, in Boston die Computer-Fans, die Jobs als Käufer für den Mac gewinnen wollte.

    Die Teilnehmer der Hauptversammlung waren Augenzeuge der historischen Premiere des Macs. Sie waren aber auch so etwas wie das Testpublikum für die Präsentation in Boston: In einer Q&A-Session kamen in Boston neben Jobs auch noch wichtige Mitglieder des Macintosh-Teams auf die Bühne, um Fragen zum Mac zu beantworten: Bill Atkinson, Steve Capps, Owen Densmore, Andy Hertzfeld, Bruce Horn, Rony Sebok, Burrell Smith und Randy Wigginton. Nur Apple-Mitbegründer Steve Wozniak wollte über den Apple IIgs sprechen.

    Quelle: Steve Jobs Unveils Mac at Boston Computer Society, Unseen Since 1984 | TIME.com
    http://techland.time.com/2014/01/25/steve-jobs-mac/#ixzz2rd8y3uko

  • Apple Macintosh – Von der Vision zum Launch (1980-1984)

    Apple Macintosh – Von der Vision zum Launch (1980-1984)

    Mac-History-Special: Apple Macintosh

    Am 24. Januar 1984 präsentierte Apple-Mitbegründer Steve Jobs auf der jährlichen Aktionärsversammlung im Flint Center Auditorium des De Anza Community College den ersten Macintosh-Rechner der Öffentlichkeit. Das Vertriebsteam von Apple war schon drei Monate zuvor auf einer Konferenz auf Hawaii auf den neuen Apple Macintosh eingeschworen worden. In einer Persiflage auf die TV-Show „The Dating Game“ priesen damals Microsoft-Chef Bill Gates sowie die IT-Unternehmer Mitch Kapor und Fred Gibbons die Vorzüge des Macs an.

    The Macintosh Software Dating Game (Oktober 1983)

    Poster zur Geburtstagsfeier des Macs
    Poster zur Geburtstagsfeier des Macs

    Zwei Tage vor dem offiziellen Launch des Macs auf dem Aktionärstreffen hatte Steve Jobs die erste öffentliche Publicity-Rakete mit einem Werbespot während des Super Bowl XVIII gezündet. Dem Football-Finale am 22. Januar 1984 hatten Millionen Football-Fans in den USA bereits seit Wochen entgegengefiebert. Aber bereits zur Halbzeit lagen die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins deutlich mit 21:3 in Führung. Spannend wurde es erst wieder im dritten Viertel, als die knapp hundert Millionen TV-Zuschauer in einer Pause den außergewöhnlichen Werbespot von Apple zu Gesicht bekamen. In dem 60 Sekunden langen Film von Star-Regisseur Ridley Scott („Blade Runner“) wurde der erste Apple Macintosh angekündigt. Der Mac wurde aber nicht nur einfach als ein neuer Computer vorgestellt. Die Botschaft des Spots lautete: Diese Mascchine wird die Welt davor bewahren, dass die düstere Vision aus dem Roman „1984“ von George Orwell ausgerechnet im Jahr 1984 Wirklichkeit wird. „Big Brother“ IBM wird dank des Macintosh nicht die Regentschaft in der IT-Welt übernehmen.

    In dem Spot marschiert eine lange Reihe gesichtsloser Arbeiter wie Strafgefangene im Gleichschritt durch lange Röhren. Sie müssen sich in einer Halle sammeln und der Tirade des „Großen Bruders“ auf einem riesigen Monitor zuhören, der fanatisch Individualität und Meinungsfreiheit verdammt. Doch dann stürmt eine athletische junge Frau in die Halle – verfolgt von Sicherheitskräften. Sie schleudert einen Vorschlaghammer in den Monitor, der in tausende Stücke zerbirst. Die Arbeiter sitzen nun in einem grellen Licht und erwachen aus ihrer Apathie. Eine Laufschrift verkündet: „Am 24. Januar wird Apple Computer den Macintosh vorstellen. Und Sie werden sehen, warum 1984 nicht wie ‚1984’ wird“.

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  • Apple Macintosh – Der Fehlstart (1984-1985)

    Apple Macintosh – Der Fehlstart (1984-1985)

    Der Fehlstart des Apple Macintosh (1984-1985)

    Teil 2

    Das Konzept des Macintosh überzeugte viele Enthusiasten sofort. Der kommerzielle Erfolg des Macs stellte sich jedoch erst nach einer längeren Durststrecke ein. Im Sommer 1981 war Apple noch davon ausgegangen, dass zwischen 1982 und 1985 über 2,2 Millionen Macs verkauft werden können, also rund 47.000 Stück pro Monat. Doch nun kam der Mac erst Anfang 1984 auf den Markt. Und nachdem die Fans ihren ersten Kaufrausch befriedigt hatten, sackte der Absatz des Macintosh dramatisch auf rund 5000 Geräte pro Monat ab. In Deutschland war der Mac zwar der Star der Hannover-Messe im Frühsommer 1984. Er verschwand dann aber zunächst wieder in der Versenkung.

    Apple-Mitbegründer Steve Jobs und Apple-CEO John Sculley
    Apple-Mitbegründer Steve Jobs und Apple-CEO John Sculley

    An dem bescheidenen Start des Macs konnte auch der damalige Apple-Chef John Sculley wenig ändern. Ganz im Gegenteil: Mit seinen hohen Marketingausgaben hatte Sculley dazu beigetragen, dass der Preis des Macs über die Schwelle von 2000 Dollar rutschte, was Jobs unbedingt verhindern wollte. Jobs hatte Sculley von Pepsi mit dem legendären Satz „Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?“ abgeworben, um das Management und Marketing bei Apple zu professionalisieren. Und zunächst arbeiteten Jobs und Sculley bei Apple trotz sehr unterschiedlicher Führungsmethoden harmonisch zusammen. Sie wurden von der Öffentlichkeit sogar als das „Dynamic Duo“ bei Apple gefeiert. Doch der schleppende Absatz des Macs führte schnell zu ernsten Spannungen zwischen Jobs und Sculley.

    In einem TV-Interview erinnerte Sculley sich später: „Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne tun wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.“

    Macintosh XL (1985)
    Macintosh XL (1985)

    Der mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene Hauptspeicher des Macs machte diese Aufgabe aber nicht einfach. Erst als ein Jahr später der „Fat Mac“ mit 512 Kilobyte DRAM raus kam, war der Flaschenhals beseitigt. Der Mac 512K war der erste Macintosh, mit dem man vernünftig arbeiten konnte.

    Apple LaserWriter (1985)
    Apple LaserWriter (1985)

    Steve Jobs musste die ersten Erfolge des Macintosh am Markt von außen beobachten: Im Sommer 1985 war er von Sculley und dem Apple-Board aus dem Unternehmen gedrängt worden. Softwarefirmen wie Aldus hatten erste Desktop-Publishing-Programme wie PageMaker für den Mac geschrieben. In Kombination mit dem Apple LaserWriter und dem von Adobe geschaffenen Seitenbeschreibungsstandard PostScript krempelten Apple, Adobe und Aldus die Technik der Publishing-Branche völlig um.

    Dieser Trend verstärkte sich, als Anfang 1986 der Macintosh Plus mit 128 Kilobyte ROM auf den Markt kam. Die Speicherchips waren nun nicht mehr fest auf der Platine verlötet, sondern gesockelt. So konnte man das Gerät auf bis zu vier Megabyte RAM aufrüsten.

    Macintosh Plus (1986)
    Macintosh Plus (1986)

    Der Mac Plus hatte sogar Cursor-Tasten auf der Tastatur, die Steve Jobs beim ersten Mac noch entschieden abgelehnt hatte, weil er die Anwender zwingen wollte, die Maus als Eingabeinstrument zu akzeptieren.

    Auf die innere Moral bei Apple hatte der Weggang von Steve Jobs aber verheerende Folgen. Glaubt man Andy Hertzfeld, gingen mit dem Mitbegründer auch seine Kernwerte verloren, nämlich brillantes Design und höchste Kreativität.

    Weiterlesen: Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)

    Apple Macintosh – Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)

    Wie sich der Apple Macintosh nach dem Weggang von Steve Jobs entwickelte

    Teil 3

    Ohne Steve Jobs an Bord liefen die Geschäfte für Apple zunächst besser. Der Mac dominierte die noch junge Publishing-Branche.

    Mit dem Macintosh II brachte Apple 1987 den ersten Mac auf den Markt, der modular aufgebaut war. Für 5.200 Dollar (nach heutiger Kaufkraft 8.000 Euro) erhielten die Kunden ein System mit einer 20 Megabyte großen Festplatte, sechs NuBus-Slots und SCSI. Mit Hilfe der von Texas Instruments entwickelten NuBus-Technik ließ sich der Mac II intern und über SCSI auch extern erweitern. An einen Port konnten die Besitzer bis zu sieben externe SCSI-Geräte – etwa eine Festplatte oder ein CD-ROM-Laufwerk — anschließen. Angetrieben wurde der Mac II von einem 68020-Prozessor, der mit 16 MHz getaktet war. Grafiker und DTP-Spezialisten jubelten über den Performance-Gewinn. Ein komplett ausgebautes System mit Farbgrafikkarte, Speichererweiterungen und sonstigem Zubehör verschlang bis zu 10.000 Dollar.

    Parallel zum großen Mac II veröffentliche Apple im März 1987 den Macintosh SE, den ersten kompakten Mac mit einer eingebauten Festplatte (20 Megabyte). Der vorhandene Erweiterungsslot konnte nicht von den Anwendern selbst, sondern nur von Servicetechnikern bestückt werden, weil man sich an der Bildschirmröhre leicht einen Hochspannungsschlag holen konnte. Der Mac SE diente aber einer ganzen Generation von Grafikern und Publishern als solides Arbeitspferd.

    Mit dem Mac SE verwendete Apple auch die Designsprache „Snow White“ (Schneewittchen) für den Macintosh, die der schwäbische Designer Hartmut Esslinger mit seiner Firma frog design noch für Steve Jobs entworfen hatte. „Snow White“ kam erstmals 1983 beim Apple IIc zum Einsatz und bestimmte bis 1990 das Industrie-Design in Cupertino, obwohl Esslinger und Apple in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre sich wieder getrennt hatten.

    „Show White“-Design von frog design:

    Beim Showdown zwischen Steve Jobs und John Sculley entschied sich der Wahl-Kalifornier Esslinger für Jobs und entwarf für ihn bei NeXT das schwarze Würfelgehäuse des NeXT Cube.

    Weitaus exklusiver als der SE war der Macintosh IIfx, der im Frühjahr 1990 mit System 6.0.5 in die Läden kam. Mit einem Preisschild von 9870 Dollar (nach heutiger Kaufkraft beinahe 13.200 Euro) hält der IIfx bis heute den Rekord des teuersten Macs, der jemals angeboten wurde. In dem Rechner steckte der Motorola-Prozessor 68030, der von dem mathematischen Coprozessor Motorola 68882 unterstützt wurde. Im Gehäuse konnte man bis zu 128 Megabyte RAM, zwei HD-Floppy-Laufwerke und zwei SCSI-Festplatten (mit einer damals typischen Größe von 40 bis 200 Megabyte) unterbringen. Dieses hochgezüchtete Rennpferd, das auf 40 MHz hochgetaktet war, blieb aber für viele unerschwinglich.

    Wenn man die aktuelle Dominanz von Apple bei den portablen Computern mit seinen MacBooks vor Augen hat, glaubt man kaum, wie schwer sich die Kalifornier damals beim Einstieg in den Laptop-Markt getan haben. 1989 stellte Apple den Macintosh Portable vor, der aber mit einem Gewicht von 7,2 Kilogramm kaum tragbar war. Immerhin erreichten die Bleiakkus damals schon eine auch für heutige Verhältnisse beachtliche Laufzeit von bis zu 10 Stunden. Bei einem Preis von 6500 Dollar entschieden sich aber nur wenige Kunden für diesen Schlepptop– zumal die Würfel-Macs auch in einer Tragetasche transportiert werden konnten.

    Der Macintosh Portable in Esslingers Showwhite-Design war Apples erster Laptop.
    Der Macintosh Portable in Esslingers Showwhite-Design war Apples erster Laptop.

    Als erstes brauchbares Notebook von Apple gilt das PowerBook 100, das im Oktober 1991 vorgestellt wurde. Bei der Konstruktion des Notebooks im dunkelgrauen Kunststoffgehäuse half Sony seinem Kunden Apple aus der Patsche. Die Ingenieure in Tokio nahmen sich den pummeligen Macintosh Portable vor und zeigten Apple, wo beim Projekt „Asahi“ ein Abspecken möglich und sinnvoll ist.

    Zusammen mit seinen größeren Brüdern PowerBook 140 und 170 traf PowerBook 100 auf große Akzeptanz, auch wenn die Apple-Notebooks deutlich teurer waren als die DOS-Konkurrenz von Toshiba oder Compaq. Die PowerBooks erreichten damals einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent und halfen Apple-Chef John Sculley durch schwierige Zeiten. Erst mit dem verunglückten PowerBook 5300, dem ersten Apple-Notebook mit einem PowerPC-Chip und dem Erfolg von Windows 95 übernahmen wieder PC-Hersteller von Apple die Führungsposition.

    Weiterlesen: Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs