Schlagwort: Larry Tesler

  • Steve Jobs (4) – Die Erleuchtung im Xerox PARC

    Steve Jobs (3) – Gründung von Apple und erster Erfolg mit dem Apple II

    Steve Jobs celebrating Apple's IPO (1980)
    Steve Jobs feiert den Börsengang von Apple (1980)

    Der Börsengang von Apple am 12. Dezember 1980 hatte für Steve Jobs eine bittere Konsequenz. Im Unterschied zu Bill Gates bei Microsoft war der Apple-Mitbegründer nicht mehr der maßgebliche Entscheider in „seinem“ Unternehmen. Er verfügte zwar über massig Geld, aber nicht mehr über die Mehrheit der Firmen-Anteile. Das Kommando bei Apple hatte nun das von den Investoren bestimmte Management. Die zentrale Figur an der Führungsspitze von Apple war damals „Angel Investor“ Mike Markkula, der im Sommer 1981 den Posten des Geschäftsführers von Mike Scott übernommen hatte. Markkula und Jobs waren sich aber einig, dass an der Spitze des Apple-Managements eine charismatische Figur stehen sollte, die die Methoden des modernen Marketings aus der Konsumgüter-Industrie bei Apple einführen sollte. An der Ostküste der USA in der Führungsetage des CocaCola-Konkurrenten PepsiCo wurden Jobs und Markkula fündig.

    Steve Jobs und John Sculley: Das „Dynamic Duo“

    Apple's Dynamic Duo
    Dynamic Duo (1984)

    „Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?“ Mit diesem berühmt gewordenen Satz überzeugte Steve Jobs 1983 den Pepsi-Manager John Sculley zum Wechsel in die Computer-Industrie und zum Umzug nach Kalifornien. Doch das „Dynamic Duo“ funktionierte nicht lange. Schnell wurde deutlich, dass sich der Apple-Mitbegründer Jobs und der Apple-CEO Sculley in zentralen Fragen wie der Vermarktungsstrategie für den Macintosh nicht einigen konnten. Dessen Anfänge gehen in die Zeit vor dem Börsengang von Apple zurück: Markkula und Scott hatten im April 1979 den begabten Ingenieur Jef Raskin beauftragt, einen „Volkscomputer“ zu konstruieren.

    Raskin stellt das erste Entwickler-Team zusammen und erfand auch den Namen Macintosh, zuerst „McIntosh“ nach seiner Lieblings-Apfelsorte. Weil er aber juristische Schwierigkeiten mit dem gleichnamigen Hersteller von Hifi-Anlagen befürchtete, fügte er später den Buchstaben „a“ ein.

    Der neue Volkscomputer sollte die Abhängigkeit des Unternehmens vom Megaseller Apple II reduzieren. Aber das Projekt kam nur mühsam voran, auch weil Steve Wozniak keine wirklich aktive mehr Rolle spielte. Nach einem Flugzeugabsturz mit seiner Beechcraft Bonanza im Februar 1981 hatte sich Woz weitgehend von Apple zurückgezogen.

    Zum großen Ärger von Raskin war es dann Steve Jobs, der in dieser Phase bei Apple auch technologisch die Richtung vorgab. Dabei war Jobs kein Erfinder, Ingenieur oder Programmierer. Jobs konnte aber die Tragweite von neuen technologischen Konzepten viel besser einschätzen als andere.

    Wie Steve Jobs sich im Forschungszentrum Xerox PARC inspirieren ließ

    Sein Meisterstück beim Technologie-Scouting legte Steve Jobs im Fall Xerox PARC ab – obwohl auch hier die ersten Impulse von Raskin kamen. Raskin hat nach eigenem Bekunden das legendäre kalifornische Forschungszentrum im benachbarten Palo Alto bereits 1976 besucht und versuchte danach, die beiden Apple-Gründer Jobs und Wozniak ebenfalls zu einem Besuch zu bewegen. Jobs habe das aber zunächst abgelehnt, weil er sich nicht habe vorstellen können, dass eine größere Firma überhaupt in der Lage sein kann, irgendwelche interessanten Dinge zu entwickeln. Doch 1979 war es soweit. Auf Drängen von Raskin besuchte Jobs mit einem kleinen Team von Apple-Entwicklern Xerox PARC und konnte dort einen Blick in die Zukunft werfen: „Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: die grafische Bedienoberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was mir je in meinem Leben unter die Augen gekommen ist“, sagte Jobs 1995 in einem TV-Interview.

    Steve Jobs hatte im Xerox PARC das Licht gesehen. Nun wollte er auch bei Apple einen Computer bauen, der kinderleicht zu bedienen war. Den Eintritt ins Forschungszentrum PARC hatte sich Apple durch einen Aktiendeal erkauft, der den bornierten Xerox-Managern an der Ostküste lukrativ erschien: Xerox durfte noch vor dem Börsengang von Apple 100 000 Aktien des Start-up-Unternehmens für eine Millionen Dollar kaufen. Kurzfristig hatte sich dieser Deal gelohnt, denn die Anteile waren nun bereits 17,6 Millionen Dollar wert. Langfristig verspielte Xerox jedoch die Chance, die Bedeutung eines Branchenriesen wie Microsoft oder IBM zu erlangen, weil die Arbeit ihrer Forscher in Kalifornien hausintern ignoriert wurde.

    Xerox PARC

    John Warnock: „Im Xerox PARC gab es hundertprozentige intellektuelle Freiheit“

    Larry Tesler, der damals als Xerox-Angestellter an der Vorführung der GUI für die bunte Apple-Truppe teilnahm, war von den Besuchern fasziniert, die wie Hippies aussahen: „Nach einer Stunde verstanden sie die Technologie unserer Demos und was sie bedeuteten besser als jeder Xerox-Manager nach all den Jahren, in denen wir sie ihnen gezeigt hatten.“ Steve Jobs sah das ähnlich: „Innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden.“

    Ausschnitt aus der TV-Doku „Triumph of the Nerds“

    Steve Jobs sollte recht behalten. Als den Xerox-Managern zehn Jahre später dämmerte, dass sie Apple das geistige Eigentum ihrer Forscher im PARC für kleines Geld auf dem Silbertablett serviert hatten, zogen sie vor Gericht. Im Dezember 1989 verklagte Xerox Apple Computer und verlangte 150 Millionen Dollar Schadensersatz. In der Sache wurde vor Gericht aber gar nicht mehr verhandelt, weil mögliche Ansprüche von Xerox inzwischen verjährt waren. Den ersten Versuch, die grafische Bedienoberfläche auf dem Massenmarkt einzuführen, unternahm Apple 1983 mit dem Modell Lisa. In Anzeigen wurde der Rechner mit der bemerkenswerten Software als „Maserati für Ihr Gehirn“ beworben. Der Geschäftserfolg blieb allerdings aus. Der Preis von 10 000 Dollar war viel zu hoch, um die vielen Interessenten in Scharen tatsächlich zum Kauf zu bewegen.

    Der Besuch im Xerox PARC im Film „Pirates of Silicon Valley (1999)“

    Weiterlesen – Teil 5 – Die Macintosh-Piraten

  • Steve Jobs (6): Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

    Steve Jobs (5) – Die Macintosh-Piraten

    Der schwierige Start des Apple Macintosh

    Mit dem Macintosh hatte Steve Jobs einen neuen Meilenstein der Computer-Entwicklung gesetzt. Doch Apple musste zunächst eine lange Durststrecke überwinden, um den kommerziellen Durchbruch zu schaffen. Das lag auch daran, dass das erste Mac-Modell mit 128 Kilobyte Hauptspeicher deutlich zu knapp ausgestattet war. Apple-Fellow Alan Kay beschrieb den Mac damals als einen „Honda mit einem Ein-Gallonen-Tank“. Außerdem fehlten damals noch die Anwendungen wie Aldus Pagemaker oder Peripheriegeräte wie der Laserdrucker, mit denen man später die Stärken der Mac-GUI im Desktop Publishing nutzen konnte.

    Im April 1985 eskalierte der Konflikt. In einem zweitägigen Marathon-Meeting verlangte Sculley, Jobs den Posten des Apple Vice President und General Managers der Macintosh-Abteilung zu entziehen.

    John Sculley sieht rückblickend diese Krise so: „Es war wirklich nicht die Schuld von Steve Jobs. Es ging nur um Moores Gesetz. Das Mooresche Gesetz ist ein sehr vorhersehbares, beständiges Gesetz, das besagt, dass sich alle etwa 12 bis 18 Monate die Anzahl der Transistoren verdoppelt. Und damit verdoppelt sich die Leistung eines Computers. Und die Realität war, dass der Macintosh Office einfach nicht leistungsfähig genug war. Das hatte nichts mit Apple zu tun. Es hatte mit dem Stand zu tun, in dem sich die Mikroprozessor-Technologie befand. Der Mac konnte einfach nicht sehr viel tun. Er wurde als Spielzeug bezeichnet. Er wurde auf dem Markt lächerlich gemacht.

    Steve Jobs sei zu ihm gekommen und habe gesagte: „Ich möchte den Preis des Macintosh senken und ich möchte die Werbung verlagern, einen großen Teil davon weg vom Apple II hin zum Mac.“

    Sculleys Antwort lautete: „Steve. Es wird keinen Unterschied machen. Der Grund, warum sich der Mac nicht verkauft, hat nichts mit dem Preis oder mit der Werbung zu tun. Wenn du das tust, riskieren wir, die Firma in die Verlustzone zu stürzen“. Jobs war völlig anderer Meinung als Sculley. Der Ehemalige Pepsi-Manager sagte: „Nun, ich werde zum Vorstand gehen“ und worauf er antwortete: „Ich glaube nicht, dass Du das tun wirst.“

    Hier hatte Jobs aber Sculley unterschätzt. „Und so gingen wir zum Vorstand. Und jeder von uns präsentierte seinen Fall vor dem Vorstand. Sie trafen sich mit jedem von uns einzeln. Und dann beauftragten sie den stellvertretenden Vorsitzenden, den dritten Mitbegründer von Apple, Mike Markkula, loszugehen und die Frage zu untersuchen und mit verschiedenen Führungskräften und Ingenieuren zu sprechen.“ Nach gut einer Woche kam Markkula zurück zum Vorstand und sagte: „Ich stimme John zu. Ich stimme nicht mit Steve überein.“

    John Sculley erzählt, wie es zum Bruch mit Steve Jobs kam und welchen großen Fehler er sich selbst nicht verzeihen kann

    Steve Jobs verliert den Showdown und verlässt Apple

    'Der Fall des Wunderkindes' auf dem Titel von Newsweek
    ‚Der Fall des Wunderkindes‘ auf dem Titel von Newsweek

    Ende Mai 1985 verlor Jobs seine Verantwortlichkeiten und wurde auf den Chairman-Posten abgeschoben. Im September 1985 verließ der Apple-Mitbegründer mit einer Handvoll Leute das Unternehmen, um NeXT Computer zu begründen. „Ich bin erst 30 Jahre alt und möchte noch etwas leisten und erreichen“, schrieb Jobs zum Abschied an Mike Markkula.

    Die Reaktionen der Apple-Beschäftigten auf den De-facto-Rauswurf offenbarten beide Seiten des Steve Jobs: Andy Hertzfeld, einer der Väter des Macintosh, trauerte Jobs offen hinterher, obwohl auch er von ihm mit rüden Methoden angetrieben worden war: „Apple hat damals seine Seele verloren“, sagte der Software-Entwickler, der nach dem Weggang von Jobs Apple verließ und zuletzt mit dem Design von Google+ Schlagzeilen machte. Larry Tesler, der von Xerox zu Apple gekommen war, sprach aber auch die dunkle Seite des Mitbegründers offen an: „Jeder war an irgendeinem Punkt von Steve Jobs terrorisiert worden. So waren manche erleichtert, dass der Terrorist gegangen war.“

    Bei der Entwicklung des Macintosh hatte sich Jobs um jedes noch so winzige Detail gekümmert und war seinen Mitarbeiten mit seiner Kompromisslosigkeit immer wieder auf die Nerven gegangen. Dem Pixar-Management ließ er hingegen große Freiheiten. Doch dieser Spielraum zahlte sich zunächst nicht aus. Das eigentliche Kernprodukt, der Pixar Image Computer zur Animation von Filmsequenzen, verkaufte sich nur schleppend. Dafür sammelten die Kurzfilme des genialen Pixar-Angestellten John Lasseter auf Filmfestivals einen Preis nach dem anderen ein, obwohl die Streifen eigentlich nur als Demos für die Leistungsfähigkeit der Pixar-Hardware gedacht waren. Deshalb fokussierte sich Pixar Anfang der neunziger Jahre auf die Filme selbst, nicht mehr auf die Hardware.

    Steve Jobs wird mit „Toy Story“ zum Milliardär

    Der Durchbruch gelang Lasseters Mannschaft mit dem computeranimierten Zeichentrickfilm „Toy Story“, den Pixar für Disney produziert hatte. Mit einem Produktionsetat von 30 Millionen Dollar spielte der Film über 360 Millionen an den Kinokassen und in der Zweitvermarktung ein. Kurz nach dem Start von „Toy Story“ am 29. November 1995 ging Pixar an die Börse.

    Steve Jobs, der inzwischen sein Vermögen aus der ersten Apple-Ära durch die ständigen Zuwendungen an NeXT und Pixar fast aufgebraucht hatte, wurde dadurch zum Milliardär. „Andere haben einfach den Istzustand hingenommen“, sagte George Lucas nach dem Tod von Jobs. „Das Magische bei Steve war, dass er bei allem, was er berührt hat, das wahre Potenzial erkannte und bei seiner Vision keine Kompromisse einging.“

    Weiterlesen: Teil 7 – Auf zu neuen Ufern mit NeXT