Schlagwort: Jony Ive

  • Wie Apple sich nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat

    Wie Apple sich nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat

    Am 5. Oktober 2011 hatte Steve Jobs den Kampf gegen sein Krebsleiden verloren. Er wurde nur 56 Jahren alt. Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist die Philosophie von Apple untrennbar mit den Vorstellungen des charismatischen Mitbegründers verbunden. Doch wie würde sich Apple nach dem Tod von Steve Jobs entwickeln? Viele Apple-Fans, aber auch professionelle Beobachter und Geschäftspartner, sahen schwarz für die Zukunft von Apple. Doch in den Monaten vor seinem Tod hatte Steve Jobs mit wichtigen Personalentscheidungen selbst dafür gesorgt, dass Apple nicht nur irgendwie weitermachen, sondern sich zu neuen Höhen aufschwingen konnte.

    Nachfolger Tim Cook

    Die wichtigste Entscheidung, die Steve Jobs wenige Wochen vor seinem Tod getroffen hat, betraf seine eigene Nachfolge. Er übergab das Ruder an Tim Cook, obwohl der Spitzenmanager für das operative Geschäft bislang nicht als charismatische Führungspersönlichkeit aufgefallen war. Seine Berufung als Apple-CEO am 24. August 2011 hatte viele Beobachter verwundert. Cook war zwar – neben Designchef Jony Ive – wohl Jobs‘ wichtigster Vertrauter gewesen. Doch „Tim“, wie ihn alle bei Apple nennen, hatte sich als Logistik- und Produktionsexperte einen Namen gemacht. Er ließ nicht im Ansatz das Charisma erkennen, mit dem Jobs regelmäßig die Massen in seinen Bann gezogen hatte.

    Zu den Skeptikern gehörte damals Larry Ellison, der mit dem Apple-Mitbegründer jahrelang eng befreundet war. Der Chef des Softwareriesen Oracle glaubte, dass Apple ohne Steve Jobs dem Untergang geweiht sei. In einem TV-Interview zog er eine Parallele zum Jahr 1985, als der Apple-Aufsichtsrat Steve Jobs aus der Firma gedrängt hatte. In den folgenden zwölf Jahren wurde Apple so runtergewirtschaftet, dass das Unternehmen 1997 kurz vor der Pleite stand und Jobs als Retter zurückgeholt wurde. „Wir haben Apple ohne Steve Jobs gesehen. Wir haben Apple mit Steve Jobs gesehen. Jetzt werden wir Apple ohne Steve Jobs sehen“, sagte Ellison. „Steve Jobs ist unersetzlich.“

    Doch es kam nach dem Tod von Jobs ganz anders, als Ellison es befürchtet hatte. Apple verkauft so viele Geräte und Dienstleistungen wie noch nie. Im August 2018 ging der iPhone-Hersteller als erster US-Konzern in die Finanzgeschichte ein, der eine Billionen-Dollar-Bewertung an der Börse schaffte. Dieses Jahr waren es bereits 2,5 Billionen.

    Börsenwert Apple Inc. von 2011 bis 2021

    Neben dem Börsenboom hat nach Experten-Einschätzung vor allem die hohe Kundenloyalität zum Aufstieg beigetragen. „Wenn ein neuer Nutzer anfängt, ein Apple-Smartphone zu benutzen, bleibt er in der Regel bei einem Apple-Smartphone“, sagt Jeriel Ong, ein Aktienanalyst der Deutschen Bank.

    Und die Rally ist noch nicht zu Ende. Seit Oktober 2011 hat sich der Aktienkurs splitbereinigt von rund 13 Dollar auf ein Allzeithoch von knapp 150 Dollar gesteigert. Außerdem verwöhnt Cook die Aktionäre regelmäßig mit Dividenden, die Jobs stets abgelehnt hatte. Cook gelang es, mit dem iPhone ständig neue Käufergruppen zu erobern. Außerdem baute er das Angebot von Zusatzgeräten wie der Computer-Uhr Apple Watch oder den AirPods-Ohrhörern aus und platzierte Abo-Dienste wie iCloud und Apple TV+ am Markt. Außerdem gelang es ihm, höhere Preise für seine Produkte zu verlangen, so dass inzwischen ein Großteil der Gewinne der gesamten Branche bei Apple landen.

    Ein großer Präsentator auf der Bühne ist Tim Cook aber auch bis heute nicht. Trotzdem hat er inzwischen eigene Akzente gesetzt, die ihn von seinem Vorgänger deutlich absetzen. Ein Beispiel dafür ist das Thema Umwelt. Steve Jobs lieferte sich 2008 mit Vertretern von Greenpeace noch hitzige Wortgefechte, als die Umweltschützer ihn aufforderten, in den Apple-Produkten auf bromierte Flammschutzmittel zu verzichten. Diese sind unter Umständen giftig, in der Umwelt schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an.

    Unter der Regie von Cook verzichtete Apple nicht nur auf die umstrittenen Flammschutzmittel, sondern auch auf alle anderen Umweltgifte in der Produktion. Außerdem stellte er den Konzern komplett auf erneuerbare Energie um. Dieses ambitionierte Projekt soll nun auch auf die komplette Lieferkette ausgedehnt werden. Diese Veränderung wurde auch von Greenpeace registriert. „Seit Tim Cook die Leitung von Apple übernommen hat, hat er den Umweltschutz zu einem wichtigen Bestandteil der Identität des Unternehmens gemacht“, erklärte die Organisation 2017 bei der Veröffentlichung eines Reports zu Umweltstandards bei Elektronikherstellern.

    In der Politik setzt sich Cook offen für die Rechte von Minderheiten und Personen mit LGBTQ+-Hintergrund ein – er ist selbst ein schwuler Mann. Zudem legt er bei Apple Wert auf die Verfolgung einer Datenschutzstrategie, selbst wenn die zuletzt Risse bekommen hatte.

    Doch was ist mit den Innovationen, die Steve Jobs Apple brachte? Den Mac, das iPhone, das iPad? Hat der Konzern noch so viel Kraft, die Branche umzukrempeln? Die Apple Watch, das erste wirklich neue Produkt unter Cook, hat sich am Markt durchgesetzt, hängt aber am Tropf des iPhone. Bei den Macs ist man zu ARM gewechselt und hat sie wieder richtig flott gemacht. Am Apple Car“ bastelt der Konzern ebenso noch wie an einer Augmented-Reality-Brille. Solche AR-Technik hält Cook für etwas, was unsere Welt verändern könnte, doch müsste sie dazu endlich fertig werden.

    Jobs‘ wichtigster Partner bei Apple, Jony Ive, hat sich zu seinem Todestag mit einem rührenden Brief im Wall Street Journal zurückgemeldet. Am meisten vermisse er die Art, wie Steve Jobs gedacht habe, er sei ständig auf alles neugierig gewesen, habe auch gewusst, wie wichtig gemeinsames Schweigen und Zuhören ist. „Nachdem er gestorben war, ging ich in den Garten. Ich erinnere mich an den Klang der Verriegelung der Holztür, als ich sie sanft geschlossen habe.“ Jobs habe sich immer, wenn er nicht denken konnte, beschwert: „So wie ich mich über meine Knie beschwere.“

    Tim Cook meldete sich zum 10. Todestag von Steve Jobs auf Twitter zu Wort und zitierte dort Steve Jobs: „Menschen mit Leidenschaft können die Welt zum Besseren verändern.“ Und dann schrieb Cook: „Kaum zu glauben, dass es 10 Jahre her ist. Wir feiern Dich heute und immer.“

    https://rumble.com/v595lsc-apple-celebrates-steve-jobs.html
  • Apple Macintosh – Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

    Apple Macintosh – Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

    Apple stand 1997 kurz vor dem Konkurs und musste den geschassten Firmengründer Steve Jobs als Retter holen.

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    Teil 5

    Rund zwölf Jahre nach seinem Rauswurf bei Apple kehrte Steve Jobs in das von ihm mitbegründete Unternehmen zurück. Im Februar 1997 übernahm Apple für 429 Millionen Dollar NeXT Inc. hauptsächlich wegen NeXTstep inklusive aller Entwickler – und holte Jobs als Berater in das Unternehmen zurück. Sieben Monate später, am 16. September 1997, saß Steve Jobs endlich im Chefsessel des von ihm einst mitbegründeten Unternehmens, nachdem Amelio vom Apple-Board gefeuert worden war.

    Man darf es als Glücksfall werten, dass Jobs auf den völlig frustrierten britischen Apple-Designchef Jony Ive aufmerksam wurde. Ive wollte eigentlich das Unternehmen schon verlassen, weil seine vorherigen Chefs kein Gespür für Design hatten. Doch Jobs überredete ihn zum Bleiben.

    Jony Ive
    Jony Ive

    Der erste große gemeinsame Wurf von Jobs und Ive war der iMac, dessen öffentliche Präsentation am 6. Mai 1998 so sorgfältig geplant wurde wie die Vorstellung des ersten Apple Macintosh 14 Jahre zuvor. Jony Ive hatte mit dem halbdurchscheinenden Gehäuse aus Polycarbonat ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt. Und auch technisch setzte Apple neue Akzente. So suchte man in dem iMac ein Diskettenlaufwerk ebenso vergeblich wie die damals üblichen seriellen Anschlüsse für Drucker oder Modems. Stattdessen hatte sich Apple für die noch sehr wenig verbreitete USB-Schnittstelle entschieden und dem iMac ein CD-ROM-Laufwerk spendiert. Weiterhin gab es eine Ethernet-Netzwerkbuchse sowie eine Modem-Buchse, die lediglich mit dem Telefonkabel verbunden werden musste.

    iMac (1998)
    iMac (1998)

    Auf der Bühne des De Anza Community College in Cupertino, wo 1984 auch die Premiere des ersten Macintosh stattgefunden hatte, konnte Steve Jobs demonstrieren, wie einfach es ist, den iMac auszupacken, in Betrieb zu nehmen und ins Internet zu bringen.

    Der Apple-CEO nutzte die Präsentation des ersten iMacs auch zur Verkündung der neuen Produkt-Strategie im Computer-Segment. Statt einer unübersichtlichen Palette verschiedenster Mac-Modelle, die zum Teil nur schwierig voneinander abzugrenzen waren, ordnete Jobs die Apple-Rechner in eine einfache Matrix von nur noch vier Feldern: Desktop und Portable jeweils in den Varianten Consumer und Pro. Mit dem Power Mac G3 hatte Apple schon im November 1997 den Pro-Desktop präsentiert.

    Das reduzierte Mac-Sortiment unter Steve Jobs
    Das reduzierte Mac-Sortiment unter Steve Jobs

    Parallel zum iMac erlebte nun das PowerBook G3 als der neue Profi-Laptop seine Premiere. Und der iMac füllte das Feld Desktop/Consumer. Im Sommer 1999 komplettierte Apple dann das Vierer-Feld mit dem iBook G3 als Consumer-Notebook.

    Steve Jobs präsentiert das erste iBook (2001) - Foto: John G. Mabanglo/EPA
    Steve Jobs präsentiert ein neues iBook (2001) – Foto: John G. Mabanglo/EPA

    Der erste iMac kam im August 1998 zum Preis von 1299 Dollar (2024 inflationsbereinigt knapp 2450 Dollar) auf den Markt und erwies sich trotz des technisch betagten System 8.1 als Verkaufsknüller. Allein in den ersten sechs Wochen wurden 278.000 Geräte verkauft. Ende 1998 waren es 800.000 – so schnell hatte sich noch nie ein Macintosh verkauft. Und Apple konnte mit dem iMac nicht nur alte Fans begeistern. Jeder dritte Käufer war ein Einsteiger, der noch nie zuvor einen PC besessen hatte, und 12 Prozent der Kunden stiegen aus dem Windows-Lager um.

    Das iBook war dann quasi der „iMac zum Mitnehmen“. Hier setzte Jony Ive eine durchaus kontrovers diskutierte modische Duftmarke: Die iBooks im schwungvoll gestalteten Polycarbonat-Gehäuse gab es in den Kombinationen „Tangerine“ (Orange) und „Blueberry“ (Türkisblau) mit Weiß. Später kamen die Farbkombinationen „Graphite“, „Indigo“ und „Key Lime“ dazu. Wegen seines Tragegriffs bekam das iBook wenig schmeichelhafte Spitznamen wie „Barbie-Handtasche“ oder „Klodeckel“.

    iBook-Trio (1998)
    Buntes iBook-Trio (1998)

    Bei der Bewertung der Technik gab es weniger Kontroversen: So punkteten die iBooks mit einem ausgeklügelten Energie-Management, das Akkulaufzeiten von bis zu sechs Stunden ermöglichte und das iBook automatisch in den Schlafmodus übergehen ließ, wenn der Anwender den Deckel zuklappte. Beides war revolutionär. Auch bei der Grafik konnte das iBook gegenüber den Windows-Konkurrenten von Toshiba und IBM überzeugen: Statt des bei einfachen Laptops üblichen Passivmatrixbildschirms war das iBook mit einem hochwertigen TFT-Display mit 800×600 Pixeln Auflösung ausgestattet.

    Mit dem iMac und den iBooks verblüfften Jobs und Ive jedenfalls gestandene Pioniere der Computerbranche. Nur Bill Gates, damals noch Microsoft-Chef, tat die neuen Macs als flüchtige Modeerscheinung ab. „Es gibt nun eine Sache, die Apple nun erreicht hat: die Führungsposition bei den Farben“, spottete Gates. Die Absatzzahlen gaben der neuen Apple-Führung aber Recht.

    Steve Jobs und Jony Ive feierten in dieser Phase aber nicht nur Triumphe, sondern mussten auch Rückschläge einstecken – auch weil beide ihren Designeifer übertrieben. Im Juli 2000 stellte Jobs auf der Macworld im heißen New York den Power Mac G4 Cube vor. Dieser Würfelrechner aus Acryl erschien wie eine verkleinerte Neuauflage des NeXT Cube, den Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple hatte konstruieren lassen. Mit einer kaminähnlichen Konstruktion des Innengehäuses, durch die die erwärmte Luft nach oben abzog, konnte auf einen aktiven Lüfter verzichtet werden – obwohl im Innern ein mit bis zu 450 MHz getakteter PowerPC-Prozessor G4 für ordentlich Hitze sorgte.

    Power Mac G4 Cube (2000)
    Power Mac G4 Cube (2000)

    Jony Ive war es gelungen, die ästhetischen Vorstellungen seines Chefs perfekt umzusetzen, sodass der Würfel es schnell in das Museum of Modern Art schaffte. Auch die technischen Daten des schnellen Cubes wussten zu überzeugen. Dennoch geriet der G4 zum Flop. Mit einem Preis von 1.799 Dollar (3200 Dollar inflationsbereinigt im Januar 2024) war er vielen Apple-Kunden zu teuer. „Echte Schreibtischarbeiter wollten keine Skulptur, sondern ein Arbeitsgerät, und auf dem Massenmarkt ließ sich der gegenüber Rechnern mit vergleichbarer Leistung doppelt so hohe Preis nicht durchsetzen“, lautet das Fazit von Jobs-Biograf Walter Isaacson.

    Eigentlich hatte Apple geplant, 200.000 G4 Cubes im Quartal absetzen zu können. Doch der Würfel erreichte im ersten Vierteljahr nur die Hälfte. Später sackte der Quartalsverkauf auf 30.000 Stück ab, so dass der Design-Rechner im Sommer 2001 schon wieder aus dem Programm genommen wurde.

    Weiterlesen: Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Steve Jobs (8): Der Neustart von Apple

    Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

     

    Hilfe vom Erzfeind

    "Bill, thank you" - Steve Jobs on the cover of Time Magazine
    „Bill, thank you“ – Steve Jobs auf dem Cover des Time Magazines

    Die von Steve Jobs eingeleitete Wende hatte radikale Auswirkungen. Er räumte im Apple-Management brutal auf, reduzierte die Produktpalette dramatisch, killte das ambitionierte Newton-Projekt von John Sculley, kündigte die Vereinbarungen mit den Herstellern von Macintosh-Clones und holte ausgerechnet seinen Widersacher Bill Gates als Retter an Bord. Auf der MacWorld Expo in Boston 1997 verkündete der Microsoft-Chef auf einer riesigen Video-Leinwand, dass der weltgrößte Software-Konzern Apple-Aktien im Wert von 150 Millionen Dollar kaufen und die Entwicklung des Office-Pakets für den Mac fortsetzen werde. Die Apple-Fangemeinde war entsetzt und buhte Jobs und Gates lautstark aus. Doch Jobs blieb bei seinem Kurs: „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Microsoft verlieren muss, damit Apple gewinnen kann.“ In den Reihen der Apple-Mitarbeiter entfernte Jobs nun diejenigen, die er für Versager und Abzocker hielt, die das Unternehmen an den Rand der Pleite gebracht hatten. Aber nicht alle traf der Zorn des iCEO: „Es gab viele, die mir glaubwürdig versicherten, dass sie (in Anspielung auf das alte Apple-Logo) in sechs Farben bluten“, sagte der Apple-Chef 13 Jahre später rückblickend auf der Konferenz AllThingsD. Zu den frustrierten und unentdeckten Genies in der Apple-Belegschaft gehörte damals der junge Designer Jony Ive. „Er hatte die Nase voll davon, dass die Firma sich vor allem mit Profitmaximierung beschäftigte anstatt mit Produktdesign“,

    schreibt Walter Isaacson in der autorisierten Steve-Jobs-Biografie. Der damals 30 Jahre alte Brite sagte: „Ich erinnere mich sehr genau daran, wie Steve verkündete, dass unser Ziel nicht allein darin bestehe, Geld zu verdienen, sondern darin, tolle Produkte herzustellen“. Ive arbeitete bereits seit 1992 bei Apple, war von den Apple-Bossen Sculley, Spindler und Amelio aber ignoriert worden.

    Weniger ist mehr

    Mit Ive zogen Ideen des deutschen Industriedesigners Dieter Rams bei Apple ein, der maßgeblich die Formensprache beim Elektrogerätehersteller Braun entwickelt hatte. „Weniger ist mehr“ – der Grundsatz von Rams wurde nun auch zum gestalterischen Credo von Jony Ive und Steve Jobs. Ive verwandelte mit dem ersten iMac G3 die typische beigefarbene PC-Kiste in ein halbdurchsichtiges, bonbonförmiges Lifestyle-Bekenntnis. Mit den PowerBooks aus Titan und Aluminium huldigte Ive seinem Vorbild Rams, der bereits 1963 für den legendären Weltempfänger T1000 ein ähnlich aussehendes Alugehäuse entworfen hatte. Und im ersten iPhone fand sich im Jahr 2007 eine in Software gegossene Kopie des Taschenrechners ET44, den Rams 20 Jahre zuvor für Braun gestaltet hatte.

    Bildergalerie: Design-Vorbild Braun

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    Steve Jobs fasste die geistige Grundlage für das neue Design-Grundgesetz bei Apple 1998 so zusammen: „Einfach kann schwerer als komplex sein: Man muss hart arbeiten, um das eigene Denken so sauber zu bekommen, damit man es einfach machen kann. Aber schließlich lohnt es sich, weil man Berge versetzen kann, wenn man erst mal dahin gelangt.“ Und es ging ihm nicht um billige Mode-Effekte. „Mode ist, was jetzt schön erscheint und später hässlich aussieht“, sagte Jobs seiner leiblichen Schwester Mona. „Kunst kann zunächst hässlich aussehen, wird später aber schön.“

    Doch nicht nur äußerlich sahen die Apple-Rechner nun anders aus. Auch die Software der Macs erhielt ein neues Fundament. Im September 2000 kam die erste öffentliche Betaversion des neuen Betriebssystems Mac OS X heraus, das auf der NeXTStep-Software beruhte. Über den Unix-Kern stülpten die Apple-Designer die neue Bedienoberfläche Aqua. Sie war dem Design des iMac G3 nachempfunden und von transparenten Menüs, hellen Nadelstreif-Mustern und riesigen Icons geprägt. Das Mac OS X wurde in den vergangenen elf Jahren immer wieder verbessert und ausgebaut und liegt nun in der Version 10.7 „Lion“ vor. Aus Mac OS X wurde auch das Mobilsystem iOS für iPhone, iPod touch und iPad abgeleitet. Mit einem neuen Betriebssystem alleine hätte Apple vermutlich die Wende nicht geschafft. Es fehlte eine Suite von Multimedia-Programmen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Dabei griff Steve Jobs auf Hilfe aus Deutschland zurück und übernahm im April 2000 das kleine Karlsruher Software-Unternehmen Astarte. Die Truppe um Freddie Geier sorgte auch dafür, dass Apple ohne größeren Schaden aus einer Sammelklage enttäuschter OS-9Kunden herauskam, die einen funktionierenden DVD-Player vermissten. Noch Jahre später berichteten Mitglieder aus dem Astarte-Team, wie faszinierend und anstrengend zugleich die Zusammenarbeit mit Jobs war. „Er kannte jedes Detail. Und fast jedes Mal, wenn er mal wieder unsere Vorschläge auseinandergenommen und eigene Ideen präsentiert hatte, dachte ich, verdammt, darauf hätte ich auch kommen können“, sagt Geier.

    Die iPod-Revolution

    Mit der Gründung und Rettung von Apple und dem Macintosh alleine hätte sich Steve Jobs schon einen prominenten Platz in der Computer-Geschichte verdient. Doch seine wegweisenden Entwicklungen reichten weit über die Welt der Personal Computer hinaus. Mitte Oktober 2001 erhielt ein ausgesuchter Kreis von Technikjournalisten in den USA eine Einladung zu einem Event auf dem Firmen-Campus in Cupertino, auf dem ein „wegweisendes Digitalgerät“ vorgestellt werden sollte. „Hinweis: Es ist kein Mac.“ Jobs hatte gerufen, um den ersten iPod vorzustellen, an dem er mit seinem Team über ein Jahr lang gearbeitet hatte. Sechs Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befanden sich die Menschen in den USA noch in einem Schockzustand.

    Kein Wunder, dass die Präsentation des ersten iPod damals in der Öffentlichkeit zunächst kaum Beachtung fand. Nur wenige hatten damals die Vorstellungskraft, dass ein Gerät, etwas kleiner als eine Zigarettenschachtel mit einer eingebauten Festplatte, einem Klickrad und der dazugehörigen iTunes-Software, die gesamte Musikindustrie auf den Kopf stellen könnte. Als der iPod einige Zeit später auch mit Windows-Rechnern zusammenarbeitete, sah man die weißen Apple-Kopfhörer immer häufiger in der Öffentlichkeit.

    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek
    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek

    Jobs ging es aber nicht allein um ein portables Gerät, auf das man seine Musiksammlung für unterwegs überspielen konnte. Dem Musikliebhaber und Bob-Dylan-Fan war klar, dass illegale Filesharing-Dienste wie Napster und Kazaa die Musikindustrie zugrunde richteten – insbesondere weil es kaum legale Alternativen zum bequemen Download der Songs gab. Daher pilgerte er zu Stars wie Bono von U2 und sprach bei den Verantwortlichen der Musikindustrie wie Paul Vidich, dem Chef von AOL Time Warner, vor. Sie sollten ihm die Lizenzen für den digitalen Musikvertrieb geben und ein möglichst einfaches Preismodell („99 Cent pro Song“) ermöglichen.

    Nach langem Zögern gaben die Plattenbosse nach. Viele Manager in der Musik- und Filmindustrie haben bis heute nicht verstanden, dass Jobs der Retter und nicht der Totengräber der Branche war – auch wenn die Erlöse via iTunes nicht alle Verluste aus dem verloren gegangenen Schallplatten-, CDoder DVD-Geschäft kompensieren konnten. Mit dem iPod und iTunes veränderte Steve Jobs die Gesetze der Musikindustrie und von Hollywood für immer und baute die Erlösbasis für Apple signifikant aus. Besonders freute ihn, dass er noch zu seinen Lebzeiten den juristischen Konflikt mit dem Musiklabel Apple Records lösen und die von ihm so geliebten Beatles in den iTunes-Katalog aufnehmen konnte.

    The Beatles in iTunes
    The Beatles in iTunes

    Weiterlesen: Teil 9 – Megaerfolg mit iPhone

  • Steve Jobs (10) – Der Kampf gegen den Krebs

    Steve Jobs (9) – Megaerfolg mit iPod und iPad

    Zur Präsentation des ersten iPhones im Januar 2007 hatte Steve Jobs die ersten Stationen seiner persönlichen Leidensgeschichte schon hinter sich gebracht. Im Oktober 2003 erfuhr er von seiner Krebserkrankung, die er zunächst fast neuen Monate lang ohne die Methoden der klassischen Schulmedizin bekämpfen wollte. Ende Juli 2004 unterzog er sich aber doch einer Operation, bei der ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt wurde.

    Während Jobs dann im Sommer 2007 zum Verkaufsstart des ersten iPhones wieder ziemlich fit aussah, trat er ein Jahr später zur Entwicklerkonferenz WWDC 2008 deutlich abgemagert auf. Anfang 2009 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und unterzog sich einer Lebertransplantation. Er kehrte dann noch zwei Mal auf die Bühne zurück, um das erste iPad und das iPad 2 zu präsentieren.

    Es muss ein Triumph für Jobs gewesen sein, dass es Apple unter seiner Führung gelang, die digitale Schiefertafel als neue Gerätekategorie am Markt zu etablieren. Sein alter Widersacher Bill Gates hatte auf Messen wie der CES in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Tablet-Computer präsentiert, die aber so kompliziert zu bedienen, teuer und fehlerhaft waren, dass sich kaum Käufer dafür fanden. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt kämpfte Steve Jobs vor dem Stadtrat von Cupertino für eine Baugenehmigung des futuristischen neuen Apple Campus 2, der vom britischen Stararchitekten Norman Foster entworfen wird.

    Apple Campus 2 - © Apple Inc. - Foster + Partners
    Apple Campus 2

     

     

     

     

     

     

     

    Das Vermächtnis

    Mit dem gigantischen kreisrunden Gebäude wird in den kommenden Jahren ein Monument entstehen, wie es das Silicon Valley noch nicht gesehen hat. Doch Steve Jobs ging es nicht nur darum, sein Vermächtnis in Glas, Stahl und Beton für die kommenden Generationen sichtbar zu machen. Das wichtigste „Produkt“, an dem er die vergangenen Jahre gearbeitet hat, ist Apple selbst. Für Freddie Geier, der für Apple in Kalifornien arbeitete und knapp zwei Jahre lang die Geschäfte von Apple Deutschland und Zentraleuropa leitete, war Steve Jobs eine „unendliche Inspirationsquelle, ein Visionär und Genie“. „Er war der Stil-Gott, der Dinge schöner und einfacher machen und Produkten eine Emotion mit auf den Weg geben konnte“. Der Perfektionismus von Jobs sei stets den Produkten zugute gekommen. Er habe es geschafft, unter dem Motto „Think different“ neue Wege einzuschlagen und die Präsentation der geheim gehaltenen Entwicklungen meisterlich zu zelebrieren.

    Jobs war selbst klar, dass es im Unternehmen niemanden gibt, der all diese Aufgaben im Alleingang übernehmen kann. Deshalb stellte er in den vergangenen Jahren ein Managementteam zusammen und verteilte die schwere Last der Nachfolge auf mehrere Schultern: Apple-CEO Tim Cook ist verantwortlich, dass das Unternehmen logistisch funktioniert und Geld verdient.

    Auf der Trauerfeier für Steve Jobs auf dem Apple-Campus in Cupertino strahlte Cook die Souveränität und Autorität aus, die jetzt viele Apple-Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre von ihm erwarten. Jobs habe ihm gesagt, die Apple-Beschäftigten sollten sich künftig nicht fragen, was Steve wohl getan hätte, sagte Tim Cook. „Macht einfach das Richtige.“ Er habe bei Disney gesehen, wie die Firma nach dem Tod des Gründers Walt Disney in die Krise geraten sei. „Alle haben da gesessen und ihre Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken und zu beraten, was Walt tun würde.“

    Die Seele von Apple wird künftig vermutlich vor allem von Jony Ive repräsentiert werden. Der Chef-Designer soll dafür garantieren, dass Apple weiterhin Produkte auf den Markt bringt, die alleine wegen ihres eleganten Aussehens begehrenswert sind. Inzwischen haben sich auch Gerüchte verflüchtigt, der Brite habe Heimweh nach Großbritannien – auch weil er dort seine Zwillingssöhne besser aufgehoben sähe. Sein souveräner Auftritt auf der Trauerfeier, mit dem er sich wohl selbst ein wenig von seinem Übervater Steve Jobs befreite, hat nicht nur die Leute auf dem Campus bewegt.

    Jony Ive wird auch zugetraut, das hohe Niveau des Apple-Designs ohne Wutattacken und ätzende Kritik an den Mitarbeitern zu bewahren.

    Eine Schlüsselrolle im Führungsteam von Apple wird auch der Software-Experte Scott Forstall einnehmen. Steve Jobs holte ihn schon 1992 von der Stanford University zu NeXT. 1997 folgte Forstall seinem Chef mit zu Apple. Inzwischen ist er für die iOS-Plattform zuständig. „Scott ist ähnlich wie Steve ein begnadetes Genie. Auch er ist in jedes Detail verliebt“, sagt ein ehemaliger Apple-Manager. Doch wie Jobs sei auch Forstall im Umgang oft schwierig und pflege eine katastrophale Kommunikationskultur.

    Businessweek Cover
    Businessweek Cover

    Die Bloomberg Businessweek nannte Forstall den „Zauberlehrling“ und zitierte den ehemaligen Apple-Softwareentwickler Mike Lee: „Ich habe Scott mal als Apples Chef-Arschloch bezeichnet. Ich habe das nicht als Kritik gemeint, sondern als Kompliment.“ In diesem Spannungsfeld wird wiederum Tim Cook die Aufgabe zufallen, die Temperamentsausbrüche von Forstall abzumildern und den jüngeren Vorstandskollegen manchmal zur Räson zu rufen.

    Bei der Feinjustage der Aufgaben in der Führungsetage können Cook, Ive, Forstall, aber auch Marketingchef Phil Schiller oder Eddy Cue, der für die iCloud-Produktfamilie bei Apple zuständig ist, auf Hilfe zählen: Ende 2008 warb der schwerkranke Steve Jobs den Management-Professor Joel M. Podolny, Dekan der elitären Yale School of Management, ab, um bei Apple eine hausinterne Universität zu gründen. „Steve sorgte sich um sein Vermächtnis. Die Idee war, das Besondere zu nehmen, was Apple auszeichnet, und ein Forum zu schaffen, das diese DNA an künftige Generationen von Apple-Angestellten vermitteln kann“, sagte ein Mitarbeiter der „Los Angeles Times“. Podolny hatte immerhin knapp drei Jahre Zeit, um Steve Jobs aus unmittelbarer Nähe zu erleben.

    Ob und wie es ihm gelingen wird, die Erfolgsformel des Steve Jobs an die künftigen Manager-Generationen von Apple zu übertragen, wird sich noch herausstellen. „Es gibt eine Menge großartiger Firmen“, schrieb Podolny zum Abschied an seine Yale-Studenten. „Ich kann mir aber kein Unternehmen vorstellen, das eine so unglaubliche persönliche Bedeutung für mich gehabt hat wie Apple.“ Steve Jobs hat seinen Nachfolgern mit auf den Weg gegeben, sich auf ihr eigenes Gespür zu verlassen und nicht auf die Marktforschung. Er zitierte Henry Ford, der gesagt haben soll: „Hätte ich meine Kunden gefragt, was sie haben wollen, hätten sie mir geantwortet: ‚Ein schnelleres Pferd!’“ Die Leute wüssten gar nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt. „Unsere Aufgabe ist es, Dinge zu lesen, die noch gar nicht geschrieben sind.“