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  • Die Geschichte des iPod

    Die Geschichte des iPod

    Anfang der 2000-er Jahre war die Musikindustrie verzweifelt. Die CD-Verkäufe waren im Sinkflug. Im Internet grassierte die Musik-Piraterie mit immer neuen Tauschbörsen. Und eigene Abo-Dienste der Musikverlage im Netz fanden kaum Nutzer wegen komplizierter Bedienung und umständlicher Kopierschutz-Auflagen. Da schlug die Stunde von Apple: Steve Jobs erkannte zum einen, dass die bislang verfügbaren MP3-Player nicht gut zu bedienen waren und nur vergleichsweise wenig Songs speichern konnten. Außerdem gab es keine brauchbare legale Alternative zu den illegalen Download-Angeboten wie Napster. Daher sah das Konzept von Jobs mit dem iPod nicht nur einen Player vor, sondern ein gesamtes Öko-System inklusive Online-Shop.

    iPod 1G
    Der erste iPod (2001)

    Es war ironischerweise ausgerechnet der kleine Marktanteil von Apple, mit dem Steve Jobs die misstrauische Musik-Branche köderte. Schließlich begann damals erst der Siegeszug von Apples iPod-Playern und die Macs machten gerade einmal fünf Prozent des PC-Geschäfts aus: „Wir erklärten, dass der Schaden ziemlich begrenzt wäre, wenn der Store floppt“, erinnerte sich Jobs in seiner Biografie. Er hatte sich zunächst dagegen gewehrt, den iTunes-Store auch Windows-Nutzern zugänglich zu machen – am Ende ebnete der Schritt auf die PC-Plattform den Weg zu Apples Dominanz im Musikmarkt.

    Der Schlüssel war Jobs‘ Meisterleistung, die zerstrittenen großen Musikkonzerne unter ein Dach zu bringen. Kaum jemand hielt das für möglich, der Erfolg schockierte unter anderem Microsoft-Gründer Bill Gates. Die Musik-Manager lernten bei den Verhandlungen den „guten“ und auch den „bösen“ Steve kennen. „Ihnen geht wohl der Arsch auf Grundeis, was?“, fuhr der notorisch raubeinige Apple-Gründer die Industrie-Kapitäne gleich beim ersten Treffen an. Später scheute er dagegen keine Mühe, um die Manager zu umgarnen.

    Jobs war überzeugt, dass das beste Mittel gegen Raubkopien eine einfache und günstige legale Alternative sein musste. Er setzte durch, dass die Songs quer durch die Bank 99 Cent kosteten und auch einzeln heruntergeladen werden durften. Diese Entscheidungen gaben auf Jahre den Ton für die Entwicklung des Musikgeschäfts an. Als Apple schließlich dem Drängen der Musik-Industrie nachgab und flexiblere Preise zwischen 69 Cent und 1,29 Dollar bzw. Euro zuließ, konnte Jobs als Gegenleistung das Ende des Kopierschutzes aushandeln.

    Hier die Entwicklung des iPod in chronologischer Reihenfolge:

    2001
    Jon Rubinstein stellte im Februar 2001 Steve Jobs eine erste, nur 1,8 Zoll messende Festplatte und die Idee eines iPod vor. Steve Jobs antwortete ihm: „Go for it!“. Rubinstein stellte ein Team zusammen, um den iPod zu entwerfen. Dazu gehörten die Hardware-Ingenieure Tony Fadell und Michael Dhuey sowie den Hardware-Designer Jonathan Ive.

    Die ersten Prototypen sahen bewusst völlig anders aus als das ins Auge gefasste Design, um Leaks zu unterbinden.

    Der Player wurde in weniger als einem Jahr entwickelt und am 23. Oktober 2001 als Mac-kompatibles Gerät mit einer 5 Gigabyte-Festplatte vorgestellt („1,000 songs in your pocket.“)

    Präsentation des ersten iPods

    Dass der iPod so einen durchschlagenden Erfolg haben würde, zeichnete sich damals noch nicht ab. Das lag auch daran, dass die Menschen in den USA nur wenige Wochen nach den verheerenden 9/11-Anschlägen schockiert waren, was sich auch auf das Konsumklima auswirkte. Zum anderen sahen etliche Beobachter im iPod nur einen weiteren MP3-Player, einen von vielen. Den Unterschied sollte aber das Bedienungskonzept inklusive der dazugehörigen Software machen. Diese war zunächst nur für den Mac erhältlich, fand ihren Weg aber schnell in die Windows-Welt. In einem gemeinsamen Interview mit Microsoft-Mitbegründer Bill Gates bezeichnete Steve Jobs im Jahr 2007 auf der Konferenz D5 die iTunes-App für Windows als ein „Glas mit Eis-Wasser für jemanden, der in der Hölle schmort“ und hatte damit die Lacher auf seiner Seite:

    Die zum iPod gehörende iTunes-Software basiert weitgehend auf der kommerziellen MP3-Applikation SoundJam MP, die vom Software-Verlag Casady & Greene entwickelt wurde. Letztendlich übernahm Apple die Entwickler mitsamt der Software. Die erste Version von iTunes im Januar 2001 war daher SoundJam MP sehr ähnlich.

    2002
    Am 21. März 2002 wurde ein zweites Modell mit einer Zehn-Gigabyte-Festplatte eingeführt. Am 17. Juli 2002 wurde die zweite Generation der iPods angekündigt. Diese wurden mit einer zehn oder 20 Gigabyte großen Festplatte, einem berührungssensitiven Scrollrad und einer Fernbedienung im Kopfhörerkabel ausgerüstet.

    Die 2. iPod-Generation wurde als getrennte Versionen für Mac und Windows ausgeliefert. Das Gehäuse wurde flacher gestaltet sowie das mechanische Scrollrad durch ein berührungsempfindliches ohne bewegliche Teile ersetzt. Da iTunes für Windows noch nicht existierte, war dem Windows-iPod die MusicMatch Jukebox zum Synchronisieren beigelegt.

    2003
    Die dritte Generation wurde am 28. April 2003 vorgestellt. Diese Generation sollte mit neuem Design, berührungsempfindlichen Tasten, Dock Connector (statt FireWire-Buchse), USB-Anschluss und mit einer Verkleinerung der Akkuladung von 10 auf 8 Stunden Laufzeit auf den Markt kommen, und zwar mit je einer 10, 15 oder 30 Gigabyte großen Festplatte. Ab dem 8. September 2003 waren die iPods der dritten Generation mit 20 und 40 Gigabyte großen Festplatten erhältlich. Im September 2003 wurde der millionste iPod verkauft.

    2004
    Im Januar 2004 wurde der iPod mini angekündigt. Bei diesem Gerät waren Touch Wheel und Tasten erstmals unter einer Oberfläche, dem so genannten Click Wheel, vereint und er war in den Farben Silber, Blau, Grün, Pink und Gold erhältlich. Die Nachfrage nach dem iPod mini war so groß, dass am 17. Februar bereits über 100.000 Vorbestellungen eingegangen waren. Am 20. Februar 2004 begann schließlich die Auslieferung in Amerika, wohingegen der Start für Europa am 25. März auf Juli 2004 verschoben wurde. Am 24. Juli startete man auch in Europa mit dem Verkauf des iPod mini.
    Am 19. Juli 2004 war die vierte Generation des iPod als 20 und 40 GB-Modelle erhältlich. Dabei besaßen diese nun wie der iPod mini ein Click Wheel und die Spieldauer wurde laut Hersteller von acht auf zwölf Stunden erhöht.
    Die ersten Vorbestellungen des iPod photo und des limitierten iPod U2 wurden am 26. Oktober 2004 entgegengenommen. Ersterer hatte erstmals ein Farbdisplay, eine verbesserte Akkudauer von 15 beziehungsweise 5 Stunden bei Musik- respektive Diashow-Wiedergabe. Die U2 Special Edition besaß eine schwarze Front mit einem roten Click Wheel und eine Gravur der Unterschriften der vier Bandmitglieder von U2 auf der Rückseite. Außerdem bekamen Käufer einen Rabatt auf „The Complete U2“ im iTunes Music Store.

    2005
    Am 11. Januar 2005 wurden zwei Modelle des iPod shuffle mit 512 Megabyte bzw. 1024 Megabyte Speicherplatz auf Flash-Speicher-Basis vorgestellt. Sie hatten jeweils 18 Stunden Akkulaufzeit, kein Display und gaben alle eingespeicherten Lieder zufällig wieder.
    Am 23. Februar 2005 erschienen Updates des iPod mini (mit 4 bzw. 6 GB erhältlich, Akkulaufzeit jetzt 18 Stunden), des iPod der 4. Generation (nur mit 20 Gigabyte erhältlich) und des iPod Photo (nun mit 30 bzw. 60 Gigabyte erhältlich). Außerdem wurden für alle Modelle die Preise gesenkt.
    Der iPod Photo war seit dem 28 Juni 2005 nicht mehr erhältlich. Stattdessen wurde der iPod nun mit einem Farbdisplay und Kapazitäten von 20 bzw. 60 GB angeboten. Auch der iPod U2 Special Edition bekam nun ein Farbdisplay. Die Preise für iPod, iPod U2 Special Edition und iPod shuffle 1 GB wurden gesenkt.
    Software-Update zur Unterstützung von Podcasts erschien im Juli (zusammen mit iTunes 4.9, aber nur für iPods der vierten Generation und iPod mini).

    Apple Music Special Event 2005 – Die Präsentation des iPod nano

    Der iPod nano mit 2 und 4 GB Flash-Speicher wurden am 7. September 2005 vorgestellt. iTunes war nun in der Version 5 verfügbar. Die Produktion des iPod mini wurde eingestellt.

    Apple Event San Jose 2005 – Die Präsentation des iPod Video

    Apple präsentierte am 12. Oktober 2005 die fünfte Generation des iPods, der nun erstmals Videos abspielen konnte. Er war in 30 GB und 60 GB und ebenso wie der iPod nano in zwei Farben erhältlich. Der iPod U2 Special Edition wurde nun nicht mehr hergestellt. iTunes war in der Version 6 mit neuer Videofunktion und Videostore erhältlich, in dem (zumindest im amerikanischen ITMS) nun auch Fernsehserien, Musikvideos sowie erfolgreiche Pixar-Kurzfilme zum Verkauf angeboten werden.

    2006
    Apple präsentierte am 10. Januar 2006 das Zubehör iPod Radio Remote für iPod video und nano. Gleichzeitig war eine neue Firmware-Version erschienen, welche die Unterstützung der Fernbedienung gewährleistete und einige Fehler korrigierte.
    Am 7. Februar 2006 reduzierte Apple die Preise der iPod-shuffle-Reihe und führte den iPod nano mit 1 GB ein.
    Am 6. Juni 2006 präsentiert der Hersteller den neuen iPod U2 Special Edition mit 30 GB. Zusätzlich zu den Besonderheiten der ersten Version erhielt der Käufer nun einen Gutschein für 30 Minuten „exklusives U2-Videomaterial“ aus dem iTunes Store.
    Apple präsentierte am 12. September 2006 die zweite Generation des iPod nano, aktualisierte den iPod der fünften Generation und der iPod shuffle bekam ein komplett neues Design. Den iPod gab es nun in einer 30 und einer 80 GB-Version und das Display war nun deutlich heller. Außerdem gab es im neuen iTunes Store nun auch Spiele für den iPod zu kaufen. Den iPod nano gab es nun mit 2, 4 oder 8 GB Speicherkapazität und einem Aluminiumgehäuse in den Farben Silber, Schwarz, Blau, Pink und Grün. Der iPod shuffle war kleiner als die Vorgängergeneration, besaß ein silberfarbenes Aluminiumgehäuse, hatte einen integrierten Clip, mit dem er an der Kleidung befestigt werden konnte, und war nur noch mit 1 GB Speicherkapazität erhältlich.
    Am 13. Oktober stellte Bono von U2 den iPod nano (PRODUCT) RED™ in rot mit 4 GB Speicher vor. Von jedem Verkauf spendete Apple 10 US-$ an die HIV/AIDS-Hilfestiftung Global Funds zur Hilfe in Afrika.
    Die Verschmelzung von Nike mit dem iPod nano begann am 1. November 2006: Das Nike+Paket beinhaltete einen Sensor und einen Adapter für den iPod nano.
    Am 3. November bot Apple den iPod nano (PRODUCT) RED™ nun auch in einer 8 GB-Version an.

    2007
    Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs auf der Macworld das iPhone vor und am 30. Januar bot Apple den iPod shuffle in fünf Farben an: neu waren Pink, Orange, Grün und Blau.
    Am 5. September wurde die komplette iPod-Linie erneuert: Der iPod shuffle war nun als (PRODUCT) RED™ erhältlich, der iPod nano konnte nun Videos abspielen, der iPod wurde zum iPod classic und der iPod touch wurde vorgestellt.

    Apple Music Event 2007 – Die Präsentation des iPod touch

    Das iPhone wurde am 9. November erstmals in Deutschland verkauft, nachdem es in den USA schon seit dem 28. Juni verfügbar war.

    2008:

    Seit dem 21. Januar 2008 ist der iPod nano auch in der Farbe Pink erhältlich. Am 5. Februar 2008 wurde der iPod touch zusätzlich mit 32-GB-Speicher und das iPhone mit 16-GB-Speicher angeboten. Am 19. Februar wurde der iPod shuffle im Preis gesenkt und erhielt eine neue 2-GB-Version. Am 9. September 2008 stellte Apple die vierte Generation des iPod nano, die zweite Generation des iPod touch sowie neue Farbvarianten des iPod shuffle vor. Seit diesem Zeitpunkt gab es den iPod classic in der 120-GB-Version.

    2009:

    Am 11. März 2009 wurde der iPod shuffle der dritten Generation vorgestellt. Er verfügt über eine Speicherkapazität von 2 oder 4 GB, lässt sich ausschließlich über die mitgelieferte Kopfhörerfernbedienung steuern und ist in den Farben Schwarz, Silber, Grün, Hellblau und Pink erhältlich, außerdem gibt es eine Special Edition in Edelstahl. Am 9. September 2009 stellte Apple auf einem Special Event mit dem Titel „It’s only rock and roll, but we like it“ die nächste Generation des iPod nano, des iPod classic und eine Überarbeitung des iPod touch sowie des Programms iTunes 9.0 vor.

    2010:

    Am 1. September 2010 stellte Apple eine neue Generation des iPod nano ohne Kamera und Videofunktion – allerdings mit Multitouch – vor. Des Weiteren wurde der iPod touch in der vierten Generation vorgestellt. Dieser ist dünner und hat zwei Kameras an Vorder- und Rückseite für Videoaufnahmen in HD (720p). Weiterhin ist die Nutzung von FaceTime möglich, das Apple bereits beim iPhone 4 vorgestellt hatte. Er hat ein Gyroskop und Retina-Display, allerdings keinen Blitz. Der iPod shuffle erhielt ein schlankeres Design sowie die bei der vorhergehenden Generation von vielen Kunden vermissten Tasten zurück. Außerdem werden nun Playlists und VoiceOver unterstützt. Weiterhin wurde iTunes in der Version 10 vorgestellt.

    2011:
    Apple stellte am 4. Oktober 2011 eine aktualisierte Version des iPod touch vor, der technisch mit der Vorgängergeneration identisch ist. Er ist nun auch in Weiß erhältlich und wird mit iOS 5 ausgeliefert. Gleichzeitig zeigte man den iPod nano 6G, der durch ein Upgrade eine neue Benutzeroberfläche, neue Uhrendesigns und mehr Fitnessfunktionen besitzt, bei denen sich die letzten erfassten Aktivitäten in Kategorien anzeigen lassen.

    2012:
    Apple stellte am 14. September 2012 eine aktualisierte Version des iPod touch, sowie des iPod nano vor. Der iPod touch hat ein 4?-Retina-Display erhalten, und den A5 Prozessor, der schon im iPhone 4S verwendet worden war. Zum Anderen ist er im Vergleich zu seinem Vorgänger dünner geworden und wird mit iOS 6 ausgeliefert. Der iPod touch ist jetzt in mehreren Farben verfügbar. Der iPod nano hat ein größeres Display erhalten und ähnelt leicht dem iPod touch, läuft jedoch nicht mit iOS.

    Am 9. September 2014 wurde der Verkauf des iPod classic eingestellt.

    Im Juli 2017 wurde der Verkauf des iPod shuffle und iPod nano eingestellt. Damit ist der iPod touch der letzte noch von Apple produzierte iPod.

    Unter Verwendung der Artikel
    Apple iPod. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. Juni 2008, 12:37 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Apple_iPod&oldid=47200961 (Abgerufen: 14. Juni 2008, 20:10 UTC)
    IPod. (2008, June 14). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 20:24, June 14, 2008, from http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=IPod&oldid=219332121
    iTunes. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Juni 2008, 09:32 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=ITunes&oldid=47121153 (Abgerufen: 14. Juni 2008, 20:23 UTC)
    „IPod“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. April 2018, 18:31 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=IPod&oldid=176989786 (Abgerufen: 1. Mai 2018, 16:46 UTC)

    Dieser Beitrag steht insgesamt unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation

  • Die iPod-Revolution

    In dieser TV-Dokumentation von Discovery Science wird gezeigt, wie Apple die Musik als Geschäftsfeld entdeckte, mit externer Hilfe iTunes und den iPod entwickelte und schließlich die Musikindustrie revolutioniert hat.

    https://www.youtube.com/watch?v=FQwzI4kBG1o&t=1s
  • Steve Jobs (8): Der Neustart von Apple

    Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

     

    Hilfe vom Erzfeind

    "Bill, thank you" - Steve Jobs on the cover of Time Magazine
    „Bill, thank you“ – Steve Jobs auf dem Cover des Time Magazines

    Die von Steve Jobs eingeleitete Wende hatte radikale Auswirkungen. Er räumte im Apple-Management brutal auf, reduzierte die Produktpalette dramatisch, killte das ambitionierte Newton-Projekt von John Sculley, kündigte die Vereinbarungen mit den Herstellern von Macintosh-Clones und holte ausgerechnet seinen Widersacher Bill Gates als Retter an Bord. Auf der MacWorld Expo in Boston 1997 verkündete der Microsoft-Chef auf einer riesigen Video-Leinwand, dass der weltgrößte Software-Konzern Apple-Aktien im Wert von 150 Millionen Dollar kaufen und die Entwicklung des Office-Pakets für den Mac fortsetzen werde. Die Apple-Fangemeinde war entsetzt und buhte Jobs und Gates lautstark aus. Doch Jobs blieb bei seinem Kurs: „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Microsoft verlieren muss, damit Apple gewinnen kann.“ In den Reihen der Apple-Mitarbeiter entfernte Jobs nun diejenigen, die er für Versager und Abzocker hielt, die das Unternehmen an den Rand der Pleite gebracht hatten. Aber nicht alle traf der Zorn des iCEO: „Es gab viele, die mir glaubwürdig versicherten, dass sie (in Anspielung auf das alte Apple-Logo) in sechs Farben bluten“, sagte der Apple-Chef 13 Jahre später rückblickend auf der Konferenz AllThingsD. Zu den frustrierten und unentdeckten Genies in der Apple-Belegschaft gehörte damals der junge Designer Jony Ive. „Er hatte die Nase voll davon, dass die Firma sich vor allem mit Profitmaximierung beschäftigte anstatt mit Produktdesign“,

    schreibt Walter Isaacson in der autorisierten Steve-Jobs-Biografie. Der damals 30 Jahre alte Brite sagte: „Ich erinnere mich sehr genau daran, wie Steve verkündete, dass unser Ziel nicht allein darin bestehe, Geld zu verdienen, sondern darin, tolle Produkte herzustellen“. Ive arbeitete bereits seit 1992 bei Apple, war von den Apple-Bossen Sculley, Spindler und Amelio aber ignoriert worden.

    Weniger ist mehr

    Mit Ive zogen Ideen des deutschen Industriedesigners Dieter Rams bei Apple ein, der maßgeblich die Formensprache beim Elektrogerätehersteller Braun entwickelt hatte. „Weniger ist mehr“ – der Grundsatz von Rams wurde nun auch zum gestalterischen Credo von Jony Ive und Steve Jobs. Ive verwandelte mit dem ersten iMac G3 die typische beigefarbene PC-Kiste in ein halbdurchsichtiges, bonbonförmiges Lifestyle-Bekenntnis. Mit den PowerBooks aus Titan und Aluminium huldigte Ive seinem Vorbild Rams, der bereits 1963 für den legendären Weltempfänger T1000 ein ähnlich aussehendes Alugehäuse entworfen hatte. Und im ersten iPhone fand sich im Jahr 2007 eine in Software gegossene Kopie des Taschenrechners ET44, den Rams 20 Jahre zuvor für Braun gestaltet hatte.

    Bildergalerie: Design-Vorbild Braun

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    Steve Jobs fasste die geistige Grundlage für das neue Design-Grundgesetz bei Apple 1998 so zusammen: „Einfach kann schwerer als komplex sein: Man muss hart arbeiten, um das eigene Denken so sauber zu bekommen, damit man es einfach machen kann. Aber schließlich lohnt es sich, weil man Berge versetzen kann, wenn man erst mal dahin gelangt.“ Und es ging ihm nicht um billige Mode-Effekte. „Mode ist, was jetzt schön erscheint und später hässlich aussieht“, sagte Jobs seiner leiblichen Schwester Mona. „Kunst kann zunächst hässlich aussehen, wird später aber schön.“

    Doch nicht nur äußerlich sahen die Apple-Rechner nun anders aus. Auch die Software der Macs erhielt ein neues Fundament. Im September 2000 kam die erste öffentliche Betaversion des neuen Betriebssystems Mac OS X heraus, das auf der NeXTStep-Software beruhte. Über den Unix-Kern stülpten die Apple-Designer die neue Bedienoberfläche Aqua. Sie war dem Design des iMac G3 nachempfunden und von transparenten Menüs, hellen Nadelstreif-Mustern und riesigen Icons geprägt. Das Mac OS X wurde in den vergangenen elf Jahren immer wieder verbessert und ausgebaut und liegt nun in der Version 10.7 „Lion“ vor. Aus Mac OS X wurde auch das Mobilsystem iOS für iPhone, iPod touch und iPad abgeleitet. Mit einem neuen Betriebssystem alleine hätte Apple vermutlich die Wende nicht geschafft. Es fehlte eine Suite von Multimedia-Programmen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Dabei griff Steve Jobs auf Hilfe aus Deutschland zurück und übernahm im April 2000 das kleine Karlsruher Software-Unternehmen Astarte. Die Truppe um Freddie Geier sorgte auch dafür, dass Apple ohne größeren Schaden aus einer Sammelklage enttäuschter OS-9Kunden herauskam, die einen funktionierenden DVD-Player vermissten. Noch Jahre später berichteten Mitglieder aus dem Astarte-Team, wie faszinierend und anstrengend zugleich die Zusammenarbeit mit Jobs war. „Er kannte jedes Detail. Und fast jedes Mal, wenn er mal wieder unsere Vorschläge auseinandergenommen und eigene Ideen präsentiert hatte, dachte ich, verdammt, darauf hätte ich auch kommen können“, sagt Geier.

    Die iPod-Revolution

    Mit der Gründung und Rettung von Apple und dem Macintosh alleine hätte sich Steve Jobs schon einen prominenten Platz in der Computer-Geschichte verdient. Doch seine wegweisenden Entwicklungen reichten weit über die Welt der Personal Computer hinaus. Mitte Oktober 2001 erhielt ein ausgesuchter Kreis von Technikjournalisten in den USA eine Einladung zu einem Event auf dem Firmen-Campus in Cupertino, auf dem ein „wegweisendes Digitalgerät“ vorgestellt werden sollte. „Hinweis: Es ist kein Mac.“ Jobs hatte gerufen, um den ersten iPod vorzustellen, an dem er mit seinem Team über ein Jahr lang gearbeitet hatte. Sechs Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befanden sich die Menschen in den USA noch in einem Schockzustand.

    Kein Wunder, dass die Präsentation des ersten iPod damals in der Öffentlichkeit zunächst kaum Beachtung fand. Nur wenige hatten damals die Vorstellungskraft, dass ein Gerät, etwas kleiner als eine Zigarettenschachtel mit einer eingebauten Festplatte, einem Klickrad und der dazugehörigen iTunes-Software, die gesamte Musikindustrie auf den Kopf stellen könnte. Als der iPod einige Zeit später auch mit Windows-Rechnern zusammenarbeitete, sah man die weißen Apple-Kopfhörer immer häufiger in der Öffentlichkeit.

    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek
    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek

    Jobs ging es aber nicht allein um ein portables Gerät, auf das man seine Musiksammlung für unterwegs überspielen konnte. Dem Musikliebhaber und Bob-Dylan-Fan war klar, dass illegale Filesharing-Dienste wie Napster und Kazaa die Musikindustrie zugrunde richteten – insbesondere weil es kaum legale Alternativen zum bequemen Download der Songs gab. Daher pilgerte er zu Stars wie Bono von U2 und sprach bei den Verantwortlichen der Musikindustrie wie Paul Vidich, dem Chef von AOL Time Warner, vor. Sie sollten ihm die Lizenzen für den digitalen Musikvertrieb geben und ein möglichst einfaches Preismodell („99 Cent pro Song“) ermöglichen.

    Nach langem Zögern gaben die Plattenbosse nach. Viele Manager in der Musik- und Filmindustrie haben bis heute nicht verstanden, dass Jobs der Retter und nicht der Totengräber der Branche war – auch wenn die Erlöse via iTunes nicht alle Verluste aus dem verloren gegangenen Schallplatten-, CDoder DVD-Geschäft kompensieren konnten. Mit dem iPod und iTunes veränderte Steve Jobs die Gesetze der Musikindustrie und von Hollywood für immer und baute die Erlösbasis für Apple signifikant aus. Besonders freute ihn, dass er noch zu seinen Lebzeiten den juristischen Konflikt mit dem Musiklabel Apple Records lösen und die von ihm so geliebten Beatles in den iTunes-Katalog aufnehmen konnte.

    The Beatles in iTunes
    The Beatles in iTunes

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