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  • Steve Jobs Biografie: Visionär, Antreiber & Apple-Gründer (1955–2011)

    Steve Jobs Biografie: Visionär, Antreiber & Apple-Gründer (1955–2011)

    Eine charismatische Ausstrahlung muss Steve Jobs schon als 13 Jahre alter Schüler gehabt haben. Oder war es nur seine Frechheit, mit der er auch später immer wieder Gesprächspartner überrumpeln sollte? Der Achtklässler wollte damals für ein Schulprojekt einen Frequenzzähler bauen und benötigte einige Bauteile dafür. Er sprach keinen Geringeren als Bill Hewlett an, den legendären Mitbegründer des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP). Der Silicon-Valley-Pionier stand in den sechziger Jahren noch im Telefonbuch. Der schlaksige Junge schwatzte dem Konzern-Boss nicht nur die benötigten Bauteile ab, sondern ergatterte auch noch einen Ferienjob bei HP.

    Steve Jobs' Highschool-Foto
    Steve Jobs‘ Highschool-Foto

    Er hielt sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf. Dabei war Steve Jobs das Schicksal des erfolgreichsten Unternehmers Amerikas nicht in die Wiege gelegt worden. „Er war ein Junge, der kein Geld hatte“, erinnert sich sein Freund und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak. „Er hatte nichts außer seinem Verstand. Aber er brachte uns Dinge, die zu einer Herausforderung für uns alle wurde.“

    Paul Otellini, Chef des Chip-Giganten Intel, sagt, ein wahres Genie erkenne man daran, dass mit dem Wirken jede Person auf dem Planeten erreicht werde. „Steve hat das geschafft, und zwar nicht nur einmal, sondern im Laufe seines erstaunlichen Lebens viele, viele Male.“ Im Unterschied zu Industrie-Titanen wie Bill Gates stammte Steve Jobs nicht aus einem wohlhabenden Elternhaus, sondern aus kleinen Verhältnissen.

    Wo stammt Steve Jobs her?

    Steve Jobs with his father Paul Jobs (1958)
    Steve Jobs mit seinem Vater Paul Jobs (1958)

    Steve Jobs wurde am 24. Februar 1955 in San Francisco (Kalifornien) geboren. Seine leiblichen Eltern, der syrische Student Abdulfattah John Jandali und seine amerikanische Freundin Joanne Simpson, gaben ihn nach der Geburt zur Adoption frei. Das damals noch unverheiratete Paar, beide waren 23 und studierten an der Universität Wisconsin, konnte sich 1955 nicht vorstellen, ohne eigenes Einkommen für ein Kind zu sorgen.

    Eigentlich bestanden die beiden darauf, dass ihr Baby bei einer Akademiker-Familie landen solle. Sie sollte sich darum kümmern, dass der Junge später auch auf die Universität gehen kann. Doch die Wunschfamilie bekam in letzter Minute kalte Füße und sagte die Adoption ab. Das Kind landete bei Paul und Clara Jobs. Steves Adoptionseltern waren einfache Leute, sein Vater Automechaniker, seine Mutter Büroangestellte.

    Als Steve fünf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm von San Francisco nach Mountain View, mitten in das boomende Silicon Valley. In der neuen Nachbarschaft erzählte er einem Mädchen, dass er ein Adoptivkind war, berichtet Buchautor Walter Isaacson in seiner Biografie über Steve Jobs: „Soll das heißen, dass dich deine richtigen Eltern nicht gewollt haben?“, erkundigte sich das Mädchen. „Das traf mich wie ein Blitz“, erinnerte sich Jobs. „Ich weiß noch, wie ich ins Haus rannte und weinte.“ Die Eltern sagten dann: „Wir haben speziell dich ausgesucht.“ Diese Schlüsselszene beschrieb schon früh im Leben des Steve Jobs das Spannungsverhältnis zwischen den Begriffen „Verlassen“, „Auserwählt“ und „Speziell“.

    Steve Jobs trifft Steve Wozniak

    Wer weiß, wohin der Lebensweg von Steve Jobs geführt hätte, wenn er in der Schule nicht den begeisterten Elektronikbastler Steve Wozniak getroffen hätte, der vier Klassen über ihm war. Trotz des Altersunterschieds fanden die beiden Steves schnell zusammen. „Es kam mir vor, als hätten wir eine Menge gemeinsam“, erinnerte sich Woz später in seiner Autobiografie. „Normalerweise war es für mich ziemlich schwer, anderen die Dinge zu erklären, an denen ich gerade arbeitete, aber Steve hat es sofort kapiert. Ich mochte ihn. Er war ziemlich dünn und drahtig und voller Energie.“

    Steve Jobs (circled) at Homestead High School Electronics Club
    Steve Jobs (eingekreist) im Homestead High School Electronics Club (1969)

    Als Teenager tummelten sich Jobs und sein älterer Freund in der „Phone-Phreaking-Szene“. Hacker wie „Captain Crunch“ hatten mit Hilfe einer Plastikpfeife aus einer Cornflakes-Packung herausgefunden, wie man mit bestimmten Tönen die Systeme des Telefongiganten AT&T manipulieren konnte, um kostenlose Telefonate zu ermöglichen. Die beiden Steves waren elektrisiert.

    Steve Jobs und Steve Wozniak knacken das Telefon-System

    Wozniak and Jobs Blue Box, ca. 1972.
    Blue Box von Wozniak und Jobs (1972)

    Woz konstruierte aus billigen Elektronik-Teilen und einem kleinen Lautsprecher ein vollgestopftes Kästchen, mit dem man die Tonfolgen viel präziser und eleganter erzeugen konnte als mit der Spielzeug-Pfeife. „Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer“, erinnerte sich Steve Jobs später. „Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.“

    Die Manipulation des Telefonsystems war natürlich illegal. Das hinderte Woz und Jobs nicht daran, Blue Boxes zu bauen und im Bekanntenkreis zu verkaufen. „Zwei Teenager konnten damals für hundert Dollar eine Box bauen und damit eine Infrastruktur kontrollieren, die mehrere hundert Milliarden Dollar wert war, nämlich das gesamte Telefonsystem der Welt. Das war magisch.“ Bei der „Blue-Box“-Episode blitzte zum ersten Mal der Geschäftssinn von Steve Jobs auf. Während Woz vor allem seine Geek-Kumpanen beeindrucken wollte, ging es seinem jüngeren Freund auch ums Geldverdienen und die Erkenntnis, dass man mit einem kleinen Einsatz große Wetten gewinnen kann.

    Steve Wozniak über die frühen Tage mit Steve Jobs und „Blueboxing“

    „Erfahrungen wie diese zeigten uns, welche Macht eine Idee haben kann“, sagte Jobs viele Jahre später der Santa Clara Valley Historical Association. „Wenn wir keine Blue Boxes gebaut hätten, dann hätten wir auch Apple nie gründet.“ 1972 wollte Jobs unbedingt beim Reed College im benachbarten Bundesstaat Oregon studieren, obwohl ihm klar war, dass sich seine Eltern die Hochschulgebühren nicht leisten konnten. „Alle Ersparnisse meiner Arbeiterklasse-Eltern gingen für meine College-Gebühren drauf“, erinnerte sich Steve Jobs im Juni 2005 anlässlich seiner legendären Eröffnungsansprache für das akademische Jahr an der Stanford University. „Sechs Monate später sah ich keinen Wert mehr darin. Ich hatte überhaupt keine Idee, was ich mit meinem Leben anfangen wollte und konnte mir auch nicht vorstellen, wie das College mir dabei helfen sollte, das herauszufinden.“

    Der legendäre Technikjournalist Wall Mossberg (The Verge) über die Rolle von Steve Jobs und Apple

    Weiterlesen – Teil 2 – Steve Jobs: Die Suche nach dem Sinn des Lebens

  • Der 800-Dollar-Fehler: Warum der dritte Apple-Gründer nicht reich wurde

    Der 800-Dollar-Fehler: Warum der dritte Apple-Gründer nicht reich wurde

    Apple wurde am 1. April 1976 von Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gegründet. Sie stammten aus kleinen Verhältnissen und bekamen den geschäftlichen Erfolg nicht in den Schoß gelegt. Um die ersten Modelle des Apple I im Jahr 1976 zu ermöglichen, verkauften Steve Jobs und Steve Wozniak fast buchstäblich ihr letztes Hemd. Jobs setzte seinen VW Bus ein, für den er immerhin noch 1.500 Dollar bekam. „Woz“ trennte sich von seinem geliebten programmierbaren Taschenrechner Hewlett-Packard 65 und legte 250 Dollar in die Firmenkasse.

    Ronald Wayne sollte mit seiner Erfahrung in der Dokumentation bei Atari etwas Ordnung in die junge Firma bringen und erhielt zehn Prozent der Firmenanteile. Als junger Familienvater scheute er aber das finanzielle Risiko und ließ sich bereits am 12. April 1976 wieder auszahlen. Er bekam 800 Dollar für seine Anteile.

    Arte-Kurz-Doku über den „Dritten Mann“ bei der Gründung von Apple

    Das Fundament für den geschäftlichen Erfolg legten 1977 der Venture Capitalist Arthur Rock sowie der Ex-Intel-Manager Mike Markkula, der 92.000 Dollar in Apple investierte und einen Bankkredit in Höhe von 250.000 Dollar absicherte. Das Investment sollte sich lohnen. Bevor Apple 1980 an die Börse ging, gehörte Markkula ein Drittel der Firma. Wayne erhielt noch einmal einen Scheck in Höhe von 1500 Dollar, als Arthur Rock und Mike Markkula bei Apple als Investoren einstiegen. Die Gründung der Apple Computer Inc. ging am 3. Januar 1977 ohne Wayne über die Bühne.

    Steve Jobs und Steve Wozniak bei der Präsentation des Apple II (1977)
    Steve Jobs und Steve Wozniak bei der Präsentation des Apple II (1977)

    Mit dem Börsengang am 12. Dezember 1980 wurden Jobs und Wozniak Multimillionäre, denn Apple Computer wurde nun mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Jobs besaß 7,5 Millionen Aktien (217 Mio. Dollar), „Woz“ wurden vier Millionen Aktien (116 Mio. Dollar) zugeteilt. Markkulas Anteil von sieben Millionen Aktien waren 203 Millionen schwer.

    Steve Jobs über Reichtum: „Ich habe es nie für das Geld getan“

    Steve Jobs bedeutete der neue Reichtum damals wenig: „Mit 23 Jahren besaß ich schon über eine Million Dollar und über zehn Millionen Dollar als ich 24 war und über 100 Millionen Dollar als ich 25 Jahre alt war“, sagte Jobs 1996 in einem Interview mit Robert Cringley („Triumph of the Nerds„). „Und es war nicht so wichtig, weil ich es niemals wegen des Geldes getan habe.“

    I was worth about over a million dollars when I was twenty-three and over ten million dollars when I was twenty-four, and over a hundred million dollars when I was twenty-five and ehm it wasn’t that important ehm because I never did it for the money.

    Steve Jobs im Playboy-Interview
    Steve Jobs im Playboy-Interview

    Auch im berühmten Playboy-Interview (Februar 1985) machte Jobs klar, dass er sein Leben nicht von Thema Geld dominieren lässt:

    PLAYBOY: We survived 1984, and computers did not take over the world, though some people might find that hard to believe. If there’s any one individual who can be either blamed or praised for the proliferation of computers, you, the 29-year-old father of the computer revolution, are the prime contender. It has also made you wealthy beyond dreams—your stock was worth almost a half billion dollars at one point, wasn’t it?

    JOBS: I actually lost $250,000,000 in one year when the stock went down. [Laughs]

    PLAYBOY: You can laugh about it?

    JOBS: I’m not going to let it ruin my life. Isn’t it kind of funny? You know, my main reaction to this money thing is that it’s humorous, all the attention to it, because it’s hardly the most insightful or valuable thing that’s happened to me in the past ten years. But it makes me feel old, sometimes, when I speak at a campus and I find that what students are most in awe of is the fact that I’m a millionaire.
    When I went to school, it was right after the Sixties and before this general wave of practical purposefulness had set in. Now students aren’t even thinking in idealistic terms, or at least nowhere near as much. They certainly are not letting any of the philosophical issues of the day take up too much of their time as they study their business majors. The idealistic wind of the Sixties was still at our backs, though, and most of the people I know who are my age have that ingrained in them forever.

    In der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner (2008) lag Steve Jobs mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 5,4 Milliarden Dollar auf Platz 189. In der Forbes-Liste 2011 landete Jobs mit einem Vermögen von 8,3 Milliarden Dollar auf Platz 110.

    Der Pixar-Deal: Wie Jobs wirklich zum Milliardär wurde

    Die umstrittenen Aktienoptionen von Apple aus dem Jahr 2001 haben aber nur in einem sehr kleinen Umfang zum Wohlstand des Apple-CEO beigetragen.

    Steve Jobs: Eigentümer von Pixar
    Steve Jobs: Eigentümer von Pixar

    Zum Milliardär wurde Steve Jobs vor allem deshalb, weil er nach seinem Rauswurf bei Apple 1985 seine Aktien – bis auf eine – verkaufte und am 3. Februar 1986 fünf Millionen Dollar in die Trickfilm-Abteilung von George Lucas investierte, aus der dann Pixar wurde.

    Jobs steckte die kommenden Jahre weitere Millionen in Pixar, denn der Trickfilm-Spezialist hatte eine lange Durststrecke zu überwinden. Die Hartnäckigkeit von Jobs hat sich für ihn gelohnt: Mit dem Börsengang von Pixar 1995 wurde Jobs zum Milliardär. Und als Pixar 2006 von Disney übernommen wurde, erhielt Jobs für seinen 49-Prozent-Anteil an Pixar einen Anteil von 6,7 Prozent an Disney.

    Die Rückkehr von Steve Jobs zu Apple Computer (MacWorld Expo 1997 in Boston)

    Bei Apple erhielt Jobs zuletzt ein Jahresgehalt von einem Dollar pro Jahr, das zwischendurch durch edle Geschenke wie einen Gulfstream-Jet im Wert von 90 Millionen Dollar aufgestockt wurde.

    Steve Jobs hatte beim Verkauf seines Animationsstudios Pixar an Disney Aktien im Wert von 7,4 Milliarden Dollar bekommen. Das machte ihn zum größten Anteilseigner des weltgrößten Unterhaltungskonzerns und sicherte ihm einen Platz im Disney-Verwaltungsrat. Disney war seitdem der wichtigste Verbündete von Apple in der Medienbranche.

    Laurene Powell Jobs (2012)
    Foto: Gobierno de Chile, CC BY 3.0 cl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22661348

    Am 5. Oktober 2011 starb der Apple-Mitbegründer. Sein milliardenschwerer Disney-Anteil wurde von seiner Witwe Laurene Powell Jobs in eine Stiftung eingebracht.

    Laurene Powell Jobs war Ende 2016 im Besitz von 64,3 Millionen Disney-Aktien, was damals einer 4-prozentigen Beteiligung an der Walt Disney Co entsprach. Das war etwa die Hälfte der 128,3 Millionen Aktien, die Powell Jobs Ende 2015 besaß.

    Powell Jobs hat seit 2016 ihre Anteile an Disney weiter verringert, so dass sie jetzt in der öffentlichen Liste der Top-10-Investoren nicht mehr auftaucht. Forbes schätzte das Vermögen von Lauren Powell Jobs und ihrer Familie im Februar 2019 auf 18,7 Milliarden Dollar.

    Steve Wozniak: Der Erfinder des PCs war kein Finanzgenie

    Steve Wozniak hatte im Umgang mit dem Geld weniger Glück als Steve Jobs. Um sich ein Haus und ein Auto im Wert von zwei Millionen Dollar zu finanzieren, gab Woz noch vor dem Börsengang viele Gründeraktien aus der Hand, die mit dem IPO einen viel höheren Wert hatten. Von dem „WozPlan“ profitierten 80 Apple-Mitarbeiter der ersten Stunde, die beim Optionsprogramm der Firma zunächst leer ausgegangen waren.

    iWoz Cover
    iWoz Cover

    Als Wozniak seine Arbeit bei Apple im April 1981 aufgab, gehörte ihm noch vier Prozent der Apple-Aktien, die damals 70 Millionen Dollar wert waren. Eine Reihe von Fehlinvestments, zwei Scheidungen ließen Wozniaks Vermögen schnell schrumpfen. Er dürfte aber immer noch ein Millionär sein. Woz bezieht nach eigenen Angaben noch bis heute einen kleinen Paycheck von Apple, der er immer noch als „Employee“ geführt werde.

    Wheel of Zeus, das jüngste Unternehmen von Wozniak, mit dem er ein GPS-Ortungssystem für Hunde entwickeln und vermarkten wollte, scheint auch nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Die ehemalige Firmen-Webadresse www.woz.com leitet inzwischen auf Wozniaks private Homepage www.woz.org um. (Stand Juni 2008).

    Mehr Glück hat Woz mit seinem Buch iWoz, das sich wohl halbwegs gut verkaufte und ihm verschiedene öffentliche Auftritte verschaffte. Woz war regelmäßig Gast bei den Keynotes von Steve Jobs. Und auch nach dem Tod von Jobs wurde Woz regelmäßig zu den großem Apple-Events in Cupertino eingeladen.

    Authors@Google: Steve Wozniak

    (Stand: Februar 2019)

  • Apple und Xerox PARC

    Der Besuch von Steve Jobs im Forschungszentrum Xeorx PARC und seine Folgen

    Nicht nur im inzwischen beigelegten Patentstreit zwischen Apple und Samsung behaupteten Kritiker, Apple-Mitbegründer Steve Jobs habe es in der Vergangenheit mit dem Schutz des geistigen Eigentums nicht all zu ernst genommen und sich immer wieder großzügig bei anderen Firmen und Erfindern bedient. So habe Apple bei der Entwicklung des Macintosh Ideen kopiert, die zuvor im Forschungslabor Xerox PARC ausgebrütet worden waren. Legende oder Wahrheit?

    (zuletzt aktualisiert: 8. März 2019)

    Der Eingang zum Xerox PARC in den achtziger Jahrenq
    Der Eingang zum Xerox PARC in den achtziger Jahren

    Die Geschichte von Xerox PARC

    Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein kurzer Blick in die Geschichte von Xerox PARC. Das legendäre kalifornische Forschungslabor wurde im Sommer 1970 von Xerox gegründet. Xerox war damals bereits ein sehr etablierter Player im High-Tech-Geschäft. In den USA steht der Name “Xerox” für das Fotokopieren, so wie in unseren Breiten “Tempo” für ein Papiertaschentuch oder “Tesa” für einen Klebefilm. Schließlich hatte die Xerox Corp. bereits 1950 als erstes Unternehmen der Welt die von dem amerikanischen Physiker und Juristen Chester F. Carlson erfundene “Xerographie” in ein funktionierendes Produkt umgesetzt. Carlson erhielt bereits 1937 das Patent auf ein Verfahren, das er „Elektrophotographie“ nannte. Am 22. Oktober 1938 folgte die Premiere in der Praxis: Mit Hilfe einer mit Schwefel beschichtete Metallplatte und einer Lampe übertrug Chester den Schriftzug „10.-22.-38 Astoria“ auf ein Wachspapier.

    Die erste Fotokopie
    Die erste Fotokopie

    Ende der 60er Jahre sah das Xerox-Management die Gefahr, dass japanische Firmen den technologischen Vorsprung von Xerox einholen könnten. Das hing auch damit zusammen, dass wichtige Patente von Xerox ausliefen. Außerdem befürchtete die Xerox-Spitze, dass mit den kommenden Computer-Generationen das “papierlose Büro” entstehen könne, in dem Xerox keinen Platz mehr hat. Vor diesem Hintergrund wurde das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) in Kalifornien gegründet.

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    Eine der bekanntesten Forscher am PARC war Alan Kay. Er kam 1970 zu dem Xerox-Forschungsteam. „Was wird ihre wichtigste Errungenschaft hier sein?“, wurde er während des Einstellungsgesprächs gefragt. Seine Antwort: „Der Personal Computer.“ „Was ist das?“, lautete die Gegenfrage. Kay klappte sein Notizbuch auf und skizzierte seine Vision: „Ein Rechner dieser Größe, mit einem Bildschirm, einer Tastatur und genug Power, um ihre Post zu speichern und ihre Musik, Bilder und Bücher.“ Kay stieß mit diesem Zukunftsentwurf bei Xerox zwar auf Unverständnis, konnte aber dennoch im PARC an seiner Vision eines Dynabooks arbeiten.

    The Spirit of Xerox PARC – Clip from „Triumph of the Nerds“

    Die Wissenschaftler und Ingenieure am PARC waren nicht durch Alltagszwänge eingeengt: John Warnock, ehemaliger Forscher bei Xerox PARC und später einer der beiden Gründer von Adobe Systems, erinnert sich in der TV-Doku „Triumph of the Nerds“: „Die Atmosphäre hier war wie elektrisiert, es herrschte totale intellektuelle Freiheit. Es gab keinen ‚gesunden Menschenverstand‘, fast jede Idee wurde als Herausforderung angesehen und wurde regelmäßig hinterfragt.“ Auch Larry Tessler, der später bei Apple den Macintosh und den Newton PDA mit entwickelte, genoss in den 70er Jahren die Freiheiten im PARC: „Das Management sagte: Geht los und erschafft die neue Welt, wir verstehen sie nicht. Hier waren Leute mit vielen Ideen und einem enormen Talent versammelt, jung und energiegeladen.“ Das Problem war nur, dass sich später die Unternehmensführung an der Ostküste der USA nur wenig für die Forschungsergebnisse aus dem PARC interessierte, wenn sie nicht im engeren Sinne mit Fotokopierern zu tun hatten.

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  • Die Geschichte des Apple Macintosh

    Mit dem Macintosh revolutionierte Apple im Jahr 1984 die gesamte Computer-Industrie. Steve Jobs und sein geniales Macintosh-Team sorgten mit ihrem Konzept dafür, dass Computer auch von dem normalen „Menschen auf der Straße“ – und nicht nur von Experten – bedient werden konnte.

    Der erste Apple Macintosh (1984)
    Der erste Apple Macintosh (1984)

    „Insanely great“ – „Wahnsinnig toll“ – Steve Jobs konnte seine Begeisterung zum Marktstart des ersten Macintosh kaum in Worte fassen. Auf der legendären Aktionärsversammlung am 24. Januar 1984 im Flint Center unweit des Apple Campus in Cupertino zitierte der Apple-Mitbegründer zunächst Bob Dylans „The Times They Are A-Changin’“, um dann gegen eine drohende Vorherrschaft der jungen Computerindustrie durch IBM zu polemisieren. „IBM will sich alles unter den Nagel reißen und richtet seine Gewehre gegen das letzte Hindernis, um die Computerbranche zu kontrollieren: Apple. Wird Big Blue die gesamte Computer-Industrie beherrschen? Das gesamte Informations-Zeitalter? Hatte George Orwell recht?“ Die Menge, darunter das komplette Macintosh-Entwicklerteam, schrie zurück: „Nooooo!“


    Die Vorstellung des ersten Macs am 24. Jan. 1984 aus den „Lost 1984 Videos“

     

    Bislang habe es in der Computer-Industrie nur zwei Meilenstein-Produkte gegeben: den Apple II im Jahr 1977 und der IBM PC in 1981, sagte Jobs weiter. „Heute (…) führen wir das dritte Meilenstein-Produkt ein, den Macintosh. Viele von uns haben über zwei Jahre lang am Macintosh gearbeitet und er ist wirklich wahnsinnig toll geworden.“ Schaut man sich heute die Geschichte des Personals Computers an, lag Steve Jobs damals mit seinem historischen Vergleich richtig, wenngleich nicht IBM über die Jahre zum großen Beherrscher der Computer-Industrie wurde, sondern die Allianz aus Microsoft und Intel.

    Steve JobsSteve Jobs

     

    Vor dem Entwicklungsteam des Macintosh hatten schon andere versucht, einen Computer mit einer Maus und einer grafischen Benutzeroberfläche zu bauen – ein Jahr zuvor Apple selbst mit dem 10 000 Dollar teuren Businessrechner Lisa.

    Werbespot für den Apple Lisa

     

    Doch der Lisa-Computer erwies sich bald als riesiger Flop. Mit 10 000 Dollar (ohne Festplatte) war er viel zu teuer, die grafische Benutzeroberfläche verschlang die Power des Lisa, so dass der Rechner nicht besonders flott arbeitete. Es fehlten die notwendigen Programme, um die Geschäftswelt in Massen zum Kauf des Lisa zu bewegen. Außerdem hatte die neu aufgestellte Vertriebsmannschaft kaum Erfahrungen im Umgang mit Corporate America.

    Im Gegensatz zu seinen elitären Vorgängern sollte der neue Macintosh nicht nur wenige Experten im kalifornischen Silicon Valley begeistern, sondern die Massen erobern – und den Standard für zukünftige Computer-Generationen setzen. Computer-Kolumnist Bob Ryan erkannte damals sofort den revolutionären Kern des Macs. „Das ist eine Maschine, die die Massen der Menschen anspricht, die weder Zeit noch Lust dazu haben, den langen Lern-Prozess zu beginnen, der notwendig ist, um die Komplikationen der gegenwärtige Generation der Personal Computer beherrschen zu können.“


    Die Entwickler des Macintosh stellen den Mac vor
    [ siehe auch Artikel:

    Es begann mit “Annie” – Erste Entwürfe für einen Volkscomputer

    Steve Jobs entdeckt das Macintosh-Projekt]

    Gegen Big Brother IBM

    Mit dem neuartigen Macintosh glaubte Apple einen Weg gefunden zu haben, dem Computer-Giganten IBM wieder die Führerschaft im damals noch jungen Markt der Personal Computer abnehmen zu können.

    IBM PC

    IBM hatte seinen ersten PC im Jahr 1981 vorgestellt und innerhalb weniger Monate den Apple II als erfolgreichsten Personal Computer vom Thron gestoßen. Innerhalb drei Jahre verkaufte „Big Blue“ über zwei Millionen IBM-PC. Daher richtete sich die 15 Millionen Dollar teure Werbekampagne von Apple zur Markteinführung des Macintosh direkt gegen IBM. Die gewaltige Werbeaktion war letztlich auch dafür verantwortlich, warum Apple den ursprünglich geplanten Startpreis des Mac um 500 Dollar auf 2495 Dollar erhöhte.

    Lisa-Flop bringt Apple in Not

    Der Misserfolg des Lisa brachte Apple 1983 in eine gefährliche Schieflage. Die bisherige Cash-Cow, der Apple II, bot inzwischen nicht mehr taufrische Technologie und sah sich einem scharfen Wettbewerb mit dem IBM PC ausgesetzt. Nun musste der Macintosh Apple Computer vor dem Untergang retten. Im ersten Businessplan war Apple im Sommer 1981 davon ausgegangen, dass zwischen 1982 und 1985 über 2,2 Millionen Macs verkauft werden können, also rund 47 000 Stück pro Monat. Doch nun kam der Mac erst Anfang 1984 auf den Markt. Und nachdem die Gemeinde der Computer-Nerds (zumindest diejenigen, die sich den ersten Mac leisten konnten) ihren Kaufrausch befriedigt hatte, sackte der Absatz des Macintosh dramatisch auf rund 5 000 Geräte pro Monat ab.

    Daran konnte auch Apple-Chef John Sculley nicht viel ändern. Steve Jobs hatte Sculley von Pepsi mit dem Satz „Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?“ abgeworben, um das Management und Marketing bei Apple zu professionalisieren. Und zunächst arbeiteten Jobs und Sculley bei Apple trotz sehr unterschiedlicher Führungsmethoden harmonisch und wurden von der Öffentlichkeit als „Dynamic Duo“ bei Apple gefeiert. Doch der schleppende Absatz des Macs ließ bald ernste Spannungen zwischen Jobs und Sculley aufkommen.

    John Sculley im Film „Triumph of the Nerds“ (PBS)

     

    Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne tun wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.
    John Sculley

    Dem Mac fehlten damals einfach die Anwendungen, die im IBM-Werbespot für den PC die Charlie-Chaplin-Figur Karton für Karton durchs Bild schleppte. Daher bemühten sich Guy Kawasaki und andere „Software Evangelists“ von Apple die Entwickler in anderen Softwarefirmen davon zu überzeugen, Programme für den Mac zu schreiben. Das mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene ROM des Mac machte diese Aufgabe nicht einfach. Erst als ein Jahr nach dem ersten Macintosh der „Fat Mac“ mit 512 Kilobyte raus kam, war der enge Flaschenhals beseitigt.

    [ siehe auch Artikel:
    Showdown bei Apple: John Sculley vs. Steve Jobs]

    Erfolg im zweiten Anlauf

    1987 verkaufte Apple eine Millionen Macs und spielte plötzlich wieder in der IBM-Klasse mit. Über die Hälfte der 2000 Dollar für einen Mac landeten als Gewinn bei Apple. Und Sculley und seine Kollegen im Apple-Vorstand glaubten, dass die User immer bereit seien, für bessere Technik auch viel mehr Geld zu zahlen. In diesen Jahren hat Apple die gigantische Chance versäumt, den Mac als allgemeinen Industriestandard zu etablieren. Man hätte damals nur entweder die Preise dramatisch senken müssen oder ein breites Lizensierungsprogramm mit anderen Hardware-Herstellern eingehen müssen. Mit der Vorstellung von Windows 3.0 im Jahr 1990 schloss sich dieses „Fenster der Möglichkeiten“.

    iMac Bondi blueAls Steve Jobs Anfang 1997 in schwierigen Zeiten für Apple zunächst als Berater, dann als Chef zu seinem alten Unternehmen zurückkehrte, war der Wettstreit zwischen Apple Computer und Microsoft um den Industriestandard längst entschieden. Ihm gelang es dann mit neuen Apple-Talenten wie Jonathan Ive nicht nur, die Firma wieder auf die Erfolgskurs zu setzen, sondern auch Zeichen in der Branche zu setzen.

    Mit dem iMac verblüffte Jobs auch gestandene Pioniere der Computerbranche: „Manchmal hat das, was Apple tut, einen elektrifizierenden Effekt auf uns alle“, meinte Intel-Mitbegründer Andy Grove. „Den iMac hätten wir niemals schaffen können, aber Apple ist einfach nach vorne gegangen und hat es getan.“

    Christoph Dernbach

  • Die Geschichte von Apple (1976-2012)

    Die Geschichte von Apple Computer von 1976 – 2012

    1976
    Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gründen mit Hilfe des Wagniskapitalgebers Armas Clifford „Mike“ Markkula Apple Computer um den Apple I zu vermarkten. Wayne steigt nach wenigen Monaten wieder aus.

    Apple I (1976)
    Apple I (1976)

    1977

    Apple II (1977)
    Apple II (1977)

    Das junge Unternehmen bringt den Apple II auf den Markt. Die Apple-II-Baureihe war ein offenes System, das heißt, alle wesentlichen Konstruktionsdetails wurden veröffentlicht. Dieses Bauprinzip wurde später von IBM kopiert und als IBM-PC vermarktet. Der Apple II entwickelte sich zum ersten Microcomputer, der eine weite Verbreitung fand.

    1978
    Steve Jobs erste Apple schlägt die Entwicklung eines Next-Generation-Computers vor.

    1979

    Jef Raskin (vorne) und Steve Jobs
    Jef Raskin (vorne) und Steve Jobs

    Ein Forschungsprojekt für einen neuen Niedrigpreis-Computer wird unter der Leitung von Jef Raskin gestartet. Daraus sollte später das Macintosh-Projekt werden. Raskin verlässt Apple im Jahr 1982, noch bevor der Mac auf den Markt kam, weil er die Einmischungen von Steve Jobs nicht akzeptieren wollte
    Steve Jobs und seine Mitarbeiter bei Apple besuchen das legendäre Forschungsinstitut Xerox PARC, wo sie sind mehrere neuartige Technologien sehen. Dazu gehören der Xerox Alto, der erste Personal Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche, die Computer-Maus sowie die objekt-orientierte Programmierung.

    1980
    Apple geht an die Börse.

    Die Spezifikationen für den Apple Lisa werden erarbeitet. Darin befinden sich etliche Features, die Apple-Mitarbeiter im PARC gesehen haben.

    1981
    IBM führt seinen PC ein. Apple „begrüßt“ IBM in einer Anzeige im PC-Markt.
    Steve Wozniak verunglückt mit einem Privatflugzeug und zieht sich teilweise von Apple zurück.

    1983

    Apple Lisa (1983)
    Apple Lisa (1983)

    Der Apple Lisa kommt für 9995 Dollar auf den Markt. Ende des Jahres sinkt der Preis auf 6995 Dollar.

    Bei Apple werden die bislang konkurrierenden Abteilungen für Lisa und Mac verschmolzen.

    Um sich für das Werbefilm-Festival in Cannes qualifizieren zu können, lässt Apple den berühmten Big-Brother-Werbespot für den Mac im Dezember 1983 auf dem TV-Sender KMVT in Twin Falls (Idaho) ausstrahlen. Am 22. Januar 1984, sechs Wochen später, wird der Spot dann in einer Werbepause im SuperBowl XVIII gesendet. Die Werbung räumte nicht nur in Cannes ab, sondern wurde von den TV-Sendern in den News immer wieder ausgestahlt. Die Agentur Chiat/Day errechnete, dass der „1984“-Spot kostenlose Publicity im Wert von über fünf Millionen Dollar generiert hat.


    Link: sevenload.com Der berühmteste Super Bowl Werbespot aller Zeiten
    1984
    Der Mac kommt für 2495 Dollar auf den Markt. Der Apple Lisa 2 ist für 3495 Dollar zu haben.

    Apple startet das Werbeprogramm „Test a Mac“. Interessenten können einen Mac kostenlos für 24 Stunden von einem Händler nach Hause nehmen, um ihn auszuprobieren. Obwohl die Aktion bis dahin einzigartig und innovativ war, zeigt das Programm nicht den gewünschten Erfolg. Zum einen sind zu wenige Macs zunächst erhältlich. Und viele Kunden bringen die Rechner nicht mehr in einem einwandfreien Zustand zurück in die Läden, so dass erhebliche Reparaturkosten anfallen.

    Der erste Apple Macintosh (1984)
    Der erste Apple Macintosh (1984)

    1985
    Der Absatz des Macs stockt, weil zu wenige Anwendungen verfügbar sind. Nach einem Machtkampf mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley wird Steve Jobs von seinen operativen Aufgaben entbunden. Jobs kehrt Apple den Rücken und gründet die Computerfirma NeXT Inc..

    Der Apple Lisa wird eingestellt. Einige Modelle werden umgewandelt und als Mac XL verkauft.

    Microsoft lizenziert einige der Mac-Technologien, um sein Office-Paket fürden Mac entwickeln zu können. Ende 1985 veröffentlicht Microsoft seine erste Windows-Version 1.01.

    1987
    Apple baut den Mac II, den ersten Mac, der nicht auf ein All-in-one-Design setzt. Der Mac II kann auch Farb-Displays unterstützen. Gleichzeitig bringt Apple den Mac SE mit dem klassischen All-in-One-Design auf den Markt. Beide Maschinen ermöglichen erstmals die Aufnahme von Erweiterungssteckplätzen in Macs.

    Die installierte Basis der Mac-Benutzer wächst auf 1 Mio. Anwender.

    1988
    Windows 2.03 wird freigegeben. Apple verklagt Microsoft wegen verschiedener Ähnlichkeiten zwischen Windows und Mac OS. Microsoft entgegnet den Vorstoß mit einer Gegenklage und bezieht sich dabei auf den Lizenzvertrag aus dem Jahr 1985. Es kommt zu einer langwierigen juristischen Schlacht, mit der Apple die Weiterentwicklung von Windows nicht stoppen kann. Microsoft setzt sich 1992 vor Gericht durch und gewinnt auch zwei Jahre später die Berufungsinstanz. 1995 bestätigt der US Supreme Court die Ablehnung der Berufung.

    1989
    Xerox verklagt Apple wegen der Benutzeroberfläche des Macs und des Apple Lisa. Die Klage wird ein Jahr später abgewiesen.

    Apple entsorgt nicht verkaufte Modelle des Lisa in einer Mülldeponie in Logan, Utah.

    Macintosh Portable (1989)
    Macintosh Portable (1989)

    Apple führt den Macintosh Portable ein. Das Gerät wiegt rund sieben Kilogramm und wurde zunächst ohne eine Hintergrundbeleuchtung am Bildschirm ausgeliefert. Der Portable wurde daher seinem Namen kaum gerecht und verkaufte sich nicht gut.

    1991
    Apple zieht Konsequenzen aus dem Portable-Debakel und bringt das viel leichtere und kompaktere PowerBook 100, das erste echte Mac-Notebook, auf den Markt.

    1992
    Mit der Subnote-Familie PowerBook Duo setzt Apple neue Zeichen. Eine Docking-Station sorgt dafür, dass etliche Schnittstellen im PowerBook Duo selbst nicht vorhanden sein müssen, um Gewicht und Platz zu sparen.

    1992
    Apple und Novell starten das Projekt „Star Trek, mit dem man das Macintosh-Betriebssystem auf Intel-Hardware zum Laufen bringen möchte. Ein erstes Proof-of-Concept wird erstellt. Das Projekt wird allerdings 1993 wieder aufgegeben.

    1993

    Michael Spindler
    Michael Spindler

    Apple liefert die ersten Power Macintosh-Modelle aus. In diesen Rechnern steckt nicht mehr ein 680×0-Prozessor von Motorola, sondern die moderneren PowerPC-Chips, die von Motorola und IBM produziert werden.

    Michael Spindler, der bei Apple „The Diesel“ genannt wird, löst John Sculley als CEO von Apple ab.

    1994
    Der erste „DOS-kompatible“ Mac, der Quadra 610, wird vorgestellt. Er enthält eine zweite Hauptplatine und weitere Komponenten, um darauf parallel zum Mac OS auch DOS und frühe Windows-Versionen laufen lassen zu können. Es folgen noch eine Handvoll Macs, die ebenfalls „DOS-kompatibel“ sind.

    Apple lizenziert sein Betriebssystem Mac OS an ausgewählte Mac-Klon-Hersteller wie Power Computing oder Umax. Dabei behält Apple die Kontrolle über wesentliche Bestandteile des Hardware-Designs, das von den Lizenznehmern verwendet wird.

    Unter dem Code-Namen „Copland“ startet Apple den ersten Versuch, sein in die Jahre gekommenes Betriebssystem zu ersetzen.

    In der Betriebbsystemsversion Mac OS 7.5 führt Apple die Tools Mac Easy Openu und PC-Exchange ein. Sie ermöglichen den Austausch von Disketten und Dateien mit PCs unter DOS oder Windows.

    1995
    Power Computing liefert die ersten Mac-Klones aus: Power, PowerWave und PowerCurve.

    1996
    Das PowerBook 1400 wird das erste Mac Notebook, das mit einem internen optischen Laufwerk ausgeliefert wird.

    Apple friert Entwicklung von Copland ein und beginnt mit der Suche nach Unternehmen, die ein technologisches Fundament für die nächste Generation eines Betriebssystems liefern können. In die engere Auswahl gerät die Firma Be Inc., die von ehemaligen Apple-Manager Jean-Louis Gassée gegründet worden war. Das Unternehmen hatte das BeOS entwickelt.
    Apple-CEO Michael Spindler wird durch Gil Amelio ersetzt.

    1997
    Apple führt den Power Mac G3 ein. Es ist der erste Mac mit dem PowerPC G3-Prozessor. Zum zwanzigsten Gründungtag von Apple erscheint der Twentieth Anniversary Mac. In einem All-in-one-Design verbaut Apple erstmals einen LCD-Flat-Panel-Bildschirm für Desktop-Macs. Der Jubiläums-Mac kostet stolze 7500 Dollar. Dafür erhalten die Kunden ein Setup durch einen Concierge-Service. Später sinkt der Preis des „Spartacus“ deutlich.

    Apple entscheidet sich überraschend gegen BeOS und übernimmt NeXT, um das NeXT-Betriebssystem OpenStep als Basis für das eigene neue Betriebssystem zu verwenden. Dieser Deal bringt auch Steve Jobs zu Apple zurück, zunächst als Berater.
    Apple kündigt Rhapsody, den Code-Namen für das neue Mac OS auf Basis von NeXT OpenStep, für Entwickler an.
    Apple veröffentlicht Mac OS 8. Unter diesem Namen sollte ursprünglich das Copland-System veröffentlicht werden. Da die Klon-Lizenz Vereinbarungen an Mac OS 7.x gebunden sind, bedeutet dieser Schritt den Anfang vom Ende der Mac-Klon-Ära.
    Gil Amelio tritt als Apple-CEO zurück und macht den Platz and der Spitze des Konzerns für Steve Jobs frei.

    1998
    Steve Jobs baut das Angebot von Apple um, verabschiedet sich von Produkten wie dem Apple Newton und führt den iMac als Eckpfeiler der Apple-Produktpalette ein. Es ist der erste Mac mit einem USB- und SCSI-Anschluss.

    Der erste iMac (1997)
    Der erste iMac (1997)

    Umax stellt den letzten Mac-Klone, den SuperMac, ein.

    1999
    Der Power Mac G3 Blue & White wird eingeführt. Das clevere Tower-Design mit einer leicht zu öffnenden Verriegelung, den Mac so leicht wie aufzurüsten oder zu reparieren.

    Die erste iBook greift das farbenfrohe Design des iMacs auf und soll die Position von Apple im Bildungsmarkt wieder neu aufbauen.

    2000
    Der Power Mac G4 Cube wird eingeführt. Er überrascht mit einem ungewöhnlichen Würfel-Design und kommt als Desktop-Rechner komplett ohne Lüfter aus. Der hohe Preis und die schlechten Erweiterungsmöglichkeiten schrecken allerdings viele Käufer ab.

    Power Mac G4 Cube (2000)
    Power Mac G4 Cube (2000)

    Apple veröffentlicht die erste Beta-Version von Mac OS X,. Es ist das erste Mal, dass Apple ein solches Pre-Release-Produkt der Öffentlichkeit zugänglich macht. Dieser Schritt ermöglicht Apple, auf öffentliche Kritik zu reagieren und beispielsweise die Entfernung des Apple-Menüs in der finalen Version von Mac OS X wieder rückgängig zu machen.

    2001
    Apple öffnet seinen erstes Einzelhandelsgeschäft. Mit dem Apple Store wendet sich das Unternehmen direkt an die Verbraucher.
    Mit dem PowerBook G4 führt Apple Metallgehäuse für seine High-End-Notebooks ein. Zunächst verwendet Apple Titan, später ab 2003 Aluminium.

    Die zweite Generation der iBooks nimmt Abschied vom bunten Design der ersten Baureihe. Die Verbraucher-Notebooks haben von nun an einfarbige Gehäuse (weiß, später auch schwarz). Erst mit dem Unicase der MacBook im Herbst 2008 erhalten auch die Low-End-Modelle ein Alugehäuse.

    Mac OS X wird freigegeben. Später im Jahr erscheint die Aktualisierung Mac OS X 10.1. Das Apple-Betriebssystem konkurriert mit Windows XP, das von Microsoft ebenfalls im Jahr 2001 gelauncht wurde.
    Steve Jobs stellt den ersten iPod vor, zunächst als Mac-only Media Player.
    Apple bringt den ersten Flat-Panel iMac mit einem Schwenk-Arm-Design auf den Markt. Dieser Rechner erinnert viele an eine Schreibtisch-Lampe.

    2002
    Mac OS X 10.2 wird freigegeben. Mit diesem Release gelingt dem neuen Mac-System in der Macintosh-Szene der Durchbruch.

    2003
    Apple stellt Xserve vor, seine ersten Server für ein 19-Zoll-Rack.
    Mac OS X 10.3 Panther wird eingeführt. Das System bietet eine native Unterstützung für den Zugang zu Windows File- und Print-Sharing.
    Der eMac wird eingeführt. Ursprünglich für den Bildungsmarkt konzipiert, wird dieser All-in-one-Mac später auch in anderen Märkten angeboten und als letzte Mac mit einem Röhrenbildschirm verkauft.
    Mit dem 17-Zoll-PowerBook G4 bietet Apple als erster Hersteller ein Notebook mit einem so großen Bildschirm an.

    2004
    Im Sommer kündigt Steve Jobs seinen Mitarbeitern an, dass er an einem gefährlichen Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war und erfolgreich operiert werden konnte. In der Rekonvaleszenz-Phase übernimmt COO Tim Cook vier Wochen lang das Ruder bei Apple. Zur Entwicklerkonferenz WWDC im August 2004 tritt Jobs wieder öffentlich auf.

    2005
    Mac OS X 10.4 wird Tiger freigegeben.

    Apple bringt mit dem Mac mini einen äußerst kompakten Desktop-Rechner auf den Markt. Er ähnelt im Konzept dem G4 Cube, ist sogar noch kleiner aber viel preiswerter.

    2006
    Apple stellt auf der Macworld Expo im Januar die ersten Macs mit Intel-Prozessoren vor. Die ersten verfügbaren Intel-Macs sind der iMac und das MacBook Pro. Den Übergang auf die neue Prozessor-Platform von Intel schließt Apple in allen Produktlinien bis zum Ende des Jahres ab.

    iMac mit Intel-CPU (2006)
    iMac mit Intel-CPU (2006)

    Neu sind auch Apple Boot Camp (Beta) sowie Virtualisierungs-Tools von Parallels und VMware, die es erlauben, auf der Apple-Hardware Windows laufen zu lassen.

    2007
    Apple bringt das iPhone und Apple TV auf den Markt, die beide mit Varianten von Mac OS X laufen.

    Das erste iPhone von Apple (2007)
    Das erste iPhone von Apple (2007)

    Während Apple mit dem iPhone gleich einen Volltreffer landet, bleibt die Settopbox Apple TV nur ein „Hobby“ für Unternehmenschef Steve Jobs ohne große Resonanz bei den Kunden.

    Mac OS X 10.5 Leopard wird ausgeliefert und am ersten Wochenende zwei Millionen Mal verkauft.

    2008
    Das MacBook Air ist das leichteste und dünnste Mac-Notebook, das Apple jemals produziert hat.

    Das neue iPhone 3G unterstützt UMTS und ist mit einem GPS-Empfänger ausgestattet.

    Apple bringt eine neue Generation der MacBooks auf den Markt, deren Gehäuse aus einem Aluminium-Block gefräst wurden.

    2009
    Apple sagt die weitere Teilnahme an der Macworld Expo ab. Statt des erkrankten Steve Jobs zeigt Marketingchef Phil Schiller beim letzten Messeauftritt nur neue Versionen der Softwarepakete iLife und iWork sowie ein neues 17-Zoll-MacBook im neuen Gehäusedesign.

    Apple bietet im iTunes Store fast nur noch Musik ohne Kopierschutz an, nachdem sich die vier großen Musiklabel mit einer Online-Auslieferung ohne DRM einverstanden erklärt haben.

     

    2010

    Steve Jobs präsentiert das iPad
    Steve Jobs präsentiert das iPad

    Steve Jobs stellt am 27. Januar 2010 in San Francisco das iPad vor. Apple war nicht die erste Firma, die einen Tablet Computer auf den Markt brachte. Doch im Gegensatz zu den Flops, die beispielsweise Microsoft-Chef Bill Gates in den neunziger Jahren mit seinen Versuchen erlebte, erzielte das iPad zum Marktstart am 3. April 2010 aus dem Stand einen großartigen Erfolg.

    Am 7. Juni 2010 erlebt dann das iPhone 4 seine Premiere (Marktstart 24. Juni). Auch wenn das neue Design der Antenne bei einer bestimmten Griffhaltung Empfangsprobleme bereitete, wurde auch dieses Gerät zu einem Kassenschlager.

    Im Oktober 2010 durchbrach die Apple-Aktie erstmals die Schwelle von 300 Dollar.

    2011
    Steve Jobs kündigt am 17. Januar 2011 in einer E-Mail an sein Team erneut eine Auszeit aus medizinischen Gründen an. Die Tagesgeschäfte übernimmt Tim Cook. Jobs unterbricht seine Auszeit allerdings drei Mal: Am 2. März stellt er das iPad 2 vor, mit dem Apple den Siegeszug im Segment der Tablet-Computer fortsetzt. Auf der WWDC 2011 stellt er vor Entwicklern im Juni 2010 das Konzept von iCloud vor und präsentiert einen Abend später vor dem Cupertino Council die Pläne für ein neues Hauptquartier, den Apple Campus 2.

    Apple Campus 2 - © Apple Inc. - Foster + Partner
    Apple Campus 2 – © Apple Inc. – Foster + Partner

    4. Oktober: Tim Cook und Phil Schiller stellen auf dem Event „Let’s Talk iPhone“ das iPhone 4S vor, nicht aber das von vielen Fans erwartete iPhone 5 mit einem neuen Design. Das neue iPhone ist deutlich schneller als das iPhone 4 und beinhaltet die neuartige Spracherkennungs- und Sprachsteuerungssoftware Siri. Äußerlich gleicht es aber dem iPhone 4.

    5. Oktober 2011: Apple-Mitbegründer Steve Jobs stirbt im Alter von 56 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung.

    19.Januar 2012: Apple will mit einer breit angelegten Kampagne den Bildungsmarkt in den USA umkrempeln. Digitale Textbooks auf dem iPad sollen die herkömmlichen Bücher an Schulen und Unis ablösen

  • John Sculley

    John Sculley auf dem Cover seiner Autobiografie 'Odyssey'
    John Sculley auf dem Cover seiner Autobiografie ‚Odyssey‘

    Die Chance, die Welt zu verändern

    Ein Satz wird John Sculley bis an sein Lebensende verfolgen: “Möchten Sie wirklich den Rest Ihres Lebens damit verbringen, Zuckerwasser zu verkaufen oder wollen Sie die Chance ergreifen, die Welt zu verändern?” („Do you want to spend the rest of your life selling sugared water or do you want a chance to change the world?“) Mit dieser Provokation versuchte Apple-Gründer Steve Jobs den erfolgreichen Pepsi-Manager Sculley im März 1983 davon zu überzeugen, seine Karriere-Laufbahn bei PepsiCo an der Ostküste zu beenden und sich auf das große Abenteuer Apple Computer einzulassen. Jobs hatte seit Wochen John Sculley zusammen mit seinem Mentor Mike Markkula bearbeitet: Sculley sollte bei Apple die Rolle des Chief Executive Officers (CEO) einnehmen und das Management leiten. Der arrogante Satz des jungen Apple-Mitbegründers vom gezuckerten Wasser muss bei dem Ost-Küsten-Mann tatsächlich einen Meinungswechsel verursacht haben. In seiner Autobiographie „Odyssey – Pepsi to Apple“ schreibt Sculley zumindest, dass ihn diese Worte noch tagelang verfolgt hätten.

    Es war, als ob jemand ausgeholt und mir einen harten Schlag in die Magengrube versetzt hätte. Da machte ich mir Sorgen, meine Karriere bei Pepsi aufzugeben, auf mein Altersruhegeld und meine Zusatzvergütungen zu verzichten, meine Loyalität gegenüber (Pepsi-CEO Donald M.) Kendall zu verletzen und fürchtete, mich nicht in Kalifornien einleben zu können – alles ganz pragmatische Überlegungen für einen Mann in den mittleren Jahren. Ich konfrontierte mich auf einmal mit der Feststellung, dass mein ganzes Leben an einem Kreuzweg angekommen war. Die Frage war unglaublich schwer zu beantworten – ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Mir fehlten die Worte.

    John Sculley

    Goldener Handschlag zum Antritt

    Die Bedenken von Sculley wurden letztlich auch durch ein üppiges Kompensationspaket aus dem Weg geräumt. Apple bot dem neuen CEO einen Jahresgehalt von einer Million Dollar – fünfzig Prozent als Grundgehalt, fünfzig Prozent als Tantieme. Dazu kam eine weitere Million Dollar als „Startgeld“ zu Beginn und eine Million als Entschädigungssumme, wenn die Zusammenarbeit nicht funktionieren sollte. Apple erklärte sich außerdem bereit, die Differenz zwischen dem Verkauf von Sculleys Haus an der Ostküste und dem Kauf eines vergleichbaren Hauses in Kalifornien zu tragen, „was das Unternehmen am Ende noch eine Million Dollar kosten sollte“, wie Sculley in seinem Buch vorrechnet. Dazu kamen noch Optionen auf 350.000 Apple-Aktien. Mit diesem goldenen Begrüßungs-Handschlag trat Sculley im Mai 1983 bei Apple an.

    Apple II
    Apple II

    Apple war zu diesem Zeitpunkt dem Stadium eines Garagen-Startups längst entwachsen. Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hatte 1977 den legendären Apple II entwickelt, von dem im ersten Jahr nur 600 Exemplare abgesetzt wurden. Doch spätestens mit der Premiere der Tabellenkalkulation VisiCalc (1979) entwickelte sich der Apple II zu einem Bestseller in der damals noch sehr kleinen und jungen PC-Branche.

    1981 verkaufte Apple 210.000 Geräte und verdrängte Konkurrenzprodukte wie den Commodore PET oder den TRS-80 von Radio-Shack auf die hinteren Plätze. Als John Sculley 1983 bei Apple anfing, hing das Unternehmen noch immer an den Umsätzen, die der Apple II in die Kasse spülte, obwohl das Gerät technologisch nicht mehr taufrisch war. Es wurden höchste Zeit, dem One-Trick-Pony Apple einen weiteren Trick beizubringen, zumal immer häufiger der 1981 auf den Markt gebrachte IBM-PC Apple die Show stahl.

    Marktanteile der 8-Bit-Computer (1980-1984)
    Marktanteile der 8-Bit-Computer (1980-1984)

    Apple tat sich aber schwer damit, einen erfolgreichen Nachfolger des Apple II am Markt zu etablieren. Im Mai 1980 wurde der Apple III vorgestellt, der sich jedoch aus mehreren Gründen zum teuren Flop entwickelte. Dazu gehörten der hohe Preis und die in der Praxis unvollständige Kompatibilität zum beliebten Apple II und dessen bereits recht großer Softwarebibliothek. Außerdem plagten den Apple III waren technische Probleme, wie etwa häufige Abstürze durch Überhitzung und die Tendenz der Chips, aus ihren (billigen) Sockeln zu rutschen.

    Die schwierige Suche nach einem Apple-II-Nachfolger

    Nicht viel mehr kommerziellen Erfolg hatte das Unternehmen mit dem Apple Lisa, die vier Monate vor dem Amtsantritt von Sculley der Öffentlichkeit vorgestellt worden war. Technologisch markierte „The Lisa“ einen Meilenstein: Der Rechner verfügte über eine Maus sowie über ein Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche, in der die Apple-Ingenieure Grundkonzepte aus dem legendären Forschungszentrum Xerox PARC in ein brauchbares Produkt umgesetzt hatten. Doch mit einem Preis von rund 10.000 US-Dollar verkaufte sich der Rechner äußerst schlecht.

    Somit ruhten alle Hoffnungen auf dem Apple Macintosh. Das Macintosh-Projekt war 1979 vom damaligen Apple-Boss Michael Scott („Scotty“) und Apple-Chairman Mike Markkula bei Jef Raskin in Auftrag gegeben worden, der ursprünglich einen Volkscomputer für 500 bis 1.000 Dollar – noch ohne eine grafische Bedieneroberfläche (GUI) – geplant hatte. Raskin verlor das Projekt aber 1981 an Steve Jobs, dem zuvor die Zuständigkeit für das kränkelnde Lisa-Projekt entzogen worden war.

    Nach dem legendären Besuch von Steve Jobs und seinen Mitarbeitern im Forschungszentrum Xerox PARC war allen Projektbeteiligten klar, dass der Mac wie der Alto von Xerox eine Maus und eine GUI haben musste – nur viel besser als bei den „reichen Nachbarn“ von Xerox. Auch an dieser Stelle sei betont, dass die Apple-Crew nicht einfach das Know-how der Forscher im Xerox PARC ausgeplündert hat. Vielmehr beruhte der Wissenstransfer auf einer Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen, für die Xerox mit Apple-Aktien noch vor dem Börsengang reichlich belohnt wurde.

    Mit den zusätzlichen Anforderungen, die Steve Jobs nun an den Mac stellte, rückte das Preisziel von 1.000 Dollar in weite Ferne. So entschied der Apple-Gründer im Mac die ersten 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerke von Sony zu verbauen, was den Preis um 50 Dollar erhöhte. Schließlich landete das Mac-Team bei einer Preismarke von knapp 2.000 Dollar. Die Preisfindung für den Mac führte zum ersten fundamentalen Konflikt zwischen John Sculley und Steve Jobs. Der neue Apple-CEO bestand darauf, den Mac für 2.495 Dollar auf den Markt zu bringen – Jobs wollte mit 1.995 Dollar unter der 2.000-Dollar-Marke bleiben. Das Macintosh-Team fühlte sich vor den Kopf gestoßen, wie man im Bericht von Andy Hertzfeld eindrucksvoll nachlesen kann. Die Entwickler sahen keinen Sinn darin, den Mac für ein großes Marketing-Budget zu teuer zu machen. Sie hätten den Mac für Leute wie sie selbst entwickelt und der von Sculley geforderte Preis sei ein Verrat an ihren Grundsätzen. Im ersten Machtkampf zwischen Sculley und Jobs setzte sich der neue CEO gegen den Apple-Gründer durch.

    Mit einem legendären TV-Spot wurde der Apple Macintosh vorgestellt
    Mit einem legendären TV-Spot wurde der Apple Macintosh vorgestellt

    Bis zur grandiosen Premiere des Apple Macintosh im Januar 1984 mit dem berühmtesten Werbespot aller Zeiten (“1984?) gelang es den beiden jedoch, die internen Konflikte nicht nach außen dringen zu lassen. Steve Jobs und John Sculley wurden in den Medien weiterhin als das „Dynamic Duo“ des Silicon Valleys gefeiert – obwohl das Verhältnis zwischen ihnen durch den Konflikt um den Macintosh-Preis einen tiefen Riss erlitten hatte.

    Der erste Riss zwischen Sculley und Jobs

    Als ‘Apple's Dynamic Duo‘ gefeiert: Steve Jobs und John Sculley auf dem Cover der BusinessWeek
    Als ‘Apple’s Dynamic Duo‘ gefeiert: Steve Jobs und John Sculley auf dem Cover der BusinessWeek

    In den Berichten über Apple im Frühjahr 1984 kann man davon aber nichts lesen: Steve Jobs war das Wunderkind mit einem untrüglichen Gespür für innovative Technologien. John Sculley nahm die Rolle des großen Marketing-Gurus ein, der hart daran arbeitete, seinen überragenden Erfolg der „Pepsi Challenge“ im Kampf gegen den Branchenprimus Coca-Cola auf die IT-Industrie zu übertragen.

    Zu einer leichten Entspannung zwischen Jobs und Sculley trug die Tatsache bei, dass sich der Apple Macintosh in den ersten Wochen blendend verkaufte. Doch nachdem sich der Rummel um die Macintosh-Premiere gelegt hatte, sackten die Verkaufszahlen schnell ein.

    Für Steve Jobs stand im Herbst 1984 der Schuldige fest: John Sculley und sein Drängen nach einer hohen Marge, die den Mac aber letztlich bei einem großen Publikum unverkäuflich machen. Noch 25 Jahre nach der Markteinführung des Macintosh kochte der Apple-Gründer vor Wut: „Es war der Hauptgrund, warum der Macintosh-Verkauf nachließ und Microsoft den Markt erobern konnte“, sagte Jobs.

    Sculley nannte in einem Interview mit Robert X. Cringley in der TV-Doku „Triumph of the Nerds“ 1994 für den anfänglichen Misserfolg des Macs aber ganz andere Gründe – Probleme, die Steve Jobs laut Sculley einfach nicht wahrnehmen wollte:

    (Der Mac) konnte nicht sehr viel. Wir hatten Mac Paint und Mac Write. Das waren unsere einzigen Anwendungen. Und der Markt bekam das mit. Und Ende des Jahres (1984) sagte viele: „Nun, der IBM-PC ist vielleicht nicht so einfach zu bedienen und nicht so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht letztlich, was wir ihn erledigen lassen wollen: Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und Datenbanken.“ Vor diesem Hintergrund sanken Ende 1984 die Absatzzahlen des Macs und er wurde im folgenden Jahr zum Problem.

    Im Dezember 1984 erwirtschafte das Unternehmen mit dem in die Jahre gekommenen Apple II rund 70 Prozent der Umsätze, obwohl der Mac längst die Rolle der „Cash Cow“ hätte übernehmen sollen. Ein TV-Beitrag der PBS-Magazin-Sendung „MacNeil-Lehrer NewsHour“ vom 5. April 1985 beweist, dass Apple diese Probleme im Frühjahr 1985 auch nicht mehr unterm Deckel halten konnte.

    PBS-Korrespondentin Elizabeth Brackett arbeitete in dem Beitrag klar heraus, dass der Mac eigentlich der bessere und begehrenswertere Computer war, mit dem allerdings gewöhnliche Geschäftsleute damals allerdings noch wenig anfangen konnten. Die PBS-Journalistin konnte damals noch nicht ahnen, wie heftig hinter den Kulissen der Machtkampf zwischen Steve Jobs mit John Sculley tobte: Mit Unterstützung von Apple-Investor Mike Markkula und dem Apple Board entzog Sculley dem Apple-Mitbegründer Jobs Ende März 1985 die Leitung der Macintosh-Gruppe.

    Der Showdown

    In die Ecke gedrängt unternahm Jobs im Mai 1985 noch einmal den Versuch, das Board of Directors umzustimmen und Sculley zu entlassen. Zusammen mit einigen Getreuen aus dem Mac-Team wollte Jobs seinen Ziehvater Markkula von einem Umstrukturierungsplan überzeugen. Mit diesem Plan hätte Apple Jobs die Führungs-Verantwortung übertragen oder ihm zumindest die operative Leitung des Produktbereichs gelassen. Doch Markkula zeigte sich wenig beeindruckt: “Ich sagte, ich würde seinen Plan nicht unterstützen und damit basta”, erinnert sich Markkula laut Isaacson. “Sculley war der Boss. Sie waren wütend und furchtbar emotional und probten den Aufstand. Aber so läuft das eben nicht.”

    Jobs konnte nicht fassen, was mit der von ihm gegründeten Firma geschah. Von seiner anfänglichen Begeisterung für Sculley war nichts übrig geblieben. Er hielt den Ostküstenmann inzwischen für einen Volltrottel, der nur auf seinen persönlichen Profit bedacht sei. Seinem Biografen Isaacson sagte Jobs:

    Das Board hielt mich für nicht fähig, ein Unternehmen zu leiten und deshalb traf es diese Entscheidung. Aber sie begingen einen Fehler. Sie hätten gesondert darüber entscheiden sollen, was sie mit mir machen und was sie mit Sculley machen. Sie hätten Sculley feuern sollen, auch wenn sie meinten, ich sei noch nicht so weit, Apple zu leiten.

    Steve Jobs

    Am 17. September 1985 zog Steve Jobs die Konsequenz und trat von allen Ämtern bei Apple zurück und verließ mit einigen Anhängern das Unternehmen. Mit den Erlösen aus dem Verkauf seiner Apple-Aktien gründete er ein neues Unternehmen (NeXT). Außerdem kaufte er George Lucas, der sich damals in einem kostspieligen Scheidungskrieg befand, seine Trickfilm-Abteilung ab, aus der dann Pixar wurde.

    Steve Jobs verlässt Apple

    Sculley rechtfertigte sein damaliges Verhalten in der Auseinandersetzung mit Steve Jobs in einem Interview mit der BBC (Januar 2012):

    Ich denke, Steve und ich hatten eine tolle Beziehung, wenn alles gut lief. Er interessierte sich wirklich für Consumer Marketing, weil er davon überzeugt war, dass es bei der Zukunft der Personal-Computing-Branche darum ging, wie man Computer vermarktet – genau so wie bei Consumer-Produkten großer Marken wie Pepsi und Coke.

    Ich wurde zu Apple geholt, nicht weil ich etwas über Computer wusste – wie man sie baut -, sondern weil das Unternehmen den Apple II kommerziell am Leben halten musste. Der Apple II stand am Ende seines Lebenszyklus‘. Er musste für weitere drei Jahre genügend Cash generieren, so dass Steve den Macintosh bauen und erfolgreich starten konnte. Während dieser Zeit sind Steve und ich sehr gut miteinander klar gekommen.

    Als der Macintosh Office im Jahr 1985 eingeführt wurde und scheiterte, war Steve todtraurig. Er war deprimiert, und er und ich hatten eine große Meinungsverschiedenheit, als er den Preis des Macintosh niedriger festlegen wollte. Ich wollte mich auf den Apple II konzentrieren, weil wir eine Aktiengesellschaft waren.

    Wir mussten die Gewinne des Apple II haben und konnten es uns nicht leisten, den Preis des Macintosh zu senken, weil wir die Gewinne vom Apple II benötigten, um gute Zahlen vorzulegen und uns nicht nur mit den Problemen des Macs zu beschäftigen. Das führte letztlich zu den Meinungsverschiedenheiten und dem Showdown zwischen mir und Steve. Als die Board-Mitglieder sich schließlich mit der Frage beschäftigten, beschlossen sie, dass meine Position diejenige war, die sie unterstützen wollten.

    Entgegen den düsteren Prognosen von Steve Jobs liefen die Geschäfte bei Apple nach seinem Weggang 1986/87 aber wieder besser. Vielleicht hatte John Sculley in dieser Phase auch einfach nur Glück. 1985 fehlten dem Mac noch die Anwendungen, die im IBM-Werbespot für den PC die Charlie-Chaplin-Figur Karton für Karton durchs Bild schleppte. Daher bemühten sich Guy Kawasaki und andere “Software Evangelists” von Apple die Entwickler in anderen Softwarefirmen davon zu überzeugen, Programme für den Mac zu schreiben. Das mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene ROM des Mac machte diese Aufgabe nicht einfach. Ein Jahr nach dem ersten Macintosh der “Fat Mac” mit 512 Kilobyte raus kam, war der enge Flaschenhals jedoch beseitigt.

    Moores Gesetz hilft Sculley aus der Patsche

    Selbst Sculley räumt ein, dass ihm eine allgemeine Entwicklung zugute gekommen ist und er nicht viel unternehmen musste, um das Macintosh-Geschäft anzukurbeln:

    Ironischerweise sorgte Moores Gesetz dafür. Es ging also nicht um die Frage, ob Steve oder ich recht hatte. Computer waren 1985 einfach noch nicht stark genug für anspruchsvolle Grafik-Leistungen, die man benötigte, um Laserdrucker anzusteuern. Und ironischerweise dauerte es nur 18 Monate, bis die Computer leistungsfähig genug waren, dass wir die Mac Office in Desktop Publishing umbenennen konnte. Es wurde sehr erfolgreich.

    Es war nicht meine Idee, es war alles der Kram von Steve, aber er war nur eineinhalb Jahre zu früh.

    John Sculley

    Zum Erfolg im zweiten Anlauf trug auch der glückliche Umstand bei, dass sich rund um den Mac die Grundlagen für das Desktop Publishing (DTP) entwickelten, mit dem Gutenbergs Erfindung (Satz und Druck) zum ersten Mal seit über 500 Jahren tiefgreifend revolutioniert wurde.

    Aldus PageMaker
    Aldus PageMaker (1087)

    Das Software-Unternehmen Aldus brachte im Juli 1985 das Programm PageMaker auf den Markt. In Verbindung mit der Seiten-Beschreibungssprache PostScript von Adobe konnten Broschüren, Magazine, Bücher oder Kataloge am Bildschirm entworfen und auf einem Laserdrucker wie dem Apple LaserWriter oder mit Hilfe eines PostScript-fähigen Belichters von Linotype gedruckt werden. DTP war die „Killer-Anwendung“, die der Macintosh so dringend benötigte.

    1987 verkaufte Apple eine Millionen Macs und spielte plötzlich wieder in der IBM-Klasse mit, obwohl die Marktanteile der Konkurrenz nie wieder erreicht wurden. Über die Hälfte der gut 2.000 Dollar, die der Mac damals kostete, landeten als Gewinn bei Apple. Sculley und seine Kollegen im Apple-Vorstand glaubten, dass die User immer und ewig bereit seien, für bessere Technik auch viel mehr Geld zu zahlen.

    Technologisch konnte Apple noch in dieser Phase der Sculley-Ära von der Substanz zehren, die beim Weggang von Jobs im Unternehmen vorhanden war. Der französische Ingenieur Jean Louis Gassée, der von Jobs die Führung der Macintosh-Abteilung übernommen hatte, führte mit dem Mac Plus den ersten Macintosh ein, der wirklich erweiterbar war. Als Arbeitstier in den Grafikabteilungen und Redaktionen bewährte sich auch der Macintosh II, in dem der schnellere 68020-Chip von Motorola steckte und der deutlich mehr Speicher als der 68000 ansteuern konnte. Dicke Profite strich Apple auch mit dem aufgebohrten Würfelcomputer Macintosh SE ein, der immerhin 3.700 Dollar kostete (1.000 Dollar mehr als der Mac Plus).

    Holprig verlief in der Ära Sculley der Einstieg von Apple ins Mobile Computing. Der erste Apple-Laptop, der Macintosh Portable, erreichte zwar mit seinen Bleisäure-Akkus (ohne Memory-Effekt) eine auch für heutige Verhältnisse beachtliche Laufzeit von bis zu 10 Stunden. Doch der Name „Portable“ passte nicht so richtig, denn das Gerät war 7,2 Kilogramm schwer. Mit einem Preis von 6.500 Dollar blieb der Macintosh Portable wie Blei in den Regalen liegen. Erst mit dem PowerBook (1991) gelang Apple ein Absatzerfolg im Notebook-Markt.

    In den späten achtziger Jahren lag der Marktanteil von Apple noch bei 16 Prozent. Das war zwar weit von den Verhältnissen Ende der siebziger Jahre entfernt. Doch da damals die Rendite stimmte, waren die Aktionäre und der Verwaltungsrat von Apple mit Sculleys Arbeit zufrieden. Nach Ansicht von Steve Jobs wurden in dieser Phase aber entscheidende Fehler begangen, für die letztlich Sculley verantwortlich gewesen sei: „Sculley machte Apple kaputt, indem er schlechte Leute einstellte und auf falsche Werte setzte“, klagte er später. „Sie wollten Geld machen – hauptsächlich für sich selbst und auch für Apple -, statt tolle Produkte herzustellen.“

    Das Streben nach Profit zulasten ging nach Jobs‘ Einschätzung zulasten eines wachsenden Marktanteils. „Macintosh verlor gegenüber Microsoft an Boden, weil Sculley sich nicht davon abbringen ließ, so viel Gewinn abzuschöpfen, wie er nur konnte, statt das Produkt zu verbessern und bezahlbar zu machen.“

    John Sculley: Technischer Volltrottel oder genialer Jung-Erfinder?

    Selbst wenn man die Ära Sculley bei Apple kritisch sieht: Das harsche Urteil von Steve Jobs war natürlich durch den Quasi-Hinauswurf 1985 überschattet und zeichnet kein differenziertes Bild von Sculley. Ob Sculley damals tatsächlich wirklich nur der ahnungslose Technik-Laie war oder ob er doch über technisches Gespür verfügte oder gar in der Lage war, Visionen zu entwerfen, kann man rückblickend nur schwer einschätzen. In seiner 1987 erschienen Autobiografie „Odyssey“ behauptet Sculley fast beiläufig, er habe als Kind nicht nur Radiogeräte zerlegt und elektrische Türöffner konstruiert, sondern Bahnbrechendes geleistet:

    1954, als ich vierzehn Jahre als war, führte meine Elektronikbegeisterung dazu, dass ich eine Farbfernsehröhre erfand. Mein Vater half mir, einen Patentanwalt zu finden, aber Dr. Lawrence von den Lawrence-Livermore-Laboratorien, der Erfinder des Zyklotron-Teilchenbeschleunigers, war einige Wochen schneller gewesen als ich. Sein Patent, das später Sony erwarb, legte die Grundlage für Sonys erfolgreiche „Triniton“-Farbfernsehröhre.

    John Sculley
    Patent von Ernest O. Lawrence für das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre (1951/54)
    Patent von Ernest O. Lawrence für das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre (1951/54)

    Schaut man in die Technik-Geschichtsbücher, kann man lesen, dass Ernest O. Lawrence bereits 1951 das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre entwickelt hatte. Das U.S. Patent 2,692,532 „Cathode Ray Focusing Apparatus“ wurde von Lawrence am 4. April 1951 eingereicht und am 26. Oktober 1954. Selbst wenn Sculley tatsächlich schon als Schüler eine geniale Idee gehabt haben sollte – seine Schilderung der Details kann nicht als glaubwürdig angesehen werden.

    Sculley betont aber immer wieder selbst, dass Mike Markkula und Steve Jobs ihn nicht wegen seiner technologischen Visionen zu Apple geholt haben. In einem Interview mit dem „Playboy“ im September 1987 sagte er: „Zwischen ‚High Fizz‘ (Fizz=Brause) und ‚High-Tech‘ ist es ein weiter Weg.“ Er habe seine Ausbildung zunächst nicht einmal auf wirtschaftliche Themen ausgerichtet. „Ich fing als Architektur-Student an und habe dann in einem Sommer das Thema ‚Marketing‘ entdeckt, als ich in der Industrie-Design-Firma arbeitete.“ Sculley schloss dann an der Wharton School der Business School der University of Pennsylvania, mit einem MBA ab. In seiner Zeit bei Procter & Gamble habe er zu der Zeit an der Verpackung der Zahnpasta Crest gearbeitet, als das Unternehmen die Erlaubnis bekam, das Gütesiegel der American Dental Association zu verwenden. „Wir haben ihre Worte direkt auf die Tube gedruckt.“

    Bei Pepsi stieg Sculley 1970 zum Vize-Präsidenten auf und beschäftigte sich mit Themen wie der Gestaltung der Pepsi-Flaschen und der Einführung von Verpackungen, in denen 12 oder 24 Pepsi-Dosen Platz fanden. Nach Einsätzen im Ausland wurde Sculley 1977 zum Pepsi-Präsidenten befördert. Sein größter Erfolg war dann die Einführung der „Pepsi-Challenge“, eine Werbekampagne, der der in Straßenumfragen Passanten aufgefordert wurden, bei einer Blind-Verkostung zu sagen, welche Cola am besten schmeckt – und bei der natürlich Pepsi die Nase vorn hatte.

    Seinen ersten Personal Computer – eine Apple II – hat sich Sculley nach eigenen Angaben 1980 gekauft. „Ich kann mich daran erinnern, den Computer geöffnet und ins Innere geschaut zu haben. Ich sagte: ‚Da ist ja nichts drin‘. Ich konnte es einfach nicht glauben.“ In dem von Steve Wozniak entworfenen Apple II gab es aber keine Röhren mehr, die Sculley als Radio-Bastler wohl erwartet hatte.

    Zwei Jahre später wurde Sculley von einem Headhunter kontaktiert, der im Auftrag von Apple nach einem CEO für das kalifornische Start-Unternehmen suchte. Der Rest der Geschichte ist bereits erzählt: Mit der Vision, die Welt zu verändern, lockte Steve Jobs den Pepsi-Manager 1983 nach Cupertino. Zwei Jahre später trennte sich das „Dynamic Duo“ einem lauten Knall.

    Der Durchmarsch der Sculley-Gang

    Nach dem Weggang von Jobs ersetzte Sculley im Apple-Management systematisch Experten mit einem technischen Hintergrund durch Marketing-Leute. So stieg 1987 Allan Z. Loren, der von einem Versicherungsunternehmen zu Apple gekommen war, zum Leiter der Computer-System-Abteilung auf. In diesem Jahr sagte Sculley in dem Playboy-Interview auch voraus, dass in einem Zeitraum von 20 Jahren die Sowjetunion eine bemannte Mission zum Mars erfolgreich abschließen können und der Wert der börsennotierten  Unternehmen in Japan höher sei als in den USA.

    Sculley wollte nicht nur als Marketing-Mann in die Chroniken der Technologie-Geschichte eingehen, sondern als ein Visionär des 21. Jahrhunderts. Der Apple-CEO beauftragte damals den späteren Netscape-Designer Hugh Dubberly und die Künstlerin Doris Mitsch mit der aufwändigen Produktion des Videos „Knowledge Navigator“, in dem die Vision eines vernetzten Tablet-Computers, visualisiert wird, der Persönlicher Digitaler Assistent, Kommunikationszentrale und vernetzte Wissensmaschine in einem ist. Das Team, zu dem auch Mike Liebhold, Michael Markman und Mitarbeiter der Kenwood Group, einer externen Produktionsfirma gehörten, wurde von Bud Colligan geleitet, der bei Apple für das Marketing im Bereich „Higher Education“ zuständig war. Das Video wurde im Oktober 1987 erstmals öffentlich ausgeführt. In dem Film spielt im im Jahr 2009. Der „Knowledge Navigator“ dient einem Berkeley-Professor als „Persönlich Digitaler Assistent“ bei seiner Arbeit.

    Parallel zur Videoproduktion beschrieb Sculley in seiner Autobiografie die Vision eines „Macintosh der Zukunft“. Der „Knowledge Navigator“ könnte eine „wunderbare Phantasiemaschine“ sein, „ein Entdecker neuer Welten, ein ebenso wunderbares Werkzeug wie die Druckerpresse“.

    Der einzelne könnte es einsetzen, um durch Bibliotheken, Museen, Datenbanken und Regierungsdokumente zu „fahren“. Dieses Werkzeug würde das Individuum nicht nur an die Schwelle dieser großen Reichtümer geleiten, wie das heute hochentwickelte Computer können, es würde ihn tief in die Geheimnisse hineinziehen, indem es die Informationen interpretiert und so in Wissen verwandelt.

    John Sculley

    Die Vision des Knowledge Navigators

    Sculley wurde der Entwicklung des Konzeptes vom „Knowledge Navigator“ maßgeblich vom Apple Fellow Alan Kay beeinflusst.

    Dynabook-Konzept von Alan Kay (August 1972)
    Dynabook-Konzept von Alan Kay (August 1972)

    Der Informatiker gilt als Pionier des objektorientierten Programmierens, das er an der University of Utah in den späten 60er Jahren im Rahmen eines APRA-Projektes konzipierte. Am Forschungszentrum Xerox PARC entwickelte Kay zusammen mit Dan Ingalls, Adele Goldberg und anderen in den siebziger Jahren die objektorientierte Programmiersprache Entwicklungsumgebung Smalltalk. Am Xerox PARC entwarf Kay außerdem das konzeptionelle Computer-System Dynabook, das letztlich den modernen Tablet-Computern wie dem iPad ähnelt.

    Kay trat 1986 an Sculley heran und forderte größere Forschungsanstrengungen bei Apple ein, weil es keine Institution gebe, von der Apple Konzepte für einen Personal Computer der nächsten Generation übernehmen könne: „Beim nächsten Mal werden wir kein Xerox haben.“ Jede innovative Technologie – egal wie einfach oder komplex – benötige 15 bis 20 Jahre, um sich von einem Konzept zu einer kommerziellen Anwendung zu entwickeln. Daher wurde es Zeit, für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei Apple ein Konzept in den Raum zu stellen.

    Die Quintessenz der jahrelangen Untersuchung von Alan wurde im Jahre 1987 in einem Konzept umgesetzt, das wir als Knowledge Navigator bezeichneten. Moore’s Law hatte ja schon vorausgesagt, dass die (ständig wachsende) Rechenleistung in den kommenden zwanzig Jahren in der Lage wäre, dreidimensionale Geometrien in Echtzeit zu manipulieren. Der Knowledge Navigator sagte eine Welt der interaktiven Multimedia-Kommunikation voraus, in der Rechenleistung als gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand allgenwärtig ist. Auf Wissens-Anwendungen werde dann durch intelligente Agenten zugegriffen, die über Netzwerke mit riesigen Mengen an digitalisierten Informationen verbunden sind.

    Dem Knowledge Navigator sollten eine Reihe neuartiger Schlüsseltechnologien zugrunde liegen:

    1. Fortschrittliche Kommunikationstechnologie, die weltweit Rechner und Datenbanken miteinander verbindet und den Anwendern breitere Informationspfade zur Verfügung stellt.
    2. Echtzeit-Animationen in 3D, die es erlauben, komplexe Modelle zu visualisieren.
    3. Verbesserte Datenbank-Technologien als Schlüssel zu umfassenden Informationssystemen.
    4. Hypermedia, die Verbindung von Text, Grafiken, Ton und bewegten Bildern, die den zukünftigen Computer-Anwendern intuitiv den Weg durch riesige Informationssammlungen weist.
    5. Spracheingabe, da die Tastatur als Eingabeinstrument nicht flexibel genug ist
    6. Maschinelle Übersetzung von fremdsprachigen Quellen in die Muttersprache des Anwenders.
    7. Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Die künstliche Intelligenz erlaubt die Verwendung von Agenten, die sowohl persönliche Vorlieben der Anwender erkennen als auch Strategien vorschlagen und damit zur Steigerung der Produktivität beitragen.

    Das Video „Knowledge Navigator“ wurde für einen Auftritt von John Sculley auf Educom im Oktober 1987 produziert, der wichtigsten Hochschul-Konferenz für wissenschaftliche Datenverarbeitung. „John Sculley sollte der Hauptredner auf der Educom sein. Für uns stand einiges auf dem Spiel, um dort eine ‚Vision‘ von Apple zu zeigen“, erinnert sich Bud Colligan. Nach seiner Erinnerung wurde das Video im Spätsommer 1987 innerhalb von nur sechs Wochen entworfen und produziert. „Wenn wenig Zeit zu Verfügung steht, bringt das manchmal tatsächlich ein Projekt auf den Punkt, hält das Skript straff und kappt die Länge.“

    Hier ist ein weiteres Video, das aus dem gleichen Projekt entstand. Darin diskutieren Alan Kay, Steve Wozniak, Diane Ravitch (Director, Encyclopaedia Britannica) und andere die Auswirkungen des „Knowledge Navigator“-Konzeptes auf Bereiche wie Lernen, Computing und die Geschäftswelt.

    Der Knowledge Navigator sollte aber nicht nur ein abstraktes Konzept bleiben, sondern sich auch in einem konkreten Produkt – einem Personal Digital Assistant (PDA) niederschlagen. Dabei hatte Apple-Chef John Sculley nicht die Geduld, „15 bis 20 Jahre“ zu warten, bis sich aus einem abstrakten Konzept ein funktionierendes Produkt entwickelt, wie Apple-Fellow Alan Kay postuliert hatte.

    Vom Knowledge Navigator zum Apple Newton

    Bei der Suche nach einem talentierten Ingenieur und Manager, der das PDA-Projekt vorantreiben sollte, wurde Sculley in der Entwicklung-Abteilung von Apple auf Steve Sakoman aufmerksam. Der ehemalige HP-Angestellte war noch von Steve Jobs 1984 bei Apple eingestellt worden, um an einer Laptop-Version des Macintosh mitzuentwickeln. Nachdem Jobs das Unternehmen verlassen hatte, waren auch die Laptop-Pläne auf Eis gelegt worden. Sakoman arbeitete stattdessen in führender Position an der Entwicklung des Mac Plus, Mac SE und Mac II mit. Mit seiner Aufgabe war Sakoman aber nicht zufrieden. Immer wieder versuchte er die Apple-Spitze davon zu überzeugen, einen mobilen Rechner mit Handschriften-Erkennung zu entwickeln. Um seinen Traum zu verwirklichen, stand er kurz davor, Apple zusammen mit Jean Louis Gassée zu verlassen, um ein eigenen Unternehmen zu gründen. Als Investor stand schon der Gründer von Lotus, Mitch Kapor, bereit. Doch dazu kam es nicht – vermutlich auch, weil Apple die Abtrünnigen verklagt hätten. Um Sokoman bei Laune zu halten, schlug Gassée ein „skunk works project“, also ein kleines, geheimes Unternehmensprojekt, vor. Sokoman griff die Idee begeistert auf und nannte das Projekt Newton nach dem legendären Naturforscher Sir Isaac Newton, der auch auf dem ersten Apple-Logo zu sehen war. Zusammen mit einem Tam von Ingenieuren, zu denen auch der Entwickler des Finder, Steve Capps, gehörte, zog sich Sakoman in ein Bürogebäude in der Bubb Road in Cipertino zurück, in dem einst Steve Jobs die Entwickler-Truppe des ersten Apple Macintosh bis zur Erschöpfung angetrieben hatte.

    Es sollte dem Newton-Team nicht gelingen, in den kommenden drei Jahren einen funktionierenden Prototypen des Apple Newton zu entwickeln, obwohl Gassée dafür sorgte, dass das Projekt genügend Mittel zur Verfügung hatte. Insbesondere die angestrebte Handschriftenerkennung bereitete große Probleme. Als der deutsche Apple-Manager Michael Spindler 1990 die Position des Geschäftsführers (COO) hinter John Sculley übernahm, versiegte der Finanzstrom. Gassée und Sakoman verließen Apple, um Be Inc. zu gründen – hinterließen aber immerhin halbwegs brauchbare Spezifikationen und Preiskalkulationen. Apple-Manager Larry Tesler, der 1980 vom Forschungsinstitut Xerox PARC zu Apple gekommen war, musste nun beurteilen, ob nun der Newton zu Ende entwickelt und auf den Markt gebracht werden soll oder ob das Apple-interne Konkurrenzprojekt „Pocket Crystal“ zum Zuge kommen sollte, an dem Apple-Legenden wie Andy Hertzfeld, Marc Porat und Bill Atkinson gearbeitet hatten. Tesler entschied sich für das Newton-Konzept.

    Die drei Freunde Atkinson, Porat und Hertzfeld gründeten im Mai 1990 die Firma General Magic und entwickelten auf der Basis von „Pocket Crystal“ das Mobil-OS Magic Cap und ein Konzept von virtuellen Agenten, die auf der Basis der Programmiersprache Telescript durch das Netz streifen und Inhalte recherchieren oder Aufgaben erledigen. Das Unternehmen ging im Februar 1995 an die Börse – konnte allerdings nie wirklich erfolgreiche Produkte am Markt platzieren. Das geistige Eigentum der Firma landete 1998 vor allem bei Microsoft. Am 17. September 2002 stellte General Magic den Betrieb ein. Viele Patente des gescheiterten Unternehmens wurden von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen ersteigert.

    Zurück zu den Aktivitäten bei Apple im Jahr 1990: Nach der Vorauswahl von Tesler setzte Apple-Chef Sculley dem Newton-Team eine Frist, um den Status eines Forschungsprojektes zu beenden. Am 2. April 1992 sollte der Apple Newton für 1.500 Dollar auf den Markt kommen, lautete die Ansage von Sculley. Diese Vorgaben führten auch dazu, dass ein von Tesler favorisiertes größeres (und teueres) Newton-Modell („Senior“) verworfen.

    Prototyp des Apple Newton
    Prototyp des Apple Newton

    Den von Sculley gesetzten Zeitrahmen konnte das Newton-Team natürlich nicht einhalten. Immerhin wagte sich der Apple-CEO Im Mai 1992 mit einem kaum funktionierenden Prototyp des Gerätes auf auf die Consumer Electronics Show in Chicago, der von der Presse euphorisch begrüßt wurde.

    Gut ein Jahr später, am 3. August 1993 war es dann soweit: Apple stellte auf der MacWorld Expo in Boston das Apple Newton MessagePad Das erste MessagePad der Baureihe basierte auf einem mit 20 MHz getakteten ARM-Prozessor 610 und hatte 4 MByte ROM und 640 KByte RAM-Speicher sowie einen monochromen Touch-LCD mit 336 × 240 Pixeln. Das originale MessagePad wurde in deutscher oder englischer Version ausgeliefert und kam im Dezember 1993 auch in Deutschland auf den Markt.

    Ein Schwachpunkt der ersten Newton-Modelle war die vom russischen Unternehmen ParaGraph entwickelte Handschriftenerkennung CalliGrapher.

    Pech für Apple und den Newton, dass der Calligrapher in der ersten Version unzureichend funktionierte und sich die Schreibfehler zum Newton-Image verdichteten. Von diesem Image kam der Stiftrechner auch dann nicht los, als die Schrifterkennung und die Erwartungen der Nutzer kompatibel wurden. Ab der Newton-Systemversion 2.0 war die von Apple entwickelte Rosetta-Engine an Bord, die Einzelbuchstaben erkennen konnte — Calligrapher dagegen konnte nur Schreibschrift; da die deutsche Schreibausbildung weniger standardisiert ist als die amerikanische, wurde dadurch die Schrifterkennen zusätzlich erschwert. Zudem setzen Calligrapher und Rosetta auf ein Wörterbuch auf: Was nicht drin ist, wird nicht (oder nur schlecht) erkannt.

    (Detlef Borchers: Apples Newton: Der Schwerkraft getrotzt, doch der Zeit voraus)

    Das Newton-Desaster

    Für Apple-Chef Sculley und sein „Baby“ Newton drehte sich der Wind, als sich Leute wie der Cartoonist Garry Trudeau über die offensichtliche Schwachstelle des Apple-PDA mokierten. Der Doonesbury-Comic wirkte sich für das Image des Newton verheerend aus, obwohl Garry Trudeau sich eigentlich mehr über die Geeks lustig machen wollte, die Gadgets wie den Newton für unverzichtbar halten, als über das Gerät selbst.

    Garry Trudeau macht sich im Doonesbury-Comic über den Apple Newton lustig
    Garry Trudeau macht sich im Doonesbury-Comic über den Apple Newton lustig

    Noch bevor das Newton-Desaster  offenbar wurde, neigten sich die Tage von John Sculley bei Apple ihrem Ende entgegen. In der Welt der Personal Computer bauten IBM, Microsoft und PC-Hersteller wie Compaq ihren Vorsprung am Markt gegenüber dem Mac immer weiter aus. Und Wunder-Projekte wie der Newton oder die Spielekonsole Pipin zündeten nicht. Eine von Sculley ausgehandelte Vereinbarung mit Microsoft sorgte zwar dafür, dass der Softwaregigant weiterhin sein Office-Paket für den macintosh produzierte. Doch Apple erkaufte diesen Achtungserfolg sehr teuer, denn Microsoft ließ sich dafür quasi einen Freibrief für die Weiterentwicklung für Windows ausstellen, der Apple später in große Nöte bringen sollte. Mit den von Sculley zugesagten Rechten in der Hand, konnten Bill Gates und seine Juristen eine breit angelegte Ideenklau-Klage von Apple locker abwehren.

    Sculley schien spätestens 1992 den Spaß verloren zu haben, an der Spitze von Apple zu stehen. Er tummelte sich lieber im Umfeld der Washingtoner Politik als mit seinen Ingenieuren über innovative Produkte zu sprechen. Auch in der Entwicklung eines neuen Betriebssystems für den Macintosh kam Apple in dieser Zeit nicht voran. Und die Kunden waren von der unübersichtlichen Produktpalette von Apple heillos überfordert.

    John Sculley tritt zurück

    Nachdem Sculley monatelang vergeblich versucht hatte, einen großen IT-Konzern zum Einstieg bei Apple zu bewegen, gab er im Sommer 1993 auf. Am 18. Juni trat John Sculley zunächst als CEO zurück und übernahm den „Grüßgott-August“-Posten des Apple Chairman. Zu seinem Nachfolger wurde Michael Spindler berufen, der dann Apple noch tiefer in den Schlamassel reiten sollte. Nachdem Apple am 14. Oktober 1993 miserable Zahlen für das 4. Geschäftsquartal mit einem 97-prozentigen Gewinn-Rückgang verkünden musste, gab Sculley auch die Position des Chairman auf und verließ Apple für immer.

    Der Abgang wurde durch eine Abfindungszahlung in Höhe von einer Millionen Dollar versüßt. Außerdem erhielt Sculley noch einen mit 750.000 Dollar dotierten Beratervertrag. Apple kaufte ihm weiterhin seine 4-Millionen-Dollar-Villa in Woodside und seinen Learjet für zwei Millionen sowie Aktienoptionen im Wert von 2,4 Millionen Dollar ab. Kaum hatte Sculley das 10-Millionen-Dollar-Paket in den Händen, übernahm er bei Spectrum Information Technologies die Position des CEO und Chairman. Zu diesem Zeitpunkt leitete jedoch die amerikanische Börsenaufsicht SEC ein Verfahren gegen Spectrum wegen betrügerischer Bilanzierung ein, so dass Sculley sich bald wieder einen neuen Job suchen musste.

    Zusammen mit seinen Brüdern Arthur und David gründete John Sculley dann die Investment- und Beratungsfirma Sculley Brothers LLC und beteiligte sich später an verschiedenen Internet-Unternehmen und Start-ups.

    John Sculley
    John Sculley

    Im Februar 2011 bedauerte John Sculley im Schweizer Fernsehen, dass er dazu beigetragen hatte, dass Steve Jobs 1985 Apple den Rücken kehrte: „Steve ist unbestritten der beste Firmenchef, den es zu meinen Lebzeiten gab. Ihn rauszudrängen, war ein großer Fehler. Ich glaube nicht, dass Steve mir je verzeihen wird. Und ich denke, er wird nie wieder mit mir sprechen.“

    Tatsächlich fiel zwischen Jobs und Sculley nie wieder ein Wort. Der Apple-Gründer starb am 5. Oktober 2011, ohne noch einmal mit Sculley gesprochen zu haben.

    In einem BBC-Interview auf der Consumer Electronics Show 2012 in Las Vegas, wo er als Berater des Unternehmens Audax Health auftrat, betonte Sculley aber nochmals, er sei für den Niedergang von Apple Anfang der neunziger Jahre nicht verantwortlich gewesen:

    Als ich Apple verließ, hatte das Unternehmen zwei Milliarden Dollar Barreserven. Apple war eine der profitabelsten Computerfirmen in der Welt – nicht nur PC-Unternehmen. Apple war die Nummer eins beim Computer-Verkauf. Dass ich Steve (Jobs) gefeuert habe, ist ein Mythos, der falsch ist. Und der Mythos, dass ich Apple zerstört habe, stimmt ebenfalls nicht. Nachdem ich gegangen bin und bevor Steve wieder zurückgekommen ist, sind viele Dinge (bei Apple) passiert.

    John Sculley

    Quellen:

    John Sculley und John A. Byrne: Meine Karriere bei PepsiCo und Apple, ECON Taschenbuch Verlag, 2. Aufl. Düsseldorf, Wien 1991. (Dt. Ausgabe der Autobiografie Odyssey – Pepsi to Apple)

    Walter Isaacson: Steve Jobs, C.Bertelsmann Verlag, München 2011.

    Detlef Borchers: Apples Newton: Der Schwerkraft getrotzt, doch der Zeit voraus (Abgerufen: 20. Januar 2012, 20:20 UTC)

    Seite „Knowledge Navigator“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. November 2010, 19:05 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Knowledge_Navigator&oldid=81700331 (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:20 UTC)

    Artikel BBC Ex-Apple boss Sculley sets record straight on Jobs (Abgerufen: 21. Januar 2012, 16:35 UTC)

    Artikel Forbes.com For a Preview of the iPad3, Watch This 23-Year-Old Apple Video (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:10 UTC)

    Artikel: Apple – Erfolg und Misserfolg im Spiegel ausgewählter Produkte  (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:10 UTC)

    Leander Kahney: John Sculley On Steve Jobs, The Full Interview Transcript (Abgerufen: 29. Januar 2012, 20:05 UTC)

  • Wie Steve Jobs das Macintosh-Projekt entdeckt hat

    Mit dem Börsengang von Apple Computer im Dezember 1980 wurde Steve Jobs zum Multimillionär – doch er besaß nicht genügend Aktien, um Apple Computer insgesamt und damit auch seine eigene Aufgabe innerhalb von Apple bestimmen zu können. Anfang 1981 stand er zumindest ohne Verantwortung für ein bestimmtes Projekt da. Zum Leidwesen von Jef Raskin stürzte sich Jobs auf das Macintosh-Projekt, das zu diesem Zeitpunkt im Apple-Verwaltungssrat (Board) noch nicht so richtig ernst genommen wurde.

    Doch Steve Jobs wusste, was er wollte: Er hatte bei Xerox PARC die grafische Benutzeroberfläche des Xerox Alto gesehen. Statt grüner Buchstaben auf dunklem Hintergrund sah man weiße Dokumenten-Fenster mit schwarzer Schrift – wie bei einem Blatt Papier. Verschiedene Schriftarten konnten ausgewählt werden. Die Grafikkarte steuerte auf dem Bildschirm frei einzelne Pixel an. Mit Hilfe einer Maus konnte ein Zeiger auf dem Bildschirm bewegt werden, um Texte zu markieren oder Befehle auszuführen. Dateien wurden durch Symbole auf einem virtuellen Schreibtisch repräsentiert.


    Demo des Xerox Alto (aus: Triumph of the Nerds)

    Den Alto konnte man nicht kaufen. Allein der Hauptspeicher dieses Experimental-Computers hätte zu diesem Zeitpunk rund 7000 Dollar gekostet. Jobs wollte einen Computer noch besser als der Alto – und auch besser als Apples Lisa. Die neue Wundermaschine sollte aber nur einen Bruchteil von Lisa kosten, für den man inklusive externer Festplatte rund 12 000 Dollar zahlen musste.
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