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  • Steve Wozniak: „Steve Jobs war nicht von Anfang an ein Marketing-Genie“

    Steve Wozniak: „Steve Jobs war nicht von Anfang an ein Marketing-Genie“

    Steve Wozniak weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Kommunikation ist, insbesondere beim Aufbau eines Unternehmens. Schließlich hat er Apple zusammen mit einem der größten Kommunikatoren und Vermarkter der Tech-Welt aller Zeiten gegründet: Steve Jobs.

    Der verstorbene Jobs gilt seit langem als „Genie“. Wie er die Apple-Produkte vermarktete und verkaufte, von denen die meisten in den Anfangstagen des Unternehmens von Wozniak entworfen und gebaut wurden, gilt als legendär. Wozniak erklärt jedoch gegenüber CNBC Make It, dass sein Partner nicht immer ein Marketing- und Kommunikationsguru gewesen sei. „Woz“ sagt, dass dies Fähigkeiten waren, die Jobs entwickeln musste, um zu kompensieren, dass er kein besonders begabter Computertechniker war.

    „Er lernte eine Menge Marketingprinzipien, weil er nicht wirklich fähig war, in technischer Hinsicht, Sie wissen schon, Computerhardware [und] Software“, sagt Wozniak über Jobs. „Er musste andere Bereiche finden, um sich wichtig zu machen.“

    Letztes Jahr begann Wozniak in der Online-Reality-Show „Unicorn Hunters“ mitzuspielen, unter anderem an der Seite der ehemaligen US-Schatzmeisterin Rosie Rios und des Sängers Lance Bass. In der Show müssen er und die anderen Jurymitglieder Investitionsvorschläge von Tech-Start-up-Gründern entgegennehmen, ähnlich bei der Sendung „Die Höhle des Löwen„, die in Deutschland bei VOX als Ableger der britischen Sendung „Dragons’ Den“ läuft.

    Wozniak sagt, er sei manchmal „erstaunt“, wie ineffektiv manche Unternehmer kommunizieren. „Wir haben viele Pitches gesehen, die etwas holprig und stotternd waren, und sie haben sich irgendwie selbst verloren, und das ist nicht hilfreich, wenn man vor Investoren auftritt“, sagt er.

    Apple-Mitbegründer Steve Jobs und Steve Wozniak
    Steve Wozniak (r) und Steve Jobs sitzen an einem Computer. Foto: Apple

    Natürlich könnte Wozniak durch die jahrelange Zusammenarbeit mit Jobs verwöhnt worden sein. Im vergangenen Jahr sagte Wozniak einmal, dass sich die Persönlichkeit von Jobs bei der Gründung von Apple gewnadelt habe. Zuerst sei er lebenslustiger Freund gewesen. Er habe sich dann zu jemandem verwandelt, der es mit dem Aufbau eines Unternehmens sehr ernst meinte, das die Welt verändern sollte. Ein entscheidender Teil dieses Wandels, so Wozniak heute, bestand darin, Jobs bei der Entwicklung seiner Kommunikationsfähigkeiten“ zu beobachten.

    „Er war der wichtigste Kommunikator und der wichtigste Entscheider in Sachen Geschäft. Darin war er sehr gut“, sagt Wozniak. Der Apple-Mitbegründer meint, Jobs‘ Fähigkeiten als Kommunikator und Verkäufer hätten Apple geholfen, Produkte wie das iPhone erfolgreich als benutzerfreundlich zu vermarkten. „Das Smartphone war etwas, das auf Jobs‘ Leben anwendbar war“, sagt Wozniak: „Ein verständliches Technologieprodukt in der Hand, das den Durchschnittsbürger nicht verwirrt. Man musste sich nicht mit Technik auskennen [um sie zu benutzen].“

    Diese Fähigkeit unterschied Jobs schließlich vom Rest seiner Generation von Technologie-Ikonen. In einem Interview aus dem Jahr 2020 sagte Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, er sei „so neidisch“ auf Jobs, weil er ein so natürlicher Redner gewesen sei. Gates nannte Jobs ein „Genie“, vor allem wegen der Art und Weise, wie er Menschen inspirieren konnte – von Kunden bis hin zu seinen eigenen Mitarbeitern.

    Dabei war Jobs oft ein schwieriger und anspruchsvoller Chef. Der ehemalige Apple-Mitarbeiter Guy Kawasaki schrieb 2019, dass die Arbeit für Jobs „manchmal unangenehm und immer beängstigend war, aber sie trieb viele von uns dazu an, die beste Arbeit unserer Karrieren zu leisten.“

    Und laut Wozniak war Jobs kein natürlicher Kommunikator. Im Jahr 2020 sagte Wozniak im Podcast „Guy Kawasaki’s Remarkable People“, dass Jobs‘ intensiver, unermüdlicher Drang, ein erfolgreicher Kommunikator und eine Führungspersönlichkeit zu werden, von seinem Wunsch herrührte, letztlich als wichtige historische Figur in Erinnerung zu bleiben – und diese Motivation trieb ihn an, die entsprechenden Fähigkeiten dafür zu entwickeln.
    „Manchmal ist die Motivation, etwas zu wollen, viel wichtiger als die tatsächlichen Fähigkeiten“, sagte Wozniak.

  • Apple Macintosh – Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

    Apple Macintosh – Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

    Ohne den Input von Steve Jobs manövierte sich Apple mit dem Macintosh ins Abseits.

    Teil 4

    Mit Beginn der 90er Jahre geriet Apple mit seinen Macs in immer größere Schwierigkeiten. Spätestens mit der Version 3.0 machte Windows von Microsoft der Oberfläche immer stärker Konkurrenz. Apple versuchte, mit Geräten für den Massenmarkt wie der „Pizzaschachtel“ LC und später mit der Performa- und Quadra-Familie gegenzuhalten und konnte immerhin zeitweise seinen Absatz erhöhen. Allerdings gelang es Apple immer weniger, einen Premium-Preis für die Macs zu rechtfertigen, so dass die Gewinne in diesen Jahren immer weiter sanken. Außerdem war sowohl bei den Prozessoren als auch beim Betriebssystem eine Generalüberholung überfällig.

    Der Macintosh LC erhiel den Spitznamen "Pizzaschachtel"
    Der Macintosh LC erhiel den Spitznamen „Pizzaschachtel“

    1994 waren die Motorola-Prozessoren der 680×0-Plattform an ihrem Zenit angekommen. Apple hatte schon zuvor begonnen, gemeinsam mit IBM und Motorola eigene Chips unter dem Namen PowerPC zu entwickeln. Die Transformation auf neuartige RISC-Architektur muss rückblickend als technische Meisterleistung gewertet werden, weil die Kunden eine deutlich höhere Geschwindigkeit erhielten, ohne sich an ein neues System gewöhnen oder ihre Software komplett austauschen zu müssen. Innerhalb von neun Monaten konnte Apple über eine Million Power Macs verkaufen.

    Ein Variante des Power Macintosh schrieb Design-Geschichte: Zum 20. Gründungstag von Apple Computer am 1. April 1996 kündigte Apple mit einer merkwürdigen Verzögerung auf der MacWorld Expo im Januar 1997 den Twentieth Anniversary Macintosh an, der kurz vor dem 21jährigen Firmenjubiläum dann tatsächlich auch für stolze 7.499 Dollar (entspricht heute inflationsbereinigt 11.000 Dollar) auf den Markt kam. Die technischen Spezifikationen entsprachen in etwa dem Power Macintosh 6500, der allerdings „nur“ 2999 Dollar kostete.

    Für ihr Geld erhielten die Kunden des auffällig gestalteten Sondermodells einen 12-Zoll-Aktivmatrix-Flüssigkristallbildschirm, ein von Bose entworfenes Soundsystem mit einem externen Subwoofer sowie einen eingebauten TV-Tuner. Der „TAM“ wurde den Käufern von einem Concierge-Dienst nach Hause gebracht und in Betrieb genommen. In einem echte Video-Schätzchen kann man den jungen Designer Jony Ive bewundern, der erläutert, wie der Twentieth Anniversary Macintosh hergestellt wurde und welche Features er bietet:

    Doch die Idee floppte trotz des Einsatzes von Ive, der den TAM wesentlich mitgestaltet hatte. Kurz vor der Einstellung des Produkts im Frühjahr 1998 ging es dann auch weniger vornehm zu als beim Produktstart. Die Restbestände wurden für knapp 2.000 Dollar verramscht und mussten von den Käufern selbst abgeholt werden. Heute ist der TAM allerdings ein begehrtes Sammlerobjekt.

    Der Erfolg von Apple mit den PowerMacs lenkte von einem grundlegenden Problem ab, das nach der Vorstellung von Windows 95 durch Microsoft im August 1995 offen zu Tage trat. Die Kombination der „Wintel“-PCs (Intel-Chip und Windows als Betriebssystem) war enorm erfolgreich und in der Regel deutlich preiswerter als die Macs.

    Bill Gates präsentiert Windows 95
    Bill Gates präsentiert Windows 95

    In dieser Phase konnte Apple nicht mit eigenen Innovationen entgegenhalten. Ganz in Gegenteil: Mac-Anwender klagten immer häufiger über dubiose Fehlermeldungen, die das in die Jahre gekommene Mac-Betriebssystem in Serie ausspuckte.

    Das Macintosh-System unterstützte damals kein präemptives Multitasking. Es gab keinen Mehrbenutzerbetrieb, Speicherbereiche konnten weder geschützt noch dynamisch verwaltet werden. Deshalb war das traditionelle Mac-System konzeptionell sehr anfällig für Instabilitäten. In der Konzernzentrale in Cupertino wurden diese Schwierigkeiten zwar zur Kenntnis genommen. Doch der Versuch, System 7 durch ein von Grund auf neugeschriebenes Betriebssystem mit dem Codenamen „Copland“ zu ersetzen, scheiterte grandios.

    Mac OS Copland
    Mac OS Copland

    John Sculley hatte zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen längst verlassen, und auch sein Nachfolger, Michael Spindler („The Diesel“), ein Deutscher, konnte das Ruder nicht herumreißen. Im Februar 1996 musste Spindler den Chef-Posten für Gil Amelio räumen, dem der Ruf eines klassischen Sanierungs-Managers vorauseilte.

    Auf der Suche nach einem neuen Mac-Betriebssystem war bei Apple sogar ein Umstieg auf Windows NT von Microsoft im Gespräch. Amelio erwog aber auch, BeOS des ehemaligen Apple-Spitzenmanagers Jean-Louis Gassée einzukaufen. Doch letztlich setzte sich Steve Jobs mit seinem NeXT-System durch. Er war nach seinem Rauswurf nicht nur mit dem Trickfilmstudio Pixar zu einem Hollywood-Tycoon aufgestiegen, sondern hatte mit NeXT den Versuch unternommen, die Computer der nächsten Generation zu bauen. Die schwarzen Würfelrechner liefen mit dem modernen NeXTstep-Betriebssystem, das auf Unix beruhte.

    Weiterlesen: Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

    Steve Jobs (6): Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

    NeXT-Logo
    NeXT-Logo

    Steve Jobs’ neue Computerfirma NeXT war anders als das Filmstudio Pixar komplett auf den Chef ausgerichtet. Hier sollte der Computer entstehen, den Jobs bei Apple nicht bauen durfte. Als die Geldvorräte knapp wurden und immer noch kein Produkt in Sicht war, schwatzte er dem Multimillionär Ross Perot 20 Millionen Dollar ab, um eine hypermoderne Fabrik für die Produktion des NeXT bauen zu lassen.

    Den legendären Designer Paul Rand, der zuvor den IBM-Schriftzug entworfen hatte, beauftragte Jobs mit der Gestaltung des NeXT-Logos, der deutsche Designer Hartmut Esslinger schuf das legendäre schwarze Würfel-Gehäuse. Und Steve Jobs kümmerte sich um Details, die seinen Mitarbeitern kaum zu vermitteln waren. So verlangte er, dass die Schrauben im Rechner eine teure Beschichtung erhielten und der mattschwarze Lack auch auf der Innenseite des Gehäuses aufgetragen wurde, obwohl der Anwender dies nie zu sehen bekommen würde. „Er kannte keine Kompromisse“, sagt Esslinger. Wer einen NeXT-Cube ausprobierte, war in der Regel begeistert.

    Tim Berners-Lee's NeXT cube at CERN
    NeXT-Cube von Tim Berners-Lee am CERN

    Doch die 6500 Dollar, die der NeXT-Würfel kostete, waren den meisten Interessenten zu viel. Außerdem gab es für die leistungsfähige Workstation damals noch kaum Software, sodass insgesamt nur rund 50 000 Systeme abgesetzt wurden. Deshalb fand Jobs für die teure Hardware – ähnlich wie beim ersten Macintosh – nur wenig Käufer. Immerhin war unter den europäischen NeXT-Anwendern der britische Wissenschaftler Tim Berners-Lee, der auf einem schwarzen NeXT-Cube am Forschungszentrum CERN in Genf das Konzept des World Wide Web und den ersten Browser entwickelte.

    In dieser Zeit lernte Archibald Horlitz, Chef des größten deutschen Apple-Händlers Gravis, Steve Jobs kennen. Horlitz hatte von dem neuen Projekt gehört und klopfte bei einer Kalifornien-Reise spontan bei NeXT an, um sich vom Chef persönlich das System vorführen zu lassen. „Steve Jobs hatte mehrere Facetten. Wenn er etwas wollte, konnte er einer der charmantesten Menschen der Welt sein“, erinnert sich Horlitz. „Ich habe von einem Kollegen bei NeXT gehört, wie dort typische Einstellungsgespräche abliefen. Er nahm die Leute im wahrsten Sinne des Wortes in den Arm und lief mit ihnen ein, zwei Stunden über den Stanford-Campus. Wenn sie dann zurückkamen, waren sie erleuchtet und konnten sich nichts Schöneres vorstellen, als für ihn zu arbeiten.“

    Jobs konnte so eine Reihe von großen Talenten wie Avie Tevanian oder Scott Forstall an sich binden. Doch eine wirtschaftliche Besserung für NeXT war nicht in Sicht. Das Unternehmen verbrannte bedenklich viel Geld – und bei Jobs gingen (noch vor dem Pixar-Börsengang) langsam die finanziellen Reserven zu Neige. 1993 zog er bei NeXT die Notbremse, entließ viele Mitarbeiter und stellte die Hardware-Produktion ein. NeXT fokussierte sich jetzt allein auf die Software-Entwicklung. Und wie bei einem Treppenwitz der Geschichte kam Steve Jobs mit dieser strategischen Entscheidung wieder bei seinem alten Unternehmen Apple ins Spiel.

    NeXT rettet Apple

    Apple befand sich Mitte der neunziger Jahre in einem denkbar schlechten Zustand. John Sculley hatte zwar Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre einige Erfolge in der Publishing-Industrie feiern können. Produkte wie die PowerBook-Familie kurbelten eine Zeitlang den Umsatz an. Doch an die Absatzzahlen der Hersteller von IBM-kompatiblen PCs mit dem Betriebssystem DOS von Microsoft kam Apple mit dem Macintosh nicht heran. Zum Start des Macs hatte Bill Gates 1984 den Apple-Rechner noch öffentlich als innovative PC-Plattform gelobt. Doch hinter dem Rücken von Steve Jobs machte sich der Microsoft-Gründer daran, die Konzepte des Macintosh für sein Windows-System auszuplündern. Jobs bekam Wind davon und stellte Gates wütend zur Rede: „Du zockst uns ab. Ich habe dir vertraut und jetzt beklaust du uns!“ Der Microsoft-Chef blieb ganz cool: „Ich glaube, das kann man auch anders sehen, Steve. Ich glaube, man könnte eher sagen, dass wir beide diesen reichen Nachbarn namens Xerox hatten und ich in sein Haus eingebrochen bin, weil ich seinen Fernseher klauen wollte, um dann feststellen zu müssen, dass du mir zuvorgekommen bist.“

    Nach dem Weggang von Jobs konnte auch Sculley nicht verhindern, dass Microsoft sein Windows-System ständig fortentwickelte und dabei Details der grafischen Bedienoberfläche des Macs übernahm. Apple war erpressbar, denn wichtige Anwendungsprogramme für den Mac kamen von Microsoft. Nachdem Bill Gates damit gedroht hatte, die Entwicklung von Microsoft Office für den Mac einzustellen, wenn Apple gegen Windows vorgehen werde, lizenzierte der Apple-CEO 1986 bestimmte Elemente der Mac-GUI an den Konkurrenten aus Redmond. Doch dann musste Sculley hilflos zusehen, wie die Microsoft-Truppe die Grenzen der Vereinbarung mit jeder neuen Windows-Version schamlos zu ihren Gunsten verschob.

    Michael Spindler
    Michael Spindler

    Auch eine 1988 von Apple angestrengte Klage konnte den Softwaregiganten nicht mehr stoppen. Das Gericht entschied 1992, dass Apple die grafische Bedienoberfläche oder die Idee des virtuellen Schreibtisches über das Urheberrecht nicht wie bei einem Patent schützen lassen könne. 1994 scheiterte Apple letztlich auch beim U.S. Supreme Court mit dem Versuch, Windows gerichtlich stoppen zu lassen. Sinkende Einnahmen und Schwierigkeiten in der Entwicklungsabteilung verschärften bei Apple die Krisenstimmung.

    Im Juni 1993 riss dem Apple-Verwaltungsrat der Geduldsfaden. Das Board ersetzte Sculley durch den deutschstämmigen Manager Michael Spindler, der beim Vertrieb in Europa Punkte gesammelt hatte. „The Diesel“ war ein effektiver Manager, doch ihm fehlte jegliche Inspiration. Er konnte Apple nicht aus der Krise führen. Ihm gelang es nicht einmal, das Unternehmen an Interessenten wie IBM, Sun Microsystems oder Philips zu verkaufen. Nach anderthalb Jahren wurde Spindler durch den Sanierungsexperten Gil Amelio als CEO abgelöst. Amelio musste 1996 – ein Jahr nach dem erfolgreichen Start von Windows 95 – vor allem die Frage nach dem künftigen Betriebssystem beantworten, da das Apple-interne Copland-Projekt grandios gescheitert war.

    Jean-Louis Gassée
    Jean-Louis Gassée

    Zur Auswahl standen BeOS des ehemaligen Apple-Managers Jean-Louis Gassée und Steve Jobs’ System NeXTStep. Um die Entscheidung zwischen Be und NeXT, die Steve Jobs für sich entscheiden konnte, ranken sich inzwischen unzählige Mythen, die heute nur noch schwer zu entwirren sind. Be verlor jedenfalls den Wettlauf. Apple zahlte im Februar 1997 knapp 430 Millionen Dollar für NeXT und das Know-how der Firma.

    Screenshot NeXTStep
    Screenshot NeXTStep

    Bill Gates hatte für den Richtungswechsel bei Apple nur Hohn und Spott übrig. „Glauben Sie wirklich, dass Steve Jobs etwas in der Hand hat?“, fragte Gates den noch amtierenden Apple-CEO Amelio. „Ich kenne seine Technologie, das ist nichts weiter als ein aufgewärmtes UNIX, und ihr werdet es nie schaffen, das auf euren Rechnern laufen zu lassen. (…) Wofür kaufen Sie diesen Müll?“ Gates nahm NeXTStep als Konkurrenzsystem nicht ernst. Er ahnte aber bereits, dass es nicht nur um ein neues Betriebssystem ging, sondern um einen Coup, der Steve Jobs wieder bei Apple an die Macht bringen sollte. Tatsächlich wurde Amelio fünf Monate später vom Board of Directors gefeuert und Jobs übernahm im September 1997 die Position eines „Interim-CEOs“. Apple stand damals 90 Tage vor dem Konkurs.

    Weiterlesen: Teil 8 – Der Neustart von Apple

  • Steve Jobs (8): Der Neustart von Apple

    Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

     

    Hilfe vom Erzfeind

    "Bill, thank you" - Steve Jobs on the cover of Time Magazine
    „Bill, thank you“ – Steve Jobs auf dem Cover des Time Magazines

    Die von Steve Jobs eingeleitete Wende hatte radikale Auswirkungen. Er räumte im Apple-Management brutal auf, reduzierte die Produktpalette dramatisch, killte das ambitionierte Newton-Projekt von John Sculley, kündigte die Vereinbarungen mit den Herstellern von Macintosh-Clones und holte ausgerechnet seinen Widersacher Bill Gates als Retter an Bord. Auf der MacWorld Expo in Boston 1997 verkündete der Microsoft-Chef auf einer riesigen Video-Leinwand, dass der weltgrößte Software-Konzern Apple-Aktien im Wert von 150 Millionen Dollar kaufen und die Entwicklung des Office-Pakets für den Mac fortsetzen werde. Die Apple-Fangemeinde war entsetzt und buhte Jobs und Gates lautstark aus. Doch Jobs blieb bei seinem Kurs: „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Microsoft verlieren muss, damit Apple gewinnen kann.“ In den Reihen der Apple-Mitarbeiter entfernte Jobs nun diejenigen, die er für Versager und Abzocker hielt, die das Unternehmen an den Rand der Pleite gebracht hatten. Aber nicht alle traf der Zorn des iCEO: „Es gab viele, die mir glaubwürdig versicherten, dass sie (in Anspielung auf das alte Apple-Logo) in sechs Farben bluten“, sagte der Apple-Chef 13 Jahre später rückblickend auf der Konferenz AllThingsD. Zu den frustrierten und unentdeckten Genies in der Apple-Belegschaft gehörte damals der junge Designer Jony Ive. „Er hatte die Nase voll davon, dass die Firma sich vor allem mit Profitmaximierung beschäftigte anstatt mit Produktdesign“,

    schreibt Walter Isaacson in der autorisierten Steve-Jobs-Biografie. Der damals 30 Jahre alte Brite sagte: „Ich erinnere mich sehr genau daran, wie Steve verkündete, dass unser Ziel nicht allein darin bestehe, Geld zu verdienen, sondern darin, tolle Produkte herzustellen“. Ive arbeitete bereits seit 1992 bei Apple, war von den Apple-Bossen Sculley, Spindler und Amelio aber ignoriert worden.

    Weniger ist mehr

    Mit Ive zogen Ideen des deutschen Industriedesigners Dieter Rams bei Apple ein, der maßgeblich die Formensprache beim Elektrogerätehersteller Braun entwickelt hatte. „Weniger ist mehr“ – der Grundsatz von Rams wurde nun auch zum gestalterischen Credo von Jony Ive und Steve Jobs. Ive verwandelte mit dem ersten iMac G3 die typische beigefarbene PC-Kiste in ein halbdurchsichtiges, bonbonförmiges Lifestyle-Bekenntnis. Mit den PowerBooks aus Titan und Aluminium huldigte Ive seinem Vorbild Rams, der bereits 1963 für den legendären Weltempfänger T1000 ein ähnlich aussehendes Alugehäuse entworfen hatte. Und im ersten iPhone fand sich im Jahr 2007 eine in Software gegossene Kopie des Taschenrechners ET44, den Rams 20 Jahre zuvor für Braun gestaltet hatte.

    Bildergalerie: Design-Vorbild Braun

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    Steve Jobs fasste die geistige Grundlage für das neue Design-Grundgesetz bei Apple 1998 so zusammen: „Einfach kann schwerer als komplex sein: Man muss hart arbeiten, um das eigene Denken so sauber zu bekommen, damit man es einfach machen kann. Aber schließlich lohnt es sich, weil man Berge versetzen kann, wenn man erst mal dahin gelangt.“ Und es ging ihm nicht um billige Mode-Effekte. „Mode ist, was jetzt schön erscheint und später hässlich aussieht“, sagte Jobs seiner leiblichen Schwester Mona. „Kunst kann zunächst hässlich aussehen, wird später aber schön.“

    Doch nicht nur äußerlich sahen die Apple-Rechner nun anders aus. Auch die Software der Macs erhielt ein neues Fundament. Im September 2000 kam die erste öffentliche Betaversion des neuen Betriebssystems Mac OS X heraus, das auf der NeXTStep-Software beruhte. Über den Unix-Kern stülpten die Apple-Designer die neue Bedienoberfläche Aqua. Sie war dem Design des iMac G3 nachempfunden und von transparenten Menüs, hellen Nadelstreif-Mustern und riesigen Icons geprägt. Das Mac OS X wurde in den vergangenen elf Jahren immer wieder verbessert und ausgebaut und liegt nun in der Version 10.7 „Lion“ vor. Aus Mac OS X wurde auch das Mobilsystem iOS für iPhone, iPod touch und iPad abgeleitet. Mit einem neuen Betriebssystem alleine hätte Apple vermutlich die Wende nicht geschafft. Es fehlte eine Suite von Multimedia-Programmen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Dabei griff Steve Jobs auf Hilfe aus Deutschland zurück und übernahm im April 2000 das kleine Karlsruher Software-Unternehmen Astarte. Die Truppe um Freddie Geier sorgte auch dafür, dass Apple ohne größeren Schaden aus einer Sammelklage enttäuschter OS-9Kunden herauskam, die einen funktionierenden DVD-Player vermissten. Noch Jahre später berichteten Mitglieder aus dem Astarte-Team, wie faszinierend und anstrengend zugleich die Zusammenarbeit mit Jobs war. „Er kannte jedes Detail. Und fast jedes Mal, wenn er mal wieder unsere Vorschläge auseinandergenommen und eigene Ideen präsentiert hatte, dachte ich, verdammt, darauf hätte ich auch kommen können“, sagt Geier.

    Die iPod-Revolution

    Mit der Gründung und Rettung von Apple und dem Macintosh alleine hätte sich Steve Jobs schon einen prominenten Platz in der Computer-Geschichte verdient. Doch seine wegweisenden Entwicklungen reichten weit über die Welt der Personal Computer hinaus. Mitte Oktober 2001 erhielt ein ausgesuchter Kreis von Technikjournalisten in den USA eine Einladung zu einem Event auf dem Firmen-Campus in Cupertino, auf dem ein „wegweisendes Digitalgerät“ vorgestellt werden sollte. „Hinweis: Es ist kein Mac.“ Jobs hatte gerufen, um den ersten iPod vorzustellen, an dem er mit seinem Team über ein Jahr lang gearbeitet hatte. Sechs Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befanden sich die Menschen in den USA noch in einem Schockzustand.

    Kein Wunder, dass die Präsentation des ersten iPod damals in der Öffentlichkeit zunächst kaum Beachtung fand. Nur wenige hatten damals die Vorstellungskraft, dass ein Gerät, etwas kleiner als eine Zigarettenschachtel mit einer eingebauten Festplatte, einem Klickrad und der dazugehörigen iTunes-Software, die gesamte Musikindustrie auf den Kopf stellen könnte. Als der iPod einige Zeit später auch mit Windows-Rechnern zusammenarbeitete, sah man die weißen Apple-Kopfhörer immer häufiger in der Öffentlichkeit.

    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek
    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek

    Jobs ging es aber nicht allein um ein portables Gerät, auf das man seine Musiksammlung für unterwegs überspielen konnte. Dem Musikliebhaber und Bob-Dylan-Fan war klar, dass illegale Filesharing-Dienste wie Napster und Kazaa die Musikindustrie zugrunde richteten – insbesondere weil es kaum legale Alternativen zum bequemen Download der Songs gab. Daher pilgerte er zu Stars wie Bono von U2 und sprach bei den Verantwortlichen der Musikindustrie wie Paul Vidich, dem Chef von AOL Time Warner, vor. Sie sollten ihm die Lizenzen für den digitalen Musikvertrieb geben und ein möglichst einfaches Preismodell („99 Cent pro Song“) ermöglichen.

    Nach langem Zögern gaben die Plattenbosse nach. Viele Manager in der Musik- und Filmindustrie haben bis heute nicht verstanden, dass Jobs der Retter und nicht der Totengräber der Branche war – auch wenn die Erlöse via iTunes nicht alle Verluste aus dem verloren gegangenen Schallplatten-, CDoder DVD-Geschäft kompensieren konnten. Mit dem iPod und iTunes veränderte Steve Jobs die Gesetze der Musikindustrie und von Hollywood für immer und baute die Erlösbasis für Apple signifikant aus. Besonders freute ihn, dass er noch zu seinen Lebzeiten den juristischen Konflikt mit dem Musiklabel Apple Records lösen und die von ihm so geliebten Beatles in den iTunes-Katalog aufnehmen konnte.

    The Beatles in iTunes
    The Beatles in iTunes

    Weiterlesen: Teil 9 – Megaerfolg mit iPhone

  • Erz-Rivale und Retter in der Not – Apple und Microsoft

    Mit dem Macintosh wollte das Apple-Management die absolute Vorherrschaft von IBM verhindern. Dabei unterschätzten alle Bill Gates und Microsoft.

    John Sculley

    Die Marketingstrategie von Apple-Chef John Sculley zur Markteinführung des Macintosh war klar. Der ehemalige Pepsi-Manager, den Steve Jobs zu Apple geholt hatte, wollte einen Zweikampf zwischen IBM und Apple inszenieren, Schwarz vs. Weiß, mit Apple in der Rolle des Underdog. “Dutzende andere Computerfirmen stellten (in dieser Zeit) ihre Produkte vor, und ich befürchtete, dass wir in der Menge untergehen könnten”, schrieb Sculley später in seinem Buch “Odyssey”. „Wenn es uns gelingen würde, ein Zwei-Pferde-Rennen zwischen uns und IBM herzustellen, dann könnten wir die Leute überzeugen, dass wirklich nur zwei Computerfirmen im Markt im Wettbewerb stehen.”

    Im Kampf gegen kleinere Konkurrenten wie Atari, Commodore, Sinclair und Amstrad ging die Apple-Strategie auch voll auf. Völlig unterschätzt hatten Sculley, aber auch Steve Jobs, dass Microsoft, ein Verbündeter der ersten Stunde, sich mit Hilfe von Apple zur dominierenden Kraft der PC-Industrie entwickeln und sogar IBM in den Schatten stellen würde.

    Bill Gates und Paul Allen (1981)

    Bill Gates und Paul Allen hatten Microsoft 1975 als kleine Softwarefirma in Albuquerque (New Mexico) gegründet und zusammen mit anderen Mitarbeitern die Programmiersprache BASIC für den legendären Rechner MITS Altair entwickelt. Durch glückliche Umstände ergatterte Microsoft 1980 den Auftrag von IBM, für den ersten IBM-PC nicht nur BASIC, sondern auch das Betriebssystem zu liefern. Der damals führende Betriebssystemhersteller Digital Research (CP/M) wollte sich in der Verhandlungsphase nicht auf seitenlange Knebelverträge von IBM einlassen – und verlor so diesen gigantischen Deal.

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