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  • Steve Jobs Biografie: Visionär, Antreiber & Apple-Gründer (1955–2011)

    Steve Jobs Biografie: Visionär, Antreiber & Apple-Gründer (1955–2011)

    Eine charismatische Ausstrahlung muss Steve Jobs schon als 13 Jahre alter Schüler gehabt haben. Oder war es nur seine Frechheit, mit der er auch später immer wieder Gesprächspartner überrumpeln sollte? Der Achtklässler wollte damals für ein Schulprojekt einen Frequenzzähler bauen und benötigte einige Bauteile dafür. Er sprach keinen Geringeren als Bill Hewlett an, den legendären Mitbegründer des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP). Der Silicon-Valley-Pionier stand in den sechziger Jahren noch im Telefonbuch. Der schlaksige Junge schwatzte dem Konzern-Boss nicht nur die benötigten Bauteile ab, sondern ergatterte auch noch einen Ferienjob bei HP.

    Steve Jobs' Highschool-Foto
    Steve Jobs‘ Highschool-Foto

    Er hielt sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf. Dabei war Steve Jobs das Schicksal des erfolgreichsten Unternehmers Amerikas nicht in die Wiege gelegt worden. „Er war ein Junge, der kein Geld hatte“, erinnert sich sein Freund und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak. „Er hatte nichts außer seinem Verstand. Aber er brachte uns Dinge, die zu einer Herausforderung für uns alle wurde.“

    Paul Otellini, Chef des Chip-Giganten Intel, sagt, ein wahres Genie erkenne man daran, dass mit dem Wirken jede Person auf dem Planeten erreicht werde. „Steve hat das geschafft, und zwar nicht nur einmal, sondern im Laufe seines erstaunlichen Lebens viele, viele Male.“ Im Unterschied zu Industrie-Titanen wie Bill Gates stammte Steve Jobs nicht aus einem wohlhabenden Elternhaus, sondern aus kleinen Verhältnissen.

    Wo stammt Steve Jobs her?

    Steve Jobs with his father Paul Jobs (1958)
    Steve Jobs mit seinem Vater Paul Jobs (1958)

    Steve Jobs wurde am 24. Februar 1955 in San Francisco (Kalifornien) geboren. Seine leiblichen Eltern, der syrische Student Abdulfattah John Jandali und seine amerikanische Freundin Joanne Simpson, gaben ihn nach der Geburt zur Adoption frei. Das damals noch unverheiratete Paar, beide waren 23 und studierten an der Universität Wisconsin, konnte sich 1955 nicht vorstellen, ohne eigenes Einkommen für ein Kind zu sorgen.

    Eigentlich bestanden die beiden darauf, dass ihr Baby bei einer Akademiker-Familie landen solle. Sie sollte sich darum kümmern, dass der Junge später auch auf die Universität gehen kann. Doch die Wunschfamilie bekam in letzter Minute kalte Füße und sagte die Adoption ab. Das Kind landete bei Paul und Clara Jobs. Steves Adoptionseltern waren einfache Leute, sein Vater Automechaniker, seine Mutter Büroangestellte.

    Als Steve fünf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm von San Francisco nach Mountain View, mitten in das boomende Silicon Valley. In der neuen Nachbarschaft erzählte er einem Mädchen, dass er ein Adoptivkind war, berichtet Buchautor Walter Isaacson in seiner Biografie über Steve Jobs: „Soll das heißen, dass dich deine richtigen Eltern nicht gewollt haben?“, erkundigte sich das Mädchen. „Das traf mich wie ein Blitz“, erinnerte sich Jobs. „Ich weiß noch, wie ich ins Haus rannte und weinte.“ Die Eltern sagten dann: „Wir haben speziell dich ausgesucht.“ Diese Schlüsselszene beschrieb schon früh im Leben des Steve Jobs das Spannungsverhältnis zwischen den Begriffen „Verlassen“, „Auserwählt“ und „Speziell“.

    Steve Jobs trifft Steve Wozniak

    Wer weiß, wohin der Lebensweg von Steve Jobs geführt hätte, wenn er in der Schule nicht den begeisterten Elektronikbastler Steve Wozniak getroffen hätte, der vier Klassen über ihm war. Trotz des Altersunterschieds fanden die beiden Steves schnell zusammen. „Es kam mir vor, als hätten wir eine Menge gemeinsam“, erinnerte sich Woz später in seiner Autobiografie. „Normalerweise war es für mich ziemlich schwer, anderen die Dinge zu erklären, an denen ich gerade arbeitete, aber Steve hat es sofort kapiert. Ich mochte ihn. Er war ziemlich dünn und drahtig und voller Energie.“

    Steve Jobs (circled) at Homestead High School Electronics Club
    Steve Jobs (eingekreist) im Homestead High School Electronics Club (1969)

    Als Teenager tummelten sich Jobs und sein älterer Freund in der „Phone-Phreaking-Szene“. Hacker wie „Captain Crunch“ hatten mit Hilfe einer Plastikpfeife aus einer Cornflakes-Packung herausgefunden, wie man mit bestimmten Tönen die Systeme des Telefongiganten AT&T manipulieren konnte, um kostenlose Telefonate zu ermöglichen. Die beiden Steves waren elektrisiert.

    Steve Jobs und Steve Wozniak knacken das Telefon-System

    Wozniak and Jobs Blue Box, ca. 1972.
    Blue Box von Wozniak und Jobs (1972)

    Woz konstruierte aus billigen Elektronik-Teilen und einem kleinen Lautsprecher ein vollgestopftes Kästchen, mit dem man die Tonfolgen viel präziser und eleganter erzeugen konnte als mit der Spielzeug-Pfeife. „Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer“, erinnerte sich Steve Jobs später. „Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.“

    Die Manipulation des Telefonsystems war natürlich illegal. Das hinderte Woz und Jobs nicht daran, Blue Boxes zu bauen und im Bekanntenkreis zu verkaufen. „Zwei Teenager konnten damals für hundert Dollar eine Box bauen und damit eine Infrastruktur kontrollieren, die mehrere hundert Milliarden Dollar wert war, nämlich das gesamte Telefonsystem der Welt. Das war magisch.“ Bei der „Blue-Box“-Episode blitzte zum ersten Mal der Geschäftssinn von Steve Jobs auf. Während Woz vor allem seine Geek-Kumpanen beeindrucken wollte, ging es seinem jüngeren Freund auch ums Geldverdienen und die Erkenntnis, dass man mit einem kleinen Einsatz große Wetten gewinnen kann.

    Steve Wozniak über die frühen Tage mit Steve Jobs und „Blueboxing“

    „Erfahrungen wie diese zeigten uns, welche Macht eine Idee haben kann“, sagte Jobs viele Jahre später der Santa Clara Valley Historical Association. „Wenn wir keine Blue Boxes gebaut hätten, dann hätten wir auch Apple nie gründet.“ 1972 wollte Jobs unbedingt beim Reed College im benachbarten Bundesstaat Oregon studieren, obwohl ihm klar war, dass sich seine Eltern die Hochschulgebühren nicht leisten konnten. „Alle Ersparnisse meiner Arbeiterklasse-Eltern gingen für meine College-Gebühren drauf“, erinnerte sich Steve Jobs im Juni 2005 anlässlich seiner legendären Eröffnungsansprache für das akademische Jahr an der Stanford University. „Sechs Monate später sah ich keinen Wert mehr darin. Ich hatte überhaupt keine Idee, was ich mit meinem Leben anfangen wollte und konnte mir auch nicht vorstellen, wie das College mir dabei helfen sollte, das herauszufinden.“

    Der legendäre Technikjournalist Wall Mossberg (The Verge) über die Rolle von Steve Jobs und Apple

    Weiterlesen – Teil 2 – Steve Jobs: Die Suche nach dem Sinn des Lebens

  • Steve Wozniak: Der Vater des Personal Computers

    Steve Wozniak: Der Vater des Personal Computers

    Die Erfolgsgeschichte von Apple wird vor allem Steve Jobs zugeschrieben. Er hatte die Vision, wie Computer das Leben der Menschheit verändern kann – und nicht nur für ein paar Nerds im Silicon Valley. Sein technischer Sachverstand war aber begrenzt. Ohne seinen genialen Freund Steve Wozinak hätte es die ersten beiden Computer von Apple, den Apple I und den Apple II, nicht gegeben.

    Steve Wozinak kann sich fast auf den Tag genau erinnern, wann für ihn die neue Ära begann: „Es passierte im März 1975 beim allerersten Treffen einer merkwürdigen, schrulligen Truppe von Leuten, die sich Homebrew Computer Club nannte.“ Die Teilnehmer der Runde träumten alle davon, dass Computertechnologie für die Allgemeinheit erreichbar sein sollte. Menschen sollten es sich leisten können, einen eigenen Computer zu besitzen und damit zu arbeiten oder zu spielen.

    Homebrew Computer Club

    Zu dieser Zeit gab es noch keine Personal Computer. Über die großen Rechenanlagen von IBM oder Digital Equipment- die damals noch schrankhohe und unbezahlbare Technikmonster waren, verfügten nur Unternehmen, Universitäten und das Militär. Im Homebrew Computer Club im kalifornischen Menlo Park redeten sich die Hobbybastler und Elektronikenthusiasten aber die Köpfe heiß, wie man Computer für die Menschen erschwinglich machen kann.

    Wozniak, der am 11. August 1950 in Sunnyvale, Kalifornien, geboren wurde, wuchs mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug auf. Sein Vater war Ingenieur bei der Luftfahrt- und Rüstungsfirma Lockheed. Auch als Teenager lötete „Woz“, wie er von allen Freunden genannt wurde, gerne an Schaltkreisen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese mysteriösen, unzugänglichen Maschinen zu gelangen, die von einigen Firmen verwendet werden: Computer.

    Wozniak war besessen von diesen Geräten und ihrer Funktionsweise. Eines Tages erzählte das junge Wunderkind seinem Vater, dass er in Zukunft gerne einen Computer zu Hause haben würde. Als sein Vater ihm sagte, dass der Computer wahrscheinlich genauso viel kosten würde wie das Haus, antwortete Steve kurz: „In diesem Fall ziehe ich in eine Mietwohnung.“

    Auf der High School lernte Steve Wozniak den fast fünf Jahre jüngeren Steve Jobs über einen gemeinsamen Freund, Bill Fernandez, kennen, der seine Begeisterung für Computer teilte. Woz war vier Klassen über Jobs. Aber trotz des Altersunterschieds fanden sie schnell gemeinsame Interessen – von den „elektronischen Sachen“ bis hin zum Spaß an ulkigen Scherzen („Pranks“). Die Freundschaft riss auch nicht ab, als Woz bereits aufs College ging und Steve Jobs immer noch in der High School war.

    „Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich“, sagte Jobs einmal. Wozniak brachte ihm auch die Songs von Bob Dylan nahe, gemeinsam jagten sie Live-Mitschnitten seiner Auftritte nach. Und sie verabschiedeten eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später seinem Biografen Walter Isaacson.

    Steve Jobs und Steve Wozniak als Telefon-Hacker
    Steve Jobs und Steve Wozniak als Telefon-Hacker

    Das erste technische Projekt, das Jobs und Wozniak gemeinsam umsetzten, war eigentlich kriminell. Die beiden Freunde hatten im Magazin Esquire einen Artikel gelesen, in dem beschrieben wurde, wie „Phone Pheaks“ das Telefonsystem der USA so manipulierten, dass sie kostenlos Telefonate führen konnten. In dem Artikel stand, dass alle Steuer-Frequenzen für das Netz von AT&T in einem öffentlich zugänglichen Handbuch aufgeführt waren. Während der Telekom-Riese sich daran machte, die Exemplare schleunigst aus den Bibliotheken zu entfernen, schlichen sich die Freunde an einem Sonntag in eine geschlossene Bücherei und sicherten sich die Informationen. Wozniak war der erste, dem es gelang, eine digitale „Blue Box“ zu bauen.

    Steve Wozniak telefoniert mit einer "Blue Box"
    Steve Wozniak telefoniert mit einer „Blue Box“

    Schon beim „Blue Box Hack“ zeichnete sich die Aufgaben-Aufteilung ab, die später auch bei Apple galt: Steve Jobs war der weitsichtige Geschäftsmann, Woz der geniale Tüftler – Jobs und Wozniak nutzten das Gerät zunächst nur zum Spaß, um selbst kostenlose Ferngespräche zu führen. Einmal riefen sie aus einer Telefonzelle den Vatikan an, Wozniak gab sich als US-Außenminister Henry Kissinger aus und verlangte, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchenoberhaupt wurden sie nicht durchgestellt – doch die Box funktionierte.

    Die von Steve Wozniak konstruierte Blue Box

    Jobs hatte die Idee, damit Geld zu verdienen. Die Teile kosteten rund 40 Dollar, Jobs setzte den Preis bei 150 Dollar an. Sie machten rund 100 Stück und wurden das meiste davon los.

    Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer. Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.

    Steve Jobs über die Blue Box

    Nach den Worten von Steve Jobs hätte es Apple ohne die Erfahrungen mit der „Blue Box“ nicht gegeben. Schließlich habe man schon bewiesen, wie man mit einfachen Mitteln selbst große Konzerne austricksen kann.

    Steve Wozniak war einer der Entwickler des HP-35, des weltweit ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechners (1972).
    Foto: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=146664

    Im Januar 1973 trat Wozniak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schaltkreisen zu arbeiten, die für Rechenmaschinen und Taschenrechner verwendet wurden. Bei HP gehörte Wozniak zu dem Entwicklerteam des HP-35, des weltweit ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechners (1972).

    Bei HP dominierten damals noch die Ingenieure das Geschehen – und in diesem Umfeld fühlte sich Wozniak glücklich. Allerdings verfolgte er in seiner Freizeit auch Technik-Projekte, die er bei HP nicht umsetzen konnte. Dazu gehörte auch das Programmieren von Computerspielen .

    Mit einem von Steve Jobs vermittelten Gig für Atari sicherte sich Steve Wozniak einen Platz in der Geschichte der Computerspiele, denn in nur vier Tagen programmierte Woz die Spielelektronik für das legendäre Game „Breakout“. Bis heute ist nicht klar, ob Steve Jobs seinen Freund bei dem Job übers Ohr gehauen hat. Wozniak schreibt in seiner Autobiografie „iWoz“, er haben von Jobs die Hälfte der 700 Dollar erhalten, die Jobs nach eigenen Angaben dafür bekommen hatte. „Später erfuhr ich, dass er doch etwas mehr für die Arbeit bekommen hatte, als er mir damals gesagt hatte – etwa ein paar Tausend Dollar -, aber wir waren Kids, wissen Sie. Er bekam einen bestimmten Geldbetrag, und mir sagte er, er hätte einen anderen bekommen. Er war nicht ehrlich mit mir, und ich war verletzt. Aber ich machte daraus keine große Sache.“ Soweit Woz in seinem Buch.

    In der autorisierten Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson schildert Steve Jobs die Episode ganz anders: „Ich habe ihm die Hälfte des Geldes gegeben, die ich bekommen habe“, sagte er Isaacson. Das sei immer so gewesen.

    Geld und ökonomischer Erfolg spielte im Universum von Steve Wozniak eine untergeordnete Rolle: „Ich wollte immer nur Ingenieur sein“, sagte er. Das Design des ersten brauchbaren Personal Computer, des Apple I, wollte er ursprünglich für andere Computer-Bastler offenlegen. Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen und fertige Geräte zu verkaufen.

    Der von Steve Wozniak entworfene Apple II
    Foto: Narnars0 – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32247697

    Sein Meisterstück lieferte Wozniak mit dem Apple II ab. Der neue Rechner sollte kein Bastel-Projekt wie der Apple I sein, der ja noch ohne ein Gehäuse ausgeliefert wurde. Jobs ließ ein Plastikgehäuse entwerfen und kümmerte sich um entsprechende Produktionskapazitäten. Er sorgte auch dafür, dass die notwendigen Investitionsmittel zu Verfügung standen, indem er Investoren wie Mike Markkula und Arthur Rock mit ins Boot holte.

    Woz war fest entschlossen, den Apple II zu bauen, musste zuvor aber noch sein Verhältnis zu seinem geliebten Arbeitgeber HP klären. Apple-Investor Markkula konnte sich nämlich nicht vorstellen, dass Wozniak den neuen Rechner nur in seiner Freizeit entwickeln kann. „Du musst HP verlassen“, lautete seine Ansage an Woz. Nach einigen Hin und her entschied sich Wozniak dann doch, HP den Rücken zu kehren.

    Steve Wozniak und Steve Jobs (1977) – Foto: Handout Apple

    Der Apple II sollte einfach in der Bedienung und kostengünstig in der Herstellung sein. Woz verwendete dafür einfachste massengefertigte Logikchips statt teurer Spezialchips. Beim Design der Platine erwies sich Woz als Genie, denn ihm gelang, viele Chips einzusparen. Der Apple II konnte Farben und Grafiken darstellen, zudem war er mit seinen acht Steckplätzen einfach und vielseitig erweiterbar. 1978 entwarf Wozniak die gesamte Elektronik für ein Diskettenlaufwerk. Die Mechanik wurde extern zugekauft. Zusammen mit Randy Wigginton schrieb er das Betriebssystem Apple DOS.

    Zusätzlich zum Hardwareentwurf programmierte Wozniak die meiste Software, die auf den frühen Apple-Computern lief. Sein sehr eigenwilliger Programmierstil sorgte für ungewöhnlich schnelle und speicherplatzsparende Programme, machte aber zugleich die Wartung durch andere Programmierer fast unmöglich.

    Die Tabellenkalkulation Visicalc verhalt dem Apple II im Businessmarkt zum Durchbruch

    Der Apple II erwies sich für Apple als riesiger kommerzieller Erfolg. Diese Rechner war nicht nur für Hobbyisten gedacht, sondern richtete sich auch an Geschäftsleute, die mit der von Dan Bricklin und Bob Frankston entwickelten Tabellenkalkulationssoftware Visicalc ungeheuere Produktivitätsgewinne realisieren konnten. Der Apple II sorgte dafür, dass Apple Computer zu einer weltweit bekannten Marke wurde. Der Börsengang von Apple im Jahr 1980 machte Wozniak und Jobs zu Millionären.

    Die Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Steve Wozniak dauerte aber nicht mehr lange: Im Februar 1981 verunglückte Hobby-Pilot Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Auch seine Verlobte war an Bord. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen. Nach diesem Erlebnis nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organisierte zwei Festivals mit Musik und Technologie. 1983 kehrte er noch einmal zurück – nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden. An der Entwicklung des Apple Macintosh war Woz schon nicht mehr beteiligt. Und auch die dramatische Geschichte vom Rauswurf von Steve Jobs im Jahr 1985 und seiner Rückkehr im Jahr 1999 bekam Woz nur noch als externer Beobachter mit, obwohl er formal bis heute ein Angestellter von Apple ist und auch ein symbolisches Gehalt bezieht.

    Seitdem jettet Wozniak als Legende aus den Anfangszeiten der PC-Branche durch wie Welt für Auftritte, wie zum Beispiel 2014 auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Er spendete viel, tanzte eher ungelenk durch die TV-Show „Dancing with the Stars“ im US-Fernsehen und tauchte als er selbst in der Serie „Big Bang Theory“ auf. Ins aktive Tech-Geschäft kehrte Wozniak noch einmal 2009 als Chef-Wissenschaftler der Speicherfirma Fusion-io zurück, die dann aber vom Konkurrenten SanDisk übernommen wurde.

    Steve Wozniak spricht am 12.09.2017 in Cupertino zur Vorstellung des neuen iPhone X mit Journalisten.
    Foto: Christoph Dernbach

    Woz ist auch immer wieder auf wichtigen Produktvorstellungen von Apple als Ehrengast zu sehen, obwohl er auch immer wieder kritisch auf Produktentwicklungen bei Apple reagiert oder Produkte der Konkurrenz lobt.

    Auf einer seiner Vortragsreisen wurde Wozniak am 9. November 2023 in Mexiko-Stadt wegen eines „kleinen, aber echten Schlaganfalls“ ins Krankenhaus eingeliefert. Er sollte dort auf einer Wirtschaftskonferenz sprechen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus sagte er laut ABC News, dass er „nach Hause fliegt“.

    Der 73-jährige Wozniak erzählte ABC, dass er am Morgen an seinem Computer saß, als er Schwindelgefühle bekam. Er sollte auf dem World Business Forum in Mexiko-Stadt sprechen, einer zweitägigen Veranstaltung, die als wichtigstes Management-Event der Welt angekündigt war. Andere angekündigte Redner waren Carly Fiorina, die ehemalige CEO von Hewlett-Packard, und Muhammad Yunus, ein Pionier der Mikrofinanzierung, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Wozniak war als Abschlussredner der Konferenz am 10.11.23 vorgesehen.

  • Wie Apple sich nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat

    Wie Apple sich nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat

    Am 5. Oktober 2011 hatte Steve Jobs den Kampf gegen sein Krebsleiden verloren. Er wurde nur 56 Jahren alt. Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist die Philosophie von Apple untrennbar mit den Vorstellungen des charismatischen Mitbegründers verbunden. Doch wie würde sich Apple nach dem Tod von Steve Jobs entwickeln? Viele Apple-Fans, aber auch professionelle Beobachter und Geschäftspartner, sahen schwarz für die Zukunft von Apple. Doch in den Monaten vor seinem Tod hatte Steve Jobs mit wichtigen Personalentscheidungen selbst dafür gesorgt, dass Apple nicht nur irgendwie weitermachen, sondern sich zu neuen Höhen aufschwingen konnte.

    Nachfolger Tim Cook

    Die wichtigste Entscheidung, die Steve Jobs wenige Wochen vor seinem Tod getroffen hat, betraf seine eigene Nachfolge. Er übergab das Ruder an Tim Cook, obwohl der Spitzenmanager für das operative Geschäft bislang nicht als charismatische Führungspersönlichkeit aufgefallen war. Seine Berufung als Apple-CEO am 24. August 2011 hatte viele Beobachter verwundert. Cook war zwar – neben Designchef Jony Ive – wohl Jobs‘ wichtigster Vertrauter gewesen. Doch „Tim“, wie ihn alle bei Apple nennen, hatte sich als Logistik- und Produktionsexperte einen Namen gemacht. Er ließ nicht im Ansatz das Charisma erkennen, mit dem Jobs regelmäßig die Massen in seinen Bann gezogen hatte.

    Zu den Skeptikern gehörte damals Larry Ellison, der mit dem Apple-Mitbegründer jahrelang eng befreundet war. Der Chef des Softwareriesen Oracle glaubte, dass Apple ohne Steve Jobs dem Untergang geweiht sei. In einem TV-Interview zog er eine Parallele zum Jahr 1985, als der Apple-Aufsichtsrat Steve Jobs aus der Firma gedrängt hatte. In den folgenden zwölf Jahren wurde Apple so runtergewirtschaftet, dass das Unternehmen 1997 kurz vor der Pleite stand und Jobs als Retter zurückgeholt wurde. „Wir haben Apple ohne Steve Jobs gesehen. Wir haben Apple mit Steve Jobs gesehen. Jetzt werden wir Apple ohne Steve Jobs sehen“, sagte Ellison. „Steve Jobs ist unersetzlich.“

    Doch es kam nach dem Tod von Jobs ganz anders, als Ellison es befürchtet hatte. Apple verkauft so viele Geräte und Dienstleistungen wie noch nie. Im August 2018 ging der iPhone-Hersteller als erster US-Konzern in die Finanzgeschichte ein, der eine Billionen-Dollar-Bewertung an der Börse schaffte. Dieses Jahr waren es bereits 2,5 Billionen.

    Börsenwert Apple Inc. von 2011 bis 2021

    Neben dem Börsenboom hat nach Experten-Einschätzung vor allem die hohe Kundenloyalität zum Aufstieg beigetragen. „Wenn ein neuer Nutzer anfängt, ein Apple-Smartphone zu benutzen, bleibt er in der Regel bei einem Apple-Smartphone“, sagt Jeriel Ong, ein Aktienanalyst der Deutschen Bank.

    Und die Rally ist noch nicht zu Ende. Seit Oktober 2011 hat sich der Aktienkurs splitbereinigt von rund 13 Dollar auf ein Allzeithoch von knapp 150 Dollar gesteigert. Außerdem verwöhnt Cook die Aktionäre regelmäßig mit Dividenden, die Jobs stets abgelehnt hatte. Cook gelang es, mit dem iPhone ständig neue Käufergruppen zu erobern. Außerdem baute er das Angebot von Zusatzgeräten wie der Computer-Uhr Apple Watch oder den AirPods-Ohrhörern aus und platzierte Abo-Dienste wie iCloud und Apple TV+ am Markt. Außerdem gelang es ihm, höhere Preise für seine Produkte zu verlangen, so dass inzwischen ein Großteil der Gewinne der gesamten Branche bei Apple landen.

    Ein großer Präsentator auf der Bühne ist Tim Cook aber auch bis heute nicht. Trotzdem hat er inzwischen eigene Akzente gesetzt, die ihn von seinem Vorgänger deutlich absetzen. Ein Beispiel dafür ist das Thema Umwelt. Steve Jobs lieferte sich 2008 mit Vertretern von Greenpeace noch hitzige Wortgefechte, als die Umweltschützer ihn aufforderten, in den Apple-Produkten auf bromierte Flammschutzmittel zu verzichten. Diese sind unter Umständen giftig, in der Umwelt schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an.

    Unter der Regie von Cook verzichtete Apple nicht nur auf die umstrittenen Flammschutzmittel, sondern auch auf alle anderen Umweltgifte in der Produktion. Außerdem stellte er den Konzern komplett auf erneuerbare Energie um. Dieses ambitionierte Projekt soll nun auch auf die komplette Lieferkette ausgedehnt werden. Diese Veränderung wurde auch von Greenpeace registriert. „Seit Tim Cook die Leitung von Apple übernommen hat, hat er den Umweltschutz zu einem wichtigen Bestandteil der Identität des Unternehmens gemacht“, erklärte die Organisation 2017 bei der Veröffentlichung eines Reports zu Umweltstandards bei Elektronikherstellern.

    In der Politik setzt sich Cook offen für die Rechte von Minderheiten und Personen mit LGBTQ+-Hintergrund ein – er ist selbst ein schwuler Mann. Zudem legt er bei Apple Wert auf die Verfolgung einer Datenschutzstrategie, selbst wenn die zuletzt Risse bekommen hatte.

    Doch was ist mit den Innovationen, die Steve Jobs Apple brachte? Den Mac, das iPhone, das iPad? Hat der Konzern noch so viel Kraft, die Branche umzukrempeln? Die Apple Watch, das erste wirklich neue Produkt unter Cook, hat sich am Markt durchgesetzt, hängt aber am Tropf des iPhone. Bei den Macs ist man zu ARM gewechselt und hat sie wieder richtig flott gemacht. Am Apple Car“ bastelt der Konzern ebenso noch wie an einer Augmented-Reality-Brille. Solche AR-Technik hält Cook für etwas, was unsere Welt verändern könnte, doch müsste sie dazu endlich fertig werden.

    Jobs‘ wichtigster Partner bei Apple, Jony Ive, hat sich zu seinem Todestag mit einem rührenden Brief im Wall Street Journal zurückgemeldet. Am meisten vermisse er die Art, wie Steve Jobs gedacht habe, er sei ständig auf alles neugierig gewesen, habe auch gewusst, wie wichtig gemeinsames Schweigen und Zuhören ist. „Nachdem er gestorben war, ging ich in den Garten. Ich erinnere mich an den Klang der Verriegelung der Holztür, als ich sie sanft geschlossen habe.“ Jobs habe sich immer, wenn er nicht denken konnte, beschwert: „So wie ich mich über meine Knie beschwere.“

    Tim Cook meldete sich zum 10. Todestag von Steve Jobs auf Twitter zu Wort und zitierte dort Steve Jobs: „Menschen mit Leidenschaft können die Welt zum Besseren verändern.“ Und dann schrieb Cook: „Kaum zu glauben, dass es 10 Jahre her ist. Wir feiern Dich heute und immer.“

    https://rumble.com/v595lsc-apple-celebrates-steve-jobs.html
  • iPad – Vom „Jesus“-Tablet zum Arbeits-Werkzeug

    iPad – Vom „Jesus“-Tablet zum Arbeits-Werkzeug

    Der Hype, den die Vorstellung des iPad 2010 auslöste, war enorm. Der Tablet Computer von Apple sollte die Ära nach dem Personal Computer einleiten. Doch so leicht lässt sich der PC vom iPad nicht verdrängen.

    Die Reaktionen auf die Vorstellung des iPad am 27. Januar 2010 fielen selbst für Apple-Verhältnisse überbordend aus. „Das letzte Mal, als es dermaßen viel Aufregung um eine Tafel gab, standen darauf ein paar Gebote“, schrieb das „Wall Street Journal“. Und auch der britische „Economist“ wählte einen religiösen Vergleich und zeigte Apple-Mitbegründer Steve Jobs weiß gekleidet und mit einen Heiligenschein auf dem Titelbild – mit einem „Jesus-Tablet“ in der Hand.

    Apple nutzte damals noch die Messe MacWorld Expo in San Francisco als Bühne, um wegweisende Produkte der staunenden Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Januar 2007 stellte Steve Jobs hier das erste iPhone vor, drei Jahre später stand die nächste wichtige Premiere an.

    https://www.youtube.com/watch?v=6Fk1V5NqoD4

    Jobs fragte das Publikum, ob es zwischen Mac(Book) und iPhone noch Platz für eine dritte Kategorie gebe – und dann zunächst minutenlang über das Netbook herzuziehen, das damals von etlichen Beobachtern als das ideale Gerät zwischen Smartphone und Laptop angesehen wurde.

    Jobs betonte, eine neue Gerätekategorie müsse sich in sieben Bereichen bewähren:

    Steve Jobs auf der iPad-Keynote
    Steve Jobs auf der iPad-Keynote

    Das Netbook sei in keiner einzigen Kategorie besser als Smartphone oder Notobook, sondern nur ein billiger Laptop. Seiner Auffassung nach konnte nur das iPad diese Lücke ausfüllen.

    Der Saal tobte und spendete viel Beifall. Am Abend nach der Vorstellung kamen beim damaligen Apple-Chef, der knapp zwei Jahre vor seinem Tod schon stark von seiner Krebserkrankung gezeichnet war, dagegen vor allem kritische Reaktionen an. Sein Biograf Walter Isaacson erinnert sich: „Als wir uns zum Abendessen in seiner Küche trafen, tigerte er ruhelos um den Tisch und rief E-Mails und Internetseiten auf seinem iPhone auf.“ Was er dort las, frustrierte Jobs sehr. „Ich habe in den letzten 24 Stunden rund 800 Nachrichten per E-Mail bekommen. In den meisten davon beklagt man sich. ‚Es gibt kein USB-Kabel! Dieses gibt es nicht, jenes gibt es nicht.’“

    Doch als das iPad dann wenige Monate später in die Läden kam, verflog der Frust bei Jobs sehr schnell. In nicht einmal einem Monat verkaufte Apple eine Million iPads. Diese Schwelle wurde in der Hälfte der Zeit erreicht, die das iPhone dafür benötigte. Im März 2011, neun Monate nach der Produkteinführung, waren bereits 15 Millionen Apple-Tablets verkauft worden. Das iPad legte damit den bis dahin erfolgreichsten Verkaufsstart eines Elektronik-Produkts für den Massenmarkt hin.

    Die Pläne zur Entwicklung eines Tablet-Computers bei Apple reichen bis in die 80er Jahre zurück: Der damalige Apple-Chef John Sculley, der 1985 Steve Jobs aus dem Unternehmen gedrängt hatte, wollte 1987 sein Profil als „Visionär des 21. Jahrhunderts“ schärfen und stellte in einem Buch das Konzept eines „Knowledge Navigator“» vor. In einem aufwendig produzierten Video wurde die Vision eines vernetzten Tablet-Computers visualisiert, der Persönlicher Digitaler Assistent (PDA), Kommunikationszentrale und vernetzte Wissensmaschine in einem ist.

    Der Versuch von Sculley, diese Zukunftsvorstellung mit dem Apple Newton in die Realität umzusetzen, scheiterte spektakulär.

    Steve Jobs legte nach seiner Rückkehr zu Apple 1999 die kühnen Tablet-Pläne der Apple-Ingenieure zunächst in die Schublade und fokussierte sich auf die Wiederbelebung des Macintosh-Computers und den Einstieg ins Musikgeschäft mit dem iPod im Jahr 2001.

    Patent D504889

    Doch schon im März 2004 – drei Jahre vor dem Marktstart des iPhones – reichte Apple das Patent D504889 ein, in dem neben Jobs auch der damalige Designchef Jony Ive als Erfinder benannt war. Die Anmeldung enthielt Skizzen eines rechtwinkligen elektronischen Tablets mit abgerundeten Ecken – genau so sollte sechs Jahre später das iPad aussehen.

    Als die ersten iPad-Prototypen mit einem Multitouch-Bildschirm intern begutachtet wurden, änderte Jobs aber seine Strategie. Die neue Technik sollte zuerst den Smartphone-Markt umkrempeln. Daher kam das iPad erst drei Jahre nach dem Start des iPhones 2007 in die Läden. Wie beim iPhone setzte Apple nicht auf Chips von Intel, sondern auf eine eigene Lösung auf Basis der stromsparenden Architektur des britischen Chipdesigners ARM.

    Das iPad wurde von Anwendern nicht nur wegen der langen Akku-Laufzeiten geschätzt, sondern auch weil es als ideale Plattform für digitale Zeitungen und Magazine erschien. Springer-Chef Mathias Döpfner sagte kurz nach dem Marktstart in einem Gespräch mit dem Talkshow-Urgestein Charlie Rose: „Jeder Verleger auf der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen und Steve Jobs danken, dass er die Verlagsindustrie rettet.“

    Später relativierte der Verlagschef sein Lob, auch weil er nicht bereit war, Apple finanziell in größerem Umfang an den Digitalabos zu beteiligen.

    Die Medieninhalte, aber auch Spiele und Produktivitäts-Apps trieben auf jeden Fall den iPad-Absatzerfolg an. Während im Smartphone-Markt Apple mit dem iPhone nie Anteile über 20 Prozent erreichen konnte, hängt das iPad seit 2010 die Konkurrenzprodukte von Wettbewerbern wie Samsung, Amazon, Lenovo und Microsoft ab. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde das iPad tatsächlich auch die herkömmlichen Personal Computer massiv zurückdrängen. Die Absatzzahlen stiegen immer weiter an und erreichten 2013 mit rund 70 Millionen Stück ihren Höhepunkt. Doch danach sanken die Verkäufe wieder, auch weil das iPad lange hält und im Vergleich zum Smartphone nicht so häufig durch ein neues Gerät ersetzt wird.

    Im Jahr 2018 wurden nur noch 43,5 Millionen iPads verkauft. Seitdem berichtet Apple keine Absatzzahlen mehr. Die Absätze sollen zuletzt aber nach Analystenschätzungen wieder leicht angezogen haben. Das iPad ist aber weit davon entfernt, die Absatzzahlen der PCs zu erreichen. IDC schätzt, dass 2019 rund 267 Millionen Personal Computer weltweit verkauft wurden.

    Um die iPad-Verkäufe wieder anzukurbeln, versucht Jobs-Nachfolger Tim Cook, das iPad stärker als Produktivitätswerkzeug und Instrument für kreatives Arbeiten zu positionieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzte sich Cook auch über ein Mantra seines Vorgängers hinweg und stellte im September 2015 ein iPad Pro vor, dass über einen Eingabestift („Apple Pencil“) verfügte. Jobs hatte sich stets dagegen gewehrt, Tablet-Computer oder Smartphone mit einem „Griffel“ auszustatten. „Man muss den herkramen – und dann verliert man das Ding“, sagte Jobs bereits bei der Präsentation des ersten iPhones.

    In diesem Punkt sollte sich der ewige Jobs-Widersacher Bill Gates durchsetzen. Der damalige Microsoft-Chef, der jahrelang vergeblich versucht hatte, den Tablet-Markt in Schwung zu bringen, sagte nach der Vorstellung des iPads, der Ansatz von Microsoft, einen Griffel für die Dateneingabe zu benutzen, werde am Ende doch bestehen. „Ich habe jahrelang einen Tablet-Computer mit einem Griffel prophezeit“, sagte er Jobs-Biograf Isaacson. „Ich werde entweder recht haben oder tot sein.“

  • Investor und väterlicher Freund: Mike Markkula im Porträt

    Investor und väterlicher Freund: Mike Markkula im Porträt

    Wie Mike Markkula die Erfolgsgeschichte von Apple erst möglich gemacht hat

    Steve Jobs und Steve Wozniak sind in die Computer-Geschichte als die Gründer von Apple Computer eingegangen. Einer breiteren Öffentlichkeit blieb dabei verborgen, dass im Hintergrund ein Mann wirkte, ohne den es den Erfolg von Apple nie gegeben hätte. Die Rede ist nicht vom dritten Apple-Gründer Ronald Wayne, der nach knapp zwei Wochen schon wieder ausstieg und seinen Anteil von zehn Prozent wieder zurückgab, sondern von Mike Markkula, der als Investor und Manager eine maßgebliche Rolle bei Apple spielte.

    Im Herbst 1976 suchte Jobs nach Investoren, um die Produktion des neu entwickelten Apple II finanzieren zu können – und landete nach einer kurzen Odyssee bei Mike Markkula. Dieser hatte bereits als junger Mann bei Fairchild und Intel durch Aktien-Optionen ein Millionenvermögen angehäuft und sich mit 32 Jahren aus der Halbleiter-Industrie in ein Leben als „Privatier“ verabschiedet.

    Atari-Gründer Nolan Bushnell
    Atari-Gründer Nolan Bushnell lehnte 1976 eine Investition in Apple ab

    Der Finanzbedarf der Garagenfirma Apple war – zumindest aus der Perspektive der mittellosen Gründer – enorm: Allein  für die Fertigung des Plastikgehäuses hatte Jobs ein Investitionsvolumen von 100.000 Dollar kalkuliert. Insgesamt benötigte die junge Firma über 200.000 Dollar, um den von Steve Wozniak („Woz“) konstruierten Apple II Wirklichkeit werden zu lassen. Jobs fragte zunächst Nolan Bushnell, den Gründer von Atari, ob er nicht für 50.000 Dollar ein Drittel der Anteile von Apple übernehmen wolle. Schließlich hatte Bushnell Jobs einige Jahre zuvor bei Atari eingestellt – wegen seiner fehlenden sozialen Kompetenz war der junge Mann allerdings in die Nachtschicht bei Atari verbannt worden. „Ich war so schlau, Nein zu sagen“, erinnerte sich Bushnell gegenüber Steve-Jobs-Biograf Walter Isaacson später mit einem sarkastischen Unterton an die verpasste Chance seines Lebens. „Es ist irgendwie lustig, daran zu denken, wenn mir nicht gerade die Tränen kommen.“

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  • Tim Cook – Der disziplinierte Apple-CEO mit politischen Ambitionen

    Tim Cook – Der disziplinierte Apple-CEO mit politischen Ambitionen

    Der Alltag beginnt für Apple-Chef Tim Cook mit einer strengen Routine: Schon gegen 3:45 Uhr klingelt der Wecker. Nach einem ersten Kaffee liest und beantwortet er dann E-Mails, die in der Nacht aufgelaufen sind. „Eine Stunde später gehe ich ins Fitnessstudio und bleibe dort bis 6 Uhr. Dann dusche ich und gehe gegen 6.30 Uhr an die Arbeit“, sagt Cook in einem Interview.

    "Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich diesen Teil des Tages besser kontrollieren kann. Und nur in der Früh schaffe ich es, zum Sport zu gehen. Morgens habe ich die meiste Energie, außerdem genieße ich die Stille, bevor der Tag anbricht."
    Tim Cook zum FOCUS-Magazin

    Tim Cook ist nicht nur selbst-diszipliniert, sondern hat auch Apple Disziplin beigebracht. Mitte der 90er Jahre war Apple berühmt-berüchtigt dafür, die Nachfrage nach bestimmten Produkten massiv zu unter- oder überschätzen. So häuften sich entweder teuere Lagerbestände von unverkäuflichen Geräten an oder Apple konnte begehrte Produkte wie die ersten PowerMacs nicht liefern und verärgerte damit seine Kundschaft.

    Apple-Mitbegründer Steve Jobs erkannte nach seiner Rückkehr zu Apple 1997 sehr schnell, dass das operative Geschäft auf ein solides Fundament gesetzt werden musste. 1998 fragte er Tim Cook, der damals beim PC-Klone-Hersteller Compaq arbeitete, ob er nicht bei Apple aufräumen könne.

    In einer Rede vor Absolventen der Auburn University 2010 erinnerte sich Cook an diesen Moment: „Jede rein rationale Betrachtung der Kosten und Nutzen fiel zugunsten von Compaq aus, und die Leute, die mich kannten, rieten mir am besten, bei Compaq zu bleiben. (…) An diesem Tag Anfang 1998 hörte ich auf meine Intuition, nicht die linke Seite meines Gehirns oder gar die Leute, die mich am besten kannten. (…) Schon nach fünf Minuten in meinem ersten Bewerbungsgespräch mit Steve, war ich bereit. Vorsicht und Logik in den Wind zu schlagen und zu Apple zu kommen. Meine Intuition wusste bereits, dass der Einstieg bei Apple eine einmalige Gelegenheit war, für das kreative Genie zu arbeiten und Teil des Führungsteams zu sein, das ein großes amerikanisches Unternehmen wiederbeleben sollte.“

    In seiner ersten Position bei Apple war Tim Cook als Senior Vice President of Operations für die weltweite Produktion verantwortlich. Damals wurde er mit den Worten zitiert: „Du willst es irgendwie so machen, als wärst du in der Milchwirtschaft. Wenn es über sein Frischedatum hinausgeht, hast Du ein Problem“.

    Tim Cook räumt auf

    Cook schloss Fabriken und Lager von Apple und ersetzte sie durch Lohnfertiger, vor allem in Asien. Dies führte zu einer Reduzierung der Lagerbestände des Unternehmens von Monaten auf Tage.

    Arbeiter an einer iPhone-Montagestraße beim Zulieferer Pegatron (2018) – Bild: Apple

    Seine Abteilung investierte in langfristige Geschäfte und finanzierte beispielsweise Vorabinvestitionen in Flash-Speicher ab 2005, um eine stabile Versorgung mit diesen Bauteilen zu gewährleisten, die dann massenhaft für den iPod Nano, das iPhone und das iPad benötigt wurden. Die von Cook eingeleiteten Maßnahmen waren mit dafür verantwortlich, bei Apple die Kosten unter Kontrolle zu halten. Zusammen mit den Produkt-Ideen von Steve Jobs und Apple-Designer Jony Ive trug Cook maßgeblich ddazu bei, dass bei Apple ab 2007 riesige Gewinne erzielt werden konnten.

    Im Januar 2007 wurde Cook zum Leiter des operativen Geschäfts befördert und übernahm 2009 vertretungsweise den Posten des Chief Executive Officers, als Konzern-Chef Jobs erstmals wegen seiner gesundheitlichen Probleme beurlaubt war. Im Januar 2011 genehmigte das Apple Board of Directors eine weitere medizinische Beurlaubung, die von Jobs beantragt worden war. Während dieser Zeit war Cook für die täglichen Abläufe von Apple verantwortlich, während Jobs noch die strategisch wichtigen Entscheidungen traf. Die Ära Steve Jobs endete am 24. August 2011 mit seinem Rücktritt und Tim Cook wurde offiziell CEO. Sechs Wochen später erlag Steve Jobs seinem Krebsleiden.

    Als Apple-Chef setzte Tim Cook den von Steve Jobs eingeleiteten Erfolg des Konzerns beeindruckend fort. Zumindest Umsatz und Gewinn stiegen unablässig. Damit stieg auch der Wert den Unternehmens immer weiter an. Cook gelang es aber nicht, die Abhängigkeit vom iPhone-Umsatz maßgeblich zu reduzieren. Zwar brachte Apple unter seiner Regentschaft auch neue Produktkategorien wie die Apple Watch, die AirPods und den HomePod auf den Markt und erhöhte auch die Service-Umsätze. Doch diese Umsätze hängen fast alle unmittelbar am iPhon.

    Mit dem Einbrechen des Geschäfts in China und einer leichten Flaute beim iPhone-Absatz drehte sich auch der Trend bei Apple. Im Weihnachtsquartal 2018 sanken Umsatz und Gewinn, die Aktie brach kräftig ein – um sich dann allerdings auch wieder zu erholen.

    Noch als Steve Jobs lebte, haben sich immer wieder Beobachter gefragt, ob Tim Cook tatsächlich in der Lage ist, Apple erfolgreich in die Zukunft zu führen. Definiert man Erfolg rein nach den Businesszahlen, kann sich seine Bilanz sehen lassen, auch wenn Umsatz und Gewinn Ende 2018 nachgaben und der Aktienkurs deutlich fiel.

    Umsatz und Gewinn von Apple in der Ära Tim Cook
    Kurs der Apple-Aktie seit August 2011

    Als der Kurs der Apple-Aktie in den elf Monaten nach der Vorstellung des iPhone 5 im September 2012 fast halbierte, sahen Beobachter wie der Journalist und Buchautor Nils Jacobsen das Ende von Apple nahen. In seinem Buch „Das Apple-Imperium“ schrieb er 2013 vom „Aufstieg und Fall des wertvollsten Unternehmens der Welt“.

    Allerdings war die Nachrichten vom Ableben des iPhone-Konzerns verfrüht, denn Umsatz und Gewinn sprudelten umfangreicher denn je und die Apple-Aktie verdreifachte sich im Zeitraum bis zum April 2015 auf über 170 Dollar – um dann aber auch wieder eine schwächere Performance zu zeigen. In einer Neuauflage des seines Buches „Das Apple-Imperium 2.0: Die neuen Herausforderungen des wertvollsten Konzerns der Welt“ malte Jacobsen allerdings das Bild erneut mit dunklen Farben:

    Was ich durch die Brille des Wirtschaftsjournalisten bei Beendigung des Manuskripts im Sommer 2016 sehe, ist ein Unternehmen, das auf seinem Zenit angekommen ist – ein Blickwinkel, den die Wall Street offenbar teilt, die Apple bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 mit einem so krassen Bewertungsabschlag versieht wie einen trägen Old-Economy-Konzern. Anleger haben offenbar begonnen einzupreisen, dass Apples Erfolgsserie schon bald auslaufen könnte. Gleichzeitig sehe ich ein Unternehmen, das verbissen darum kämpft, oben zu bleiben, ein Unternehmen, das sich immer öfter der Kunstgriffe des financial engineering bedient, um mit den größten Barreserven der Wirtschaftsgeschichte seine Vormachtstellung zu verteidigen. Ein Unternehmen, das angefangen hat, ziemlich ungeniert bei vermeintlichen Jubelmeldungen zu tricksen.
    Nils Jacobsen in „Das Apple-Imperium 2.0“ (Nov. 2016)

    Von einem Zenit war Apple unter Tim Cook im Sommer und Herbst 2016 allerdings noch weit entfernt. Anfang August 2018 überschritt der Konzern als erstes börsennotiertes Unternehmen der Welt die Schwelle von einer Billion Dollar. Der vorläufige Höhepunkt der beispiellosen Börsenralley wurde im Herbst 2018 erreicht. Am 3. Oktober 2018 lag der Kurs beim Allzeithoch von 233,47 Dollar. Eine schwache Smartphone-Konjunktur weltweit und massive Absatzschwierigkeiten ließen den Kurs dann aber auch wieder einbrechen.

    Selbst nach dem Absturz der Apple-Aktie in den ersten Wochen des Jahres 2019 können die Investoren zufrieden sein: Zum Amtsantritt von Tim Cook als Apple-CEO am 24.8.2011 stand das AAPL-Papier bei 53,4 Dollar. Anfang März 2019 kostete eine Apple-Aktie mehr als drei Mal so viel (174,9 Dollar).

    (Update November 2021:

    Apple hat nach einem weiteren steilen Anstieg Ende Oktober 2020 einen Aktienspitt von 4:1 vorgenommen. Für eine Apple-Aktie bekam man 4, deren Wert nur noch ein Viertel war. Splittbereinigt lag der Kurs der Apple-Aktie am 24. August 2011, dem Tag der Amtsübernahme von Tim Cook als CEO bei 13,44 Dollar. Zehn Jahre später bekamen die Investoren 149,62 Dollar. Der Kurs hat sich also mehr als verzehnfacht. Das bisherige Allzeithoch wurde wenige Wochen nach dem zehnjährigen CEO-Jubiläum am 7. Septemmber mit 156,69 Dollar erzielt. Am 17. November 2021 lag der Kurs bei glatt 151 Dollar.)

    Obwohl die Zahlen der Tim-Cook-Ära sich sehen lassen können, verstummt die Kritik nicht. Ihm wird immer wieder vorgehalten, dass es nach der Einführung von iPhone (2007) und iPad (2010) kein neues Produkt von Apple gab, das global im großen Stil abräumen konnte.

    Apple plagen zwei große Probleme: China und das iPhone. China mag ein kurzfristiges Problem sein, aber der iPhone-Upgrade-Zyklus verlängert sich immer wieder. Die Wahrheit ist vor allem: Unter Tim Cook hat Apple kein neues großes Produkt entwickelt. Das iPad wurde noch unter Steve Jobs entwickelt.
    Fondsmanager John Petrides von Point View Wealth Management am 17. Januar 2019 gegenüber Yahoo Finance.

    Petrides lässt außen vor, dass das Unternehmen unter Tim Cook aus dem Stand heraus mit der Apple Watch zum erfolgreichsten Smartwatch-Anbieter der Welt geworden ist. Nur Fitbit und Samsung können ein wenig mithalten:

    Die Apple Watch: Marktführer unter den Computeruhren – Quelle: Statista

    Die Abhängigkeit vom iPhone konnte aber auch die Apple Watch nicht beseitigen, zumal andere Projekte wie der vernetzte Lautsprecher HomePod nicht an die Absatzerfolge der Konkurrenten Amazon und Google heranreichen konnte.

    Wir führt Tim Cook das Unternehmen? In dem rund 180 Personen umfassenden Top-Management von Apple berichten 18 direkt an ihn. Das betrifft die unter anderem Bereiche Hardware, Software, Dienstleistungen, Chips, künstliche Intelligenz, Marketing und Finanzen. Außerdem gibt es einen Vorstandsassistenten, der Cook direkt zuarbeitet. Die Anzahl der direkt unterstellten Manager ist bei Cook höher als bei CEOs anderer Top-Tech-Unternehmen, darunter Facebook, Amazon und Uber.

    Das Organisations-Chart der Apple-Führung – Quelle: The Information

    Cooks Vorgänger Steve Jobs war als legendärer Kontrollfreak bekannt, der sich auch mit winzigen Details beschäftigt und meinungsstark in das Produkt-Design eingemischt hat. Cook setzt dagegen auf Konsens und neigt dazu, sich eng mit seinen Top-Managern abzustimmen. Als ehemaliger Betriebs- und Supply-Chain-Guru für Apple vermeidet er die Einmischung in Produktentscheidungen, wie es Steve Jobs tat, berichtet „The Information“.

    „Was heute anders ist, ist, dass Tim viel mehr delegiert“, sagte David Yoffie, ein Professor an der Harvard Business School, der Apple ausgiebig studiert hat, „The Information“. „Apple ist heute eine traditionellere Art von Organisation, im Vergleich zu dem, was sie unter Steve war.“

    Ein Vorteil von Cooks Ansatz ist, dass die Beziehungen zwischen den Senior Vice Presidents des Unternehmens weniger politisch instabil sind als in der Ära von Steve Jobs. „Bei Konflikten erwartet Tim Cook von seinen Managern, dass sie ihre Differenzen beilegen. Steve Jobs hatte sich häufig für eine Seite entschieden und sah Vorteile darin, seine Führungskräfte gegeneinander auszuspielen.“

    Der Nachteil dieses Führungsstils ist jedoch, dass Tim Cook sich in der Öffentlichkeit nicht mehr der Wucht als die maßgebliche Stimme von Apple zu Wort melden kann, wie es Steve Jobs vermochte. So war Jobs auch in der Lage, mit wenigen Sätzen in einer Pressekonferenz das „Antennagate“ zu beenden, das andere Firmen vielleicht in den Abgrund gerissen hätte. Zu Erinnerung: Beim iPhone 4 aus dem 2010 beschwerten sich etlich Kunden über Probleme beim Empfang. Steve Jobs erklärte kurzerhand, die Nutzer sollten das Handy halt einfach richtig halten. Mit einer Entschuldigung, einem Software-Update und eine kostenlose Schutzhülle für alle Besitzer des iPhone 4 wurde das Problem abgeräumt.

    Die Strahlkraft von Jobs wirkte auch nach außen: Als er im April 2010 in seinen „Gedanken zu Flash“ die Technologie von Adobe vernichtend kritisierte, war Flash von einem Tag auf den anderen dem Untergang geweiht.

    Cook fehlt dagegen der Instinkt in Produkt- und Marketingfragen, der bei Jobs für einen CEO ungewöhnlich ausgeprägt war. Die US-Journalistin Yukari Iwatani Kane, die lange jahre für das „Wall Street Journal“ über Apple berichtet hat, fasst das so zusammen:

    Tim war der Zahlentyp, er war der Prozessexperte. Auch wenn Steve der Visionär hinter all diesen großartigen Produkten wie dem iPhone und dem iPod war, so ist es doch Tim zu verdanken, dass jeder, der eines haben will, eines bekommen kann. Apple definierte Großartigkeit als Veränderung der Geschichte, besser als andere Unternehmen zu sein und als moralisch rechtschaffen zu sein. Und genau dazu hatten die Leute Fragen. Die Fragen für Tim betrafen die Kultur von Apple, seine Werte und seine Vision, und das sind alles Dinge, die man nicht mit Zahlen belegen kann.

    Tim Cook entwickelte ein ausgeprägtes Gefühl für politische Fragen, die Jobs weitgehend egal waren. Um diesen Punkt besser verstehen zu können, lohnt ein Blick in seine Biografie:

    Tim Cook ist ein Kind der Babyboomer-Generation. Er wurde am 1. November 1960 in Mobile (US-Bundesstaat Alabama) geboren. Er wuchs im benachbarten Robertsdale auf. Sein Vater war Vorarbeiter in einer Werft und seine Mutter Angestellte in einer Apotheke. Er ist der zweite von drei Söhnen. Die Cooks waren kleine Leute in einer erzkonservativen Umgebung, die damals noch von Rassendiskriminierung und Skepsis gegenüber einem liberalen Lebensstil geprägt war.

    Als Cook im Jahr 2011 das Erbe des Apple-Gründers Steve Jobs antrat, war es ein offenes Geheimnis, dass er schwul ist. Er marschierte in San Franciscos LGBT-Parade mit und rangierte seit Jahren ganz oben in der „Power 50“-Liste der US-Schwulenzeitschrift „Out“. In seiner Jugend konnte sich Cook zu seiner sexuellen Orientierung kaum offen äußern.

    Auf die Frage des Nachrichtenmagazins FOCUS, ob er in seiner Kindheit in den Südstaaten viel Diskriminierung im Alltag erlebt habe, sagte Cook:

    Damals war die Lage ziemlich brenzlig. Durch die Civil Rights und die Aufhebung der Rassentrennung 1964 verschwanden ja nicht automatisch die Vorurteile. Dann die Attentate auf Dr. King und Bobby Kennedy: Gerade der Alltagsrassismus, diese kleinen Unterschiede, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe anders behandelt werden, das alles war wirklich schwer zu ertragen, herzzerreißend. Diese Alltagsdiskriminierung gibt es natürlich auch, wenn Menschen wegen ihrer Sexualität oder des Geschlechts diskriminiert werden. Oder in anderen Fällen. Tag für Tag. Weltweit. Die Liste ist verdammt lang.

    Tim Cook im FOCUS (28.12.2018)

    Vor diesem Hintergrund wirk es auch nicht aufgesetzt, wenn Tim Cook für sich reklamiert, soziale und politische Herausforderungen offensiv zu adressieren. Sein Vorgänger Steve Jobs reagierte im Sommer 2010 noch sehr unbeholfen auf Berichte, wonach sich zehn junge Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn in Südchina selbst getötet hatten, indem sie vom Dach der Fabrikhalle gesprungen sind. Jobs beschrieb den Tod der Arbeiters zwar als „beunruhigend“, bestand aber darauf, dass die Fabrik „keine Ausbeuterbetrieb“ sei. „Es ist eine schwierige Situation“, sagte er auf der Konferenz All Things Digital. Jobs verteidigte dann die Bedingungen in der Fabrik. „Wenn man sich diesen Ort anschaut – und es ist eine Fabrik – aber, meine Güte, es gibt dort Restaurants und Kinos, Krankenhäuser und Schwimmbäder. Für eine Fabrik ist es ziemlich schön“, sagte er.

    Cook wollte sich damit nicht abfinden. Unter seiner Führung müssen die Zulieferbetriebe weltweit in detaillierten Berichten belegen, wie es um die Arbeitsbedingungen beschaffen ist, ob Minderjährige eingesetzt werden, ob Obergrenzen für Tages- und Wochenarbeitszeit eingehalten werden. Die Fortschritte, die erzielt werden, dokumentiert Apple in einem jährlichen Bericht .

    Cook kapierte auch schnell, dass es der Marke Apple nur schadet, wenn man Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace keine Auskunft zu den Umweltschutzmaßnahmen gibt oder sich sogar Wortgefechte mit den Aktivisten liefert. Das erste iPhone (2007) wurde von Greenpeace noch scharf kritisiert. Das Smartphone von Apple enthalte Chemikalien und Materialien, die für die Umwelt gefährlich sind, erklärte Greenpeace damals. Ein unabhängiger Labortest an 18 internen und externen Komponenten des iPhone zeige, dass die Hälfte der Proben bromierte Verbindungen enthielt.

    Schon zum Ende der Ära Steve Jobs verbesserte sich das Verhältnis zu Greenpeace, weil Apple nicht nur den Einsatz von umweltschädlichen Komponenten systematisch reduzierte. Unter Tim Cook wurde der grüne Kurs von Apple konsequent fortgesetzt. Nach seiner Vorgabe wurde auch die Stromversorgung der eigenen Einrichtungen und Zulieferbetriebe kontinuierlich auf erneuerbare Energie umgestellt. Als Investoren ihn deswegen auf der Apple-Aktionärsversammlung zur Rede stellte und von ihm verlangen, sich vorrangig um die Profitabilität des Unternehmen zu kümmern, verteidigte er seinen Kurs vehement. „Wenn Sie wollen, dass ich die Dinge nur zur Verbesserung des ROI (Return on investment) mache, sollten Sie aus diesem Aktienbestand aussteigen“, sagte er einem Investor.

    Die Ergebnisse des „grünen Kurses“ von Cook wurden auch von Greenpeace registriert: Die Organisation vergab Anfang 2017 bei einer Bewertung der wichtigsten US-Technologieriesen dem iPhone-Hersteller die besten Noten für den Einsatz erneuerbarer Energien. Mit 83 Prozent genutztem Strom aus regenerativen Quellen belege Apple dabei das dritte Jahr in Folge den Spitzenplatz in der Rangliste, teilte die Umweltschutz-Organisation im Januar 2017 mit. Amazon setze dagegen mit seinen Webservices AWS immer noch in weiten teilen auf Kohle- und Atomstrom, hieß es im Greenpeace-Report „Grüner Klicken„.

    Neben dem Umweltschutz reklamiert Cook ein weiteres politisches Thema vehement für sich: den Datenschutz.

    Nach dem NSA-Skandal, der von dem US-Whistleblower Edward Snowden aufgedeckt wurde, sah sich Apple gezwungen, hart Stellung zu beziehen. In einem TV-Interview mit Charlie Rose versprach er den Nutzern im September 2014, möglichst wenig Informationen über sie zu speichern. „Wenn wir einen neuen Dienst entwerfen, versuchen wir, keine Daten zu sammeln“, sagte Cook. Apple mache sein Geld mit dem Verkauf von Geräten. „Unser Geschäft beruht nicht darauf, Informationen über Sie zu haben. Sie sind nicht unser Produkt“, sagte Cook an die Adresse der Kunden.

    Zugleich platzierte Cook in dem Gespräch einen Seitenhieb gegen Rivalen wie Google, ohne diese beim Namen zu nennen. Nutzer sollten sich immer fragen, wie ein Unternehmen sein Geld verdiene. „Folgen Sie der Spur des Geldes. Und wenn sie das Geld vor allem machen, indem sie Brocken persönlicher Daten sammeln, denke ich, dass Sie (die Nutzer) ein Recht haben, besorgt zu sein.“

    Cook bekräftigte bei dieser Gelegenheit, Gerüchte über Hintertüren für Geheimdienste bei Apple seien unwahr. „Wir würden das nie zulassen. Die müssten uns dafür schon in einem Karton aus dem Gebäude bringen.“ Apple horte keine «Schatztruhe» von Daten für die NSA und andere Geheimdienste. So seien die Kurznachrichten im Chatdienst iMessage verschlüsselt, und der Konzern habe dazu keinen Zugang. Auch wenn die Regierung sie lesen wollte, könne Apple sie nicht aushändigen, sagte Cook.

    Im Jahr 2016 wurde Cooks Haltung auf eine schwere Probe gestellt. Er weigerte sich nach einem Anschlag in San Bernadino, das iPhone des Terrorschützen für das FBI zu entsperren. Das Justizministerium warf dem Apple-CEO damals vor, die Weigerung beruhe nicht auf rechtlichen Argumenten, sondern sei Teil einer Marketingstrategie. Der Konflikt wurde damals dadurch gelöst, dass das FBI das iPhone 5C des getöteten Terroristen bei einem Sicherheitsdienstleister aus Israel entsperren lassen konnte.

    Auch zwei Jahre später verteidigte Cook seine Weigerung. Er stehe nach wie vor zu seiner Entscheidung, sagte Cook dem FOCUS. „Allerdings hätte ich niemals erwartet, in eine solche eine Situation zu kommen – schließlich ist es die Ausgabe des Staates, für die Rechte seiner Bürger einzutreten. Das haben wir dann getan.“

    Nach dem Datenschutzskandal rund um Cambridge Analytica grenzte sich Cook immer stärker von den großen Internet-Konzernen ab, vor allem von Facebook. Eine detaillierte Nutzerdatensammlung wie von Facebook „sollte nicht existieren“ sagte Cook und rief nach einer Regulierung.  Als die US-Journalistin Kara Swisher in einem MSNBC-Interview fragte, was er an Stelle von Mark Zuckerberg (zur Wiederherstellung der Privatsphäre) mach würde, antwortete Cook trocken: „Ich wäre nicht in seiner Lage.“

    Im März 2018 versprach der Apple-CEO, dass sein Unternehmen die Privatsphäre der Nutzer als Menschenrecht ansehe und dieses als bürgerliche Freiheit betrachte. Diese Position vertrat Cook im Oktober 2018 auch noch einmal prominent auf einer Tagung der Europäischen Datenschutzbeauftragten in Brüssel. Der Apple-CEO warnte deutlichen Worten vor einem wachsenden „datengetrieben-industriellen Komplex“ gewarnt.

    Bei einem anderen politischen Thema macht sich Tim Cook – zumindest in Europa – wenig Freunde – nämlich der Frage, wie eine faire und rechtmäßige Besteuerung der riesigen Gewinne von Apple außerhalb der USA erfolgen soll. Ende August 2016 setzte die EU-Kommission mit einem gewaltigen Steuerbescheid von potenziell mehr als 13 Milliarden Euro für Apple ein Ausrufezeichen. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte Tim Cook: „Wenn mein Steuersatz auf 0,005 Prozent sinken würde, hätte ich das Gefühl, dass ich einen zweiten Blick auf meine Steuerrechnung werfen sollte.“

    Das umstrittene Steuerkonstrukt war bereits in der 1. Ära von Steve Jobs, also noch vor seinem Rauswurf bei Apple 1985, entstanden: Apple ließ einen erheblichen Teil des weltweiten Geschäfts über Tochterunternehmen in Irland laufen. Eine der Töchter war dafür zuständig, Geräte aus Asien zum Verkauf in Europa umzuschlagen. Außerdem übernahmen irische Apple-Firmen einen Teil der Entwicklungskosten. Dafür bekamen sie Rechte an intellektuellem Eigentum übertragen und entsprechend wurde dorthin auch ein Teil der Gewinne abgeführt. Eines der irischen Tochterunternehmen verwaltete bereits besteuerte Konzerngewinne. Das Konstrukt führte dazu, dass bestimmte Gewinne nirgendwo versteuert wurden, weder in den USA noch in Europa.

    Cook war nicht der Architekt dieser Konstruktion, verteidigte sie aber vehement. Die Kritik Vestagers, Apple habe in Irland im Jahr 2014 eine Körperschaftssteuer von nur 0,005 Prozent bezahlt, bezeichnete er als „politischen Dreck“. „Ich weiß nicht, wo sie diese Zahl herhaben», sagte Cook. Apple habe in dem Jahr 400 Millionen Dollar Steuern in dem Land bezahlt. „Wir glauben, dass wir damit der größte Steuerzahler in Irland in diesem Jahr waren.“

    Nach einer umfassenden Steuerreform durch US-Präsident Donald Trump ließ Cook den Großteil seiner gewaltigen Geldreserven von mehr als 250 Milliarden Dollar ins Heimatland bringen. In diesem Zusammenhang zahlte Apple auch Steuern von 38 Milliarden Dollar – aber nicht an den Fiskus in Europa, sondern die US-amerikanischen Finanzbehörden. Um die Steuerzahlung in Europa wird aber weiter gestritten. Die EU-Kommission betonte, der Schritt ändere nichts an der Forderung, Apple solle mindestens 13 Milliarden Euro Steuern in Irland nachzahlen.

    Supply-Chain-Guru, Umweltfreund, Datenschützer, Steuerfuchs. Tim Cook hat viele Facetten. Welchen Platz er aber irgendwann im Buch der Geschichte von Apple einnehmen wird, kann man noch nicht absehen. Das wird auch stark davon abhängen, ob es ihm gelingen wird, ein Produkt einzuführen, das halbwegs an den Erfolg des iPhone anknüpfen kann. Ob das die von ihm immer wieder angedeutete AR-Brille sein wird? Und wenn ja, ob das wirklich mal ein ganz großes Ding werden wird? Wir werden es sehen.

    Umsatz von Apple von 2004 – 2022 – Quelle: Statista

    Quellen:

    THE INFORMATION: The People With Power at Apple (28.02.2019)

    TIME: Apple CEO Tim Cook Is Increasingly Flexing His Muscles

    BILD: Tim Cook – Warum ich mich den Deutschen so nah fühle

    Cult of Mac: Who Is Apple’s New CEO Tim Cook? [Bio]

    3News – Apple’s softer side emerges under Cook

    NBCNEWS.COM: Apple’s Tim Cook Is First Fortune 500 to Come Out as Gay

    Wikipedia contributors. Tim Cook [Internet]. Wikipedia, The Free Encyclopedia; 2019 Feb 28, 15:45 UTC [cited 2019 Mar 4]. Available from: https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Tim_Cook&oldid=885523681.

    SPIEGEL ONLINE: Coming-out des Apple-ChefsTim Cook bricht das letzte Tabu (31.10.2014 )

  • 1984 – Der berühmte Super-Bowl-Werbespot

    Die TV-Werbung von Apple im Vorfeld des Marktstarts des Apple Macintosh während des Super Bowl XVIII der amerikanischen Football-Liga NFL am 2. Januar 1984 hat Medien- und Computergeschichte geschrieben. Der von Regisseur Ridley Scott produzierte Spot „1984“ für den ersten Apple Macintosh Werbung wurde zum besten Werbespot aller Zeiten (Advertising Age). gewählt.

    Apple-Spot „1984“ für den ersten Apple Macintosh

    Zu Beginn des dritten Quarter gelang den in Führung liegenden Los Angeles Raiders ein Touchdown gegen die Washington Redskins. Statt dass die Szene noch einmal in der Wiederholung gezeigt wurde, wurden die Fernsehbildschirme im ganzen Land zwei Sekunden lang schwarz. Dann tauchten beängstigende Schwarz-Weiß-Bilder von marschierenden Drohnen auf, begleitet von unheimlicher Musik.

    Eine rebellische junge Frau im strahlend weißen Tank-Top, auf dem die Umrisse des Apple Macintosh zu sehen war, tritt in dieser spannungsgeladenen Situation als die Befreierin auf: Sie schleudert auf der Flucht vor der Orwell’schen Gedankenpolizei einen Vorschlaghammer gegen einen Großbildschirm, auf dem gerade eine Propagandarede des Big Brother läuft.

    My friends, each of you is a single cell in the great body of the State. And today, that great body has purged itself of parasites. We have triumphed over the unprincipled dissemination of facts. The thugs and wreckers have been cast out. And the poisonous weeds of disinformation have been consigned to the dustbin of history. Let each and every cell rejoice! For today we celebrate the first, glorious anniversary of the Information Purification Directive! We have created, for the first time in all history, a garden of pure ideology, where each worker may bloom secure from the pests of contradictory and confusing truths. Our Unification of Thought is a more powerful weapon than any fleet or army on Earth! We are one people. With one will. One resolve. One cause. Our enemies shall talk themselves to death. And we will bury them with their own confusion! We shall prevail!“

    Die Rede der Figur des „Big Brother“ in dem Werbespot „1984“ von Apple

    Mehr als 96 Millionen Zuschauer sahen am 22. Januar 1984 den Werbespot, der mit nichts je Dagewesenem vergleichbar war. Als die Drohnen am Ende entsetzt zusehen, wie ihr Big Brother in Rauch aufging, verkündet eine ruhige Stimme: „Am 24. Januar wird Apple Computer den Macintosh vorstellen. Und Sie werden begreifen, warum 1984 nicht wie 1984 sein wird.“

    Todd Leopold von CNN konnte sich 22 Jahre später noch genau die Ausstrahlung des Spots erinnern: „Das war eines dieser Ereignisse, zu denen man sich hingezogen fühlt, bevor man es überhaupt bemerkt“, schreib er 2006. „Nach und nach bemerkten wir eine dröhnende Stimme unter einem ausgegrauten Bild, einer attraktiven Läuferin in weißem Tank-Top und roten Shorts mit einem Vorschlaghammer, Reihen von kahlen, roboter-ähnlichen Männern, einen riesigen Fernsehbildschirm mit einem wütenden Mann.“ Leopold fragte sich damals: „Ist dies ein neuer Film von Orwells ‚1984‘? Aber was hat es mit der Läuferin auf sich?“

    Niemals werde je ein Spot „1984“ in seiner Wirkung übertreffen, meinte Leopold: „Es war unerwartet, schockierend, einzigartig, unverwechselbar inmitten der üblichen Bier- und Auto-Anzeigen, die während des Super Bowl jener Tage in den Werbepausen erschienen. „

    Obwohl der Spot rückblickend untrennbar mit der Premiere des Apple Macintosh im Jahr 1984 verbunden ist, bestand anfangs diese Verbindung gar nicht. Bereits Ende 1982 hatte die Apple-Werbeagentur Chiat/Day für das „Wall Street Journal“ eine Kampagne mit dem Apple II entwickelt, die George Orwells totalitäre Zukunftsvisionen in Gegensatz zur Apple-Philosophie stellen sollte.

    „Sechs Monate bevor wir überhaupt vom Mac wussten, hatten wir diese neue Anzeige gestaltet, die lautete: „Warum 1984 nicht wie 1984 sein wird“, sagte Lee Clow, Creative Director bei Chiat/Day. „Die Anzeige erklärte die Philosophie und den Zweck von Apple: dass Menschen – und nicht nur Regierungen oder große Unternehmen – Technologie betreiben sollten. Wenn Computer nicht unser Leben übernehmen sollen, müssen sie zugänglich sein.“

    Die Anzeige wurde nie gedruckt, sondern abgelegt, nur um im Frühjahr 1983 von Steve Hayden, dem Texter der Agentur, und Brent Thomas, dem Art Director, entstaubt zu werden. Sie suchten nach einem Aufhänger, um eine mutige Aussage über den unglaublichen neuen Macintosh zu machen. Mit umfangreichen Überarbeitungen hat das Chiat/Day-Team ein Storyboard für den 1984er Werbespot zusammengestellt, den sie für die Dreharbeiten vorschlugen.

    Der erste Mini-Film zeigte die athletische junge Frau, die von behelmten Sturmtruppen verfolgt wurde, noch mit einem Baseballschläger. Dieser wurde später durch einen Vorschlaghammer ersetzt, mit dem die Heldin dramatisch den Bildschirm zerschmettern und damit für einen Lichtblitz und einen erfrischenden Strom frischer Luft sorgen würde.

    Lee Clow, Kreativ-Chef der Agentur, beschreibt den Kontext des Spots so:

    „Es beginnt an einem Ort, der die Zukunft repräsentiert, mit Menschen, die zu einem zentralen Saal marschieren. Unsere Idee war, dass der Big Brother die Kontrolle der Technologie durch wenige repräsentiert. Viele Leute meinte, dass mit dem Big Brother IBM gemeint ist – zum Teil wegen der bläuliche Farbgebung, aber auch wegen der Wettbewerbssituation, in der sich Apple sich befand. Das war wirklich nicht die Absicht. Aber wahrscheinlich hat es auch auf dieser Ebene funktioniert.“

    Steve-Jobs-Biograf Walter Isaacson schreibt: „Das Konzept fing den revolutionären Geist des neuen Computerzeitalters ein. Besonders junge Leute aus der alternativen Szene hatten Computer lange als etwas betrachtet, das von autoritären Regierungen und Firmenimperien als Gleichschaltungsinstrument benutzt werden konnte. Seit Ende der siebziger Jahre sah man in ihnen allerdings auch ein Werkzeug zur individuellen Emanzipation. Der Werbespot erhob den Macintosh zum Kämpfer für die gute Sache – eine coole, rebellische Firma, die sich als Einzige dem großen, bösen Unternehmensimperium in den Weg stellte, das im Begriff war, die Herrschaft über die Welt zu übernehmen und die totale Gedankenkontrolle auszuüben.

    Das gefiel Jobs. Damit konnte er sich identifizieren. Er sah sich selbst gern als Rebellen und vertrat nach außen hin die Werte, für die der wilde Haufen aus Hackern und »Piraten« stand, den er für das Mac-Team angeworben hatte. Über ihrem Gebäude flatterte die Piratenflagge. Auch wenn er die Kommune in Oregon verlassen und eine Firma gegründet hatte, wollte er immer noch lieber der Gegenkultur zugeordnet werden als dem Unternehmertum. (…) Mit Ridley Scott als Regisseur, der gerade mit Blade Runner einen Riesenerfolg gefeiert hatte, konnte Jobs das aufkommende Cyberpunk-Ethos für sich und seine Firma reklamieren. Dank dieses Werbespots ließ sich Apple mit den Rebellen und Hackern, den Andersdenkenden identifizieren – und Jobs gleich mit.“

    Als die Agentur Chiat/Day Ridley Scott vorschlug, einen Spot für Apple zu drehen, dachte er, es ginge um die Beatles. „Sie sagten: ‚Nein, nein, nein. Apple ist dieser Typ namens Steve Jobs.‘ Ich sagte: ‚Wer zum Teufel ist Steve Jobs?‘ Sie sagten: ‚Es wird wahrscheinlich etwas (für Dich) sein.’“ Scott las das Drehbuch und dachte: „Mein Gott. Sie sagen nicht, was es ist, sie zeigen nicht, was es ist. Sie sagen nicht einmal, was es tut. Das war Werbung als Kunstform. Sie war verheerend effektiv.“

    Für den Spot standen Mittel zur Verfügung, die damals nicht üblich waren. Regisseur Scott verfügte über ein Produktionsetat von 900.000 Dollar (Quelle: Owen Linzmayer, Apple Confidential 2.0, San Francisco, 2014, S. 110)

    Allerdings fand sich in der Firmen-Führung von Apple kaum jemand, der die Begeisterung der Apple Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak für den teilen konnte. Erst in langen Gesprächen konnte Jobs den damaligen Apple-CEO John Sculley davon überzeugen, die Mittel für die Produktion freizugeben.

    Der Spot wurde im September 1983 in den Londoner Shepperton Studios gedreht. Scott hatte eine Besetzung von 200 Personen für eine Woche verpflichtet. Um die Rolle der verzweifelten, glatzköpfigen Arbeiter zu spielen, rekrutierte er authentische britische Skinheads und bezahlte den Komparsen 125 Dollar pro Tag, um sich die Haare zu rasieren.

    Eine geeignete Heldin zu finden, erwies sich als schwierigere Aufgabe. Viele der professionellen Modemodels und Schauspielerinnen hatten Schwierigkeiten, die geforderte Drehbewegung auszuführen, um den knapp drei Kilogramm schweren Vorschlaghammer präzise zu werfen, wie im Drehbuch gefordert. Beim Casting der Kandidatinnen im Hyde Park wäre laut Linzmayer fast eine ältere Dame getötet worden, als ein Wurf mächtig schief ging.

    Anya Major als Helding im Apple-Spot „1984“

    Wie der Zufall es wollte, war ein Model, die britische Sportlerin Anya Major, auch eine erfahrene Diskuswerferin. Sie wurde angeheuert, um die weibliche Hauptrolle zu spielen, weil sie gut aussah und in der Lage war, den Wurf fehlerfrei auszuführen,

    Die Legende besagt, der Spot sei nur einmal während des Super Bowl XVIII ausgestrahlt worden. Das stimmt nicht ganz. Zuerst bekam das Sales-Team von Apple den Spot am 23. Oktober 1983 zu Gesicht. Laut Linzmayer brachen die rund 750 Apple-Verkäufer in Jubelstürme aus. Vor einem etwas größeren Publikum wurde der Spot am 31. Dezember 1983 in Twin Falls (US-Bundesstaat Idaho) während der letzten Werbepause vor Mitternacht von Tom Frank auf KMVT vor öffentlichem Publikum uraufgeführt. Die TV-Station KMVT wurde häufiger von Werbetreibenden für Testläufe verwendet.

    Das Board of Directors von Apple konnte sich bei einem Treffen im Dezember allerdings gar nicht für den Spot begeistern. In dem Aufsichtsrat saßen damals Apple-Urgestein Mike Markkula, Teledyne-Gründer Henry E. Singleton, der Risikokapitalgeber Arthur Rock, Peter O. Crisp von Rockefeller’s Ventrock Associates und Philip S. Schlein, damaliger Chef der Kaufhauskette Macy’s California. Insbesondere Markkula und Schlein zeigten sich entsetzt. „Kein einziges Board-Mitglied mochte es“, erinnerte sich Sculley.

    Lee Clow, der Kreativ-Chef der Werbeagentur Chiat/Day, erinnert sich daran, wie weit die Vorstellungen von Jobs und dem Aufsichtsrat auseinander lagen:

    „Steve hatte mich vor eine große Herausforderung gestellt. Ich muss den Macintosh vorstellen. Es muss dramatisch werden. Es muss berühmt werden. Es muss anders sein. Wir hatten ein Meeting, bei dem wir eine ganze Reihe von Überlegungen präsentierten, die in die Einführung von Macintosh einflossen. Er dachte, es (der 1984-Spot) sei mutig, er dachte, es sei großartig. Es gab aber den Vorstand, der dachte, es sei wirklich dumm und unverantwortlich. Und es gab einen Moment, in dem das Board versuchte, den Stecker für alle Mittel zu ziehen und den Spot nicht laufen zu lassen.“

    Zwar verlangte das Aufsichtsgremium nicht explizit, die Ausstrahlung zu unterbinden, doch Sculley interpretierte die entsetzte Reaktion des Boards als Stopp-Befehl: So forderte er die Werbeagentur Chiat/Day auf, den gebuchten Werbeplatz während des Super Bowl zurückzugeben.

    Ursprünglich war geplant, die volle 60-Sekunden-Version und später eine gekürzte 30-Sekunden-Variante laufen zu lassen. Agentur-Chef Jay Chiat missachtete diese Anweisung allerdings und gab nur den 30-Sekunden-Werbeplatz zum Wiederverkauf frei.

    Jobs sucht ein diesen Tagen den Schulterschluss mit Steve Wozniak, obwohl dieser Apple-intern der Fraktion angehörte, der dem neuen Apple Macintosh eher skeptisch gegenüber stand und forderte, dass die Firma das Brot-und-Butter-Geschäft mit dem von ihm entworfenen Apple II nicht vernachlässigen sollte. Jobs zeigte Woz den Spot auf einer Videokassette und erzählte ihm, dass der Aufsichtsrat ihn eigentlich nicht öffentlich zeigen wolle. Woz fragt, wie viel die Ausstrahlung während des Super Bowl kosten würde und erklärte sich dann bereit, die Hälfte der 800.000 Dollar aus eigener Tasche zu bezahlen, wenn Jobs die andere Hälfte übernehmen würde. Dazu sollte es aber nicht kommen. Die Apple-Manager William V. Campell (Vice President of Marketing) und E. Floyd Kvamme (Executive Vice President of Marketing and Sales) setzten sich über die Bedenken des Boards hinweg und gaben die Ausstrahlung im TV frei.

    Am 22. Januar 1984 wurde „1984“ im dritten Viertel des Super Bowl XVIII ausgestrahlt und erreichte auf diesem Weg schätzungsweise 96 Millionen TV-Zuschauer. Danach griffen zahlreiche Fernsehstationen den außergewöhnlichen Spot auf. Allein in den USA wurde der Spot danach auf den drei nationalen TV-Senderketten sowie fast 50 lokalen TV-Stationen gezeigt, so dass sich Apple über kostenlose Werbung erfreuen konnte, die sonst Millionen gekostet hätte.

    20 Jahre nach dem Super Bowl XVIII veröffentlichte Apple ein Remake des Werbespots, bei dem der jugendlichen Heldin ein iPod digital an den Hosenbund geheftet wurde.

    Apple Macintosh original ad remastered 1984 ’20th Anniversary‘ (2004)

    Quellen:
    Walter Isaacson. „Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers.“, C.Bertelsmann Verlag, München, 2011.

    Owen Linzmayer. „Apple Confidential 2.0: The Definitive History of the World’s Most Colorful Company: The Real Story of Apple Computer, Inc. „, No Starch Press; San Francisco, 2004.

    Ted Friedman. Apple’s “1984” – Electric Dreams Chapter Five: Apple’s “1984”

    Todd Leopold: Why 2006 isn’t like ‚1984‘

    Curtsmedia: The 1984 Apple Commercial – The Making of a legend
    via Internet-Archive

  • Ron Wayne – Der dritte Apple-Gründer

    Ron Wayne – Der dritte Apple-Gründer

    Ron Wayne? Wer soll das sein? Wenn man von den Gründern von Apple spricht, denkt man zuerst an Steve Jobs und Steve Wozniak. Jobs, der weitsichtige Business-Stratege und „Woz“, der geniale Tüftler. Tatsächlich wurde die Firma Apple Computer Company von drei Männern gegründet: „Mr. Stephen G. Wozinak, Mr. Steven P. Jobs und Mr. Ronald G. Wayne“, so steht es auch im Gründungsvertrag der Firma vom 1. April 1976 .

    Unterschriften unter dem Gründungsvertrag von Apple vom 1. April 1976
    Unterschriften unter dem Gründungsvertrag von Apple vom 1. April 1976

    Ron Wayne arbeitete vor der Gründung von Apple Computer bei Atari und traf dort Steve Jobs, der an der Entwicklung neuer Spiele beteiligt war. Über Jobs wurde Wayne auf Steve Wozniak aufmerksam, der als brillanter Hardware-Designer und Ingenieur den ersten brauchbaren Personal Computer entwickelt hatte, der als Apple I in die Technikgeschichte eingehen sollte.

    Es stellte sich aber auch schnell heraus, dass die beiden Steves sehr unterschiedliche Ziele verfolgten: Steve Wozniak wollten mit seinen genialen Entwicklungsschritten vor allem die Jungs im Homebrew Computer Club beeindrucken und hatte kein ernsthaftes Interesse daran, daraus ein großes Geschäft zu machen. Steve Jobs dagegen erkannte schnell das Business-Potential. Ein Rechner wie der Apple I könnte die Dominanz der Großrechner von Firmen wie IBM brechen und den Personal Computer zum Massenprodukt machen.

    Allerdings war Jobs nicht richtig in der Lage, seine Interessen mit „Woz“ abzugleichen. Deshalb baute er auf Ron Wayne und bot ihm vor diesem Hintergrund auch eine Minderheitsbeteiligung bei der Gründung von Apple Computer am 1. April 1976 an. Wayne war mit 10 Prozent an der Firma beteiligt, Jobs und Wozniak hielten jeweils 45 Prozent. Ron Wayne sollte das Zünglein an der Waage spielen, wenn sich die beiden Hauptakteure in die Haare bekommen. „Wir beide vertrauten ihm so sehr, dass er alle Konflikte, die wir haben, lösen würde“, sagte Steve Jobs.

    Doch es dauerte nicht lange, da bekam Apple-Mitbegründer Wayne kalte Füße: „Ich war quasi der Erwachsene in dem Raum. Ich war in meinen 40ern, diese Kid waren um die 20. Dann etwa anderthalb Wochen später, als ich Zeit zum Nachdenken hatte., tat ich das, was die meisten Leute für absolut verrückt hielten. Ich ließ meinen Namen aus dem Vertrag streichen.“

    Der erste Großauftrag für Apple: The Byte Shop

    Wayne machte sich vor allem Sorgen um die finanziellen Verpflichtungen, die mit dem ersten größeren Auftrag für Apple Computer verbunden waren. Jobs war gerade dabei, mit ersten Kunden wie „The Byte Shop“ Lieferverträge über den „Apple I“ abzuschließen. Die Bauteile dafür er auf Pump besorgen.

    „Ich hatte sehr gute Gründe, meinen Namen aus dem Vertrag zu streichen“, sagte Wayne rückblickend im Jahr 2016 in einem TV-Interview. „Es ging vor allem darum, dass wir eine Firma gegründet hatten. Und wenn wir scheitern sollten, hätten Jobs und Woz keine zwei Nickel in der Tasche gehabt. Wer wäre übrig geblieben, um zu haften? Nun, ich hatte ein Haus und ein Auto und auch ein Bankkonto. Ich war greifbar. Ich war also finanziell verwundbar. Aber ich wollte auch mein eigener Herr sein. Mir war auch klar, dass ich im Schatten von zwei Riesen stand. Ich hätte nie ein eigenes Projekt bekommen. Mit gefiel der Gedanke nicht, die nächsten 20 Jahre im Büro hinter Papierstapeln zu verbringen. Das war ein weiterer Grund, dort auszusteigen.“

    Sein Mitbegründer Steve Wozniak konnte diesen Schritt nicht nachvollziehen. „Ich weiß nicht, warum Ron aufgab. Er verkaufte seine Aktien und stieg aus. Er mag gute Gründe gehabt haben. Er stieg aus und war glücklich damit. Er konnte das große Ganze nicht sehen. Aber das konnte man damals kaum absehen. Es gab nur den Apple I.“

    Auf Verständnis bei Steve Jobs konnte Wayne nicht zählen. Jobs schilderte den Vorgang so: „Er entschied, dass er wirklich lieber einen Videorekorder oder so etwas haben wollte. Also verkaufte er uns 10 Prozent an uns für achthundert Dollar zurück.“

    Ron Wayne im Interview mit Jules Pochy und Jérôme Schmidt (2016)

    Vorbehalte gab es aber auch in entgegengesetzter Richtung: „Ich wusste auch nicht, ob Jobs die Art von Persönlichkeit war, für die ich arbeiten wollte“, sagte Wayne in dem ARTE-Interview (2016). „Er war halt wie er war. Er wusste genau, was er tun wollte. Und dabei kam man ihm besser nicht in die Quere. Man würde nut mit einem Fußabdruck auf der Stirn enden. Jobs hatte einen sehr aggressiven Charakter. Und wenn du die Wahl hättest, zwischen Steve Jobs und einem Eiswürfel, um die aufzuwärmen, würdest Du Dich an den Eiswürfel schmiegen. Aber nur so konnte er erreichen, was er mit Apple erreicht hatte. Apple war Steve Jobs.“

    Wayne bereute also nicht, so früh bei Apple ausgestiegen zu sein: „Diese Kids waren wilde Teufelskerle, also ob man einen Tiger am Schwanz halten muss. Wenn ich bei Apple geblieben wäre, hätte es mich schnell erwischt. Ich wäre dann nur der reichste Mann auf dem Friedhof gewesen.

    Eine Sache im Leben bereut Wayne dann aber doch. Mitte der neunziger Jahre sah er in einem Magazin die Anzeige einer Firme, die mit Autogrammen und Unterschriften handelte. Er erinnerte sich damals an den alten Apple-Vertrag, der in einem Schrank rumlag und nur Staub sammelte. Letztlich verkaufte er das historische Dokument für 500 Dollar an den Autogramm-Händler.

    Jahre späte sah Wayne dann im Fernsehen, wie sein alter Vertrag für fast 1,6 Millionen Dollar beim Autionshaus Sotheby’s unter den Hammer kam.

    „Dieser Vorgang tut mir leid. Aber was soll ich sagen. Es ist die Geschichte meines Lebens, richtig. Ein Tag zu spät dran und einen Dollar zu wenig in der Tasche.“

    Ron Wayne hat in der Geschichte von Apple auch nach seinem Ausstieg als Gesellschafter Spuren hinterlassen. Die erste Spur sollte schnell wieder beseitigt werden, denn Steve Jobs gefiel das erste Logo der jungen Firma nicht, das Wayne gestaltet hatte. „Im diesem Logo, das sie mich entwerfen ließen, habe ich Wozniaks Skurrilität eingefangen. Das Logo mit Newton in diesem gotischen Rahmen mit dem Band und der Aufschrift ‚Apple Computer Company‘ war natürlich ein Design des 19. Jahrhunderts, nicht des 20 Jahrhunderts. Das war mir schon klar.“

    Die zweite Spur war dann schon tiefer: Jobs fragte Wayne, ob er nicht ein Gehäuse für den Apple II entwerfen könne. Zwar wurde sein Entwurf nie verwendet. Apple übernahm aber das gestalterische Grundprinzip.

    Entwurf für eine Gehäuse des Apple II von Ron Wayne.

    Wayne amüsiert bis heute der Gedanke, dass er die ganze spätere Arbeit von beeinflusst haben könne. „Ein typischer Computer heutzutage besteht aus einem Tower und einer Platine, die vertikal untergebracht ist. Die Tastatur und Bildschirm sind separat. Bei meinem Design für den Apple II, hatte ich ein horizontales Design mit einer waagrecht montierten Platine. Die Tastatur war im Gehäuse integriert. Der Monitor stand oben drauf., als eine Einheit. Diesen Aufbau verwendeten sie für alle zukünftigen Modelle, den Macintosh und den Lisa und so weiter. Alle waren so aufgebaut. Diese Form war unter modernen Computern einzigartig.“

    Der Apple II in der Werbung

    ARTE-Interview mit Ron Wayne:

    Apples dritter Mann

    ARTE-Video hier klicken

    Auch die britische BBC hat sich mit Ron Wayne beschäftigt.

    BBC-Doku:

    Und hier noch ein Video, wie Apple-Mitbegründer Steve Wozniak die Sache mit Ron Wayne gesehen hat:

  • Apple Macintosh – Der Mac als Digital Hub (2001-2014)

    Nach dem ersten iMac baute Steve Jobs den Apple Macintosh konzeptionell aus.

    Teil 6

    Im Februar 2001 führte Apple neue iMacs ein, die sich äußerlich nur durch die Farben „Indigo“, „Blue Dalmatian“ und „Flower Power“ von ihren Vorgängern unterschieden.

    iMac "Flower Power" und "Blue Dalmatian" (2001)
    iMac „Flower Power“ und „Blue Dalmatian“ (2001)

    Allerdings waren diese iMacs mit CD-Brennern ausgestattet und wurden erstmals mit der iTunes-Software ausgeliefert. Die Mac-Anwender konnten CDs in ihren Mac stecken, Songs sehr einfach in MP3-Dateien umwandeln, per iTunes ihre Lieblingsmusik zusammenstellen und wieder auf CD brennen.

    Apple-Spot Rip Mix Burn

    Apple warb damals mit dem Slogan „Rip, Mix, Burn“. Die Musikindustrie reagierte schockiert und warf Apple vor, zur Piraterie aufzufordern. Steve Jobs nahm die Vorwürfe billigend in Kauf. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Marktstart des iPods im September 2001 vor Augen, der später zusammen mit dem iTunes-Store die Musikindustrie radikal verändern sollte.

    Im Frühjahr 2002 hatten sich Flachbildschirme rasant weiterentwickelt. Es war an der Zeit, sich vom Röhrenmonitor zu verabschieden. Diesmal hatten Ive und Jobs mit einem radikalen Designentwurf mehr Glück als beim G4 Cube – auch weil Apple bei der Preisgestaltung vorsichtiger blieb. Inspiriert durch den Garten der Familie Jobs hatte Ive sich dazu entschlossen, den iMac wie eine Sonnenblume zu entwerfen. Der eigentliche Computer inklusive optischem Laufwerk wurde in einem halbkugelförmigen Fuß untergebracht, das Display an einem beweglichen Chromhals befestigt. Der iMac G4 erinnerte auch an die Figur Luxo Jr., eine Zeichentrick-Schreibtischlampe, die John Lasseter für Jobs‘ Filmstudio Pixar animiert hatte.

    iMac G4 (2002)
    iMac G4 (2002)

    Die Neuauflage des iMacs erwies sich nicht nur als Hingucker, sondern auch als ein kompletter PC mit hervorragender Softwareausstattung. Die Maschine wurde damals zwar noch mit dem veralteten System 9, aber parallel auch bereits mit dem neuen System Mac OS X ausgeliefert. Damit bekam der Mac überfällige Systemfunktionen wie Speicherschutz, präemptives Multitasking, Mehrbenutzerfähigkeit, ein erweitertes Speichermanagement sowie symmetrisches Multiprocessing (SMP).

    Mac OS X 10.1
    Mac OS X 10.1

    Die neue Systemsoftware beruhte auf NeXTSTEP, dem Unix-System von NeXT, und war nun endlich für den Massenmarkt bei Apple bereit. Auf diesem technischen Fundament von Mac OS X bauen bis heute nicht nur alle Macintosh-Rechner auf, sondern im Prinzip auch die Bestseller iPhone und iPad sowie der iPod touch und Apple TV. Dort ist das System in abgewandelter Form im Einsatz. Konsequenterweise strich Apple im August 2012 auch das Wort Mac im Namen des Betriebssystems, das nun nur noch OS X heißt.

    Um die Macs für die Zukunft fit zu machen, fehlte Jobs aber noch eine wichtige Komponente. Er sah schon bald nach seiner Rückkehr zu Apple einen Punkt gekommen, sich ernsthaft Gedanken über die Aussichten der PowerPC-Plattform zu machen. Außerhalb der von Apple verkauften Rechner gab es keinen Massenmarkt für diesen Chip. PowerPC-Versionen der Betriebssysteme Windows, OS/2 und Solaris verschwanden bereits nach kurzer Zeit wieder vom Markt.

    Intel inside

    Da das NeXT-System bereits für die Intel-Architektur x86 entworfen wurde, war die technische Hürde bei den Macs für einen Plattform-Wechsel nicht besonders hoch. Im Juni 2005 auf der Worldwide Developers Conference kündigten Jobs und der damalige Intel-CEO Paul Otellini den Umstieg auf „Intel inside“ an.

    Auf der MacWorld Expo im Januar 2006 wurden dann die ersten beiden Intel-Macs vorgestellt, der iMac Core Duo in einem weißen Polycarbonat-Gehäuse und einem neuen MacBook Pro (15-Zoll).

    Bei den iMacs führte Apple dann 2009 ein Aluminium-Gehäuse ein, das aus einem Stück gefertigt wird (Unibody). Die aktuelle Version des iMacs, die äußerlich im Oktober 2012 zuletzt verändert wurde, ist noch schlanker geworden und ist am Gehäuserand nur noch fünf Millimeter dick.

    Get A Mac

    Zum enormen Erfolg der iMacs trug auch eine Webekampagne von Apple in den Jahren 2006 bis 2009 bei. Unter dem Motto „Get a Mac“ spielte der junge Justin Long in Jeans und Hemd über der Hose den coolen Mac („Hello, I’m a Mac“), während der mit Schlips und Anzug auftretende Schauspieler John Hodgman den PC verkörperte („And I’m a PC“). Insbesondere die Schwierigkeiten, die Microsoft seinen Kunden mit dem verunglückten Betriebssystem Windows Vista bescherte, lieferten die Steilvorlagen für ironische Attacken auf die PC-Plattform.

    Zuvor hatte Apple in der Switcher-Kampagne eine Reihe von Prominenten wie Tony Hawk, DJ Q-Bert, Yo-Yo Ma, Kelly Slater und Will Ferrell aber auch etliche nicht prominente Anwender präsentiert, die in Werbespots die Vorzüge des Macs schilderten. Zu einem Internet-Phänomen entwickelte sich der Spot mit der damals 14 Jahre alten Schülerin Ellen Feiss, die sich in dem Spot darüber beschwerte, dass bei einem Absturz eines Windows-PCs die Hälfte einer Hausarbeit verloren ging.

    Am 7. August 2007 stellte Steve Jobs eine neue iMac-Generation vor, die erstmals in Aluminium und Glas steckte. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen war die 5. iMac-Generation spürbar dünner und nur noch mit einer Schraube (statt bisher zwei) am Gehäuse, mit der der Arbeitsspeicher ein- und ausgebaut werden kann, versehen. Dieser wurde mit einem 20- oder 24-Zoll-Breitbildmonitor angeboten und wurde mit einer neuen, flachen USB-Tastatur in Aludesign und mit besonderen Tasten für erweiterte Funktionen ausgeliefert.

    Die 5. iMac-Generation (2007)
    Die 5. iMac-Generation (2007). Foto: Matthieu Riegle (CC BY 3.0)

    Bei der sechsten iMac-Generation, die am 20. Oktober 2009 vorgestellt wurde, änderte Apple-Chefdesigner Jony Ive kaum etwa an der äußeren Erscheinung. Es blieb beim Alu/Glas-Gehäuse. In der Ausstattung und den technischen Daten hatte sich aber eine Menge getan. Das kleinste Modell bot nun ein 21,5 Zoll (1920×1080) großes Display und eine 500 GB Festplatte, das größte Modell hatte ein 27-Zoll-Display (2560×1440) und eine 1 TB oder 2 TB Festplatte. Alle Modelle verfügten nun über IPS-Displays mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Der kleinere iMac sowie das günstigste 27-Zoll-Modell wurden standardmäßig mit einem 3,06 GHz oder einen optionalen 3,33 GHz Intel Core 2 Duo Prozessor ausgeliefert. Das zweite 27?-Modell war mit dem 2,66 GHz Core i5 oder optional mit 2dem ,8 GHz Core-i7-Prozessor von Intel als erster iMac mit einer Quad-Core CPU ausgestattet.

    Die 6. iMac-Generation (2009)
    Die 6. iMac-Generation (2009). Foto: Matthieu Riegle (CC BY 3.0)

    Bei der siebten iMac-Generation, die am 23. Oktober 2012 vorgestellt wurde, setzten Ive und sein Team auch wieder optische Akzente. Es blieb zwar bei der Dominanz der Werkstoffe Aluminium und Glas, doch das Gehäuse wurde deutlich schlanker und am Rand nur noch wenige Millimeter dick. Apple verzichtete beim 7. iMac auf den Einbau eines optischen Laufwerks. Dafür bot Apple zu 3 TB große Festplatten an, bis zu 768 GB SSD und bis zu 32 GB RAM. Die Kombination aus einer 128 GB SSD und einer Festplatte bezeichnet Apple jetzt als Apple Fusion Drive, das deutlich schnellere Zugriffszeiten bietet als bei Festplatten.

    7. iMac-Generation (2012)
    7. iMac-Generation (2012). Foto: Apple

    Weiterlesen: Teil 7: Mac Pro (2006-2014)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Die Zukunft des Macs

    Vor der Rückkehr von Steve Jobs 1997 glaubten selbst viele hartgesottene Apple-Fans kaum noch an eine Zukunft des Macs. Doch vor allem mit dem iMac und den verschiedenen MacBook-Modellen schaffte es die Ingenieure und Designer bei Apple, dem Mac ein neues Leben einzuhauchen.

    Teil 9

    Apple kann als einziger PC-Hersteller auf eine seit über 10 Jahre andauernde Wachstumsgeschichte zurückblicken. Als der erste Mac 1984 startete, kamen auf jeden verkauften Mac sechs verkaufte IBM-PCs. Nach dem Marktstart von Windows 95 stieg dieses Verhältnis drastisch zugunsten der PC-Fraktion. 2004 kamen auf jeden Mac 60 Windows-PC. Doch seitdem ist der Mac wieder auf dem Vormarsch.

    Multiple PCs sold vs. Macs sold
    Multiple PCs sold vs. Macs sold: Source: Asymco

    Inzwischen liegt das Verhältnis bei weniger als 20:1. Das schlägt sich auch in den Bilanzen von Apple nieder. Der Absatz der Macs steigt seit Ende der neunziger Jahre kontinuierlich. Die Kurve nach oben hat erst mit dem Aufkommen der Tablet-Computer einige Dellen bekommen.

    Macintosh Absatz 1999 - 2013
    Macintosh-Absatz von 1999 bis 2013 (in Mio. Geräten)
    Macintosh-Umsatz von 1999 bis 2013 in Mrd. Dollar
    Macintosh-Umsatz von 1999 bis 2013 in Mrd. Dollar

    Im Unterschied zu PC-Produzenten wie HP oder Acer muss sich Apple aber auch keine all zu großen Sorgen darüber machen, dass die Tablets den klassischen PC-Markt kannibalisieren. Schließlich ist Apple mit dem iPad bestens im Geschäft. Addiert man die Tablets zu den Computern, kommen auf ein Apple-Gerät nur noch sechs Windows-Rechner.

    Aber auch abseits solcher Rechenspielereien steht der Mac aktuell gut da: Die Leute kaufen die verschiedenen Varianten des Macs inzwischen nicht mehr nur wegen des von Jony Ive geprägten Industriedesigns, sondern auch wegen der Software-Ausstattung. Obwohl (Mac) OS X inzwischen seit über zehn Jahren mit den neuen Macs ausgeliefert wird, muss Apple nicht nach einem neuen Software-Fundament suchen, sondern kann sein System auf der soliden Unix-Basis Schritt für Schritt ausbauen und optimieren. Und mit den Programmen iPhoto, iMovie, GarageBand sowie Pages, Numbers und Keynote bekommen Käufer eines Macs inzwischen leistungsstarke und sorgfältig aufeinander abgestimmte Anwendungen für ihre Fotos, Filme, Musik, Dokumente, Tabellenkalkulationen und Präsentationen kostenlos dazu.

    Der Mac spielt im Apple-Konzern aber schon länger nicht mehr die größte Rolle. 30 Jahre nach seiner Premiere macht Apple mit allen Macintosh-Modellen zusammen nur noch 15 Prozent seines Umsatzes. Mehr als die Hälfte des Geschäfts wird inzwischen mit den iPhones erzielt. Immerhin steigt der Marktanteil der Macs kontinuierlich weiter, sodass sie ihren Fans bei allen technischen Umwälzungen noch lange erhalten bleiben dürften.

    Christoph Dernbach

    Die Geschichte des Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs