Kategorie: Steve Jobs (1955-2011)

  • Wie Steve Jobs die Welt verändert hat

    Teil 1 : Steve Jobs – „Verlassen“, „Auserwählt“ und „Speziell“ (hier klicken)

    Steve Jobs brach das 1973 Studium ab und schlug sich als Lebenskünstler durch. Im Hare-Krishna-Tempel holte er sich hin und wieder eine warme Mahlzeit ab. Er schmuggelte sich in den Kalligraphie-Kurs ein, der auf dem Reed College angeboten wurde. „Ich erfuhr von Serifen- und serifenlosen Schriften. Lernte, wie man den Abstand zwischen verschiedenen Buchstabenkombinationen anpasst. Erfuhr, was großartige Schriften großartig macht. Es war wundervoll, historisch, kunstvoll dezent auf eine Weise, die Wissenschaft nicht einfangen kann, und ich fand es faszinierend.“ Auch diese Episode sollte sich später in der Computergeschichte auswirken:

    Zehn Jahre später, als wir den ersten Macintosh entwarfen, kam alles wieder. (…) Es war der erste Computer mit schönen Schriftzeichen. Hätte ich damals nicht das Studium abgebrochen, hätte der Mac niemals die verschiedenen Schriftarten oder Schriftzeichen mit proportionalen Abständen bekommen. Und da Windows den Mac einfach kopiert hat, hätte sie wahrscheinlich auch kein anderer Personal Computer gehabt.

    Steve Jobs war auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Er experimentierte mit bewusstseinserweiternden Drogen. 1975 nutzte er eine Dienstreise für seinen damaligen Arbeitgeber Atari nach Europa, um auf eigene Faust nach Indien zu fahren. Jobs beschäftigte sich in dieser Zeit intensiv mit den Lehren des Harvard-Professors Richard Alpert, der zum Hinduismus konvertiert war und in Indien als Guru Ram Dass („Diener Gottes“) lehrte. In Indien fand Jobs aber keine Erleuchtung, sondern landete ei einem Betrüger, der seine Guru-Rolle nur spielte. Desillusioniert kehrte er nach Kalifornien zurück.

    Steve Jobs und der Homebrew Computer Club

    The Homebrew Computer Club newsletter
    Newsletter des Homebrew Computer Clubs

    Unterdessen versuchte sein Freund Steve Wozniak die „merkwürdige, schrullige Truppe von Leuten“ zu überzeugen, die sich Homebrew Computer Club nannte. „Das war eine Gruppe, die fasziniert war von der Technologie und den Dingen, die man damit erreichen konnte.“ Für die Geeks im Club entwickelte Woz einen Bausatz, der später als Apple I bekannt werden sollte. Steve Jobs schmiedete da bereits viel größere Pläne, denn er hatte beobachtet, dass nur wenige Leute im Homebrew die Zeit oder das Geschick hatten, die im Club präsentierten Computer selbst aufzubauen. „Warum bauen wir die Platine nicht selbst und verkaufen sie ihnen?“, fragte er Woz.

    Homebrew Computer Club meeting (1978)
    Homebrew Computer Club meeting (1978)
    Legendäre Mitglieder des Homebrew Computer Club : Lee Felsenstein, Steve Wozniak, Harry Garland, Bob Marsh, Jef Raskin und Allen Baum. Sie sprechen hier über den Altair 8800 und die Folgen

    Weiterlesen: Steve Jobs (3) – Gründung von Apple und erster Erfolg mit dem Apple II

  • Teil 3: Die Gründung von Apple und erster Erfolg mit dem Apple II

    Steve Jobs (2): Die Suche nach dem Sinn des Lebens

    Mit einem gewissen Sinn für Humor gründeten Jobs und Wozniak die Firma Apple Computer am „April Foolsday“, dem 1. April 1976. Für das notwenige Startkapital von 1000 Dollar verkaufte Wozniak seinen programmierbaren Taschenrechner HP 65 für 500 Dollar, Jobs setzte die Erlöse aus dem Verkauf seines VW-Busses ein.

    Steve Jobs and Steve Wozniak using Apple 1 computer system, ca. 1976
    Steve Jobs und Steve Wozniak mit einem Apple I, um 1976

    Der dritte Firmengründer, Ron Wayne, sollte als Erwachsener vom Dienst für eine ordentliche Buchführung sorgen. Er erhielt dafür immerhin zehn Prozent der Firmenanteile, die beiden Steves jeweils 45 Prozent. Doch Wayne stieg schon nach wenigen Wochen wieder aus, weil dem Familienvater das Haftungsrisiko zu unüberschaubar war und er etwas mehr zu verlieren hatte als die beiden Steves. Die Rolle des erwachsenen Aufsehers übernahm dann später der Millionär Mike Markkula. Er investierte eine Viertelmillion Dollar in das Start-up, um die Produktion und Vermarktung des Apple II zu finanzieren.

    Durchbruch mit dem Apple II

    Steve Wozniak war das Hardware-Genie. Treibende Kraft bei der Vermarktung war Woz’ dynamischer Kompagnon Steve Jobs. Er war von Woz technischen Fähigkeiten fasziniert, auch weil er selbst nie in der Lage gewesen wäre, einen Computer wie den Apple II selbst zu konstruieren. Doch er sah seinen Freund auch kritisch: „Woz ist in mancher Hinsicht brillant, hat aber viel von einem Fachidioten, denn er war richtig verklemmt, wenn er mit Menschen, die er nicht kannte, verhandeln musste“, meinte Jobs und zog gegenüber seinem Biografen Isaacson die Bilanz: „Wir waren ein gutes Team.“ Wozniak hingegen war von der Geschäftstüchtigkeit seines Freundes beeindruckt: „Ich wollte nie mit Menschen verhandeln müssen und diplomatisch sein, Steve jedoch konnte Leute anrufen, die er nicht kannte, und sie dazu bringen, etwas zu tun“, sagte Wozniak. „Er konnte schroff gegenüber Menschen sein, die seiner Ansicht nach nicht klug waren, aber mich behandelte er nie grob.“

    Woz hätte sich auch zufrieden gegeben, wenn der Apple II als Bausatz vertrieben worden wäre. Doch Jobs verlangte ein komplettes Produkt in einem glatten hellen Plastikgehäuse, ähnlich wie bei einer Cuisinart-Küchenmaschine. Außerdem forderte Jobs eine Stromversorgung mit einem aufwendigen Schaltnetzteil, die einen Ventilator überflüssig machte und nervte Wozinak damit, dass die Linien auf der Platine des Apple II gerade verlaufen mussten. Der Riesenaufwand lohnte sich: Der von Woz entwickelte Apple II war der erste Personal Computer, der ein Massenpublikum fand.

    A screenshot of Visicalc
    Screenshot von Visicalc

    Der Verkaufserfolg wurde vorangetrieben durch VisiCalc, der ersten Tabellenkalkulation für einen Mikrocomputer. „Von einer monatlichen Stückzahl von 1000 schossen wir plötzlich hoch auf 10 000“, erinnert sich Woz. „Meine Güte, ging das alles schnell! In den Jahren 1978 und 1979 wurden wir immer erfolgreicher. 1980 waren wir das erste Unternehmen, das eine Million Computer verkaufte.“

    Der Börsengang von Apple Computer (1980)

    Am 12. Dezember 1980 ging die Apple Computer Inc. an die Börse. Steve Jobs wurde mit dem Börsengang zum Multimillionär, denn Apple wurde nun mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Vergessen waren die schwierigen Zeiten, in denen er seinen Freund Woz übervorteilt und ihm bei einem Programmier-Job für Atari den gerechten Anteil an dem Honorar vorenthalten hatte. Jobs besaß jetzt 7,5 Millionen Apple-Aktien im Wert von 217 Millionen Dollar.

    Aber auch Woz konnte alle wirtschaftlichen Probleme vergessen. Ihm wurden vier Millionen Aktien (116 Mio. Dollar) zugeteilt. Der Apple-Mitbegründer gab einen Teil seiner Aktien an andere Apple-Mitarbeiter ab, die bei der Vergabe der Firmenanteile leer ausgegangen waren. Mike Markkula war darauf nicht angewiesen: Sein Anteil von sieben Millionen Aktien war 203 Millionen Dollar schwer.

    Steve Jobs betonte, das Geld habe ihm gar nicht so viel bedeutet: „Mit 23 Jahren besaß ich schon über eine Million Dollar. Und über zehn Millionen Dollar, als ich 24 war. Und über 100 Millionen Dollar, als ich 25 Jahre alt war“, sagte Jobs 1995 in einem Interview. „Es war nicht so wichtig, weil ich es niemals wegen des Geldes getan habe.“

    Weiterlesen: Teil 4 – Die Erleuchtung im Xerox PARC

  • Steve Jobs (4) – Die Erleuchtung im Xerox PARC

    Steve Jobs (3) – Gründung von Apple und erster Erfolg mit dem Apple II

    Steve Jobs celebrating Apple's IPO (1980)
    Steve Jobs feiert den Börsengang von Apple (1980)

    Der Börsengang von Apple am 12. Dezember 1980 hatte für Steve Jobs eine bittere Konsequenz. Im Unterschied zu Bill Gates bei Microsoft war der Apple-Mitbegründer nicht mehr der maßgebliche Entscheider in „seinem“ Unternehmen. Er verfügte zwar über massig Geld, aber nicht mehr über die Mehrheit der Firmen-Anteile. Das Kommando bei Apple hatte nun das von den Investoren bestimmte Management. Die zentrale Figur an der Führungsspitze von Apple war damals „Angel Investor“ Mike Markkula, der im Sommer 1981 den Posten des Geschäftsführers von Mike Scott übernommen hatte. Markkula und Jobs waren sich aber einig, dass an der Spitze des Apple-Managements eine charismatische Figur stehen sollte, die die Methoden des modernen Marketings aus der Konsumgüter-Industrie bei Apple einführen sollte. An der Ostküste der USA in der Führungsetage des CocaCola-Konkurrenten PepsiCo wurden Jobs und Markkula fündig.

    Steve Jobs und John Sculley: Das „Dynamic Duo“

    Apple's Dynamic Duo
    Dynamic Duo (1984)

    „Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?“ Mit diesem berühmt gewordenen Satz überzeugte Steve Jobs 1983 den Pepsi-Manager John Sculley zum Wechsel in die Computer-Industrie und zum Umzug nach Kalifornien. Doch das „Dynamic Duo“ funktionierte nicht lange. Schnell wurde deutlich, dass sich der Apple-Mitbegründer Jobs und der Apple-CEO Sculley in zentralen Fragen wie der Vermarktungsstrategie für den Macintosh nicht einigen konnten. Dessen Anfänge gehen in die Zeit vor dem Börsengang von Apple zurück: Markkula und Scott hatten im April 1979 den begabten Ingenieur Jef Raskin beauftragt, einen „Volkscomputer“ zu konstruieren.

    Raskin stellt das erste Entwickler-Team zusammen und erfand auch den Namen Macintosh, zuerst „McIntosh“ nach seiner Lieblings-Apfelsorte. Weil er aber juristische Schwierigkeiten mit dem gleichnamigen Hersteller von Hifi-Anlagen befürchtete, fügte er später den Buchstaben „a“ ein.

    Der neue Volkscomputer sollte die Abhängigkeit des Unternehmens vom Megaseller Apple II reduzieren. Aber das Projekt kam nur mühsam voran, auch weil Steve Wozniak keine wirklich aktive mehr Rolle spielte. Nach einem Flugzeugabsturz mit seiner Beechcraft Bonanza im Februar 1981 hatte sich Woz weitgehend von Apple zurückgezogen.

    Zum großen Ärger von Raskin war es dann Steve Jobs, der in dieser Phase bei Apple auch technologisch die Richtung vorgab. Dabei war Jobs kein Erfinder, Ingenieur oder Programmierer. Jobs konnte aber die Tragweite von neuen technologischen Konzepten viel besser einschätzen als andere.

    Wie Steve Jobs sich im Forschungszentrum Xerox PARC inspirieren ließ

    Sein Meisterstück beim Technologie-Scouting legte Steve Jobs im Fall Xerox PARC ab – obwohl auch hier die ersten Impulse von Raskin kamen. Raskin hat nach eigenem Bekunden das legendäre kalifornische Forschungszentrum im benachbarten Palo Alto bereits 1976 besucht und versuchte danach, die beiden Apple-Gründer Jobs und Wozniak ebenfalls zu einem Besuch zu bewegen. Jobs habe das aber zunächst abgelehnt, weil er sich nicht habe vorstellen können, dass eine größere Firma überhaupt in der Lage sein kann, irgendwelche interessanten Dinge zu entwickeln. Doch 1979 war es soweit. Auf Drängen von Raskin besuchte Jobs mit einem kleinen Team von Apple-Entwicklern Xerox PARC und konnte dort einen Blick in die Zukunft werfen: „Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: die grafische Bedienoberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was mir je in meinem Leben unter die Augen gekommen ist“, sagte Jobs 1995 in einem TV-Interview.

    Steve Jobs hatte im Xerox PARC das Licht gesehen. Nun wollte er auch bei Apple einen Computer bauen, der kinderleicht zu bedienen war. Den Eintritt ins Forschungszentrum PARC hatte sich Apple durch einen Aktiendeal erkauft, der den bornierten Xerox-Managern an der Ostküste lukrativ erschien: Xerox durfte noch vor dem Börsengang von Apple 100 000 Aktien des Start-up-Unternehmens für eine Millionen Dollar kaufen. Kurzfristig hatte sich dieser Deal gelohnt, denn die Anteile waren nun bereits 17,6 Millionen Dollar wert. Langfristig verspielte Xerox jedoch die Chance, die Bedeutung eines Branchenriesen wie Microsoft oder IBM zu erlangen, weil die Arbeit ihrer Forscher in Kalifornien hausintern ignoriert wurde.

    Xerox PARC

    John Warnock: „Im Xerox PARC gab es hundertprozentige intellektuelle Freiheit“

    Larry Tesler, der damals als Xerox-Angestellter an der Vorführung der GUI für die bunte Apple-Truppe teilnahm, war von den Besuchern fasziniert, die wie Hippies aussahen: „Nach einer Stunde verstanden sie die Technologie unserer Demos und was sie bedeuteten besser als jeder Xerox-Manager nach all den Jahren, in denen wir sie ihnen gezeigt hatten.“ Steve Jobs sah das ähnlich: „Innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden.“

    Ausschnitt aus der TV-Doku „Triumph of the Nerds“

    Steve Jobs sollte recht behalten. Als den Xerox-Managern zehn Jahre später dämmerte, dass sie Apple das geistige Eigentum ihrer Forscher im PARC für kleines Geld auf dem Silbertablett serviert hatten, zogen sie vor Gericht. Im Dezember 1989 verklagte Xerox Apple Computer und verlangte 150 Millionen Dollar Schadensersatz. In der Sache wurde vor Gericht aber gar nicht mehr verhandelt, weil mögliche Ansprüche von Xerox inzwischen verjährt waren. Den ersten Versuch, die grafische Bedienoberfläche auf dem Massenmarkt einzuführen, unternahm Apple 1983 mit dem Modell Lisa. In Anzeigen wurde der Rechner mit der bemerkenswerten Software als „Maserati für Ihr Gehirn“ beworben. Der Geschäftserfolg blieb allerdings aus. Der Preis von 10 000 Dollar war viel zu hoch, um die vielen Interessenten in Scharen tatsächlich zum Kauf zu bewegen.

    Der Besuch im Xerox PARC im Film „Pirates of Silicon Valley (1999)“

    Weiterlesen – Teil 5 – Die Macintosh-Piraten

  • Die Macintosh-Piraten – Wie Steve Jobs den ersten Apple Macintosh entwickleln ließ

    Steve Jobs (4) – Die Erleuchtung im Xerox PARC

    The pirate flog on building Bandley III
    Piraten-Flagge über dem Gebäude Bandley III

    Steve Jobs konnte sich schnell vom Misserfolg des Apple Lisa distanzieren, denn 1980 hatte ihm der damalige Geschäftsführer Mike Scott die Führung des Lisa-Teams verwehrt. In einem internen Wettstreit mit der Lisa-Truppe hatte Jobs daraufhin das noch junge Macintosh-Projekt von Jef Raskin übernommen und 5000 Dollar darauf gewettet, dass er mit dem Mac noch vor der Lisa auf den Markt kommen sollte. Zunächst ekelte er Raskin aus der Gruppe. Dann positionierte Jobs sein Team innerhalb von Apple als RebellenTruppe. Sie wollten es der Lisa-Truppe beweisen, die das Vertrauen der Geschäftsführung genoss.

    Über dem Gebäude der Mac-Entwickler „Bandley III“ flatterte eine Totenkopf-Flagge. „Es ist besser, ein Pirat zu sein, als in die Navy zu gehen“, sagte Jobs seinen Entwicklern. Apple-Investor Arthur Rock regte sich über die Aktion mächtig auf: „Die Flagge zu hissen, war mächtig blöd. Sie erklärte dem Rest der Firma, ihr taugt nichts.“

    Das Macintosh-Team unter der Piratenflagge
    Das Macintosh-Team unter der Piratenflagge

    Jobs hatte ein Dream-Team genialer Programmierer und Ingenieure um sich versammelt, das er wie ein Sektenführer mit Schmeicheleien und Brüllattacken zu immer neuen Höchstleistungen antrieb. Doch die ständig neuen Anforderungen von Jobs verzögerten das Mac-Projekt immer wieder, sodass der Apple-Mitbegründer seine Wette gegen das Lisa-Team verlor. Erst am 24. Januar 1984 war es so weit. Der Mac war fertig.

    Zur öffentlichen Präsentation des neuen Computer-Modells rezitierte Jobs „The Times They Are A-Changin“ von Bob Dylan:

    Kommt, Schreiber und Kritiker
    Die ihr mit der Feder prophezeit
    Und haltet die Augen offen
    Die Chance kommt nicht wieder
    Und redet nicht zu früh
    Denn das Rad dreht sich noch
    Und keiner kann jetzt schon sagen, wen es benennen wird
    Denn der jetzige Verlierer wird später gewinnen
    Denn die Zeiten ändern sich

    Dass die Launch-Feier des Macs formal eine Aktionärsversammlung von Apple war, rückte bei diesem Auftritt in den Hintergrund. Der 29 Jahre alte Unternehmensgründer konnte sich diese Freiheit herausnehmen. Sein Feindbild war IBM. Der Ostküsten-Konzern wollte mit dem IBM-PC den Markt der Personal Computer erobern, der erst durch Firmen wie Atari, Commodore und natürlich Apple entstanden war. IBM war für den Apple-Mitbegründer identisch mit dem „Big Brother“ aus George Orwells Roman „1984“, der mit allen Mitteln seine alte Vorherrschaft aus der Mainframe-Ära in das zunächst komplett unterschätzte Zeitalter der Personal Computer hinüberretten wolle.

    „1984“ – Der berühmteste Fernseh-Werbespot aller Zeiten

    Im berühmtesten TV-Werbespot aller Zeiten setzte Regisseur Ridley Scott diese Vision der geknechteten IBM-Anwender, die durch den Mac befreit würden, optisch um. Der Mac sollte in dem Clip beweisen, warum Big Brother IBM nicht die Welt dominieren, warum „1984 nicht 1984“ sein würde.

    Jobs war sichtbar stolz auf das Erreichte und führt dies auf die breit angelegte Begabung seiner Mitarbeiter zurück: „Ein Teil des Macintosh-Erfolgs bestand darin, dass die Leute, die daran gearbeitet haben, Musiker, Dichter, Künstler, Zoologen und Historiker, zufällig auch die besten Computerwissenschaftler der Welt waren“, sagte er 1995 in einer Dokumentation des US-Fernsehsenders PBS.

    Weiterlesen: Teil 6: Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

  • Steve Jobs (6): Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

    Steve Jobs (5) – Die Macintosh-Piraten

    Der schwierige Start des Apple Macintosh

    Mit dem Macintosh hatte Steve Jobs einen neuen Meilenstein der Computer-Entwicklung gesetzt. Doch Apple musste zunächst eine lange Durststrecke überwinden, um den kommerziellen Durchbruch zu schaffen. Das lag auch daran, dass das erste Mac-Modell mit 128 Kilobyte Hauptspeicher deutlich zu knapp ausgestattet war. Apple-Fellow Alan Kay beschrieb den Mac damals als einen „Honda mit einem Ein-Gallonen-Tank“. Außerdem fehlten damals noch die Anwendungen wie Aldus Pagemaker oder Peripheriegeräte wie der Laserdrucker, mit denen man später die Stärken der Mac-GUI im Desktop Publishing nutzen konnte.

    Im April 1985 eskalierte der Konflikt. In einem zweitägigen Marathon-Meeting verlangte Sculley, Jobs den Posten des Apple Vice President und General Managers der Macintosh-Abteilung zu entziehen.

    John Sculley sieht rückblickend diese Krise so: „Es war wirklich nicht die Schuld von Steve Jobs. Es ging nur um Moores Gesetz. Das Mooresche Gesetz ist ein sehr vorhersehbares, beständiges Gesetz, das besagt, dass sich alle etwa 12 bis 18 Monate die Anzahl der Transistoren verdoppelt. Und damit verdoppelt sich die Leistung eines Computers. Und die Realität war, dass der Macintosh Office einfach nicht leistungsfähig genug war. Das hatte nichts mit Apple zu tun. Es hatte mit dem Stand zu tun, in dem sich die Mikroprozessor-Technologie befand. Der Mac konnte einfach nicht sehr viel tun. Er wurde als Spielzeug bezeichnet. Er wurde auf dem Markt lächerlich gemacht.

    Steve Jobs sei zu ihm gekommen und habe gesagte: „Ich möchte den Preis des Macintosh senken und ich möchte die Werbung verlagern, einen großen Teil davon weg vom Apple II hin zum Mac.“

    Sculleys Antwort lautete: „Steve. Es wird keinen Unterschied machen. Der Grund, warum sich der Mac nicht verkauft, hat nichts mit dem Preis oder mit der Werbung zu tun. Wenn du das tust, riskieren wir, die Firma in die Verlustzone zu stürzen“. Jobs war völlig anderer Meinung als Sculley. Der Ehemalige Pepsi-Manager sagte: „Nun, ich werde zum Vorstand gehen“ und worauf er antwortete: „Ich glaube nicht, dass Du das tun wirst.“

    Hier hatte Jobs aber Sculley unterschätzt. „Und so gingen wir zum Vorstand. Und jeder von uns präsentierte seinen Fall vor dem Vorstand. Sie trafen sich mit jedem von uns einzeln. Und dann beauftragten sie den stellvertretenden Vorsitzenden, den dritten Mitbegründer von Apple, Mike Markkula, loszugehen und die Frage zu untersuchen und mit verschiedenen Führungskräften und Ingenieuren zu sprechen.“ Nach gut einer Woche kam Markkula zurück zum Vorstand und sagte: „Ich stimme John zu. Ich stimme nicht mit Steve überein.“

    John Sculley erzählt, wie es zum Bruch mit Steve Jobs kam und welchen großen Fehler er sich selbst nicht verzeihen kann

    Steve Jobs verliert den Showdown und verlässt Apple

    'Der Fall des Wunderkindes' auf dem Titel von Newsweek
    ‚Der Fall des Wunderkindes‘ auf dem Titel von Newsweek

    Ende Mai 1985 verlor Jobs seine Verantwortlichkeiten und wurde auf den Chairman-Posten abgeschoben. Im September 1985 verließ der Apple-Mitbegründer mit einer Handvoll Leute das Unternehmen, um NeXT Computer zu begründen. „Ich bin erst 30 Jahre alt und möchte noch etwas leisten und erreichen“, schrieb Jobs zum Abschied an Mike Markkula.

    Die Reaktionen der Apple-Beschäftigten auf den De-facto-Rauswurf offenbarten beide Seiten des Steve Jobs: Andy Hertzfeld, einer der Väter des Macintosh, trauerte Jobs offen hinterher, obwohl auch er von ihm mit rüden Methoden angetrieben worden war: „Apple hat damals seine Seele verloren“, sagte der Software-Entwickler, der nach dem Weggang von Jobs Apple verließ und zuletzt mit dem Design von Google+ Schlagzeilen machte. Larry Tesler, der von Xerox zu Apple gekommen war, sprach aber auch die dunkle Seite des Mitbegründers offen an: „Jeder war an irgendeinem Punkt von Steve Jobs terrorisiert worden. So waren manche erleichtert, dass der Terrorist gegangen war.“

    Bei der Entwicklung des Macintosh hatte sich Jobs um jedes noch so winzige Detail gekümmert und war seinen Mitarbeiten mit seiner Kompromisslosigkeit immer wieder auf die Nerven gegangen. Dem Pixar-Management ließ er hingegen große Freiheiten. Doch dieser Spielraum zahlte sich zunächst nicht aus. Das eigentliche Kernprodukt, der Pixar Image Computer zur Animation von Filmsequenzen, verkaufte sich nur schleppend. Dafür sammelten die Kurzfilme des genialen Pixar-Angestellten John Lasseter auf Filmfestivals einen Preis nach dem anderen ein, obwohl die Streifen eigentlich nur als Demos für die Leistungsfähigkeit der Pixar-Hardware gedacht waren. Deshalb fokussierte sich Pixar Anfang der neunziger Jahre auf die Filme selbst, nicht mehr auf die Hardware.

    Steve Jobs wird mit „Toy Story“ zum Milliardär

    Der Durchbruch gelang Lasseters Mannschaft mit dem computeranimierten Zeichentrickfilm „Toy Story“, den Pixar für Disney produziert hatte. Mit einem Produktionsetat von 30 Millionen Dollar spielte der Film über 360 Millionen an den Kinokassen und in der Zweitvermarktung ein. Kurz nach dem Start von „Toy Story“ am 29. November 1995 ging Pixar an die Börse.

    Steve Jobs, der inzwischen sein Vermögen aus der ersten Apple-Ära durch die ständigen Zuwendungen an NeXT und Pixar fast aufgebraucht hatte, wurde dadurch zum Milliardär. „Andere haben einfach den Istzustand hingenommen“, sagte George Lucas nach dem Tod von Jobs. „Das Magische bei Steve war, dass er bei allem, was er berührt hat, das wahre Potenzial erkannte und bei seiner Vision keine Kompromisse einging.“

    Weiterlesen: Teil 7 – Auf zu neuen Ufern mit NeXT

  • Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

    Steve Jobs (6): Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

    NeXT-Logo
    NeXT-Logo

    Steve Jobs’ neue Computerfirma NeXT war anders als das Filmstudio Pixar komplett auf den Chef ausgerichtet. Hier sollte der Computer entstehen, den Jobs bei Apple nicht bauen durfte. Als die Geldvorräte knapp wurden und immer noch kein Produkt in Sicht war, schwatzte er dem Multimillionär Ross Perot 20 Millionen Dollar ab, um eine hypermoderne Fabrik für die Produktion des NeXT bauen zu lassen.

    Den legendären Designer Paul Rand, der zuvor den IBM-Schriftzug entworfen hatte, beauftragte Jobs mit der Gestaltung des NeXT-Logos, der deutsche Designer Hartmut Esslinger schuf das legendäre schwarze Würfel-Gehäuse. Und Steve Jobs kümmerte sich um Details, die seinen Mitarbeitern kaum zu vermitteln waren. So verlangte er, dass die Schrauben im Rechner eine teure Beschichtung erhielten und der mattschwarze Lack auch auf der Innenseite des Gehäuses aufgetragen wurde, obwohl der Anwender dies nie zu sehen bekommen würde. „Er kannte keine Kompromisse“, sagt Esslinger. Wer einen NeXT-Cube ausprobierte, war in der Regel begeistert.

    Tim Berners-Lee's NeXT cube at CERN
    NeXT-Cube von Tim Berners-Lee am CERN

    Doch die 6500 Dollar, die der NeXT-Würfel kostete, waren den meisten Interessenten zu viel. Außerdem gab es für die leistungsfähige Workstation damals noch kaum Software, sodass insgesamt nur rund 50 000 Systeme abgesetzt wurden. Deshalb fand Jobs für die teure Hardware – ähnlich wie beim ersten Macintosh – nur wenig Käufer. Immerhin war unter den europäischen NeXT-Anwendern der britische Wissenschaftler Tim Berners-Lee, der auf einem schwarzen NeXT-Cube am Forschungszentrum CERN in Genf das Konzept des World Wide Web und den ersten Browser entwickelte.

    In dieser Zeit lernte Archibald Horlitz, Chef des größten deutschen Apple-Händlers Gravis, Steve Jobs kennen. Horlitz hatte von dem neuen Projekt gehört und klopfte bei einer Kalifornien-Reise spontan bei NeXT an, um sich vom Chef persönlich das System vorführen zu lassen. „Steve Jobs hatte mehrere Facetten. Wenn er etwas wollte, konnte er einer der charmantesten Menschen der Welt sein“, erinnert sich Horlitz. „Ich habe von einem Kollegen bei NeXT gehört, wie dort typische Einstellungsgespräche abliefen. Er nahm die Leute im wahrsten Sinne des Wortes in den Arm und lief mit ihnen ein, zwei Stunden über den Stanford-Campus. Wenn sie dann zurückkamen, waren sie erleuchtet und konnten sich nichts Schöneres vorstellen, als für ihn zu arbeiten.“

    Jobs konnte so eine Reihe von großen Talenten wie Avie Tevanian oder Scott Forstall an sich binden. Doch eine wirtschaftliche Besserung für NeXT war nicht in Sicht. Das Unternehmen verbrannte bedenklich viel Geld – und bei Jobs gingen (noch vor dem Pixar-Börsengang) langsam die finanziellen Reserven zu Neige. 1993 zog er bei NeXT die Notbremse, entließ viele Mitarbeiter und stellte die Hardware-Produktion ein. NeXT fokussierte sich jetzt allein auf die Software-Entwicklung. Und wie bei einem Treppenwitz der Geschichte kam Steve Jobs mit dieser strategischen Entscheidung wieder bei seinem alten Unternehmen Apple ins Spiel.

    NeXT rettet Apple

    Apple befand sich Mitte der neunziger Jahre in einem denkbar schlechten Zustand. John Sculley hatte zwar Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre einige Erfolge in der Publishing-Industrie feiern können. Produkte wie die PowerBook-Familie kurbelten eine Zeitlang den Umsatz an. Doch an die Absatzzahlen der Hersteller von IBM-kompatiblen PCs mit dem Betriebssystem DOS von Microsoft kam Apple mit dem Macintosh nicht heran. Zum Start des Macs hatte Bill Gates 1984 den Apple-Rechner noch öffentlich als innovative PC-Plattform gelobt. Doch hinter dem Rücken von Steve Jobs machte sich der Microsoft-Gründer daran, die Konzepte des Macintosh für sein Windows-System auszuplündern. Jobs bekam Wind davon und stellte Gates wütend zur Rede: „Du zockst uns ab. Ich habe dir vertraut und jetzt beklaust du uns!“ Der Microsoft-Chef blieb ganz cool: „Ich glaube, das kann man auch anders sehen, Steve. Ich glaube, man könnte eher sagen, dass wir beide diesen reichen Nachbarn namens Xerox hatten und ich in sein Haus eingebrochen bin, weil ich seinen Fernseher klauen wollte, um dann feststellen zu müssen, dass du mir zuvorgekommen bist.“

    Nach dem Weggang von Jobs konnte auch Sculley nicht verhindern, dass Microsoft sein Windows-System ständig fortentwickelte und dabei Details der grafischen Bedienoberfläche des Macs übernahm. Apple war erpressbar, denn wichtige Anwendungsprogramme für den Mac kamen von Microsoft. Nachdem Bill Gates damit gedroht hatte, die Entwicklung von Microsoft Office für den Mac einzustellen, wenn Apple gegen Windows vorgehen werde, lizenzierte der Apple-CEO 1986 bestimmte Elemente der Mac-GUI an den Konkurrenten aus Redmond. Doch dann musste Sculley hilflos zusehen, wie die Microsoft-Truppe die Grenzen der Vereinbarung mit jeder neuen Windows-Version schamlos zu ihren Gunsten verschob.

    Michael Spindler
    Michael Spindler

    Auch eine 1988 von Apple angestrengte Klage konnte den Softwaregiganten nicht mehr stoppen. Das Gericht entschied 1992, dass Apple die grafische Bedienoberfläche oder die Idee des virtuellen Schreibtisches über das Urheberrecht nicht wie bei einem Patent schützen lassen könne. 1994 scheiterte Apple letztlich auch beim U.S. Supreme Court mit dem Versuch, Windows gerichtlich stoppen zu lassen. Sinkende Einnahmen und Schwierigkeiten in der Entwicklungsabteilung verschärften bei Apple die Krisenstimmung.

    Im Juni 1993 riss dem Apple-Verwaltungsrat der Geduldsfaden. Das Board ersetzte Sculley durch den deutschstämmigen Manager Michael Spindler, der beim Vertrieb in Europa Punkte gesammelt hatte. „The Diesel“ war ein effektiver Manager, doch ihm fehlte jegliche Inspiration. Er konnte Apple nicht aus der Krise führen. Ihm gelang es nicht einmal, das Unternehmen an Interessenten wie IBM, Sun Microsystems oder Philips zu verkaufen. Nach anderthalb Jahren wurde Spindler durch den Sanierungsexperten Gil Amelio als CEO abgelöst. Amelio musste 1996 – ein Jahr nach dem erfolgreichen Start von Windows 95 – vor allem die Frage nach dem künftigen Betriebssystem beantworten, da das Apple-interne Copland-Projekt grandios gescheitert war.

    Jean-Louis Gassée
    Jean-Louis Gassée

    Zur Auswahl standen BeOS des ehemaligen Apple-Managers Jean-Louis Gassée und Steve Jobs’ System NeXTStep. Um die Entscheidung zwischen Be und NeXT, die Steve Jobs für sich entscheiden konnte, ranken sich inzwischen unzählige Mythen, die heute nur noch schwer zu entwirren sind. Be verlor jedenfalls den Wettlauf. Apple zahlte im Februar 1997 knapp 430 Millionen Dollar für NeXT und das Know-how der Firma.

    Screenshot NeXTStep
    Screenshot NeXTStep

    Bill Gates hatte für den Richtungswechsel bei Apple nur Hohn und Spott übrig. „Glauben Sie wirklich, dass Steve Jobs etwas in der Hand hat?“, fragte Gates den noch amtierenden Apple-CEO Amelio. „Ich kenne seine Technologie, das ist nichts weiter als ein aufgewärmtes UNIX, und ihr werdet es nie schaffen, das auf euren Rechnern laufen zu lassen. (…) Wofür kaufen Sie diesen Müll?“ Gates nahm NeXTStep als Konkurrenzsystem nicht ernst. Er ahnte aber bereits, dass es nicht nur um ein neues Betriebssystem ging, sondern um einen Coup, der Steve Jobs wieder bei Apple an die Macht bringen sollte. Tatsächlich wurde Amelio fünf Monate später vom Board of Directors gefeuert und Jobs übernahm im September 1997 die Position eines „Interim-CEOs“. Apple stand damals 90 Tage vor dem Konkurs.

    Weiterlesen: Teil 8 – Der Neustart von Apple

  • Steve Jobs (8): Der Neustart von Apple

    Steve Jobs (7): Auf zu neuen Ufern mit NeXT

     

    Hilfe vom Erzfeind

    "Bill, thank you" - Steve Jobs on the cover of Time Magazine
    „Bill, thank you“ – Steve Jobs auf dem Cover des Time Magazines

    Die von Steve Jobs eingeleitete Wende hatte radikale Auswirkungen. Er räumte im Apple-Management brutal auf, reduzierte die Produktpalette dramatisch, killte das ambitionierte Newton-Projekt von John Sculley, kündigte die Vereinbarungen mit den Herstellern von Macintosh-Clones und holte ausgerechnet seinen Widersacher Bill Gates als Retter an Bord. Auf der MacWorld Expo in Boston 1997 verkündete der Microsoft-Chef auf einer riesigen Video-Leinwand, dass der weltgrößte Software-Konzern Apple-Aktien im Wert von 150 Millionen Dollar kaufen und die Entwicklung des Office-Pakets für den Mac fortsetzen werde. Die Apple-Fangemeinde war entsetzt und buhte Jobs und Gates lautstark aus. Doch Jobs blieb bei seinem Kurs: „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Microsoft verlieren muss, damit Apple gewinnen kann.“ In den Reihen der Apple-Mitarbeiter entfernte Jobs nun diejenigen, die er für Versager und Abzocker hielt, die das Unternehmen an den Rand der Pleite gebracht hatten. Aber nicht alle traf der Zorn des iCEO: „Es gab viele, die mir glaubwürdig versicherten, dass sie (in Anspielung auf das alte Apple-Logo) in sechs Farben bluten“, sagte der Apple-Chef 13 Jahre später rückblickend auf der Konferenz AllThingsD. Zu den frustrierten und unentdeckten Genies in der Apple-Belegschaft gehörte damals der junge Designer Jony Ive. „Er hatte die Nase voll davon, dass die Firma sich vor allem mit Profitmaximierung beschäftigte anstatt mit Produktdesign“,

    schreibt Walter Isaacson in der autorisierten Steve-Jobs-Biografie. Der damals 30 Jahre alte Brite sagte: „Ich erinnere mich sehr genau daran, wie Steve verkündete, dass unser Ziel nicht allein darin bestehe, Geld zu verdienen, sondern darin, tolle Produkte herzustellen“. Ive arbeitete bereits seit 1992 bei Apple, war von den Apple-Bossen Sculley, Spindler und Amelio aber ignoriert worden.

    Weniger ist mehr

    Mit Ive zogen Ideen des deutschen Industriedesigners Dieter Rams bei Apple ein, der maßgeblich die Formensprache beim Elektrogerätehersteller Braun entwickelt hatte. „Weniger ist mehr“ – der Grundsatz von Rams wurde nun auch zum gestalterischen Credo von Jony Ive und Steve Jobs. Ive verwandelte mit dem ersten iMac G3 die typische beigefarbene PC-Kiste in ein halbdurchsichtiges, bonbonförmiges Lifestyle-Bekenntnis. Mit den PowerBooks aus Titan und Aluminium huldigte Ive seinem Vorbild Rams, der bereits 1963 für den legendären Weltempfänger T1000 ein ähnlich aussehendes Alugehäuse entworfen hatte. Und im ersten iPhone fand sich im Jahr 2007 eine in Software gegossene Kopie des Taschenrechners ET44, den Rams 20 Jahre zuvor für Braun gestaltet hatte.

    Bildergalerie: Design-Vorbild Braun

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    Steve Jobs fasste die geistige Grundlage für das neue Design-Grundgesetz bei Apple 1998 so zusammen: „Einfach kann schwerer als komplex sein: Man muss hart arbeiten, um das eigene Denken so sauber zu bekommen, damit man es einfach machen kann. Aber schließlich lohnt es sich, weil man Berge versetzen kann, wenn man erst mal dahin gelangt.“ Und es ging ihm nicht um billige Mode-Effekte. „Mode ist, was jetzt schön erscheint und später hässlich aussieht“, sagte Jobs seiner leiblichen Schwester Mona. „Kunst kann zunächst hässlich aussehen, wird später aber schön.“

    Doch nicht nur äußerlich sahen die Apple-Rechner nun anders aus. Auch die Software der Macs erhielt ein neues Fundament. Im September 2000 kam die erste öffentliche Betaversion des neuen Betriebssystems Mac OS X heraus, das auf der NeXTStep-Software beruhte. Über den Unix-Kern stülpten die Apple-Designer die neue Bedienoberfläche Aqua. Sie war dem Design des iMac G3 nachempfunden und von transparenten Menüs, hellen Nadelstreif-Mustern und riesigen Icons geprägt. Das Mac OS X wurde in den vergangenen elf Jahren immer wieder verbessert und ausgebaut und liegt nun in der Version 10.7 „Lion“ vor. Aus Mac OS X wurde auch das Mobilsystem iOS für iPhone, iPod touch und iPad abgeleitet. Mit einem neuen Betriebssystem alleine hätte Apple vermutlich die Wende nicht geschafft. Es fehlte eine Suite von Multimedia-Programmen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Dabei griff Steve Jobs auf Hilfe aus Deutschland zurück und übernahm im April 2000 das kleine Karlsruher Software-Unternehmen Astarte. Die Truppe um Freddie Geier sorgte auch dafür, dass Apple ohne größeren Schaden aus einer Sammelklage enttäuschter OS-9Kunden herauskam, die einen funktionierenden DVD-Player vermissten. Noch Jahre später berichteten Mitglieder aus dem Astarte-Team, wie faszinierend und anstrengend zugleich die Zusammenarbeit mit Jobs war. „Er kannte jedes Detail. Und fast jedes Mal, wenn er mal wieder unsere Vorschläge auseinandergenommen und eigene Ideen präsentiert hatte, dachte ich, verdammt, darauf hätte ich auch kommen können“, sagt Geier.

    Die iPod-Revolution

    Mit der Gründung und Rettung von Apple und dem Macintosh alleine hätte sich Steve Jobs schon einen prominenten Platz in der Computer-Geschichte verdient. Doch seine wegweisenden Entwicklungen reichten weit über die Welt der Personal Computer hinaus. Mitte Oktober 2001 erhielt ein ausgesuchter Kreis von Technikjournalisten in den USA eine Einladung zu einem Event auf dem Firmen-Campus in Cupertino, auf dem ein „wegweisendes Digitalgerät“ vorgestellt werden sollte. „Hinweis: Es ist kein Mac.“ Jobs hatte gerufen, um den ersten iPod vorzustellen, an dem er mit seinem Team über ein Jahr lang gearbeitet hatte. Sechs Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befanden sich die Menschen in den USA noch in einem Schockzustand.

    Kein Wunder, dass die Präsentation des ersten iPod damals in der Öffentlichkeit zunächst kaum Beachtung fand. Nur wenige hatten damals die Vorstellungskraft, dass ein Gerät, etwas kleiner als eine Zigarettenschachtel mit einer eingebauten Festplatte, einem Klickrad und der dazugehörigen iTunes-Software, die gesamte Musikindustrie auf den Kopf stellen könnte. Als der iPod einige Zeit später auch mit Windows-Rechnern zusammenarbeitete, sah man die weißen Apple-Kopfhörer immer häufiger in der Öffentlichkeit.

    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek
    Steve Jobs and iPod on the cover of Newsweek

    Jobs ging es aber nicht allein um ein portables Gerät, auf das man seine Musiksammlung für unterwegs überspielen konnte. Dem Musikliebhaber und Bob-Dylan-Fan war klar, dass illegale Filesharing-Dienste wie Napster und Kazaa die Musikindustrie zugrunde richteten – insbesondere weil es kaum legale Alternativen zum bequemen Download der Songs gab. Daher pilgerte er zu Stars wie Bono von U2 und sprach bei den Verantwortlichen der Musikindustrie wie Paul Vidich, dem Chef von AOL Time Warner, vor. Sie sollten ihm die Lizenzen für den digitalen Musikvertrieb geben und ein möglichst einfaches Preismodell („99 Cent pro Song“) ermöglichen.

    Nach langem Zögern gaben die Plattenbosse nach. Viele Manager in der Musik- und Filmindustrie haben bis heute nicht verstanden, dass Jobs der Retter und nicht der Totengräber der Branche war – auch wenn die Erlöse via iTunes nicht alle Verluste aus dem verloren gegangenen Schallplatten-, CDoder DVD-Geschäft kompensieren konnten. Mit dem iPod und iTunes veränderte Steve Jobs die Gesetze der Musikindustrie und von Hollywood für immer und baute die Erlösbasis für Apple signifikant aus. Besonders freute ihn, dass er noch zu seinen Lebzeiten den juristischen Konflikt mit dem Musiklabel Apple Records lösen und die von ihm so geliebten Beatles in den iTunes-Katalog aufnehmen konnte.

    The Beatles in iTunes
    The Beatles in iTunes

    Weiterlesen: Teil 9 – Megaerfolg mit iPhone

  • Steve Jobs (9) – Megaerfolg mit dem iPhone

    Steve Jobs (8): Der Neustart von Apple

    Geheimprojekt „Purple 2“

    Noch gravierendere Folgen für Apple und die Branche sollte das nächste Großprojekt haben, das unter dem Decknamen „Purple 2“ entwickelt wurde. Schon kurz nach der Präsentation des ersten iPods beschäftigte sich die Apple-Führungsspitze konkret mit der Frage, ob Apple ein (Mobil-)Telefon bauen sollte. In einer geheimen Kommandoaktion wurde eine Entwicklertruppe aufgebaut, die auch im Unternehmen weitgehend unbekannt war.

    Im Rahmen von ebenso geheimen Arbeiten an einem Vorgänger des iPad hatten die Ingenieure in Cupertino ein erhebliches Wissen über Touchscreen-Technik aufgebaut, das sich auch auf einen kleineren Bildschirm übertragen ließ. Außerdem war mit dem ARM11-Chip endlich ein Mikroprozessor auf dem Markt, der einem Mobiltelefon die nötige Power für aufwendige Smartphone-Anwendungen spendieren konnte. Ab 2005 nahm das von Jony Ive designte Apple-Smartphone immer konkretere Züge an.

    Auf der MacWorld Expo im Januar 2007 konnte Steve Jobs groß auftrumpfen: „Heute stellen wir Ihnen drei revolutionäre Produkte vor: Das erste ist ein Breitbild-iPod mit Touchscreen. Das zweite ist ein umwälzendes Handy. Und das dritte ist ein neues Internet-Kommunikationsgerät, das einen echten Durchbruch bedeutet.“ Jobs wiederholte diese Aufzählung so oft, bis dem letzten Besucher im Moscone Center dämmerte, was er meinte; „Das sind nicht drei separate Geräte, sondern nur ein einziges. Wir nennen es iPhone.“

    Die alten Erzrivalen von Microsoft versuchten, den Vorstoß von Apple ins Lächerliche zu ziehen. „Es ist das teuerste Handy der Welt“, bellte Microsoft-CEO Steve Ballmer in einem TV-Interview. „Und die Geschäftskunden werden es ablehnen, weil es keine Tastatur hat.“

    Ballmer sollte sich gewaltig irren. Bis zum Ende des ersten Geschäftsquartals 2012 (Ende Dezember 2011) verkaufte Apple 183 Millionen Smartphones.

    Sales figures Apple iPhone
    Sales figures Apple iPhone

    Atombombe gegen die iPhone-Diebe

    Mit dem iPhone kann nur Google dank seines Mobilsystem Android mithalten. Steve Jobs war bis zu seinem Lebensende fest davon überzeugt, dass der Erfolg von Android nur durch einen Verrat des langjährigen Google-Chefs Eric Schmidt möglich war. Zwischen 2006 und 2009 saß Schmidt im Apple-Verwaltungsrat und hatte dort die Entwicklung des iPad und des iPhone mitbekommen. Seine Verpflichtungen gegenüber Apple hinderten ihn nicht daran, bei Google die Entwicklung eines konkurrierenden Systems voranzutreiben. Erst als der Interessenskonflikt unübersehbar war, trat Schmidt von seinem Sitz im Apple-Board zurück.

    So sahen Smartphones vor dem iPhone aus
    So sahen Smartphones vor dem iPhone aus

    Als im Januar 2010 das taiwanische Unternehmen HTC ein neues Android-Smartphone präsentierte, das viele Features des iPhones beherrschte, bekam Jobs einen Tobsuchtsanfall: „Unsere Klageschrift legt dar, dass Google verdammt noch mal das iPhone geklaut und uns im großen Stil abgezockt hat. Das ist ein schwerer Diebstahl. Ich werde meinen letzten Atemzug und jeden Penny von unseren 40 Milliarden Dollar (Rücklagen) auf der Bank dafür verwenden, um dieses Unrecht richtigzustellen“, sagte Jobs dem Buchautor Isaacson. „Ich werde Android zerstören, denn es ist ein geklautes Produkt. Ich bin bereit, dafür einen thermonuklearen Krieg anzufangen. Sie schlottern vor Angst, weil sie wissen, dass sie schuldig sind.“

    Tatsächlich streiten Apple und viele Android-OEMs wie Samsung und HTC sich seit Monaten vor Gericht. Doch trotz einiger Punktgewinne hat Apple den Siegeslauf von Android bislang nicht stoppen können. Jobs konnte sich mit der Tatsache trösten, dass zwei Drittel der Gewinne der gesamten Smartphone-Branche in den Büchern von Apple stehen und die anderen Hersteller bis auf Samsung wirtschaftlich nicht wirklich auf einen grünen Zweig kommen.

    Weiterlesen: Teil 10 – Der Kampf gegen den Krebs und das Vermächtnis von Steve Jobs

  • Steve Jobs (10) – Der Kampf gegen den Krebs

    Steve Jobs (9) – Megaerfolg mit iPod und iPad

    Zur Präsentation des ersten iPhones im Januar 2007 hatte Steve Jobs die ersten Stationen seiner persönlichen Leidensgeschichte schon hinter sich gebracht. Im Oktober 2003 erfuhr er von seiner Krebserkrankung, die er zunächst fast neuen Monate lang ohne die Methoden der klassischen Schulmedizin bekämpfen wollte. Ende Juli 2004 unterzog er sich aber doch einer Operation, bei der ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt wurde.

    Während Jobs dann im Sommer 2007 zum Verkaufsstart des ersten iPhones wieder ziemlich fit aussah, trat er ein Jahr später zur Entwicklerkonferenz WWDC 2008 deutlich abgemagert auf. Anfang 2009 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und unterzog sich einer Lebertransplantation. Er kehrte dann noch zwei Mal auf die Bühne zurück, um das erste iPad und das iPad 2 zu präsentieren.

    Es muss ein Triumph für Jobs gewesen sein, dass es Apple unter seiner Führung gelang, die digitale Schiefertafel als neue Gerätekategorie am Markt zu etablieren. Sein alter Widersacher Bill Gates hatte auf Messen wie der CES in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Tablet-Computer präsentiert, die aber so kompliziert zu bedienen, teuer und fehlerhaft waren, dass sich kaum Käufer dafür fanden. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt kämpfte Steve Jobs vor dem Stadtrat von Cupertino für eine Baugenehmigung des futuristischen neuen Apple Campus 2, der vom britischen Stararchitekten Norman Foster entworfen wird.

    Apple Campus 2 - © Apple Inc. - Foster + Partners
    Apple Campus 2

     

     

     

     

     

     

     

    Das Vermächtnis

    Mit dem gigantischen kreisrunden Gebäude wird in den kommenden Jahren ein Monument entstehen, wie es das Silicon Valley noch nicht gesehen hat. Doch Steve Jobs ging es nicht nur darum, sein Vermächtnis in Glas, Stahl und Beton für die kommenden Generationen sichtbar zu machen. Das wichtigste „Produkt“, an dem er die vergangenen Jahre gearbeitet hat, ist Apple selbst. Für Freddie Geier, der für Apple in Kalifornien arbeitete und knapp zwei Jahre lang die Geschäfte von Apple Deutschland und Zentraleuropa leitete, war Steve Jobs eine „unendliche Inspirationsquelle, ein Visionär und Genie“. „Er war der Stil-Gott, der Dinge schöner und einfacher machen und Produkten eine Emotion mit auf den Weg geben konnte“. Der Perfektionismus von Jobs sei stets den Produkten zugute gekommen. Er habe es geschafft, unter dem Motto „Think different“ neue Wege einzuschlagen und die Präsentation der geheim gehaltenen Entwicklungen meisterlich zu zelebrieren.

    Jobs war selbst klar, dass es im Unternehmen niemanden gibt, der all diese Aufgaben im Alleingang übernehmen kann. Deshalb stellte er in den vergangenen Jahren ein Managementteam zusammen und verteilte die schwere Last der Nachfolge auf mehrere Schultern: Apple-CEO Tim Cook ist verantwortlich, dass das Unternehmen logistisch funktioniert und Geld verdient.

    Auf der Trauerfeier für Steve Jobs auf dem Apple-Campus in Cupertino strahlte Cook die Souveränität und Autorität aus, die jetzt viele Apple-Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre von ihm erwarten. Jobs habe ihm gesagt, die Apple-Beschäftigten sollten sich künftig nicht fragen, was Steve wohl getan hätte, sagte Tim Cook. „Macht einfach das Richtige.“ Er habe bei Disney gesehen, wie die Firma nach dem Tod des Gründers Walt Disney in die Krise geraten sei. „Alle haben da gesessen und ihre Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken und zu beraten, was Walt tun würde.“

    Die Seele von Apple wird künftig vermutlich vor allem von Jony Ive repräsentiert werden. Der Chef-Designer soll dafür garantieren, dass Apple weiterhin Produkte auf den Markt bringt, die alleine wegen ihres eleganten Aussehens begehrenswert sind. Inzwischen haben sich auch Gerüchte verflüchtigt, der Brite habe Heimweh nach Großbritannien – auch weil er dort seine Zwillingssöhne besser aufgehoben sähe. Sein souveräner Auftritt auf der Trauerfeier, mit dem er sich wohl selbst ein wenig von seinem Übervater Steve Jobs befreite, hat nicht nur die Leute auf dem Campus bewegt.

    Jony Ive wird auch zugetraut, das hohe Niveau des Apple-Designs ohne Wutattacken und ätzende Kritik an den Mitarbeitern zu bewahren.

    Eine Schlüsselrolle im Führungsteam von Apple wird auch der Software-Experte Scott Forstall einnehmen. Steve Jobs holte ihn schon 1992 von der Stanford University zu NeXT. 1997 folgte Forstall seinem Chef mit zu Apple. Inzwischen ist er für die iOS-Plattform zuständig. „Scott ist ähnlich wie Steve ein begnadetes Genie. Auch er ist in jedes Detail verliebt“, sagt ein ehemaliger Apple-Manager. Doch wie Jobs sei auch Forstall im Umgang oft schwierig und pflege eine katastrophale Kommunikationskultur.

    Businessweek Cover
    Businessweek Cover

    Die Bloomberg Businessweek nannte Forstall den „Zauberlehrling“ und zitierte den ehemaligen Apple-Softwareentwickler Mike Lee: „Ich habe Scott mal als Apples Chef-Arschloch bezeichnet. Ich habe das nicht als Kritik gemeint, sondern als Kompliment.“ In diesem Spannungsfeld wird wiederum Tim Cook die Aufgabe zufallen, die Temperamentsausbrüche von Forstall abzumildern und den jüngeren Vorstandskollegen manchmal zur Räson zu rufen.

    Bei der Feinjustage der Aufgaben in der Führungsetage können Cook, Ive, Forstall, aber auch Marketingchef Phil Schiller oder Eddy Cue, der für die iCloud-Produktfamilie bei Apple zuständig ist, auf Hilfe zählen: Ende 2008 warb der schwerkranke Steve Jobs den Management-Professor Joel M. Podolny, Dekan der elitären Yale School of Management, ab, um bei Apple eine hausinterne Universität zu gründen. „Steve sorgte sich um sein Vermächtnis. Die Idee war, das Besondere zu nehmen, was Apple auszeichnet, und ein Forum zu schaffen, das diese DNA an künftige Generationen von Apple-Angestellten vermitteln kann“, sagte ein Mitarbeiter der „Los Angeles Times“. Podolny hatte immerhin knapp drei Jahre Zeit, um Steve Jobs aus unmittelbarer Nähe zu erleben.

    Ob und wie es ihm gelingen wird, die Erfolgsformel des Steve Jobs an die künftigen Manager-Generationen von Apple zu übertragen, wird sich noch herausstellen. „Es gibt eine Menge großartiger Firmen“, schrieb Podolny zum Abschied an seine Yale-Studenten. „Ich kann mir aber kein Unternehmen vorstellen, das eine so unglaubliche persönliche Bedeutung für mich gehabt hat wie Apple.“ Steve Jobs hat seinen Nachfolgern mit auf den Weg gegeben, sich auf ihr eigenes Gespür zu verlassen und nicht auf die Marktforschung. Er zitierte Henry Ford, der gesagt haben soll: „Hätte ich meine Kunden gefragt, was sie haben wollen, hätten sie mir geantwortet: ‚Ein schnelleres Pferd!’“ Die Leute wüssten gar nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt. „Unsere Aufgabe ist es, Dinge zu lesen, die noch gar nicht geschrieben sind.“

  • Die besten Zitate von Steve Jobs

    Steve Jobs hat nicht nur Apple geformt, sondern auch maßgebliche Innovationen in der Musik- und Filmindustrie vorangetrieben. Am 5. Oktober 2011 ist er nach langer, schwerer Krankheit gestorben. In Erinnerung an Steve Jobs die markantesten Zitate des genialen und charismatischen Unternehmensführers.

    Steve Jobs

    It’s better to be a pirate than join the navy.

    — Steve Jobs trieb die Macintosh-Entwickler Anfang der 80er Jahre mit allen Mitteln an.

    „There have only been two milestone products in our industry – the Apple 2 in 1977 and the IBM PC in 1981. Today…one year after LISA we are introducing the third industry milestone product…Macintosh. Many of us have been working on Macintosh for over two years now and it has turned out insanely great. You’ve just seen some pictures of Macintosh now I’d like to show you Macintosh in person.“

    — Steve Jobs zum Launch des Apple Macintosh am 24. Januar 1984.
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