Kategorie: Special: Die Geschichte des Apple Macintosh

  • Apple Macintosh – Von der Vision zum Launch (1980-1984)

    Apple Macintosh – Von der Vision zum Launch (1980-1984)

    Mac-History-Special: Apple Macintosh

    Am 24. Januar 1984 präsentierte Apple-Mitbegründer Steve Jobs auf der jährlichen Aktionärsversammlung im Flint Center Auditorium des De Anza Community College den ersten Macintosh-Rechner der Öffentlichkeit. Das Vertriebsteam von Apple war schon drei Monate zuvor auf einer Konferenz auf Hawaii auf den neuen Apple Macintosh eingeschworen worden. In einer Persiflage auf die TV-Show „The Dating Game“ priesen damals Microsoft-Chef Bill Gates sowie die IT-Unternehmer Mitch Kapor und Fred Gibbons die Vorzüge des Macs an.

    The Macintosh Software Dating Game (Oktober 1983)

    Poster zur Geburtstagsfeier des Macs
    Poster zur Geburtstagsfeier des Macs

    Zwei Tage vor dem offiziellen Launch des Macs auf dem Aktionärstreffen hatte Steve Jobs die erste öffentliche Publicity-Rakete mit einem Werbespot während des Super Bowl XVIII gezündet. Dem Football-Finale am 22. Januar 1984 hatten Millionen Football-Fans in den USA bereits seit Wochen entgegengefiebert. Aber bereits zur Halbzeit lagen die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins deutlich mit 21:3 in Führung. Spannend wurde es erst wieder im dritten Viertel, als die knapp hundert Millionen TV-Zuschauer in einer Pause den außergewöhnlichen Werbespot von Apple zu Gesicht bekamen. In dem 60 Sekunden langen Film von Star-Regisseur Ridley Scott („Blade Runner“) wurde der erste Apple Macintosh angekündigt. Der Mac wurde aber nicht nur einfach als ein neuer Computer vorgestellt. Die Botschaft des Spots lautete: Diese Mascchine wird die Welt davor bewahren, dass die düstere Vision aus dem Roman „1984“ von George Orwell ausgerechnet im Jahr 1984 Wirklichkeit wird. „Big Brother“ IBM wird dank des Macintosh nicht die Regentschaft in der IT-Welt übernehmen.

    In dem Spot marschiert eine lange Reihe gesichtsloser Arbeiter wie Strafgefangene im Gleichschritt durch lange Röhren. Sie müssen sich in einer Halle sammeln und der Tirade des „Großen Bruders“ auf einem riesigen Monitor zuhören, der fanatisch Individualität und Meinungsfreiheit verdammt. Doch dann stürmt eine athletische junge Frau in die Halle – verfolgt von Sicherheitskräften. Sie schleudert einen Vorschlaghammer in den Monitor, der in tausende Stücke zerbirst. Die Arbeiter sitzen nun in einem grellen Licht und erwachen aus ihrer Apathie. Eine Laufschrift verkündet: „Am 24. Januar wird Apple Computer den Macintosh vorstellen. Und Sie werden sehen, warum 1984 nicht wie ‚1984’ wird“.

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  • Apple Macintosh – Der Fehlstart (1984-1985)

    Apple Macintosh – Der Fehlstart (1984-1985)

    Der Fehlstart des Apple Macintosh (1984-1985)

    Teil 2

    Das Konzept des Macintosh überzeugte viele Enthusiasten sofort. Der kommerzielle Erfolg des Macs stellte sich jedoch erst nach einer längeren Durststrecke ein. Im Sommer 1981 war Apple noch davon ausgegangen, dass zwischen 1982 und 1985 über 2,2 Millionen Macs verkauft werden können, also rund 47.000 Stück pro Monat. Doch nun kam der Mac erst Anfang 1984 auf den Markt. Und nachdem die Fans ihren ersten Kaufrausch befriedigt hatten, sackte der Absatz des Macintosh dramatisch auf rund 5000 Geräte pro Monat ab. In Deutschland war der Mac zwar der Star der Hannover-Messe im Frühsommer 1984. Er verschwand dann aber zunächst wieder in der Versenkung.

    Apple-Mitbegründer Steve Jobs und Apple-CEO John Sculley
    Apple-Mitbegründer Steve Jobs und Apple-CEO John Sculley

    An dem bescheidenen Start des Macs konnte auch der damalige Apple-Chef John Sculley wenig ändern. Ganz im Gegenteil: Mit seinen hohen Marketingausgaben hatte Sculley dazu beigetragen, dass der Preis des Macs über die Schwelle von 2000 Dollar rutschte, was Jobs unbedingt verhindern wollte. Jobs hatte Sculley von Pepsi mit dem legendären Satz „Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?“ abgeworben, um das Management und Marketing bei Apple zu professionalisieren. Und zunächst arbeiteten Jobs und Sculley bei Apple trotz sehr unterschiedlicher Führungsmethoden harmonisch zusammen. Sie wurden von der Öffentlichkeit sogar als das „Dynamic Duo“ bei Apple gefeiert. Doch der schleppende Absatz des Macs führte schnell zu ernsten Spannungen zwischen Jobs und Sculley.

    In einem TV-Interview erinnerte Sculley sich später: „Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne tun wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.“

    Macintosh XL (1985)
    Macintosh XL (1985)

    Der mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene Hauptspeicher des Macs machte diese Aufgabe aber nicht einfach. Erst als ein Jahr später der „Fat Mac“ mit 512 Kilobyte DRAM raus kam, war der Flaschenhals beseitigt. Der Mac 512K war der erste Macintosh, mit dem man vernünftig arbeiten konnte.

    Apple LaserWriter (1985)
    Apple LaserWriter (1985)

    Steve Jobs musste die ersten Erfolge des Macintosh am Markt von außen beobachten: Im Sommer 1985 war er von Sculley und dem Apple-Board aus dem Unternehmen gedrängt worden. Softwarefirmen wie Aldus hatten erste Desktop-Publishing-Programme wie PageMaker für den Mac geschrieben. In Kombination mit dem Apple LaserWriter und dem von Adobe geschaffenen Seitenbeschreibungsstandard PostScript krempelten Apple, Adobe und Aldus die Technik der Publishing-Branche völlig um.

    Dieser Trend verstärkte sich, als Anfang 1986 der Macintosh Plus mit 128 Kilobyte ROM auf den Markt kam. Die Speicherchips waren nun nicht mehr fest auf der Platine verlötet, sondern gesockelt. So konnte man das Gerät auf bis zu vier Megabyte RAM aufrüsten.

    Macintosh Plus (1986)
    Macintosh Plus (1986)

    Der Mac Plus hatte sogar Cursor-Tasten auf der Tastatur, die Steve Jobs beim ersten Mac noch entschieden abgelehnt hatte, weil er die Anwender zwingen wollte, die Maus als Eingabeinstrument zu akzeptieren.

    Auf die innere Moral bei Apple hatte der Weggang von Steve Jobs aber verheerende Folgen. Glaubt man Andy Hertzfeld, gingen mit dem Mitbegründer auch seine Kernwerte verloren, nämlich brillantes Design und höchste Kreativität.

    Weiterlesen: Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)

    Apple Macintosh – Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)

    Wie sich der Apple Macintosh nach dem Weggang von Steve Jobs entwickelte

    Teil 3

    Ohne Steve Jobs an Bord liefen die Geschäfte für Apple zunächst besser. Der Mac dominierte die noch junge Publishing-Branche.

    Mit dem Macintosh II brachte Apple 1987 den ersten Mac auf den Markt, der modular aufgebaut war. Für 5.200 Dollar (nach heutiger Kaufkraft 8.000 Euro) erhielten die Kunden ein System mit einer 20 Megabyte großen Festplatte, sechs NuBus-Slots und SCSI. Mit Hilfe der von Texas Instruments entwickelten NuBus-Technik ließ sich der Mac II intern und über SCSI auch extern erweitern. An einen Port konnten die Besitzer bis zu sieben externe SCSI-Geräte – etwa eine Festplatte oder ein CD-ROM-Laufwerk — anschließen. Angetrieben wurde der Mac II von einem 68020-Prozessor, der mit 16 MHz getaktet war. Grafiker und DTP-Spezialisten jubelten über den Performance-Gewinn. Ein komplett ausgebautes System mit Farbgrafikkarte, Speichererweiterungen und sonstigem Zubehör verschlang bis zu 10.000 Dollar.

    Parallel zum großen Mac II veröffentliche Apple im März 1987 den Macintosh SE, den ersten kompakten Mac mit einer eingebauten Festplatte (20 Megabyte). Der vorhandene Erweiterungsslot konnte nicht von den Anwendern selbst, sondern nur von Servicetechnikern bestückt werden, weil man sich an der Bildschirmröhre leicht einen Hochspannungsschlag holen konnte. Der Mac SE diente aber einer ganzen Generation von Grafikern und Publishern als solides Arbeitspferd.

    Mit dem Mac SE verwendete Apple auch die Designsprache „Snow White“ (Schneewittchen) für den Macintosh, die der schwäbische Designer Hartmut Esslinger mit seiner Firma frog design noch für Steve Jobs entworfen hatte. „Snow White“ kam erstmals 1983 beim Apple IIc zum Einsatz und bestimmte bis 1990 das Industrie-Design in Cupertino, obwohl Esslinger und Apple in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre sich wieder getrennt hatten.

    „Show White“-Design von frog design:

    Beim Showdown zwischen Steve Jobs und John Sculley entschied sich der Wahl-Kalifornier Esslinger für Jobs und entwarf für ihn bei NeXT das schwarze Würfelgehäuse des NeXT Cube.

    Weitaus exklusiver als der SE war der Macintosh IIfx, der im Frühjahr 1990 mit System 6.0.5 in die Läden kam. Mit einem Preisschild von 9870 Dollar (nach heutiger Kaufkraft beinahe 13.200 Euro) hält der IIfx bis heute den Rekord des teuersten Macs, der jemals angeboten wurde. In dem Rechner steckte der Motorola-Prozessor 68030, der von dem mathematischen Coprozessor Motorola 68882 unterstützt wurde. Im Gehäuse konnte man bis zu 128 Megabyte RAM, zwei HD-Floppy-Laufwerke und zwei SCSI-Festplatten (mit einer damals typischen Größe von 40 bis 200 Megabyte) unterbringen. Dieses hochgezüchtete Rennpferd, das auf 40 MHz hochgetaktet war, blieb aber für viele unerschwinglich.

    Wenn man die aktuelle Dominanz von Apple bei den portablen Computern mit seinen MacBooks vor Augen hat, glaubt man kaum, wie schwer sich die Kalifornier damals beim Einstieg in den Laptop-Markt getan haben. 1989 stellte Apple den Macintosh Portable vor, der aber mit einem Gewicht von 7,2 Kilogramm kaum tragbar war. Immerhin erreichten die Bleiakkus damals schon eine auch für heutige Verhältnisse beachtliche Laufzeit von bis zu 10 Stunden. Bei einem Preis von 6500 Dollar entschieden sich aber nur wenige Kunden für diesen Schlepptop– zumal die Würfel-Macs auch in einer Tragetasche transportiert werden konnten.

    Der Macintosh Portable in Esslingers Showwhite-Design war Apples erster Laptop.
    Der Macintosh Portable in Esslingers Showwhite-Design war Apples erster Laptop.

    Als erstes brauchbares Notebook von Apple gilt das PowerBook 100, das im Oktober 1991 vorgestellt wurde. Bei der Konstruktion des Notebooks im dunkelgrauen Kunststoffgehäuse half Sony seinem Kunden Apple aus der Patsche. Die Ingenieure in Tokio nahmen sich den pummeligen Macintosh Portable vor und zeigten Apple, wo beim Projekt „Asahi“ ein Abspecken möglich und sinnvoll ist.

    Zusammen mit seinen größeren Brüdern PowerBook 140 und 170 traf PowerBook 100 auf große Akzeptanz, auch wenn die Apple-Notebooks deutlich teurer waren als die DOS-Konkurrenz von Toshiba oder Compaq. Die PowerBooks erreichten damals einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent und halfen Apple-Chef John Sculley durch schwierige Zeiten. Erst mit dem verunglückten PowerBook 5300, dem ersten Apple-Notebook mit einem PowerPC-Chip und dem Erfolg von Windows 95 übernahmen wieder PC-Hersteller von Apple die Führungsposition.

    Weiterlesen: Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

    Apple Macintosh – Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

    Ohne den Input von Steve Jobs manövierte sich Apple mit dem Macintosh ins Abseits.

    Teil 4

    Mit Beginn der 90er Jahre geriet Apple mit seinen Macs in immer größere Schwierigkeiten. Spätestens mit der Version 3.0 machte Windows von Microsoft der Oberfläche immer stärker Konkurrenz. Apple versuchte, mit Geräten für den Massenmarkt wie der „Pizzaschachtel“ LC und später mit der Performa- und Quadra-Familie gegenzuhalten und konnte immerhin zeitweise seinen Absatz erhöhen. Allerdings gelang es Apple immer weniger, einen Premium-Preis für die Macs zu rechtfertigen, so dass die Gewinne in diesen Jahren immer weiter sanken. Außerdem war sowohl bei den Prozessoren als auch beim Betriebssystem eine Generalüberholung überfällig.

    Der Macintosh LC erhiel den Spitznamen "Pizzaschachtel"
    Der Macintosh LC erhiel den Spitznamen „Pizzaschachtel“

    1994 waren die Motorola-Prozessoren der 680×0-Plattform an ihrem Zenit angekommen. Apple hatte schon zuvor begonnen, gemeinsam mit IBM und Motorola eigene Chips unter dem Namen PowerPC zu entwickeln. Die Transformation auf neuartige RISC-Architektur muss rückblickend als technische Meisterleistung gewertet werden, weil die Kunden eine deutlich höhere Geschwindigkeit erhielten, ohne sich an ein neues System gewöhnen oder ihre Software komplett austauschen zu müssen. Innerhalb von neun Monaten konnte Apple über eine Million Power Macs verkaufen.

    Ein Variante des Power Macintosh schrieb Design-Geschichte: Zum 20. Gründungstag von Apple Computer am 1. April 1996 kündigte Apple mit einer merkwürdigen Verzögerung auf der MacWorld Expo im Januar 1997 den Twentieth Anniversary Macintosh an, der kurz vor dem 21jährigen Firmenjubiläum dann tatsächlich auch für stolze 7.499 Dollar (entspricht heute inflationsbereinigt 11.000 Dollar) auf den Markt kam. Die technischen Spezifikationen entsprachen in etwa dem Power Macintosh 6500, der allerdings „nur“ 2999 Dollar kostete.

    Für ihr Geld erhielten die Kunden des auffällig gestalteten Sondermodells einen 12-Zoll-Aktivmatrix-Flüssigkristallbildschirm, ein von Bose entworfenes Soundsystem mit einem externen Subwoofer sowie einen eingebauten TV-Tuner. Der „TAM“ wurde den Käufern von einem Concierge-Dienst nach Hause gebracht und in Betrieb genommen. In einem echte Video-Schätzchen kann man den jungen Designer Jony Ive bewundern, der erläutert, wie der Twentieth Anniversary Macintosh hergestellt wurde und welche Features er bietet:

    Doch die Idee floppte trotz des Einsatzes von Ive, der den TAM wesentlich mitgestaltet hatte. Kurz vor der Einstellung des Produkts im Frühjahr 1998 ging es dann auch weniger vornehm zu als beim Produktstart. Die Restbestände wurden für knapp 2.000 Dollar verramscht und mussten von den Käufern selbst abgeholt werden. Heute ist der TAM allerdings ein begehrtes Sammlerobjekt.

    Der Erfolg von Apple mit den PowerMacs lenkte von einem grundlegenden Problem ab, das nach der Vorstellung von Windows 95 durch Microsoft im August 1995 offen zu Tage trat. Die Kombination der „Wintel“-PCs (Intel-Chip und Windows als Betriebssystem) war enorm erfolgreich und in der Regel deutlich preiswerter als die Macs.

    Bill Gates präsentiert Windows 95
    Bill Gates präsentiert Windows 95

    In dieser Phase konnte Apple nicht mit eigenen Innovationen entgegenhalten. Ganz in Gegenteil: Mac-Anwender klagten immer häufiger über dubiose Fehlermeldungen, die das in die Jahre gekommene Mac-Betriebssystem in Serie ausspuckte.

    Das Macintosh-System unterstützte damals kein präemptives Multitasking. Es gab keinen Mehrbenutzerbetrieb, Speicherbereiche konnten weder geschützt noch dynamisch verwaltet werden. Deshalb war das traditionelle Mac-System konzeptionell sehr anfällig für Instabilitäten. In der Konzernzentrale in Cupertino wurden diese Schwierigkeiten zwar zur Kenntnis genommen. Doch der Versuch, System 7 durch ein von Grund auf neugeschriebenes Betriebssystem mit dem Codenamen „Copland“ zu ersetzen, scheiterte grandios.

    Mac OS Copland
    Mac OS Copland

    John Sculley hatte zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen längst verlassen, und auch sein Nachfolger, Michael Spindler („The Diesel“), ein Deutscher, konnte das Ruder nicht herumreißen. Im Februar 1996 musste Spindler den Chef-Posten für Gil Amelio räumen, dem der Ruf eines klassischen Sanierungs-Managers vorauseilte.

    Auf der Suche nach einem neuen Mac-Betriebssystem war bei Apple sogar ein Umstieg auf Windows NT von Microsoft im Gespräch. Amelio erwog aber auch, BeOS des ehemaligen Apple-Spitzenmanagers Jean-Louis Gassée einzukaufen. Doch letztlich setzte sich Steve Jobs mit seinem NeXT-System durch. Er war nach seinem Rauswurf nicht nur mit dem Trickfilmstudio Pixar zu einem Hollywood-Tycoon aufgestiegen, sondern hatte mit NeXT den Versuch unternommen, die Computer der nächsten Generation zu bauen. Die schwarzen Würfelrechner liefen mit dem modernen NeXTstep-Betriebssystem, das auf Unix beruhte.

    Weiterlesen: Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

    Apple Macintosh – Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

    Apple stand 1997 kurz vor dem Konkurs und musste den geschassten Firmengründer Steve Jobs als Retter holen.

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    Teil 5

    Rund zwölf Jahre nach seinem Rauswurf bei Apple kehrte Steve Jobs in das von ihm mitbegründete Unternehmen zurück. Im Februar 1997 übernahm Apple für 429 Millionen Dollar NeXT Inc. hauptsächlich wegen NeXTstep inklusive aller Entwickler – und holte Jobs als Berater in das Unternehmen zurück. Sieben Monate später, am 16. September 1997, saß Steve Jobs endlich im Chefsessel des von ihm einst mitbegründeten Unternehmens, nachdem Amelio vom Apple-Board gefeuert worden war.

    Man darf es als Glücksfall werten, dass Jobs auf den völlig frustrierten britischen Apple-Designchef Jony Ive aufmerksam wurde. Ive wollte eigentlich das Unternehmen schon verlassen, weil seine vorherigen Chefs kein Gespür für Design hatten. Doch Jobs überredete ihn zum Bleiben.

    Jony Ive
    Jony Ive

    Der erste große gemeinsame Wurf von Jobs und Ive war der iMac, dessen öffentliche Präsentation am 6. Mai 1998 so sorgfältig geplant wurde wie die Vorstellung des ersten Apple Macintosh 14 Jahre zuvor. Jony Ive hatte mit dem halbdurchscheinenden Gehäuse aus Polycarbonat ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt. Und auch technisch setzte Apple neue Akzente. So suchte man in dem iMac ein Diskettenlaufwerk ebenso vergeblich wie die damals üblichen seriellen Anschlüsse für Drucker oder Modems. Stattdessen hatte sich Apple für die noch sehr wenig verbreitete USB-Schnittstelle entschieden und dem iMac ein CD-ROM-Laufwerk spendiert. Weiterhin gab es eine Ethernet-Netzwerkbuchse sowie eine Modem-Buchse, die lediglich mit dem Telefonkabel verbunden werden musste.

    iMac (1998)
    iMac (1998)

    Auf der Bühne des De Anza Community College in Cupertino, wo 1984 auch die Premiere des ersten Macintosh stattgefunden hatte, konnte Steve Jobs demonstrieren, wie einfach es ist, den iMac auszupacken, in Betrieb zu nehmen und ins Internet zu bringen.

    Der Apple-CEO nutzte die Präsentation des ersten iMacs auch zur Verkündung der neuen Produkt-Strategie im Computer-Segment. Statt einer unübersichtlichen Palette verschiedenster Mac-Modelle, die zum Teil nur schwierig voneinander abzugrenzen waren, ordnete Jobs die Apple-Rechner in eine einfache Matrix von nur noch vier Feldern: Desktop und Portable jeweils in den Varianten Consumer und Pro. Mit dem Power Mac G3 hatte Apple schon im November 1997 den Pro-Desktop präsentiert.

    Das reduzierte Mac-Sortiment unter Steve Jobs
    Das reduzierte Mac-Sortiment unter Steve Jobs

    Parallel zum iMac erlebte nun das PowerBook G3 als der neue Profi-Laptop seine Premiere. Und der iMac füllte das Feld Desktop/Consumer. Im Sommer 1999 komplettierte Apple dann das Vierer-Feld mit dem iBook G3 als Consumer-Notebook.

    Steve Jobs präsentiert das erste iBook (2001) - Foto: John G. Mabanglo/EPA
    Steve Jobs präsentiert ein neues iBook (2001) – Foto: John G. Mabanglo/EPA

    Der erste iMac kam im August 1998 zum Preis von 1299 Dollar (2024 inflationsbereinigt knapp 2450 Dollar) auf den Markt und erwies sich trotz des technisch betagten System 8.1 als Verkaufsknüller. Allein in den ersten sechs Wochen wurden 278.000 Geräte verkauft. Ende 1998 waren es 800.000 – so schnell hatte sich noch nie ein Macintosh verkauft. Und Apple konnte mit dem iMac nicht nur alte Fans begeistern. Jeder dritte Käufer war ein Einsteiger, der noch nie zuvor einen PC besessen hatte, und 12 Prozent der Kunden stiegen aus dem Windows-Lager um.

    Das iBook war dann quasi der „iMac zum Mitnehmen“. Hier setzte Jony Ive eine durchaus kontrovers diskutierte modische Duftmarke: Die iBooks im schwungvoll gestalteten Polycarbonat-Gehäuse gab es in den Kombinationen „Tangerine“ (Orange) und „Blueberry“ (Türkisblau) mit Weiß. Später kamen die Farbkombinationen „Graphite“, „Indigo“ und „Key Lime“ dazu. Wegen seines Tragegriffs bekam das iBook wenig schmeichelhafte Spitznamen wie „Barbie-Handtasche“ oder „Klodeckel“.

    iBook-Trio (1998)
    Buntes iBook-Trio (1998)

    Bei der Bewertung der Technik gab es weniger Kontroversen: So punkteten die iBooks mit einem ausgeklügelten Energie-Management, das Akkulaufzeiten von bis zu sechs Stunden ermöglichte und das iBook automatisch in den Schlafmodus übergehen ließ, wenn der Anwender den Deckel zuklappte. Beides war revolutionär. Auch bei der Grafik konnte das iBook gegenüber den Windows-Konkurrenten von Toshiba und IBM überzeugen: Statt des bei einfachen Laptops üblichen Passivmatrixbildschirms war das iBook mit einem hochwertigen TFT-Display mit 800×600 Pixeln Auflösung ausgestattet.

    Mit dem iMac und den iBooks verblüfften Jobs und Ive jedenfalls gestandene Pioniere der Computerbranche. Nur Bill Gates, damals noch Microsoft-Chef, tat die neuen Macs als flüchtige Modeerscheinung ab. „Es gibt nun eine Sache, die Apple nun erreicht hat: die Führungsposition bei den Farben“, spottete Gates. Die Absatzzahlen gaben der neuen Apple-Führung aber Recht.

    Steve Jobs und Jony Ive feierten in dieser Phase aber nicht nur Triumphe, sondern mussten auch Rückschläge einstecken – auch weil beide ihren Designeifer übertrieben. Im Juli 2000 stellte Jobs auf der Macworld im heißen New York den Power Mac G4 Cube vor. Dieser Würfelrechner aus Acryl erschien wie eine verkleinerte Neuauflage des NeXT Cube, den Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple hatte konstruieren lassen. Mit einer kaminähnlichen Konstruktion des Innengehäuses, durch die die erwärmte Luft nach oben abzog, konnte auf einen aktiven Lüfter verzichtet werden – obwohl im Innern ein mit bis zu 450 MHz getakteter PowerPC-Prozessor G4 für ordentlich Hitze sorgte.

    Power Mac G4 Cube (2000)
    Power Mac G4 Cube (2000)

    Jony Ive war es gelungen, die ästhetischen Vorstellungen seines Chefs perfekt umzusetzen, sodass der Würfel es schnell in das Museum of Modern Art schaffte. Auch die technischen Daten des schnellen Cubes wussten zu überzeugen. Dennoch geriet der G4 zum Flop. Mit einem Preis von 1.799 Dollar (3200 Dollar inflationsbereinigt im Januar 2024) war er vielen Apple-Kunden zu teuer. „Echte Schreibtischarbeiter wollten keine Skulptur, sondern ein Arbeitsgerät, und auf dem Massenmarkt ließ sich der gegenüber Rechnern mit vergleichbarer Leistung doppelt so hohe Preis nicht durchsetzen“, lautet das Fazit von Jobs-Biograf Walter Isaacson.

    Eigentlich hatte Apple geplant, 200.000 G4 Cubes im Quartal absetzen zu können. Doch der Würfel erreichte im ersten Vierteljahr nur die Hälfte. Später sackte der Quartalsverkauf auf 30.000 Stück ab, so dass der Design-Rechner im Sommer 2001 schon wieder aus dem Programm genommen wurde.

    Weiterlesen: Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Der Mac als Digital Hub (2001-2014)

    Nach dem ersten iMac baute Steve Jobs den Apple Macintosh konzeptionell aus.

    Teil 6

    Im Februar 2001 führte Apple neue iMacs ein, die sich äußerlich nur durch die Farben „Indigo“, „Blue Dalmatian“ und „Flower Power“ von ihren Vorgängern unterschieden.

    iMac "Flower Power" und "Blue Dalmatian" (2001)
    iMac „Flower Power“ und „Blue Dalmatian“ (2001)

    Allerdings waren diese iMacs mit CD-Brennern ausgestattet und wurden erstmals mit der iTunes-Software ausgeliefert. Die Mac-Anwender konnten CDs in ihren Mac stecken, Songs sehr einfach in MP3-Dateien umwandeln, per iTunes ihre Lieblingsmusik zusammenstellen und wieder auf CD brennen.

    Apple-Spot Rip Mix Burn

    Apple warb damals mit dem Slogan „Rip, Mix, Burn“. Die Musikindustrie reagierte schockiert und warf Apple vor, zur Piraterie aufzufordern. Steve Jobs nahm die Vorwürfe billigend in Kauf. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Marktstart des iPods im September 2001 vor Augen, der später zusammen mit dem iTunes-Store die Musikindustrie radikal verändern sollte.

    Im Frühjahr 2002 hatten sich Flachbildschirme rasant weiterentwickelt. Es war an der Zeit, sich vom Röhrenmonitor zu verabschieden. Diesmal hatten Ive und Jobs mit einem radikalen Designentwurf mehr Glück als beim G4 Cube – auch weil Apple bei der Preisgestaltung vorsichtiger blieb. Inspiriert durch den Garten der Familie Jobs hatte Ive sich dazu entschlossen, den iMac wie eine Sonnenblume zu entwerfen. Der eigentliche Computer inklusive optischem Laufwerk wurde in einem halbkugelförmigen Fuß untergebracht, das Display an einem beweglichen Chromhals befestigt. Der iMac G4 erinnerte auch an die Figur Luxo Jr., eine Zeichentrick-Schreibtischlampe, die John Lasseter für Jobs‘ Filmstudio Pixar animiert hatte.

    iMac G4 (2002)
    iMac G4 (2002)

    Die Neuauflage des iMacs erwies sich nicht nur als Hingucker, sondern auch als ein kompletter PC mit hervorragender Softwareausstattung. Die Maschine wurde damals zwar noch mit dem veralteten System 9, aber parallel auch bereits mit dem neuen System Mac OS X ausgeliefert. Damit bekam der Mac überfällige Systemfunktionen wie Speicherschutz, präemptives Multitasking, Mehrbenutzerfähigkeit, ein erweitertes Speichermanagement sowie symmetrisches Multiprocessing (SMP).

    Mac OS X 10.1
    Mac OS X 10.1

    Die neue Systemsoftware beruhte auf NeXTSTEP, dem Unix-System von NeXT, und war nun endlich für den Massenmarkt bei Apple bereit. Auf diesem technischen Fundament von Mac OS X bauen bis heute nicht nur alle Macintosh-Rechner auf, sondern im Prinzip auch die Bestseller iPhone und iPad sowie der iPod touch und Apple TV. Dort ist das System in abgewandelter Form im Einsatz. Konsequenterweise strich Apple im August 2012 auch das Wort Mac im Namen des Betriebssystems, das nun nur noch OS X heißt.

    Um die Macs für die Zukunft fit zu machen, fehlte Jobs aber noch eine wichtige Komponente. Er sah schon bald nach seiner Rückkehr zu Apple einen Punkt gekommen, sich ernsthaft Gedanken über die Aussichten der PowerPC-Plattform zu machen. Außerhalb der von Apple verkauften Rechner gab es keinen Massenmarkt für diesen Chip. PowerPC-Versionen der Betriebssysteme Windows, OS/2 und Solaris verschwanden bereits nach kurzer Zeit wieder vom Markt.

    Intel inside

    Da das NeXT-System bereits für die Intel-Architektur x86 entworfen wurde, war die technische Hürde bei den Macs für einen Plattform-Wechsel nicht besonders hoch. Im Juni 2005 auf der Worldwide Developers Conference kündigten Jobs und der damalige Intel-CEO Paul Otellini den Umstieg auf „Intel inside“ an.

    Auf der MacWorld Expo im Januar 2006 wurden dann die ersten beiden Intel-Macs vorgestellt, der iMac Core Duo in einem weißen Polycarbonat-Gehäuse und einem neuen MacBook Pro (15-Zoll).

    Bei den iMacs führte Apple dann 2009 ein Aluminium-Gehäuse ein, das aus einem Stück gefertigt wird (Unibody). Die aktuelle Version des iMacs, die äußerlich im Oktober 2012 zuletzt verändert wurde, ist noch schlanker geworden und ist am Gehäuserand nur noch fünf Millimeter dick.

    Get A Mac

    Zum enormen Erfolg der iMacs trug auch eine Webekampagne von Apple in den Jahren 2006 bis 2009 bei. Unter dem Motto „Get a Mac“ spielte der junge Justin Long in Jeans und Hemd über der Hose den coolen Mac („Hello, I’m a Mac“), während der mit Schlips und Anzug auftretende Schauspieler John Hodgman den PC verkörperte („And I’m a PC“). Insbesondere die Schwierigkeiten, die Microsoft seinen Kunden mit dem verunglückten Betriebssystem Windows Vista bescherte, lieferten die Steilvorlagen für ironische Attacken auf die PC-Plattform.

    Zuvor hatte Apple in der Switcher-Kampagne eine Reihe von Prominenten wie Tony Hawk, DJ Q-Bert, Yo-Yo Ma, Kelly Slater und Will Ferrell aber auch etliche nicht prominente Anwender präsentiert, die in Werbespots die Vorzüge des Macs schilderten. Zu einem Internet-Phänomen entwickelte sich der Spot mit der damals 14 Jahre alten Schülerin Ellen Feiss, die sich in dem Spot darüber beschwerte, dass bei einem Absturz eines Windows-PCs die Hälfte einer Hausarbeit verloren ging.

    Am 7. August 2007 stellte Steve Jobs eine neue iMac-Generation vor, die erstmals in Aluminium und Glas steckte. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen war die 5. iMac-Generation spürbar dünner und nur noch mit einer Schraube (statt bisher zwei) am Gehäuse, mit der der Arbeitsspeicher ein- und ausgebaut werden kann, versehen. Dieser wurde mit einem 20- oder 24-Zoll-Breitbildmonitor angeboten und wurde mit einer neuen, flachen USB-Tastatur in Aludesign und mit besonderen Tasten für erweiterte Funktionen ausgeliefert.

    Die 5. iMac-Generation (2007)
    Die 5. iMac-Generation (2007). Foto: Matthieu Riegle (CC BY 3.0)

    Bei der sechsten iMac-Generation, die am 20. Oktober 2009 vorgestellt wurde, änderte Apple-Chefdesigner Jony Ive kaum etwa an der äußeren Erscheinung. Es blieb beim Alu/Glas-Gehäuse. In der Ausstattung und den technischen Daten hatte sich aber eine Menge getan. Das kleinste Modell bot nun ein 21,5 Zoll (1920×1080) großes Display und eine 500 GB Festplatte, das größte Modell hatte ein 27-Zoll-Display (2560×1440) und eine 1 TB oder 2 TB Festplatte. Alle Modelle verfügten nun über IPS-Displays mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Der kleinere iMac sowie das günstigste 27-Zoll-Modell wurden standardmäßig mit einem 3,06 GHz oder einen optionalen 3,33 GHz Intel Core 2 Duo Prozessor ausgeliefert. Das zweite 27?-Modell war mit dem 2,66 GHz Core i5 oder optional mit 2dem ,8 GHz Core-i7-Prozessor von Intel als erster iMac mit einer Quad-Core CPU ausgestattet.

    Die 6. iMac-Generation (2009)
    Die 6. iMac-Generation (2009). Foto: Matthieu Riegle (CC BY 3.0)

    Bei der siebten iMac-Generation, die am 23. Oktober 2012 vorgestellt wurde, setzten Ive und sein Team auch wieder optische Akzente. Es blieb zwar bei der Dominanz der Werkstoffe Aluminium und Glas, doch das Gehäuse wurde deutlich schlanker und am Rand nur noch wenige Millimeter dick. Apple verzichtete beim 7. iMac auf den Einbau eines optischen Laufwerks. Dafür bot Apple zu 3 TB große Festplatten an, bis zu 768 GB SSD und bis zu 32 GB RAM. Die Kombination aus einer 128 GB SSD und einer Festplatte bezeichnet Apple jetzt als Apple Fusion Drive, das deutlich schnellere Zugriffszeiten bietet als bei Festplatten.

    7. iMac-Generation (2012)
    7. iMac-Generation (2012). Foto: Apple

    Weiterlesen: Teil 7: Mac Pro (2006-2014)

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Mac Pro (2006-2014)

    Apple Macintosh – Mac Pro (2006-2014)

    Mit dem iMac eroberte Apple die Herzen der Privatanwender. Nun war es an der Zeit, etwas für die Profi-User zu tun.

    Teil 7

    Die Werbekampagnen von Apple Mitte der 2000er Jahre sprachen vor allem die privaten Verbraucher an. Die Profi-Anwender ließen sich dagegen mehr durch die technischen Fakten beeindrucken, die eine neue Generation von Intel-Chips lieferte.

    Mac Pro (2006)
    Mac Pro (2006)

    Im ersten Mac Pro, der im Sommer 2006 auf den Markt kam, steckte der Dual-Core Xeon-Prozessor von Intel („Woodcrest“). Im April 2007 stieg Apple auf die Quad-Core-Prozessoren mit dem Codenamen „Clovertown“ um. Im Januar 2008 war dann der Umstieg auf die schnelleren „Harpertown“ fällig. Bei der letzten Aktualisierung verwendete Apple schließlich die neuen Intel-Modelle Nehalem und Westmere.

    Bei der Gestaltung des Mac Pro ließ sich Jony Ive maßgeblich von Dieter Rams inspirieren, einer Design-Ikone aus Deutschland. Als Chefdesigner bei Braun entwarf Rams 1964 den Weltempfänger „Braun T1000“, dessen Alu-Gehäuse die Vorlage für Ive gebildet haben dürfte.

    Braun Radio T1000 und der Mac Pro
    Braun Radio T1000 und der Mac Pro

    Kerne für die Profis

    Mit der kommenden Generation des Mac Pro, einem futuristischen schwarzen Zylinder, verabschiedet sich Apple komplett vom bewährten Alu-Design bei seiner Workstation und greift auf Ansätze des G4 Cubes zurück. Ähnlich wie beim Cube entsteht beim neuen Mac Pro in der Röhre ein Kamineffekt. Alle Komponenten – ein Mainboard und zwei Grafikkarten – sitzen sehr kompakt um einen dicken dreieckigen Kühlkörper. Allerdings kommt das schwarze Arbeitspferd im Gegensatz zum G4 Cube nicht komplett ohne Lüfter aus. Ein einziger großer Lüfter, der oben die Wärme nach außen führt, ist aber kaum zu hören.

    Mac Pro (2013)
    Mac Pro (2013)

    Die neusten Intel-Xeon-Chips haben bis zu zwölf Kerne, so dass hier auf engstem Raum unglaublich viel Rechenleistung versammelt sein wird. Das Design ist aber auch nicht unumstritten, da der neue Mac Pro im Gegensatz zu seinem Vorgänger kaum aufgerüstet werden kann und große Massenspeicher nur per Thunderbolt, USB oder als NAS angeschlossen werden können. Immerhin macht Apple diesmal nicht den Fehler, mutige Design-Entscheidungen mit einem viel zu hohen Preis zu verbinden, eine Kombination, die einst dem G4 Cube ins Aus manövriert hatte. Der Einstiegspreis von knapp 3000 Dollar bzw. Euro ist zwar kein Schnäppchen, aber durch die verbauten hochwertigen Komponenten gerechtfertigt.

    Weiterlesen: Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)

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    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
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    Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
    Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
    Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
    Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Der mobile Erfolg (2008-2014)

    Noch erfolgreicher als mit Desktops und Workstations ist Apple seit Jahren mit seinen Notebooks.

    Teil 8

    Das ist vor allem dem ultraportablen MacBook Air zu verdanken, das im Januar 2008 Premiere als „dünnstes Notebook der Welt“ feierte.

    MacBook Air (2008)
    MacBook Air (2008)

    Es ist bemerkenswert, auf welche Ignoranz dieses Konzept beim damaligen Microsoft-Chef Steve Ballmer stieß. Der Software-Konzern hatte den taktischen Fehler begangen, den ehemaligen Apple-Evangelisten Guy Kawasaki als Moderator der Microsoft-Entwicklerkonferenz Mix’08 einzuladen. Kawasaki, der heute als Berater, Buch-Autor und Risikokapitalgeber arbeitet, quälte den Microsoft-Boss mit Fragen zum missglückten Betriebssystem Windows Vista, das Ballmer in diesem Interview noch vehement verteidigte, später aber als größten Fehlgriff in der Microsoft-Geschichte geißelte. Um nicht zu lange Zeit mit dem unangenehmen Thema „Vista“ verbringen zu müssen, startete Ballmer einen Entlastungsangriff auf das MacBook Air. Allerdings hatte Ballmer die Schlagfertigkeit seines Gegenübers unterschätzt:

    Obwohl die meisten Komponenten von Intel stammten, schaffte es der Chip-Hersteller erst drei Jahre nach der Premiere des MacBook Air, mit dem Ultrabook-Konzept ein Spezifikation für die Hersteller von Windows-Notebooks zu veröffentlichen, damit diese bei Features wie Akkulaufzeit, Gewicht oder dem Aufwachen aus einem Stromsparmodus halbwegs mit dem Apple-Produkt mithalten konnten. Verstummt ist inzwischen auch die Kritik am Verzicht auf ein optisches Laufwerk im MacBook Air, weil es mittlerweile viele Notebook-Hersteller bei ihren Ultralight-Modellen ebenfalls weglassen.

    In den USA hält Apple mit dem MacBook Air die versammelte Ultrabook-Konkurrenz in Schach und erreicht inzwischen regelmäßig über 50 Prozent Marktanteil bei den besonders leichten Modellen. Schaut man sich den gesamten PC-Markt an, liegen die Anteile von Apple deutlich niedriger, weil es selbst mit dem Mac mini kein Angebot für die Preisregion um die 500 Euro gibt. Immerhin liegt Apple in seinem Heimatland mit einem Marktanteil von 13,4 Prozent hinter HP und Dell auf Platz drei. In Deutschland, wo die Computerkäufer stärker auf den Preis schauen als in den USA, ist Apple dagegen noch nicht in den Top-5 vertreten, sondern landet den aktuellen Zahlen des Marktforschungsinstituts Gartner zufolge mit 6,3 Prozent auf Platz 7.

    Weiterlesen: Teil 9: Die Zukunft des Macs

    30 Jahre Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
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    Teil 9: Die Zukunft des Macs

  • Apple Macintosh – Die Zukunft des Macs

    Vor der Rückkehr von Steve Jobs 1997 glaubten selbst viele hartgesottene Apple-Fans kaum noch an eine Zukunft des Macs. Doch vor allem mit dem iMac und den verschiedenen MacBook-Modellen schaffte es die Ingenieure und Designer bei Apple, dem Mac ein neues Leben einzuhauchen.

    Teil 9

    Apple kann als einziger PC-Hersteller auf eine seit über 10 Jahre andauernde Wachstumsgeschichte zurückblicken. Als der erste Mac 1984 startete, kamen auf jeden verkauften Mac sechs verkaufte IBM-PCs. Nach dem Marktstart von Windows 95 stieg dieses Verhältnis drastisch zugunsten der PC-Fraktion. 2004 kamen auf jeden Mac 60 Windows-PC. Doch seitdem ist der Mac wieder auf dem Vormarsch.

    Multiple PCs sold vs. Macs sold
    Multiple PCs sold vs. Macs sold: Source: Asymco

    Inzwischen liegt das Verhältnis bei weniger als 20:1. Das schlägt sich auch in den Bilanzen von Apple nieder. Der Absatz der Macs steigt seit Ende der neunziger Jahre kontinuierlich. Die Kurve nach oben hat erst mit dem Aufkommen der Tablet-Computer einige Dellen bekommen.

    Macintosh Absatz 1999 - 2013
    Macintosh-Absatz von 1999 bis 2013 (in Mio. Geräten)
    Macintosh-Umsatz von 1999 bis 2013 in Mrd. Dollar
    Macintosh-Umsatz von 1999 bis 2013 in Mrd. Dollar

    Im Unterschied zu PC-Produzenten wie HP oder Acer muss sich Apple aber auch keine all zu großen Sorgen darüber machen, dass die Tablets den klassischen PC-Markt kannibalisieren. Schließlich ist Apple mit dem iPad bestens im Geschäft. Addiert man die Tablets zu den Computern, kommen auf ein Apple-Gerät nur noch sechs Windows-Rechner.

    Aber auch abseits solcher Rechenspielereien steht der Mac aktuell gut da: Die Leute kaufen die verschiedenen Varianten des Macs inzwischen nicht mehr nur wegen des von Jony Ive geprägten Industriedesigns, sondern auch wegen der Software-Ausstattung. Obwohl (Mac) OS X inzwischen seit über zehn Jahren mit den neuen Macs ausgeliefert wird, muss Apple nicht nach einem neuen Software-Fundament suchen, sondern kann sein System auf der soliden Unix-Basis Schritt für Schritt ausbauen und optimieren. Und mit den Programmen iPhoto, iMovie, GarageBand sowie Pages, Numbers und Keynote bekommen Käufer eines Macs inzwischen leistungsstarke und sorgfältig aufeinander abgestimmte Anwendungen für ihre Fotos, Filme, Musik, Dokumente, Tabellenkalkulationen und Präsentationen kostenlos dazu.

    Der Mac spielt im Apple-Konzern aber schon länger nicht mehr die größte Rolle. 30 Jahre nach seiner Premiere macht Apple mit allen Macintosh-Modellen zusammen nur noch 15 Prozent seines Umsatzes. Mehr als die Hälfte des Geschäfts wird inzwischen mit den iPhones erzielt. Immerhin steigt der Marktanteil der Macs kontinuierlich weiter, sodass sie ihren Fans bei allen technischen Umwälzungen noch lange erhalten bleiben dürften.

    Christoph Dernbach

    Die Geschichte des Apple Macintosh

    Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
    Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
    Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
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    Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
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  • Die Retter des verlorenen Schatzes – Das Video von der Aktionärsversammlung von Apple Computer am 24. Januar 1984

    Steve Jobs präsentiert den ersten Apple Macintosh

    Die Aktionärsversammlung von Apple Computer am 24. Januar 1984 hatte wenig mit den üblichen Jahrestreffen von Investoren gemein. Die Stimmung im vollen Flint Center unweit des Apple Campus im kalifornischen Cupertino glich eher der eines Rockkonzerts. Die Zuschauer waren sich darüber im Klaren, dass sie Zeugen eines einmaligen Gigs sein würden. 2500 Leute erlebten damals, wie Apple-Mitbegründer Steve Jobs den ersten Macintosh und damit einen Meilenstein der Computergeschichte vorstellte.

    Manfred „Majo“ Heinze, Mitbegründer der Presse- und Medienproduktionsfirma TextLab und einer der Köpfe hinter dem populären Weblog „Industrial Technology & Witchcraft“, hatte sich bereits zum 20. Geburtstag des Apple Macintosh im Januar 2004 gefragt, warum von diesem historischen Ereignis keine Videoaufzeichnung existiert. „Immerhin war damals schon vorher bekannt, dass Apple auf der Aktionärsversammlung im Januar 1984 den Mac zum ersten Mal öffentlich zeigen würde. Eigentlich war es also schon seltsam, dass von der Veranstaltung zwar Tonund Bilddokumente existierten, aber kein Video.“

    Monate nach dem Geburtstag fand Majo in dem Buch des Macintosh-Entwicklers Andy Hertzfeld „Revolution in the Valley“ einen winzigen Hinweis auf eine Fernsehübertragung: Die Aktionärsversammlung war völlig überfüllt, etliche Aktionärsvertreter kamen nicht hinein. Apple hatte deshalb wohl aktienrechtliche Bedenken und ließ die ganze Veranstaltung von einem regionalen TV-Sender mitschneiden und ein paar Tage später senden.

    DAS VERLORENE TAPE Nach einigen Recherchen spürte Majo dann auch jemanden auf, der diese Sendung aufgezeichnet hatte: Scott Knaster aus Cupertino, der damals Mitarbeiter bei Apple war. „Ich habe ihn mit der Idee einer Veröffentlichung zum 21. Geburtstag des Macs angeschrieben, und er war sofort Feuer und Flamme. Sein Band scheint wirklich die einzige erhaltene Kopie zu sein – Scott hebt gottlob wirklich alles auf“, erinnert sich Majo.

    Scott Knaster hatte das Tape zuvor Andy Hertzfeld für die Recherchen zu seinem Buch und sein Online-Projekt folklore.org zur Verfügung gestellt. In den Diskussionsforen bei folklore.org wurde bald die Frage nach einer digitalen Kopie des Mitschnitts laut. „Ich kenne niemanden, der eine hat“, antwortete Scott. „Ich bin aber gerne bereit, mein Tape jemandem auszuleihen, der es digitalisieren kann.“ Daraufhin meldeten sich bei ihm etliche Interessierte, doch fast alle schreckten dann doch vor der Aufgabe zurück, ein 20 Jahre altes Betamax-Tape zu restaurieren. „Dann hörte ich von Majo, der unerschrocken an die Sache ranging.“

    MINIMALE QUALITÄT Als Majo das Band von einem Kurier erhielt, wurde auch ihm langsam klar, worauf er sich eingelassen hatte: „Das Betamax-Tape war nicht nur 20 Jahre alt, sondern auch noch im Longplay-Mode aufgenommen worden, also mit minimaler Qualität. Zudem hatte Apple bei der Aufnahme offenbar an der Beleuchtung gespart – stellenweise ist das Bild beinahe schwarz.“

    Erschwerend kam hinzu, dass Betamax als Videostandard seit Jahrzehnten tot ist. „Viel schlimmer war aber“, so Majo, „dass Scott Knaster das Band im Laufe der Jahre nur ein paar Mal abgespielt hatte, die Magnetschicht zusammenklebte und das Bandmaterial zerknittert war. Zudem war das Ganze natürlich in der US-Fernsehnorm NTSC aufgenommen worden – alles in allem also wirklich ein ziemlich unzugängliches Stück Mediengeschichte.“

    SCHATZKAMMER MIT MAGIER Auf der Suche nach geeigneten technischen Equipment fiel dem Medienproducer dann ein Fernsehstudio in Bonn ein, das seit über 40 Jahren in Betrieb ist und praktisch sämtliche Aufnahme- und Schnittgeräte über die Jahre hinweg in funktionsfähigem Zustand erhalten hat. „Das ist eine echte Schatzkammer mit einem wahren Technikmagier. Da haben wir dann einen ganzen Tag herumgehext – zuerst mal das Tape mit der Hand ganz vorsichtig abgewickelt und neu aufgerollt, dann mit der Maschine sehr langsam ein paar Mal auf- und abgespult. Dann wurden über einen NTSC/PAL-Normwandler und mit allen möglichen Filtern, Signalgeneratoren und Timeframe-Shiftern die Bildsprünge und Störstreifen so gut wie möglich beseitigt und der Ton gesäubert. Und schließlich haben wir das Ding auf Betacam kopiert und ich konnte es mir zum ersten Mal komplett ansehen – das war schon ziemlich aufregend.“

    Im TextLab-Studio wurde das Betacam-Tape dann erst mal komplett in bestmöglicher Qualität digitalisiert. Als Videomaschine verwendete das Team einen Power Mac G4 1,25 GHz Dual mit einem Media-100-Board und der entsprechenden Schnitt- und Bearbeitungs- Software wie Media 100, After Effects und Boris Effects.

    „Einige verrutschte Bildstände, die bei der analogen Bearbeitung nicht verschwunden waren, haben wir dann digital korrigiert: Im ersten Clip (1- 1984_launch.mov) zum Beispiel war das gesamte Bild über eine Minute lang verschoben, sodass Steve Jobs’ Kopf oben angeschnitten war und unten ein breiter schwarzer Balken stand. Das haben wir dann so versetzt, dass es zumindest weniger auffällt. Ansonsten haben wir digital nur ganz leicht geschärft und so wenig wie möglich korrigiert, weil das Material – vor allem auch durch die schlechte Beleuchtung bei der Aufnahme – zum Teil wirklich grenzwertig war und durch weitere digitale Bearbeitung noch schlechter geworden wäre“, beschreibt Majo die Tücken der Digitalisierung.

    DIE SPANNUNG STEIGT Die Restaurierung nahm dann einige Tage in Anspruch. Majo nutzte diese Zeit, um die Spannung unter den Apple-Fans zu schüren. In dem Weblog IT&W lancierte er ständig mysteriöse Ankündigungen, die sich wellenartig im Netz verbreiteten. „Ich hatte eigentlich erwartet, dass das Thema Mac- Geburtstag nach den vielen Storys, die 2004 dazu gemacht worden waren, nicht mehr so interessant sein würde. Andererseits war das natürlich vor allem für die Mac-Fans eine echte Sensation. Wir wussten also im Grunde überhaupt nicht, was da auf uns zukommen würde.“

    Am 24. Januar 2005 war es dann so weit. Das IT&W-Team stellte den Clip einfach auf den Server und wartete, was passieren würde. „Ich wollte unbedingt, dass die Leute beim ersten ‚Lost- 1984-Video’-Clip den Film sofort sehen können – deshalb haben wir ihn als ungepackte QuickTime-Datei mit 20 MByte verteilt.“ Welche Auswirkungen das haben sollte, erlebte Majo sehr schnell.

    DER ANSTURM IT&W hatte den üblichen Mac- und IT-News-Diensten eine kleine Meldung zukommen lassen, und sämtliche deutschen Mac- Sites sowie etliche Online-Nachrichten-Sites brachten sie am selben Vormittag. „Es dauerte eine Stunde, dann brach unser Serverchen zum ersten Mal zusammen, und so ging das dann weiter“, erinnert sich Majo, „nachmittags kamen die US-Sites ins Spiel, und dann berichteten gleichzeitig c|net, Yahoo, Slashdot, metafilter, Megablogger Kottke sowie buchstäblich jede einzelne Mac-Seite rund um den Globus darüber. Die absolute Krönung war dann noch eine Meldung bei Steve Wozniak. Es war ziemlich irre.“

    Das Weblog IT&W hatte nach der Veröffentlichung des ersten „1984“- Videos sofort gut zehnmal so viel Traffic wie sonst; über den Server rauschten in zwei Tagen 60 GByte. Als sich in der Szene herumsprach, wie sehr IT&W unter der Last des Ansturms zu leiden hatte, boten etliche Netzbewohner ihre Hilfe an: „Das Tollste war die blitzschnelle Unterstützung aus der Community: Vom privaten Weblogger bis zum fetten Uni-Mirror mit mehreren Servern meldeten sich den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch Hunderte von Leuten, die mithelfen wollten. Insgesamt waren 50 zum Teil richtig dicke Server tagelang im Einsatz“, freut sich Majo noch heute.

    Die erste Nacht verbrachten die Blogger von IT&W damit, per Hand die Last des Ansturms zu verteilen – eine Art manuelles Load Balancing. Majo erinnert sich: „Die Leute meldeten neue Server an eine E-Mail-Adresse; wir haben sie auf die Hauptseite gesetzt oder wieder entfernt, wenn ihre Kapazitäten erschöpft waren, und so versucht, den Ansturm zu verteilen. Es war wirklich ein Ritt auf einem Tiger, an reguläres Arbeiten war tagelang nicht zu denken. Aber – es hat geklappt.“ (Update: Heute stehen die Lost Videos auf Mac Essentials und sind auch über iTunes abrufbar.)

    Im „Senfkeller“, dem Diskussionsforum von IT&W, tauchte in dieser heißen Phase der Begriff BitTorrent auf. Leser fragten, ob die weiteren Teile des „1984“-Videos nicht besser mit diesem Filesharing-Programm im Netz verteilt werden sollten, das sich besonders für große Dateien eignet. „Hinterher ist man immer klüger. Außerdem sollte man den Clip auch sofort beim Download sehen können. Aber beim nächsten Mal“, antwortete Majo.

    BITTORRENT Der Vorschlag aus dem „Senfkeller“ wurde von Majo und seinen Kollegen schnell umgesetzt: „Beim zweiten Seed drei Wochen später haben wir die Konsequenz aus der ersten Erfahrung gezogen und sind komplett auf BitTorrent umgestiegen.“ Zwar wurde der IT&W-Server beim zweiten Video in den ersten Stunden auch erheblich belastet, aber danach wurde es immer ruhiger. „Das Tolle an BitTorrent ist ja, dass die Last auf den einzelnen Server umso geringer wird, je öfter die Dateien heruntergeladen werden – genau das Gegenteil vom ersten Seed“, erläutert Majo. „Die zweite Verteilaktion mit vier Videos hatte einen noch größeren Ansturm zur Folge als die erste, aber so gut wie keine ‚Kollateralschäden’ auf unserer Seite.“

    Christoph Dernbach (März 2005)