Eine charismatische Ausstrahlung muss Steve Jobs schon als 13 Jahre alter Schüler gehabt haben. Oder war es nur seine Frechheit, mit der er auch später immer wieder Gesprächspartner überrumpeln sollte? Der Achtklässler wollte damals für ein Schulprojekt einen Frequenzzähler bauen und benötigte einige Bauteile dafür. Er sprach keinen Geringeren als Bill Hewlett an, den legendären Mitbegründer des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP). Der Silicon-Valley-Pionier stand in den sechziger Jahren noch im Telefonbuch. Der schlaksige Junge schwatzte dem Konzern-Boss nicht nur die benötigten Bauteile ab, sondern ergatterte auch noch einen Ferienjob bei HP.
Steve Jobs‘ Highschool-Foto
Er hielt sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf. Dabei war Steve Jobs das Schicksal des erfolgreichsten Unternehmers Amerikas nicht in die Wiege gelegt worden. „Er war ein Junge, der kein Geld hatte“, erinnert sich sein Freund und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak. „Er hatte nichts außer seinem Verstand. Aber er brachte uns Dinge, die zu einer Herausforderung für uns alle wurde.“
Paul Otellini, Chef des Chip-Giganten Intel, sagt, ein wahres Genie erkenne man daran, dass mit dem Wirken jede Person auf dem Planeten erreicht werde. „Steve hat das geschafft, und zwar nicht nur einmal, sondern im Laufe seines erstaunlichen Lebens viele, viele Male.“ Im Unterschied zu Industrie-Titanen wie Bill Gates stammte Steve Jobs nicht aus einem wohlhabenden Elternhaus, sondern aus kleinen Verhältnissen.
Wo stammt Steve Jobs her?
Steve Jobs mit seinem Vater Paul Jobs (1958)
Steve Jobs wurde am 24. Februar 1955 in San Francisco (Kalifornien) geboren. Seine leiblichen Eltern, der syrische Student Abdulfattah John Jandali und seine amerikanische Freundin Joanne Simpson, gaben ihn nach der Geburt zur Adoption frei. Das damals noch unverheiratete Paar, beide waren 23 und studierten an der Universität Wisconsin, konnte sich 1955 nicht vorstellen, ohne eigenes Einkommen für ein Kind zu sorgen.
Eigentlich bestanden die beiden darauf, dass ihr Baby bei einer Akademiker-Familie landen solle. Sie sollte sich darum kümmern, dass der Junge später auch auf die Universität gehen kann. Doch die Wunschfamilie bekam in letzter Minute kalte Füße und sagte die Adoption ab. Das Kind landete bei Paul und Clara Jobs. Steves Adoptionseltern waren einfache Leute, sein Vater Automechaniker, seine Mutter Büroangestellte.
Als Steve fünf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm von San Francisco nach Mountain View, mitten in das boomende Silicon Valley. In der neuen Nachbarschaft erzählte er einem Mädchen, dass er ein Adoptivkind war, berichtet Buchautor Walter Isaacson in seiner Biografie über Steve Jobs: „Soll das heißen, dass dich deine richtigen Eltern nicht gewollt haben?“, erkundigte sich das Mädchen. „Das traf mich wie ein Blitz“, erinnerte sich Jobs. „Ich weiß noch, wie ich ins Haus rannte und weinte.“ Die Eltern sagten dann: „Wir haben speziell dich ausgesucht.“ Diese Schlüsselszene beschrieb schon früh im Leben des Steve Jobs das Spannungsverhältnis zwischen den Begriffen „Verlassen“, „Auserwählt“ und „Speziell“.
Steve Jobs trifft Steve Wozniak
Wer weiß, wohin der Lebensweg von Steve Jobs geführt hätte, wenn er in der Schule nicht den begeisterten Elektronikbastler Steve Wozniak getroffen hätte, der vier Klassen über ihm war. Trotz des Altersunterschieds fanden die beiden Steves schnell zusammen. „Es kam mir vor, als hätten wir eine Menge gemeinsam“, erinnerte sich Woz später in seiner Autobiografie. „Normalerweise war es für mich ziemlich schwer, anderen die Dinge zu erklären, an denen ich gerade arbeitete, aber Steve hat es sofort kapiert. Ich mochte ihn. Er war ziemlich dünn und drahtig und voller Energie.“
Steve Jobs (eingekreist) im Homestead High School Electronics Club (1969)
Als Teenager tummelten sich Jobs und sein älterer Freund in der „Phone-Phreaking-Szene“. Hacker wie „Captain Crunch“ hatten mit Hilfe einer Plastikpfeife aus einer Cornflakes-Packung herausgefunden, wie man mit bestimmten Tönen die Systeme des Telefongiganten AT&T manipulieren konnte, um kostenlose Telefonate zu ermöglichen. Die beiden Steves waren elektrisiert.
Steve Jobs und Steve Wozniak knacken das Telefon-System
Blue Box von Wozniak und Jobs (1972)
Woz konstruierte aus billigen Elektronik-Teilen und einem kleinen Lautsprecher ein vollgestopftes Kästchen, mit dem man die Tonfolgen viel präziser und eleganter erzeugen konnte als mit der Spielzeug-Pfeife. „Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer“, erinnerte sich Steve Jobs später. „Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.“
Die Manipulation des Telefonsystems war natürlich illegal. Das hinderte Woz und Jobs nicht daran, Blue Boxes zu bauen und im Bekanntenkreis zu verkaufen. „Zwei Teenager konnten damals für hundert Dollar eine Box bauen und damit eine Infrastruktur kontrollieren, die mehrere hundert Milliarden Dollar wert war, nämlich das gesamte Telefonsystem der Welt. Das war magisch.“ Bei der „Blue-Box“-Episode blitzte zum ersten Mal der Geschäftssinn von Steve Jobs auf. Während Woz vor allem seine Geek-Kumpanen beeindrucken wollte, ging es seinem jüngeren Freund auch ums Geldverdienen und die Erkenntnis, dass man mit einem kleinen Einsatz große Wetten gewinnen kann.
Steve Wozniak über die frühen Tage mit Steve Jobs und „Blueboxing“
„Erfahrungen wie diese zeigten uns, welche Macht eine Idee haben kann“, sagte Jobs viele Jahre später der Santa Clara Valley Historical Association. „Wenn wir keine Blue Boxes gebaut hätten, dann hätten wir auch Apple nie gründet.“ 1972 wollte Jobs unbedingt beim Reed College im benachbarten Bundesstaat Oregon studieren, obwohl ihm klar war, dass sich seine Eltern die Hochschulgebühren nicht leisten konnten. „Alle Ersparnisse meiner Arbeiterklasse-Eltern gingen für meine College-Gebühren drauf“, erinnerte sich Steve Jobs im Juni 2005 anlässlich seiner legendären Eröffnungsansprache für das akademische Jahr an der Stanford University. „Sechs Monate später sah ich keinen Wert mehr darin. Ich hatte überhaupt keine Idee, was ich mit meinem Leben anfangen wollte und konnte mir auch nicht vorstellen, wie das College mir dabei helfen sollte, das herauszufinden.“
Der legendäre Technikjournalist Wall Mossberg (The Verge) über die Rolle von Steve Jobs und Apple
Es ist das Super-Bowl-Finale am 22. Januar 1984, knapp hundert Millionen Menschen schauen zu. Das Spiel selbst verläuft weniger spannend – bereits zur Halbzeit liegen die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins mit 21:3 in Führung. Für Furore sorgt viel mehr ein außergewöhnlicher Werbespot, der im dritten Viertel ausgestrahlt wird. In dem 60 Sekunden langen Clip von Star-Regisseur Ridley Scott kündigt Apple den ersten Macintosh an. Doch es geht nicht einfach nur um einen neuen Computer. Die Botschaft lautet: Der Mac wird die Welt davor bewahren, dass die düstere Vision aus George Orwells Roman „1984“ im namensgebenden Jahr Wirklichkeit wird: „Big Brother“ IBM wird mit seinen grauen PCs nicht die IT-Welt beherrschen.
„1984“ – Der legendäre TV-Spot für den ersten Apple Macintosh
Obwohl Apple selbst ihn nur ein einziges Mal ausstrahlte, schrieb der Clip Geschichte. Nachrichtensendungen wiederholten ihn mehrfach, um über den Publicity-Coup zu berichten. Die Zeitschriften Advertising Age und TV Guide kürten „1984“ später zum besten Werbespot aller Zeiten.
Die Premiere des Apple Macintosh sollte zwei Tage später, am 24. Januar 1984, bei der jährlichen Aktionärsversammlung von Apple im Flint Center Auditorium des De Anza Community College stattfinden. Nach dem Werbespot und den zahlreichen Presseberichten sollte dies den Höhepunkt der Einführungskampagne darstellen. Steve Jobs plante, zukünftige Produkteinführungen als epochale Momente inszenieren zu lassen: eine feierliche Enthüllung vor einem großen Publikum, bestehend aus loyalen Bewunderern und aufgeheizten Journalisten.
Andy Hertzfeld, ein freundlicher Software-Ingenieur aus dem Macintosh-Team, hatte es zuvor in nur zwei Tagen geschafft, eine Software zu entwickeln, mit der der Computer den Spruch „Die Stunde des Siegers“ abspielen konnte. Jobs war mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden und entschied sich stattdessen für eine Aufnahme, berichtet der Steve-Jobs-Biograf Walter Isaacson.
Jobs war jedoch begeistert von dem Sprachgenerator des ersten Apple Macintosh. Damit konnte geschriebener Text in gesprochene Sprache mit einem charmanten elektronischen Akzent umgewandelt werden. Er beschloss, ihn für die Demo zu verwenden. Steve Hayden, der Texter des „1984“-Spots, wurde beauftragt, den Text zu schreiben. Mac-Entwickler Steve Capps entwickelte eine Möglichkeit, das Wort „Macintosh“ in riesiger Schriftgröße über den Bildschirm laufen zu lassen, und Susan Kare, die die Schriften und Icons des Mac-Betriebssystems gestaltet hatte, entwarf ein Begrüßungsbild.
Die Premiere des Apple Macintosh am 24. Januar 1984
Bei der Probe am Vorabend des großen Tages gab es jedoch einige Probleme. Jobs war mit der Bildschirmanimation nicht zufrieden und verlangte ständig Verbesserungen. Auch das Bühnenlicht gefiel ihm nicht, und er hetzte Apple-CEO John Sculley kreuz und quer durch den Saal, damit er den Effekt aus verschiedenen Perspektiven betrachten und seine Meinung dazu abgeben konnte. Sculley, der zuvor bei PepsiCo gearbeitet hatte und sich nie Gedanken über Bühnenlicht gemacht hatte, äußerte sich unsicher wie ein Patient beim Augenarzt, der entscheiden soll, welche Linse besser ist. Die Probe dauerte fünf Stunden bis tief in die Nacht. „Irgendwann hatte ich Zweifel, ob wir es bis zur Veranstaltung am nächsten Morgen schaffen würden“, sagte Sculley.
Doch dann war es soweit: Das Flint Center in Cupertino war bis auf den letzten seiner 2600 Plätze besetzt. Steve Jobs trat ans Mikrofon, um als Chairman die Aktionärsversammlung offiziell zu eröffnen. Er begann mit einem 20 Jahre alten Gedicht von Bob Dylan: „The Times They Are A-Changin’“.
Steve Jobs trägt die zweite Strophe von „The Times They Are A-Changin’“ auf der Apple-Hauptversammlung vor
Come writers and critics Who prophesize with your pen And keep your eyes wide The chance won’t come again And don’t speak too soon For the wheel’s still in spin And there’s no tellin‘ who That it’s namin‘ For the loser now Will be later to win For the times they are a-changin‘
Kommt, Autoren und Kritiker die ihr mit euren Stiften prophezeit und behaltet eure Augen weit offen Die Gelegenheit wird sich nicht noch einmal bieten Und sprecht nicht zu früh, denn das Glücksrad dreht sich noch Und man kann nicht vorhersagen, auf welchen Namen es zeigen wird Denn wer jetzt der Verlierer ist, der wird später gewinnen
Lieblingsfeind IBM
Mit diesem Vortrag des Dylan-Songs wollte der damals 28 Jahre alte Studienabbrecher Steve Jobs nicht nur der US-Protestbewegung huldigen, sondern auch deutlich machen, dass der Kampf um die Vorherrschaft im Markt der Personal Computer aus seiner Sicht noch nicht entschieden war. Zusammen mit seinem Kumpel Steve Wozniak hatte Jobs bereits Jahre zuvor IBM das Fürchten gelehrt. Während die Anzug-Träger bei IBM der Meinung waren, dass Computer so teuer wie ein Luxusauto sein müssen, zeigten die beiden ab 1975 mit dem Apple I, dass im Prinzip jeder Mensch einen Computer besitzen und benutzen kann. Der erste Rechner Apple hatte mit knapp 200 verkauften Bausätzen noch die Dimensionen eines Hobby-Projektes. Der Nachfolger Apple II war dagegen schon ein großer Erfolg.
Wozniak hatte eine Maschine entwickelt, mit der die Mitbewerber nicht mithalten konnten: Der Apple II bot mit acht Slots reichlich Platz für Erweiterungen und konnte hochauflösende Grafik darstellen. Aus der kleinen Firma in der Garage der Eltern von Steve Jobs entwickelte sich ein erfolgreiches Unternehmen. Die Verkaufszahlen stiegen rapide: von 2500 Stück im Jahr 1977 auf 210.000 im Jahr 1981. Doch Jobs war unruhig. Der Apple II konnte nicht ewig so erfolgreich bleiben, und er wusste nur allzu gut, dass das Gerät immer als Wozniaks Meisterstück angesehen werden würde, egal, wie viel er selbst für das Produktdesign getan hatte. Er brauchte sein eigenes Gerät, das eine Delle in das Universum schlagen würde. Und die Zeit drängte, denn plötzlich war IBM wieder im Spiel. Aufgerüttelt durch den Erfolg des Apple II hatte „Big Blue“ 1981 den ersten IBM PC auf den Markt gebracht. Schnell übertrafen die IBM-Verkaufszahlen die des Apple II.
Der erste Versuch, einen erfolgreichen Nachfolger für den Apple II auf den Markt zu bringen, geriet 1980 zum teuren Flop. Der Apple III konnte die Käufer nicht überzeugen, da er zu teuer war und nicht mit dem populären Vorgänger Apple II kompatibel war. Doch das Unternehmen hatte noch zwei weitere Asse im Ärmel: das Projekt Lisa und das Projekt Macintosh. Die Entwicklung des Lisa begann bereits 1978. Lisa sollte rund 2000 Dollar kosten und mit einem 16-Bit-Prozessor ausgestattet sein. Mit diesen verbesserten Eigenschaften wollte Apple einen großen Schritt nach vorne machen und sich von dem blinkenden Cursor auf schwarzen Bildschirmen verabschieden. Lisa sollte eine Benutzeroberfläche mit Fenstern haben, mit Menüs und schöner Schrift.
Die Ideen aus dem Xerox PARC
Um von den Pionieren der grafischen Benutzeroberflächenentwicklung zu lernen, mussten Steve Jobs und seine Mitarbeiter nur 20 Minuten mit dem Auto zum legendären Forschungszentrum Xerox Palo Alto Research Center (PARC) fahren. Der Apple-Ingenieur Jef Raskin, der Anfang 1979 mit dem Macintosh-Projekt betraut wurde, stand regelmäßig in Kontakt mit den PARC-Forschern. Mit der Hilfe von Bill Atkinson konnte schließlich auch Steve Jobs dazu überredet werden, das PARC zu besuchen.
Die drei Technologien, die Jobs dort sah, waren revolutionär. Noch 17 Jahre später erinnerte sich Jobs genau daran: „Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: Die grafische Benutzeroberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Es hatte noch viele Schwächen. Was wir sahen, war unvollständig. Sie hatten eine ganze Reihe Sachen falsch gemacht. Aber zu der Zeit wussten wir das nicht. Aber dennoch: Sie hatten den Keim der Idee geschaffen, und sie hatten es sehr gut gemacht. Und innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden.“
Steve Jobs erzählt in der TV-Doku „Triumph Of The Nerds“ (1996), was er im Xerox PARC zu sehen bekam und was ihn damals so fasziniert hat
Jobs beschloss danach, die Strategie von Apple zu überdenken und sich vollständig auf das „Graphical User Interface“ (GUI), die grafische Benutzeroberfläche, zu konzentrieren, die er im PARC gesehen hatte. Larry Tesler, der damals als PARC-Angestellter an der Demo teilnahm, war von den Besuchern fasziniert: „Nach einer Stunde verstanden sie die Technologie unserer Demos und was sie bedeuteten besser als jeder Xerox-Manager nach all den Jahren, in denen wir sie ihnen gezeigt hatten.“ Tesler wechselte dann 1980 zu Apple.
Um die Besuche im Xerox PARC im Dezember 1979 rankt sich die Legende, Jobs habe die wichtigsten Ideen für das GUI beim Xerox PARC einfach nur geklaut. Mit diesem Argument hatte sich Microsoft-Chef Bill Gates stets gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, das Konzept von Microsoft Windows sei von Apple gestohlen worden. Nach den Erinnerungen von Mac-Entwickler Andy Hertzfeld lautete die Antwort von Gates auf den Vorwurf des Diebstahls so: „Nun, Steve, ich glaube, es gibt mehr als eine Möglichkeit, das zu sehen. Ich glaube, es ist eher so, dass wir beide diesen reichen Nachbarn namens Xerox hatten und ich in sein Haus eingebrochen bin, um den Fernseher zu stehlen nur um herauszufinden, dass du ihn bereits geklaut hattest.“
Jobs erkannte auf jeden Fall das Potenzial der Entwicklungen aus dem PARC sofort. Er wollte die Technik unbedingt bei der Entwicklung des Apple Lisa einbringen. Doch der Apple-Verwaltungsrat traute ihm nicht zu, das Lisa-Projekt zum Erfolg zu führen. Daher schnappte sich der wilde Firmenmitbegründer das Macintosh-Projekt von Jef Raskin, das als Nachfolger für den Apple II als „Volks-Computer“ in Arbeit war. Raskin hatte geplant, den Macintosh mit einem möglichst preiswerten Prozessor, dem Motorola 6809, und einem extrem eng bemessenen Hauptspeicher von 64 Kilobyte auszustatten, um ihn nicht teurer als 1000 Dollar werden zu lassen. Doch um die Ideen von Xerox zu veredeln und zum Laufen zu bringen, reichte diese Hardware nicht aus.
Andy Hertzfeld, der den Systemkern des Mac (und später das Benutzer-Interface von Google+) entwickelt hat, und seine Kollegen mussten in diesen Monaten immer wieder unter den Wutattacken von Jobs leiden.
Andy Hertzfeld (2011) – Bild: Christoph Dernbach
Das Team wurde aber auch positiv angespornt: „Steve war sehr verärgert, dass der Mac zunächst so lange zum Booten brauchte“, berichtete Hertzfeld Jahre später. So versuchte er den Software-Entwickler Larry Kenyon zu motivieren. Er erzählte ihm:
„Weißt du, ich habe darüber nachgedacht. Wie viele Leute werden den Macintosh benutzen? Eine Million? Nein, mehr als das. Ich wette, in ein paar Jahren werden fünf Millionen Menschen mindestens einmal täglich ihre Macintosh-Rechner hochfahren. Nun, sagen wir, du kannst die Bootzeit um 10 Sekunden verkürzen. Multipliziert man das mit fünf Millionen Benutzern und das sind 50 Millionen Sekunden, jeden Tag. Über ein Jahr hinweg sind das wahrscheinlich Dutzende von Leben. Wenn Du den Mac also zehn Sekunden schneller starten lassen kannst, hast Du ein Dutzend Leben gerettet. Das ist es wirklich wert, findest du nicht auch?“
Kenyon machte sich noch einmal an die Arbeit und verkürzte den Bootvorgang um weitere drei Sekunden. So löste das „Macintosh-Team“ ein Problem nach dem anderen.
Apple bot den ersten Macintosh 1984 zum Preis von 2495 US-Dollar an – inflationsbereinigt entspricht das heute (Januar 2024) mehr als 7500 US-Dollar. Der Mac war der erste Rechner mit einer grafischen Desktop-Oberfläche, den sich auch Privatanwender leisten konnten. Statt des schwachen 6809 haben die Entwickler den Motorola 68000 verbaut, der mit 8 MHz getaktet war und auf 128 Kilobyte Arbeitsspeicher zugreifen konnte. Der Prozessor trug seinen Namen, weil er aus 68 000 Transistoren bestand. Zum Vergleich: Apples A16-Chip, der im iPhone 15 steckt, besteht aus 16 Milliarden Transistoren.
Ein 3,5-Zoll-Floppylaufwerk von Sony mit 400 Kilobyte Speicherplatz und ein kleiner 9-Zoll-Bildschirm vervollständigten den Macintosh. Wie der Vorgänger Lisa war auch er mit einer grafischen Bedienoberfläche und einer Maus ausgestattet, sodass die Anwender sich nicht mit Kommandozeileneingaben herumquälen mussten. „Für die User war die Bedienung des Macintosh revolutionär: Mit einer Maus den Cursor/Zeiger bedienen, Menüfenster verschieben und Menüleisten anklicken. Ein Computer, der intuitiv bedienbar war, das gab es bisher noch nicht. Plug and Play: Einschalten und loslegen war die Devise“, sagt Michael Mikolajczak, Kurator im Heinz Nixdorf MuseumsForum und Experte für die Geschichte der Personal Computer..
Steve Jobs und Apple-CEO John Sculley haben lange über den Verkaufspreis des ersten Apple Macintosh gestritten. Marketing-Mann Sculley wollte die Markteinführung durch eine große Marketing-Kampagne begleiten. Und diese Kosten sollten seiner Ansicht nach auf den Verkaufspreis umgeschlagen werden, wodurch sich der erste Mac um 500 Dollar verteuerte.
Jobs leistete wütenden Widerstand. „Das zerstört alles, wofür wir stehen«, sagte er. »Ich will hier eine Revolution machen, nicht Profit um jeden Preis!“ Sculley stellte ihn vor die Wahl – entweder ein Verkaufspreis von 1995 Dollar oder die große Werbekampagne, aber nicht beides. „Es wird euch nicht gefallen«, erzählte er Hertzfeld und den anderen Ingenieuren, „aber Sculley besteht darauf, dass wir für den Mac 2495 Dollar nehmen anstatt 1995«. Die Ingenieure waren entsetzt. Andy Hertzfeld erklärte, sie hätten den Mac für Leute wie ihresgleichen entwickelt und ihn derart zu verteuern, sei ein „Verrat“ an ihren Grundsätzen. Also versprach ihnen Jobs: „Keine Sorge, er kommt damit nicht durch, dafür sorge ich!“ Aber am Ende siegte Sculley doch. Der Mac kostete mehr als Jobs es wollte.
Der Apple Macintosh stieß bei vielen Enthusiasten auf Begeisterung, als er endlich erhältlich war. Doch nach der anfänglichen Euphorie sanken die Verkaufszahlen drastisch in der zweiten Jahreshälfte 1984. Isaacson, der Biograf von Steve Jobs, erklärt, dass dahinter ein ernsthaftes Problem steckte. Der Macintosh war zwar ein beeindruckendes Gerät, aber gleichzeitig langsam und leistungsschwach. Selbst die ansprechende Benutzeroberfläche konnte darüber nicht hinwegtäuschen. Sie wirkte wie ein fröhliches Spielzimmer im Gegensatz zu den tristen, dunklen Bildschirmen mit giftgrünen blinkenden Zeichen und nüchternen Befehlszeilen.
Die grafische Bedienoberfläche war jedoch das größte Manko des ersten Macs. Ein einzelnes Zeichen in einem textbasierten System benötigte weniger als ein Byte im Code, während der Macintosh 20- bis 30-mal mehr Speicherplatz benötigte, um einen Buchstaben pixelgenau in verschiedenen eleganten Schriftarten darzustellen. Beim Apple Lisa spielte dies keine große Rolle, da er mit über 1000 KByte RAM ausgestattet war. Der Macintosh hingegen musste mit nur 128 KByte auskommen.
Ein weiteres Problem war das Fehlen einer internen Festplatte. Als Joanna Hoffman aus dem Mac-Team sich für dieses Speichermedium einsetzte, bezeichnete Jobs sie als „Xerox-Fanatikerin“. Stattdessen verfügte der Macintosh nur über ein Diskettenlaufwerk. Das ständige Wechseln der Disketten führte zu einer Art Tennisarm, wenn man Daten kopieren wollte. Zudem hatte der Macintosh keinen Ventilator, da Steve Jobs dies nicht wollte. Er fand, dass Lüfter die Stille eines Computers stören. Dies führte jedoch häufig zu Ausfällen von Bauteilen und verlieh dem Macintosh den Spitznamen „der beige Toaster“.
Dazu kam die Herausforderung, dass für den Mac noch kein breites Software-Angebot verfügbar war. In einem TV-Interview erinnerte sich der damalige Apple-Chef John Sculley später: „Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.“
„Der Mac konnte einfach nicht viel“
Der mit 128 Kilobyte viel zu eng bemessene Hauptspeicher machte diese Aufgabe aber nicht einfach. Erst als ein Jahr später der „Fat Mac“ mit 512 Kilobyte DRAM auf den Markt kam, war der Flaschenhals beseitigt. Er war der erste Macintosh, mit dem man vernünftig arbeiten konnte.
Steve Jobs sah andere Ursachen für den schleppenden Absatz. In einem Interview sagte er: „Ende 1984 geriet die Branche in eine Rezession. Die Verkäufe begannen ernsthaft zu schrumpfen. Und John (Sculley) wusste nicht, was er tun sollte. Er hatte keinen blassen Schimmer.“ An der Spitze von Apple habe es ein Führungsvakuum gegeben. Dadurch hätten sich die Abstimmungsprobleme zwischen den verschiedenen Abteilungen verschärft. „Es gab keine Führung“.
Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat sich im dem Streit zwischen Jobs und Sculley später auf die Seite des ehemaligen PepsiCo-Managers geschlagen. „Als Steve den Macintosh vorstellte, war er noch jung, wollte zu schnell vorankommen und war nicht in der Lage, ein wirklich gutes, erfolgreiches Produkt zu entwickeln“, sagte „Woz“ in einem Interview mit dem Silicon-Valley-Portal „The Verge“ im Juli 2013. „Der Macintosh hätte ein ganz anderes Produkt sein sollen, kein mausgesteuerter GUI-Rechner, wie er es war, und mit dem Lisa hätte er einfach fünf Jahre warten sollen, dann wäre er fertig gewesen.“
HNF-Experte Michael Mikolajczak sieht vor allem im Preis den Grund dafür, sich in dieser Phase IBM-kompatible PCs gegen den Mac durchgesetzt haben: „Diese Rechner waren wesentlich günstiger als Apple-Produkte. Außerdem war IBM ein Weltunternehmen und dementsprechend wurden die Produkte als seriös betrachtet. Als IBM 1981 ihren ersten PC präsentierten, übernahmen sie direkt die Marktmacht und drängten die «Hippiefirma» Apple zurück. Viele Unternehmen folgten dem technischen Design des IBM-Rechners. Diese setzten sich nach und nach als Standard durch. Die «Bürowelt» war äußerst zufrieden mit IBM- oder IBM kompatiblen Computern und ihren Programmen wie Word und Word Perfect.“
Der Mac ohne Steve Jobs
Steve Jobs, der im Sommer 1985 im Streit um die Ursachen der Absatzkrise von Sculley und dem Apple-Vorstand aus dem Unternehmen gedrängt worden war, musste die ersten kleinen Erfolge des Macintosh am Markt von außen beobachten, obwohl er selbst die Schritte zum Überleben des Macs noch eingeleitet hatte. Der Apple-Mitbegründer hatte dafür gesorgt, dass sein Unterhemen 1985 in das damals noch wenig bekannte Startup Adobe investierte. „Die Leute dort wollten eigentlich ein Hardware-Unternehmen werden“, sagte Jobs elf Jahre später in einem Interview. „Sie wollten Drucker und das ganze Zeug herstellen.“ Er habe aber Adobe-Gründer John Warnock überreden können, ein Softwareunternehmen zu werden. „Innerhalb von zwei oder drei Wochen haben wir dann unser internes Projekt abgebrochen“, erinnerte sich Jobs. „Ein paar Leute wollten mich deswegen umbringen, aber wir haben es geschafft.“
Aus der Kooperation entstand der erste LaserWriter. Der Laserdrucker-Controller wurde bei Apple entwickelt, die Postscript-Software kam von Adobe, die eigentliche Drucker-Einheit von Canon. „Niemand bei Apple wollte ihn haben, außer ein paar von uns in der Mac-Gruppe“, sagte Jobs. „Alle dachten, ein Drucker für 7000 Dollar sei verrückt. Was sie nicht verstanden, war, dass man ihn mit dem Netzwerk AppleTalk gemeinsam nutzen konnte.“
Als Steve Jobs Apple verließ, war das Unternehmen der umsatzstärkste Druckerhersteller der Welt. Die Ära des Desktop-Publishings begann. Softwarefirmen wie Aldus schrieben erste Programme wie PageMaker für die Erfolgskombination Macintosh und LaserWriter. Dieser Trend verstärkte sich, als Anfang 1986 der Macintosh Plus mit 128 Kilobyte ROM auf den Markt kam. Die Speicherchips waren nun nicht mehr fest auf der Platine verlötet, sondern gesockelt. So konnte man das Gerät auf bis zu vier Megabyte RAM aufrüsten.
1986: Der Macintosh Plus begründete zusammen mit dem LaserWriter die erste Generation des Desktop-Publishing (DTP). (Bild: By Rama. – Own work, CC BY-SA 2.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2734819
Der Mac Plus hatte sogar Cursor-Tasten, die Steve Jobs beim ersten Mac noch entschieden abgelehnt hatte. Er wollte die Anwender zwingen, die Maus als Eingabeinstrument zu akzeptieren.
Teures Performance-Wunder Macintosh II
Mit dem Macintosh II brachte Apple 1987 den ersten Mac auf den Markt, der modular aufgebaut war. Für 5200 Dollar erhielten die Kunden ein System mit einer 20 Megabyte großen Festplatte, sechs NuBus-Slots und SCSI. Mithilfe der von Texas Instruments entwickelten NuBus-Technik ließ sich der Mac II intern und über SCSI auch extern erweitern. An einen Port konnten die Besitzer bis zu sieben externe SCSI-Geräte – etwa eine Festplatte oder ein CD-ROM-Laufwerk – anschließen. Angetrieben wurde der Mac II von einem 68020-Prozessor, der mit 16 MHz getaktet war. Grafiker und DTP-Spezialisten jubelten über den Performance-Gewinn. Ein komplett ausgebautes System mit Farbgrafikkarte, Speichererweiterungen und sonstigem Zubehör verschlang bis zu 10 000 Dollar.
Parallel zum großen Mac II veröffentlichte Apple im März 1987 den Macintosh SE, den ersten kompakten Mac mit einer eingebauten Festplatte (20 Megabyte). Der vorhandene Erweiterungsslot ließ sich nicht von den Anwendern, sondern nur von Servicetechnikern bestücken, weil man sich an der Bildschirmröhre leicht einen Hochspannungsschlag holen konnte. Der Mac SE diente einer ganzen Generation von Grafikern und Publishern als solides Arbeitspferd.
Weitaus exklusiver als der SE war der Macintosh IIfx, der im Frühjahr 1990 mit System 6.0.5 in die Läden kam – mit einem Preisschild von 9870 Dollar. In dem Rechner steckte der Motorola-Prozessor 68030, der von dem mathematischen Coprozessor Motorola 68882 unterstützt wurde. Dieses hochgezüchtete Rennpferd, das mit 40 MHz getaktet war, blieb aber für viele unerschwinglich.
Die Erfolgsgeschichte von Apple wird vor allem Steve Jobs zugeschrieben. Er hatte die Vision, wie Computer das Leben der Menschheit verändern kann – und nicht nur für ein paar Nerds im Silicon Valley. Sein technischer Sachverstand war aber begrenzt. Ohne seinen genialen Freund Steve Wozinak hätte es die ersten beiden Computer von Apple, den Apple I und den Apple II, nicht gegeben.
Steve Wozinak kann sich fast auf den Tag genau erinnern, wann für ihn die neue Ära begann: „Es passierte im März 1975 beim allerersten Treffen einer merkwürdigen, schrulligen Truppe von Leuten, die sich Homebrew Computer Club nannte.“ Die Teilnehmer der Runde träumten alle davon, dass Computertechnologie für die Allgemeinheit erreichbar sein sollte. Menschen sollten es sich leisten können, einen eigenen Computer zu besitzen und damit zu arbeiten oder zu spielen.
Homebrew Computer Club
Zu dieser Zeit gab es noch keine Personal Computer. Über die großen Rechenanlagen von IBM oder Digital Equipment- die damals noch schrankhohe und unbezahlbare Technikmonster waren, verfügten nur Unternehmen, Universitäten und das Militär. Im Homebrew Computer Club im kalifornischen Menlo Park redeten sich die Hobbybastler und Elektronikenthusiasten aber die Köpfe heiß, wie man Computer für die Menschen erschwinglich machen kann.
Wozniak, der am 11. August 1950 in Sunnyvale, Kalifornien, geboren wurde, wuchs mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug auf. Sein Vater war Ingenieur bei der Luftfahrt- und Rüstungsfirma Lockheed. Auch als Teenager lötete „Woz“, wie er von allen Freunden genannt wurde, gerne an Schaltkreisen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese mysteriösen, unzugänglichen Maschinen zu gelangen, die von einigen Firmen verwendet werden: Computer.
Wozniak war besessen von diesen Geräten und ihrer Funktionsweise. Eines Tages erzählte das junge Wunderkind seinem Vater, dass er in Zukunft gerne einen Computer zu Hause haben würde. Als sein Vater ihm sagte, dass der Computer wahrscheinlich genauso viel kosten würde wie das Haus, antwortete Steve kurz: „In diesem Fall ziehe ich in eine Mietwohnung.“
Auf der High School lernte Steve Wozniak den fast fünf Jahre jüngeren Steve Jobs über einen gemeinsamen Freund, Bill Fernandez, kennen, der seine Begeisterung für Computer teilte. Woz war vier Klassen über Jobs. Aber trotz des Altersunterschieds fanden sie schnell gemeinsame Interessen – von den „elektronischen Sachen“ bis hin zum Spaß an ulkigen Scherzen („Pranks“). Die Freundschaft riss auch nicht ab, als Woz bereits aufs College ging und Steve Jobs immer noch in der High School war.
„Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich“, sagte Jobs einmal. Wozniak brachte ihm auch die Songs von Bob Dylan nahe, gemeinsam jagten sie Live-Mitschnitten seiner Auftritte nach. Und sie verabschiedeten eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später seinem Biografen Walter Isaacson.
Steve Jobs und Steve Wozniak als Telefon-Hacker
Das erste technische Projekt, das Jobs und Wozniak gemeinsam umsetzten, war eigentlich kriminell. Die beiden Freunde hatten im Magazin Esquire einen Artikel gelesen, in dem beschrieben wurde, wie „Phone Pheaks“ das Telefonsystem der USA so manipulierten, dass sie kostenlos Telefonate führen konnten. In dem Artikel stand, dass alle Steuer-Frequenzen für das Netz von AT&T in einem öffentlich zugänglichen Handbuch aufgeführt waren. Während der Telekom-Riese sich daran machte, die Exemplare schleunigst aus den Bibliotheken zu entfernen, schlichen sich die Freunde an einem Sonntag in eine geschlossene Bücherei und sicherten sich die Informationen. Wozniak war der erste, dem es gelang, eine digitale „Blue Box“ zu bauen.
Steve Wozniak telefoniert mit einer „Blue Box“
Schon beim „Blue Box Hack“ zeichnete sich die Aufgaben-Aufteilung ab, die später auch bei Apple galt: Steve Jobs war der weitsichtige Geschäftsmann, Woz der geniale Tüftler – Jobs und Wozniak nutzten das Gerät zunächst nur zum Spaß, um selbst kostenlose Ferngespräche zu führen. Einmal riefen sie aus einer Telefonzelle den Vatikan an, Wozniak gab sich als US-Außenminister Henry Kissinger aus und verlangte, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchenoberhaupt wurden sie nicht durchgestellt – doch die Box funktionierte.
Die von Steve Wozniak konstruierte Blue Box
Jobs hatte die Idee, damit Geld zu verdienen. Die Teile kosteten rund 40 Dollar, Jobs setzte den Preis bei 150 Dollar an. Sie machten rund 100 Stück und wurden das meiste davon los.
Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer. Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.
Steve Jobs über die Blue Box
Nach den Worten von Steve Jobs hätte es Apple ohne die Erfahrungen mit der „Blue Box“ nicht gegeben. Schließlich habe man schon bewiesen, wie man mit einfachen Mitteln selbst große Konzerne austricksen kann.
Steve Wozniak war einer der Entwickler des HP-35, des weltweit ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechners (1972). Foto: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=146664
Im Januar 1973 trat Wozniak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schaltkreisen zu arbeiten, die für Rechenmaschinen und Taschenrechner verwendet wurden. Bei HP gehörte Wozniak zu dem Entwicklerteam des HP-35, des weltweit ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechners (1972).
Bei HP dominierten damals noch die Ingenieure das Geschehen – und in diesem Umfeld fühlte sich Wozniak glücklich. Allerdings verfolgte er in seiner Freizeit auch Technik-Projekte, die er bei HP nicht umsetzen konnte. Dazu gehörte auch das Programmieren von Computerspielen .
Mit einem von Steve Jobs vermittelten Gig für Atari sicherte sich Steve Wozniak einen Platz in der Geschichte der Computerspiele, denn in nur vier Tagen programmierte Woz die Spielelektronik für das legendäre Game „Breakout“. Bis heute ist nicht klar, ob Steve Jobs seinen Freund bei dem Job übers Ohr gehauen hat. Wozniak schreibt in seiner Autobiografie „iWoz“, er haben von Jobs die Hälfte der 700 Dollar erhalten, die Jobs nach eigenen Angaben dafür bekommen hatte. „Später erfuhr ich, dass er doch etwas mehr für die Arbeit bekommen hatte, als er mir damals gesagt hatte – etwa ein paar Tausend Dollar -, aber wir waren Kids, wissen Sie. Er bekam einen bestimmten Geldbetrag, und mir sagte er, er hätte einen anderen bekommen. Er war nicht ehrlich mit mir, und ich war verletzt. Aber ich machte daraus keine große Sache.“ Soweit Woz in seinem Buch.
In der autorisierten Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson schildert Steve Jobs die Episode ganz anders: „Ich habe ihm die Hälfte des Geldes gegeben, die ich bekommen habe“, sagte er Isaacson. Das sei immer so gewesen.
Geld und ökonomischer Erfolg spielte im Universum von Steve Wozniak eine untergeordnete Rolle: „Ich wollte immer nur Ingenieur sein“, sagte er. Das Design des ersten brauchbaren Personal Computer, des Apple I, wollte er ursprünglich für andere Computer-Bastler offenlegen. Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen und fertige Geräte zu verkaufen.
Der von Steve Wozniak entworfene Apple II Foto: Narnars0 – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32247697
Sein Meisterstück lieferte Wozniak mit dem Apple II ab. Der neue Rechner sollte kein Bastel-Projekt wie der Apple I sein, der ja noch ohne ein Gehäuse ausgeliefert wurde. Jobs ließ ein Plastikgehäuse entwerfen und kümmerte sich um entsprechende Produktionskapazitäten. Er sorgte auch dafür, dass die notwendigen Investitionsmittel zu Verfügung standen, indem er Investoren wie Mike Markkula und Arthur Rock mit ins Boot holte.
Woz war fest entschlossen, den Apple II zu bauen, musste zuvor aber noch sein Verhältnis zu seinem geliebten Arbeitgeber HP klären. Apple-Investor Markkula konnte sich nämlich nicht vorstellen, dass Wozniak den neuen Rechner nur in seiner Freizeit entwickeln kann. „Du musst HP verlassen“, lautete seine Ansage an Woz. Nach einigen Hin und her entschied sich Wozniak dann doch, HP den Rücken zu kehren.
Steve Wozniak und Steve Jobs (1977) – Foto: Handout Apple
Der Apple II sollte einfach in der Bedienung und kostengünstig in der Herstellung sein. Woz verwendete dafür einfachste massengefertigte Logikchips statt teurer Spezialchips. Beim Design der Platine erwies sich Woz als Genie, denn ihm gelang, viele Chips einzusparen. Der Apple II konnte Farben und Grafiken darstellen, zudem war er mit seinen acht Steckplätzen einfach und vielseitig erweiterbar. 1978 entwarf Wozniak die gesamte Elektronik für ein Diskettenlaufwerk. Die Mechanik wurde extern zugekauft. Zusammen mit Randy Wigginton schrieb er das Betriebssystem Apple DOS.
Zusätzlich zum Hardwareentwurf programmierte Wozniak die meiste Software, die auf den frühen Apple-Computern lief. Sein sehr eigenwilliger Programmierstil sorgte für ungewöhnlich schnelle und speicherplatzsparende Programme, machte aber zugleich die Wartung durch andere Programmierer fast unmöglich.
Die Tabellenkalkulation Visicalc verhalt dem Apple II im Businessmarkt zum Durchbruch
Der Apple II erwies sich für Apple als riesiger kommerzieller Erfolg. Diese Rechner war nicht nur für Hobbyisten gedacht, sondern richtete sich auch an Geschäftsleute, die mit der von Dan Bricklin und Bob Frankston entwickelten Tabellenkalkulationssoftware Visicalc ungeheuere Produktivitätsgewinne realisieren konnten. Der Apple II sorgte dafür, dass Apple Computer zu einer weltweit bekannten Marke wurde. Der Börsengang von Apple im Jahr 1980 machte Wozniak und Jobs zu Millionären.
Die Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Steve Wozniak dauerte aber nicht mehr lange: Im Februar 1981 verunglückte Hobby-Pilot Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Auch seine Verlobte war an Bord. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen. Nach diesem Erlebnis nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organisierte zwei Festivals mit Musik und Technologie. 1983 kehrte er noch einmal zurück – nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden. An der Entwicklung des Apple Macintosh war Woz schon nicht mehr beteiligt. Und auch die dramatische Geschichte vom Rauswurf von Steve Jobs im Jahr 1985 und seiner Rückkehr im Jahr 1999 bekam Woz nur noch als externer Beobachter mit, obwohl er formal bis heute ein Angestellter von Apple ist und auch ein symbolisches Gehalt bezieht.
Seitdem jettet Wozniak als Legende aus den Anfangszeiten der PC-Branche durch wie Welt für Auftritte, wie zum Beispiel 2014 auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Er spendete viel, tanzte eher ungelenk durch die TV-Show „Dancing with the Stars“ im US-Fernsehen und tauchte als er selbst in der Serie „Big Bang Theory“ auf. Ins aktive Tech-Geschäft kehrte Wozniak noch einmal 2009 als Chef-Wissenschaftler der Speicherfirma Fusion-io zurück, die dann aber vom Konkurrenten SanDisk übernommen wurde.
Steve Wozniak spricht am 12.09.2017 in Cupertino zur Vorstellung des neuen iPhone X mit Journalisten. Foto: Christoph Dernbach
Woz ist auch immer wieder auf wichtigen Produktvorstellungen von Apple als Ehrengast zu sehen, obwohl er auch immer wieder kritisch auf Produktentwicklungen bei Apple reagiert oder Produkte der Konkurrenz lobt.
Auf einer seiner Vortragsreisen wurde Wozniak am 9. November 2023 in Mexiko-Stadt wegen eines „kleinen, aber echten Schlaganfalls“ ins Krankenhaus eingeliefert. Er sollte dort auf einer Wirtschaftskonferenz sprechen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus sagte er laut ABC News, dass er „nach Hause fliegt“.
Der 73-jährige Wozniak erzählte ABC, dass er am Morgen an seinem Computer saß, als er Schwindelgefühle bekam. Er sollte auf dem World Business Forum in Mexiko-Stadt sprechen, einer zweitägigen Veranstaltung, die als wichtigstes Management-Event der Welt angekündigt war. Andere angekündigte Redner waren Carly Fiorina, die ehemalige CEO von Hewlett-Packard, und Muhammad Yunus, ein Pionier der Mikrofinanzierung, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Wozniak war als Abschlussredner der Konferenz am 10.11.23 vorgesehen.
Vom Labor auf den Schreibtisch (Aktualisiert Dezember 2018)
Maus-Entwurf aus Holz von Doug Engelbart
Mit dem Apple Macintosh wurde auch die erste Computermaus entwickelt, die in Massen produziert werden konnte. Der Designentscheidung gingen heftig geführte Kontroversen voraus.
Wo wurde die Computermaus erfunden? Bei Apple? Nein. Im Forschungszentrum Xerox PARC? Stimmt auch nicht, auch wenn dies häufig behauptet wird. Den Ruhm als Erfinder der Computermaus kann der legendäre kalifornische Wissenschaftler und Tüftler Dr. Douglas C. Engelbart für sich beanspruchen. In den 60er Jahren beschäftigte sich der ehemalige Navy-Radartechniker am Stanford Research Institute (SRI) in Menlo Park mit dem Entwurf eines Gerätes, das die physische Interaktion zwischen einem Menschen und einem Röhrenbildschirm erlaubt.
1962 veröffentlichte Engelbart ein Papier unter dem Titel „Augmenting the Human Intellect: A conceptual framework“ (Erweiterung des menschlichen Intellekts: Ein Grundkonzept). In diesem Paper bezeichnet er dieses Gerät als „Zeiger“.
Bill English, Chefingenieur von Engelbarts Augmentation Research Center (ARC) am SRI, baute dann 1964 den ersten Maus-Prototyp. Diese Originalmaus, die in einem Holzgehäuse untergebracht war, enthielt ein Rad, das die Bewegung des Gerätes in Cursorbewegungen auf dem Bildschirm umsetzte.
Angesichts der einzelnen roten Taste oben auf dem Gerät und dem an der Rückseite herausführendem Kabel fand ein Mitarbeiter in Engelbarts Labor, dass das Gerät das Aussehen einer Maus habe. Der Name blieb hängen. Am 21. Juni 1967 reichte Engelbart eine Patentanmeldung für einen „X-Y-Positionszeiger für ein Bildschirmsystem“ ein.
Eine Replika der ersten Computermaus von Douglas C. Engelbart im Computermuseum in Mountain View (Kalifornien). Foto: Christoph Dernbach
In einer legendären Demo hat die Maus am 9. Dezember 1968 ihren ersten öffentlichen Auftritt. In der oft als »Mutter aller Demos« bezeichneten Veranstaltung lieferten Engelbart und 17 seiner SRI-Forschungskollegen eine 90-minütige Live-Präsentation auf der „Fall Joint Conference“ in San Francisco.
Mutter aller Demos durch Dough Engelbart (1968)
Das Team zeigte auch Hypertext, Objektadressierung, dynamische Datenverknüpfungen und die Zusammenarbeit zweier Anwender am Bildschirm, die per Audio und Video über ein Netzwerk miteinander kommunizieren. Diese Demo ist auch deswegen so berühmt, weil die Videoaufzeichnung noch heute verfügbar ist:
Die legendäre Demo der ersten Computermaus von Douglas Engelbart aus dem Jahr 1968
Im Rahmen dieses akademischen Projekts führte Engelbart der Forschungsgemeinde 1968 in San Francisco erstmals den Einsatz einer Maus vor, die auf einem Bildschirm einen schwarzen Punkt bewegte. “In unserer Vision gingen wir davon aus, dass die Menschen zur Lösung von Problemen computergestützte Arbeitsstationen einsetzen werden. Diese Stationen setzten voraus, dass man mit Hilfe eines Geräts einen Cursor und damit die Informationen auf dem Bildschirm ansteuern konnte. Wir probierten (im Auftrag der NASA) verschiedene Geräte aus, darunter einen Lichtgriffel und auch Joysticks”, sagte Engelbart 30 Jahre später in einem Interview. “Es stellte sich schnell heraus, dass die Maus besser als alle anderen Geräte funktionierte.”
Die Rollkugel-Steuerung RKS 100-86 von Telefunken. Die Rollkugel-Steuerung diente dazu, einen Zeiger auf dem Bildschirm eines Großrechners in der Flugsicherung zu steuern. Foto: Computermuseum der Fakultät Informatik, Universität Stuttgart
Fast in Vergessenheit geraten ist, dass in dieser Zeit auch in Deutschland an dem Konzept einer Computermaus gearbeitet wurde. Für die Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) in Frankfurt entwickelte eine Abteilung des Elektro-Pioniers Telefunken in Konstanz ein System, in dem ein Zeiger benötigt wurde. Eine „Rollkugelsteuerung“ sollte den Fluglotsen ermöglichen, auf einem großen Radar-Bildschirm Darstellungen von Flugzeugpositionen zu markieren. Einige Wochen vor der Demo in San Francisco stellte Telefunken sein Konzept vor.
Engelbart hatte die Idee also nicht allein. Doch im Gegensatz zu den Deutschen ließ sich sein Arbeitgeber SRI die Erfindung 1970 als «X-Y-Positionsanzeigesteuerung für die Bewegung per Hand über eine beliebige Oberfläche zur Verschiebung eines Positionsanzeigers auf dem Bildschirm» unter der Nummer 3,541,541 als Patent eintragen.
Telefunken hatte damals zwar auch versucht, sich die Entwicklung der Rollkugelsteuerung mit einem Patent schützen zu lassen, scheiterte damals allerdings an der Ignoranz des Deutschen Patentamtes: „Wir wollten unsere Erfindung tatsächlich anmelden und haben dies auch versucht“, erinnerte sich Telefunken-Entwickler Rainer Mallebrein in einem Interview. „Das Patentamt meldete uns damals jedoch zurück, dass – so hieß es damals wörtlich – die Erfindungshöhe zu gering sei. Gemeint ist damit, dass der technische Fortschritt, nur bezogen auf die Mechanik, nicht groß genug war.“
Das Originalpatent für die erste Computermaus, ausgestellt am 17.11.1970 Foto: US-Patentamt
Einen Erfolg im Massenmarkt konnten damals aber weder Telefunken noch das Team in Kalifornien feiern. Engelbarts Auftraggeber Nasa konnte mit der ersten Maus nicht viel anfangen, auch weil bald deutlich wurde, dass seine Maus in der Schwerelosigkeit nicht angewandt werden konnte. Und Telefunken baute die „Rollkugelsteuerung“ zwar in seinen Großrechner TR440 ein, doch diese Computerschränke bekam kaum jemand zu Gesicht. Die Großrechner kosteten bis zu 15 Millionen D-Mark und wurden in geringen Stückzahlen von der Bundesanstalt für Flugsicherung und anderen Behörden verwendet.
Die Maus des Xerox Alto im Computer Museum in Mountain View. Foto Christoph Dernbach
Es dauerte dann fast weitere zehn Jahre, bis sich im Silicon Valley wieder ein Forschungsteam ernsthaft mit der Maus als Bestandteil einer grafisch orientierten Benutzeroberfläche eines Computers beschäftigte. Die Forscher des Xerox PARC schlossen an ihren Computer Alto eine Maus an, mit der man Befehle auf dem Rechner ausführen, Texte markieren und Dateien öffnen konnte. Diese Xerox-Maus bekam Steve Jobs im November 1979 (siehe auch hier) zu Gesicht.
Im Gegensatz zur oft erzählten Legende hat sich der Apple-Gründer nicht einfach bei den Ideen bedient, die im Xerox Parc entwickelt wurden. Den beiden Besuchen gingen Verhandlungen mit der Xerox-Zentrale an der Ostküste voraus. Xerox ließ sich den Einblick in die Forschungsarbeit im Parc teuer bezahlen und durfte sich noch vor dem Börsengang von Apple zum Vorzugspreis bei den Unternehmensanteilen bedienen.
Jobs war von dem Konzept begeistert, sah aber auch die Probleme im Detail. Die Xerox-Maus kostete in der Herstellung allein 400 Dollar, fiel durchschnittlich nach einer Woche aus und konnte nur von Fachleuten repariert werden. “Steve Jobs kam zu uns und sagte: ‘Ich will eine Maus für 10 Dollar, die niemals ausfällt und die in Massen produziert kann, weil die Maus das wichtigste Interface des Computers der Zukunft werden wird”, erinnert sich Jim Sachs, der bei einer externen Firma die Apple-Maus entwarf, der damals zunächst am Verstand des Vegetariers Jobs gezweifelt hatte, denn ein Maus als wichtigstes Eingabeinstrument eines Computers war eigentlich unvorstellbar. “Wir dachten zunächst, vielleicht sollte er seine Ernährungsweise doch mit etwas Fleisch anreichern. Aber solange er uns 25 Dollar die Stunde bezahlte, hätten wir ihm auch einen solarbetriebenen Toaster gebaut.”
Die Entwickler bei Hovey-Kelley ersetzten die elektrischen Bürstenkontakte der Xerox-Maus durch optomechanische Kontakte, die über mit Federn angedrückte Rollen die Bewegung der Mauskugel registrieren. An den Rollen befestigten sie Lochscheiben, die bei einer Bewegung Lichtwechsel auslösen. Diese Wechsel werden von Photozellen erfasst und in entsprechende elektrische Signale umgewandelt. Die Entwickler probierten für die ersten Modelle jede denkbare Kugelvariante aus. Ein Team-Mitglied ging in den nächsten Supermarkt und beschaffte sich Deo-Roller, um die Kugeln in die Maus-Prototypen einzubauen. Letztlich entschieden sich die Verantwortlichen für eine aufgeraute Stahlkugel, die in die Maus des Apple Lisa eingebaut wurde.
Apple wurde am 1. April 1976 von Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gegründet. Sie stammten aus kleinen Verhältnissen und bekamen den geschäftlichen Erfolg nicht in den Schoß gelegt. Um die ersten Modelle des Apple I im Jahr 1976 zu ermöglichen, verkauften Steve Jobs und Steve Wozniak fast buchstäblich ihr letztes Hemd. Jobs setzte seinen VW Bus ein, für den er immerhin noch 1.500 Dollar bekam. „Woz“ trennte sich von seinem geliebten programmierbaren Taschenrechner Hewlett-Packard 65 und legte 250 Dollar in die Firmenkasse.
Ronald Wayne sollte mit seiner Erfahrung in der Dokumentation bei Atari etwas Ordnung in die junge Firma bringen und erhielt zehn Prozent der Firmenanteile. Als junger Familienvater scheute er aber das finanzielle Risiko und ließ sich bereits am 12. April 1976 wieder auszahlen. Er bekam 800 Dollar für seine Anteile.
Arte-Kurz-Doku über den „Dritten Mann“ bei der Gründung von Apple
Das Fundament für den geschäftlichen Erfolg legten 1977 der Venture Capitalist Arthur Rock sowie der Ex-Intel-Manager Mike Markkula, der 92.000 Dollar in Apple investierte und einen Bankkredit in Höhe von 250.000 Dollar absicherte. Das Investment sollte sich lohnen. Bevor Apple 1980 an die Börse ging, gehörte Markkula ein Drittel der Firma. Wayne erhielt noch einmal einen Scheck in Höhe von 1500 Dollar, als Arthur Rock und Mike Markkula bei Apple als Investoren einstiegen. Die Gründung der Apple Computer Inc. ging am 3. Januar 1977 ohne Wayne über die Bühne.
Steve Jobs und Steve Wozniak bei der Präsentation des Apple II (1977)
Mit dem Börsengang am 12. Dezember 1980 wurden Jobs und Wozniak Multimillionäre, denn Apple Computer wurde nun mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Jobs besaß 7,5 Millionen Aktien (217 Mio. Dollar), „Woz“ wurden vier Millionen Aktien (116 Mio. Dollar) zugeteilt. Markkulas Anteil von sieben Millionen Aktien waren 203 Millionen schwer.
Steve Jobs über Reichtum: „Ich habe es nie für das Geld getan“
Steve Jobs bedeutete der neue Reichtum damals wenig: „Mit 23 Jahren besaß ich schon über eine Million Dollar und über zehn Millionen Dollar als ich 24 war und über 100 Millionen Dollar als ich 25 Jahre alt war“, sagte Jobs 1996 in einem Interview mit Robert Cringley („Triumph of the Nerds„). „Und es war nicht so wichtig, weil ich es niemals wegen des Geldes getan habe.“
I was worth about over a million dollars when I was twenty-three and over ten million dollars when I was twenty-four, and over a hundred million dollars when I was twenty-five and ehm it wasn’t that important ehm because I never did it for the money.
Steve Jobs im Playboy-Interview
Auch im berühmten Playboy-Interview (Februar 1985) machte Jobs klar, dass er sein Leben nicht von Thema Geld dominieren lässt:
PLAYBOY: We survived 1984, and computers did not take over the world, though some people might find that hard to believe. If there’s any one individual who can be either blamed or praised for the proliferation of computers, you, the 29-year-old father of the computer revolution, are the prime contender. It has also made you wealthy beyond dreams—your stock was worth almost a half billion dollars at one point, wasn’t it?
JOBS: I actually lost $250,000,000 in one year when the stock went down. [Laughs]
PLAYBOY: You can laugh about it?
JOBS: I’m not going to let it ruin my life. Isn’t it kind of funny? You know, my main reaction to this money thing is that it’s humorous, all the attention to it, because it’s hardly the most insightful or valuable thing that’s happened to me in the past ten years. But it makes me feel old, sometimes, when I speak at a campus and I find that what students are most in awe of is the fact that I’m a millionaire. When I went to school, it was right after the Sixties and before this general wave of practical purposefulness had set in. Now students aren’t even thinking in idealistic terms, or at least nowhere near as much. They certainly are not letting any of the philosophical issues of the day take up too much of their time as they study their business majors. The idealistic wind of the Sixties was still at our backs, though, and most of the people I know who are my age have that ingrained in them forever.
In der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner (2008) lag Steve Jobs mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 5,4 Milliarden Dollar auf Platz 189. In der Forbes-Liste 2011 landete Jobs mit einem Vermögen von 8,3 Milliarden Dollar auf Platz 110.
Der Pixar-Deal: Wie Jobs wirklich zum Milliardär wurde
Die umstrittenen Aktienoptionen von Apple aus dem Jahr 2001 haben aber nur in einem sehr kleinen Umfang zum Wohlstand des Apple-CEO beigetragen.
Steve Jobs: Eigentümer von Pixar
Zum Milliardär wurde Steve Jobs vor allem deshalb, weil er nach seinem Rauswurf bei Apple 1985 seine Aktien – bis auf eine – verkaufte und am 3. Februar 1986 fünf Millionen Dollar in die Trickfilm-Abteilung von George Lucas investierte, aus der dann Pixar wurde.
Jobs steckte die kommenden Jahre weitere Millionen in Pixar, denn der Trickfilm-Spezialist hatte eine lange Durststrecke zu überwinden. Die Hartnäckigkeit von Jobs hat sich für ihn gelohnt: Mit dem Börsengang von Pixar 1995 wurde Jobs zum Milliardär. Und als Pixar 2006 von Disney übernommen wurde, erhielt Jobs für seinen 49-Prozent-Anteil an Pixar einen Anteil von 6,7 Prozent an Disney.
Die Rückkehr von Steve Jobs zu Apple Computer (MacWorld Expo 1997 in Boston)
Bei Apple erhielt Jobs zuletzt ein Jahresgehalt von einem Dollar pro Jahr, das zwischendurch durch edle Geschenke wie einen Gulfstream-Jet im Wert von 90 Millionen Dollar aufgestockt wurde.
Steve Jobs hatte beim Verkauf seines Animationsstudios Pixar an Disney Aktien im Wert von 7,4 Milliarden Dollar bekommen. Das machte ihn zum größten Anteilseigner des weltgrößten Unterhaltungskonzerns und sicherte ihm einen Platz im Disney-Verwaltungsrat. Disney war seitdem der wichtigste Verbündete von Apple in der Medienbranche.
Laurene Powell Jobs (2012) Foto: Gobierno de Chile, CC BY 3.0 cl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22661348
Am 5. Oktober 2011 starb der Apple-Mitbegründer. Sein milliardenschwerer Disney-Anteil wurde von seiner Witwe Laurene Powell Jobs in eine Stiftung eingebracht.
Laurene Powell Jobs war Ende 2016 im Besitz von 64,3 Millionen Disney-Aktien, was damals einer 4-prozentigen Beteiligung an der Walt Disney Co entsprach. Das war etwa die Hälfte der 128,3 Millionen Aktien, die Powell Jobs Ende 2015 besaß.
Powell Jobs hat seit 2016 ihre Anteile an Disney weiter verringert, so dass sie jetzt in der öffentlichen Liste der Top-10-Investoren nicht mehr auftaucht. Forbes schätzte das Vermögen von Lauren Powell Jobs und ihrer Familie im Februar 2019 auf 18,7 Milliarden Dollar.
Steve Wozniak: Der Erfinder des PCs war kein Finanzgenie
Steve Wozniak hatte im Umgang mit dem Geld weniger Glück als Steve Jobs. Um sich ein Haus und ein Auto im Wert von zwei Millionen Dollar zu finanzieren, gab Woz noch vor dem Börsengang viele Gründeraktien aus der Hand, die mit dem IPO einen viel höheren Wert hatten. Von dem „WozPlan“ profitierten 80 Apple-Mitarbeiter der ersten Stunde, die beim Optionsprogramm der Firma zunächst leer ausgegangen waren.
iWoz Cover
Als Wozniak seine Arbeit bei Apple im April 1981 aufgab, gehörte ihm noch vier Prozent der Apple-Aktien, die damals 70 Millionen Dollar wert waren. Eine Reihe von Fehlinvestments, zwei Scheidungen ließen Wozniaks Vermögen schnell schrumpfen. Er dürfte aber immer noch ein Millionär sein. Woz bezieht nach eigenen Angaben noch bis heute einen kleinen Paycheck von Apple, der er immer noch als „Employee“ geführt werde.
Wheel of Zeus, das jüngste Unternehmen von Wozniak, mit dem er ein GPS-Ortungssystem für Hunde entwickeln und vermarkten wollte, scheint auch nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Die ehemalige Firmen-Webadresse www.woz.com leitet inzwischen auf Wozniaks private Homepage www.woz.org um. (Stand Juni 2008).
Mehr Glück hat Woz mit seinem Buch iWoz, das sich wohl halbwegs gut verkaufte und ihm verschiedene öffentliche Auftritte verschaffte. Woz war regelmäßig Gast bei den Keynotes von Steve Jobs. Und auch nach dem Tod von Jobs wurde Woz regelmäßig zu den großem Apple-Events in Cupertino eingeladen.
Der Besuch von Steve Jobs im Forschungszentrum Xeorx PARC und seine Folgen
Nicht nur im inzwischen beigelegten Patentstreit zwischen Apple und Samsung behaupteten Kritiker, Apple-Mitbegründer Steve Jobs habe es in der Vergangenheit mit dem Schutz des geistigen Eigentums nicht all zu ernst genommen und sich immer wieder großzügig bei anderen Firmen und Erfindern bedient. So habe Apple bei der Entwicklung des Macintosh Ideen kopiert, die zuvor im Forschungslabor Xerox PARC ausgebrütet worden waren. Legende oder Wahrheit?
(zuletzt aktualisiert: 8. März 2019)
Der Eingang zum Xerox PARC in den achtziger Jahren
Die Geschichte von Xerox PARC
Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein kurzer Blick in die Geschichte von Xerox PARC. Das legendäre kalifornische Forschungslabor wurde im Sommer 1970 von Xerox gegründet. Xerox war damals bereits ein sehr etablierter Player im High-Tech-Geschäft. In den USA steht der Name “Xerox” für das Fotokopieren, so wie in unseren Breiten “Tempo” für ein Papiertaschentuch oder “Tesa” für einen Klebefilm. Schließlich hatte die Xerox Corp. bereits 1950 als erstes Unternehmen der Welt die von dem amerikanischen Physiker und Juristen Chester F. Carlson erfundene “Xerographie” in ein funktionierendes Produkt umgesetzt. Carlson erhielt bereits 1937 das Patent auf ein Verfahren, das er „Elektrophotographie“ nannte. Am 22. Oktober 1938 folgte die Premiere in der Praxis: Mit Hilfe einer mit Schwefel beschichtete Metallplatte und einer Lampe übertrug Chester den Schriftzug „10.-22.-38 Astoria“ auf ein Wachspapier.
Die erste Fotokopie
Ende der 60er Jahre sah das Xerox-Management die Gefahr, dass japanische Firmen den technologischen Vorsprung von Xerox einholen könnten. Das hing auch damit zusammen, dass wichtige Patente von Xerox ausliefen. Außerdem befürchtete die Xerox-Spitze, dass mit den kommenden Computer-Generationen das “papierlose Büro” entstehen könne, in dem Xerox keinen Platz mehr hat. Vor diesem Hintergrund wurde das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) in Kalifornien gegründet.
Eine der bekanntesten Forscher am PARC war Alan Kay. Er kam 1970 zu dem Xerox-Forschungsteam. „Was wird ihre wichtigste Errungenschaft hier sein?“, wurde er während des Einstellungsgesprächs gefragt. Seine Antwort: „Der Personal Computer.“ „Was ist das?“, lautete die Gegenfrage. Kay klappte sein Notizbuch auf und skizzierte seine Vision: „Ein Rechner dieser Größe, mit einem Bildschirm, einer Tastatur und genug Power, um ihre Post zu speichern und ihre Musik, Bilder und Bücher.“ Kay stieß mit diesem Zukunftsentwurf bei Xerox zwar auf Unverständnis, konnte aber dennoch im PARC an seiner Vision eines Dynabooks arbeiten.
Die Wissenschaftler und Ingenieure am PARC waren nicht durch Alltagszwänge eingeengt: John Warnock, ehemaliger Forscher bei Xerox PARC und später einer der beiden Gründer von Adobe Systems, erinnert sich in der TV-Doku „Triumph of the Nerds“: „Die Atmosphäre hier war wie elektrisiert, es herrschte totale intellektuelle Freiheit. Es gab keinen ‚gesunden Menschenverstand‘, fast jede Idee wurde als Herausforderung angesehen und wurde regelmäßig hinterfragt.“ Auch Larry Tessler, der später bei Apple den Macintosh und den Newton PDA mit entwickelte, genoss in den 70er Jahren die Freiheiten im PARC: „Das Management sagte: Geht los und erschafft die neue Welt, wir verstehen sie nicht. Hier waren Leute mit vielen Ideen und einem enormen Talent versammelt, jung und energiegeladen.“ Das Problem war nur, dass sich später die Unternehmensführung an der Ostküste der USA nur wenig für die Forschungsergebnisse aus dem PARC interessierte, wenn sie nicht im engeren Sinne mit Fotokopierern zu tun hatten.
Allerdings konnte man diese Wundermaschine nicht frei auf dem Markt kaufen. Es wurden schätzungsweise 1500 Stück davon produziert. 1000 setzte Xerox selbst intern ein, der Rest ging an Universitäten und Behörden.
In der Business-Development-Abteilung von Xerox, der Xerox Development Corporation (XDC), wurde immerhin der Erfolg des Apple II wahrgenommen. Die von Steve Wozniak konstruierte Maschine war preiswert und verkaufte sich in dem noch jungen Markt für Personal Computer hervorragend. Da Xerox selbst Produktionsprozesse hatte, die vergleichsweise teuer waren, interessierten sich Xerox-Manager aus dem Osten für Apple und knüpften die ersten Kontakte.
Die Xerox Development Corporation (XDC) wollte in Apple investieren. Das Startup war damals noch nicht an der Börse und er zeichnete sich ab, dass es nicht mehr viele Gelegenheiten geben sollte, vor dem Apple-Börsengang Anteile zu erwerben.
Ein Interesse zur Zusammenarbeit bestand auch bei Apple, allerdings (zunächst) nicht bei Steve Jobs. Apple-Ingenieur Jef Raskin, der bereits 1979 mit dem Macintosh-Projekt beauftragt war, stand in regelmäßigen Kontakt mit den PARC-Forschern und sah die interessanten Entwicklungen dort. Er versuchte, das Apple-Management davon zu überzeugen, dass für die Entwicklung des Apple Lisa eine grafische Benutzeroberfläche wie beim Alto eingesetzt werden sollte.
Raskin sagt, er habe Jobs in das PARC führen wollen, doch wegen der persönlichen Abneigung gegen Raskin habe Jobs einfach nicht auf die Offerte eingehen wollen. Außerdem bezweifelte er, dass aus einer größeren Organisation wie Xerox überhaupt etwas Interessantes entstehen könne. Raskin hatte bereit 1976 Xerox PARC drei Mal besucht. Erst mit der Hilfe von Bill Atkinson konnte Raskin Jobs davon überzeugen, sich im Dezember 1979 auf den Weg ins PARC zu machen.
Die Eintrittskarte zum Xerox PARC
Doch umsonst wollte sich Xerox nicht in die Karten schauen lassen. Die XDC und Jobs einigten sich darauf, dass Apple 100.000 (noch nicht öffentlich gehandelte) Aktien zum Stückpreis von 10,50 US-Dollar an Xerox verkaufen würde. Hätte die Xerox die Aktien bis heute (März 2019) gehalten, wären aus den 100.000 Anteilen von damals nach vier Aktien-Splits in den Jahren 1987, 2000, 2005 und 2014 genau 5,6 Millionen Apple-Aktien geworden, die nun knapp 10 Milliarden Dollar wert sind. Vermutlich hat Xerox nicht einen so langen Atem gehabt, sondern sich früher von den Anteilen getrennt. Man kann aber nicht sagen, dass Steve Jobs und seine Leute ohne Ticket das Xerox PARC besucht haben.
Mit der Eintrittskarte des umfassenden Business-Agreements in der Hand rückten Steve Jobs, Apple-President Mike Scott, Bill Atkinson und etliche Mitglieder der Entwickler-Teams an. Wer genau an den beiden Treffen teilgenommen hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr rekonstruieren, weil es widersprüchliche Aussagen dazu gibt. „Was wir in diesen anderthalb Stunden bekommen haben, war Inspiration“, sagte später Atkinson. „Außerdem unterstützte uns die Demo in unserer Überzeugung, dass der grafikorientierte Ansatz bei der Bewältigung von Computer-Aufgaben dazu beitragen würde, diese Geschäftscomputer zugänglicher zu machen.“
Der so mühsam zustande gekommene Besuch bedeutete jedenfalls im Leben des Steve Jobs ein Wendepunkt: Die drei Technologien, die der 24jährige dort sah, waren jede für sich revolutionär: die erste grafische Benutzeroberfläche für Computer, vernetzte Alto-Rechner, die E-Mails austauschen können und Objektorientiertes Programmieren.
Noch 17 Jahre nach diesem Besuch konnte sich Jobs genau erinnern: „Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: Die grafische Benutzeroberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Es hatte noch viele Schwächen. Was wir sahen war unvollständig. Sie hatten eine ganze Reihe Sachen falsch gemacht. Aber zu der Zeit wussten wir das nicht. Aber dennoch: Sie hatten den Keim der Idee geschaffen, und sie hatten es sehr gut gemacht. Und innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden.“
Adele GoldbergXerox Alto (1973 Prototyp Workstation)
Jobs entschloss sich, die Strategie von Apple neu auszurichten und voll auf das im Xerox PARC gesehene „Graphical User Interface“ (GUI), die grafische Bedienungsoberfläche, zu setzen. Adele Goldberg, damals Forscherin im PARC, ahnte schon, dass der Besuch von Jobs weit reichende Folgen haben wird: „Er kam zurück und (…) verlangte, dass sein ganzes Programmierteam eine Demo vom Smalltalk System bekommt. Und der Leiter des Forschungszentrums bat mich, die Demo zu geben, weil Steve extra darum gebeten hatte. Aber ich sagte ‚Nein‘. Ich hatte einen großen Streit mit diesen Xerox Managern, denen ich erzählte, dass sie gerade ihr Tafelsilber weggäben. Ich sagte, ich würde es nur tun, wenn sie es anordnen würden. Denn dann würden sie selbst verantwortlich sein. Und genau das taten sie dann auch.“
Larry Tesler, der damals als PARC-Angestellter an der Demo teilnahm, war von den Besuchern fasziniert: „Nach einer Stunde verstanden sie die Technologie unserer Demos und was sie bedeuteten besser als jeder Xerox-Manager nach all den Jahren, in denen wir sie ihnen gezeigt hatten.“
„Xerox könnte heute die gesamte Computerindustrie besitzen“, sagte Steve Jobs 1996. „Sie könnten heute ein zehnmal so großes Unternehmen sein. Sie könnten IBM sein- sie hätten das IBM der 90er Jahre sein können. Sie hätten das Microsoft der 90er sein können.“
Nach dem Tod von Steve Jobs im Herbst 2011 erinnerte sich Tesler in einer Gesprächsrunde im Tech Museum in San Jose an den legendären Besuch des Apple-Mitbegründers im PARC:
Larry Tessler erinnert sich an den Besuch von Steve Jobs
Teslers Kollegin Adele Goldberg sagte später dem Buchautor Michael Hiltzik, sie habe vor dem Besuch des Apple-Truppe nichts von der geschäftlichen Vereinbarung zwischen Apple und Xerox gewusst und sich deshalb so vehement gegen eine umfassende Demo der PARC-Projekte gewehrt.
Das Macintosh-Team nahm zwar die Ideen aus dem PARC auf, kopierte das System aber nich 1:1. So veränderten die Apple-Programmierer viele Funktionsweisen und fügten etliche neue Features hinzu. So kannte der Xerox Alto beispielsweise keine Menüs, die vom oberen Bildschirmrand herunter klappen, sondern arbeitete mit einer Art Pop-up-Fenster. Außerdem öffnete sich bei einem Doppelklick auf ein Dokument nicht das Fenster automatisch, sondern es musste von Hand aufgezogen werden. Bill Atkinson schrieb in monatelanger Kleinarbeit für den Lisa und Macintosh die QuickDraw-Routine, mit der erstmals überlappende Fenster auf dem Computer-Bildschirm gezeichnet werden konnten.
Screen des Xerox Star
Im Gegensatz zum ersten Mac verfügte der Alto auch nicht über eine vollständige Schreibtisch-Metapher und geniale Desktop-Symbole wie den Mülleimer, der nicht nur Computer-Novizen das Löschen von Dateien sehr erleichterte. Zu den historischen Errungenschaften des Mac-Teams gehört auch der Macintosh Human Interface Guide, der beispielsweise festlegte, dass in einer Macintosh-Applikation ein Dokument immer mit dem Befehl Apfel-S gespeichert wird.
GUI des Xerox Star (1981)Die GUI des erste Apple Macintosh (1984)
Auch die Entwicklung der notwendigen Hardware zeigt, dass Apple nicht einfach von Xerox PARC „geklaut“ hat. Die Maus wurde ohnehin nicht im PARC erfunden, sondern im benachbarten Stanford Research Institute von Dough Engelbart. Zur Geschichte der Computermaus gibt es hier auf der Site einen eigenen Artikel. Legt man die Holz-Maus von Engelbart, die Maus des Alto aus dem Xerox PARC (mit drei Knöpfen) und die Maus des ersten Apple Macintosh nebeneinander, kann man sehen, dass es sich um eine markante Weiterentwicklung und nicht um eine schlichte Kopie handelt:
Die Entwicklung der Computer-Maus: SRI (1963), Xerox Alto (1981), Apple Macintosh (1984)
Was die Massentauglichkeit der Maus anging, hatte Xerox wenig seit der Erfindung des Konzepts durch Engelbart unternommen. Steve Jobs beauftragte die Industrie-Design-Firma von Dean Hovey, um aus der Xeros-Maus, „die 300 Dollar kostet und innerhalb von zwei Wochen kaputt geht“, eine Maus zu machen, „die weniger als 15 Dollar kostet. Sie darf mehrere Jahre lang nicht versagen.“ Jobs verlangte, dass die Maus sowohl auf einer Formica-Platikoberfläche läuft als auch auf seiner Jeans, berichtete Malcolm Gladwell im Mai 2011 in der Zeitschrift The New Yorker.
Es ist daher nicht fair zu sagen, dass Steve Jobs und Apple die grafische Bedienoberfläche bei Xerox „geklaut“ haben. Zum einen gab es eine geschäftliche Vereinbarung zwischen Apple und Xerox über den Know-how-Transfer. Außerdem hat Apple die GUI des Xerox-Systems und die dafür notwendige Hardware nicht 1:1 kopiert, sondern in wesentlichen Aspekten weiterentwickelt.
Für Xerox blieb der bittere Nachgeschmack, eine historische Chance verpasst zu haben, zumal parallel zu den Apple-Entwicklern auch Bill Gates und seine Microsoft-Truppe im PARC ein- und ausgegangen waren (übrigens ohne ein vergleichbares Eintrittsticket, wie Jobs es sich mit dem Aktiendeal verschafft hatte).
Im Dezember 1989 verklagte Xerox Apple Computer und verlangte 150 Millionen Dollar, weil Apple bei Xerox die Technologie gestohlen habe, die die Macintosh-Computer so erfolgreich machte. Steve Jobs verwies darauf, dass Apple die Arbeit von Xerox so verfeinert habe, dass daraus eine eigene Schöpfung entstanden sei. Die Klage von Xerox wurde abgewiesen, weil der Vorsitzende Richter entschied, „dass die Beschwerden von Xerox aus mehreren rechtlichen Gründen ungeeignet gewesen seien.“ Unter anderem hatte Xerox wohl einfach zu lange gewartet, um erst fünf Jahre nach dem Marktstart des Apple Macintosh die Klage zu erheben, da die Verjährungsfrist inzwischen abgelaufen war.
Microsoft hat Anfang der neunziger Jahre im Streit mit Apple um die Plagiatvorwürfe rund um die ersten Windows-Versionen darauf verwiesen, dass Apple und Microsoft sich beide großzügig bei Xerox bedient hätten.
Im Film “Pirates of Silicon Valley” wird das Thema “Apple und Xerox ironisch und überzeichnet abgehandelt
Das Forschungszentrum Xerox PARC wurde im Jahr 2002 als unabhängige, aber hundertprozentige Tochtergesellschaft von Xerox ausgegründet. Der Name Xerox erscheint im Firmennamen und Logo nur noch in der Unterzeile (A Xerox Company“). PARC arbeitet jetzt mit anderen kommerziellen (Großkonzernen, Unternehmen, Lizenznehmern) und staatlichen Partnern.
Quellen:
Michael Hiltzik: Dealers of lightning: Xerox PARC and the dawn of the computer age. HarperCollins Publishers, 1999.
Ich habe Steve Jobs auf mehreren Entwickler-Konferenzen oder bei Produkt-Präsentationen live erlebt – und ihn dabei auch etliche Male fotografieren können. Hier eine Auswahl der Fotos.
Mit dem Macintosh wollte das Apple-Management die absolute Vorherrschaft von IBM verhindern. Dabei unterschätzten alle Bill Gates und Microsoft.
John Sculley
Die Marketingstrategie von Apple-Chef John Sculley zur Markteinführung des Macintosh war klar. Der ehemalige Pepsi-Manager, den Steve Jobs zu Apple geholt hatte, wollte einen Zweikampf zwischen IBM und Apple inszenieren, Schwarz vs. Weiß, mit Apple in der Rolle des Underdog. “Dutzende andere Computerfirmen stellten (in dieser Zeit) ihre Produkte vor, und ich befürchtete, dass wir in der Menge untergehen könnten”, schrieb Sculley später in seinem Buch “Odyssey”. „Wenn es uns gelingen würde, ein Zwei-Pferde-Rennen zwischen uns und IBM herzustellen, dann könnten wir die Leute überzeugen, dass wirklich nur zwei Computerfirmen im Markt im Wettbewerb stehen.”
Im Kampf gegen kleinere Konkurrenten wie Atari, Commodore, Sinclair und Amstrad ging die Apple-Strategie auch voll auf. Völlig unterschätzt hatten Sculley, aber auch Steve Jobs, dass Microsoft, ein Verbündeter der ersten Stunde, sich mit Hilfe von Apple zur dominierenden Kraft der PC-Industrie entwickeln und sogar IBM in den Schatten stellen würde.
Bill Gates und Paul Allen (1981)
Bill Gates und Paul Allen hatten Microsoft 1975 als kleine Softwarefirma in Albuquerque (New Mexico) gegründet und zusammen mit anderen Mitarbeitern die Programmiersprache BASIC für den legendären Rechner MITS Altair entwickelt. Durch glückliche Umstände ergatterte Microsoft 1980 den Auftrag von IBM, für den ersten IBM-PC nicht nur BASIC, sondern auch das Betriebssystem zu liefern. Der damals führende Betriebssystemhersteller Digital Research (CP/M) wollte sich in der Verhandlungsphase nicht auf seitenlange Knebelverträge von IBM einlassen – und verlor so diesen gigantischen Deal.