Kategorie: Apple-People

  • Susan Kare – die Pixel-Königin

    Susan Kare – die Pixel-Königin

    Susan Kare ist eine Künstlerin und Designerin und Pionierin der Pixelkunst. Sie schuf viele der grafischen Oberflächenelemente für den ursprünglichen Apple Macintosh in den 1980er Jahren. Sie war ein wichtiges Mitglied des Mac-Software-Designteams und folgte Steve Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple und arbeitete als Creative Director bei NeXT.

    Sie wurde am 5. Februar 1954 in Ithaca, New York, geboren. Ihr Vater war Professor an der University of Pennsylvania und Direktor des Monell Chemical Senses Center, einer Forschungseinrichtung für den Geschmacks- und Geruchssinn. Ihre Mutter brachte ihr das Zählfaden-Sticken bei, während sie sich in Zeichnungen, Gemälde und Kunsthandwerk vertiefte. Ihren Abschluss machte sie 1971 an der Harriton High School (Rosemont, Pennsylvania). Während ihrer Highschool-Zeit lernte sie Andy Hertzfeld kennen, der später einer der wichtigsten Software-Ingenieure bei Apple für die Entwicklung des Macintosh werden sollte.

    1975 schloss Susan Kare ihr Kunststudium am Mount Holyoke College, einer privaten Kunsthochschule für Frauen in South Hadley (US-Bundesstaat Massachusetts) mit summa cum laude ab, und zwar mit einer Bachelorarbeit über Bildhauerei. An der New York University erwarb sie 1978 einen Master of Arts und einen Doktortitel in Kunst mit einer Dissertation über „die Verwendung der Karikatur in ausgewählten Skulpturen von Honoré Daumier und Claes Oldenburg“. Ihr Ziel war es, „entweder eine bildende Künstlerin oder eine Lehrerin zu werden“.

    Susan Kare hat sich in ihrer Karriere immer auf die bildende Kunst konzentriert. Während der High School absolvierte sie mehrere Sommer lang ein Praktikum am Franklin Institute bei dem Designer Harry Loucks, der sie in die Typografie und das Grafikdesign einführte, während sie mit „Schriftstreifen für Etiketten in einer Dunkelkammer auf einem PhotoTypositor“ arbeitete. Da sie keine Künstlerschule besuchte, baute sie ihre Erfahrung und ihr Portfolio durch zahlreiche Pro-bono-Grafikaufträge auf, z. B. Plakat- und Broschürendesign im College, Urlaubskarten und Einladungen. Nach ihrer Promotion zog sie nach San Francisco, um am Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF) als Bildhauerin und gelegentlich als Kuratorin zu arbeiten. 

    1982 schweißte Kare im Auftrag eines Museums in Arkansas eine lebensgroße Razorback-Hog-Skulptur, als sie einen Anruf von ihrem Highschool-Freund Andy Hertzfeld bekam. Im Tausch gegen einen Apple-II-Computer bat er sie, ein paar Symbole und Schriftelemente zu zeichnen, die als Inspiration für den kommenden Macintosh-Computer dienen sollten. Sie hatte jedoch keine Erfahrung mit Computergrafik und „wusste nicht das Geringste über das Entwerfen einer Schriftart“ oder Pixelkunst, also griff sie auf ihre Erfahrungen mit Mosaiken, Nadelspitze und Pointillismus zurück.

    Hertzfeld schlug ihr vor, sich im University Art Store in Palo Alto ein Rasterheft mit dem kleinsten Millimeterpapier für 2,50 US-Dollar zu besorgen und mehrere 32 × 32 Pixel große Darstellungen seiner Softwarebefehle und -anwendungen zu entwerfen. Dazu gehören ein Scherensymbol für den Befehl „Ausschneiden“, ein Finger für „Einfügen“ und ein Pinsel für MacPaint.

    Um bei der Bewerbung bei Apple Eindruck zu schinden, brachte sie nicht nur den Notizblock zum Vorstellungsgespräch mit, sondern hatte sich mit einigen Typografie-Büchern aus der öffentlichen Bibliothek von Palo Alto bewaffnet, um ihr Interesse zu bekunden. „Das Vorstellungsgespräch dauerte fünf Minuten“, erinnerte sich Karen 2014. Die wichtigste Frage lautete: „Wann kannst Du anfangen?“ Und eine Woche später fand sie sich in der Mac Software Group wieder. Im Januar 1983 wurde sie offiziell mit dem Ausweis Nr. 3978 eingestellt. Auf ihren Visitenkarten stand „HI Macintosh Artist“ (HI = Human Interfaces).

    Susan Kare, Apple’s “Macintosh Artist,” relaxes at her desk in 1984. © Norman Seeff

    Kare arbeitete vor Ort in Cupertino. „Ich habe definitiv durch die Arbeit gelernt“, sagte sie in einem Interview, das Alex Pang am 8. September 2000 führte. „Als ich zum Macintosh kam, gab es keinen wirklichen Icon-Editor, aber es gab eine Möglichkeit, Pixel ein- und auszuschalten. Ich erledigte einige Arbeiten auf dem Papier, aber natürlich war es viel besser, sie auf dem Bildschirm zu sehen.“

    Macintosh Icon Editor (1983) by Andy Hertzfeld

    „Immerhin gab es einen rudimentären Icon-Editor. Zuerst zeigten sie mir, wie ich die Grafik benutzen und das Hexadezimal-Äquivalent herausfinden konnte, damit es über die Tastatur eingegeben werden konnte. Dann entwickelte Andy (Hertzfeld) einen viel besseren Icon-Editor, der automatisch die Hexadezimalzahlen unter den Icons generierte. So habe ich die ersten Icons erstellt. Ich glaube, ich habe die Schriftarten auf diese Weise erstellt, indem ich Buchstabe für Buchstabe vorging, bevor wir einen Schriftarten-Editor hatten.“

    Susan Kare sah bei ihrer Arbeit auf einen Bildschirm wie diesen:

    „Sie können einige der kleinen runden Trümmer sehen. Sie enthalten Wörter wie Trash (Papierkorb), Disk Drive (Laufwerk) und Printer (Drucker). Das waren also die Dinge, für die ich Icons erstellen musste. Und auf der rechten Seite sieht man die Verben für diese Schaltflächen. Aus „Do it“ wurde „Okay“. „Do it“ ist vielleicht klarer, aber die Leute haben es als „Dolt“ gelesen. (Dolt= Schafskopf, eine dumme Person).

    Zu ihren ersten Macintosh-Entwürfen gehörten die Schriftarten Elefont, Overbrook, Merion, Ardmore und Rosemont. Diese Fonts wurden aber unter anderen Namen bekannt: Nach Einwänden von Apple-CEO Steve Jobs wurden sie nach Großstädten wie Chicago, London, New York und anderen Weltstädten umbenannt. Die Schriftart Chicago war nicht nur eine Systemschrift der ertsne Macintosh-Betriebssysteme, sondern erlebte 2001 mit dem ersten iPod eine Art Wiederauferstehung.

    Die Schriftart Chicago landete in den Titelleisten. Und im ersten iPod führte sie ein zweites Leben.

    Kare: „Als ich bei Apple ankam, wurde mir erklärt, dass der Macintosh ein Computer für Leute ist, die keine Computerkenntnisse haben, damit deine Mutter ihn benutzen kann. Nicht zu politisch korrekt. Und er sollte wie unsere Computerspiele erkundbar sein, man sollte nicht erst das Handbuch zu Rate ziehen müssen, um ihn zu bedienen, und er sollte freundlich sein. Ich habe also damit begonnen, diese Symbole in 32 mal 32 Pixel zu erstellen. Das war ein Symbol, das ich entworfen habe. Sie sagten einfach, es sollte etwas auf dem Bildschirm sein. 32 mal 32 Punkte, die erscheinen, während der Computer hochfährt.“ Für das berühmte Macintosh-Icon hat Kare auf iht Lieblingssymbol aus der Junior High zurückgegriffen, den Smiley.

    Kare wurde auch gebeten, ein Symbol für einen Systemabsturz zu entwerfen. „Ich habe dieses Bild als Bombe entworfen, weil mir gesagt wurde, dass das Icon nie von jemandem gesehen werden würden. Also dachte ich, ich könnte ein wenig respektlos sein. Aber leider war das nicht der Fall. „

    Icon for system crash

    Auf der EG-Konferenz im Mai 2014 erzählte Kare eine amüsante Anekdote über das Bomben-Symbol: „Kurz nachdem der Mac auf den Markt kam, waren wir in unserem Softwarebereich und es kam ein Anruf rein – und es war eine Frau, die MacWrite benutzte. Der Mac war war abgestürzt und sie hatte Angst, dass ihr Computer explodieren würde. Da hatte ich ein schlechtes Gewissen.“

    Susan Kare, Iconographer (EG8) from eg on Vimeo.

    Susan Kares Icons, der lächelnde Mac, die Bombe mit der Zündschnur, die Uhr, die Diskette und der Papierkorb sind legendär.

    Für das Icon dere Apple-Befehlstaste fand sie Anregungen in einem Symbolwörterbuch: das Schleifenquadrat , das ursprünglich aus dem alten Skandinavien stammt und später als Markierung für Sehenswürdigkeiten diente. Erst später bekam sie mit, dass es in Schweden tatsächlich Schlösser mit diesem Grundriss gibt.

    Borgholm Castle

    Kare schuf eine Fülle von „Dingbats“ für ihre Schriften, darunter ein niedliches Tiersymbol, das Merkmale eines Hundes und einer Kuh vereint. Als Clarus, die DogCow, hat es jetzt seine eigene Fangemeinde.

    Susan Kare. Clarus, the Dogcow

    Manchmal zeichnete Susan Kare aus Spaß Bilder ihrer Kollegen im Icon-Format. Ihr digitales Porträt von Steve Jobs wurde ziemlich berühmt.

    Portrait of Steve Jobs by Susan Kare in icon format.

    Susan Kare arbeitete nur drei Jahre lang bei Apple. Doch diese Erfahrung führte sie an die Spitze eines völlig neuen Bereichs des Grafikdesigns. Indem sie nur mit einem Raster aus Pixeln arbeitete, begann sie, eine besondere Art von Minimal-Pointillismus zu beherrschen. Sie verbrachte ihre Tage damit, winzige Punkte ein- und auszuschalten, um sofort verständliche visuelle Metaphern für Computerbefehle zu schaffen.

    Ursprünglich bestand ihre Aufgabe darin, einzelne Buchstaben und Zahlen zu formen, um einen Hauch der Eleganz der Druckschrift in den körnigen Bereich der Computerbildschirme zu bringen. Aber Kares denkwürdigstes Vermächtnis ist die spielerische Qualität einiger ihrer Icons. Dabei ist sie darauf bedacht, sich nicht mit fremden Federn zu schmücken: Sie weist stets darauf hin, dass Xerox PARC bereits ein Mülleimer-Icon für das Löschen von Dateien entwickelt hatte: Aber Kares Mülleimer ist so betrachterfreundlich, dass man fast erwartet, dass Oscar der Grouch herausspringt.

    1986 folgte Kare Steve Jobs und verließ Apple, um als Kreativdirektorin und zehnte Mitarbeiterin NeXT, Inc. mitzubegründen. Sie stellte Jobs ihren Design-Helden Paul Rand vor und beauftragte ihn mit der Gestaltung des Logos und der Markenidentität von NeXT. Sie selbst entwarf und gestaltete Diashows nach den anspruchsvollen Last-Minute-Vorgaben von Jobs.

    Kare erkannte allerdings, dass sie „wieder Bitmaps machen wollte“ und verließ NeXT, um als unabhängige Designerin zu arbeiten. Zu ihren Kunden zählten die Computerriesen Microsoft, IBM, Sony Pictures, Motorola, General Magic und Intel. Zu ihren Projekten für Microsoft gehört das Kartendeck für das Solitaire-Spiel von Windows 3.0, das den ersten Computerbenutzern beibrachte, wie man mit der Maus Objekte auf den Bildschirm bewegt und ablegt.

    Windows Solitaire

    Viele ihrer Symbole, wie z. B. die für Notepad und verschiedene Kontrollfelder, wurden von Microsoft bis Windows XP im Wesentlichen unverändert übernommen.

    Magic Cap OS

    Für IBM entwarf sie Bitmap-Symbole mit Nadelstreifen und Designelemente für OS/2. Für General Magic entstand die Karikatur von Magic Cap auf Papas Büro-Desktop. Für das Linux-Projekt Eazel hat sie zusammen mit Andy Hertzfeld und anderen Mitgliedern des ehemaligen Macintosh-Teams grafische Elemente für den Dateimanager Nautilus entworfen, den das Unternehmen der Öffentlichkeit zur freien Nutzung überlassen hat.

    Zwischen 2006 und 2010 produzierte Susan Kare Hunderte von 64 × 64 Pixel großen Icons für die virtuelle Geschenkfunktion von Facebook. Für diese Artikel verlangte Facebook jeweils 1 Dollar. Ursprünglich wurden die Gewinne aus den Geschenkverkäufen bis zum Valentinstag 2007 an die Stiftung Susan G. Komen for the Cure gespendet. Das beliebteste Geschenksymbol mit dem Titel „Big Kiss“ wird in einigen Versionen von Mac OS X als Bild des Benutzerkontos angezeigt.

    Susan Kare: Big Kiss

    Im Jahr 2007 entwarf sie das Erscheinungsbild, die Icons und die Website für Chumby Industries, Inc. sowie die Benutzeroberfläche für den internetfähigen Wecker.

    Seit 2008 kann man im Museum of Modern Art (MoMA) in New York City Notizbücher mit ihren Designs sehen.

    Susan Kare at MoMa: Graphic icon sketch1 (982–1983)

    Im Jahr 2015 erwarb das MoMA ihre Notizbücher mit Skizzen, die zur frühen Mac-Benutzeroberfläche geführt hatten.

    Susan Kare at Moma: Apple Macintosh OS icon sketchbook (1982)
     MoMa – Susan Kare. “Mac OS Icon sketchbook.” Bound sketchbook, ink and felt-tipped pen on paper. Gift of the designer.

    2015 wurde Kare von Pinterest als leitende Produktdesignerin eingestellt – ihre erste Anstellung in einem Unternehmen seit drei Jahrzehnten. Im Februar 2021 wurde Kare Design Architect bei Niantic Labs. Seit 2022 leitet sie gleichzeitig ein digitales Designbüro in San Francisco und verkauft signierte Kunstdrucke in limitierter Auflage.

  • Andy Hertzfeld – Der Software-Wizard

    Andy Hertzfeld – Der Software-Wizard

    Software-Entwickler Andy Hertzfeld ist einer wichtigsten Helden der Macintosh-Entwicklung, der aber nur selten im Rampenlicht stand. Er wurde am 6. April 1953 in Philadelphia, Pennsylvania, geboren und wuchs im Osten der USA auf.

    Schon in der Schule hatte er einen ersten Zugang zu Computern, obwohl es auf der High School selbst gar keinen Computer gab. „Damals, in den späten 60er und 70er Jahren konnten sich die High Schools keinen Computer leisten, aber es gab einen mit Fernschreibern verbundenen GE-Timesharing-Computer, der etwa 10 Meilen entfernt war. Ich hatte das Glück, in der 11. Klasse ein Programm zu benutzen. Und ich habe damit geredet wie ein Fisch mit Wasser“, erzählte Andy in einem Interview mit NerdTV.

    Damals konnte man den Rechner noch nicht in Echtzeit bedienen, sondern musste sein Programm vorab schreiben, es auf ein Lochstreifenband ausdrucken und dieses dann mit einem speziellen Lesegerät einlesen, um das Programm an den Computer zu übermitteln. „Es war etwas umständlich, aber ich habe es trotzdem geliebt.“

    Nach der High School, die er zusammen mit Susan Kare besucht hatte, zog Andy Hertzfeld nach Kalifornien um und studierte an der UC Berkeley. Doch nachdem er sich einem Apple II gekauft hatte, fand er die Computerei viel interessanter als die Universität. „Ich fing an, meine ganze Zeit darauf zu verwenden und brach mein Studium ab, um im August ’79 für Apple zu arbeiten.“

    Apple Silentype Thermodrucker
    Foto: Von StromBer – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14972849

    Hertzfeld hat dann einige Produkte für den Apple II entwickelt, vor allem den ersten kleinen, preiswerten Thermodrucker, den Silent Type. Das Können des jungen Programmierer hatte sich dann schnell bis hin zu Steve Job herumgesprochen, der gerade sein Team für die Entwicklung des ersten Apple Maintosh zusammenstellte.

    Die Geschichte, wie Andy Hertzfeld für das Macintosh-Projekt rekrutiert wurde, ist legendär: „Steve kam an meinem Arbeitsplatz vorbei. Das war an einem Donnerstagnachmittag“, erinnnert sich Hertzfeld im Podcast „Land of Giants“ im Gespräch mit Peter Kafka. „Ich sagte: ‚Okay, ich fange am Montag an, geben Sie mir nur einen halben Tag Zeit, um meine Arbeit zu dokumentieren, damit jemand anderes sie fortsetzen kann.‘ Und er sagte: ‚Nein, der Macintosh ist die Zukunft von Apple, du wirst jetzt damit anfangen.‘ Und er schnappte sich meinen Apple II von meinem Schreibtisch und ging damit weg. Was konnte ich tun, als meinem Computer zu folgen.

    Steve Wozniak und Andy Hertzfeld (rechts) beim Apple Computer Users Group Meeting (1985).
    Foto: Tony Wills – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18512032

    So kam Andy Hertzfeld zum Macintosh-Team. Dort schrieb er einen großen Teil der ursprünglichen Systemsoftware für den Mac, darunter die User Interface Toolbox, den Window Manager, Menü-Manager, Controll-Manager. Steve Jobs vermittelte dabei ständig den Eindruck, dass es um ein viel größeres Ziel ging: „Wir haben nicht nur einen Computer entwickelt. Wir wollten die Menschheit retten, wir wollten die Zukunft der Menschheit verbessern. Und deshalb rollt man manchmal ein bisschen mit den Augen, aber der Enthusiasmus ist ansteckend.“

    Der legendäre Apple-Werbespot „1984“ für den ersten Apple Macintosh.

    Mit dem legendären Werbespot „1984“ teilte Jobs dann auch der ganzen Welt mit, dass er etwas Weltveränderndes enthüllen würde. Es gab aber noch ein Problem. Damals hatte er dieses weltverändernde Gerät noch nicht wirklich fertiggestellt. Er brauchte Hertzfeld und ein kleines Team, das rund um die Uhr arbeitete, angetrieben von der Idee, dass sie etwas Großartiges schaffen würden.

    „Die Fertigstellung der Macintosh-Systemsoftware war ein gewaltiger Kraftakt. Alle Software-Ingenieure, etwa ein Dutzend von uns, waren 48 Stunden ohne Schlaf wach. Wir haben es kaum geschafft“, erinnert sich Hertzfeld. „Am nächsten Tag lagen wir erschöpft auf dem Boden und waren glücklich. Sie wissen schon, hey, wir haben es geschafft. Wir sind endlich fertig.“ Dann kam Steve iund sagte nur: „Steht auf!, ihr seid noch nicht fertig. Ich möchte, dass der Macintosh der erste Computer ist, der sich selbst ankündigt.“

    Jobs verlangte also, dass Hertzfeld und sein erschöpftes Team dem Mac das Sprechen beibringen soll. Das war ein technischer Vorstoß, der das Team bis zur letzten Minute an die Grenzen der Belastungsfähigkeit getrieben hat. Und als Jobs dann auf der Apple-Aktionärsversammlung 1984 die Bühne betrat, zog er den Mac aus der Tasche, von dem Hertzfeld nicht wirklich überzeugt war, dass er funktionieren würde.

    Steve Jobs zeigt am 24. Januar 1984 den erste Apple Macintosh

    Jobs hatte hoch gepokert und gewonnen. Es funktionierte. Der Macintosh konnte sprechen, mehr oder weniger zumindest. Und er sah fast knuddelig aus, als würde er lächeln. Und er war versiegelt, dass man ihn nicht öffnen konnte. Im Gegensatz zu anderen Computern, die so konstruiert waren, dass man in den Eingeweiden des Geräts herumstochern und modifizieren konnte, war der Mac für Leute gedacht, die den Unterschied zwischen RAM und ROM oder anderen Computerbegriffen nicht kannten oder sich nicht darum scherten. Einschalten und loslegen, sagt Apple-Experte Peter Kafka.

    Andy Hertzfeld: „Der Mac hatte dieses großartige Intro. Die Leute sahen es als die Revolution, die es war.“ Apple begann zunächst mit großem Erfolg, den Mac an Hochschulen zu verkaufen. Aber bereits im Herbst 1984 brachen der Absatz bis Weihnachten 1984 dramatisch ein. Die Verkäufe waren sehr enttäuschend. Sie betrugen vielleicht ein Zehntel von dem, was Apple vorhergesagt hatte.

    Andy Hertzfeld verließ Apple im April 1984, ziemlich bald nach der Einführung des Macs. Auf die Frage, warum er Apple den Rücken gekehrt hat, antwortete Hertzfeld bei „NerdTV“:

    Andy: Ich hatte einen schlechten Manager, einen Manager, der wollte, dass ich vor ihm salutiere. Ich habe nicht deutlich genug gegrüßt.
    Reporter Bob Cringley: Buchstäblich salutieren?
    Andy: Das ist eine Metapher. Ich nenne die Geschichte in meinem Buch "zu groß für meine Hosen". Er nahm mich mit auf einen Spaziergang, um mich verbal herauszufordern. In der Zeit, in der ich den größten Teil der Macintosh-Systemsoftware geschrieben hatte, gab er mir eine schlechte Bewertung, weil ich ihm gegenüber ungehorsam war. Das hat mich desillusioniert. Das geschah im Februar 1983. Ich wäre damals gegangen, aber ich war dem Mac zu sehr verpflichtet. Ich musste bleiben, um es zu Ende zu bringen. Aber sobald es Januar 1984 war, ging ich.
    Ich war immer noch in der Lage, Systemsoftware zu entwickeln. Ich habe Switcher, die erste Multitasking-Umgebung für den Macintosh, als Außenstehender entwickelt - ich konnte sie an Apple zurückverkaufen. Ich wollte dort nicht arbeiten, weil ich den Geist der Mac-Gruppe liebte, aber dann kam dieser Typ - sein Name ist Bob Belleville - der schlechte Manager, der mich dazu brachte, zu kündigen, und nicht in der Lage war, genug Kompromisse einzugehen, um dort zu bleiben.
    Bob Cringley: Warum hat Steve obs dich nicht beschützt?
    Andy: Steve hatte es versprochen. Als Bud Tribble, der frühere Manager, gegangen war, hätten Burrell und ich beinahe gekündigt. Wir hatten Angst, einen schlechten Manager zu bekommen, und Steve hatte versprochen, mich zu beschützen, aber zu dieser Zeit hatten wir den Mac im Wesentlichen schon entwickelt. Die technische Arbeit war getan, und was Steve zu diesem Zeitpunkt brauchte, waren Manager, die den Rest von Apple übernehmen konnten.
    Nachdem der Macintosh auf den Markt gekommen war, bestand sein nächstes Ziel darin, den Rest von Apple in die Mac-Gruppe zu verwandeln. Er hatte erkannt, dass der Rest von Apple nicht so kreativ oder motiviert war wie das Mac-Team, und was man braucht, um das Unternehmen zu übernehmen, sind Manager, keine Innovatoren oder Techniker.
    Bob: In diesem Moment brauchte er also Bob Belleville mehr als Sie?
    Andy: Das war es, was ich dachte. Etwas später dachte er wohl, dass er mich mehr brauchte, aber zu dieser Zeit, ja. Und natürlich ist das alles irgendwie auf ihn zurückgefallen. Er (Steve) wurde kurz darauf bei Apple rausgeschmissen… sehr zum Leidwesen von Apple. Es hätte Apple fast umgebracht.

    Nach seinem Weggang half seinem Freund Burrell Smith, der die digitale Hardware für den Mac entwickelt hatte, bei der Gründung eines Unternehmens namens Radius im Jahr 1986, das Peripheriegeräte für den Mac herstellte. Die Verbindungen zu Apple rissen aber nicht ab. Hertzfeld hat weiterhin Systemsoftware an Apple verkauft. Im Jahr 1990 gründete er zusammen mit Bill Atkinson, der eine Art Mentor für das Mac-Projekt war, eine Firma namens General Magic, die einige der ersten Handheld-Computer herstellte. Zunächst war Apple an dem Unternehmen beteiligt und unterstützte General Magic. Es gab dann aber einen Punkt, wo der damalige Apple-CEO zu der Entscheidung kam, dass Apple nicht länger General Magic unter die Arme greifen, sondern selbst ein ähnliches Produkt auf den Markt bringen sollte,

    „Apple war unser Wohltäter bei der Gründung von General Magic, aber etwa ein Jahr später beschlossen sie dass sie lieber General Magic SEIN wollten und versuchten, uns aus der Welt zu schaffen. Das ist schließlich gelungen, aber es hat ein paar Jahre gedauert.“

    Andy Hertzfeld verließ General Magic 1996, um quasi im Vorruhestand ein Internet-Hobbyist zu werden . Es ließ sich eine dicke T-1-Leitung zu seinem Haus. „Irgendwann hatte ich alle vier Lebensmittelbanken in der Bay Area von diesem Haus hier aus gehostet.“

    Für den richtigen Ruhestand war es aber noch viel zu früh. „Im Februar 1998, zur Zeit der Ankündigung von Mozilla, wurde ich von dem Virus der freien Software befallen. Ich war verzweifelt über die strukturellen Probleme in der Softwareindustrie und plötzlich, nachdem ich Eric Raymonds Buch ‚The Cathedral and the Bazaar‚ gelesen hatte, wurde mir klar, dass freie Software der Weg zu einer offenen und fairen Softwareindustrie sein könnte.“

    Hertzfeld beschloss, sich für einen Wandel in der traditionellen Software-Industrie einzusetzen. Im August 1999 gründete er ein Unternehmen namens Eazel, das freie Software leichter nutzbar machen sollte. Eazel konnte allerdings seine zweite Finanzierungsrunde nicht sichern, so dass er die Firma im Mai 2001 wieder schließen musste.

    Danach begann er, mit Mitch Kapor zusammenzuarbeiten. Das ist der Mann, der das legendäre Tabellenkalkulationsprogramm „Lotus 1-2-3“ entwickelt hat. Hertzfeld half Kapor dabei, die Open Source Applications Foundation ins Leben zu rufen. Zusammen entwickelten sie einen innovativen Personal Information Manager namens Chandler. Danach startete er ein Projekt, um die Erinnerungen der Macher des ersten Apple Macintosh für die Nachwelt zu sichern.

    Dafür hat Hertzfeld sogar eine eigene Software entwickelt, um diese Erinnerungen im Web zu veröffentlichen: das Folklore-Projekt. Dazu hat er eine Website mit dem Namen folklore.org eingerichtet, die sich dem widmet, was Hertzfeld „kollektives historisches Erzählen“ nennt – einer Gruppe von Menschen zu ermöglichen, zusammenzuarbeiten und ihre gemeinsamen Geschichten zu erzählen. Rechtzeitig zum 20. Geburtstag des Mac im Jahr 2004 hat er etwa 60 Anekdoten über die Entwicklung des Mac im Internet veröffentlicht. Daraus entstand dann das Buch „Revolution in The Valley: The Insanely Great Story of How the Mac Was Made“

    Die letzten Jahre seines aktiven Berufslebens verbrachte Hertzfeld dann bei Google.

    Von August 2005 bis Juli 2013 arbeitete Hertzfeld für Google, dort war er hauptverantwortlich für die Benutzeroberfläche von Google+.

    Mittlerweile befindet sich Hertzfeld hauptsächlich im Ruhestand und bezeichnet sich selbst als retired Hacker, er tritt mitunter aber noch als Investor, zuletzt in das Start-up Spatial, in Erscheinung.

    Andy Hertzfeld on building the Macintosh

    Quellen:

    Interview Christoph Dernbach mit Andy Hetzfeld am 25. August 2011 auf der WWDC 2011.

    Interview Robert Cringely (NerdTV) mit Andy Herzfeld
    https://web.archive.org/web/20120728185354/https://www.pbs.org/cringely/nerdtv/transcripts/001.html

    The Kamla Show: Silicon Valley Pioneers: Andy Hertzfeld

    Podcast: „Land of Giants“ mit Peter Kafka, Episode 2: „This Changes Everything“

    Seite „Andy Hertzfeld“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. November 2020, 10:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Andy_Hertzfeld&oldid=206048172 (Abgerufen: 13. Oktober 2021, 20:18 UTC)

  • Investor und väterlicher Freund: Mike Markkula im Porträt

    Investor und väterlicher Freund: Mike Markkula im Porträt

    Wie Mike Markkula die Erfolgsgeschichte von Apple erst möglich gemacht hat

    Steve Jobs und Steve Wozniak sind in die Computer-Geschichte als die Gründer von Apple Computer eingegangen. Einer breiteren Öffentlichkeit blieb dabei verborgen, dass im Hintergrund ein Mann wirkte, ohne den es den Erfolg von Apple nie gegeben hätte. Die Rede ist nicht vom dritten Apple-Gründer Ronald Wayne, der nach knapp zwei Wochen schon wieder ausstieg und seinen Anteil von zehn Prozent wieder zurückgab, sondern von Mike Markkula, der als Investor und Manager eine maßgebliche Rolle bei Apple spielte.

    Im Herbst 1976 suchte Jobs nach Investoren, um die Produktion des neu entwickelten Apple II finanzieren zu können – und landete nach einer kurzen Odyssee bei Mike Markkula. Dieser hatte bereits als junger Mann bei Fairchild und Intel durch Aktien-Optionen ein Millionenvermögen angehäuft und sich mit 32 Jahren aus der Halbleiter-Industrie in ein Leben als „Privatier“ verabschiedet.

    Atari-Gründer Nolan Bushnell
    Atari-Gründer Nolan Bushnell lehnte 1976 eine Investition in Apple ab

    Der Finanzbedarf der Garagenfirma Apple war – zumindest aus der Perspektive der mittellosen Gründer – enorm: Allein  für die Fertigung des Plastikgehäuses hatte Jobs ein Investitionsvolumen von 100.000 Dollar kalkuliert. Insgesamt benötigte die junge Firma über 200.000 Dollar, um den von Steve Wozniak („Woz“) konstruierten Apple II Wirklichkeit werden zu lassen. Jobs fragte zunächst Nolan Bushnell, den Gründer von Atari, ob er nicht für 50.000 Dollar ein Drittel der Anteile von Apple übernehmen wolle. Schließlich hatte Bushnell Jobs einige Jahre zuvor bei Atari eingestellt – wegen seiner fehlenden sozialen Kompetenz war der junge Mann allerdings in die Nachtschicht bei Atari verbannt worden. „Ich war so schlau, Nein zu sagen“, erinnerte sich Bushnell gegenüber Steve-Jobs-Biograf Walter Isaacson später mit einem sarkastischen Unterton an die verpasste Chance seines Lebens. „Es ist irgendwie lustig, daran zu denken, wenn mir nicht gerade die Tränen kommen.“

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  • Michael Spindler (1942-2017)

    Michael Spindler (1942-2017)

    Nach seinem Rücktritt als Apple-CEO am 29. Januar 1996 hatte sich Michael Spindler komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Während sich sein Vorgänger John Sculley immer wieder zu Wort meldete, um seine Strategie als Apple-Chef zu rechtfertigen, wollte Spindler nicht mehr im Rampenlicht stehen.

    In der Geschichte von Apple gilt Spindler als der große Verlierer, weil es ihm nicht gelang, Apple aus der Krise durch die Bedrohung durch Microsoft und billige PC-Hersteller zu befreien. Dabei hat Apple bis heute ihm auch einiges zu verdanken.

    Michael Spindler wurde am 22. Dezember 1942 in Berlin geboren. Über seine familiären Hintergründe sowie seine Kindheit und Jugend in Berlin ist wenig bekannt. Er studierte an der Rheinischen Fachhochschule in Köln und begann seine Berufskarriere 1966 bei Siemens als Elektroingenieur. Er war es aber bald leid, an technischen Details wie Magnetbandsteuerungen für Großrechner zu arbeiten. Er wollte näher am Kunden sein und wechselte zur britischen Tochtergesellschaft der Schlumberger Ltd. für Telemetrie.

    1970 kehrte Spindler nach München zurück, um die Rolle des Handelsvertreters bei DEC zu übernehmen, die damals mit IBM im Minicomputermarkt konkurrierte. In dieser Zeit soll er auch schon seinen Spitznamen „Diesel“ erhalten haben, sowohl weil er groß und stark war, weil er mehr knurrte als er sprach, und auch weil er von morgens bis abends arbeitete. Spindler soll diesen Namen immer gehasst haben.

    Spindler sammelte in dieser Zeit wertvolle Management-Erfahrungen, lernte bei DEC, Teams zu organisieren und zu führen. Ersah aber auch den technischen Wandel hin zum Personal Computer, weg von den großen Kisten, die DEC und IBM damals im Programm haben. Es dann nur logisch, dass Spindler 1977 den nächsten Schritt in seiner Laufbahn bei Intel setzte.

    In Brüssel übernahm Spindler dann die Leitung des europäischen Marketings von Intel. Dort traf er Mike Markkula, der in der Gründungsgeschichte von Apple einen zentralen Platz einnimmt.

    Markkula, hatte bereits als junger Mann bei Fairchild und Intel durch Aktien-Optionen ein Millionenvermögen angehäuft und konnte es sich leisten, sich Ende der siebziger Jahre im Alter von nur 32 Jahren aus der Halbleiter-Industrie in ein Leben als “Privatier” zu verabschieden. Der umtriebige Absolvent der University of Southern California legte sich aber nicht auf die faule Haut, sondern machte sich als Berater und Angle Investor einen Namen.

    Auf Umwegen trafen sich auch Apple-Mitbegründer Steve Jobs und Markkula. Jobs suchte in der frühen Phase des Unternehmens dringend nach Kapital, Markkula war von dem unorthodoxen Auftreten des langhaarigen Hippies und seinen Visionen fasziniert. Markkula besorgte nicht nur das Geld, das Apple für die Expansion benötigte, sondern übernahm auch die Rolle des Apple-CEO.

    Über seinen Freund Mike kam Michael Spindler dann 1980 zu Apple: Der Deutsche übernahm die Führung bei der Vermarktung im kleinen Europa-Büro von Apple in Brüssel. Die Legende besagt, dass er in seinem neuen Job gut sechs Monate lang kein Gehalt erhalten hat, weil das Unternehmen noch immer kein europäisches Konto eröffnet hatte.

    Michael Spindler und Steve Jobs
    Michael Spindler und Steve Jobs

    Apple Europe zieht 1981 dann nach Paris: Spindler zeichnet sich durch originelle und aggressive Kampagnen aus, die ihm in der Apple-Zentrale in Cupertino Anerkennung verschaffen. Von 1983 bis 1985 war er bei Apple General Manager Marketing und Vertrieb für Europa, anschließend übernahm er im Rang eines Vice President den internationalen Marketing- und Vertriebsbereich des Computer-Konzerns. 

    Nach dem Rauswurf von Steve Jobs war in Kalifornien nun der ehemalige Pepsi-Manager John Sculley bei Apple am Ruder. Sculley schätzt in Spindler den fleißigen Manager, die in Europa immer wieder Absatzerfolge verzeichnen kann. 1987 wurde er Präsident von Apple Europa. In dieser Funktion leitete er den europäischen Vertrieb, den Kundendienst, das Marketing sowie den Bereich Forschung und Entwicklung. Unter seiner Führung konnte der Apple-Umsatz in Europa verdreifacht werden.

    Während Apple mit dem stärkeren Wettbewerb durch PC-Clone-Hersteller zu kämpfen hatte, ging es für Spindler weiter die Karriereleiter hinauf: 1990 auf Empfehlung John Sculley wurde Spindler zum Präsident, Chief Operating Officer und Mitglied des Board of Directors befördert. „The Diesel“ übernahm damit die Verantwortung für alle internationalen Aktivitäten von Apple, einschließlich Apple USA, Apple Europa und Apple Pazifik. Darüber hinaus leitete er die Macintosh Produktentwicklung (Hardware und Systemsoftware) und die Geschäftsbereiche Produktion und Enterprise Systems.

    Michael Spindler erläutert das Client/Server-Modell von Apple (1992)

    Spindler versuchte immer wieder, den nationalen Apple-Gesellschaften den Spielraum zu verschaffen, um Eigenheiten des Heimatmarktes bedienen zu können. So gelang es Spindler, Apple auch im asiatisch-pazifischen Markt zu etablieren. Dazu veranlasst er Apple Japan, die Rechte an einem Kanji-Font zu kaufen und als Kanji-Talk in den Mac zu integrieren. Dies macht den Mac zu einem von weltweit zwei Computerherstellern, die PCs mit Kanji anbieten und öffnet den Weg zu einem unglaublichen Apple-Boom in Japan. Bis heute hat Apple mit dem Mac in Japan traditionell hohe Marktanteile. Das hat Apple letztlich „The Diesel“ zu verdanken.

    Mit diesem Video richteten sich Sculley und Spinder 1992 an die verunsicherte Apple-Belegschaft.

    In dieser Funktion verantwortete Spindler den Übergang von der veralteten 680×0-Mikroprozessor auf den mit Intel und Motorola entwickelten PowerPC-Chip. Während dieser Übergang halbwegs gelang, scheiterte Apple in dieser Zeit mit dem Vorhaben, für das altersschwache Macintosh-Betriebssystem einen würdigen Nachfolger zu finden. Gleichzeitig setzten die Windows-Maschinen der PC-Hersteller Apple immer weiter unter Druck – obwohl der Erfolg der ersten PowerBooks zwischendurch Entlastung brachte. Apple fand aber in dieser Phase gegen Microsoft und sein Windows-System keine geeignete Antwort.

    Nachdem auch die Vorstellung des Newton-PDA die Ertragsmisere von Apple nicht beseitigen konnte,  zog Sculley Im Juni 1993 die Konsequenzen und überließ Spindler den Chefposten. Im Okt. 1993 trat Sculley auch als Chairman zurück und überließ seinen Posten Mike Markkula.

    Spindler hatte in dieser Phase an der Spitze von Apple die undankbare Aufgabe, Kosten zu sparen. Die Namen der entlassenen Mitarbeiter machten auf „Spindlers Liste“ – eine sarkastische Anspielung der Betroffenen auf das Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ – die Runde.

    Die Clones verschärften die Apple-Krise noch.

    Um das Macintosh-Betriebssystem nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen, lizenzierte Apple unter Spindler im Herbst 1994 die Software auch an andere Hersteller. Doch statt die Basis für das Mac OS zu erweitern, knüpften nun auch noch die Clone-Hersteller wie Power Computing und Motorola ihrem Lizenzgeber Apple weitere Marktanteile ab und verschärften den Preisdruck.

    Die PC-Allianz von Microsoft und Intel drängte Apple immer weiter in die Ecke. Im März 1995 beklagte sich in einem SPIEGEL-Interview über die veränderten Kräfteverhältnisse.

    SPIEGEL: Die Fachleute sagen, Apple baue die besten Computer. Warum sind Sie dann nicht der Marktführer?
    Spindler: Das hat mit der Dynamik zu tun, die der andere Standard in den vergangenen zwei Jahren hatte . . .
    SPIEGEL: . . . Sie meinen den von Microsoft gesetzten Industriestandard.
    Spindler: Wenn 80 Prozent der verkauften Computer auf einem bestimmten Standard laufen, ist es natürlich nicht einfach, dagegen anzugehen. Egal, ob Sie gut sind oder nicht.

    Michael Spindler im SPIEGEL 10/95

    Apple hatte spätestens mit dem Start von Windows 95 der aufstrebenden Wintel-Allianz zu wenig entgegenzusetzen. Die Macs waren zu teuer und besaßen nicht mehr den technischen Vorsprung wie noch einige Jahre zuvor.

    In dieser Zeit gab es auch die ersten Übernahmegerüchte. So waren wohl IBM und später auch Sun Microsystem dana interessiert, den angeschlagenen Computerpionier zu übernehmen. Die Misere bei Apple erreichte ihren Höhepunkt, als das Unternehmen im sonst umsatzstarken Weihnachtsquartal des Geschäftsjahres 1995/1996 einen Verlust von 69 Mio. US-Dollar ausweisen musste. Der Marktanteil des Macs sank auf 7,8 Prozent. 1993 lag er noch fast doppelt so hoch bei 13,6 Prozent. Im Februar musste Spindler seinen Posten als Apple-CEO verlassen. Die schlechte Nachricht musste ihm ausgerechnet sein Freund Mike Markkula überbringen.

    Neuer Apple-Chef wurde Gilbert F. Amelio, der sich als Sanierer des Chip-Herstellers National Semiconductor Inc. einen Namen gemacht hatte. Amelios größte Ta war es dann, Steve Jobs als Retter in das Unternehmen zurückzuholen und durch die Übernahme seiner NeXT Inc. die Softwarekrise bei Apple zu lösen.

    Michael Spindler verabschiedete schnell von der großen Bühne, auch weil die Bilanzen über seine Regentschaft bei Apple zu Abschied harsch ausfielen. So warf die New York Times ihm zu Abschied vor, die wahren Ausmaße des Problems auch zum Schluss nicht erkannt zu haben:

    Jahrelang waren die nahezu fanatischen Kunden von Apple bereit, für die hochentwickelten, einfachen und benutzerfreundlichen Maschinen des Unternehmens Premiumpreise zu zahlen. In jüngerer Zeit jedoch, da die Computer von Microsoft-Intel einfacher zu bedienen sind und Apple versucht hat, seinen Marktanteil durch die Einführung weniger teurer Maschinen auszubauen, haben die PC-Preiskämpfe die Rentabilität des Unternehmens beeinträchtigt.

    Da es immer deutlicher wird, dass das altehrwürdige Geschäftsmodell von Apple nicht mehr funktioniert, haben Analysten – und sogar einige Führungskräfte von Apple – verschiedene neue Strategien vorgeschlagen, darunter einen Fokus auf Software, die die Herstellung der Rechner Subunternehmern und Lizenznehmern überlassen würde.

    Aber Mr. Spindler, der bei Apple einen verdienten Ruf als brillanter, operativ orientierter Manager hatte, behauptete weiterhin, dass die prekäre Situation von Apple nur ein Übergangsproblem sei.

    John Markoff: Changing Guard at Apple: The Board Says ‚Enough‘

    Nach seinem Ausscheiden bei Apple saß Spindler noch eine zeitlang in den Vorständen von Daimler und Bertelsmann, zog sich dann aber vollständig ins Privatleben zurück.

    Über sein Privatleben wollte Spindler schon zu seinen Zeiten als Apple-CEO nicht gerne sprechen: „Verheiratet, drei Kinder, in meiner Freizeit lerne ich gerne neue Dinge und spiele ein wenig Tennis“, knurrte „The Diesel“im Sommer 1993 den Reporter des „Spiegel“ an.

    Im Herbst 2018 berichtete das französische Portal MacGeneration, dass Spindler bereits in 2017 verstorben sei. Mehrere Quellen und Verwandte hätten diese Informationen bestätigt, darunter auch der ehemalige Apple-Manager Jean-Louis Gassée.

    Quellen:
    Anthony Nelzin-Santos: Michael Spindler, CEO d’Apple de 1993 à 1996, est mort

    Marlene Buschbeck-Idlachemi: Michael Spindler – der glücklose Diesel

    Munzinger Internationales Biographisches Archiv 27/1996 vom 24. Juni 1996, Michael H. Spindler

    New York Times (4. Februar 1996) – John Markoff: Changing Guard at Apple: The Board Says ‚Enough‘

    Tom Hormby: „Michael Spindler: The Peter Principle at Apple“

    DER SPIEGEL (26/1993): Trockener Zahlen-Typ

    DER SPIEGEL (10/1995): „Eine Bank, die Geld druckt“

  • Ron Wayne – Der dritte Apple-Gründer

    Ron Wayne – Der dritte Apple-Gründer

    Ron Wayne? Wer soll das sein? Wenn man von den Gründern von Apple spricht, denkt man zuerst an Steve Jobs und Steve Wozniak. Jobs, der weitsichtige Business-Stratege und „Woz“, der geniale Tüftler. Tatsächlich wurde die Firma Apple Computer Company von drei Männern gegründet: „Mr. Stephen G. Wozinak, Mr. Steven P. Jobs und Mr. Ronald G. Wayne“, so steht es auch im Gründungsvertrag der Firma vom 1. April 1976 .

    Unterschriften unter dem Gründungsvertrag von Apple vom 1. April 1976
    Unterschriften unter dem Gründungsvertrag von Apple vom 1. April 1976

    Ron Wayne arbeitete vor der Gründung von Apple Computer bei Atari und traf dort Steve Jobs, der an der Entwicklung neuer Spiele beteiligt war. Über Jobs wurde Wayne auf Steve Wozniak aufmerksam, der als brillanter Hardware-Designer und Ingenieur den ersten brauchbaren Personal Computer entwickelt hatte, der als Apple I in die Technikgeschichte eingehen sollte.

    Es stellte sich aber auch schnell heraus, dass die beiden Steves sehr unterschiedliche Ziele verfolgten: Steve Wozniak wollten mit seinen genialen Entwicklungsschritten vor allem die Jungs im Homebrew Computer Club beeindrucken und hatte kein ernsthaftes Interesse daran, daraus ein großes Geschäft zu machen. Steve Jobs dagegen erkannte schnell das Business-Potential. Ein Rechner wie der Apple I könnte die Dominanz der Großrechner von Firmen wie IBM brechen und den Personal Computer zum Massenprodukt machen.

    Allerdings war Jobs nicht richtig in der Lage, seine Interessen mit „Woz“ abzugleichen. Deshalb baute er auf Ron Wayne und bot ihm vor diesem Hintergrund auch eine Minderheitsbeteiligung bei der Gründung von Apple Computer am 1. April 1976 an. Wayne war mit 10 Prozent an der Firma beteiligt, Jobs und Wozniak hielten jeweils 45 Prozent. Ron Wayne sollte das Zünglein an der Waage spielen, wenn sich die beiden Hauptakteure in die Haare bekommen. „Wir beide vertrauten ihm so sehr, dass er alle Konflikte, die wir haben, lösen würde“, sagte Steve Jobs.

    Doch es dauerte nicht lange, da bekam Apple-Mitbegründer Wayne kalte Füße: „Ich war quasi der Erwachsene in dem Raum. Ich war in meinen 40ern, diese Kid waren um die 20. Dann etwa anderthalb Wochen später, als ich Zeit zum Nachdenken hatte., tat ich das, was die meisten Leute für absolut verrückt hielten. Ich ließ meinen Namen aus dem Vertrag streichen.“

    Der erste Großauftrag für Apple: The Byte Shop

    Wayne machte sich vor allem Sorgen um die finanziellen Verpflichtungen, die mit dem ersten größeren Auftrag für Apple Computer verbunden waren. Jobs war gerade dabei, mit ersten Kunden wie „The Byte Shop“ Lieferverträge über den „Apple I“ abzuschließen. Die Bauteile dafür er auf Pump besorgen.

    „Ich hatte sehr gute Gründe, meinen Namen aus dem Vertrag zu streichen“, sagte Wayne rückblickend im Jahr 2016 in einem TV-Interview. „Es ging vor allem darum, dass wir eine Firma gegründet hatten. Und wenn wir scheitern sollten, hätten Jobs und Woz keine zwei Nickel in der Tasche gehabt. Wer wäre übrig geblieben, um zu haften? Nun, ich hatte ein Haus und ein Auto und auch ein Bankkonto. Ich war greifbar. Ich war also finanziell verwundbar. Aber ich wollte auch mein eigener Herr sein. Mir war auch klar, dass ich im Schatten von zwei Riesen stand. Ich hätte nie ein eigenes Projekt bekommen. Mit gefiel der Gedanke nicht, die nächsten 20 Jahre im Büro hinter Papierstapeln zu verbringen. Das war ein weiterer Grund, dort auszusteigen.“

    Sein Mitbegründer Steve Wozniak konnte diesen Schritt nicht nachvollziehen. „Ich weiß nicht, warum Ron aufgab. Er verkaufte seine Aktien und stieg aus. Er mag gute Gründe gehabt haben. Er stieg aus und war glücklich damit. Er konnte das große Ganze nicht sehen. Aber das konnte man damals kaum absehen. Es gab nur den Apple I.“

    Auf Verständnis bei Steve Jobs konnte Wayne nicht zählen. Jobs schilderte den Vorgang so: „Er entschied, dass er wirklich lieber einen Videorekorder oder so etwas haben wollte. Also verkaufte er uns 10 Prozent an uns für achthundert Dollar zurück.“

    Ron Wayne im Interview mit Jules Pochy und Jérôme Schmidt (2016)

    Vorbehalte gab es aber auch in entgegengesetzter Richtung: „Ich wusste auch nicht, ob Jobs die Art von Persönlichkeit war, für die ich arbeiten wollte“, sagte Wayne in dem ARTE-Interview (2016). „Er war halt wie er war. Er wusste genau, was er tun wollte. Und dabei kam man ihm besser nicht in die Quere. Man würde nut mit einem Fußabdruck auf der Stirn enden. Jobs hatte einen sehr aggressiven Charakter. Und wenn du die Wahl hättest, zwischen Steve Jobs und einem Eiswürfel, um die aufzuwärmen, würdest Du Dich an den Eiswürfel schmiegen. Aber nur so konnte er erreichen, was er mit Apple erreicht hatte. Apple war Steve Jobs.“

    Wayne bereute also nicht, so früh bei Apple ausgestiegen zu sein: „Diese Kids waren wilde Teufelskerle, also ob man einen Tiger am Schwanz halten muss. Wenn ich bei Apple geblieben wäre, hätte es mich schnell erwischt. Ich wäre dann nur der reichste Mann auf dem Friedhof gewesen.

    Eine Sache im Leben bereut Wayne dann aber doch. Mitte der neunziger Jahre sah er in einem Magazin die Anzeige einer Firme, die mit Autogrammen und Unterschriften handelte. Er erinnerte sich damals an den alten Apple-Vertrag, der in einem Schrank rumlag und nur Staub sammelte. Letztlich verkaufte er das historische Dokument für 500 Dollar an den Autogramm-Händler.

    Jahre späte sah Wayne dann im Fernsehen, wie sein alter Vertrag für fast 1,6 Millionen Dollar beim Autionshaus Sotheby’s unter den Hammer kam.

    „Dieser Vorgang tut mir leid. Aber was soll ich sagen. Es ist die Geschichte meines Lebens, richtig. Ein Tag zu spät dran und einen Dollar zu wenig in der Tasche.“

    Ron Wayne hat in der Geschichte von Apple auch nach seinem Ausstieg als Gesellschafter Spuren hinterlassen. Die erste Spur sollte schnell wieder beseitigt werden, denn Steve Jobs gefiel das erste Logo der jungen Firma nicht, das Wayne gestaltet hatte. „Im diesem Logo, das sie mich entwerfen ließen, habe ich Wozniaks Skurrilität eingefangen. Das Logo mit Newton in diesem gotischen Rahmen mit dem Band und der Aufschrift ‚Apple Computer Company‘ war natürlich ein Design des 19. Jahrhunderts, nicht des 20 Jahrhunderts. Das war mir schon klar.“

    Die zweite Spur war dann schon tiefer: Jobs fragte Wayne, ob er nicht ein Gehäuse für den Apple II entwerfen könne. Zwar wurde sein Entwurf nie verwendet. Apple übernahm aber das gestalterische Grundprinzip.

    Entwurf für eine Gehäuse des Apple II von Ron Wayne.

    Wayne amüsiert bis heute der Gedanke, dass er die ganze spätere Arbeit von beeinflusst haben könne. „Ein typischer Computer heutzutage besteht aus einem Tower und einer Platine, die vertikal untergebracht ist. Die Tastatur und Bildschirm sind separat. Bei meinem Design für den Apple II, hatte ich ein horizontales Design mit einer waagrecht montierten Platine. Die Tastatur war im Gehäuse integriert. Der Monitor stand oben drauf., als eine Einheit. Diesen Aufbau verwendeten sie für alle zukünftigen Modelle, den Macintosh und den Lisa und so weiter. Alle waren so aufgebaut. Diese Form war unter modernen Computern einzigartig.“

    Der Apple II in der Werbung

    ARTE-Interview mit Ron Wayne:

    Apples dritter Mann

    ARTE-Video hier klicken

    Auch die britische BBC hat sich mit Ron Wayne beschäftigt.

    BBC-Doku:

    Und hier noch ein Video, wie Apple-Mitbegründer Steve Wozniak die Sache mit Ron Wayne gesehen hat:

  • Der 800-Dollar-Fehler: Warum der dritte Apple-Gründer nicht reich wurde

    Der 800-Dollar-Fehler: Warum der dritte Apple-Gründer nicht reich wurde

    Apple wurde am 1. April 1976 von Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gegründet. Sie stammten aus kleinen Verhältnissen und bekamen den geschäftlichen Erfolg nicht in den Schoß gelegt. Um die ersten Modelle des Apple I im Jahr 1976 zu ermöglichen, verkauften Steve Jobs und Steve Wozniak fast buchstäblich ihr letztes Hemd. Jobs setzte seinen VW Bus ein, für den er immerhin noch 1.500 Dollar bekam. „Woz“ trennte sich von seinem geliebten programmierbaren Taschenrechner Hewlett-Packard 65 und legte 250 Dollar in die Firmenkasse.

    Ronald Wayne sollte mit seiner Erfahrung in der Dokumentation bei Atari etwas Ordnung in die junge Firma bringen und erhielt zehn Prozent der Firmenanteile. Als junger Familienvater scheute er aber das finanzielle Risiko und ließ sich bereits am 12. April 1976 wieder auszahlen. Er bekam 800 Dollar für seine Anteile.

    Arte-Kurz-Doku über den „Dritten Mann“ bei der Gründung von Apple

    Das Fundament für den geschäftlichen Erfolg legten 1977 der Venture Capitalist Arthur Rock sowie der Ex-Intel-Manager Mike Markkula, der 92.000 Dollar in Apple investierte und einen Bankkredit in Höhe von 250.000 Dollar absicherte. Das Investment sollte sich lohnen. Bevor Apple 1980 an die Börse ging, gehörte Markkula ein Drittel der Firma. Wayne erhielt noch einmal einen Scheck in Höhe von 1500 Dollar, als Arthur Rock und Mike Markkula bei Apple als Investoren einstiegen. Die Gründung der Apple Computer Inc. ging am 3. Januar 1977 ohne Wayne über die Bühne.

    Steve Jobs und Steve Wozniak bei der Präsentation des Apple II (1977)
    Steve Jobs und Steve Wozniak bei der Präsentation des Apple II (1977)

    Mit dem Börsengang am 12. Dezember 1980 wurden Jobs und Wozniak Multimillionäre, denn Apple Computer wurde nun mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Jobs besaß 7,5 Millionen Aktien (217 Mio. Dollar), „Woz“ wurden vier Millionen Aktien (116 Mio. Dollar) zugeteilt. Markkulas Anteil von sieben Millionen Aktien waren 203 Millionen schwer.

    Steve Jobs über Reichtum: „Ich habe es nie für das Geld getan“

    Steve Jobs bedeutete der neue Reichtum damals wenig: „Mit 23 Jahren besaß ich schon über eine Million Dollar und über zehn Millionen Dollar als ich 24 war und über 100 Millionen Dollar als ich 25 Jahre alt war“, sagte Jobs 1996 in einem Interview mit Robert Cringley („Triumph of the Nerds„). „Und es war nicht so wichtig, weil ich es niemals wegen des Geldes getan habe.“

    I was worth about over a million dollars when I was twenty-three and over ten million dollars when I was twenty-four, and over a hundred million dollars when I was twenty-five and ehm it wasn’t that important ehm because I never did it for the money.

    Steve Jobs im Playboy-Interview
    Steve Jobs im Playboy-Interview

    Auch im berühmten Playboy-Interview (Februar 1985) machte Jobs klar, dass er sein Leben nicht von Thema Geld dominieren lässt:

    PLAYBOY: We survived 1984, and computers did not take over the world, though some people might find that hard to believe. If there’s any one individual who can be either blamed or praised for the proliferation of computers, you, the 29-year-old father of the computer revolution, are the prime contender. It has also made you wealthy beyond dreams—your stock was worth almost a half billion dollars at one point, wasn’t it?

    JOBS: I actually lost $250,000,000 in one year when the stock went down. [Laughs]

    PLAYBOY: You can laugh about it?

    JOBS: I’m not going to let it ruin my life. Isn’t it kind of funny? You know, my main reaction to this money thing is that it’s humorous, all the attention to it, because it’s hardly the most insightful or valuable thing that’s happened to me in the past ten years. But it makes me feel old, sometimes, when I speak at a campus and I find that what students are most in awe of is the fact that I’m a millionaire.
    When I went to school, it was right after the Sixties and before this general wave of practical purposefulness had set in. Now students aren’t even thinking in idealistic terms, or at least nowhere near as much. They certainly are not letting any of the philosophical issues of the day take up too much of their time as they study their business majors. The idealistic wind of the Sixties was still at our backs, though, and most of the people I know who are my age have that ingrained in them forever.

    In der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner (2008) lag Steve Jobs mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 5,4 Milliarden Dollar auf Platz 189. In der Forbes-Liste 2011 landete Jobs mit einem Vermögen von 8,3 Milliarden Dollar auf Platz 110.

    Der Pixar-Deal: Wie Jobs wirklich zum Milliardär wurde

    Die umstrittenen Aktienoptionen von Apple aus dem Jahr 2001 haben aber nur in einem sehr kleinen Umfang zum Wohlstand des Apple-CEO beigetragen.

    Steve Jobs: Eigentümer von Pixar
    Steve Jobs: Eigentümer von Pixar

    Zum Milliardär wurde Steve Jobs vor allem deshalb, weil er nach seinem Rauswurf bei Apple 1985 seine Aktien – bis auf eine – verkaufte und am 3. Februar 1986 fünf Millionen Dollar in die Trickfilm-Abteilung von George Lucas investierte, aus der dann Pixar wurde.

    Jobs steckte die kommenden Jahre weitere Millionen in Pixar, denn der Trickfilm-Spezialist hatte eine lange Durststrecke zu überwinden. Die Hartnäckigkeit von Jobs hat sich für ihn gelohnt: Mit dem Börsengang von Pixar 1995 wurde Jobs zum Milliardär. Und als Pixar 2006 von Disney übernommen wurde, erhielt Jobs für seinen 49-Prozent-Anteil an Pixar einen Anteil von 6,7 Prozent an Disney.

    Die Rückkehr von Steve Jobs zu Apple Computer (MacWorld Expo 1997 in Boston)

    Bei Apple erhielt Jobs zuletzt ein Jahresgehalt von einem Dollar pro Jahr, das zwischendurch durch edle Geschenke wie einen Gulfstream-Jet im Wert von 90 Millionen Dollar aufgestockt wurde.

    Steve Jobs hatte beim Verkauf seines Animationsstudios Pixar an Disney Aktien im Wert von 7,4 Milliarden Dollar bekommen. Das machte ihn zum größten Anteilseigner des weltgrößten Unterhaltungskonzerns und sicherte ihm einen Platz im Disney-Verwaltungsrat. Disney war seitdem der wichtigste Verbündete von Apple in der Medienbranche.

    Laurene Powell Jobs (2012)
    Foto: Gobierno de Chile, CC BY 3.0 cl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22661348

    Am 5. Oktober 2011 starb der Apple-Mitbegründer. Sein milliardenschwerer Disney-Anteil wurde von seiner Witwe Laurene Powell Jobs in eine Stiftung eingebracht.

    Laurene Powell Jobs war Ende 2016 im Besitz von 64,3 Millionen Disney-Aktien, was damals einer 4-prozentigen Beteiligung an der Walt Disney Co entsprach. Das war etwa die Hälfte der 128,3 Millionen Aktien, die Powell Jobs Ende 2015 besaß.

    Powell Jobs hat seit 2016 ihre Anteile an Disney weiter verringert, so dass sie jetzt in der öffentlichen Liste der Top-10-Investoren nicht mehr auftaucht. Forbes schätzte das Vermögen von Lauren Powell Jobs und ihrer Familie im Februar 2019 auf 18,7 Milliarden Dollar.

    Steve Wozniak: Der Erfinder des PCs war kein Finanzgenie

    Steve Wozniak hatte im Umgang mit dem Geld weniger Glück als Steve Jobs. Um sich ein Haus und ein Auto im Wert von zwei Millionen Dollar zu finanzieren, gab Woz noch vor dem Börsengang viele Gründeraktien aus der Hand, die mit dem IPO einen viel höheren Wert hatten. Von dem „WozPlan“ profitierten 80 Apple-Mitarbeiter der ersten Stunde, die beim Optionsprogramm der Firma zunächst leer ausgegangen waren.

    iWoz Cover
    iWoz Cover

    Als Wozniak seine Arbeit bei Apple im April 1981 aufgab, gehörte ihm noch vier Prozent der Apple-Aktien, die damals 70 Millionen Dollar wert waren. Eine Reihe von Fehlinvestments, zwei Scheidungen ließen Wozniaks Vermögen schnell schrumpfen. Er dürfte aber immer noch ein Millionär sein. Woz bezieht nach eigenen Angaben noch bis heute einen kleinen Paycheck von Apple, der er immer noch als „Employee“ geführt werde.

    Wheel of Zeus, das jüngste Unternehmen von Wozniak, mit dem er ein GPS-Ortungssystem für Hunde entwickeln und vermarkten wollte, scheint auch nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Die ehemalige Firmen-Webadresse www.woz.com leitet inzwischen auf Wozniaks private Homepage www.woz.org um. (Stand Juni 2008).

    Mehr Glück hat Woz mit seinem Buch iWoz, das sich wohl halbwegs gut verkaufte und ihm verschiedene öffentliche Auftritte verschaffte. Woz war regelmäßig Gast bei den Keynotes von Steve Jobs. Und auch nach dem Tod von Jobs wurde Woz regelmäßig zu den großem Apple-Events in Cupertino eingeladen.

    Authors@Google: Steve Wozniak

    (Stand: Februar 2019)

  • John Sculley

    John Sculley auf dem Cover seiner Autobiografie 'Odyssey'
    John Sculley auf dem Cover seiner Autobiografie ‚Odyssey‘

    Die Chance, die Welt zu verändern

    Ein Satz wird John Sculley bis an sein Lebensende verfolgen: “Möchten Sie wirklich den Rest Ihres Lebens damit verbringen, Zuckerwasser zu verkaufen oder wollen Sie die Chance ergreifen, die Welt zu verändern?” („Do you want to spend the rest of your life selling sugared water or do you want a chance to change the world?“) Mit dieser Provokation versuchte Apple-Gründer Steve Jobs den erfolgreichen Pepsi-Manager Sculley im März 1983 davon zu überzeugen, seine Karriere-Laufbahn bei PepsiCo an der Ostküste zu beenden und sich auf das große Abenteuer Apple Computer einzulassen. Jobs hatte seit Wochen John Sculley zusammen mit seinem Mentor Mike Markkula bearbeitet: Sculley sollte bei Apple die Rolle des Chief Executive Officers (CEO) einnehmen und das Management leiten. Der arrogante Satz des jungen Apple-Mitbegründers vom gezuckerten Wasser muss bei dem Ost-Küsten-Mann tatsächlich einen Meinungswechsel verursacht haben. In seiner Autobiographie „Odyssey – Pepsi to Apple“ schreibt Sculley zumindest, dass ihn diese Worte noch tagelang verfolgt hätten.

    Es war, als ob jemand ausgeholt und mir einen harten Schlag in die Magengrube versetzt hätte. Da machte ich mir Sorgen, meine Karriere bei Pepsi aufzugeben, auf mein Altersruhegeld und meine Zusatzvergütungen zu verzichten, meine Loyalität gegenüber (Pepsi-CEO Donald M.) Kendall zu verletzen und fürchtete, mich nicht in Kalifornien einleben zu können – alles ganz pragmatische Überlegungen für einen Mann in den mittleren Jahren. Ich konfrontierte mich auf einmal mit der Feststellung, dass mein ganzes Leben an einem Kreuzweg angekommen war. Die Frage war unglaublich schwer zu beantworten – ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Mir fehlten die Worte.

    John Sculley

    Goldener Handschlag zum Antritt

    Die Bedenken von Sculley wurden letztlich auch durch ein üppiges Kompensationspaket aus dem Weg geräumt. Apple bot dem neuen CEO einen Jahresgehalt von einer Million Dollar – fünfzig Prozent als Grundgehalt, fünfzig Prozent als Tantieme. Dazu kam eine weitere Million Dollar als „Startgeld“ zu Beginn und eine Million als Entschädigungssumme, wenn die Zusammenarbeit nicht funktionieren sollte. Apple erklärte sich außerdem bereit, die Differenz zwischen dem Verkauf von Sculleys Haus an der Ostküste und dem Kauf eines vergleichbaren Hauses in Kalifornien zu tragen, „was das Unternehmen am Ende noch eine Million Dollar kosten sollte“, wie Sculley in seinem Buch vorrechnet. Dazu kamen noch Optionen auf 350.000 Apple-Aktien. Mit diesem goldenen Begrüßungs-Handschlag trat Sculley im Mai 1983 bei Apple an.

    Apple II
    Apple II

    Apple war zu diesem Zeitpunkt dem Stadium eines Garagen-Startups längst entwachsen. Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hatte 1977 den legendären Apple II entwickelt, von dem im ersten Jahr nur 600 Exemplare abgesetzt wurden. Doch spätestens mit der Premiere der Tabellenkalkulation VisiCalc (1979) entwickelte sich der Apple II zu einem Bestseller in der damals noch sehr kleinen und jungen PC-Branche.

    1981 verkaufte Apple 210.000 Geräte und verdrängte Konkurrenzprodukte wie den Commodore PET oder den TRS-80 von Radio-Shack auf die hinteren Plätze. Als John Sculley 1983 bei Apple anfing, hing das Unternehmen noch immer an den Umsätzen, die der Apple II in die Kasse spülte, obwohl das Gerät technologisch nicht mehr taufrisch war. Es wurden höchste Zeit, dem One-Trick-Pony Apple einen weiteren Trick beizubringen, zumal immer häufiger der 1981 auf den Markt gebrachte IBM-PC Apple die Show stahl.

    Marktanteile der 8-Bit-Computer (1980-1984)
    Marktanteile der 8-Bit-Computer (1980-1984)

    Apple tat sich aber schwer damit, einen erfolgreichen Nachfolger des Apple II am Markt zu etablieren. Im Mai 1980 wurde der Apple III vorgestellt, der sich jedoch aus mehreren Gründen zum teuren Flop entwickelte. Dazu gehörten der hohe Preis und die in der Praxis unvollständige Kompatibilität zum beliebten Apple II und dessen bereits recht großer Softwarebibliothek. Außerdem plagten den Apple III waren technische Probleme, wie etwa häufige Abstürze durch Überhitzung und die Tendenz der Chips, aus ihren (billigen) Sockeln zu rutschen.

    Die schwierige Suche nach einem Apple-II-Nachfolger

    Nicht viel mehr kommerziellen Erfolg hatte das Unternehmen mit dem Apple Lisa, die vier Monate vor dem Amtsantritt von Sculley der Öffentlichkeit vorgestellt worden war. Technologisch markierte „The Lisa“ einen Meilenstein: Der Rechner verfügte über eine Maus sowie über ein Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche, in der die Apple-Ingenieure Grundkonzepte aus dem legendären Forschungszentrum Xerox PARC in ein brauchbares Produkt umgesetzt hatten. Doch mit einem Preis von rund 10.000 US-Dollar verkaufte sich der Rechner äußerst schlecht.

    Somit ruhten alle Hoffnungen auf dem Apple Macintosh. Das Macintosh-Projekt war 1979 vom damaligen Apple-Boss Michael Scott („Scotty“) und Apple-Chairman Mike Markkula bei Jef Raskin in Auftrag gegeben worden, der ursprünglich einen Volkscomputer für 500 bis 1.000 Dollar – noch ohne eine grafische Bedieneroberfläche (GUI) – geplant hatte. Raskin verlor das Projekt aber 1981 an Steve Jobs, dem zuvor die Zuständigkeit für das kränkelnde Lisa-Projekt entzogen worden war.

    Nach dem legendären Besuch von Steve Jobs und seinen Mitarbeitern im Forschungszentrum Xerox PARC war allen Projektbeteiligten klar, dass der Mac wie der Alto von Xerox eine Maus und eine GUI haben musste – nur viel besser als bei den „reichen Nachbarn“ von Xerox. Auch an dieser Stelle sei betont, dass die Apple-Crew nicht einfach das Know-how der Forscher im Xerox PARC ausgeplündert hat. Vielmehr beruhte der Wissenstransfer auf einer Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen, für die Xerox mit Apple-Aktien noch vor dem Börsengang reichlich belohnt wurde.

    Mit den zusätzlichen Anforderungen, die Steve Jobs nun an den Mac stellte, rückte das Preisziel von 1.000 Dollar in weite Ferne. So entschied der Apple-Gründer im Mac die ersten 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerke von Sony zu verbauen, was den Preis um 50 Dollar erhöhte. Schließlich landete das Mac-Team bei einer Preismarke von knapp 2.000 Dollar. Die Preisfindung für den Mac führte zum ersten fundamentalen Konflikt zwischen John Sculley und Steve Jobs. Der neue Apple-CEO bestand darauf, den Mac für 2.495 Dollar auf den Markt zu bringen – Jobs wollte mit 1.995 Dollar unter der 2.000-Dollar-Marke bleiben. Das Macintosh-Team fühlte sich vor den Kopf gestoßen, wie man im Bericht von Andy Hertzfeld eindrucksvoll nachlesen kann. Die Entwickler sahen keinen Sinn darin, den Mac für ein großes Marketing-Budget zu teuer zu machen. Sie hätten den Mac für Leute wie sie selbst entwickelt und der von Sculley geforderte Preis sei ein Verrat an ihren Grundsätzen. Im ersten Machtkampf zwischen Sculley und Jobs setzte sich der neue CEO gegen den Apple-Gründer durch.

    Mit einem legendären TV-Spot wurde der Apple Macintosh vorgestellt
    Mit einem legendären TV-Spot wurde der Apple Macintosh vorgestellt

    Bis zur grandiosen Premiere des Apple Macintosh im Januar 1984 mit dem berühmtesten Werbespot aller Zeiten (“1984?) gelang es den beiden jedoch, die internen Konflikte nicht nach außen dringen zu lassen. Steve Jobs und John Sculley wurden in den Medien weiterhin als das „Dynamic Duo“ des Silicon Valleys gefeiert – obwohl das Verhältnis zwischen ihnen durch den Konflikt um den Macintosh-Preis einen tiefen Riss erlitten hatte.

    Der erste Riss zwischen Sculley und Jobs

    Als ‘Apple's Dynamic Duo‘ gefeiert: Steve Jobs und John Sculley auf dem Cover der BusinessWeek
    Als ‘Apple’s Dynamic Duo‘ gefeiert: Steve Jobs und John Sculley auf dem Cover der BusinessWeek

    In den Berichten über Apple im Frühjahr 1984 kann man davon aber nichts lesen: Steve Jobs war das Wunderkind mit einem untrüglichen Gespür für innovative Technologien. John Sculley nahm die Rolle des großen Marketing-Gurus ein, der hart daran arbeitete, seinen überragenden Erfolg der „Pepsi Challenge“ im Kampf gegen den Branchenprimus Coca-Cola auf die IT-Industrie zu übertragen.

    Zu einer leichten Entspannung zwischen Jobs und Sculley trug die Tatsache bei, dass sich der Apple Macintosh in den ersten Wochen blendend verkaufte. Doch nachdem sich der Rummel um die Macintosh-Premiere gelegt hatte, sackten die Verkaufszahlen schnell ein.

    Für Steve Jobs stand im Herbst 1984 der Schuldige fest: John Sculley und sein Drängen nach einer hohen Marge, die den Mac aber letztlich bei einem großen Publikum unverkäuflich machen. Noch 25 Jahre nach der Markteinführung des Macintosh kochte der Apple-Gründer vor Wut: „Es war der Hauptgrund, warum der Macintosh-Verkauf nachließ und Microsoft den Markt erobern konnte“, sagte Jobs.

    Sculley nannte in einem Interview mit Robert X. Cringley in der TV-Doku „Triumph of the Nerds“ 1994 für den anfänglichen Misserfolg des Macs aber ganz andere Gründe – Probleme, die Steve Jobs laut Sculley einfach nicht wahrnehmen wollte:

    (Der Mac) konnte nicht sehr viel. Wir hatten Mac Paint und Mac Write. Das waren unsere einzigen Anwendungen. Und der Markt bekam das mit. Und Ende des Jahres (1984) sagte viele: „Nun, der IBM-PC ist vielleicht nicht so einfach zu bedienen und nicht so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht letztlich, was wir ihn erledigen lassen wollen: Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und Datenbanken.“ Vor diesem Hintergrund sanken Ende 1984 die Absatzzahlen des Macs und er wurde im folgenden Jahr zum Problem.

    Im Dezember 1984 erwirtschafte das Unternehmen mit dem in die Jahre gekommenen Apple II rund 70 Prozent der Umsätze, obwohl der Mac längst die Rolle der „Cash Cow“ hätte übernehmen sollen. Ein TV-Beitrag der PBS-Magazin-Sendung „MacNeil-Lehrer NewsHour“ vom 5. April 1985 beweist, dass Apple diese Probleme im Frühjahr 1985 auch nicht mehr unterm Deckel halten konnte.

    PBS-Korrespondentin Elizabeth Brackett arbeitete in dem Beitrag klar heraus, dass der Mac eigentlich der bessere und begehrenswertere Computer war, mit dem allerdings gewöhnliche Geschäftsleute damals allerdings noch wenig anfangen konnten. Die PBS-Journalistin konnte damals noch nicht ahnen, wie heftig hinter den Kulissen der Machtkampf zwischen Steve Jobs mit John Sculley tobte: Mit Unterstützung von Apple-Investor Mike Markkula und dem Apple Board entzog Sculley dem Apple-Mitbegründer Jobs Ende März 1985 die Leitung der Macintosh-Gruppe.

    Der Showdown

    In die Ecke gedrängt unternahm Jobs im Mai 1985 noch einmal den Versuch, das Board of Directors umzustimmen und Sculley zu entlassen. Zusammen mit einigen Getreuen aus dem Mac-Team wollte Jobs seinen Ziehvater Markkula von einem Umstrukturierungsplan überzeugen. Mit diesem Plan hätte Apple Jobs die Führungs-Verantwortung übertragen oder ihm zumindest die operative Leitung des Produktbereichs gelassen. Doch Markkula zeigte sich wenig beeindruckt: “Ich sagte, ich würde seinen Plan nicht unterstützen und damit basta”, erinnert sich Markkula laut Isaacson. “Sculley war der Boss. Sie waren wütend und furchtbar emotional und probten den Aufstand. Aber so läuft das eben nicht.”

    Jobs konnte nicht fassen, was mit der von ihm gegründeten Firma geschah. Von seiner anfänglichen Begeisterung für Sculley war nichts übrig geblieben. Er hielt den Ostküstenmann inzwischen für einen Volltrottel, der nur auf seinen persönlichen Profit bedacht sei. Seinem Biografen Isaacson sagte Jobs:

    Das Board hielt mich für nicht fähig, ein Unternehmen zu leiten und deshalb traf es diese Entscheidung. Aber sie begingen einen Fehler. Sie hätten gesondert darüber entscheiden sollen, was sie mit mir machen und was sie mit Sculley machen. Sie hätten Sculley feuern sollen, auch wenn sie meinten, ich sei noch nicht so weit, Apple zu leiten.

    Steve Jobs

    Am 17. September 1985 zog Steve Jobs die Konsequenz und trat von allen Ämtern bei Apple zurück und verließ mit einigen Anhängern das Unternehmen. Mit den Erlösen aus dem Verkauf seiner Apple-Aktien gründete er ein neues Unternehmen (NeXT). Außerdem kaufte er George Lucas, der sich damals in einem kostspieligen Scheidungskrieg befand, seine Trickfilm-Abteilung ab, aus der dann Pixar wurde.

    Steve Jobs verlässt Apple

    Sculley rechtfertigte sein damaliges Verhalten in der Auseinandersetzung mit Steve Jobs in einem Interview mit der BBC (Januar 2012):

    Ich denke, Steve und ich hatten eine tolle Beziehung, wenn alles gut lief. Er interessierte sich wirklich für Consumer Marketing, weil er davon überzeugt war, dass es bei der Zukunft der Personal-Computing-Branche darum ging, wie man Computer vermarktet – genau so wie bei Consumer-Produkten großer Marken wie Pepsi und Coke.

    Ich wurde zu Apple geholt, nicht weil ich etwas über Computer wusste – wie man sie baut -, sondern weil das Unternehmen den Apple II kommerziell am Leben halten musste. Der Apple II stand am Ende seines Lebenszyklus‘. Er musste für weitere drei Jahre genügend Cash generieren, so dass Steve den Macintosh bauen und erfolgreich starten konnte. Während dieser Zeit sind Steve und ich sehr gut miteinander klar gekommen.

    Als der Macintosh Office im Jahr 1985 eingeführt wurde und scheiterte, war Steve todtraurig. Er war deprimiert, und er und ich hatten eine große Meinungsverschiedenheit, als er den Preis des Macintosh niedriger festlegen wollte. Ich wollte mich auf den Apple II konzentrieren, weil wir eine Aktiengesellschaft waren.

    Wir mussten die Gewinne des Apple II haben und konnten es uns nicht leisten, den Preis des Macintosh zu senken, weil wir die Gewinne vom Apple II benötigten, um gute Zahlen vorzulegen und uns nicht nur mit den Problemen des Macs zu beschäftigen. Das führte letztlich zu den Meinungsverschiedenheiten und dem Showdown zwischen mir und Steve. Als die Board-Mitglieder sich schließlich mit der Frage beschäftigten, beschlossen sie, dass meine Position diejenige war, die sie unterstützen wollten.

    Entgegen den düsteren Prognosen von Steve Jobs liefen die Geschäfte bei Apple nach seinem Weggang 1986/87 aber wieder besser. Vielleicht hatte John Sculley in dieser Phase auch einfach nur Glück. 1985 fehlten dem Mac noch die Anwendungen, die im IBM-Werbespot für den PC die Charlie-Chaplin-Figur Karton für Karton durchs Bild schleppte. Daher bemühten sich Guy Kawasaki und andere “Software Evangelists” von Apple die Entwickler in anderen Softwarefirmen davon zu überzeugen, Programme für den Mac zu schreiben. Das mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene ROM des Mac machte diese Aufgabe nicht einfach. Ein Jahr nach dem ersten Macintosh der “Fat Mac” mit 512 Kilobyte raus kam, war der enge Flaschenhals jedoch beseitigt.

    Moores Gesetz hilft Sculley aus der Patsche

    Selbst Sculley räumt ein, dass ihm eine allgemeine Entwicklung zugute gekommen ist und er nicht viel unternehmen musste, um das Macintosh-Geschäft anzukurbeln:

    Ironischerweise sorgte Moores Gesetz dafür. Es ging also nicht um die Frage, ob Steve oder ich recht hatte. Computer waren 1985 einfach noch nicht stark genug für anspruchsvolle Grafik-Leistungen, die man benötigte, um Laserdrucker anzusteuern. Und ironischerweise dauerte es nur 18 Monate, bis die Computer leistungsfähig genug waren, dass wir die Mac Office in Desktop Publishing umbenennen konnte. Es wurde sehr erfolgreich.

    Es war nicht meine Idee, es war alles der Kram von Steve, aber er war nur eineinhalb Jahre zu früh.

    John Sculley

    Zum Erfolg im zweiten Anlauf trug auch der glückliche Umstand bei, dass sich rund um den Mac die Grundlagen für das Desktop Publishing (DTP) entwickelten, mit dem Gutenbergs Erfindung (Satz und Druck) zum ersten Mal seit über 500 Jahren tiefgreifend revolutioniert wurde.

    Aldus PageMaker
    Aldus PageMaker (1087)

    Das Software-Unternehmen Aldus brachte im Juli 1985 das Programm PageMaker auf den Markt. In Verbindung mit der Seiten-Beschreibungssprache PostScript von Adobe konnten Broschüren, Magazine, Bücher oder Kataloge am Bildschirm entworfen und auf einem Laserdrucker wie dem Apple LaserWriter oder mit Hilfe eines PostScript-fähigen Belichters von Linotype gedruckt werden. DTP war die „Killer-Anwendung“, die der Macintosh so dringend benötigte.

    1987 verkaufte Apple eine Millionen Macs und spielte plötzlich wieder in der IBM-Klasse mit, obwohl die Marktanteile der Konkurrenz nie wieder erreicht wurden. Über die Hälfte der gut 2.000 Dollar, die der Mac damals kostete, landeten als Gewinn bei Apple. Sculley und seine Kollegen im Apple-Vorstand glaubten, dass die User immer und ewig bereit seien, für bessere Technik auch viel mehr Geld zu zahlen.

    Technologisch konnte Apple noch in dieser Phase der Sculley-Ära von der Substanz zehren, die beim Weggang von Jobs im Unternehmen vorhanden war. Der französische Ingenieur Jean Louis Gassée, der von Jobs die Führung der Macintosh-Abteilung übernommen hatte, führte mit dem Mac Plus den ersten Macintosh ein, der wirklich erweiterbar war. Als Arbeitstier in den Grafikabteilungen und Redaktionen bewährte sich auch der Macintosh II, in dem der schnellere 68020-Chip von Motorola steckte und der deutlich mehr Speicher als der 68000 ansteuern konnte. Dicke Profite strich Apple auch mit dem aufgebohrten Würfelcomputer Macintosh SE ein, der immerhin 3.700 Dollar kostete (1.000 Dollar mehr als der Mac Plus).

    Holprig verlief in der Ära Sculley der Einstieg von Apple ins Mobile Computing. Der erste Apple-Laptop, der Macintosh Portable, erreichte zwar mit seinen Bleisäure-Akkus (ohne Memory-Effekt) eine auch für heutige Verhältnisse beachtliche Laufzeit von bis zu 10 Stunden. Doch der Name „Portable“ passte nicht so richtig, denn das Gerät war 7,2 Kilogramm schwer. Mit einem Preis von 6.500 Dollar blieb der Macintosh Portable wie Blei in den Regalen liegen. Erst mit dem PowerBook (1991) gelang Apple ein Absatzerfolg im Notebook-Markt.

    In den späten achtziger Jahren lag der Marktanteil von Apple noch bei 16 Prozent. Das war zwar weit von den Verhältnissen Ende der siebziger Jahre entfernt. Doch da damals die Rendite stimmte, waren die Aktionäre und der Verwaltungsrat von Apple mit Sculleys Arbeit zufrieden. Nach Ansicht von Steve Jobs wurden in dieser Phase aber entscheidende Fehler begangen, für die letztlich Sculley verantwortlich gewesen sei: „Sculley machte Apple kaputt, indem er schlechte Leute einstellte und auf falsche Werte setzte“, klagte er später. „Sie wollten Geld machen – hauptsächlich für sich selbst und auch für Apple -, statt tolle Produkte herzustellen.“

    Das Streben nach Profit zulasten ging nach Jobs‘ Einschätzung zulasten eines wachsenden Marktanteils. „Macintosh verlor gegenüber Microsoft an Boden, weil Sculley sich nicht davon abbringen ließ, so viel Gewinn abzuschöpfen, wie er nur konnte, statt das Produkt zu verbessern und bezahlbar zu machen.“

    John Sculley: Technischer Volltrottel oder genialer Jung-Erfinder?

    Selbst wenn man die Ära Sculley bei Apple kritisch sieht: Das harsche Urteil von Steve Jobs war natürlich durch den Quasi-Hinauswurf 1985 überschattet und zeichnet kein differenziertes Bild von Sculley. Ob Sculley damals tatsächlich wirklich nur der ahnungslose Technik-Laie war oder ob er doch über technisches Gespür verfügte oder gar in der Lage war, Visionen zu entwerfen, kann man rückblickend nur schwer einschätzen. In seiner 1987 erschienen Autobiografie „Odyssey“ behauptet Sculley fast beiläufig, er habe als Kind nicht nur Radiogeräte zerlegt und elektrische Türöffner konstruiert, sondern Bahnbrechendes geleistet:

    1954, als ich vierzehn Jahre als war, führte meine Elektronikbegeisterung dazu, dass ich eine Farbfernsehröhre erfand. Mein Vater half mir, einen Patentanwalt zu finden, aber Dr. Lawrence von den Lawrence-Livermore-Laboratorien, der Erfinder des Zyklotron-Teilchenbeschleunigers, war einige Wochen schneller gewesen als ich. Sein Patent, das später Sony erwarb, legte die Grundlage für Sonys erfolgreiche „Triniton“-Farbfernsehröhre.

    John Sculley
    Patent von Ernest O. Lawrence für das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre (1951/54)
    Patent von Ernest O. Lawrence für das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre (1951/54)

    Schaut man in die Technik-Geschichtsbücher, kann man lesen, dass Ernest O. Lawrence bereits 1951 das Konzept die Chromatron-Farbbildröhre entwickelt hatte. Das U.S. Patent 2,692,532 „Cathode Ray Focusing Apparatus“ wurde von Lawrence am 4. April 1951 eingereicht und am 26. Oktober 1954. Selbst wenn Sculley tatsächlich schon als Schüler eine geniale Idee gehabt haben sollte – seine Schilderung der Details kann nicht als glaubwürdig angesehen werden.

    Sculley betont aber immer wieder selbst, dass Mike Markkula und Steve Jobs ihn nicht wegen seiner technologischen Visionen zu Apple geholt haben. In einem Interview mit dem „Playboy“ im September 1987 sagte er: „Zwischen ‚High Fizz‘ (Fizz=Brause) und ‚High-Tech‘ ist es ein weiter Weg.“ Er habe seine Ausbildung zunächst nicht einmal auf wirtschaftliche Themen ausgerichtet. „Ich fing als Architektur-Student an und habe dann in einem Sommer das Thema ‚Marketing‘ entdeckt, als ich in der Industrie-Design-Firma arbeitete.“ Sculley schloss dann an der Wharton School der Business School der University of Pennsylvania, mit einem MBA ab. In seiner Zeit bei Procter & Gamble habe er zu der Zeit an der Verpackung der Zahnpasta Crest gearbeitet, als das Unternehmen die Erlaubnis bekam, das Gütesiegel der American Dental Association zu verwenden. „Wir haben ihre Worte direkt auf die Tube gedruckt.“

    Bei Pepsi stieg Sculley 1970 zum Vize-Präsidenten auf und beschäftigte sich mit Themen wie der Gestaltung der Pepsi-Flaschen und der Einführung von Verpackungen, in denen 12 oder 24 Pepsi-Dosen Platz fanden. Nach Einsätzen im Ausland wurde Sculley 1977 zum Pepsi-Präsidenten befördert. Sein größter Erfolg war dann die Einführung der „Pepsi-Challenge“, eine Werbekampagne, der der in Straßenumfragen Passanten aufgefordert wurden, bei einer Blind-Verkostung zu sagen, welche Cola am besten schmeckt – und bei der natürlich Pepsi die Nase vorn hatte.

    Seinen ersten Personal Computer – eine Apple II – hat sich Sculley nach eigenen Angaben 1980 gekauft. „Ich kann mich daran erinnern, den Computer geöffnet und ins Innere geschaut zu haben. Ich sagte: ‚Da ist ja nichts drin‘. Ich konnte es einfach nicht glauben.“ In dem von Steve Wozniak entworfenen Apple II gab es aber keine Röhren mehr, die Sculley als Radio-Bastler wohl erwartet hatte.

    Zwei Jahre später wurde Sculley von einem Headhunter kontaktiert, der im Auftrag von Apple nach einem CEO für das kalifornische Start-Unternehmen suchte. Der Rest der Geschichte ist bereits erzählt: Mit der Vision, die Welt zu verändern, lockte Steve Jobs den Pepsi-Manager 1983 nach Cupertino. Zwei Jahre später trennte sich das „Dynamic Duo“ einem lauten Knall.

    Der Durchmarsch der Sculley-Gang

    Nach dem Weggang von Jobs ersetzte Sculley im Apple-Management systematisch Experten mit einem technischen Hintergrund durch Marketing-Leute. So stieg 1987 Allan Z. Loren, der von einem Versicherungsunternehmen zu Apple gekommen war, zum Leiter der Computer-System-Abteilung auf. In diesem Jahr sagte Sculley in dem Playboy-Interview auch voraus, dass in einem Zeitraum von 20 Jahren die Sowjetunion eine bemannte Mission zum Mars erfolgreich abschließen können und der Wert der börsennotierten  Unternehmen in Japan höher sei als in den USA.

    Sculley wollte nicht nur als Marketing-Mann in die Chroniken der Technologie-Geschichte eingehen, sondern als ein Visionär des 21. Jahrhunderts. Der Apple-CEO beauftragte damals den späteren Netscape-Designer Hugh Dubberly und die Künstlerin Doris Mitsch mit der aufwändigen Produktion des Videos „Knowledge Navigator“, in dem die Vision eines vernetzten Tablet-Computers, visualisiert wird, der Persönlicher Digitaler Assistent, Kommunikationszentrale und vernetzte Wissensmaschine in einem ist. Das Team, zu dem auch Mike Liebhold, Michael Markman und Mitarbeiter der Kenwood Group, einer externen Produktionsfirma gehörten, wurde von Bud Colligan geleitet, der bei Apple für das Marketing im Bereich „Higher Education“ zuständig war. Das Video wurde im Oktober 1987 erstmals öffentlich ausgeführt. In dem Film spielt im im Jahr 2009. Der „Knowledge Navigator“ dient einem Berkeley-Professor als „Persönlich Digitaler Assistent“ bei seiner Arbeit.

    Parallel zur Videoproduktion beschrieb Sculley in seiner Autobiografie die Vision eines „Macintosh der Zukunft“. Der „Knowledge Navigator“ könnte eine „wunderbare Phantasiemaschine“ sein, „ein Entdecker neuer Welten, ein ebenso wunderbares Werkzeug wie die Druckerpresse“.

    Der einzelne könnte es einsetzen, um durch Bibliotheken, Museen, Datenbanken und Regierungsdokumente zu „fahren“. Dieses Werkzeug würde das Individuum nicht nur an die Schwelle dieser großen Reichtümer geleiten, wie das heute hochentwickelte Computer können, es würde ihn tief in die Geheimnisse hineinziehen, indem es die Informationen interpretiert und so in Wissen verwandelt.

    John Sculley

    Die Vision des Knowledge Navigators

    Sculley wurde der Entwicklung des Konzeptes vom „Knowledge Navigator“ maßgeblich vom Apple Fellow Alan Kay beeinflusst.

    Dynabook-Konzept von Alan Kay (August 1972)
    Dynabook-Konzept von Alan Kay (August 1972)

    Der Informatiker gilt als Pionier des objektorientierten Programmierens, das er an der University of Utah in den späten 60er Jahren im Rahmen eines APRA-Projektes konzipierte. Am Forschungszentrum Xerox PARC entwickelte Kay zusammen mit Dan Ingalls, Adele Goldberg und anderen in den siebziger Jahren die objektorientierte Programmiersprache Entwicklungsumgebung Smalltalk. Am Xerox PARC entwarf Kay außerdem das konzeptionelle Computer-System Dynabook, das letztlich den modernen Tablet-Computern wie dem iPad ähnelt.

    Kay trat 1986 an Sculley heran und forderte größere Forschungsanstrengungen bei Apple ein, weil es keine Institution gebe, von der Apple Konzepte für einen Personal Computer der nächsten Generation übernehmen könne: „Beim nächsten Mal werden wir kein Xerox haben.“ Jede innovative Technologie – egal wie einfach oder komplex – benötige 15 bis 20 Jahre, um sich von einem Konzept zu einer kommerziellen Anwendung zu entwickeln. Daher wurde es Zeit, für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei Apple ein Konzept in den Raum zu stellen.

    Die Quintessenz der jahrelangen Untersuchung von Alan wurde im Jahre 1987 in einem Konzept umgesetzt, das wir als Knowledge Navigator bezeichneten. Moore’s Law hatte ja schon vorausgesagt, dass die (ständig wachsende) Rechenleistung in den kommenden zwanzig Jahren in der Lage wäre, dreidimensionale Geometrien in Echtzeit zu manipulieren. Der Knowledge Navigator sagte eine Welt der interaktiven Multimedia-Kommunikation voraus, in der Rechenleistung als gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand allgenwärtig ist. Auf Wissens-Anwendungen werde dann durch intelligente Agenten zugegriffen, die über Netzwerke mit riesigen Mengen an digitalisierten Informationen verbunden sind.

    Dem Knowledge Navigator sollten eine Reihe neuartiger Schlüsseltechnologien zugrunde liegen:

    1. Fortschrittliche Kommunikationstechnologie, die weltweit Rechner und Datenbanken miteinander verbindet und den Anwendern breitere Informationspfade zur Verfügung stellt.
    2. Echtzeit-Animationen in 3D, die es erlauben, komplexe Modelle zu visualisieren.
    3. Verbesserte Datenbank-Technologien als Schlüssel zu umfassenden Informationssystemen.
    4. Hypermedia, die Verbindung von Text, Grafiken, Ton und bewegten Bildern, die den zukünftigen Computer-Anwendern intuitiv den Weg durch riesige Informationssammlungen weist.
    5. Spracheingabe, da die Tastatur als Eingabeinstrument nicht flexibel genug ist
    6. Maschinelle Übersetzung von fremdsprachigen Quellen in die Muttersprache des Anwenders.
    7. Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Die künstliche Intelligenz erlaubt die Verwendung von Agenten, die sowohl persönliche Vorlieben der Anwender erkennen als auch Strategien vorschlagen und damit zur Steigerung der Produktivität beitragen.

    Das Video „Knowledge Navigator“ wurde für einen Auftritt von John Sculley auf Educom im Oktober 1987 produziert, der wichtigsten Hochschul-Konferenz für wissenschaftliche Datenverarbeitung. „John Sculley sollte der Hauptredner auf der Educom sein. Für uns stand einiges auf dem Spiel, um dort eine ‚Vision‘ von Apple zu zeigen“, erinnert sich Bud Colligan. Nach seiner Erinnerung wurde das Video im Spätsommer 1987 innerhalb von nur sechs Wochen entworfen und produziert. „Wenn wenig Zeit zu Verfügung steht, bringt das manchmal tatsächlich ein Projekt auf den Punkt, hält das Skript straff und kappt die Länge.“

    Hier ist ein weiteres Video, das aus dem gleichen Projekt entstand. Darin diskutieren Alan Kay, Steve Wozniak, Diane Ravitch (Director, Encyclopaedia Britannica) und andere die Auswirkungen des „Knowledge Navigator“-Konzeptes auf Bereiche wie Lernen, Computing und die Geschäftswelt.

    Der Knowledge Navigator sollte aber nicht nur ein abstraktes Konzept bleiben, sondern sich auch in einem konkreten Produkt – einem Personal Digital Assistant (PDA) niederschlagen. Dabei hatte Apple-Chef John Sculley nicht die Geduld, „15 bis 20 Jahre“ zu warten, bis sich aus einem abstrakten Konzept ein funktionierendes Produkt entwickelt, wie Apple-Fellow Alan Kay postuliert hatte.

    Vom Knowledge Navigator zum Apple Newton

    Bei der Suche nach einem talentierten Ingenieur und Manager, der das PDA-Projekt vorantreiben sollte, wurde Sculley in der Entwicklung-Abteilung von Apple auf Steve Sakoman aufmerksam. Der ehemalige HP-Angestellte war noch von Steve Jobs 1984 bei Apple eingestellt worden, um an einer Laptop-Version des Macintosh mitzuentwickeln. Nachdem Jobs das Unternehmen verlassen hatte, waren auch die Laptop-Pläne auf Eis gelegt worden. Sakoman arbeitete stattdessen in führender Position an der Entwicklung des Mac Plus, Mac SE und Mac II mit. Mit seiner Aufgabe war Sakoman aber nicht zufrieden. Immer wieder versuchte er die Apple-Spitze davon zu überzeugen, einen mobilen Rechner mit Handschriften-Erkennung zu entwickeln. Um seinen Traum zu verwirklichen, stand er kurz davor, Apple zusammen mit Jean Louis Gassée zu verlassen, um ein eigenen Unternehmen zu gründen. Als Investor stand schon der Gründer von Lotus, Mitch Kapor, bereit. Doch dazu kam es nicht – vermutlich auch, weil Apple die Abtrünnigen verklagt hätten. Um Sokoman bei Laune zu halten, schlug Gassée ein „skunk works project“, also ein kleines, geheimes Unternehmensprojekt, vor. Sokoman griff die Idee begeistert auf und nannte das Projekt Newton nach dem legendären Naturforscher Sir Isaac Newton, der auch auf dem ersten Apple-Logo zu sehen war. Zusammen mit einem Tam von Ingenieuren, zu denen auch der Entwickler des Finder, Steve Capps, gehörte, zog sich Sakoman in ein Bürogebäude in der Bubb Road in Cipertino zurück, in dem einst Steve Jobs die Entwickler-Truppe des ersten Apple Macintosh bis zur Erschöpfung angetrieben hatte.

    Es sollte dem Newton-Team nicht gelingen, in den kommenden drei Jahren einen funktionierenden Prototypen des Apple Newton zu entwickeln, obwohl Gassée dafür sorgte, dass das Projekt genügend Mittel zur Verfügung hatte. Insbesondere die angestrebte Handschriftenerkennung bereitete große Probleme. Als der deutsche Apple-Manager Michael Spindler 1990 die Position des Geschäftsführers (COO) hinter John Sculley übernahm, versiegte der Finanzstrom. Gassée und Sakoman verließen Apple, um Be Inc. zu gründen – hinterließen aber immerhin halbwegs brauchbare Spezifikationen und Preiskalkulationen. Apple-Manager Larry Tesler, der 1980 vom Forschungsinstitut Xerox PARC zu Apple gekommen war, musste nun beurteilen, ob nun der Newton zu Ende entwickelt und auf den Markt gebracht werden soll oder ob das Apple-interne Konkurrenzprojekt „Pocket Crystal“ zum Zuge kommen sollte, an dem Apple-Legenden wie Andy Hertzfeld, Marc Porat und Bill Atkinson gearbeitet hatten. Tesler entschied sich für das Newton-Konzept.

    Die drei Freunde Atkinson, Porat und Hertzfeld gründeten im Mai 1990 die Firma General Magic und entwickelten auf der Basis von „Pocket Crystal“ das Mobil-OS Magic Cap und ein Konzept von virtuellen Agenten, die auf der Basis der Programmiersprache Telescript durch das Netz streifen und Inhalte recherchieren oder Aufgaben erledigen. Das Unternehmen ging im Februar 1995 an die Börse – konnte allerdings nie wirklich erfolgreiche Produkte am Markt platzieren. Das geistige Eigentum der Firma landete 1998 vor allem bei Microsoft. Am 17. September 2002 stellte General Magic den Betrieb ein. Viele Patente des gescheiterten Unternehmens wurden von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen ersteigert.

    Zurück zu den Aktivitäten bei Apple im Jahr 1990: Nach der Vorauswahl von Tesler setzte Apple-Chef Sculley dem Newton-Team eine Frist, um den Status eines Forschungsprojektes zu beenden. Am 2. April 1992 sollte der Apple Newton für 1.500 Dollar auf den Markt kommen, lautete die Ansage von Sculley. Diese Vorgaben führten auch dazu, dass ein von Tesler favorisiertes größeres (und teueres) Newton-Modell („Senior“) verworfen.

    Prototyp des Apple Newton
    Prototyp des Apple Newton

    Den von Sculley gesetzten Zeitrahmen konnte das Newton-Team natürlich nicht einhalten. Immerhin wagte sich der Apple-CEO Im Mai 1992 mit einem kaum funktionierenden Prototyp des Gerätes auf auf die Consumer Electronics Show in Chicago, der von der Presse euphorisch begrüßt wurde.

    Gut ein Jahr später, am 3. August 1993 war es dann soweit: Apple stellte auf der MacWorld Expo in Boston das Apple Newton MessagePad Das erste MessagePad der Baureihe basierte auf einem mit 20 MHz getakteten ARM-Prozessor 610 und hatte 4 MByte ROM und 640 KByte RAM-Speicher sowie einen monochromen Touch-LCD mit 336 × 240 Pixeln. Das originale MessagePad wurde in deutscher oder englischer Version ausgeliefert und kam im Dezember 1993 auch in Deutschland auf den Markt.

    Ein Schwachpunkt der ersten Newton-Modelle war die vom russischen Unternehmen ParaGraph entwickelte Handschriftenerkennung CalliGrapher.

    Pech für Apple und den Newton, dass der Calligrapher in der ersten Version unzureichend funktionierte und sich die Schreibfehler zum Newton-Image verdichteten. Von diesem Image kam der Stiftrechner auch dann nicht los, als die Schrifterkennung und die Erwartungen der Nutzer kompatibel wurden. Ab der Newton-Systemversion 2.0 war die von Apple entwickelte Rosetta-Engine an Bord, die Einzelbuchstaben erkennen konnte — Calligrapher dagegen konnte nur Schreibschrift; da die deutsche Schreibausbildung weniger standardisiert ist als die amerikanische, wurde dadurch die Schrifterkennen zusätzlich erschwert. Zudem setzen Calligrapher und Rosetta auf ein Wörterbuch auf: Was nicht drin ist, wird nicht (oder nur schlecht) erkannt.

    (Detlef Borchers: Apples Newton: Der Schwerkraft getrotzt, doch der Zeit voraus)

    Das Newton-Desaster

    Für Apple-Chef Sculley und sein „Baby“ Newton drehte sich der Wind, als sich Leute wie der Cartoonist Garry Trudeau über die offensichtliche Schwachstelle des Apple-PDA mokierten. Der Doonesbury-Comic wirkte sich für das Image des Newton verheerend aus, obwohl Garry Trudeau sich eigentlich mehr über die Geeks lustig machen wollte, die Gadgets wie den Newton für unverzichtbar halten, als über das Gerät selbst.

    Garry Trudeau macht sich im Doonesbury-Comic über den Apple Newton lustig
    Garry Trudeau macht sich im Doonesbury-Comic über den Apple Newton lustig

    Noch bevor das Newton-Desaster  offenbar wurde, neigten sich die Tage von John Sculley bei Apple ihrem Ende entgegen. In der Welt der Personal Computer bauten IBM, Microsoft und PC-Hersteller wie Compaq ihren Vorsprung am Markt gegenüber dem Mac immer weiter aus. Und Wunder-Projekte wie der Newton oder die Spielekonsole Pipin zündeten nicht. Eine von Sculley ausgehandelte Vereinbarung mit Microsoft sorgte zwar dafür, dass der Softwaregigant weiterhin sein Office-Paket für den macintosh produzierte. Doch Apple erkaufte diesen Achtungserfolg sehr teuer, denn Microsoft ließ sich dafür quasi einen Freibrief für die Weiterentwicklung für Windows ausstellen, der Apple später in große Nöte bringen sollte. Mit den von Sculley zugesagten Rechten in der Hand, konnten Bill Gates und seine Juristen eine breit angelegte Ideenklau-Klage von Apple locker abwehren.

    Sculley schien spätestens 1992 den Spaß verloren zu haben, an der Spitze von Apple zu stehen. Er tummelte sich lieber im Umfeld der Washingtoner Politik als mit seinen Ingenieuren über innovative Produkte zu sprechen. Auch in der Entwicklung eines neuen Betriebssystems für den Macintosh kam Apple in dieser Zeit nicht voran. Und die Kunden waren von der unübersichtlichen Produktpalette von Apple heillos überfordert.

    John Sculley tritt zurück

    Nachdem Sculley monatelang vergeblich versucht hatte, einen großen IT-Konzern zum Einstieg bei Apple zu bewegen, gab er im Sommer 1993 auf. Am 18. Juni trat John Sculley zunächst als CEO zurück und übernahm den „Grüßgott-August“-Posten des Apple Chairman. Zu seinem Nachfolger wurde Michael Spindler berufen, der dann Apple noch tiefer in den Schlamassel reiten sollte. Nachdem Apple am 14. Oktober 1993 miserable Zahlen für das 4. Geschäftsquartal mit einem 97-prozentigen Gewinn-Rückgang verkünden musste, gab Sculley auch die Position des Chairman auf und verließ Apple für immer.

    Der Abgang wurde durch eine Abfindungszahlung in Höhe von einer Millionen Dollar versüßt. Außerdem erhielt Sculley noch einen mit 750.000 Dollar dotierten Beratervertrag. Apple kaufte ihm weiterhin seine 4-Millionen-Dollar-Villa in Woodside und seinen Learjet für zwei Millionen sowie Aktienoptionen im Wert von 2,4 Millionen Dollar ab. Kaum hatte Sculley das 10-Millionen-Dollar-Paket in den Händen, übernahm er bei Spectrum Information Technologies die Position des CEO und Chairman. Zu diesem Zeitpunkt leitete jedoch die amerikanische Börsenaufsicht SEC ein Verfahren gegen Spectrum wegen betrügerischer Bilanzierung ein, so dass Sculley sich bald wieder einen neuen Job suchen musste.

    Zusammen mit seinen Brüdern Arthur und David gründete John Sculley dann die Investment- und Beratungsfirma Sculley Brothers LLC und beteiligte sich später an verschiedenen Internet-Unternehmen und Start-ups.

    John Sculley
    John Sculley

    Im Februar 2011 bedauerte John Sculley im Schweizer Fernsehen, dass er dazu beigetragen hatte, dass Steve Jobs 1985 Apple den Rücken kehrte: „Steve ist unbestritten der beste Firmenchef, den es zu meinen Lebzeiten gab. Ihn rauszudrängen, war ein großer Fehler. Ich glaube nicht, dass Steve mir je verzeihen wird. Und ich denke, er wird nie wieder mit mir sprechen.“

    Tatsächlich fiel zwischen Jobs und Sculley nie wieder ein Wort. Der Apple-Gründer starb am 5. Oktober 2011, ohne noch einmal mit Sculley gesprochen zu haben.

    In einem BBC-Interview auf der Consumer Electronics Show 2012 in Las Vegas, wo er als Berater des Unternehmens Audax Health auftrat, betonte Sculley aber nochmals, er sei für den Niedergang von Apple Anfang der neunziger Jahre nicht verantwortlich gewesen:

    Als ich Apple verließ, hatte das Unternehmen zwei Milliarden Dollar Barreserven. Apple war eine der profitabelsten Computerfirmen in der Welt – nicht nur PC-Unternehmen. Apple war die Nummer eins beim Computer-Verkauf. Dass ich Steve (Jobs) gefeuert habe, ist ein Mythos, der falsch ist. Und der Mythos, dass ich Apple zerstört habe, stimmt ebenfalls nicht. Nachdem ich gegangen bin und bevor Steve wieder zurückgekommen ist, sind viele Dinge (bei Apple) passiert.

    John Sculley

    Quellen:

    John Sculley und John A. Byrne: Meine Karriere bei PepsiCo und Apple, ECON Taschenbuch Verlag, 2. Aufl. Düsseldorf, Wien 1991. (Dt. Ausgabe der Autobiografie Odyssey – Pepsi to Apple)

    Walter Isaacson: Steve Jobs, C.Bertelsmann Verlag, München 2011.

    Detlef Borchers: Apples Newton: Der Schwerkraft getrotzt, doch der Zeit voraus (Abgerufen: 20. Januar 2012, 20:20 UTC)

    Seite „Knowledge Navigator“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. November 2010, 19:05 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Knowledge_Navigator&oldid=81700331 (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:20 UTC)

    Artikel BBC Ex-Apple boss Sculley sets record straight on Jobs (Abgerufen: 21. Januar 2012, 16:35 UTC)

    Artikel Forbes.com For a Preview of the iPad3, Watch This 23-Year-Old Apple Video (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:10 UTC)

    Artikel: Apple – Erfolg und Misserfolg im Spiegel ausgewählter Produkte  (Abgerufen: 21. Januar 2012, 18:10 UTC)

    Leander Kahney: John Sculley On Steve Jobs, The Full Interview Transcript (Abgerufen: 29. Januar 2012, 20:05 UTC)